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Schlager, Show und Spielautomaten: die Musik hinter den Slot-Klassikern!

Ein Slot-Katalog liest sich wie eine Setlist +++ Zwei Urheberrechte, zwei Unterschriften +++ Was die GEMA einzieht und was sie nicht vergibt +++

Am 22. Januar 2016 veröffentlichte der schwedische Entwickler NetEnt einen Spielautomaten, dessen Tonspur aus fünf Guns-N‘-Roses-Titeln bestand, darunter Sweet Child o‘ Mine und November Rain. Der Spieler stellte sich die Setlist selbst zusammen. Bis dahin hatte fast jedes Gerät seine Musik im eigenen Haus produziert.

Zwischen einem Schlagerrefrain und einer Gewinnfanfare liegt weniger, als beide Branchen zugeben würden. Jeder von beiden meldet in kurzer Zeit, dass etwas passiert ist. Der Refrain darf sich Zeit nehmen, die Fanfare bekommt einen Atemzug.

Das Inventar dazu steht in den Katalogen der Betreiber. Die deutschsprachige Seite von Shuffle über spielautomaten online spielen führt die zuliefernden Studios auf, darunter Novomatic, NetEnt und Pragmatic Play, und erklärt die Funktionsbegriffe von Wild bis Bonus-Kauf. Jeder dieser Begriffe hat eine Tonspur.

Wer in Deutschland liest, hat damit ein Nachschlagewerk und keinen Zugang: Abschnitt 8.3 der Nutzungsbedingungen nimmt Personen in Deutschland vom Angebot aus.

Ein Slot-Katalog liest sich wie eine Setlist

Das Wild-Symbol bekommt beim Aufdecken einen eigenen Akzent. Der Scatter bekommt einen Signalton, und sobald zwei davon liegen, hält bei vielen Titeln die letzte Walze länger an, unterlegt von einem Spannungsklang. Freispiele tragen ein eigenes Thema, das sich vom Grundspiel absetzt. Kaskadierende Walzen klingen mit jedem Nachrücken eine Stufe höher.

Diese Arbeit ist in dreißig Jahren erheblich gewachsen. Die Waterloo-Gruppe um den Psychologen Mike Dixon zitiert in ihrer Untersuchung von 2014 eine Schätzung des Journalisten Gary Rivlin aus dem Jahr 2004: Bis Anfang der neunziger Jahre kam ein Automat mit rund 15 Klangeffekten aus, heute sind es etwa 400.

Ein Schlagerproduzent würde diesen Aufwand für eine einzige Single nie treiben. Ein Automat dagegen spielt seine Bausteine an einem Abend hundertfach.

Zwei Urheberrechte, zwei Unterschriften

Damit ein bekannter Titel überhaupt auf einer Walze landen darf, müssen zwei getrennte Rechte geklärt werden, und das verwechseln selbst Musiker gern. Das US Copyright Office formuliert die Trennung in seinem Merkblatt 56A unmissverständlich: Tonaufnahme und Komposition gelten urheberrechtlich als zwei verschiedene Werke, und das Recht an der Aufnahme ersetzt das Recht am Werk nicht.

Die Behörde führt sogar die Urheber getrennt auf. Hinter der Komposition stehen Komponisten, Textdichter und Songschreiber; hinter der Aufnahme stehen die ausübenden Künstler, die Produzenten und die Toningenieure. Melodie und Text sind das eine, die konkrete Einspielung im Studio das andere.

Aus dieser Trennung folgt die Praxis. Wer eine vorhandene Aufnahme mit bewegtem Bild verbinden will, holt sich für die Komposition eine Synchronisationslizenz beim Musikverlag und für die Einspielung eine Master-Lizenz beim Label. Beide werden frei verhandelt, eine Zwangslizenz gibt es für keine von beiden.

Deshalb nehmen Spielefirmen bekannte Stücke oft neu auf. Das spart die Verhandlung mit dem Label, nicht aber die mit dem Verlag. Und es erklärt, warum ein Automat mit dem Originalsound einer Band teurer ist als einer, der dieselbe Melodie in eigener Einspielung bringt.

Bei einem Schlagerstandard wird diese Rechnung besonders unübersichtlich. Die Komposition hat einen Verlag, die dreißig Einspielungen, die im Lauf der Jahrzehnte entstanden sind, verteilen sich dagegen auf ebenso viele Labels. Wer die eine berühmte Fassung will, verhandelt zweimal. Wer nur die Melodie braucht, verhandelt einmal und bestellt ein Orchester.

Was die GEMA einzieht und was sie nicht vergibt

In Deutschland verläuft dieselbe Bruchlinie zwischen zwei Gesellschaften. Die GEMA meldete in ihrer Pressemitteilung zum Geschäftsbericht vom 30. März 2026 für das Jahr 2025 Gesamterträge von 1,34 Milliarden Euro und eine Verteilungssumme von 1,15 Milliarden Euro.

Entscheidend für unsere Frage ist aber nicht die Summe, sondern die Mitgliederliste. Die GEMA vertritt über 100.000 Mitglieder, und zwar Komponistinnen und Komponisten, Textdichterinnen und Textdichter sowie Musikverlage, dazu über zwei Millionen Rechteinhaber aus aller Welt.

Das ist exakt die erste Spalte des amerikanischen Merkblatts. Die GEMA sitzt auf der Seite des Werks.

Die andere Seite gehört der GVL in Berlin, die seit 1959 die Leistungsschutzrechte der ausübenden Künstlerinnen und Künstler und der Tonträgerhersteller wahrnimmt. Sie zählt über 180.000 Berechtigte und wies für 2025 Einnahmen von 258 Millionen Euro und einen Verteilungsbetrag von 220 Millionen Euro aus.

Keine der beiden Gesellschaften vergibt allerdings das Recht, ein Stück mit Bild und Spielablauf zu verbinden. Wer einen Automaten baut, verhandelt dafür weiterhin mit dem Verlag und mit dem Label, Titel für Titel. Ein Inkassoapparat, der Radioabspielungen im Monatsrhythmus abrechnet, ersetzt keine Einzelverhandlung über ein Produkt, das ein Stück tausendmal wiederholt.

Die Rocktrilogie und der Gegenentwurf

NetEnt zog dieses Programm 2016 in einem einzigen Jahr durch. Auf Guns N‘ Roses vom 22. Januar mit einem Katalogwert von 94,07 Prozent Rückfluss und 20 Gewinnlinien folgte am 14. April Jimi Hendrix, dessen Tonspur Purple Haze, Crosstown Traffic und Little Wing nennt, bei 96,9 Prozent. Am 22. September kam Motörhead mit 76 Gewinnwegen und 96,98 Prozent; welche Titel dort laufen, weist der Katalog nicht aus.

Die wählbare Setlist des ersten Titels führt neben Sweet Child o‘ Mine und November Rain auch Welcome to the Jungle, Paradise City und Chinese Democracy. Fünf Songs aus vier Jahrzehnten Bandgeschichte in einem Gerät, das in der Stunde ein paar hundert Runden dreht: Das ist eher eine Jukebox als ein Soundtrack.

Wer die Nachnutzung solcher Verträge sucht, findet wenig Belastbares. Welche Agentur oder welcher Nachlass jeweils unterschrieben hat, wird in der Fachpresse behauptet, aber nicht belegt, und die Studios veröffentlichen ihre Konditionen nicht. Nachprüfbar sind das Studio und das Datum.

Der Gegenentwurf kommt aus Österreich. Book of Ra von Novomatic, in den Katalogen auf 2005 datiert und mit 92,13 Prozent Rückfluss gelistet, trägt ein spieleigenes Ägypten-Motiv und zitiert keinen Hit. Die Fassung Deluxe vom 11. April 2008 kommt auf 95,1 Prozent und behielt die Klangsprache bei. Die Online-Umsetzung stammt von Greentube, das seit 2010 zur Novomatic-Gruppe gehört.

Der Unterschied ist betriebswirtschaftlich und nicht künstlerisch. Ein Hit bringt Wiedererkennung mit und läuft irgendwann aus dem Vertrag. Eine Hausmarke gehört dem Spiel, muss aber die hundertste Schleife aushalten, ohne zu nerven. Schlagerredaktionen kennen beide Rechnungen.

Dur, hohe Lage, und eine Kadenz, die schließt

Über die Machart der Gewinnmusik kursiert mehr Behauptung als Beleg. Der Satz, Gewinnfanfaren stünden grundsätzlich in C-Dur, wird gern weitergereicht; in der Fachliteratur findet er keine Grundlage, und keine der zugänglichen Studien hat Tonarten ausgezählt. Belegt ist etwas Allgemeineres.

Die Waterloo-Gruppe hält in ihrer Untersuchung zum Klang moderner Spielautomaten fest, dass Gewinnmusik häufig hoch gelegte Melodien in Dur enthält, und verweist für die Wirkung auf eine Arbeit von Haas und Edworthy aus dem Jahr 1996: Tonhöhe, Tempo und Lautstärke steuern zusammen, wie dringlich ein Signal wirkt. Nicht die Tonart also, sondern Lage und Geschwindigkeit.

Die aufsteigende Figur selbst ist älter als jedes Casino. Ein Signalhorn hat keine Ventile, mit denen sich die Tonhöhe verstellen ließe, und bleibt deshalb auf die Naturtöne beschränkt; die Rufe entstehen aus den fünf Noten der Signalhornskala, in denen der Dreiklang bereits enthalten ist. Wer heute eine Fanfare programmiert, arbeitet mit einem Vorrat, den die Physik des Rohrs vorgegeben hat.

Zum Schließen kommt die Kadenz. Ein Schlussfall von der Dominante zur Tonika gilt in der Musiktheorie als die direkteste Art, einen Ton als Grundton zu bestätigen. Ein Halbschluss endet auf der Dominante, klingt unfertig und verlangt nach Fortsetzung.

Genau so ist ein Automat gebaut. Der Spannungsklang vor dem dritten Scatter bleibt offen, er beantwortet nichts. Die Gewinnfanfare beantwortet alles und macht zu. Ein Schlagerarrangeur verwendet dieselben zwei Werkzeuge vor und nach dem Refrain.

Dazwischen liegt der Roll-up, in der Fachsprache der Branche das Ausspielen eines Gewinns, während der Zähler auf den erreichten Betrag hochläuft. Der Ton steigt mit den Ziffern mit. Im Simulator der Waterloo-Gruppe dauerten diese Jingles zwischen 1,5 und 12 Sekunden, und je größer der Gewinn, desto länger das Lied. Die Dauer ist damit selbst eine Information, ein Preisschild in Tönen.

Der Jubel, der einen Verlust vertont

Die Regie führt trotzdem der Zufall. Der Zufallsgenerator legt das Ergebnis fest, bevor die erste Walze steht, und die Musik kommentiert nur noch. Was sie kommentiert, ist allerdings nicht immer ein Gewinn.

Die Waterloo-Gruppe ließ 96 Spielerinnen und Spieler je zwei Blöcke von 200 Runden drehen, einmal mit Ton und einmal ohne. Jeder Block enthielt 144 Nieten, 28 echte Gewinne und 28 Runden, in denen weniger zurückkam als gesetzt war, die der Automat aber mit Gewinnmusik feierte.

Ohne Ton schätzten die Teilnehmer hinterher 33 Gewinne, mit Ton 36. Die Überschätzung stieg damit von 15 auf 24 Prozent. Den Durchgang mit Klang bevorzugten trotzdem 66 der 91 Befragten, also 72,5 Prozent.

Eine Folgestudie derselben Gruppe von 2015 ging der Sache mit 157 Teilnehmenden nach, die 300 Runden drehten und anschließend 20 Ergebnisse einordnen sollten. Wo der Jubel durch ein negatives Signal ersetzt war, erkannte die Mehrheit die getarnten Runden korrekt als Verlust. Der Ton hatte die Wahrnehmung also nicht nur begleitet, er hatte sie gedreht.

Die britische Glücksspielaufsicht hält in ihren technischen Standards von 2021 fest, ein Spiel dürfe einen Rückfluss nicht feiern, der den Gesamteinsatz nicht übersteigt. Das bindet nur die dortigen Lizenznehmer. Es ist aber der seltene Fall, dass eine Behörde über eine Tonspur entscheidet, und für Tontechnik ein bemerkenswerter Satz.

Der Rückflusswert bleibt ein Langzeitmittel und sagt über einen einzelnen Abend nichts. Gespielt wird ab 18 Jahren, und wer das eigene Spiel als Last empfindet, erreicht das kostenfreie Beratungstelefon unter 0800 1 37 27 00.

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