CHAPTER 7
smago! CD-Kritik zum emotionalen Debütalbum „Tränenmeer“ von David Brandes und Gracia als CHAPTER 7!
Das erste Album von CHAPTER 7 überzeugt mit bewegenden Songs über Liebe, Verlust, Missbrauch, Hoffnung und Menschlichkeit!
Mit „Tränenmeer“ legen CHAPTER 7, das gemeinsame Projekt von DAVID BRANDES und GRACIA, ein Debütalbum vor, das sich bewusst von gängigen Pop-Konventionen entfernt. Statt austauschbarer Liebesgeschichten stehen intensive Emotionen, poetische Bilder und Themen im Mittelpunkt, die unter die Haut gehen. Die Mischung aus melancholischem Rock, cineastischen Arrangements und eindringlichen Texten entwickelt dabei eine ganz eigene Sogwirkung. Schon die ersten veröffentlichten Singles machten deutlich, dass CHAPTER 7 mehr sein wollen als ein weiteres Musikprojekt: Sie erzählen Geschichten, die nachhallen und den Hörer nicht mehr loslassen.
DAVID BRANDES und GRACIA prägen CHAPTER 7 gleichermaßen. Während DAVID mit seinem Gespür für starke Melodien, Arrangements und Geschichten die musikalische Basis schafft, verleiht GRACIA den Songs mit ihrer ausdrucksstarken Stimme eine besondere emotionale Tiefe. Den unverwechselbaren Charakter des Projekts macht jedoch vor allem das Zusammenspiel der beiden Stimmen aus: die warme, kraftvolle Stimme von DAVID und GRACIAs ausdrucksstarker Mezzosopran bilden eine außergewöhnliche Symbiose.
Gemeinsam erschaffen sie Klangwelten, in denen sich Hoffnung und Verzweiflung, Liebe und Verlust, Licht und Dunkelheit permanent begegnen. „Tränenmeer“ ist kein Album für den schnellen Konsum – es lädt dazu ein, zuzuhören, mitzufühlen und die Texte Zeile für Zeile zu entdecken. Genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf die zwölf Songs, die dieses außergewöhnliche Werk ausmachen.
Im folgenden Track by Track werfen wir einen Blick auf jedes einzelne Stück des Albums – auf die Geschichten, die dahinterstehen, die musikalischen Facetten und die emotionale Tiefe, die CHAPTER 7 mit bemerkenswerter Konsequenz durch das gesamte Werk tragen. Dabei wird schnell deutlich: Jeder Song besitzt seine eigene Identität und ist doch Teil eines großen Ganzen.
„Salz“
Mit „Salz“ eröffnet CHAPTER 7 sein Debütalbum Tränenmeer mit einem Song, der die musikalische und inhaltliche Richtung des gesamten Werks vorgibt. Im Mittelpunkt steht eine geheimnisvolle Begegnung, die sich jeder klaren Erklärung entzieht: Der Protagonist folgt keinem Gesicht, sondern einem Duft, einem Gefühl und einer kaum greifbaren Präsenz. Zwischen Sehnsucht und Unsicherheit, Anziehung und Gefahr entfaltet sich eine intensive Atmosphäre, die von starken Gegensätzen wie Licht und Dunkelheit, Nähe und Distanz oder Leben und Tod lebt. Musikalisch verbindet der Titel melancholischen Deutschrock mit cineastischen Klanglandschaften und erinnert in seiner epischen Dichte stellenweise an die großen Produktionen von UNHEILIG, ohne dabei die eigene Handschrift zu verlieren. Die besondere Intensität entsteht vor allem durch das Wechselspiel der beiden Stimmen von CHAPTER 7. „Salz“ ist damit weit mehr als ein Album-Opener – der Song eröffnet die emotionale Welt von CHAPTER 7 und macht neugierig auf die Geschichten, die auf Tränenmeer noch folgen.
„Sheera“
„Sheera“ gehört zu den emotionalsten und eindringlichsten Momenten auf „Tränenmeer“. Musikalisch schlägt CHAPTER 7 dabei neue Töne an: Statt des cineastischen Deutschrock-Sounds des Openers setzt der Titel auf einen atmosphärischen Retro-Ethno-Beat, der Erinnerungen an die Klangwelten von ENIGMA weckt und der kraftvollen Stimme von Gracia besonders viel Raum gibt. Inhaltlich erzählt „Sheera“ die bewegende Geschichte eines Mädchens, dessen Kindheit durch ein schweres Trauma jäh beendet wurde. Die Narben sind nicht nur körperlich, sondern vor allem seelisch – und begleiten sie bis ins Erwachsenenleben. Zeilen wie „Schweigen ist sicherer als Schreien“ oder „Du funktionierst – lächelst nach Plan“ zeichnen das eindrucksvolle Bild eines Menschen, der gelernt hat zu überleben, während die Vergangenheit unaufhörlich nachwirkt. Trotz aller Dunkelheit ist „Sheera“ jedoch kein Song der Hoffnungslosigkeit: Der wiederkehrende Appell „Bitte leb“ macht deutlich, dass es letztlich um Heilung, Selbstbefreiung und die Hoffnung auf einen Neuanfang geht. Gerade durch die Verbindung aus tief berührendem Text, außergewöhnlicher Produktion und einer eindrucksvollen Gesangsleistung zählt „Sheera“, vorab übrigens auch als Single-VÖ ausgekoppelt, zu den stärksten und bewegendsten Songs des Albums.
„Dein Gift“ – DER Hit des Albums?
„Dein Gift“ zeigt eine weitere, deutlich düsterere Facette von CHAPTER 7 und erzählt von einer Beziehung, die zwischen Anziehung, Enttäuschung und emotionaler Abhängigkeit gefangen ist. Der Song beschreibt den inneren Kampf eines Menschen, der die Lügen und Verletzungen längst erkennt, sich aber trotzdem nicht aus der Verbindung lösen kann. Das zentrale Bild des „Giftes“ steht dabei sinnbildlich für eine Liebe oder Bindung, die gleichzeitig verführt und zerstört – etwas, von dem man weiß, dass es schadet, aber trotzdem nicht loslassen kann. Mit Zeilen wie „immer wieder brech ich ein“ und „ich komm nicht von Dir los“ wird die Spirale aus Hoffnung, Schmerz und Ernüchterung eindringlich spürbar.
Und vielleicht ist genau das der Song, der auf „Tränenmeer“ am stärksten das Zeug zum Hit hat. „Dein Gift“ besitzt einen Refrain, der sich unmittelbar festsetzt: Das wiederholte „immer wieder“ entwickelt einen regelrechten Sog und passt damit nicht nur inhaltlich, sondern auch musikalisch perfekt zum Thema des Songs. Man hat das Gefühl, gemeinsam mit dem Protagonisten immer wieder in dieselbe emotionale Falle zu geraten. Dazu kommt eine starke Bildsprache, die ohne komplizierte Umwege funktioniert: Man erkennt die Lüge, man weiß um den Schmerz – und schluckt das „Gift“ trotzdem immer wieder. Genau diese Mischung aus eingängiger Hook, emotionaler Wucht und einer Geschichte, die viele Hörer unmittelbar nachvollziehen können, macht „Dein Gift“ für mich zum potenziellen Hit des Albums.
Musikalisch setzt CHAPTER 7 auf eine intensive, spannungsgeladene Atmosphäre, die perfekt zur emotionalen Zerrissenheit des Textes passt. Zwischen verletztem Vertrauen, unausgesprochenen Wahrheiten und der Sehnsucht nach einem letzten Beweis für die Liebe entsteht ein Song über die schwerste Form des Loslassens: den Moment, in dem der Kopf längst verstanden hat, was das Herz noch immer nicht akzeptieren will. Auch hier sorgt die markante Stimme von DAVID BRANDES, die auch gleichzeitig eine spürbare Zerbrechlichkeit in sich trägt, für zusätzliche Glaubwürdigkeit und unterstreicht eindrucksvoll die emotionale Zerrissenheit des Songs.
„Dein Gift“ ist damit nicht nur ein eindringliches Porträt emotionaler Abhängigkeit, sondern auch einer der Songs, die CHAPTER 7 einem größeren Publikum öffnen könnten. Wenn sich ein Titel aus „Tränenmeer“ als echter Ohrwurm und Publikumsliebling herauskristallisiert, dann hat „Dein Gift“ dafür beste Voraussetzungen.
„Geweint vor lauter Glück“
Mit „Geweint vor lauter Glück“ präsentiert CHAPTER 7 einen der emotionalsten Titel des Albums – und einen Song, der bereits vor der Veröffentlichung von „Tränenmeer“ als Single ausgekoppelt wurde. Die Resonanz der Fans fiel durchweg positiv aus: Viele lobten die berührende Geschichte, die außergewöhnliche Dramaturgie und die intensive Atmosphäre des Titels. Zunächst erzählt der Song von einem Moment vollkommenen Glücks, von Liebe, Vertrauen und dem Gefühl, endlich angekommen zu sein. Doch mitten in dieser scheinbar perfekten Geschichte nimmt die Handlung eine überraschende Wendung. Aus der Freude wird tiefer Schmerz, aus Hoffnung wird Verlust – und genau dieser Kontrast verleiht dem Song seine außergewöhnliche Kraft. Musikalisch bleibt CHAPTER 7 dem charakteristischen Stil aus epischen Klanglandschaften, melancholischen Melodien und emotionalem Gesang treu, ohne sich zu wiederholen. Statt auf plakative Effekte zu setzen, entfaltet sich die Intensität Stück für Stück und zieht den Hörer immer tiefer in die Geschichte hinein.
Gerade das Wechselspiel zwischen DAVIDs warmer, kraftvoller Stimme und GRACIAs ausdrucksstarkem Mezzosopran verleiht dem Titel eine besondere emotionale Tiefe und gehört zu den großen Stärken von CHAPTER 7. „Geweint vor lauter Glück“ beweist eindrucksvoll, wie nah Glück und Schmerz oft beieinanderliegen.
„Unter unseren Brücken“
„Unter unseren Brücken“ zählt zu den nachdenklichsten und gesellschaftlich relevantesten Songs auf „Tränenmeer“. CHAPTER 7 erzählen hier die Geschichte eines Menschen, der sich immer weiter in Sucht, Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit verliert. Besonders bewegend ist die Perspektive des lyrischen Ichs: Es blickt nicht auf einen Fremden, sondern auf einen Menschen, den es einst kannte und liebte. Die Begegnung wird zum schmerzhaften Spiegel einer gemeinsamen Vergangenheit, während vertraute Orte heute zum Symbol für Absturz und Verlorenheit werden. Zeilen wie „Unter unsern Brücken schläfst Du irgendwo“ oder „mein Herz, es blutet“ machen deutlich, dass hinter dem Schicksal nicht nur gesellschaftliche Ausgrenzung, sondern auch persönlicher Schmerz steckt. Musikalisch unterstreicht eine melancholische, dichte Atmosphäre die bedrückende Thematik und verleiht dem Song eine besondere Intensität. Dabei verzichtet CHAPTER 7 bewusst auf einfache Schuldzuweisungen oder moralische Urteile. Stattdessen zeichnet „Unter unseren Brücken“ ein einfühlsames Bild über die zerstörerische Kraft von Sucht, den Verlust der eigenen Identität und die Hilflosigkeit derjenigen, die einen geliebten Menschen auf diesem Weg nicht mehr erreichen können. Gerade die warme, tiefgründige Stimme von DAVID BRANDES verleiht der Geschichte eine besondere Glaubwürdigkeit und lässt die Verzweiflung des lyrischen Ichs unmittelbar spürbar werden. Es ist ein Song, der lange nachhallt, weil er zeigt, wie schmal der Grat zwischen Hoffnung und Absturz manchmal sein kann.
„Zeugen neuen Lebens“
Mit „Zeugen neuen Lebens“ präsentieren DAVID und GRACIA eine der persönlichsten und gefühlvollsten Balladen des Albums. Im Mittelpunkt steht nicht nur das Wunder neuen Lebens, sondern auch die Sehnsucht danach. Der Song richtet sich auch an Menschen, die einen unerfüllten Kinderwunsch haben oder hatten, sowie an diejenigen, die eine Fehlgeburt erleben mussten. Die Zeile „Du schufst Vergangenheit“ trägt dabei eine besondere Bedeutung: Sie erzählt von Erinnerungen, Hoffnungen und Erfahrungen, die mit diesem Lebenswunsch verbunden sind. Zeilen wie „Du bist mein kleiner Krieger“ oder „ich werde mit dir die Welt besiegen“ vermitteln darüber hinaus das Versprechen, das eigene Kind unter allen Umständen beschützen zu wollen. Gleichzeitig schwingt in der Ballade auch die Zerbrechlichkeit des Lebens mit, wodurch die Botschaft noch intensiver wirkt. Musikalisch setzt CHAPTER 7 auf große Emotionen und eine eingängige Melodie, die Erinnerungen an die kraftvollen Pop-Balladen erinnert, mit denen DAVID BRANDES vor rund zwei Jahrzehnten (etwa mit den Produktionen für VANILLA NINJA) große Erfolge feierte. Bereits vorab als Single veröffentlicht, zeigte „Zeugen neuen Lebens“, dass CHAPTER 7 nicht nur düstere Geschichten erzählen, sondern auch bewegende Momente voller Hoffnung und Liebe in Musik verwandeln können. Die Ballade gehört zu den emotionalen Höhepunkten von „Tränenmeer“ und beweist einmal mehr das Gespür des Projekts für große Gefühle ohne übertriebene Sentimentalität.
„Du reißt alles in mir auf“
„Du reißt alles in mir auf“ gehört zu den intensiven und leidenschaftlichen Titeln auf „Tränenmeer“. Der Song beschreibt den Moment, in dem Liebe oder Verlangen sämtliche Schutzmauern einreißen und aus Sehnsucht beinahe schon Abhängigkeit wird. Das lyrische Ich schwankt zwischen Hoffnung und Zweifel, zwischen dem Wunsch nach Nähe und der Angst, erneut verletzt zu werden. Zeilen wie „wenn Du gehst, werde ich hier krepieren“ oder „Du machst mich high, gibst mir Mut“ verdeutlichen, wie existenziell diese Verbindung empfunden wird. Musikalisch verbindet CHAPTER 7 kraftvolle Rockelemente mit einer emotional aufgeladenen Melodie, die den inneren Konflikt eindrucksvoll widerspiegelt. Der Titel wurde bereits im Vorfeld des Albums als fünfte Single veröffentlicht und knüpfte nahtlos an die positive Resonanz der vorherigen Auskopplungen an. Die stetig wachsende Fangemeinde zeigt, dass CHAPTER 7 mit ihrer Mischung aus markanten Texten und eingängigen Melodien einen Nerv trifft. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt die Band durch ein ausführliches TV-Porträt, das ihren bemerkenswerten Aufstieg in der deutschen Musikszene begleitete.
„Als der Regen kam“
„Als der Regen kam“ ist eine ergreifende Ballade über Abschied, Trauer und die Leere, die ein geliebter Mensch hinterlässt. DAVID und GRACIA beschreiben den Moment des endgültigen Loslassens mit eindrucksvollen Bildern voller Symbolik: Regen, Duft und Licht stehen für Erinnerungen, Vergänglichkeit und die letzten Spuren eines Menschen, der zwar gegangen ist, aber emotional noch immer präsent bleibt. Besonders das Motiv des verschwindenden Duftes wird zum Sinnbild dafür, wie selbst die greifbarsten Erinnerungen langsam verblassen, während der Schmerz bestehen bleibt. Musikalisch entfaltet sich der Song mit großer Ruhe und emotionaler Tiefe, wodurch jedes Wort Raum erhält, seine Wirkung zu entfalten. Die gesprochene Schlusszeile „Für ein Leben ohne Dich hab ich keine Resistenz“ bildet den emotionalen Höhepunkt und bringt die Hilflosigkeit nach einem schweren Verlust auf den Punkt. „Als der Regen kam“ verzichtet auf große Gesten und berührt gerade deshalb so nachhaltig. Es ist ein stilles, intensives Lied über die Schwierigkeit, Abschied zu akzeptieren, und über die Erkenntnis, dass manche Menschen auch nach ihrem Fortgehen für immer ein Teil des eigenen Lebens bleiben.
„Tränenmeer“
Mit dem Titelsong „Tränenmeer“ erreicht das Album seinen emotionalen und inhaltlichen Höhepunkt. CHAPTER 7 verlassen hier die Ebene persönlicher Schicksale und richten den Blick auf das Leid von Kindern im Krieg. Im Mittelpunkt steht ein Mädchen, das innerhalb weniger Augenblicke seine Heimat, seine Familie und seine gesamte Zukunft verliert. Bilder wie der „zerfetzte Teddy“, der „Rucksack voller Einsamkeit“ oder das zerstörte Elternhaus verleihen dem Song eine beklemmende Authentizität und machen das unfassbare Ausmaß von Krieg auf erschütternde Weise greifbar. Dabei verzichtet der Text bewusst auf politische Botschaften und konzentriert sich stattdessen auf das menschliche Schicksal hinter den Schlagzeilen. Musikalisch verbindet CHAPTER 7 epische Klangwelten mit einer eindringlichen Melodie, die den dramatischen Text eindrucksvoll trägt, ohne ihn zu überlagern. Vor allem die markante Stimme von DAVID BRANDES verleiht dem Titel zusätzliche Dramatik und Nachdruck. Sie bildet gemeinsam mit GRACIAs klarem Gesang einen eindrucksvollen Kontrast, der die emotionale Wucht des Songs noch verstärkt. Die gesprochene Schlussfrage, ob der Angreifer je darüber nachgedacht habe, was geschieht, wenn Kinder ihre Zukunft verlieren, verleiht dem Song eine zusätzliche Wucht und bleibt lange im Gedächtnis. „Tränenmeer“ ist ein bewegendes Antikriegslied, das Mitgefühl weckt und eindringlich daran erinnert, dass die größten Opfer bewaffneter Konflikte oft diejenigen sind, die am wenigsten dafür können.
„Wie weit ist zu weit“
„Wie weit ist zu weit“ setzt nach den zuvor oft schweren und nachdenklichen Themen einen hoffnungsvollen Akzent. Der aus der Feder von HEINZ RUDOLF KUNZE stammende Text erzählt von Neugier, Aufbruch und dem Mut, die Welt mit offenen Augen zu entdecken. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie weit ein Mensch gehen muss, um seinen eigenen Weg zu finden – und ob es für Träume und Sehnsüchte überhaupt Grenzen gibt. Bilder wie der „Ozean der Zeit“ oder die Suche nach dem eigenen „Amerika“ stehen sinnbildlich für Freiheit, Selbstfindung und den Wunsch, das Unbekannte zu erkunden. Musikalisch überzeugt der Titel mit einer schwebenden Leichtigkeit, die perfekt zur Botschaft des Songs passt. GRACIA verleiht der Komposition mit ihrem ausdrucksstarken Mezzosopran eine besondere emotionale Farbe und erinnert dabei stellenweise an die poetische Emotionalität von ROSENSTOLZ, ohne den eigenen Stil zu verlassen. Gerade im harmonischen Zusammenspiel mit der tiefen Stimme von DAVID BRANDES entsteht ein Klangbild, das den unverwechselbaren Charakter von CHAPTER 7 ausmacht. So entsteht ein inspirierender Song, der dazu ermutigt, Grenzen zu hinterfragen, den eigenen Träumen zu folgen und sich auf das Abenteuer Leben einzulassen – ein lichtvoller Moment auf einem Album, das immer wieder zwischen Melancholie und Hoffnung balanciert.
„Stück für Stück“
„Stück für Stück“ ist ein eindringlicher Song über den Kampf gegen die Sucht und den mühsamen Weg zurück ins Leben. CHAPTER 7 schildern schonungslos den inneren Konflikt eines Menschen, der sich den eigenen Dämonen stellt und erkennt, welchen Preis die Abhängigkeit gefordert hat. Schuld, Selbstzerstörung und Rückschläge werden dabei ebenso thematisiert wie der langsam wachsende Wille, die Kontrolle über das eigene Leben zurückzugewinnen. Der wiederkehrende Refrain „Stück für Stück hol ich mir mein Ich zurück“ wird zum kraftvollen Leitmotiv eines Neuanfangs, während die gesprochenen Schlusszeilen den endgültigen Bruch mit der Sucht symbolisieren. Musikalisch verbindet der Titel eine düstere Grundstimmung mit einer immer stärker werdenden Dynamik, die den Weg aus der Verzweiflung hin zu neuer Hoffnung eindrucksvoll nachzeichnet. „Stück für Stück“ ist damit weit mehr als ein So ng über Abhängigkeit: er erzählt von Selbstbefreiung, Durchhaltewillen und der Erkenntnis, dass jeder noch so kleine Schritt zurück ins Leben ein großer Sieg sein kann.
„Nothing Else Matters“
Mit „Nothing Else Matters“ endet das Album „Tränenmeer“ auf besondere Weise. Als einziger englischsprachiger Titel des Albums nimmt der Song eine Ausnahmestellung ein – nicht zuletzt, weil es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um den letzten Liedtext des angesehenen verstorbenen Textdichters Dr. BERND MEINUNGER handelt. Aus Respekt vor seinem Lebenswerk entschieden sich CHAPTER 7 und DAVID BRANDES, den englischsprachigen Originaltext unverändert beizubehalten. Die Verbindung zwischen BERND MEINUNGER und DAVID BRANDES ging weit über die gemeinsame Arbeit hinaus. MEINUNGER war für BRANDES auch persönlich eine wichtige Bezugsperson und eine Art väterlicher Freund. Diese enge Verbindung macht „Nothing Else Matters“ zu einem besonders emotionalen Moment des Albums.
Inhaltlich ist der Song ein Appell zu Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und innerer Stärke. Der Text fordert dazu auf, sich nicht in Sackgassen des Lebens zu verlieren, mit der eigenen Vergangenheit abzuschließen und trotz aller Rückschläge die eigene Identität zu bewahren. Gerade diese Botschaft bildet einen stimmigen Abschluss eines Albums, das sich immer wieder mit Verlust, Schmerz, Hoffnung und Neuanfängen beschäftigt. Gleichzeitig schließt sich damit auch ein persönlicher Kreis: BERND MEINUNGER und DAVID BRANDES verband eine jahrzehntelange, erfolgreiche Zusammenarbeit – unter anderem beim deutschen ESC-Beitrag „Run & Hide“, den GRACIA 2005 interpretierte. So ist „Nothing Else Matters“ ein würdevoller musikalischer Schlusspunkt und zugleich eine Hommage an einen der bedeutendsten deutschsprachigen Song-Texter seiner Generation.
Fazit
Mit „Tränenmeer“ gelingt CHAPTER 7 ein Debütalbum, das den Mut hat, unbequeme Themen anzusprechen und dabei dennoch nie den Blick für Hoffnung und Menschlichkeit verliert. Missbrauch, Sucht, toxische Beziehungen, Krieg, Verlust oder die bedingungslose Liebe zu einem Kind – all diese Geschichten verbindet die Band zu einem musikalischen Gesamtwerk, das emotional fordert, aber ebenso berührt. Gerade diese Vielschichtigkeit macht den besonderen Reiz des Albums aus und hebt es wohltuend von vielen aktuellen Veröffentlichungen ab. Einen wesentlichen Anteil daran hat auch die außergewöhnliche gesangliche Chemie des Duos: Die warme, markante Stimme von DAVID BRANDES trifft auf den schönen Mezzosopran von GRACIA. Dieses Wechselspiel zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album und verleiht CHAPTER 7 einen unverwechselbaren musikalischen Charakter.
Schon die beeindruckende Resonanz auf die vorab veröffentlichten Singles und der außergewöhnlich starke Vorverkauf deuten darauf hin, dass CHAPTER 7 mit „Tränenmeer“ einen Nerv trifft. Sollte die Qualität der Songs auch das breite Publikum überzeugen, dürfte das Debüt durchaus das Potenzial besitzen, sich in den höchsten Regionen der Album Charts – und wer weiß, vielleicht sogar an der Spitze – etablieren. Fest steht schon jetzt: DAVID BRANDES und GRACIA haben mit CHAPTER 7 ein Projekt geschaffen, das nicht auf kurzfristige Trends setzt, sondern auf zeitlose Geschichten, große Melodien und ehrliche Emotionen. Gerade weil CHAPTER 7 von der besonderen Verbindung zweier Künstler lebt, besitzt „Tränenmeer“ seine eigene Identität. DAVID BRANDES und GRACIA stehen gemeinsam für den Klang des Projekts: eine kraftvolle männliche Stimme trifft auf eine ausdrucksstarke weibliche Stimme – erst diese Verbindung macht CHAPTER 7 aus. Beste Voraussetzungen dafür, dass „Tränenmeer“ noch lange nach seinem Erscheinen nachwirken wird.



Textquelle: smago!

