DIETER HALLERVORDEN
smago! top-exklusiv: „Ich liebe Herausforderungen – und noch mehr deren Bewältigung!“!
Dieter Hallervorden über Risiken, klare Haltung und seine unbändige Lust, auch mit (fast) 91 noch zu überraschen!
Lieber Herr Hallervorden, ist es jemals passiert, dass Sie sich vergeblich um die Aufführungsrechte für ein bestimmtes Theaterstück bemüht haben? – oder dass es im Nachgang „Theater“ gab, weil eine Bearbeitung à la Hallervorden einem Rechteinhaber zu weit gegangen ist?
Einmal waren wir nach wochenlangen Proben auf der Zielgeraden zur Premiere, als mich vom zuständigen deutschen Verlag folgende Nachricht erreichte: „Wir haben übersehen, dass uns der amerikanische Autor vor ein paar Wochen die Rechte am Stück fristlos entzogen hat. Der Vertrag mit Ihrem Schlosspark Theater ist daher leider ungültig!“ Das Ruder durch schwierige Verhandlungen mit dem Autor in letzter Minute doch noch herumzureißen – das kostete echt Zeit und Nerven! Das möchte ich bitte nicht noch einmal erleben!
Nach 17 Spielzeiten – das „Schlosspark Theater“ wird, unter Ihrer Ägide, am 05.09.2026 volljährig: Wie wichtig ist es Ihnen, mit dem Spielplan auch Risiken einzugehen, statt sich auf bewährte Publikumserfolge zu verlassen?
Das Stück, mit dem wir die 18. Spielzeit am 5. September eröffnen, ist ein Paradebeispiel für meine Risikobereitschaft. Der Stücktitel lautet: „Putsch!“, der Untertitel: „Anleitung zum Zerstören einer Demokratie!“.
Das Werk ist zudem eine starke Kritik an einer Partei, die so tut, als wäre sie eine Alternative. Ich bin stark im Wahlkampf von Sachsen-Anhalt tätig und musste selbst erleben, zu welch fiesen Schlägen unter die Gürtellinie die Rechtsextremen greifen. Dennoch schreckt mich das nicht davon ab, für Freiheit und Demokratie einzutreten. Es ermuntert mich sogar, noch eine Schippe draufzulegen.
Sie werden am 5. September 91 Jahre jung. Heißt: Noch 17 Jahre „bis Heesters“ ((Johannes Heesters wurde 108 Jahre alt, die Redaktion)) – nehmen Sie die Herausforderung an?
Mit 91 sage ich mir: Das ist schon mal geschafft, Dieter! Mal sehen, was darüber hinaus noch drin ist … Dabei lasse ich mir die Messlatte für das Erreichbare nicht von anderen vorschreiben; ich pirsche mich vorsichtig und demutsvoll voran. Sie wissen ja: Ich liebe Herausforderungen! Und noch mehr natürlich deren Bewältigung!!! Ich möchte schon gern noch für ein paar Überraschungen gut sein! Toi, toi, toi!
Wenn Sie auf die 17 Spielzeiten im Schlosspark-Theater unter Ihrer Ägide zurückblicken: Was würden Sie heute anders machen – und woran würden Sie unter keinen Umständen rütteln?
Ich habe die Theaterstücke zu Beginn nicht 40-mal hintereinander, also: ensuite, gespielt, sondern den Spielplan als Repertoire gestaltet. Zum einen war es schwer, prominente Darsteller zu verpflichten, die über Monate hinweg immer mal wieder sechs Vorstellungen spielen „durften“. Zum anderen kosteten mich die ständigen Bühnenbildumbauten pro Jahr hunderttausend Euro extra. Ich bin aber inzwischen geheilt, denn: Aus Schaden wird man klug! Selbst im hohen Alter noch!
Textquelle: Andy Tichler, Chefredakteur www.smago.de

