{"id":98593,"date":"2014-09-16T00:00:00","date_gmt":"2014-09-16T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=98593"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"RALF-BENDIX-Die-Doppel-CD-Gros-98592","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/oldies\/RALF-BENDIX-Die-Doppel-CD-Gros-98592\/","title":{"rendered":"RALF BENDIX <br \/> Die Doppel-CD &quot;Gro\u00dfe Erfolge &#038; Evergreens&quot; im Test von Holger St\u00fcrenburg!"},"content":{"rendered":"<p>Holger St\u00fcrenburg definiert den Begriff &#8222;Flei\u00dfarbeit&#8220; mal wieder v\u00f6llig neu, wie Sie HIER nachlesen k\u00f6nnen&#8230;:\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es durfte etwa ein Jahr vor meiner Geburt gewesen sein, als mein Vater, der in T&uuml;bingen an der Uni lehrte, den Auftrag erhielt, in Zukunft am Universit&auml;tskrankenhaus Eppendorf in Hamburg t&auml;tig zu sein. Da er zuvor ausschlie&szlig;lich in Bayern bzw. Baden W&uuml;rttemberg gearbeitet hatte, bedeutete f&uuml;r ihn und meine Mutter der Umzug in den hohen Norden den sprichw&ouml;rtlichen Sprung ins kalte Wasser. Wie sie mir &ndash; der ich nur kurz sp&auml;ter noch nahe T&uuml;bingen zur Welt kam &ndash; im Laufe meiner Kindheit immer wieder erz&auml;hlten, existierte seinerzeit, also 1970\/71, ein ganz spezielles Lied, das f&uuml;r sie sozusagen die t&ouml;nende Motivation, die musikalische Untermalung, f&uuml;r den beruflichen Neustart in der Freien und Hansestadt bedeutete. Dieses Lied hie&szlig; &bdquo;In Hamburg sind die N&auml;chte lang&ldquo;, &nbsp;war ein von Karl Bette komponiertes und von Hans Bradtke und Claus Ritter gereimtes, locker swingendes, n&auml;chtlich-urbanes Schlagerchanson, welches schon 1959 aufgenommen worden war, von einem gro&szlig;artigen K&uuml;nstler, Schlagers&auml;nger, Produzenten, Humoristen und TV-Dauergast namens <strong>Ralf Bendix<\/strong>.<\/p>\n<p>Der 1924 als Karl-Heinz Schwab geborene Showallrounder galt als einer der erfolgreichsten einheimischen Schlagerinterpreten der 50er und 60er Jahre. Ralf Bendix hatte bereits nach dem II. Weltkrieg in amerikanischer Gefangenschaft in verschiedenen Bands gespielt und auf diese Weise erste Bekanntschaft mit Swing, Jazz und Country geschlossen. Danach gab er sich zun&auml;chst dem universit&auml;ren Studium von Jura und Wirtschaft hin und schloss dasselbe 1952 als Dr. rer. pol. ab. Nachdem er vom K&ouml;lner Kollegen Paulchen Kuhn einen Schallplattenvertrag vermittelt bekommen hatte, ging ab sofort alles strikt bergauf f&uuml;r ihn: Ein neuer heller Stern am Deutschen Schlagerhimmel ward geboren, der bis in die 70er Jahre hinein f&uuml;r den einen oder anderen unvergesslichen Erfolg im Rahmen der Leichten Muse gut sein sollte. Viele von seinen damals aufgenommenen Liedern haben l&auml;ngst einen unverbr&uuml;chlichen Klassikerstatus inne.<\/p>\n<p>Nun ist Ralf Bendix vor wenigen Wochen, nur 14 Tage nach seinem 90. Geburtstag, in seiner Wahlheimat in Stansaad-F&uuml;ringen in der Schweiz verstorben. Statt eines Nachrufes, m&ouml;chte ich nun an dieser Stelle die mit viel Feingef&uuml;hl und Kenntnis der Materie zusammengestellte Doppel-CD <strong>&bdquo;GROSSE ERFOLGE &amp; EVERGREENS&ldquo;<\/strong> des oft verschmitzt l&auml;chelnden Paradeentertainers mit der so kraftvollen, tiefen, ja geradezu sonoren Stimme vorstellen, die seine langj&auml;hrige Schallplattenfirma EMI-Electrola, heute UNIVERSAL, zu seinem 90. Ehrentag k&uuml;rzlich ver&ouml;ffentlicht hat.<\/p>\n<p>Darauf befinden sich tats&auml;chlich alle wichtigen Liedbeitr&auml;ge, die man von Ralf Bendix kennen sollte, die ihn in den Goldenen Jahren der Wirtschaftswunderzeit und danach oft in die h&ouml;chsten Sph&auml;ren der deutschen Hitparaden bef&ouml;rdert hatten und von denen nicht wenige schlicht viel zu schade, weil zu eing&auml;ngig, zu liebenswert, zu zeitlos, sind, um sie einfach so dem Vergessen anheimfallen zu lassen.<\/p>\n<p>Der allererste Erfolgstitel von Ralf Bendix, der schon 1956 bis auf Rang 2 der deutschen Hitparaden ziehen konnte, war die vornehm zur&uuml;ckhaltend intonierte, deutsche Version des d&uuml;steren Country-Folk-Songs &bdquo;Sixteen Tons&ldquo; von Merle Travis bzw. Tennessee Ernie Ford. Dieser hatte von dem Wilhelmshavener Texter und sp&auml;teren kreativen Compagnon von Synthispezialist Giorgio Moroder, Peter Moesser, deutsche Reime verabreicht bekommen, die zwar mit der sozialkritischen Intention des US-Originals nichts gemein hatten, aber trotzdem zweifellos teutonische Schlagergeschichte schrieben: &bdquo;Sie hie&szlig; Mary Ann&ldquo;, die abgekl&auml;rte Story eines Schiffsjungen und sp&auml;teren Kapit&auml;ns, der niemals so recht eine Frau, daf&uuml;r aber umso intensiver sein Schiff &bdquo;Mary Ann&ldquo; zutiefst liebte, bis dieses einst, an einem 19. Mai, nach einem Orkan in der Hudson Bay, zu seinem Grab werden sollte, gab es im Laufe der Zeit von z.B. Freddy Quinn oder gar als bluesigen Rockhammer von Ex &bdquo;Rattle&ldquo; Achim Reichel zu h&ouml;ren. Doch am pr&auml;gnantesten, erfolgreichsten und beliebtesten ist bis heute die sehns&uuml;chtig-morbide Interpretation der zickigen, ged&auml;mpft swingenden Countrymelodie von Ralf Bendix. Mit diesem fulminanten Singledeb&uuml;t, startet nun auch vorliegende Best-of-Koppelung &bdquo;Gro&szlig;e Erfolge &amp; Evergreens&ldquo;, die mit insgesamt 42 Titeln aus den Jahren 1956 bis 1975 auff&auml;hrt, von denen, laut der Plattenfirma, neun noch niemals zuvor im glasklaren CD-Sound erh&auml;ltlich waren.<\/p>\n<p>Noch im selben Jahr folgte die ebenso grandios und energetisch ausgefallene deutsche Sichtweise des dunklen Elvis-Presley-Pop-Blues-Melodrams &bdquo;Heartbreak Hotel&ldquo;, betextet von Hans Bradtke als &bdquo;Hotel zur Einsamkeit&ldquo;. Auch dieses findet sich auf &bdquo;Gro&szlig;e Erfolge &amp; Evergreens&ldquo;. Einwenig schw&uuml;lstigen, hemmungslosen Blues, verbunden mit sachten Doo-Wop-Elementen, pr&auml;sentiert die hinrei&szlig;ende Edelschnulze &bdquo;Come Prima&ldquo; (1958), eine von G&uuml;nther Schwenn deutsch betextete Neuauslegung des gleichnamigen Italo-Hits von TV-Star Tony Dallara; konsequent fetzig und tanzbar wurde es dagegen in dem von einem geheimnisvoll-mittern&auml;chtlichen Intro im Sinne damaliger Kriminalfilm-Soundtracks a la Edgar Wallace eingeleiteten, schon bald jedoch zu einem knackigen, schnellen, drallen Rock&rsquo;n&rsquo;Roll auswachsenden, bl&auml;serverst&auml;rkten, klassischen 50er-Jahre-Jazz-Boogie-Schlager &bdquo;Trinidad&ldquo; (1959).<\/p>\n<p>Der gr&ouml;&szlig;te Singlekracher von Ralf Bendix, der wohl auf Ewig mit ihm in Verbindung gebracht wird, ist und bleibt der so liebevolle, wie kess augenzwinkernde &bdquo;Babysitter-Boogie&ldquo;, der im April 1961 erschienen war und bald darauf ganze f&uuml;nf Wochen lang auf dem ersten Rang der hiesigen &bdquo;Media Control&ldquo;-Listen notiert wurde. Auch hierbei handelte sich um die kecke muttersprachliche Auslegung einer US-amerikanischen Rock&rsquo;n&rsquo;Roll-Vorlage. Diese nannte sich &bdquo;Baby Sittin&lsquo; Boogie&ldquo;, war 1961 von dem dar&uuml;ber hinaus hierzulande kaum bekannt gewordenen US-Singer\/Songwriter Buzz Clifford ver&ouml;ffentlicht worden, und blieb dessen einziger, wenn auch nat&uuml;rlich weltweit gefragter Liederfolg. Joachim Relin ersann dazu die deutsche Lyrik, die zeitnah zum grassierenden Baby-Boom jener Tage somit auch einen gewissen historischen Hintergrund aufwies. Das hinzugemischte, legend&auml;re Babylachen stammte von der &bdquo;Kleinen Elisabeth&ldquo;, der Tochter des Produzenten-Ehepaars Hans und Elisabeth Bertram, das seinerzeit unter dem Pseudonym &bdquo;Lillibert&ldquo; unz&auml;hlige Hits u.a. f&uuml;r Roy Black (&bdquo;Sch&ouml;n ist es auf der Welt zu sein&ldquo;) oder Chris Roberts (&bdquo;Mein Schatz, Du bist &acute;ne Wucht&ldquo;) schrieb. Der &bdquo;Babysitter-Boogie&ldquo; verkaufte sich allein in Europa &uuml;ber eine Million Mal, ihr Interpret Ralf Bendix wurde daf&uuml;r mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Im selben Jahr folgte die ironisch frivole Liebesode auf die kaum zu b&auml;ndigende &bdquo;Striptease-Susi&ldquo;, die aus der Sicht ihres einerseits von ihrem Gehabe &auml;u&szlig;erst genervten, andererseits sehr wohl von Stolz auf seine umschw&auml;rmte Angetraute beseelten G&ouml;ttergatten gesungen wurde. Die &bdquo;Striptease-Susi&ldquo; enthielt f&uuml;r damalige kreuzbrave, Adenauer-selige Zeiten zwar ungewohnt offenherzige lyrische Sp&auml;&szlig;chen, schien aber leider von unn&ouml;tigerweise eingeblendeten, letztlich unpassend wirkenden Schenkelklopfer-Lachorgien fraglos ihres urspr&uuml;nglich sicherlich vorhandenen Charmes beraubt worden zu sein. Das bald darauf ver&ouml;ffentlichte, lyrisch auf Teufel komm raus auf Stimmung und Jux getrimmte, ansonsten ziemlich fade Country-Pop-Liedchen &bdquo;Mama, hol&lsquo; den Hammer&ldquo;, eine musikalisch vom fr&ouml;hlich geschlagenen Banjo gepr&auml;gte, deutsche Fassung von &bdquo;Mama get the Hammer (There&rsquo;s a Fly on Papa&rsquo;s Head)&ldquo; des US-Rockabilly-Musikers Bobby Peterson, &uuml;bertrieb allerdings das eher in Karnevalsgefilde, denn in ernsthafte Schlagerparaden passende Sauf- und Stimmungslied-Ambiente, in dem auch das ein Jahr sp&auml;ter vorgelegte, qualitativ eigentlich v&ouml;llig unbedeutende Zirkus-trifft-Fasnachtssitzung-Bl&ouml;delschlagerchen &bdquo;Die gro&szlig;e Nummer wird gemacht&ldquo; stilistisch verweilte. Eine solch <em>gro&szlig;e Nummer<\/em> sollte vermutlich auch der von Heinz Gietz und Joachim Relin verfasste &bdquo;Babysitter-Twist&ldquo; werden, der, wie sein inhaltlicher Vorg&auml;nger-Boogie, zwar deftig mit Kinderstimmen und durchaus liebenswertem Humor operierte, die spezifische Neuartigkeit, das witzig-anarchische Flair des unschlagbaren &bdquo;Babysitter-Boogies&ldquo; allerding ebenso wenig ausstrahlte, wie er es dessen &uuml;berdimensionalen Charterfolg zu erreichen vermochte, so dass der wie ein nur auf Kommerz ausgerichtetes Selbstplagiat wirkende &bdquo;Babysitter-Twist&ldquo; in den Singlehitparaden, nicht ganz zu Unrecht, nur auf Rang 30 h&auml;ngen blieb.<\/p>\n<p>Als geradezu brillant und zudem bet&ouml;rend ohrwurmtr&auml;chtig, erwies sich hingegen Ralf Bendix&lsquo; flotte, poppige Bearbeitung des baden-w&uuml;rttembergischen\/schw&auml;bischen Sinnspruchs &bdquo;Schaffe, schaffe, H&auml;usle baue&ldquo;, aus der Feder von Josua R&ouml;ckelein (1964). Auch seine deutsche Nachempfindung von Johnny Cashs brodelndem Countryklassiker &bdquo;Ring of Fire&ldquo;, muttersprachlich zu &bdquo;Der gro&szlig;e Track aus Idahoe&ldquo; umgem&uuml;nzt, zeigte sich als &auml;u&szlig;erst gelungen, ehrlich und gewitzt in teutonische Gefilde &uuml;bertragen.<\/p>\n<p>Der knackige, rhythmische Swing\/Rumba-Fetzer &bdquo;In meinem Schaukelstuhl&ldquo; (1964) oder der peppige, rasende Country-Hillbilly-Verschnitt &bdquo;Die Liebe ist ein Wildwestfilm&ldquo; stellten gleichfalls besten deutschen Fr&uuml;h-60er-Popschlager in Reinkultur dar. &bdquo;Es zog einst ein Fremder durch das Land \/ mit &acute;nem schwarzen Koffer in der Hand&ldquo; war keine weise Vorausschau auf die CDU-Spendenaff&auml;re 1999\/2000 oder gar eine Hommage an Walter Leisler Kiep, sondern vielmehr ein freches, &uuml;beraus liebenswertes Couplet &uuml;ber einen geheimnisvollen Tr&ouml;delh&auml;ndler, der in Begleitung eines &bdquo;schwarzen Koffers&ldquo;, angef&uuml;llt mit allerlei nicht wirklich lebensnotwendigen Utensilien, die im Text nur angedeutet, nicht ausgesprochen werden, durch die Lande zog und diese &uuml;berall in der BR Deutschland misstrauischen Hausfrauen feilbieten mochte.<\/p>\n<p>Der stets hittr&auml;chtig agierenden Feder des vor einem Jahr verstorbenen Hamburger Schlagermoguls Klaus &bdquo;Nick&ldquo; Munro entsprang das einerseits staubtrockene, countryinfizierte, konsequent m&auml;nnlich-herbe, andererseits in seinem Refrain so liebevoll romantisch, mit Absicht &uuml;berzeichnet niedlich-s&uuml;&szlig;lich &uuml;berzuckerte Beinahe-Gute-Nacht-Lied &bdquo;Aber Du in Deinem Himmelbett&ldquo; (1967), w&auml;hrend das streicherverzierte, konstruktiv gro&szlig;spurig angelegte Feudalchanson &bdquo;Charmaine&ldquo;, das in seinem Mittelteil zu einem rasanten, lauten Big-Band-Epos erw&auml;chst, grellen, monumentalen, jederzeit authentischen Las-Vegas-Show-Charme in bester, &uuml;berzeugendster Manier verstrahlt.<\/p>\n<p>Zu den nur noch wenigen Aufnahmen von Ralf Bendix aus den 70er Jahren z&auml;hlen z.B. das volkst&uuml;mlich angehauchte Country-Schlager-Schmankerl &bdquo;Ein bisschen Licht, ein bisschen Luft, ein bisschen Sonnenschein&ldquo;, der als neuer Modetanz gedachte (als solcher aber vollkommen gescheiterte), grell fr&ouml;hliche (dadurch aber auch enorm nervt&ouml;tende) Humptata-Stampfer &bdquo;Tumba Tumbala&ldquo;, sowie das flinke, aufmunternde, freundlich-sommerlich vor sich hin swingende Popchanson &bdquo;Vergiss nicht zu l&auml;cheln&ldquo;; allesamt aus dem Jahr 1972.<\/p>\n<p>Ein Jahr sp&auml;ter schuf der stets sympathisch, niveauvoll, geradezu elegant agierende Edelmann noch einen weiteren fulminanten Liedbeitrag, der noch heute zu den Topfavoriten des Verfassers dieser Zeilen aus dem reichhaltigen Fundus des Ralph Bendix z&auml;hlt. Dabei handelt es sich um eine prickelnde deutsche Version des eing&auml;ngigen Welthits &bdquo;Tie a yellow Ribbon &acute;round the old Oak tree&ldquo; von der US-Poptruppe &bdquo;Dawn feat. Tony Orlando&ldquo;: &bdquo;100 bunte B&auml;nder&ldquo; fungierte als eine von zwei muttersprachlichen Sichtweisen des hoch melodischen Evergreens; andere, mit divergierendem Text, gab es von Martin Mann bzw. Peter Alexander unter dem Titel &bdquo;Bind ein blaues Band um den Birkenbaum&ldquo;. Ralf Bendix&lsquo; Fassung von &bdquo;Tie a Yellow Ribbon&hellip;&ldquo; war gesungen aus der Sicht eines Reisenden, der im &Uuml;berlandbus einen Mann traf, der sich nach l&auml;ngerer Abwesenheit aus undefinierten Gr&uuml;nden, auf dem Weg zur&uuml;ck zu seiner damaligen Freundin befand, die er so ewig lange nicht mehr gesehen hatte. Er hatte sie zuvor per Brief gebeten, sie m&ouml;ge doch ein buntes Band am alten Lindenbaum aufh&auml;ngen, als wehendes Zeichen, dass sie ihn noch genauso liebhabe, wie vor seinem Verschwinden. Er war unendlich nerv&ouml;s, als seine Station n&auml;her r&uuml;ckte, ob ihm seine Angebetete tats&auml;chlich ihre weiterhin w&auml;hrende Verbundenheit mittels des erhofften bunten B&auml;ndchens bewiese &ndash; und, als er dann am Heimatort angekommen war, stellte er erfreut fest, dass sein M&auml;dchen nicht nur etwa ein einziges l&auml;ppisches B&auml;ndchen am Lindenbaum angebracht hatte, sondern dass gleich &bdquo;100 Bunte B&auml;nder&ldquo; zur Begr&uuml;&szlig;ung am Baum hingen, die ihm nun sein gro&szlig;es Gl&uuml;ck bringen sollten.<\/p>\n<p>Auch der neuerliche, nicht gerade umwerfende, vielmehr penetrant auf Lustigkeit und Feierlaune getrimmte Stimmungshymnus &bdquo;Sekt f&uuml;r das ganze Lokal&ldquo;, sowie der wiederum durchwegs Frohsinn und Freude verbreitende, auf dem volkst&uuml;mlichen Klavierlehrst&uuml;ck &bdquo;Flohwalzer&ldquo; aufbauende Show-Stomper &bdquo;Ich bin rundherum zufrieden&ldquo;, sind im Jahr 1973 entstanden. Ralf Bendix&lsquo; letzte, dennoch mehr als nur beachtenswerte Liedaufnahme f&uuml;r EMI-Electrola stellte 1975 die drall bl&auml;serbetont arrangierte, stets liebenswerte, au&szlig;erordentlich sympathische Oldtime-Jazz\/Ragtime\/Cabaret-Mixtur &bdquo;Nostalgie&ldquo; dar, mit der CD-01 von &bdquo;Gro&szlig;e Erfolge &amp; &nbsp;Evergreens&ldquo; auf phantastische Art und Weise endet.<\/p>\n<p>Eingangs erw&auml;hnter Evergreen &bdquo;In Hamburg sind die die N&auml;chte lang&ldquo; sollte dem Verfasser dieser Zeilen seine Kleinkindzeit weiterhin vers&uuml;&szlig;en. Wie mir meine Mutter und mein Vater oft erz&auml;hlten, sei ich mit drei, vier Jahren jeden Morgen in aller Fr&uuml;h aus dem Kinderzimmer ins Wohnzimmer geschlichen, um mir dort, von den schlafenden Eltern ungest&ouml;rt, deren Schallplatten auflegen zu k&ouml;nnen, da der Plattenspieler im Erdgeschoss im Wohnraum stand. Immer dann, wenn ich &bdquo;In Hamburg sind die N&auml;chte lang&ldquo; h&ouml;rte und die Textzeile &bdquo;wenn Mondschein auf die Alster f&auml;llt&ldquo; an der Reihe war, soll ich &ndash; ich selbst wei&szlig; es nicht mehr, war noch viel zu jung &ndash; laut &bdquo;Plumps&ldquo; geschrien haben; eine Anekdote, die ich bis heute immer wieder vernahm, und die letztlich auch meine inzwischen &uuml;ber 40j&auml;hhrige Verbundenheit zu Ralf Bendix und seinen Liedern eindeutig belegt.<\/p>\n<p>Der besagte Hamburg-spezifische Klassiker befand sich urspr&uuml;nglich auf der bereits 1959 erschienen LP &bdquo;Auf Wiedersehen&ldquo;, f&uuml;r die Ralf Bendix eine Vielzahl von bekannten Schlagern, Evergreens und Filmmelodien mit viel Liebe und Leidenschaft eingesungen hatte, oft in zackiger Swing\/Jazz-Verkleidung, mit vielen Bl&auml;sern inszeniert, von latentem Bluesfeeling durchzogen &ndash; stets vor allem nat&uuml;rlich lebend von seiner tiefen, immer wieder Sympathie erweckenden, stets kraftvollen, mitrei&szlig;enden Stimme. Das 12-teilige Repertoire dieser legend&auml;ren schwarzen Scheibe, die meine Eltern in ebenjener Zeit besa&szlig;en und an der ich schon als Kind oft so gro&szlig;en Gefallen fand, er&ouml;ffnet nun in derselben Reihenfolge, wie im Vinyl-Format, die zweite CD von &bdquo;Gro&szlig;e Erfolge &amp; Evergreens&ldquo;.<\/p>\n<p>So geht es gleich los mit dem so mond&auml;n, wie leger, luftig leicht swingenden, mit fetten Bl&auml;sers&auml;tzen ausstaffierten Hymnus auf die offenbar ellenlangen Nachtstunden und den auf die Alster fallenden Mondschein in der Freien und Hansestadt, gefolgt von der volkst&uuml;mlich beschwingten B&auml;nkelgesang\/Schnaderh&uuml;pfel-Melange &bdquo;Kuckucks-Walzer&ldquo;, 1918 geschrieben von dem schwedischen Komponisten und Milit&auml;rmusiker Johan Emanuel Jonasson unter dem Titel &bdquo;G&ouml;kwalsen&ldquo;, und dem kessen, lasziv-verliebten Swing-Couplet &bdquo;Bei Dir war es immer so sch&ouml;n&ldquo;, aus der Feder der 1953 verstorbenen Berliner Komponistenlegende Theo Mackeben.<\/p>\n<p>Tieftraurig, depressiv, geradezu morbid, wird es in &bdquo;Einsamer Sonntag&ldquo;, Ralf Bendix&lsquo; deutschsprachiger Fassung der oft als &sbquo;Lied f&uuml;r Selbstm&ouml;rder&lsquo; bezeichneten, sich m&uuml;hsam und betont abgeschlafft vor sich hin schleppenden D&uuml;sterballade &bdquo;Gloomy Sunday&ldquo;, die 1932\/33 vom Budapester Pianisten Rezs&#337; Seress (der Jahre sp&auml;ter &uuml;brigens selbst Suizid beging) im Anfall einer schweren Depression ersonnen worden war. Ebenfalls aus den 30er Jahren stammt das von Ralf Bendix kongenial und gewitzt &uuml;bernommene Ragtime-Chanson &bdquo;Kannst Du pfeifen, Johanna?&ldquo; (1934, &bdquo;Comedian Harmonists&ldquo;); das wehende, gef&uuml;hlvoll-sentimentale Liebeslied &bdquo;Du, Du, Du (lass mein kleines Herz in Ruh&lsquo;)&ldquo; dagegen entrann der Feder des gro&szlig;en Hamburger Schlagerschreibers Lothar Olias, wurde im Original 1953 von Angele Durand erstmals intoniert, und ert&ouml;nte sechs Jahre sp&auml;ter in der Darbietung von Ralf Bendix zur&uuml;ckhaltend, ged&auml;mpft arrangiert und trotzdem kraftvoll und &uuml;berzeugend, verbunden mit trefflichen Doo-Wop-Ch&ouml;ren nach US-amerikanischem Vorbild.<\/p>\n<p>Der &bdquo;Sch&ouml;ne Gigolo&ldquo;, 1928 von dem Italiener Leonello Casucci zu Papier gebracht, kam bei dem hier gew&uuml;rdigten K&uuml;nstler &nbsp;&ndash; in diesem Falle diente das furiose Jazzarrangement des US-Entertainers Louis Prima als Vorbild hinsichtlich musikalischer Ausrichtung &ndash; in Form eines treibenden, nahezu rockigen Swing-Feuerwerks, um zig Bl&auml;ser und Streicher angereichert, zum so erfolgreichen wie hochqualitativen Einsatz. Franz Lehars allseits gel&auml;ufiger Operette &bdquo;Die lustige Witwe&ldquo; wurde demgegen&uuml;ber das von Ralf Bendix ebenfalls neu interpretierte &bdquo;Vilja-Lied&ldquo; entliehen. Zum feudalen Swing, mit Barpiano und sanften Streichern eingekleidet, avancierte Richard Taubers laszive 1928er-Operrettenmelodie &bdquo;Ich k&uuml;sse Ihre Hand, Madame&ldquo;. Die getragene Edelschnulze &bdquo;Warum m&uuml;ssen die Jahre vergehen?&ldquo; basiert auf der ruhigen Swing-Ballade &bdquo;My Prayer&ldquo;, die 1939 von US-Jazzposaunist und Bandleader Glenn Miller und seiner legendenbehaftenen Big Band international bekannt gemacht worden war. Leicht franz&ouml;sisch angehaucht, beh&auml;nde swingend, mit Chanson-kompatiblem Akkordeon als f&uuml;hrendem Instrument, Akustikschlagzeug und Slap Bass, erklingt der 1932 entstandene und sechs Jahre sp&auml;ter von der dreik&ouml;pfigen US-Vocal-Group &bdquo;The Andrew Sisters&ldquo; global etablierte Jazz-Standard &bdquo;Bei mir bist Du sch&ouml;n&ldquo;, bevor das damalige LP-Titellied &bdquo;Auf Wiedersehen&ldquo;, eine 1949 von den &bdquo;Sch&ouml;neberger S&auml;ngerknaben&ldquo; erstmals aufgenommene, klingende Verabschiedung, das durchwegs &uuml;berzeugende, abwechslungsreiche und stilsicher ausgew&auml;hlte Programm jener Hitsammlung des Ralf Bendix aus dem Jahre 1959 zu Ende gehen l&auml;sst, das f&uuml;r &bdquo;Gro&szlig;e Erfolge &amp; Evergreens&ldquo; detailgetreu aufgearbeitet wurde und nun frisch remastered, kr&auml;ftig und g&auml;nzlich rauschfrei zu genie&szlig;en ist!<\/p>\n<p>Zu den weiteren unschlagbaren H&ouml;hepunkten auf der zweiten Silberscheibe vorliegender Doppel-CD z&auml;hlen, neben bereits erw&auml;hntem grandiosen Elvis-Cover &bdquo;Hotel zur Einsamkeit&ldquo;, z.B. Ralf Bendix&lsquo; 1958 entstandene Aufnahme des mediterranen Welthits &bdquo;Bambina&ldquo; (&bdquo;Volare&ldquo;), mit deutschen Text von Kurt Feltz &ndash; hier war Peter Alexander 1958 derjenige deutschsprachige K&uuml;nstler, der mit der Erstaufnahme die gr&ouml;&szlig;ten Meriten hatte einfahren k&ouml;nnen &ndash; oder &bdquo;Wo meine Sonne scheint&ldquo;, im Original als &bdquo;Islands in the Sun&ldquo; von Harry Belafonte zu weltweiter Popularit&auml;t gef&uuml;hrt, und 1957 muttersprachlich zun&auml;chst von Caterina Valente zum Hit gemacht, in Bendix&lsquo; Version trotzdem im November 1957 immer noch f&uuml;r einen guten achten Platz in der Verkaufshitparade gut. Ganz gro&szlig;es Kino bietet die freche, aufm&uuml;pfige, geradezu lautstarke, wom&ouml;glich bombastische Adaption von Louis Primas radikalem Jazz-Rock&rsquo;n&rsquo;Roll &bdquo;Buona Sera&ldquo;, mit deutschem Text von Axel Weingarten; im Januar 1958 ein absolut verdienter f&uuml;nfter Rang in den einheimischen Singlehitparaden und ein weiterer Bendix-Favorit des Verfassers dieser Zeilen.<\/p>\n<p>Der so gem&auml;chliche, wie elit&auml;r anmutende, von bed&auml;chtigen Streichern gef&uuml;hrte &bdquo;Venus-Walzer&ldquo; (1960), geschrieben von US-Filmkomponist Ron Goodwin, der wehm&uuml;tige, wie gleichsam hoffnungsvolle Abschiedsschlager &bdquo;Tschau, Tschau, Bambina&ldquo;, basierend auf der Komposition &bdquo;Piove&ldquo;, 1959 von Domenico Modugno gesungener Siegertitel des italienischen &bdquo;San Remo Festivals&ldquo;, der ungewohnt religi&ouml;s angehauchte Gospelschleicher &bdquo;Es war im Anfang&ldquo;, sowie der unschlagbare Gassenhauer &bdquo;Kriminal-Tango&ldquo;, beschlie&szlig;en eine monumentale Songkollektion eines gro&szlig;artigen, vielseitigen, stets charmant, gutb&uuml;rgerlich und stilvoll auftretenden K&uuml;nstlers, der nicht nur als Entdecker von Volksmusik-Star Heino im Jahr 1965 einen dauerhaften Platz auf dem bundesdeutschen Popolymp einnehmen sollte, sondern auch und gerade als Erschaffer mitrei&szlig;ender, peppiger und &ndash; nicht immer, aber sehr h&auml;ufig &ndash; enorm niveauvoller Lieder, von denen nicht wenige l&auml;ngst zum Allgemeingut des Deutschen Schlagers der Nachkriegszeit gez&auml;hlt werden m&uuml;ssen. 42 dieser unvergesslichen Songperlen sind nun komprimiert, in bester Klangqualit&auml;t, auf der (zudem recht kosteng&uuml;nstigen) Doppel-CD &bdquo;Gro&szlig;e Erfolge &amp; Evergreens&ldquo; von Ralf Bendix in G&auml;nze nachzuh&ouml;ren &ndash; und ich denke, sie werden nicht nur bei der Wirtschaftswunder-Generation der heute &uuml;ber 65j&auml;hrigen sch&ouml;ne Erinnerungen an ihre Jugendtage ausl&ouml;sen, sondern auch vielen schlager-affinen Nachgeborenen, Dank ihrer jederzeit vorhandenen Originalit&auml;t, ihrer bet&ouml;renden Echtheit und ihrer zumeist immens ungek&uuml;nstelten Machart, sehr aus dem Herzen sprechen!<\/p>\n<p>Holger St\u00fcrenburg, 13. bis 15. September 2014<\/p>\n<p>http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ralf_Bendix<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Holger St\u00fcrenburg definiert den Begriff &#8222;Flei\u00dfarbeit&#8220; mal wieder v\u00f6llig neu, wie Sie HIER nachlesen k\u00f6nnen&#8230;:\u00a0 Es durfte etwa ein Jahr<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":98594,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[24],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/98593"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=98593"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/98593\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98594"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=98593"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=98593"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=98593"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}