{"id":96895,"date":"2014-11-04T00:00:00","date_gmt":"2014-11-04T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=96895"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"HUBERT-KAH-Die-Doppel-CD-Willko-96894","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/ndw\/HUBERT-KAH-Die-Doppel-CD-Willko-96894\/","title":{"rendered":"HUBERT KAH <br \/>Die Doppel-CD &quot;Willkommen im Leben&quot; im Test von Holger St\u00fcrenburg!"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr dieses Doppelalbum haben die Verantwortlichen bei DA Music s\u00e4mtliche Tondokumente aus ihrem Archiv hervorgezaubert, die Hubert Kah 2005 im Zuge der Aufnahme- und Mix-Sessions f\u00fcr das Album &#8222;Seelentaucher&#8220; eingespielt bzw. als Remixe freigegeben hat&#8230;:\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn vor einem halben Jahr irgendwo beil&auml;ufig der Name <strong>HUBERT KAH<\/strong> erw&auml;hnt wurde, dachten die meisten, die mit diesem ach so &bdquo;gestrigen&ldquo;, &bdquo;abgesagten&ldquo; Thema konfrontiert wurden, vermutlich in erster Linie an l&auml;ngst vergangene &bdquo;Goldene Zeiten&ldquo; der Neuen Deutschen Welle (NDW), an die stilbildenden, aber inzwischen auch Abnutzungserscheinungen zeigenden Ewigkeits-Gassenhauer &bdquo;Rosemarie&ldquo; oder &bdquo;Sternenhimmel&ldquo;; vielleicht kam den ganz besonders Informierten in den Sinn, dass der 1961 als Hubert Kemmler geborene Reutlinger seinerzeit viel zu oft an seinem hehren Anspruch, unvergleichlich bravour&ouml;se Popmusik f&uuml;r die Ewigkeit erschaffen zu wollen, gescheitert ist &ndash; keineswegs in Puncto Kreativit&auml;t oder gar Qualit&auml;t, sondern vielmehr rein menschlich, pers&ouml;nlich, an sich selbst und seinen Macken.<\/p>\n<p>Doch dann entschloss sich der heute 53j&auml;hrige Musiker, der zwischen 1982 und 1988\/89 nachgerade f&uuml;r nicht wenige, mal deutsch, mal englisch gesungene, meist sehr ansprechende Tanz- und Pophits verantwortlich zeichnete, an der umstrittenen SAT-1-Reality-Dokumentation &bdquo;Promi Big Brother&ldquo; teilzunehmen &ndash; um mit der winkenden f&uuml;nfstelligen Pr&auml;mie eine g&auml;nzlich neue Albumproduktion finanzieren zu k&ouml;nnen und nat&uuml;rlich gleichsam, um auch a.D. 2014, immerhin knapp eine Dekade nach seinen letzten, weitergehend bemerkten musikalischen Lebenszeichen, wiederum von einer breiteren &Ouml;ffentlichkeit wahrgenommen zu werden.<\/p>\n<p>Der zwischenzeitlich an schweren Depressionen erkrankte K&uuml;nstler gab in der von zig Kameras dauer&uuml;berwachten Isolation der &bdquo;Big Brother&ldquo;-Villa, eine oft &uuml;berdrehte, schrullige, h&auml;ufig doch auch tief philosophisch gepr&auml;gte und nachdenklich sinnierende Figur ab, die ihn bei Co-Moderatorin &bdquo;Cindy aus Marzahn&ldquo; sofort zum Lieblingsteilnehmer &bdquo;Hubsi&ldquo; und beim allabendlich zuschauenden TV-Publikum schnell zum &sbquo;Sieger der Herzen&ldquo; erwachsen lie&szlig;, selbst, wenn es nachher in der Endauswertung offiziell nur f&uuml;r den sechsten Rang reichen sollte. &bdquo;Hubsi&ldquo; verschaffte in seinen acht Tagen, die er im Container eingesperrt verbrachte, dem schaurig-sch&ouml;nen Pullunder der ausgehenden 70er Jahre ein augenzwinkerndes Revival, diskutierte mit dem fr&uuml;heren Hamburger Innensenator Ronald Barnabas Schill alle &Uuml;bel dieser Welt, die ein hochpotenter Mann, als der sich der selbsternannte &bdquo;Provokateur&ldquo; fraglos stets zeigte, so &uuml;ber sich ergehen lassen muss, und legte sich gewitzt, teils durchaus bei&szlig;end bissig, mit einigen nicht gerade vom Intellekt wohlmeinend beseelten weiblichen &bdquo;Big Brother&ldquo;-Aktivistinnen ein ums andere Mal an.<\/p>\n<p>Der Rummel um dieses zeitgeistige Fernsehspektakel sorgte schnell daf&uuml;r, dass <strong>HUBERT KAH<\/strong> pl&ouml;tzlich wieder auch als Musiker gefragt und begehrt war. Seit der Ausstrahlung der diesj&auml;hrigen &bdquo;Promi Big Brother&ldquo;-Staffel in der zweiten August-H&auml;lfte 2014, wurde der liebenswert chaotische Ex-NDW-Star um ein Vielfaches mehr f&uuml;r Aufwartungen bei 80er-Revival-Shows und NDW-Kultpartys gebucht, als es in all den depressiven Jahren zuvor der Fall gewesen war; eine gemeinsame Trash-Talkshow mit seinem neu gewonnenen &bdquo;M&auml;nnerfreund&ldquo; Ronald Barnabas wurde eigens kreiert &ndash; und Huberts bisherige Plattenfirmen begaben sich schnurstracks an die Arbeit, entsprechende Best-of-Koppelungen, bestehend aus jeweils hauseigenem Material des einstigen teutonischen Pophelden der 80er Jahre, zusammenzustellen, und somit altbekannten Liedstoff genussvoll einer musikgeschichtlich relevanten Wiederaufbereitung zuzuf&uuml;hren.<\/p>\n<p>Nachdem bereits kurz vor dem Start von &bdquo;Promi Big Brother 2014&ldquo; SOUND COLOURS, das Label des gefeierten K&ouml;lner Produzenten- und DJ-Duos &bdquo;Blank &amp; Jones&ldquo;, die &auml;u&szlig;erst gelungene Kompilation &bdquo;The very Best of Hubert Kah&ldquo; (meine Rezension derer findet sich <strong><a href=\"https:\/\/smago.de\/d\/artikel\/67845\/\">HIER&#8230;:<\/a><\/strong>) angepriesen hatte, welche die Jahre 1982 bis 1999 umfasste, also Beitr&auml;ge aus dem Fundus der einstigen Firmen Polydor und Intercord\/Blow Up, beide heute von Universal\/Electrola verwaltet, folgt nun eine weitere, prallgef&uuml;llte Liedsammlung des sympathischen Reutlinger Chaoten namens <strong>&bdquo;WILLKOMMEN IM LEBEN&ldquo;<\/strong>. Diese verantwortet die Diepholzer Plattenfirma DA Music, bei der Hubert 2005 seine bisher letzte Studioproduktion &bdquo;Seelentaucher&ldquo; ver&ouml;ffentlicht hatte, f&uuml;nf Jahre sp&auml;ter gefolgt von der feinen Hitauslese &bdquo;Meine Besten&ldquo;.<\/p>\n<p>F&uuml;r <strong>&bdquo;WILLKOMMEN IM LEBEN&ldquo;<\/strong> haben die Verantwortlichen bei DA Music s&auml;mtliche Tondokumente aus ihrem Archiv hervorgezaubert, die Hubert Kah 2005 im Zuge derjenigen Aufnahme- und Mix-Sessions, die einst zu &bdquo;Seelentaucher&ldquo; f&uuml;hren sollten, f&uuml;r ebenjene Firma eingespielt bzw. als Remixe freigegeben hat. Somit bietet vorliegende Doppel-CD letzten Endes in einem Aufwasch, auf zwei Silberscheiben komprimiert, eine vollst&auml;ndige Werkschau &uuml;ber das gesamte Material, das der scheue S&auml;nger, Komponist und Arrangeur aus dem Schwabenlande f&uuml;r die Diepholzer jemals fabriziert hat.<\/p>\n<p>Dieses Faktum ist schon mal vorab als &auml;u&szlig;erst positiv und musikhistorisch korrekt zu bewerten, da sich auf erw&auml;hnter, von &bdquo;Blank &amp; Jones&ldquo; verantworteter Hitkollektion kein einziger Vertreter aus dieser ja immer noch aktuellsten musikalischen Phase Hubert Kahs, die er g&auml;nzlich bei DA publizierte, befindet, so dass es alleine schon der Vollst&auml;ndigkeit halber f&uuml;r den offenen und interessierten Fan von international jederzeit konkurrenzf&auml;higen Popexperimenten Made in Germany sehr wohl von Bedeutung sein sollte, sich auch und gerade mit dem auf &bdquo;Willkommen im Leben&ldquo; zusammengefassten Part des Hubert-Kah-Kataloges eingehender zu besch&auml;ftigen.<\/p>\n<p>Als Titelgeber und Er&ouml;ffner von CD-01 fungiert die grandiose Synthipop-Symphonie <strong>&bdquo;Willkommen im Leben&ldquo;<\/strong>, die Hubert bereits 1996, damals jedoch mit englischer Lyrik versehen, als &bdquo;C&rsquo;est la Vie&ldquo; f&uuml;r seine nur nach seinem Namen benannte, letzte Albumstellungnahme f&uuml;r Polydor aufgenommen hatte. Mit deutscher Betextung funktioniert das monumentale Synthi-Drama mindestens genauso gut und stellt f&uuml;r den Interpreten somit eine &auml;u&szlig;erst interessante und zielf&uuml;hrende Br&uuml;cke in zuletzt sehr goutierte, muttersprachlich ausgelegte Gothic-Rock\/Dark-Wave-Gefilde dar, wobei &bdquo;Willkommen im Leben&ldquo; keinesfalls einfach nur als aufpeitschender, dunkler Gruftrock anzusehen ist, sondern vielmehr als mystisch-sph&auml;risch ausgekleideter Edelpop der allerbesten Machart eingestuft werden sollte.<\/p>\n<p>Der dralle, schnelle, &uuml;berm&auml;&szlig;ig knallig rhythmisierte Dark-Techno-Rei&szlig;er <strong>&bdquo;Psycho Radio&ldquo;<\/strong> diente 2005 als zweite Auskoppelung aus &bdquo;Seelentaucher&ldquo; und stellt einen zwar sehr lautstarken, drastischen Tanzrocker dar, der jedoch, trotz aller hoch technisierter, zeitnah-modischer Neuzeit-Arrangementk&uuml;nste, stets auf einer unzweifelhaft properen, gediegenen, auch f&uuml;r 80er-Freunde jederzeit akzeptablen melodischen Basis verharrt. Den offensiven, treibenden Dance-Hymnus finden wir auf &bdquo;Willkommen im Leben&ldquo; nicht nur in der urspr&uuml;nglichen Albumversion, sondern gleichsam als konsequent und geradeaus auf &uuml;ber sechs Minuten Spielzeit ausgedehnten, emporstrebenden, fast (im positivsten Sinne) &uuml;bergeschnappten, zugleich gewiss jederzeit tanzsaal-tauglichen &bdquo;Warp Acht Club RMX&ldquo;, sowie in einer klassischen, nicht allzu au&szlig;ergew&ouml;hnlich oder gar besonders kreativ ausgefallenen Maxi-Ausweitung, die in Form der mit einer ebenso langen Laufzeit ausgestatteten &bdquo;X-tended Version&ldquo; anr&uuml;ckt.<\/p>\n<p>Irgendwo zwischen brisant brodelndem Gothic-Rock und Falco-m&auml;&szlig;igem, sophisticated gerappten, oft mehr vor sich hin gebrabbelten, inhaltlich kaum nachvollziehbaren Wortkaskaden h&auml;lt sich das widerspenstige, rockig &uuml;berdrehte Klangwerk <strong>&bdquo;Raketen&ldquo;<\/strong> auf, das wir auf &bdquo;Willkommen im Leben&ldquo;, zus&auml;tzlich zur Normalfassung, in einem &ndash; allerdings viel zu grellen, aufgedonnerten, krachenden &#8211; &bdquo;Warp Acht Elektropunk RMX&ldquo; h&ouml;ren k&ouml;nnen &ndash; aber nicht sollten, da hier mit unn&ouml;tiger Lautst&auml;rke, schiachen Verzerrungen, teils sogar st&ouml;renden Effekten und einwandfrei zu stark ausgepr&auml;gt hinzugemischten E-Gitarren-W&auml;llen ein unn&ouml;tiges Ma&szlig; des urspr&uuml;nglichen Charmes der &Uuml;berzeichnung und Verballhornung verloren geht bzw. schlicht dr&ouml;hnend &uuml;bert&ouml;nt wird.<\/p>\n<p>Still, einsam, zerbrechlich, verloren wirkend, tr&ouml;pfelt uns daraufhin das so introvertiert-vertr&auml;umte, wie sph&auml;risch-weitschweifige, teils flehend, gar beschw&ouml;rend wirkende Synthi-Kleinod <strong>&bdquo;No Rain&ldquo;<\/strong> entgegen. Auch dieses wundervoll atmosph&auml;rische Melodram &uuml;ber eine dunkle, aussichtlose, dauerhaft verregnete Nacht auf den leeren Stra&szlig;en des Lebens, findet sich auf hier analysierter Doppel-CD nicht nur im betulichen &bdquo;Original Mix&ldquo;, sondern gleichfalls in einem geradezu elektrisierenden, sechseinhalbmin&uuml;tigen &bdquo;Chill Mix&ldquo;, kreiert von &bdquo;Blank &amp; Jones&ldquo;, f&uuml;r den die Rhythmusmaschine phasenweise g&auml;nzlich ausgeschaltet wurde, so dass Hubert nur zu den vorhandenen Keyboardakkorden seine zaghafte Melodie wispert, oder die Elektro-Percussions derart weit in den Hintergrund gemischt wurden, dass dem interessierten H&ouml;rer in genialischer Perfektion vor Augen gef&uuml;hrt wird, wie sich der Protagonist einsam und alleine durch die regenverhangenen, nicht enden wollenden Nachtstunden qu&auml;lt. In diesem Falle haben die beiden sagenhaften Mixk&uuml;nstler aus der Domstadt auf jeden Fall ganze Arbeit geleistet und dem ohnehin sehr tiefsinnigen und stimmungsvollen Original noch eine gute Portion an Ausdruck und Ausstrahlung entlockt bzw. ebendies strikt abverlangt. Dar&uuml;ber hinaus kommt auch die knapp sechsmin&uuml;tige &bdquo;Album Version&ldquo; von &bdquo;No Rain&ldquo; auf &bdquo;Willkommen im Leben&ldquo; zum Einsatz, nun angereichert mit hervorstechenderem Rhythmus, stimmigerer, vulgo: immens radiotauglicher Harmonik, einem gesprochenen Intro und einer immer wieder trefflich eingesetzten, zeitweilig f&uuml;hrenden, elektronisch verst&auml;rkten Geige.<\/p>\n<p>Exklusiv f&uuml;r &bdquo;Seelentaucher&ldquo; hatte Hubert 2005 sogar einen seiner gr&ouml;&szlig;ten Erfolge aus den mittleren 80er Jahren neu arrangiert, entschlackt und aufgefrischt. <strong>&bdquo;Wenn der Mond die Sonne ber&uuml;hrt&ldquo;<\/strong> galt im Herbst 1984 als eine famose gesungene Verlautbarung in Sachen einer deutschen Auslegung des per se typisch britischen New-Romantic-Pop jener Tage. 21 Jahre sp&auml;ter z&uuml;gelte Hubert das Tempo des konsequenten Dauerbrenners und inszenierte seinen einstigen Hit als akustisch-zaghaftes, balladesk-introvertiertes Meisterwerk zwischen Traum und Wirklichkeit, auf der Basis sanfter Konzertgitarren und ged&auml;mpfter Percussions, verbunden mit einem wundersch&ouml;nen Solo auf der E-Violine.<\/p>\n<p>Der im mittleren Tempo gehaltene, so glitzernde, wie verhaltene D&uuml;ster-Ohrwurm <strong>&bdquo;Sekunden&ldquo;<\/strong> ist ein hochphilosophischer Feudal-Pop, eingebettet in einen schummrig-matten und trotzdem funkelnd-strahlenden Synthesizer-Kontext &ndash; zu h&ouml;ren, sowohl im k&uuml;rzeren &bdquo;Radio Edit&ldquo;, als auch in der 4.06min&uuml;tigen Album Version -, w&auml;hrend <strong>&bdquo;Ich bleib bei Dir&ldquo;<\/strong> nicht mehr und nicht weniger bedeutet, als ein zauberhaftes, unterk&uuml;hlt-romantisches Piano-Chanson, dargestellt in einem semiklassischen, fl&uuml;sternden, regelrecht gro&szlig;b&uuml;rgerlich-exzentrischen Klangbild, leise und doch voller raumf&uuml;llender Kraft und greller, zugespitzter Emotion in klanglicher Perfektion umgesetzt. Ebenso vornehm, herrschaftlich und &uuml;ppig dekoriert, &uuml;berrascht uns nun die volumin&ouml;se, auf &uuml;ber f&uuml;nf Minuten herrlich dekadent ausgewalzte Synthi-Arie <strong>&bdquo;Alles klingt&ldquo;<\/strong>, deren &uuml;berzeichnet aristokratisch-erhabenes Ambiente durch bitterb&ouml;se lyrische Formulierungen der Sorte <em>&bdquo;Du bist ein Elixier \/ Warum benimmst du Dich dann \/ wie ein Trampeltier?&ldquo;<\/em> oder gar <em>&bdquo;Auch bist Du virtuos \/ warum schei&szlig;t Du Dir dann immer \/ in die Hos&ldquo;<\/em> so grandios wie grell ironisch und absurd konterkariert wird.<\/p>\n<p>Die zackige, zeitgem&auml;&szlig; ultracoole New-Wave-Elegie <strong>&bdquo;Lass mich tr&auml;umen&ldquo;<\/strong> befindet sich im NDW-gem&auml;&szlig;en, noch recht juvenil-naiven Original auf Hubert Kahs zweiter NDW-LP &bdquo;Ich komme&ldquo; aus dem Herbst 1982 und wurde 2005 f&uuml;r &bdquo;Seelentaucher&ldquo; noch einmal mit viel Detailverliebtheit ausgegraben und in einer brillant hypertrophen, gleicherma&szlig;en romantisierenden und doch sehr erwachsen und gediegen ert&ouml;nenden, rockig-voranstrebenden Neuversion absolut &uuml;berzeugend reanimiert.<\/p>\n<p>Mit der inhaltlich hochgradig philosophisch daherkommenden, gar ein bissel verworren ausgerichteten, zugleich durchwegs verschrobenen, ja zweifellos einen eigenartigen Eindruck offerierenden, stakkatohaft-experimentell vorgetragenen, sacht atonalen Klangspielerei <strong>&bdquo;Fels in der Brandung&ldquo;<\/strong>, die sowohl manch D&uuml;ster-Wave-Elemente eines Joachim Witt in sich tr&auml;gt, wie auch mit &bdquo;Depeche Mode&ldquo;- oder &bdquo;Japan&ldquo;\/David Sylvian-&auml;hnlichen Avantgarde-Fragmenten nicht geizt, startet die zweite CD von &bdquo;Willkommen im Leben&ldquo; wahrhaft alles andere als allt&auml;glich, weil eben sehr, sehr gew&ouml;hnungsbed&uuml;rftig, f&uuml;r manche Ohren vielleicht sogar abschreckend.<\/p>\n<p>Das knackig, drastisch rhythmisierte Dance-Epos <strong>&bdquo;Military Drums&ldquo;<\/strong> war im Sommer 1987 eine fetzige Non-Album-Single aus der ersten englischsprachigen &Auml;ra von Hubert Kah, die vor allem in der US-amerikanischen Clubscene, sowie in den dortigen &bdquo;Billboard Charts&ldquo;, unerwartet stark zu punkten vermochte, hierzulande zumindest bis auf Rang 35 der &bdquo;Media Control&ldquo; steigen konnte. Der kompakte Tanz-Ohrwurm fand sich auf keiner regul&auml;ren LP, sondern wurde erst f&uuml;r eine Zweitauflage des 1986er-Albums &bdquo;Ten Songs&ldquo; diesem hinzugekoppelt. Die 2005 f&uuml;r &bdquo;Seelentaucher&ldquo; entstandene Neubearbeitung hebt sich nicht &uuml;berm&auml;&szlig;ig von der urspr&uuml;nglichen Aufnahme ab. Letztlich wurde vor elf Jahren das bereits gel&auml;ufige und erprobte Grundarrangement mit neuester Klangtechnik und aktuellstem Instrumentarium konstruktiv und erbaulich nachempfunden, ohne Altbackenes der gar Langweiliges vorzuweisen, aber ebenso ohne wom&ouml;glich einen Verlust der vorhandenen Originalit&auml;t und Authentizit&auml;t zu erzeugen.<\/p>\n<p>In g&auml;nzlich divergenten stilistischen Gebieten h&auml;lt sich dagegen die grazil-vertr&auml;umte Romantik-Pop-Ballade <strong>&bdquo;Lifeline&ldquo;<\/strong> auf. Der explizit elegante, sch&ouml;ngeistig erhabene, regelrecht schwebende Slow Song t&ouml;nt nicht nur so, als h&auml;tte er irgendwann anno dazumal, zur Hochphase des wavelastigen Synthi-Pop der Sorte &bdquo;Spandau Ballet&ldquo; oder &bdquo;A-ha&ldquo;, so um 1983 oder 1984 herum, das Licht der Welt erblickt, sondern verstrahlt das genialische Pop-Kleinod dar&uuml;ber hinaus spezifisch britische Gediegenheit, gepaart mit edelm&auml;nnischer Weitl&auml;ufigkeit. &bdquo;Lifeline&ldquo; ist tats&auml;chlich ein ganz gro&szlig;er Wurf, der sich zwar nicht so einfach in Hubert Kahs allgemeines k&uuml;nstlerisches Wirken einordnen l&auml;sst, daf&uuml;r aber nicht mehr und nicht weniger bedeutet, als ein phantastisches, ausgewogenes St&uuml;ck ph&auml;nomenaler Popmusik, bis zum Bersten angef&uuml;llt mit Poesie und purer Wahrhaftigkeit.&nbsp;<\/p>\n<p>Der 1948 geborene, kubanische Dichter und Liedermacher Pablo Milanes Arias gilt als einer der wichtigsten Stilvertreter der landeseigenen Musikrichtung Nueva Trova. Er komponierte einst die inzwischen weltbekannte, fl&uuml;sternd-wohligwarme Ethno-Folkmelodie <strong>&bdquo;Yolanda&ldquo;<\/strong>, die Hubert Kah, mit einem deutschen Text versehen, extremst leidenschaftlich, schw&auml;rmerisch und hei&szlig; verliebt, brachial ehrlich und offenherzig von einer dezenten, milden Ballade zu einem krachenden, regelrecht gellenden Liebesgest&auml;ndnis im filigranen Folkrock-Gewande aufbrausen l&auml;sst.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit der 2002 von Sabine M&uuml;ller aus Wei&szlig;ensee und Steffen Zickenrott aus Nordhausen ins Leben gerufenen, kurzzeitig durchaus erfolgversprechenden Deutschrock-Combo &bdquo;PurPur&ldquo;, nahm Hubert f&uuml;r &bdquo;Seelentaucher&ldquo; die ebenfalls folkloristisch angehauchte, dunkel-wabernde Gothic\/Pop\/Chanson\/Walzer-Melange <strong>&bdquo;Die Erinnerung&ldquo;<\/strong> auf, die sich prickelnd-aufmuckend und winterlich-eisig in einem aus den Boxen hinaus bewegt, geradewegs hinein in die Geh&ouml;rg&auml;nge des geneigten, toleranten Freundes hochqualitativer deutscher Popmusik.<\/p>\n<p>Die vierte und letzte Mix-Variation des weiterhin grandios klingenden Soziogramms <strong>&bdquo;No Rain&ldquo;<\/strong>, nun mit einem etwas bombastischeren, orchestral angehauchten Flair erklingend, mit h&auml;rterem Schlagzeug und wehenden, mal wieder britisch inspirierten E-Gitarren-W&auml;llen punktgenau und treffsicher ausstaffierten &bdquo;Munich Sound&ldquo;, beendet den 22-teiligen Liederzyklus der Doppel-CD &bdquo;Willkommen im Leben&ldquo;.<\/p>\n<p>Diese &Uuml;bersicht &uuml;ber das gesamte kreative Tun des Hubert Kah f&uuml;r das Diepholzer Label DA Music beinhaltet nat&uuml;rlich keine gro&szlig;en Hits, abgesehen von der einschmeichelnden Akustik-Auslegung von &bdquo;Wenn der Mond die Sonne ber&uuml;hrt&ldquo; und den kleinen, aber feinen Club-Aufmischern &bdquo;Psycho Radio&ldquo; und &bdquo;No Rain&ldquo;. Trotzdem sollten alle Freunde ungew&ouml;hnlicher, gar nicht selten extravaganter h&auml;ufig weit jenseits des Mainstreams angesiedelter deutscher Popmusik mit einer gewissen Affinit&auml;t zu Dunklem, Bizarrem, &nbsp;Gothic- und Darkwave-&Auml;hnlichem auf jeden Fall zugreifen und in die k&uuml;nstlerisch aufgearbeiteten Seelenwelten des Hubert Kah eintauchen. Sowohl die (oft englisch gesungenen) Pop- und Dance-Perlen, als auch die muttersprachlich intonierten Gothic- und Wave-Versuche nennen, wie beschrieben, durchwegs ein hohes sch&ouml;pferisches Potential ihr Eigen und sind &uuml;beraus phantasievoll und originell ausgestaltet. Manche Melodien besitzen durchaus einen Wert f&uuml;r die Ewigkeit. Auch der Musikchronist ist herzlich eingeladen, nach erw&auml;hnter &bdquo;Blank &amp; Jones&ldquo;-Koppelung auf SOUND COLOURS, nun auch auf die DA-Liedkollektion &bdquo;Willkommen im Leben&ldquo; zur&uuml;ckzugreifen, denn erst dann ist er im Besitz (nahezu) des gesamten produktiven Resultats von bald 33 Jahren Hubert Kah im deutschen Musikgeschehen!<\/p>\n<p>Holger St\u00fcrenburg, 02.\/03. November 2014<br \/>http:\/\/www.da-music.de<br \/>http:\/\/www.hubert-kah.com\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr dieses Doppelalbum haben die Verantwortlichen bei DA Music s\u00e4mtliche Tondokumente aus ihrem Archiv hervorgezaubert, die Hubert Kah 2005 im<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":96896,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[22],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/96895"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=96895"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/96895\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/96896"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=96895"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=96895"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=96895"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}