{"id":96643,"date":"2014-11-11T00:00:00","date_gmt":"2014-11-11T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=96643"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"PAUL-KUHN-Die-Download-CD-Schau-96642","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/oldies\/PAUL-KUHN-Die-Download-CD-Schau-96642\/","title":{"rendered":"PAUL KUHN <br \/>Die &#39;Download-CD&#39; &quot;Schau mir in die Augen&quot; im Test von Holger St\u00fcrenburg!"},"content":{"rendered":"<p>Hierbei handelte es sich um sechs zuvor unver\u00f6ffentlichte Titel aus den Jahren 1991 bis 1994, stilistisch angesiedelt zwischen anspruchsvollem Schlager, Chanson, Couplet, Ragtime und nat\u00fcrlich gaaanz viel Swing und Jazz&#8230;:\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was hat das vor einem Jahr verstorbene Multitalent und Stehaufm&auml;nnchen <strong>PAUL &bdquo;Paulchen&ldquo; KUHN<\/strong> in seinem langen musikalischen Leben nicht so alles auf die Beine gestellt: Schon als Achtj&auml;hriger beherrschte er das Akkordeon und trat damit 1936 als kleiner Knirps bei der Berliner Funkausstellung auf; wenig sp&auml;ter, w&auml;hrend des II. Weltkriegs, steigerte sich sein Interesse an Jazz-Musik. Nach Kriegsende, stellte er sich in Hessen, was zur amerikanischen Besatzungszone geh&ouml;rte, beim Radiosender AFN vor und rief seine erste Big Band ins Leben. Mit dieser war er dann dort fast t&auml;glich &sbquo;live&lsquo; zu h&ouml;ren, insbesondere, nachdem er und seine Combo sich das oft gew&uuml;nschte Repertoire des US-Bandleaders Glenn Miller angeeignet hatten.<\/p>\n<p>Kurz darauf begann er, auch und zunehmend intensiver im traditionellen Schlagermetier aktiv zu werden &ndash; und dies sehr schnell enorm erfolgreich. Bereits seine 1954 erschienene Deb&uuml;tsingle &bdquo;Der Mann am Klavier&ldquo; erwuchs zu einem Evergreen, 1958 folgte die stolze Chansonballade &bdquo;Die Farbe der Liebe&ldquo; und 1963 schrieb er mit dem Stimmungsschunkler &bdquo;Es gibt kein Bier auf Hawaii&ldquo; regelrecht teutonische Musikgeschichte.<\/p>\n<p>In den 70er Jahren leitete der geb&uuml;rtige Wiesbadener als Bandleader und Arrangeur die vielk&ouml;pfige Big Band des Senders Freies Berlin (SFB) und untermalte mit dieser bravour&ouml;s unz&auml;hlige beliebte Fernsehshows, sowie eigene Tanzmusik-Sendungen. 1980 jedoch k&uuml;ndigte ihm die K&ouml;lner Plattenfirma EMI seinen bis dato bestehenden Plattenvertrag und gleichzeitig wurde die SFB Big Band aufgel&ouml;st. Eine schwere Zeit f&uuml;r Paulchen muss dies gewesen sein; so erinnere ich mich, wurden seine weiterhin sehr diffizil und leidenschaftlich dargebotenen Big-Band-Interpretationen von ansagten Hits seinerzeit ausschlie&szlig;lich vom Billig-Label &bdquo;EUROPA&ldquo; ver&ouml;ffentlicht, was seinem K&ouml;nnen und der Qualit&auml;t seiner Jazz-Auslegungen von Hits und Standards keineswegs gerecht wurde (obwohl seine damalige &bdquo;EUROPA&ldquo;-Fassung des John Hartfort-Geniestreichs &bdquo;Gentle on my mind&ldquo; noch heute zu meinen Lieblingsversionen dieses unschlagbaren Fr&uuml;hlingsklassikers z&auml;hlt!).<\/p>\n<p>Doch nur wenig sp&auml;ter hatte Paul Kuhn wieder bis auf weiteres Tritt gefasst, er startete in K&ouml;ln einen allumfassenden Neuanfang und sorgte dort 1981 beim Presseball flink f&uuml;r erneute Begeisterungsst&uuml;rme. Mit neu zusammengerufenem Orchester begleitete der Verehrer des gro&szlig;en US-Jazzers Count Basie die Wiener Showlegende Peter Alexander auf mehreren seiner umfangreichen Tourneen, war wiederum h&auml;ufig in zig TV-Shows zu h&ouml;ren und zu sehen und inszenierte &ndash; augenzwinkernd genre-&uuml;bergreifend &ndash; Wolfgang Niedeckens zun&auml;chst im akustischen Bob-Dylan-Stil gehaltenen, satirischen Talking Blues &bdquo;Neuleed&ldquo; f&uuml;r dessen 1987er-Solo-Opus &bdquo;Schlagzeiten&ldquo; als fette, &uuml;berdrehte Big-Band-Jazz-Orgie.<\/p>\n<p>In jenen Tagen, zur Dekadenwende 80\/90er, muss es wohl auch gewesen sein, als Paulchen, inzwischen endg&uuml;ltig in der K&ouml;lner Szene arriviert, mit Produzent\/Songschreiber Rudi von der Dovenm&uuml;hle zusammenkam, der zum einen bereits 1951, zusammen mit seiner Gattin Margot B&ouml;hm, seinen eigenen Musikverlag MINERVA Music ins Leben gerufen hatte und zum anderen jahrelang einen gro&szlig;en Einfluss in den Chefetagen der K&ouml;lner EMI-Electrola hatte, bei der Paul Kuhn ja in den 50er und 60er Jahre seine gr&ouml;&szlig;ten Schlagererfolge hatte feiern k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>So entschieden sich Rudi und Paul dazu, ein paar neue Lieder des altehrw&uuml;rdigen Showmannes mit Wohnsitz K&ouml;lle am Rhing aufzunehmen, die s&auml;mtlich von Rudi von der Dovenm&uuml;hle unter dessen Haupt-Pseudonym &bdquo;Rudi Lindt&ldquo; verfasst und teilweise in Kooperation mit Howard Carpendales damaligem Livearrangeur und musikalischen Leiter Elmar Kast klanglich umgesetzt wurden.<\/p>\n<p>Hierbei handelte es sich um sechs zuvor unver&ouml;ffentlichte Titel aus den Jahren 1991 bis 1994, stilistisch angesiedelt zwischen anspruchsvollem Schlager, Chanson, Couplet, Ragtime und nat&uuml;rlich gaaanz viel Swing und Jazz &ndash; und ebendiese wurden nun von MINERVA Music, dem von Rudi und seiner Frau 1951 begr&uuml;ndeten und seit dem Millennium von deren Tochter Silke Volgmann fortf&uuml;hrten Musikverlag aus dem westf&auml;lischen Frechen, erstmals in Form einer Sieben-Track-Download-CD namens <strong>&bdquo;Schau mir in die Augen, Kleines&ldquo;<\/strong> der breiteren &Ouml;ffentlichkeit zug&auml;nglich gemacht. Tats&auml;chlich hatte, abgesehen von einigen ausgew&auml;hlten Radioredakteuren und Plattenfirmenmenschen, diese ultrararen Aufnahmen zuvor noch niemand zu Geh&ouml;r bekommen, denn Rudi hatte diese einstmals ausschlie&szlig;lich als Promo-Exemplare an einen fest umrissenen Kreis aus Medien und Musikwirtschaft ausgesandt, ohne dass sie jemals regul&auml;r in den Handel gekommen w&auml;ren.<\/p>\n<p>Mit lebenserfahrener Inbrunst und von k&ouml;stlichem, selbstironischen &bdquo;Elder Statesman&ldquo;-Flair beseelt, intonierte Paul Kuhn &ndash; damals immerhin schon &uuml;ber 60 Jahre alt &ndash; vor knapp einem Vierteljahrhundert diese sechs sehr melodischen, durchwegs strikt swingenden, dabei zumeist luftig-leichten Jazz-Chansons, die von Elmar Kast, trotz aller musikalischer Anlehnung an die klanglichen Gepflogenheiten der 20er bis 50er Jahre, durchaus zeitgem&auml;&szlig;, mit frech-erotisch doo-wop-enden Frauench&ouml;ren (die legend&auml;ren &bdquo;Ute-Mann-Singers&ldquo;!) und h&ouml;rbar auch ein paar unvermeidlichen Computerrhythmen und Synthesizerspielereien angereichert und ausgekleidet wurden.<\/p>\n<p>Los geht&rsquo;s mit dem gem&auml;chlich schleichenden, fingerschippenden, etwas d&uuml;ster-schw&uuml;lstig anmutenden Piano-Swing <strong>&bdquo;Wann kommen meine sieben fetten Jahre?&ldquo;<\/strong>, der Mitte der 50er garantiert ein gro&szlig;er Hit geworden w&auml;re, zumindest aber in einem der seinerzeit &uuml;berall &nbsp;grassierenden, typischen Wirtschaftswunder-Frohsinns-Filme einen trefflichen Einsatz h&auml;tte finden k&ouml;nnen, w&auml;hrend die aufm&uuml;pfige <strong>&bdquo;Honolulu-Story&ldquo;<\/strong> ein &uuml;beraus gelungenes, kesses Gebr&auml;u aus rasendem Ragtime und aufgedonnertem Oldtime Jazz darstellt.<\/p>\n<p>Der Titelgeber vorliegender Download-CD, <strong>&bdquo;Schau mir in die Augen, Kleines&ldquo;<\/strong>, ist eine sommerlich-verliebte, in ged&auml;mpftem Tempo gehaltene Liebesbekundung in Form einer absolut &uuml;berzeugenden, frisch-junggebliebenen Chanson-trifft-Swing-Mixtur, ausstaffiert mit zirpenden Akustikgitarren, sanftem Schlagzeug und nur ganz zur&uuml;ckhaltend eingesetzten Keyboards; fetzig, aufbrausend, beinahe gar einwenig hintergr&uuml;ndig rockend, ert&ouml;nt kurz danach jedoch die burschikose, rasante Ode an die offenkundig au&szlig;erordentlich bezaubernde Franz&ouml;sin <strong>&bdquo;Mademoiselle de Grasse&ldquo;<\/strong>.<\/p>\n<p>Abermals verliebt, gutm&uuml;tig und behutsam, zeigt sich daraufhin der einwenig abgekl&auml;rte, aber trotzdem weiterhin das immer noch hei&szlig;bl&uuml;tig-hoffnungsvolle Ambiente einer kurz vor dem Ende stehenden, scheinbar arg chaotisch verlaufenen Kurz-Beziehung des Protagonisten mit der h&uuml;bschen, aber offenkundig unausstehlichen <strong>&bdquo;Domenica&ldquo;<\/strong> repr&auml;sentierende, gleichnamige Swing-Schlager, der als eine Art Zwiegesang zwischen Paulchen und den &bdquo;Ute Mann Singers&ldquo;-Chordamen aufgebaut wurde. Wiederum atmosph&auml;rischen, einwenig n&auml;chtlich verruchten Edel-Swing in mittlerer Geschwindigkeit legt der liebenswerte Ohrwurm <strong>&bdquo;In der Pianobar&ldquo;<\/strong> an den Tag.<\/p>\n<p>Sozusagen als &bdquo;Bonus-Titel&ldquo; findet sich auf hier analysierter Download-CD zus&auml;tzlich eine Zusammenarbeit Kuhn\/von der Dovenm&uuml;hle aus dem Jahr 1983, wenige Jahre, nachdem das mit f&uuml;nf OSCARS ausgezeichnete Filmdrama &bdquo;Kramer gegen Kramer&ldquo; mit Dustin Hoffmann und Meryl Streep in den Hauptrollen weltweit in den Kinos&auml;len f&uuml;r Furore sorgte. &bdquo;Rudi Lindt&ldquo; schrieb einen thematisch &auml;hnlich ausgerichteten, daher einerseits einwenig m&uuml;rrisch, andererseits aber auch besonnen und diszipliniert ausgefallenen Text namens <strong>&bdquo;Jansen gegen Jansen&ldquo;<\/strong> zu der Melodie &bdquo;Johnson vs. Johnson&ldquo; des US-Songschreibers Carson Parks, seines Zeichens &auml;lterer Bruder des legend&auml;ren Carl-Wilson-Intimus Van Dyke Parks. Dieses so traurige, wie gef&uuml;hlvoll eindringliche, wiederum sacht swingende Schlagerchanson sang Paul Kuhn nun ein, &uuml;brigens im Duett mit seiner sp&auml;teren Frau (und langj&auml;hrigen Chorleiterin) Ute Mann. Das mehr als nur klangvolle Ergebnis wurde in jenen Tagen sogar im Maxi-Format als sog. &bdquo;Super Sound Single&ldquo; ver&ouml;ffentlicht, geriet bald darauf aber leider in Vergessenheit, ohne tiefere Spuren, wom&ouml;glich sogar in den Hitparaden dieses unseren Landes, hinterlassen zu haben. Erst 2014 holte Silke Volgmann von MINERVA Music auch diese Superrarit&auml;t aus dem Archiv, m&ouml;belte sie klangtechnisch auf und f&uuml;gte das gedr&uuml;ckt und melancholisch perlende Chansonmeisterwerk nun der kleinen, aber durchwegs feinen Liedkollektion &bdquo;Schau mir in die Augen, Kleines&ldquo; bei!<\/p>\n<p>F&uuml;r den Freund der angejazzten Schlagerkl&auml;nge der 50er und 60er, der zugleich alte LPs von Bill Ramsey, Wolfgang Sauer oder Ralph Bendix vielzahlig zu Hause hat, sind diese sieben Ausgrabungen von <strong>Paul Kuhn<\/strong>, die nun unter dem Motto <strong>&bdquo;Schau mir in die Augen, Kleines&ldquo;<\/strong> als Download-CD komprimiert vorliegen, mit einiger Sicherheit der gr&ouml;&szlig;te Spa&szlig; und der Musikhistoriker, penible Chronist und Sammler wird ohnehin zugreifen, um seine Schatztruhe mit lange verschollen geglaubten Perlen der bedeutsamsten K&uuml;nstler der Nachkriegszeit auf diese Weise so peu a peu zu vervollst&auml;ndigen!<\/p>\n<p>Holger St\u00fcrenburg, 09. November 2014<br \/>www.minerva-music.de<br \/>http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Paul_Kuhn<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hierbei handelte es sich um sechs zuvor unver\u00f6ffentlichte Titel aus den Jahren 1991 bis 1994, stilistisch angesiedelt zwischen anspruchsvollem Schlager,<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":96644,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[24],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/96643"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=96643"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/96643\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/96644"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=96643"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=96643"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=96643"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}