{"id":95239,"date":"2014-12-23T00:00:00","date_gmt":"2014-12-23T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=95239"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"UDO-JUERGENS-Udo-Juergens-%96-G-95238","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/schlager\/UDO-JUERGENS-Udo-Juergens-%96-G-95238\/","title":{"rendered":"UDO J\u00dcRGENS <br \/>Udo J\u00fcrgens \u2013 &quot;Gestern \u2013 Heute \u2013 Morgen&quot; &#8211; Ein pers\u00f6nlicher Nachruf von Holger St\u00fcrenburg!"},"content":{"rendered":"<p>Auch der Hamburger Musikjournalist war &#8222;au\u00dferordentlich schockiert&#8220;, als er am sp\u00e4teren Sonntagnachmittag (21.12.2014) &#8222;diese best\u00fcrzende Nachricht&#8220; erfuhr, dass Udo J\u00fcrgens gestorben ist!\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade zehn Jahre alt war ich geworden, als in mir der Udo-J&uuml;rgens-Fan erwachte. In der von mir ab Mitte April 1981 w&ouml;chentlich mit Hochspannung verfolgten &bdquo;Deutschen Schlagerparade auf NDR II&ldquo;, moderiert von Ilse Rehbein, hatte sich bei einer der ersten Ausgaben, die ich damals zu Geh&ouml;r bekam, ein Lied des am gestrigen vierten Adventssonntag 2014 so pl&ouml;tzlich verstorbenen Entertainment-Genies Udo J&uuml;rgens f&uuml;r mehrere Wochen un&uuml;bertroffen an der Spitze festgesetzt. Ich erinnere mich noch genau: am 09. Mai 1981 waren wir nachmittags auf dem Stadtparkfest der Hamburger CDU, auf dem sich mein Vater als Hobby-J&uuml;rgen-Echternach pr&auml;sentierte und ich es kaum erwarten konnte, nach Beendigung der Parteifestivit&auml;ten, zur&uuml;ck nach Hause zu kommen und dort, kurz vor Halbsechs, Samstagnachmittag, zumindest die letzten drei, vier Titel ebenjener &bdquo;Deutschen Schlagerparade auf NDR II&ldquo; noch mitzubekommen &ndash; die Nummer Eins konnte ich noch erhaschen. Es war &bdquo;Gaby wartet im Park&ldquo;, mein Einstieg in die musikalischen Welten des Udo J&uuml;rgens!<\/p>\n<p>Diese arriviert abgekl&auml;rte, etwas tr&uuml;be und doch so viel Positives und Hoffnungsvolles ausstrahlende Melodie, auf der Basis zeitnaher Synthesizerkl&auml;nge, verfeinert mit einem wehenden, schwebenden Saxophon, ging mir als Kind umgehend ins Ohr &ndash; und hat mein H&ouml;rorgan bis heute nicht mehr verlassen.<\/p>\n<p>Zuvor hatte ich von Udo J&uuml;rgens h&ouml;chstens mal &bdquo;Aber bitte mit Sahne&ldquo; im Radio vernommen, der niemals als Single vorgelegte Ragtime-Hammer &bdquo;Vielen Dank f&uuml;r die Blumen&ldquo;, diente als mir wohl gel&auml;ufige Titelmelodie der jeden Dienstag im ZDF-Vorabendprogramm ausgestrahlten Zeichentrickserie &bdquo;Tom &amp; Jerry&ldquo;, der Interpret dahinter war mir zu diesem Zeitpunkt noch v&ouml;llig egal. Aktuelle Schlager galten bis dato in meinem konservativen Elternhaus eher als verp&ouml;nt; die erste &bdquo;ZDF-Hitparade&ldquo; meines Lebens, im Januar 1981, verdanke ich einer Mischung aus Heimlichkeit und einer klassischen &sbquo;Gl&uuml;ck im Ungl&uuml;ck&lsquo;-Situation. Erst dann erkannten meine Eltern, dass zeitgem&auml;&szlig;er deutscher Pop und Schlager dieselbe Bedeutung und Wichtigkeit f&uuml;r ihren Sohn haben k&ouml;nnten, die einst in ihrer eigenen Jugend inzwischen zu &bdquo;Golden Oldies&ldquo; avancierte Genreklassiker eines Peter Alexander oder Glenn Miller, einer Ella Fitzgerald oder eines Bill Ramsey aufgewiesen hatten.<\/p>\n<p>Doch dieses Lied &uuml;ber den hin und her gerissenen Ehemann, der seine viel j&uuml;ngere Geliebte &bdquo;Gaby&ldquo; in irgendeinem &bdquo;Park&ldquo; treffen m&ouml;chte, um ein nettes Sch&auml;ferst&uuml;ndchen mit ihr zu verleben, sich aber, nach langen &Uuml;berlegungen, schlussendlich doch dazu entschlie&szlig;t, die jugendliche &bdquo;Gaby&ldquo; eben &bdquo;im Park&ldquo; warten zu lassen und reum&uuml;tig zu seiner Ehegattin zur&uuml;ckzukehren, hatte mich sofort in seinen Bann gezogen &ndash; auch, wenn ich, mit gerade mal zehn Jahren, den sehr erwachsenen Textinhalt dieses unvergleichlichen muttersprachlichen New-Romantic-Epos garantiert noch nicht so genau habe nachvollziehen k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Es folgte im Sommer desselben Jahres, kurz vor der Einschulung in die f&uuml;nfte Gymnasialklasse, der so monumentale, wie tr&auml;umerische, gesungene Reisebericht &uuml;ber einen fast surreal anmutenden Moskau-Trip namens &bdquo;Ich sah nur Sie&ldquo; &ndash; auch diese vielleicht etwas spr&ouml;de und doch so tief ins Innerste dringende Chansonballade riss mich umgehend mit. Das dazugeh&ouml;rige Album &bdquo;Willkommen in meinem Leben&ldquo; &ndash; bis heute einer meiner ganz pers&ouml;nlichen LP-Favoriten des gro&szlig;en K&auml;rntner Chansonniers &ndash; erwarb ich allerdings erst einige Jahre sp&auml;ter; damals, mit zehn Jahren, waren mit entsprechendem Taschengeld-Budget eher Single-K&auml;ufe an der Tagesordnung.<\/p>\n<p>Doch Ende April 1982 war es, kurz nach den Fr&uuml;hjahrsferien, Zeit f&uuml;r meine allererste Udo-J&uuml;rgens-LP &ndash; nein, nicht als Vinylausgabe. Leider. Damals meinten meine Eltern, um Platz im Kinderzimmer zu sparen und\/oder die Musik auch auf Urlaubsreisen mitnehmen zu k&ouml;nnen, sei doch eine kleinformatige Music-Cassette viel, viel besser geeignet &ndash; die schaurige Klangqualit&auml;t dieser ungl&uuml;ckseligen Miniaturausgaben eines teuren Tontr&auml;gers war mir damals noch gar nicht so bewusst. Erst in der &bdquo;ZDF-Drehscheibe&ldquo;; kurz darauf, am 25. M&auml;rz 1982, bei Michael Schanzes gro&szlig;er Samstagabend-Musikparade &bdquo;Show-Express&ldquo;, hatte Udo J&uuml;rgens seine trefflich und liebevoll polemische, &auml;u&szlig;erst witzig ausformulierte Zeitgeist-Parodie &bdquo;Die Glotze&hellip; und das alles in Farbe&ldquo; dem einheimischen Fernsehzuschauer vorgestellt. Diese fungierte als Vorabauskoppelung aus der, wie auch ihr Vorg&auml;nger, durch eine enorme Stilvielfalt bet&ouml;renden 1982er-Studio-LP &bdquo;Silberstreifen&ldquo;. Bei &bdquo;Der Glotze&ldquo; hatte Udo J&uuml;rgens augenzwinkernd und bravour&ouml;s gleicherma&szlig;en mit schrillen Elementen der damals &uuml;berall grassierenden Neuen Deutschen Welle experimentiert und auf diese Weise einen fetzigen, widerspenstigen, lyrisch offensiven Synthipop-NDW-Schlager-Mix ausbaldowert, der mich sogleich dazu anregte, mir Ende April 1982, kurz nach Erscheinen, bei &bdquo;Karstadt&ldquo; in der Hamburger Innenstadt, das Gesamtwerk &bdquo;Silberstreifen&ldquo;, wohlgemerkt als Cassette (!), zuzulegen! Konsequent f&uuml;r den Frieden eintretend, dabei aber niemals agitativ oder belehrend, zeigte sich Udo im Rahmen dieser noch heute vollst &uuml;berzeugenden LP in seinem auch in sp&auml;teren Jahren immer wieder gerne &sbquo;live&lsquo; aufgef&uuml;hrten, radikal ehrlichen Politstatement &bdquo;F&uuml;nf Minuten vor Zw&ouml;lf&ldquo;, keck und charmant bat er zudem seine n&auml;chtliche Aff&auml;re, in locker swingendem Klangkontext, &bdquo;Bleib doch bis zum Fr&uuml;hst&uuml;ck&ldquo; oder hardrockte er &uuml;berzeichnet brachial und gitarrenverzerrt in gewandten Worten &uuml;ber den klischeebehafteten Kosenamen &bdquo;Schnucki-Putzi&ldquo;.<\/p>\n<p>Von nun an war Udo J&uuml;rgens endg&uuml;ltig nicht mehr aus meinem erst Schallplatten-, dann CD-Regal wegzudenken. Auch, als ich mich 1982\/83 dem lauteren Deutschrock des anderen Udo, des Herbert G., des HRK oder der K&ouml;lschrocker &bdquo;BAP&ldquo; &ouml;ffnete, blieb der unangreifbare Showstar aus Klagenfurt eine stete Konstante in meinem musikalischen Dasein. Er &uuml;berdauerte meine altersgem&auml;&szlig;e Verehrung von New Wave und Synthipop, und begleite mich durch unz&auml;hlige H&ouml;hen und Tiefen meiner Schul-, Ausbildungs-, Berufs- und Krankheitsjahre mit immer wieder aufr&uuml;ttelnden, nachdenklichen, wie zum Am&uuml;sieren anregenden Melodien auf h&ouml;chstem k&uuml;nstlerischen Niveau!<\/p>\n<p>Im Laufe des Sommers 1982 kaufte ich mir auf Flohm&auml;rkten einige &auml;ltere J&uuml;rgens-Scheiben und Best-of-Koppelungen und begann so, das ideenreiche Wirken des Udo J&uuml;rgens aus den 60er und 70er Jahren nachzuzeichnen, welches ich mangels Lebensalters selbst noch nicht hatte miterleben k&ouml;nnen. Mein konservativer Vater m&auml;kelte an manch zeitkritischer Nummer a la &bdquo;Lieb Vaterland&ldquo; oder &bdquo;Ehrenwertes Haus&ldquo; in L&ouml;wenthal-Manier herum, aber all dies hinderte mich nicht daran, nach und nach, in den letzten drei Dekaden, eine heute um die 65\/70 Vinyl-LPs, ca. 25 Vinyl-Singles, etwa 30 CDs und vier DVDS umfassende Udo-J&uuml;rgens-Tontr&auml;gersammlung zu errichten!<\/p>\n<p>1983 gab es den ultimativen Sommer-Sonnenschein-Reggae-Evergreen &bdquo;Die Sonne und Du&ldquo; aus allen Radios dieses unseren Landes zu genie&szlig;en, dazu die gewollt introvertierte, hoch philosophische und musikalisch &uuml;berwiegend d&uuml;ster daherkommende Hit-LP &bdquo;Traumt&auml;nzer&ldquo;, bevor vor genau 30 Jahren das allererste Udo-J&uuml;rgens-Konzert meines Lebens auf der Tagesordnung stand, genau gesagt, am Dienstag, dem 27. November 1984, im Hamburger CCH Saal I. Kurz zuvor war die erstklassige LP &bdquo;Hautnah&ldquo; erschienen, die wieder Mal einen schieren Gro&szlig;meister des lyrischen Schlagerchansons in bester Manier an den Tag legte, mit Rock, Swing, Jazz, Ballade und Couplet geradezu hinrei&szlig;end spielte &ndash; und dar&uuml;ber hinaus noch die beiden, bis heute unvergessenen Singlehits &bdquo;Rot bl&uuml;ht der Mohn&ldquo; und &bdquo;Liebe ohne Leiden&ldquo;, das legend&auml;re v&auml;terliche Duett mit Tochter Jenny, beinhaltete. Fast drei Stunden lang, brachte Udo seinerzeit die B&uuml;hne des ansonsten so sterilen Congress Centrums in Hamburg-City, nahe des Dammtorbahnhofs, zum Beben. Und, obwohl ich am n&auml;chsten Morgen um 9.00 Uhr brav im (wie ich gerade beim eiligen Durchsehen meines damaligen Tagebuches feststelle) &auml;u&szlig;erst langweiligen (!) Englischunterricht sitzen musste, (wo wir bei Frau Petersen in jenen Tagen die Kurzgeschichte &bdquo;The Landlady&ldquo; des britischen Schwarzhumoristen Ronald Dahl durchnahmen), erlaubte meine Mutter mir &ndash; ich war immerhin gerade mal dreizehneinhalb Jahre alt -, nach der letzten &bdquo;Bademantel-Zugabe&ldquo;, gemeinsam mit hunderten anderen Fans, im Foyer des CCH auf den Star des Abends zu warten und mir von diesem auf ein gro&szlig;es Konzertposter ein entsprechendes Autogramm geben zu lassen. Ich war mehr als nur stolz!<\/p>\n<p>Mit sch&ouml;ner Regelm&auml;&szlig;igkeit ver&ouml;ffentlichte Udo J&uuml;rgens nun nahezu j&auml;hrlich ein, manchmal gar zwei &ndash; und wenn wir die ab Ende der 70er nach jeder Mammuttournee vorgelegten Liveaufzeichnungen mitrechnen &ndash; oft drei LPs, sp&auml;ter CDs. Diese meist mit immenser Vorfreude von mir (und Hunderttausenden anderen Udo-J&uuml;rgens-J&uuml;ngern in ganz Europa) sehnlichst erwarteten musikalischen Stellungnahmen trugen immer und durchgehend, ein ums andere Mal, ein extrem hohes Ma&szlig; an kompositorischer, textlicher, wie nat&uuml;rlich gesanglicher Qualit&auml;t in sich. Wie ich einmal in einer fr&uuml;heren Rezension schrieb, hat Udo J&uuml;rgens Zeit seines Leben viele, viele gute, sehr gute, nicht selten auch wahrhaftig nur als ph&auml;nomenal einzustufende Alben aufgenommen &ndash; ein richtig mieses, wirklich misslungenes Opus war jedoch niemals auch nur in Nuancen darunter. Unter &bdquo;Guter Durchschnitt&ldquo; l&auml;sst sich kein einziges Musikst&uuml;ck von Udo J&uuml;rgens einordnen. Mit der einen LP verband einen mehr, mit der anderen weniger. Mal erkannte man sich einwandfrei in einem Text selbst wieder, mal genoss man das Besungene vielmehr als stiller Beobachter. Oft waren es gar nicht mal die &uuml;berdimensionalen Hits, Radiorei&szlig;er und Fetenaufmischer, die mich pers&ouml;nlich so nah mit dem K&uuml;nstler verbanden. Ich denke, jeder seiner Fans hat sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte des unersch&ouml;pflichen kreativen Tuns von Udo J&uuml;rgens stets diejenigen Liedbeitr&auml;ge herausgefiltert, die sich mit einer ganz engen, spezifischen, vielleicht f&uuml;r andere oft gar nicht so nachvollziehbaren Tragweite und Bewandtnis f&uuml;r einen selbst zieren.<\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich mochte ich Udos 1986 erschienene, frivol-augenzwinkernde Reggae-Arie &bdquo;Jeder so, wie er mag&ldquo; sehr gerne h&ouml;ren, auch, wenn meine Mutter, die sich Dank ihres Herrn Sohns ohnehin zunehmend selbst zum Udo-J&uuml;rgens-Fan entwickelte, ob der nur angedeuteten, aber niemals ausgesprochenen, mutma&szlig;lich nicht ganz so jugendfreien T&auml;tigkeit, die &bdquo;jeder so&ldquo; ausf&uuml;hren m&ouml;ge &bdquo;wie er mag&ldquo;, einwenig moralische Bedenken bekam, und ich mich, der ich nie ein besonderer Freund der Partei der Gr&uuml;nen war, &uuml;ber Udos pointierte Textzeile &bdquo;Gr&uuml;ne tun&rsquo;s aus Prinzip nur im Wald&ldquo; (mir vorstellend, wie Ludger Vollmer unter pr&auml;chtigen Baumkronen, von eindeutigen Absichten beseelt, mit Jutta Ditfurth anbandelte), ganz besonders am&uuml;siert zeigte. Aber MEIN un&uuml;bertreffbares Lieblingslied aus der dazugeh&ouml;rigen LP &bdquo;Deinetwegen&ldquo; ist und bleibt bis heute die traumhaft romantische Liebeserinnerung &bdquo;Du h&ouml;rst dasselbe Lied im RADIO&ldquo;. Wenn ich dieses kompakte, gro&szlig;b&uuml;rgerlich-urbane Popchanson h&ouml;re, l&auml;uft es mir noch heute, 28 Jahre nach seinem Entstehen, gen&uuml;sslich k&uuml;hl den R&uuml;cken herunter: Ein Mann hatte eine Frau kennengelernt; nach einer verliebten Nacht schrieb er ihr seine Telephonnummer auf ein kleines St&uuml;ck Papier. Beide kehrten daraufhin, voneinander getrennt, zur&uuml;ck in ihr jeweiliges eigenes Leben &ndash; und der Protagonist hofft inst&auml;ndig, dass seine Aff&auml;re gerade jetzt, in dieser Sekunde, im Radio eben genau jenes Lied h&ouml;rt, zu dem sie am vorrangegangenen Abend als allererstes getanzt hatten, sich in Anbetracht dessen dieses kleinen Zettels mit der Nummer in ihrer Tasche erinnert, zum Telephon greift, das &bdquo;Lied-Ich&ldquo; anruft &ndash; und diesem vielleicht die Chance auf ein Wiedersehen einr&auml;umt. Ich habe so eine Geschichte nie erlebt, trotzdem l&auml;sst Udo J&uuml;rgens in diesem kleinen, niemals als Single ausgekoppelten, kaum weiter beachteten Meisterwerk vermutlich jeden Zuh&ouml;rer genau das authentisch und voller Intensit&auml;t nachempfinden, was der Protagonist in den abgekl&auml;rten Stunden nach seinem &sbquo;One Night Stand&lsquo; durchdenkt, durchlebt und durchleidet.<\/p>\n<p>Am Freitag, dem 27. M&auml;rz 1987, folgte Udo J&uuml;rgens-Konzert Numero Zwei, abermals im Hamburger CCH; am 18. November 1989 &ndash; nur ganz wenige Tage nach dem kaum mehr f&uuml;r machbar gehaltenen Fall der Berliner Mauer &ndash; das n&auml;chste, ebenfalls im gr&ouml;&szlig;ten Saal des CCH am Dammtorbahnhof. Wobei bei diesem Auftritt Udos schon im Februar 1988 f&uuml;r die Top-15-LP &bdquo;Das blaue Album&ldquo; entstandener (damals allerdings noch als rein fiktiver Wunsch gedachter) Power-Hymnus &bdquo;Moskau &ndash; New York&ldquo; mit seiner inzwischen Legendenstatus innehabenden Textzeile &bdquo;In Berlin wird die Mauer \/ von beiden Seiten zerschlagen \/ als gemeinsame Fackel \/ wird Freiheit ins Morgen getragen&ldquo; l&auml;ngst eine neue, vollkommen unerwartete Bedeutung bekommen, ja eine kraftvolle, von den Menschen jenseits der Zonengrenze friedlich durchgesetzte Realisierung erfahren hatte.<\/p>\n<p>Auch in den 90er Jahren ver&ouml;ffentlichte Udo J&uuml;rgens eine LP- sp&auml;ter CD-Glanzleistung nach der anderen. Das originell rockige, gitarrenlastige 1991er-Kabinettst&uuml;ck &bdquo;Geradeaus&ldquo; machte seinem Titel in puncto Energie, Direktheit und Durchsetzungskraft alle Ehre; zum unter dem Motto dieser Produktion stehenden Hamburger Konzert am 06. Februar 1992 begleitete mich erstmals meine Mutter und war ebenso fasziniert vom dort Dargebotenen wie ich, der ich, obwohl erst 21 Jahre alt, l&auml;ngst ein &sbquo;alter Hase&lsquo; in Sachen Udo-J&uuml;rgens-Verehrung geworden war. Der humorvolle, ungewohnt satirische Pop-Rocker &bdquo;Na und?&ldquo;, versehen mit koketten Wortspielereien aus der Feder von &bdquo;E.A.V.&ldquo;-Mastermind Thomas Spitzer, z&auml;hlte ebenso zu meinen &bdquo;Geradeaus&ldquo;-Favoriten, wie das elit&auml;re, intensiv vorantreibende, strikt geradlinige Rockchanson &bdquo;Verloren in mir&ldquo; &ndash; eine weitere klingende Perle im unersch&ouml;pflichen Liedfundes von Udo J&uuml;rgens, die, so glaube ich fest, in unseren Breitengarden kein anderer S&auml;nger, Musiker, Komponist so grazi&ouml;s und verletzlich, wie aufstrebend und prallgef&uuml;llt mit unb&auml;ndiger Liebe und Leidenschaft zu einem perfekten t&ouml;nenden Vulkan vereint h&auml;tte zusammenzaubern k&ouml;nnen, wie es der unvergleichliche Weltstar Udo J&uuml;rgens in gerade diesem machtvoll vorgetragenen Lebenselixier in Songform vermochte. 1994 erschien die ebenso famose, wenn auch wieder mehr swing- und poporientierte Silberscheibe &bdquo;Caf&eacute;&lsquo; Gr&ouml;&szlig;enwahn&ldquo;. Aus dieser kurzweilig-peppigen Songkollektion stach f&uuml;r mich pers&ouml;nlich wiederum ein Titel ganz ausgepr&auml;gt herzlich, wie nachhaltig, heraus, der davon abgesehen jedoch keine besondere Hervorhebung, sei es als regul&auml;re Kaufsingle, oder als Promo-Auskopplung, zuerkannt bekommen hatte. Dies war damals, im Herbst 1993, Udos so burschikos beschwingte, wie lustvoll selbstironische Reminiszenz an eine offenkundig historisch singul&auml;r verbleibende erste Liebe, die da hie&szlig; &bdquo;Keine war so wie Du&ldquo; und von mir in jenen Tagen aus ureigenen Gr&uuml;nden Wort f&uuml;r Wort nachvollzogen werden konnte. Nach dem M&uuml;nchener Konzert zu diesem erneuten, ganz und gar nicht &sbquo;gr&ouml;&szlig;enwahnsinnigen&lsquo; Udo-H&ouml;hepunkt &ndash; ich war inzwischen aus Ausbildungsgr&uuml;nden aus dem Hohen Norden in die bayrische Landeshauptstadt gezogen &ndash; am 13. November 1994, wurde mir sogar die au&szlig;ergew&ouml;hnliche, wahrlich f&uuml;r einen &bdquo;normalen Fan&ldquo;, der ich damals, vor meinem Einstieg in den Musikjournalismus noch war, nicht allt&auml;gliche Ehre zuteil, den Maestro ad Personam zu einem kurzen Gedankenaustausch hinter der B&uuml;hne der gro&szlig;en Olympiahalle zu treffen und somit erstmals (und leider auch letztmals) in meinem Leben ein paar Worte mit diesem Idol meiner Kindheit und Jugend wechseln zu k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Und im Laufe der letzten Jahre, als ich selbst, hinter den Kulissen versteht sich, als Berichterstatter, CD-Rezensent und Konzertkritiker in die Musikszene einstieg, war die jeweilige neue CD oder DVD von Udo J&uuml;rgens stets und regelm&auml;&szlig;ig ein mit exklusiver Vorliebe von mir bearbeitetes Topthema. Ich gebe unumwunden zu, dass ich mich im Herbst 2005 an das Album &bdquo;Jetzt oder nie&ldquo; erst ganz langsam gew&ouml;hnen musste. Die 15 Titel daraus brauchten tats&auml;chlich einige Zeit, bis ich mich mit ihnen anzufreunden schaffte. Aber sp&auml;testens, als ich am Samstag, dem 25. Februar 2006, in der Hamburger &bdquo;Color Line Arena&ldquo; das dazugeh&ouml;rige, selbstverst&auml;ndlich wieder mal &uuml;ber drei Stunden lang andauernde Konzert in Augen- und Ohrenschein nehmen konnte, war ich endg&uuml;ltig nun auch in das grazile, vielleicht einwenig schwerf&auml;llige Repertoire von &bdquo;Jetzt oder nie&ldquo; regelrecht verschossen.<\/p>\n<p>Wie auch vor einiger Zeit auf Smago.de zu lesen war, haute mich auch und insbesondere Udos nun leider allerletzte Studioarbeit &bdquo;Mitten im Leben&ldquo;, im Fr&uuml;hjahr diesen Jahres dem Markt zugef&uuml;hrt, schon innerhalb der ersten Sekunden des titelgebenden Er&ouml;ffnungsliedes mit vollster Wucht vom sprichw&ouml;rtlichen Hocker. Mit ihrer kongenial austarierten Melange aus gro&szlig;orchestraler Monsterballade, drallem, fetten Big-Band-Swing in bestem Sinatra-Style und gar &bdquo;Status-Quo&ldquo;-gem&auml;&szlig;en Boogie-Rock-Anleihen, zeigte diese ph&auml;nomenale Songsammlung einen &uuml;beraus aktiven und attraktiven Lebemann, der noch kurz vor seinem 80. Geburtstag ihrem Titel gem&auml;&szlig; wahrhaftig und unverbr&uuml;chlich &bdquo;Mitten im Leben&ldquo; stand.<\/p>\n<p>Diesen, seinen 80. Ehrentag hatte dieser stete musikalische Reisebegleiter unseres Zeit-, wie Gef&uuml;hlsgeschehens, der nicht nur als K&uuml;nstler, sondern zugleich als Mensch, als Zeitgenosse, auch als politisch interessierter, historisch versierter Beobachter und Nachdenker, eine ganze Menge &Uuml;berlegenswertes mitzuteilen hatte, noch voller Freude, umringt von jungen Kollegen und alten Weggef&auml;hrten, mittels einer umfangreichen, nicht unumstrittenen, aber dennoch absolut liebgemeinten ZDF-Gala Show zelebrieren k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Und dann, an einem deprimierenden, dunklen, st&uuml;rmischen Vorweihnachtstag, dem IV. Adventssonntag, als ich soeben mit einem befreundeten Hamburger Schlagers&auml;nger, der Udo J&uuml;rgens mindestens genauso sehr verehrte, wie ich, telephonierte, ihm manch eigenes Leiden schilderte, er mir daraufhin kraftvoll freundschaftliche Unterst&uuml;tzung versprach&hellip; stand, wie heute, 22.12.2014, auf Smago.de ganz zurecht und ohne jegliches Pathos geschrieben wurde, ohne zu &uuml;bertreiben &bdquo;die Welt still&ldquo;.<\/p>\n<p>Die Welt des gro&szlig;en Entertainments, des anspruchsvollen, generationen&uuml;bergreifenden Popschlagerchansons, steht still, weil der Grandseigneur dieses Metiers am Sonntag, dem 21.12.2014, beim Spazierengehen unerwartet und unvorhergesehen an pl&ouml;tzlichem Herztod verstarb.<\/p>\n<p>F&uuml;r viele von uns, deren musikalisches Leben von Udo J&uuml;rgens&lsquo; unz&auml;hligen Liedern gekennzeichnet, gepr&auml;gt, begleitet wurde, steht die Welt in diesen Stunden tats&auml;chlich still. Aber h&auml;tte der K&uuml;nstler selbst dies gewollt? Einen Stillstand? ein Stillstehen der Welt?? Dies w&auml;re f&uuml;r einen rastlosen, ruhelosen kreativen Geist, wie Udo J&uuml;rgens einer war, schlicht unvorstellbar gewesen. Nie im Leben h&auml;tte er an so etwas auch nur im Entferntesten gedacht. Nein, ein Udo J&uuml;rgens m&ouml;chte vielmehr, dass wir uns jetzt und in Zukunft an seinen un&uuml;bertrefflichen Liedern und Chansons weiterhin erfreuen, &uuml;ber sie nachdenken, sie nachvollziehen, sie vielleicht so oder &auml;hnlich selbst erleben, ja, sogar, auch uns an ihnen und ihren Inhalten reiben und geh&ouml;rig und angeregt &uuml;ber diese diskutieren.<\/p>\n<p>M&ouml;gen alle Rapper, Hip-Hopper, Ballerm&auml;nner, Pop(o)-Miezen und Banal-Rocker des Heute und Hier, die dieser Tage die Hitparaden mit oft ungenie&szlig;baren Kantaten beherrschen, schon in ein paar Wochen als ein gesungenes (? &ndash; gel&auml;rmtes??) &nbsp;Gestern, als personifiziertes Schnelllebiges, Vergangenes dastehen. Udo J&uuml;rgens&lsquo; klangvolle Zeitzeugnisse dagegen jedoch gelten, wie seine Ende 1996 ver&ouml;ffentliche Konzept-Kompilation schon in ihrer Betitelung aussagt: <strong>Gestern &ndash; Heute &#8211; Morgen&ldquo;!<\/strong><\/p>\n<p>Holger St\u00fcrenburg, 22.12.2014)<br \/>http.\/\/www.ariola.de<br \/>http:\/\/www.udojuergens.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch der Hamburger Musikjournalist war &#8222;au\u00dferordentlich schockiert&#8220;, als er am sp\u00e4teren Sonntagnachmittag (21.12.2014) &#8222;diese best\u00fcrzende Nachricht&#8220; erfuhr, dass Udo J\u00fcrgens<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":95240,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[29],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/95239"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=95239"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/95239\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/95240"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=95239"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=95239"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=95239"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}