{"id":94768,"date":"2015-01-08T00:00:00","date_gmt":"2015-01-08T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=94768"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"MODERN-TALKING-Das-3-DVD-Set-Mo-94767","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/schlager\/MODERN-TALKING-Das-3-DVD-Set-Mo-94767\/","title":{"rendered":"MODERN TALKING <br \/>Das 3-DVD-Set &quot;Modern Talking \u2013 30&quot; im Test von Holger St\u00fcrenburg (2\/2)!"},"content":{"rendered":"<p>Der Hamburger Musikjournalist hat diesmal gleich eine doppelt und dreifache &#8222;Doktorarbeit&#8220; verfasst! Der Text ist SO LANG, dass wir ihn in zwei Teilen bringen m\u00fcssen&#8230;:\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(&#8230;)<\/p>\n<p>DVD-02 komprimiert alles das, was <strong>Dieter Bohlen<\/strong> zwischen 1987 und 1998 unter der Bezeichnung <strong>&bdquo;Blue System&ldquo;<\/strong> auf insgesamt 13 Alben und um die 30 Singles fabriziert hat. Der heute in T&ouml;tensen im Landkreis Harburg residierende Top-Produzent zeichnete durchwegs als Komponist, Texter und &ndash; mal mehr, mal weniger &ndash; S&auml;nger\/Interpret\/Proklamator der zumeist gleichsam mit Hang zur Perfektion geschaffenen, dabei in ihrer Kompaktheit und Eing&auml;ngigkeit &uuml;berzeugend und fast immer f&uuml;r breite H&ouml;rerschichten au&szlig;erordentlich appetitlich ausgefallenen Dance-Pop-Epen von &bdquo;Blue System&ldquo; verantwortlich. Eine Heerschar wechselnder Chors&auml;nger (inkl. der jeweils aktuellen weiblichen Bohlen-Liebschaften) und Instrumentalisten, sowie Dieters Chefarrangeur Louis &bdquo;Brother Louie&ldquo; Rodriguez, sorgten f&uuml;r den oft dramatischen, theatralischen, von oben bis unten von einer guten Portion Hypertrophie und Opulenz durchzogenen Bestklang des bl&auml;ulichen Popsystems. Anders, als bei &bdquo;Modern Talking&ldquo;, setzte Dieter bei seinem Nachfolgeprojekt h&auml;ufig auf unterschiedlichste Einfl&uuml;sse aus rockigen Sph&auml;ren, vermengt mit manchmal einwenig malerisch dark-wavigen, oder gar zickigen Ethno-Dance-Folk-Elementen, die er mit zig Spielarten von Europop, Euro-Dance und s&uuml;deurop&auml;ischen Disco- und Dancefloor-Stilbl&uuml;ten kongenial kombinierte. 23 TV-Mitschnitte aus den Fernseh-Highlights der ausgehenden 80er und startenden 90er Jahren (z.B. &bdquo;ZDF-Hitparade&ldquo;, &bdquo;ZDF-Fernsehgarten&ldquo;, &bdquo;Musik liegt in der Luft&ldquo; oder &bdquo;Das Gro&szlig;e Los&ldquo;) und zus&auml;tzlich nochmals 22 jeweils zu den einzelnen Singletiteln, immer wieder mit unz&auml;hligen feurigen Effekten, derben SM-Anspielungen, Anleihen bei Grusel-, Western- und Science-Fiction-Streifen und allem m&ouml;glichen pyrotechnischen Budenzauber f&uuml;r horrende Summen konzipierte Promo-Videoclips, informieren den geneigten Popfreund &uuml;ber das, was Dieter Bohlen zwischen den beiden hocherfolgreichen &bdquo;Modern-Talking&ldquo;-Kapiteln in musikalischer Profession so alles angestellt hat.<\/p>\n<p>Stilistisch um einiges vielf&auml;ltiger, kompositorisch weitaus anspruchsvoller, tiefgehender, ja oftmals sogar verf&uuml;hrerischer, elektrisierender, als &bdquo;You&rsquo;re my Heart&hellip;&ldquo; oder &bdquo;Cherie, Cherie Lady, zeigten sich diese mehrheitlich flotten, temporeichen, schier berauschenden, mal hymnisch-aufwiegelnd, mal dunkel-mystisch vor sich hin wabernden Pop-Klangepen. &bdquo;Blue System&ldquo;, wer immer letztlich gesanglich dahinter gestanden haben mag, boten &uuml;berwiegend h&ouml;chst interessante, stets poppig-erquickliche Melodien, denen es einerseits jederzeit m&ouml;glich war, mit offensiven Widerhaken &ndash; z.B. in Form unerwarteter Mollt&ouml;ne und bedrohlich anmutender Gothic-Ch&ouml;re &ndash; aufzuwarten, die andererseits aber nahezu in G&auml;nze so lieblich, einschmeichelnd und Vertrauen erweckend ausgekleidet waren, dass sie niemandem wehtaten und, trotz immer wieder arg aufpeitschender Rhythmisierung und drallen, &uuml;bertriebenen B&auml;ssen, selbst einen Nichtt&auml;nzer und langj&auml;hrigen Discothekenverweigerer, wie den Rezensenten, nicht nur niemals st&ouml;rten oder gar abstie&szlig;en, sondern in manch popkulturell eher strukturkonservativ gepr&auml;gten Kreisen nicht selten durchaus deren freudige Anteilnahme erregten. Zwar war es Dieter als &bdquo;Blue System&ldquo; niemals verg&ouml;nnt, einen Nummer-Eins-Hit zu ergattern, trotzdem erfreute sich sein neues klingendes Kind &uuml;berwiegend in Deutschland, aber zugleich, nach der durch Glasnost und Perestroika sacht begonnenen &Ouml;ffnung gen Westen, auch und insbesondere in der damaligen Sowjetunion, immerhin ein Jahrzehnt lang ausgepr&auml;gter Beliebtheit.<\/p>\n<p>Zu den gefragtesten Titeln der fr&uuml;hen &bdquo;Blue System&ldquo;-Jahre z&auml;hlten z.B. der romantisch-introvertierte, leicht swingende, von vertr&auml;umten Piano- und Akustikgitarren-Expertisen durchzogene Elektroschlager-Einstieg <strong>&bdquo;Sorry, little Sarah&ldquo;<\/strong>, mit dem Dieter am 01. Oktober 1987, im Rahmen der ZDF-&bdquo;Teleillustrierte&ldquo; seine neue k&uuml;nstlerische &Auml;ra einl&auml;utete, der hinsichtlich Arrangement und Aufmachung &auml;hnlich gezimmerte Mid-Tempo-Popschleicher <strong>&bdquo;Testamente d&rsquo;Amalia&ldquo;<\/strong> (Juli 1991, Rang 34) oder die beiden allerersten Top-10-Ersteiger <strong>&bdquo;My Bed is too big&ldquo;<\/strong> (April 1988, Rang 10) und <strong>&bdquo;Under my Skin&ldquo;<\/strong> (Oktober 1988, Rang 6), zwei widerspenstig-unterk&uuml;hlte, exzessiv aufgedonnerte Tanzpop-Orgien voller bizarrer Erotik und n&auml;chtlicher Ruhelosigkeit. In die gleiche t&ouml;nende Kerbe schlugen z.B. die aufw&uuml;hlenden, rasenden Nightclub-Arien <strong>&bdquo;Love on the Rocks&ldquo;<\/strong> (Januar 1990, keine Platzierung), <strong>&bdquo;48 Hours&ldquo;<\/strong> (April 1990, Rang 29) oder das tatschlich h&ouml;llisch hei&szlig; flirrende Synthi-Melodram <strong>&bdquo;Lucifer&ldquo;<\/strong> (April 1991, Rang 25). Im putzmunteren Up-Tempo-Ohrwurm-Umfeld verblieben dagegen die fr&ouml;hlichen, sogleich zum Mitsingen anregenden Disco-Pop-Powerschlager <strong>&bdquo;Love Suite&ldquo;<\/strong> (M&auml;rz 1989, Rang 14), die polternde, st&uuml;rmische, mit orientalischen Versatzst&uuml;cken ausgeschm&uuml;ckte Synthi-Rock-Melange <strong>&bdquo;Deja Vu&ldquo;<\/strong> (September 1991, Rang 12) oder die House-trifft-&bdquo;Pet-Shop-Boys&ldquo;-Liebesode <strong>&bdquo;Love is such a lonely Sword&ldquo;<\/strong> (August 1990, Rang 6), die betreffs ihrer &sbquo;housigen&lsquo; Piano-Akkorde ungemein stark an den Vorjahreshit &bdquo;It&rsquo;s Alright&ldquo; der britischen Zooladen-Jungs gemahnte.<\/p>\n<p>Der brillante Eurodisco-H&ouml;hepunkt <strong>&bdquo;Romeo &amp; Juliet&ldquo;<\/strong>, im Februar 1992 Vorabauskoppelung aus der gefeierten, siebten Studio-CD &bdquo;Hello America&ldquo;, gl&auml;nzte durch seine knalligen Rhythmen und so brennende, wie elegante Melodieb&ouml;gen und experimentierte zus&auml;tzlich mit knackigen, gleichsam volumin&ouml;sen Flamenco-Gitarren, Kastagnetten und Latino-Einsprengseln. Ebenso aufr&uuml;ttelnd, ambitioniert und dabei strikt luxuri&ouml;s und nobel, erklang die ultimative Powerhymne <strong>&bdquo;I will survive&ldquo;<\/strong>, die zweite 45er aus ebengenannter &bdquo;Blue System&ldquo;-Lieblingsscheibe des Rezensenten, die im Mai 1992 erschien und, zwar nicht in Deutschland, daf&uuml;r aber in &Ouml;sterreich, die Hitlisten durchaus aufzuwirbeln vermochte (Rang 30). Bis auf Rang 5 der Albumhitparaden zog im Fr&uuml;hsommer 1993 die kaum weniger prunkvolle und vielversprechende Produktion &bdquo;Backstreet Dreams&ldquo;, aus der die beiden ph&auml;nomenalen Singles <strong>&bdquo;History&ldquo;<\/strong> (M&auml;rz 1993, Rang 26, aus dem ZDF-Flop &bdquo;Traumjob&ldquo; vom 13.03.1993) und <strong>&bdquo;Operator&ldquo;<\/strong> (Juli 1993, Rang 27, hier aus dem &bdquo;ZDF-Fernsehgarten&ldquo; vom 27.06.1993) auf DVD-02 von &bdquo;Modern Talking &ndash; 30&ldquo; ber&uuml;cksichtigt wurden und dar&uuml;ber hinaus zudem als kurzweilige Videoclips auf der Titelliste stehen. Es folgen nun u.a. der fette Eurodisco-Stampfer <strong>&bdquo;6 Years &ndash; 6 Nights&ldquo;<\/strong> (M&auml;rz 1994, Rang 47), die rasende, schrille, nutzlos &uuml;berrhythmisierte Nachtleben-Elegie <strong>&bdquo;Dr. Mabuse&ldquo;<\/strong> (November 1994, keine Platzierung) oder das uners&auml;ttlich blitzende Tekkno-Dancepop-Gemisch <strong>&bdquo;Leila&ldquo;<\/strong> (September 1995, Rang 29), die allesamt zwar f&uuml;r damalige Verh&auml;ltnisse unzweifelhaft zeitgen&ouml;ssisch und modisch-akkurat ausgearbeitet waren, f&uuml;r in den 70er und 80er Jahren sozialisierte Pop-Ohren jedoch kaum mehr genie&szlig;bar waren, weil sie allen Anschein erregten, sie seien lieblos im Ex-und-Hopp-Verfahren, sinnlos bumsend, nerv&ouml;s, unruhestiftend um des Kommerzes Willen hingeschludert worden. &bdquo;Blue System&ldquo; hatten in Anbetracht in jener &Auml;ra frisch entstandener Dancefloor-Acts wie &bdquo;La Bouche&ldquo;, &bdquo;Aqua&ldquo; oder &bdquo;Ace of Base&ldquo; nichts mehr zu sagen, sie wirkten zwanghaft anachronistisch, liefen nur noch dem Zeitgeist hinterher, den sie mangels der glei&szlig;enden Aktualit&auml;t ihrer eigenen Epigonen nicht mehr einzuholen in der Lage waren. Kein Wunder, dass Dieter dieses Projekt bald entnervt auf Eis legte und sich lieber seiner erfolgreichen Tage mit &bdquo;Modern Talking&ldquo; entsann.<\/p>\n<p>Bei seinen Aktivit&auml;ten als &bdquo;Blue System&ldquo;, hatte Mastermind Bohlen immer wieder gro&szlig;spurig inszenierte Romantikballaden in sein Repertoire integriert, was bei &bdquo;Modern Talking&ldquo; eher selten auf der Tagesordnung stand. Diese gem&auml;chlich-stilvollen Popedelsteine per Excellance verbreiteten eine ein ums andere Mal eine ganz individuelle, sehnsuchtsvoll-inbr&uuml;nstige Aura zwischen Traum und Wirklichkeit. Als Beispiele hierf&uuml;r seien in erster Linie <strong>&bdquo;When Sarah smiles&ldquo;<\/strong> (Dezember 1990, Rang 63), das so r&uuml;hrselige, wie hoffnungsvolle &bdquo;Blue-System&ldquo;-Lieblingslied des Verfassers dieser Zeilen, oder &bdquo;<strong>Silent Water&ldquo;<\/strong> (Januar 1989, Rang 11) zu erw&auml;hnen, die knisternde Titelmelodie der am 28. Dezember 1988 gesendeten &bdquo;Tatort&ldquo;-Folge &bdquo;Moltke&ldquo;, mit G&ouml;tz George als &bdquo;Kommissar Horst Schimanski&ldquo; und Dieter ad Personam in einer kleinen Nebenrolle als nicht n&auml;her benannter, blonder J&uuml;ngling im schwarzen VW Golf, der kurzzeitig sogar des Mordes verd&auml;chtigt wurde, denselben aber nicht begangen hatte, sondern nur deshalb ins Raster fiel, weil er denselben Autotyp fuhr, wie der eigentliche T&auml;ter. <strong>&bdquo;It&rsquo;s over&ldquo;<\/strong> (Dezember 1991, Rang 60), ein ph&auml;nomenales Duett mit US-Chanteuse Dionne Warwick, kommt schlussendlich als elit&auml;res, stilles und doch enorm unwiderstehliches und packendes Soul-Spektakel daher.<\/p>\n<p>Allzu h&auml;ufig lie&szlig; sich Dieter bei seinen Arbeiten f&uuml;r &bdquo;Blue System&ldquo; in puncto Melodief&uuml;hrung und Umsetzung\/Arrangement von zum Zeitpunkt deren Entstehens angesagten Chartsst&uuml;rmern anderer Interpreten beeinflussen. So stand bei Dieters impulsivem Synthesizerw&auml;lle-treffen-Gregorianische-Ch&ouml;re-Gebr&auml;u <strong>&bdquo;Magic Symphony&ldquo;<\/strong>, das Ende August 1989 Platz 10 der deutschen Singlehitparaden belegte, un&uuml;berh&ouml;rbar der stilistisch ebenso aufgebaute Tanzfl&auml;chenf&uuml;ller &bdquo;Das Omen &ndash; Part 1&ldquo; des rheinl&auml;ndischen Dancefloor-Projekts &bdquo;Mysterious Arts&ldquo; Pate, der im Fr&uuml;hsommer desselben Jahres wochenlang in deutschen Landen die Spitzenposition in Beschlag hielt. Der maritime Disco-Marsch <strong>&bdquo;That&rsquo;s Love&ldquo;<\/strong> (Mai 1994, keine Platzierung) stellt nicht mehr und nicht weniger dar, als eine sehr enge Ann&auml;hrung, gar Anlehnung, an den absichtlich pomp&ouml;sen und &uuml;berkandidelten 1993er-Tophit &bdquo;Go West&ldquo; der britischen Synthi-Heroen &bdquo;Pet Shop Boys&ldquo;. Der &uuml;berzeichnet frohsinnig-blendende Samba-Verschnitt &bdquo;Love will drive me crazy&ldquo;, die allerletzte &bdquo;Blue System&ldquo;-Single &uuml;berhaupt, aus dem Fr&uuml;hjahr 1998, ist &uuml;ber weite Strecken von Paul Simons 1986er-Welthit &bdquo;You can call me Al&ldquo; und der urspr&uuml;nglich aus dem Jahr 1962 stammenden Partyanfeuerung &bdquo;Hey! Baby!&ldquo; abgekupfert und die flockige, Reggae-infizierte Tanznummer <strong>&bdquo;Body to Body&ldquo; (<\/strong>1996) beinhaltet einwandfrei Versatzst&uuml;cke von &bdquo;Bucks Fizz&lsquo;&ldquo; gem&uuml;tlichem 1982er-Schunkelhit &bdquo;The Land of make believe&ldquo; und verschiedener Mitt-90er-Billigpop-Beitr&auml;ge der schaurigen schwedischen Teeniepopper &bdquo;Ace of Base&ldquo;, w&auml;hrend der melodi&ouml;se, eigentlich &bdquo;Blue System&ldquo;-untypische Pop-Rocker <strong>&bdquo;Anything&ldquo;<\/strong> (1997) im Grunde genommen als Bohlen&rsquo;sche Neuauslegung von John Waites 1984er-Klassiker &bdquo;Missing you&ldquo; aufgefasst werden kann, der kurz zuvor, im Herbst 1996, mit guter Resonanz von Tina Turner gecovert worden war und somit zeitnahe Relevanz aufwies.<\/p>\n<p>Im Anschluss an die 23 TV-Mitschnitte und die 22 Videoclips von &bdquo;Blue System&ldquo;, die sich inhaltlich in ihrer Mehrzahl &uuml;berschneiden &ndash; &bdquo;Lucifer&ldquo;, &bdquo;Deja Vu&ldquo; (beide 1991), &bdquo;Romeo &amp; Juliet&ldquo;, &bdquo;I will survive&ldquo; (beide 1992) und &bdquo;Love will drive me crazy&ldquo; (1998) sehen wir nur als Fernsehaufzeichnung, &bdquo;Silent Water&ldquo; (1988), &bdquo;Love is such a lonely Sword&ldquo; (1990), &bdquo;Body to Body&ldquo;, &bdquo;For the Children&ldquo; (beide 1996) und &bdquo;Anything&ldquo; (1997) dagegen ausschlie&szlig;lich als Video &ndash; haben die SONY-Verantwortlichen drei spa&szlig;ige Rarit&auml;ten aus Dieters Anfangstagen hervorgezaubert: Einmal nannte sich der Meister <strong>&bdquo;Steve Benson&ldquo;<\/strong> und offerierte uns als dieser am 03. Juli 1981 im K&ouml;lner &bdquo;WWF Club&ldquo; die sommerliche Popmelodie <strong>&bdquo;Love takes Time&ldquo;<\/strong> (die beflissene Schlagerfreunde auf Deutsch als &bdquo;Holiday auf Wolke Sieben&ldquo; von Andreas Cramer kennen!), weiters trat er 1981\/82 f&uuml;r zwei, drei Singles dem von seiner Berliner Plattenfirma HANSA kreierten Gesangstrio &bdquo;Sunday&ldquo; bei, mit dem er am 10. September 1981 in Michael Schanzes &bdquo;Show-Express&ldquo; den kessen Urlaubsschlager <strong>&bdquo;Jung und Frei&ldquo;<\/strong> und am 08. Februar 1982 die gesungene Version (des von ihm verfassten) Instrumentalhits <strong>&bdquo;Hale&lsquo; Hey Louise&ldquo;<\/strong> von Ricky King jugendlich-frisch (aber schon damals nicht gerade mit &uuml;berbordender Sangeskraft ausgestattet) intonierte.<\/p>\n<p>Auch Dieters sp&auml;terer Gesangspartner <strong>THOMAS ANDERS<\/strong>, dem die dritte, wiederum &uuml;bervolle DVD von &bdquo;Modern Talking &#8211; 30&ldquo; gewidmet ist, tat seine ersten musikalischen Schritte in einer Show von Michael Schanze. Der &bdquo;Sonnyboy&ldquo; des ZDF hatte den damaligen Zw&ouml;lftkl&auml;ssler eines Koblenzer Gymnasiums am 15. Januar 1981 in seinen Talentschuppen &bdquo;H&auml;tten Sie heut&lsquo; Zeit f&uuml;r mich?&ldquo; eingeladen, wo der baldige Abiturient zur&uuml;ckhaltend, bieder und b&uuml;rgerlich-brav, im zarten Alter von nur 17 Jahren, seine allererste Single, die streicher- und bl&auml;serverst&auml;rkte Bombastballade &bdquo;<strong>Du weinst um ihn&ldquo;<\/strong>, eindringlich vortrug. Mit dieser Fernsehrarit&auml;t beginnt DVD-03 hier analysierten Sets, die sich mit einem Gro&szlig;teil der Soloarbeiten des in M&ouml;rz bei M&uuml;nstermaifeld geborenen Frauenschwarms mit der samtenen, wie energiegeladenen Stimme auseinandersetzt. Aus firmenpolitischen Gr&uuml;nden jedoch fanden ausschlie&szlig;lich Material von HANSA und Na Klar!, also solches Liedgut, das von SONY verwaltet wird, Platz auf der 185min&uuml;tigen DVD, sowie ein paar Leckerbissen aus der 2006 bei EDEL vorgelegten Swing-Scheibe &bdquo;Songs Forever&ldquo;. Thomas-Anders-Aufnahmen, die z.B. bei EMI oder Polydor erstver&ouml;ffentlicht wurden, finden auf &bdquo;Modern Talking &ndash; 30&ldquo; gar nicht statt.<\/p>\n<p>So sehen wir acht TV-Auftritte aus den Jahren 1981 bis 2006, sowie neun Videoclips, welche die Jahre 1989 bis 2010 umfassen. Los geht&rsquo;s mit Thomas&lsquo; erster englischgesungener Solosingle, die er ein Jahr nach dem ersten Ende von &bdquo;Modern Talking&ldquo; im Fr&uuml;hsommer 1989 pr&auml;sentierte: <strong>&bdquo;Love of my own&ldquo;<\/strong> war eine opulente, schwebende Softpopballade US-amerikanischen Zuschnitts, irgendwo angesiedelt zwischen &bdquo;TOTO&ldquo;, &bdquo;Air Suppley&ldquo; oder &bdquo;Chicago&ldquo;, die der inzwischen deutlich erwachsener und &sbquo;tougher&lsquo; auftretende Ex-&bdquo;Modern Talking&ldquo;-Frontmann, mit zur&uuml;ckgebundener M&auml;hne und ohne &bdquo;NORA&ldquo;-Kettchen, professionell und ernsthaft am 12. Juli 1989 in der damals von Viktor Worms moderierten &bdquo;ZDF-Hitparade&ldquo; umjubelt vortrug. Der intensive Schleicher war seiner ersten Solo-LP &bdquo;Different&ldquo; entnommen worden und erreichte in den deutschen Singleghitparaden einen ordentlichen 24. Rang. Auch die zweite Single daraus, <strong>&bdquo;You are my Life&ldquo;<\/strong> (aus der WDR-Show &bdquo;25 Jahre Mittagsmagazin&ldquo;, vom 01.02.1990), verblieb im t&ouml;nenden Bezugsrahmen der gro&szlig;en Heroen des US-amerikanischen Edelpop jener Tage, w&auml;hrend Single Numero Drei, <strong>&bdquo;One Thing&ldquo;<\/strong> (als Promovideo zu sehen), deutlich rockig-phonstarke, vorantreibend-hymnische Wesensz&uuml;ge in sich trug. Den so abgehoben-coolen, wie energetisch-gl&uuml;henden Flamenco-Pop <strong>&bdquo;Can&rsquo;t give you Everything (but my Love)&ldquo;<\/strong>, die fr&uuml;hlingsfrische jazzig-soulige Coverversion eines UK-Nummer-1-Hits des US-Vokalensembles &bdquo;The Stylistics&ldquo; aus dem Jahr 1975, sehen wir daraufhin in Thomas&lsquo; elektrisierender Interpretation von seiner zweiten Soloscheibe &bdquo;Whispers&ldquo;, sowohl als Videoclip, als auch in Form einer Aufzeichnung aus der Show &bdquo;2 im Zweiten&ldquo;, die am 08. September 1991 aus Anlass der Berliner Funkausstellung, von Thomas Gottschalk und G&uuml;nter Jauch moderiert, im ZDF gesendet wurde. Danach folgt zeitlich ein gro&szlig;er Sprung nach vorne, direkt an das Ende der zweiten &bdquo;Modern Talking&ldquo;-Phase, als im M&auml;rz 2004 Thomas&lsquo; siebte Soloproduktion &bdquo;This Time&ldquo; bei Na Klar!, einem Unterlabel von SONY, auf den Markt kam. Daraus h&ouml;ren und sehen wir &ndash; s&auml;mtlich als Musikvideos &ndash; die zackig-mediterran gepr&auml;gte, ultratanzbare Vorabsingle <strong>&bdquo;Independent Girl&ldquo;<\/strong> (November 2003, Rang 17), das im Februar 2004 zur Albumver&ouml;ffentlichung vorgelegte Dancepop-Meisterst&uuml;ck <strong>&bdquo;King of Love&ldquo;<\/strong> (Rang 37), sowie den ebenso clubtauglichen, rhythmisch immens anheizenden Up-Tempo-Popkracher <strong>&bdquo;Tonight is the Night&ldquo;<\/strong> (Mai 2004, Rang 60).<\/p>\n<p>Mit der einfach nur grandiosen, von Kritikern und Fans &uuml;ber alle Ma&szlig;en goutierten Jazz-Rock-Pop-Ballade <strong>&bdquo;Songs, that live Forever&ldquo;<\/strong> nahm der vielseitig talentierte S&auml;nger, Songschreiber und Pianist am 09. M&auml;rz 2006 an der &ndash; damals auf insgesamt nur noch drei Liedvorschl&auml;ge reduzierten &#8211; Deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest in Hamburg teil, konnte sich aber mit seinem intimen, sehr seelenvollen und innigen Popkleinod leider nicht gegen die (heute zurecht l&auml;ngst vergessene) M&ouml;chtegern-Country-Combo &bdquo;Texas Lightning&ldquo; durchsetzen. Wenige Tage zuvor, hatte Thomas sein wohl pers&ouml;nlichstes Lied aller Zeiten vor einem hingerissenen Auditorium bei &bdquo;Wetten, dass&hellip;&ldquo; in Frankfurt am Main vorgestellt, wobei an diesem Abend allerdings auch seine Vorentscheidungskonkurrenten Vicky Leandros und eben &bdquo;Texas Lightning&ldquo; mit von der Partie waren und ihren Beitrag ebenfalls erstmals im gro&szlig;en Showrahmen vorf&uuml;hrten.<\/p>\n<p>&bdquo;Songs, that live Forever&ldquo; bot den &uuml;berragenden Aufh&auml;nger f&uuml;r das wahrlich hoch qualitative CD-Opus &bdquo;Songs Forever&ldquo;, f&uuml;r dessen Gelingen der weiterhin nahe Koblenz lebende Edelmann allseits bekannte Popmelodien aus den 80er Jahren in eine famose, weitfl&auml;chige Klangmontur, bestehend aus Swing, Lounge, Easy Listening und s&uuml;damerikanisch angehauchtem Jazzpop, verpackte. Aus dieser kreativen H&ouml;chstleistung, stellte Thomas die cool beschwingten Prachtst&uuml;cke <strong>&bdquo;All Around the World&ldquo;<\/strong> (im Original von Lisa Stainsfield, 1989) und <strong>&bdquo;True&ldquo;<\/strong> (&bdquo;Spandau Ballet&ldquo;, 1983) in TV-Fassungen jeweils aus dem &bdquo;ZDF-Fernsehgarten&ldquo;, sowie den Videoclip zu einer hervorragend abgespeckten, vollst&auml;ndig akustischen Pianoeinspielung von <strong>&bdquo;Cry for Help&ldquo;<\/strong> (Rick Astley, 1991) f&uuml;r &bdquo;Modern Talking &ndash; 30&ldquo; zur Verf&uuml;gung. Explizit f&uuml;r den russischen Markt (und hierzulande gar nicht regul&auml;r ver&ouml;ffentlicht), konzipierte Thomas Anders 2010 das lecker poppige, stilistisch und harmonisch unzweifelhaft am romantisch-urbanen Klangbild von &bdquo;Modern Talking&ldquo; angelehnte, im wahrsten Sinne des Worte &sbquo;starke&lsquo; Tanzalbum &bdquo;Strong&ldquo;, aus dem wir die vorz&uuml;glichen Promosingles <strong>&bdquo;Stay with me&ldquo;<\/strong> und <strong>&bdquo;Why do you cry&ldquo;<\/strong> in Form k&ouml;stlich &uuml;berdrehter, trickreicher Kurzfilme zu sehen bekommen.<\/p>\n<p>Ein ca. 100min&uuml;tiger (zuvor lange vergriffener bzw. nur &uuml;ber seinen Fanclub erh&auml;ltlichen) Livemitschnitt eines Solokonzertes von Thomas Anders vom 13. Februar 2009 zu seinem 40. B&uuml;hnenjubil&auml;um, das er in erster Linie f&uuml;r seinen Fanclub, der vor f&uuml;nf Jahren sein 20j&auml;hriges Bestehen feierte, mit eigener, mehrk&ouml;pfiger Band, in der Rhein-Mosel-Halle in seinem Heimatort Koblenz zelebrierte, beschlie&szlig;t die dritte DVD von &bdquo;Modern Talking &ndash; 30&ldquo;. Wir sehen und h&ouml;ren in diesem fein ausget&uuml;ftelten Programm, wie der Star des Abends zu Beginn nicht ohne Stolz verk&uuml;ndet, alleine 20 solcher Titel, die sich einst &uuml;ber die weite Welt verteilt in den Charts eingefunden hatten, wovon sogar 13 die Top 10 erreichen konnten &ndash; und noch vieles mehr!<\/p>\n<p>Poppig-modische Soloerfolge der j&uuml;ngeren Zeit, wie <strong>&bdquo;Independent Girl&ldquo;<\/strong>, <strong>&bdquo;King of Love&ldquo;<\/strong>, <strong>&bdquo;Soldier&ldquo;<\/strong> (&uuml;brigens aus der Feder von Cliff Richards langj&auml;hriger &sbquo;Hitmaschine&lsquo; Alan Tarney!), wechseln sich ab mit ausgew&auml;hlten Coverversionen a la <strong>&bdquo;Never knew Love like this before&ldquo;<\/strong> (Stephanie Mills, 1980), <strong>&bdquo;Have I told you lately&ldquo;<\/strong> (unplugged &ndash; Van Morrison, 1989), <strong>&bdquo;Where do I go from here?&ldquo;<\/strong> (Barry Manilow, 1978) oder &bdquo;<strong>Thank you for the Music&ldquo;<\/strong> (&bdquo;ABBA&ldquo;, 1977). Dazu kommen selbstverst&auml;ndlich zig Gassenhauer von &bdquo;Modern Talking&ldquo; Volume-01 <strong>(&bdquo;Geronimo&rsquo;s Cadillac&ldquo;<\/strong>, <strong>&bdquo;You can win, if you want&ldquo;<\/strong>, <strong>&bdquo;Jet Airliner&ldquo;<\/strong>, <strong>&bdquo;Atlantis is Calling&ldquo;<\/strong>, <strong>&bdquo;Brother Louie&ldquo;<\/strong>, <strong>&bdquo;Cherie, Cherie Lady&ldquo;<\/strong>, nat&uuml;rlich <strong>&bdquo;You&rsquo;re my Heart &ndash; You&rsquo;re my Soul&ldquo;<\/strong>, aber auch weniger Gel&auml;ufiges, wie <strong>&bdquo;Give me Peace on Earth&ldquo; <\/strong>oder <strong>&bdquo;Lady Lai&ldquo;<\/strong>), und -02 (<strong>&bdquo;I will follow you&ldquo;<\/strong>,<strong> &bdquo;Maria&ldquo;<\/strong>, <strong>&bdquo;Don&rsquo;t take away my Heart&ldquo;<\/strong>, <strong>&bdquo;No Face, No Name, No Number&ldquo;<\/strong>, <strong>&bdquo;Sexy, Sexy Lover&ldquo;<\/strong>, <strong>&bdquo;Last Exit to Brooklyn&ldquo;<\/strong>). Zusammengefasst bietet dieses Konzert somit einen phantastischen, liebevoll im Bandkontext aufbereiteten, teils neu arrangierten &Uuml;berblick &uuml;ber das bisherige musikalische Schaffen des Thomas Anders, der zugleich in bester Form belegt, dass es sich bei dem heute knapp 53j&auml;hrigen &bdquo;Gentleman of Music&ldquo; (Eigenwerbung) um einen enorm talentierten und mitrei&szlig;enden Livemusiker handelt, der im bei &bdquo;Modern Talking&ldquo; im Grunde genommen pausenlos genutzten Playbackverfahren leider nicht selten v&ouml;llig unter Wert gehandelt wurde.<\/p>\n<p><strong>&bdquo;Modern Talking &ndash; 30&ldquo;<\/strong> bietet auf drei proppevollen DVDs Zeit- und Musikgeschichte pur. Wer &bdquo;Modern Talking&ldquo; geliebt hat, der greift sowieso zu &ndash; und auch der ewige N&ouml;rgler kann sich das Drei-DVD-Set unbesehen und ohne Scham zu empfinden zu Gem&uuml;te f&uuml;hren und meinetwegen seine Ablehnung bekr&auml;ftigen. Den meisten der verbliebenen Zweifler jedoch d&uuml;rften gerade in einem Zeitabstand von &uuml;ber einem Vierteljahrhundert, im Zuge einer gewissen Altersmilde, sofort klar werden, dass &bdquo;Modern Talking&ldquo; per se nichts weiter &bdquo;verbrochen&ldquo; haben, als mit einfachsten Mitteln zeitlose, dauerhaft tanz- und f&uuml;hlbare Popmusik f&uuml;r die Ewigkeit auszubaldowern. Dies ist nicht wenigen der von den Feuilletons hochgelobten Popintellektuellen dieser Welt, trotz unz&auml;hliger toller Songs, bis dato versagt geblieben.<\/p>\n<p>Holger St\u00fcrenburg, 30. Dezember 2014 bis 03. Januar 2015<br \/>http:\/\/www.sonymusic.de\/catalog-and-media-concepts<br \/>http:\/\/www.modern-talking-online.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Hamburger Musikjournalist hat diesmal gleich eine doppelt und dreifache &#8222;Doktorarbeit&#8220; verfasst! 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