{"id":94084,"date":"2015-01-27T00:00:00","date_gmt":"2015-01-27T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=94084"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"CHRISTIAN-ANDERS-smago-Serie-Sc-94083","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/schlager\/CHRISTIAN-ANDERS-smago-Serie-Sc-94083\/","title":{"rendered":"CHRISTIAN ANDERS <br \/>smago! Serie &quot;Schlager-R\u00fcckblick &#39;vor 40 Jahren&#39;&quot; von Stephan Imming: Teil 5 &#8211; Christian Anders (&quot;Wer liebt, hat keine Wahl&quot;)!"},"content":{"rendered":"<p>Neuzugang 30.12.1974 &#8211; Re-Entry 03.02.1975&#8230;:\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der am 15. Januar 1945 in Bruck an der Mur (&Ouml;sterreich) geborene Antonio Augusto (&quot;Gustl&quot;) Tinicolo (sp&auml;ter erhielt er den Namen seines Stiefvaters Schinzel) zog gleich nach seiner Geburt mit seiner Familie nach Sardinien, wo er einen gro&szlig;en Teil seiner Kindheit (u. a. in einer italienischen Klosterschule) verbrachte. Mit zehn Jahren zog die Familie aus beruflichen Gr&uuml;nden zur&uuml;ck nach Deutschland (Frankfurt, N&uuml;rnberg und Garmisch-Partenkirchen), allerdings musste der sp&auml;tere Schlagerstar aufgrund wechselnder Jobs des Stiefvaters Herbert, eines Ingenieurs, auch in Deutschland &ouml;fter die Schule wechseln.<\/p>\n<p>Nach der Schule begann er eine Lehre als Elektroinstallateur bei AEG, die er abschloss. Nebenbei&nbsp; spielte er in einer Band (&quot;Christian Anders and the Tonics&quot;) Gitarre und schickte seine Aufnahmen an Plattenfirmen. Dort wurde die Agentin Ann Busse auf das junge Talent aufmerksam, die feststellte, dass Antonio Schinzel &quot;anders&quot; sei &#8211; eben &quot;Christian Anders&quot;. Ein Kriegsdienstverweigerer, der Fanclubs und politische Parteien ablehnt &#8211; das war in der Tat nicht der typische Schlager-Start.<\/p>\n<p>So kam es zur Zusammenarbeit mit Produzent Henry Meyer &#8211; allerdings wurde die erste Single &quot;Als wir uns trafen&quot; zum Flop; auch Nachfolge-Singles beim M&uuml;nchener Verlag von Dr. Karl-Heinz Busse &nbsp;wie &quot;Spanischer Wein&quot; trafen nicht den Geschmack des Publikums.<\/p>\n<p>Aus diesem Grunde gr&uuml;ndete Christian Anders in M&uuml;nchen eine Karate-Schule, die er selber auch geleitet hat.<\/p>\n<p>1969 kam dann nach langer Wartezeit doch noch der gro&szlig;e Durchbruch &#8211; seine Single-Schallplatte &quot;<strong>Geh nicht vorbei<\/strong>&quot;, geschrieben und produziert von Joachim Heider, wurde ein Millionenhit und mit der Goldenen Schallplatte ausgezeichnet und erreichte Platz 1 der Musikmarkt-Verkaufscharts und war auch mehrfach in Hecks damals noch junger ZDF-Hitparade vertreten.<\/p>\n<p>Fortan war Anders Spezialist des traurigen, wehm&uuml;tigen Liebeslieds, was er in zahlreichen TV-Shows in den 70er Jahren mehrfach unter Beweis stellte. Er verstand es, seinem Publikum nichtssagende Plattit&uuml;den mit Pathos aufzutischen. 1970 war er Vertreter Deutschlands bei der Weltausstellung Expo in Osaka, 1971 beim Songfestival in Zoppot.<\/p>\n<p>In diesem Jahr (1971) ver&ouml;ffentlichte Anders auch seine ersten Romane &quot;Gobbo und der Teufel singt sein Lied&quot; und &quot;Blutschrei&quot;, denen zahlreiche weitere Buch-Ver&ouml;ffentlichungen folgen sollten. Gleichzeitig gr&uuml;ndete Christian Anders seinen eigenen Musikverlag &quot;Chranders&quot;, um (Zitat) folgendes zu tun: &quot;<em>Ich mache nur noch das, was mir Spa&szlig; macht. Was die anderen sagen, k&uuml;mmert mich nicht&quot;<\/em>. Den Worten l&auml;sst der S&auml;nger Taten folgen, indem er z. B. &quot;Musik aus Studio B.&quot;-Moderator Henning Venske im Studio stehen l&auml;sst, als dieser ihn darauf ansprach, dass sein Song &quot;In den Augen er ander&#39;n&quot; dem Paul-Anka-Klassiker &quot;Lonely Boy&quot; sehr &auml;hnlich sei oder Auftritte wie den beim Presseball am Starnberger See einfach platzen l&auml;sst.<\/p>\n<p>In den ersten Jahren seiner Karriere hatte Christian trotz (oder gerade wegen) seiner Eigenarten, zu denen neben seinen Autos (er fuhr einen Rolls Royce und leistete sich einen Chauffeur) und seiner Kleidung (er trug gerne Pelzm&auml;ntel) auch seine ganz eigene Methode geh&ouml;rte, seine Finger-Muskulatur zu st&auml;rken: Er trug stets eine massiv goldene Kugel im Wert von damals ca. 40.000 DM bei sich, Hit auf Hit. Seine Schlager wurden gro&szlig;e Erfolge, er war Stammgast in der ZDF-Hitparade und Verkaufshitparade mit Liedern wie &quot;<strong>Nie mehr allein<\/strong>&quot;, &quot;<strong>Du geh&ouml;rst zu mir<\/strong>&quot;, &quot;<strong>Nur Dich will ich lieben<\/strong>&quot;,&nbsp; &quot;<strong>Ich lass Dich nicht gehen<\/strong>&quot;, &quot;<strong>Das sch&ouml;nste M&auml;dchen, das es gibt<\/strong>&quot;, Riesen-Hit &quot;<strong>Es f&auml;hrt ein Zug nach Nirgendwo<\/strong>&quot;, &quot;<strong>Sechs Uhr fr&uuml;h in den Stra&szlig;en<\/strong>&quot;, &quot;<strong>In den Augen der ander&#39;n<\/strong>&quot;, &quot;<strong>Das Schiff der gro&szlig;en Illusionen<\/strong>&quot;, &quot;<strong>Einsamkeit hat viele Namen<\/strong>&quot; und &quot;<strong>Ich leb&#39; nur f&uuml;r Dich allein<\/strong>&quot;.<\/p>\n<p>Wenngleich Christian Anders im &quot;TOP-Schlagertextheft&quot; angab, keine Hobbys zu haben, war die Musik schon seine Passion &#8211; auch als Musik-Theoretiker hat er Talent, so ist er in der Lage, seine Lieder in Arrangements auch zu notieren. Wohl auch deshalb hat er 1972 das Bed&uuml;rfnis gehabt, eine Instrumental-LP zu produzieren (&quot;Einsamer Sonntag&quot;), die auf seinem &quot;Chranders-Records&quot;-Label erschien.<\/p>\n<p>Ein Jahr sp&auml;ter, im Jahre 1973, ver&ouml;ffentlichte Anders eine viel beachtete, sp&auml;ter sogar zum Kult erhobene, LP namens &quot;<strong>Der Untergang von Taro Torssay<\/strong>&quot;. Mit dieser 24 Songs enthaltenden Doppel-LP erf&uuml;llte er sich den Wunsch, ein Album mit durchlaufender Handlung herauszubringen. Eingespielt wurde das 110.000-DM-Projekt in Berlin mit 100 Musikern der Berliner Philharmoniker und der Streichergruppe Hans-Georg Arlt.<\/p>\n<p>Der von Friedrich Sch&uuml;tter gesprochene Prolog umschreibt die Handlung dieser Konzept-LP: &quot;<em>Er wuchs auf in den Elendsvierteln von Chicago und wurde reich und ber&uuml;hmt &#8211; ein Star. Aber sein Leben blieb leer und sinnlos, denn es war ohne Liebe<\/em>&quot; &#8211; LP-Held Taro Torssay war ein vom Automatenknacker zum Boss einer Gang &quot;aufgestiegene&quot; Star, der dem Gangsterm&auml;dchen Jane zum Start in eine S&auml;ngerinnen-Karriere verhalf. &#8211; Das Konzept dieser LP &uuml;berzeugte RTL-Programmdirektor Frank Elstner so sehr, dass er ihr zu einer einst&uuml;ndigen Sondersendung in seinem Programm verhalf.<\/p>\n<p>Textzeilen wie &quot;Oh Baby tu es doch, mir ist danach zumut&#39;&quot; inspirierten niemand geringeren als Quatsch-Comedy-Club-Moderator und ESC-Experten Thomas Hermanns dazu, aus diesem Konzept ein &quot;Trashical&quot; in den 90er Jahren das Album im Vollplayback recht erfolgreich auf die B&uuml;hne zu bringen.<\/p>\n<p>1974 startete Christian Anders eine Tourn&eacute;e, die mangels Erfolgs vorzeitig abgebrochen werden musste. Der Veranstalter, die Konzertdirektion Weht, ging an dieser 60-Tage-Tour Pleite, weil sie die Hallen nicht voll bekam. Obwohl er schon nach 30 Konzerttagen seinen Konkurs anmeldete, bestand Anders zum Leidwesen des Veranstalters Wehts, der deshalb angeblich sogar ein Reihenhaus verkaufen musste, darauf, bis zum 51. Konzerttermin durchzuspielen.<\/p>\n<p>Zu dieser Zeit begann eine Liaison mit Dunja Rajter, die einherging mit dem Suizid seiner langj&auml;hrigen Verlegerin und Mentorin Ann Busse &#8211; ger&uuml;chteweise wurden seinerzeit sogar kausale Zusammenh&auml;nge vermutet.<\/p>\n<p>Zu allem &Uuml;berfluss bekam Christian Anders 1974 von einer Fachjury die &quot;Goldene Distel&quot; f&uuml;r &quot;Arroganz, Widerspenstigkeit, Starall&uuml;ren und Sich-selber-zu-wichtig-nehmen&quot; Ende November &uuml;berreicht. Augenzeugen hatten den Eindruck, dass Anders den Preis nicht ohne Stolz in Berlin entgegennahm. Umgekehrt verlieh Anders in dem Jahr seinen Studiomusikern &quot;Goldene Schnecken&quot; (Markenzeichen seines Verlages) f&uuml;r deren Verdienste um seine Produktionen und f&uuml;r zwei Millionen verkaufte Anders-Schallplatten zwischen Mai 1972 und Mai 1974.<\/p>\n<p>All diese Umst&auml;nde sind nicht gerade die besten Voraussetzungen f&uuml;r einen Hit &#8211; dennoch gelang es Christian Anders auch 1975 erneut, seinen Song &quot;<strong>Wer liebt, hat keine Wahl<\/strong>&quot; f&uuml;r insgesamt f&uuml;nf Wochen in die Verkaufshitparaden zu katapultieren. Nach dem Chart-Entry am 30.12.1974 brauchte es allerdings eine gewisse &quot;Anlauf-Zeit&quot;, bis am 05.02.1975 der Song erneut als Re-Entry die damaligen Verkaufshitparaden st&uuml;rmen konnte.<\/p>\n<p>&Uuml;ber die weitere Karriere des 2014er <em>smago! <\/em>Award-Preistr&auml;gers wird noch zu berichten sein.<\/p>\n<p>Stephan Imming, 27.01.2015<br \/>http:\/\/www.suessmatz.eu<br \/>http:\/\/www.christiananders.com\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neuzugang 30.12.1974 &#8211; Re-Entry 03.02.1975&#8230;:\u00a0 Der am 15. 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