{"id":92779,"date":"2015-03-05T00:00:00","date_gmt":"2015-03-05T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=92779"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"WOLFGANG-PETRY-Die-Comeback-CD-92778","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/schlager\/WOLFGANG-PETRY-Die-Comeback-CD-92778\/","title":{"rendered":"WOLFGANG PETRY <br \/>Die Comeback-CD &quot;Brandneu&quot; im Test von Holger St\u00fcrenburg!"},"content":{"rendered":"<p>Inwieweit sich der Hamburger Musikkritiker mit den doch eher rockigeren Kl\u00e4ngen anfreunden konnte, das erfahren Sie HIER &#8211; und das in aller Ausf\u00fchrlichkeit&#8230;:\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 24. September 2006 strahlte das ZDF die damals j&auml;hrlich von Dieter Thomas Heck pr&auml;sentierte Gala-Show &bdquo;Die Goldene Stimmgabel&ldquo; aus, die bereits eine Woche zuvor, am 16. September 2006, in der Ludwigsburger Friedrich-Ebert-Halle aufgezeichnet worden war. Neben aktuellen Stars und Sternchen, von Semino Rossi bis &bdquo;Tokio Hotel&ldquo;, die f&uuml;r ihre zeitnahen Verkaufserfolge ausgezeichnet wurden, erhielten zwei K&uuml;nstler im Rahmen dieser Sendung einen &bdquo;Platinum Lifetime Award&ldquo; f&uuml;r ihr Lebenswerk verliehen: Dies waren der Edelmann der gehobenen Leichten Muse, Roger Whittaker &ndash; und der Gro&szlig;meister des eing&auml;ngigen, hymnenartigen Rockschlagers <strong>WOLFGANG PETRY<\/strong>. Diese insgesamt zehnte Goldene Stimmgabel seiner Karriere, &uuml;berreicht aus den H&auml;nden seines langj&auml;hrigen Freundes und Mentors, Moderatorenlegende Dieter Thomas Heck, sollte auch seine &ndash; vorerst &ndash; letzte sein. Denn Wolfgang Petry, der den frechen, deutschen Schlager mit viel Charme, Esprit und einer Menge an phonstarkem Rock-Feeling durch die diesem Genre nicht gerade wohlgesonnenen 90er Jahre gerettet hatte, k&uuml;ndigte in Ludwigsburg vor laufenden TV-Kameras, unter Tr&auml;nen und aus ihm ehrlich herausbrechenden Emotionen an, nach rund 15 Jahren steten Dauererfolgs mit zig h&ouml;chst gewinnbringenden Tontr&auml;gern &ndash; acht Goldenen und einer Platenschallplatte &ndash;, umjubelten, von Hunderttausenden Fans besuchten Stadion-Tourneen und insgesamt 30 Jahren auf der B&uuml;hne, derselben f&uuml;r immer und unwiderruflich Lebewohl zu sagen.<\/p>\n<p>1976 hatte der &bdquo;K&ouml;lsche Jong&ldquo; aus dem Stadtteil Raderthal seine peppige Deb&uuml;tsingle &bdquo;Sommer in der Stadt&ldquo; vorgestellt und war von nun an f&uuml;r die kommenden Jahre nicht mehr aus den deutschen Hitparaden, Radioprogrammen und Musik-TV-Shows jener &Auml;ra wegzudenken. Fetzige, rockige, nicht selten zweifellos schlageruntypisch gitarren-lastige Songs, wie &bdquo;Ganz oder Gar Nicht&ldquo; (1980), &bdquo;Jessica&ldquo; (1981), &bdquo;Ich geh mit Dir&ldquo;, &bdquo;Der Himmel brennt&ldquo; (beide 1982) oder Wolles wohl dauerhaftes, in T&ouml;ne gegossenes Erkennungszeichen &bdquo;Wahnsinn&ldquo; (1983), allesamt produziert von Tony Hendrik und Karin van Haaren, etablierten den langm&auml;hnigen Schlagershouter bis auf Weiteres fest in den einheimischen Popgefilden. Doch dann, 1984, nachdem die NDW die bisherige deutschsprachige Musikkultur geh&ouml;rig durcheinandergebracht hatte, wollte Wolle neue, bzw. &bdquo;Rauhe Wege&ldquo; beschreiten &ndash; in Kooperation mit dem sch&uuml;chternen, aber hochbegabten Friedrichshafener D&uuml;sterchansonnier Stefan Waggershausen entstand aus dieser Intention heraus eine so betitelte, lyrisch, wie musikalisch, mehr als nur gehaltvolle LP, die jedoch auf dem Markt gnadenlos floppte, auch wenn tiefsinnigere Deutschrock-Anh&auml;nger gerade diesen phantastisch innigen und stimmungsvollen Liederzyklus bis heute f&uuml;r Wolles beste Scheibe &uuml;berhaupt halten.<\/p>\n<p>In der zweiten H&auml;lfte der 80er Jahre h&ouml;rten wir aus dem Hause Petry nur wenige, zwar meist sehr gelungene, aber von breiteren H&ouml;rerschichten leider kaum wahrgenommene Popschlager-Perlen, wie &bdquo;Nur ein kleines St&uuml;ck Papier&ldquo; (1988) oder &bdquo;Auf den Mond schie&szlig;en (hinterherfliegen)&ldquo; (1991). Viele Beobachter schlossen daraus, der gelernte Feinmechaniker uss K&ouml;lle am Rhing sei nun endg&uuml;ltig in der dritten Liga des Schlagerbusiness gestrandet und k&uuml;nftig bestenfalls noch f&uuml;r alkoholselige Auftritte in Vorstadtdiscos oder Bierzelten zu gebrauchen. Doch weit gefehlt: 1992 hatte der inzwischen verstorbene Produzent Jean-Pierre Valance die so simpel gestrickte, wie dadurch leicht zu merkende Riff-Rock-Schlager-Melange &bdquo;Verlieben, verlor&rsquo;n, vergessen, verzeih&rsquo;n&ldquo; geschrieben, die er zun&auml;chst dem Kollegen J&uuml;rgen Drews anbot, der indessen soeben mit knalligem Disco-Fox-Schlager a la &bdquo;Irgendwann, Irgendwo, Irgendwie (seh&rsquo;n wir uns wieder)&ldquo; drauf und dran war, ein fundamentales Comeback zu starten. Dieser aber lehnte dankend ab, weshalb Vallance seine Komposition kurz darauf dem am Erdboden der Kreativit&auml;t darbenden Wolle P. vorschlug &ndash; dieser schlug zu und &bdquo;Verlieben, verlor&rsquo;n&hellip;&ldquo; daraufhin ein, wie die sprichw&ouml;rtliche Bombe.<\/p>\n<p>Mit diesem die Geh&ouml;rg&auml;nge eines jeden Rezipienten sofort imperialistisch vereinnahmenden Radikal-Ohrwurm, aufbereitet in einem neuen, ungewohnt rockigen, rohen, drallen und dabei doch konstant lieblichen und geschmeidigen Sound, katapultiere sich der fast vergessene 70er-Jahre-Heroe schleunigst abermals zur&uuml;ck an die Spitze des teutonischen Musikgeschehens. Alles andere ist Geschichte&hellip; Wolles grandiose Best-of-Koppelung &bdquo;Alles&ldquo; wurde im August 1996 ver&ouml;ffentlicht, stieg bald, was in jenen dancefloor- und boygroup-verseuchten Zeiten fast als Wunder (&hellip; so wie ein Wunder, als (positiv!) wunder Punkt, im schrecklichen Leben des meist au&szlig;erordentlich belanglosen 90er-Jahre-Pop) anzusehen war, auf den ersten Rang der Albumcharts. Ganze 169 Wochen verblieb &bdquo;Alles&ldquo; in den Hitlisten &ndash; und ab sofort sorgte Wolle j&auml;hrlich f&uuml;r mindestens einen gigantischen Longplay-Kracher, inkl. so brachial-genialer Mitsing-Hymnen, wie &bdquo;Augen zu und durch (Beschissen war die Nacht)&ldquo; (1997), &bdquo;Wei&szlig; der Geier&ldquo; oder &bdquo;So ein Schwein (hat man nur einmal)&ldquo; (beide 1998).<\/p>\n<p>Kurz vor dem Millennium wurde Wolle im Zuge seiner zweiten gro&szlig;en Stadiontournee mit ernsthafteren gesundheitlichen Problemen konfrontiert, weshalb das Abschlusskonzert am 7. August 1999 vor ca. 45.500 Zuschauern im Essener Georg-Melches-Stadion auch die bis heute letzte Liveaufwartung des umschw&auml;rmten, singenden Ruhrpott-Kumpels bedeuten sollte. Und bei der &bdquo;Goldenen Stimmgabel&ldquo; 2006 war dann, nach den eher durchwachsenen, oft gek&uuml;nstelt und uninspiriert wirkenden Cover-Alben &bdquo;Ich bin eine K&ouml;lsche Jong&ldquo; (2005) und &bdquo;Meine Lieblingslieder&ldquo; (2006), endg&uuml;ltig Schluss. Sohn Achim Petry versuchte zwar, 2007\/08 das musikalische Erbe seines Vaters wohlwollend zu verwalten, ging hierzu sogar mit dessen Liedern und eigenen Songkreationen in &auml;hnlicher Klangmontur auf Tournee, aber irgendwie wollte bei diesem Vorhaben, trotz aller erdenklicher M&uuml;he des Herrn Sohn, das gute, alte &bdquo;Wolle-Flair&ldquo; nicht so recht aufkommen. So kursierten sp&auml;testens seit 2013\/14 zunehmend Ger&uuml;chte dar&uuml;ber, Vater Wolfgang k&ouml;nnte sich mit &uuml;ber 60 doch noch einmal erbarmen und seinen weiterhin zuhauf vorhandenen Fans &bdquo;brandneues&ldquo; Songmaterial in CD-Form offerieren.<\/p>\n<p>&bdquo;Einmal noch&ldquo; hie&szlig; im Februar 2014 der erste Schritt in diese anvisierte Richtung, der allerdings, gelinde gesagt, kaum mehr darstellte, als die (nicht einmal gekonnt und auffrischend inszenierte) Unterlegung von mutma&szlig;lich aus den 90ern stammenden Gesangsspuren mit oft nervt&ouml;tenden, bumsenden Fox-Rhythmen &ndash; was bei vielen Fans durchaus mit einem gewissen Kopfsch&uuml;tteln quittiert wurde, obwohl das Album, man mag es kaum glauben, gleich nach Erscheinen auf Rang Eins der LP-Charts schoss, dort aber im Gesamtzusammenhang (nicht unverdient) keine nachhaltigeren Spuren hinterlie&szlig;. Im darauffolgenden Sommer erschien die Single &bdquo;Rettungsboot&ldquo;, eine schier famose, innerfamili&auml;re Zusammenarbeit von Achim und Wolle. Dabei handelte es sich um einen ged&auml;mpft rockenden Gitarrenhammer, der mit lautem Party-&bdquo;Wahnsinn&ldquo; oder trunkener &bdquo;Verlieben, Verlor&lsquo;n&ldquo;-Fetenseligkeit klanglich nichts mehr am Hut hatte, sondern vielmehr als so bodenst&auml;ndiger, wie moderner, &uuml;beraus kompakter Deutschrock-Beitrag erster G&uuml;teklasse bezeichnet werden konnte. Infolgedessen machte die Kunde immer un&uuml;berh&ouml;rbarer die Runde, &bdquo;Rettungsboot&ldquo; k&ouml;nne letztlich ausschlie&szlig;lich als ein wohlt&ouml;nender Anfangspunkt eines &bdquo;brandneuen&ldquo;, runderneuerten Wolfgang Petry aufgefasst werden, dem es knapp neun Jahre nach seinem angeblich immerw&auml;hrenden Abschied von der Musikszene nun im b&uuml;rgerlichen Leben eines musikalischen Fr&uuml;hrentners doch einwenig zu langweilig geworden war, so dass er wom&ouml;glich in B&auml;lde mit &bdquo;brandneuen&ldquo; klingenden Expertisen an die &Ouml;ffentlichkeit treten wolle.<\/p>\n<p>Genau dies ist jetzt, Ende Februar 2015, in sch&ouml;nster Pracht Wirklichkeit geworden: <strong>&bdquo;Brandneu&ldquo;<\/strong> (Na klar!\/SONY) umfasst 15 ebensolche, ergo: siedend hei&szlig;e, gesungene Glanzst&uuml;cke von Wolfgang Petry, die in ihrer Gesamtheit und Geschlossenheit tats&auml;chlich einen regelrecht <em>brennenden<\/em>, f&uuml;r Unerlebtes, Unverbrauchtes und Unerwartetes Stunde um Stunde und von Grund auf offenstehenden Mann von Welt an den Tag legen, der es tats&auml;chlich vermag, zuvor g&auml;nzlich unbetretene kreative Felder zu beackern, ohne dabei unn&ouml;tig &bdquo;berufsjugendlich&ldquo; oder gar anbiedernd aufzuscheinen. Stattdessen weist Wolfgang Petry a.D. 2015 ein so graziles, wie hoch anspruchsvolles, w&uuml;rdiges und vor allem kompromissloses, offenherziges, pausenlos real mitrei&szlig;endes Opus voller Lebenskraft, R&uuml;ckgrat und Integrit&auml;t vor, das in Anbetracht seiner Dichte, Aufrichtigkeit und klanglicher Drastik jederzeit dazu in der Lage sein sollte, viele, viele &bdquo;brandneue&ldquo; Wolle-Fans zu gewinnen, ohne die alteingesessenen Kinder der 80er und 90er Jahre, deren Adoleszenz und Twen-Phase &bdquo;Wahnsinn&ldquo; und\/oder &bdquo;Verlieben, verlor&rsquo;n&ldquo; einst liebevoll untermalt hatten, zu versto&szlig;en oder gar von einem &bdquo;brandneu&ldquo; entdeckten, intellektuellen Elfenbeinturm aus zu verh&ouml;hnen.<\/p>\n<p>Im Anschluss an ein 30sek&uuml;ndiges, folkig-bluesiges <strong>&bdquo;Gesungenes Intro&ldquo;<\/strong> zur Akustikgitarre, in dem Wolle nochmals seine 2006 gef&auml;llte (und nun ja revidierte) Entscheidung reflektiert, sich seinerzeit (angeblich f&uuml;r immer) vom Popmusiker-Dasein verabschiedet zu haben, wird, verkleidet in einem brandaktuellen, aus breitfl&auml;chigen Gitarrenw&auml;llen bestehenden Klanggewand, &ndash; im wahrsten Sinne des Wortes: <strong>&bdquo;Brandneu&ldquo; &#8211; <\/strong>offensiv, aufger&auml;umt und voranstrebend den Blick auf das Kommende gerichtet, drauflos gerockt &ndash; <em>&bdquo;Mach&lsquo; jeden Tag Brandneu&ldquo;<\/em>, das Motto des gradlinigen Titelsongs dieser fulminanten, CD-gewordenen Wiederkehr des Wolfgang Petry, zieht sich wie eine Vision, wie ein dauerhaftes Ziel vor Augen, durch das vollst&auml;ndige, durchwegs frische und k&auml;mpferische Repertoire von Wolles euphorischer, zukunftstr&auml;chtiger musikalischer R&uuml;ckmeldung. Hardrockig, aufpeitschend, explosiv, wiederum mit fetten, gewaltigen Gitarrenriffs und rasenden Heavy-Drums ausstaffiert, besinnt sich der 63j&auml;hrige danach in witzigen Worten und Formulierungen auf die nicht totzukriegende Sehnsucht nach der ureigenen Heimat, dem pers&ouml;nlichen Zuhause, wohin man immer wieder gerne, auch (und gerade) nach dem allersch&ouml;nsten, wildesten, spektakul&auml;rsten Urlaub, zur&uuml;ckkehrt, denn <strong>&bdquo;Kein Ort dieser Welt&ldquo;<\/strong> (Liedtitel) ist nun mal vergleichbar mit der un&uuml;bertrefflichen W&auml;rme und Gem&uuml;tlichkeit der eigenen vier W&auml;nde.<\/p>\n<p>Als schleppend, urban, intensiv bluesig und hintergr&uuml;ndig brodelnd rockend, erweist sich, lyrisch nach dem Lebensziel jedes einzelnen von uns fragend, die rustikale E-Gitarren-Orgie <strong>&bdquo;Mission&ldquo;<\/strong>, woraufhin Wolle, in puncto Wortwahl ironisch spitz und stilbezogen im hymnenartigen, erbarmungslos beschleunigenden Rock&rsquo;n&rsquo;Roll-Modus gehalten, phantasievoll dar&uuml;ber sinniert, im n&auml;chsten Leben doch so gerne eine <strong>&bdquo;Spielerfrau&ldquo; <\/strong>sein zu wollen, um in seiner Reinkarnation, ohne allzu viel daf&uuml;r leisten zu m&uuml;ssen, alle Sonnenseiten des Lebens einfach so kennenlernen und genie&szlig;en zu k&ouml;nnen. Philosophisch, nachdenklich und res&uuml;mierend, pr&auml;sentiert sich die widerspenstige, mit bebenden Synthi-Streichern angef&uuml;llte, erneut durch r&ouml;hrende Stromgitarren besonders auflebende Powerballade <strong>&bdquo;Epoche&ldquo;<\/strong>, eine aufw&uuml;hlende Reminiszenz an das Vergangene, an das letzte Jahrtausend, in dessen 70er, 80er und 90er Jahren sich Wolfgang Petry als &bdquo;einer der letzten Dinosaurier&ldquo; (Textzitat) eben dieser &bdquo;Epoche&ldquo; seinen Ruhm, seinen Stand im deutschen Popleben, seine treuen Fans, seine Reputation erarbeitet hatte, dem allen er kraft vorliegender CD fraglos &bdquo;brandneue&ldquo; Aspekte kongenial und voller Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit hinzuf&uuml;gt. Positives, lebensfrohes Ambiente verspr&uuml;ht in geradewegs elektrisierender Manier der wahrlich stimmungssteigernde Up-Tempo-Muntermacher <strong>&bdquo;Ich heb&lsquo; das Glas&ldquo;<\/strong>; in einem abgekl&auml;rten, perlenden, sanften und trotzdem kraftstrotzenden Balladen-Kontext findet hingegen das r&uuml;hrige Liebeslied <strong>&bdquo;In den Arm zu nehmen&ldquo;<\/strong> seinen wohligen Platz. <strong>&bdquo;Altes Eisen&ldquo;<\/strong> hat nichts mit gleichnamigem (inhaltlich &auml;hnlich ausgerichteten) Pop-Blues von Deutschrocker Erich Virch zu tun, der seines Zeichens ab Ende der 90er des &Ouml;fteren als Songschreiber f&uuml;r Wolle fungiert hatte (u.a. &bdquo;Nichts von alledem&ldquo;, 2000 &bdquo;Tr&auml;um weiter&ldquo;, 2007). Stattdessen erklingt hier ein aufbrausender, stimulierender, strikt geradeaus eilender Hardrock-\/(Beinahe-)Punk-Verschnitt, der &uuml;ber &bdquo;die Tage eines Untergangs \/ und N&auml;chte eines Neuanfangs&ldquo; (Textzitat) berichtet, und &uuml;ber alles das nachdenkt, was so im Laufe ewiger Jahre an einem &bdquo;Alten Eisen&ldquo; vor&uuml;bergezogen ist.<\/p>\n<p>Das ged&auml;mpfte, zirpende Intro von <strong>&bdquo;Fall mir in den R&uuml;cken&ldquo;<\/strong> t&auml;uscht keineswegs dar&uuml;ber hinweg, dass es sich bei dieser verliebten Danksagung f&uuml;r die langw&auml;hrende, liebe Unterst&uuml;tzung durch die Ehefrau in allen H&ouml;hen und Tiefen des Daseins um nicht mehr und nicht weniger handelt, als um einen krossen, knackigen Riff-Rock US-amerikanischer Pr&auml;gung, stilistisch irgendwo angesiedelt zwischen &bdquo;Cougar&ldquo; Mellencamp, ein bisschen Springsteen und einer Prise Jackson Browne. Das nur vordergr&uuml;ndig locker-flockige Abschiedsepos <strong>&bdquo;D&uuml;pded&uuml;p&ldquo;<\/strong> schleicht und schl&uuml;rft auf der Basis einer folkig angehauchten Schrammelgitarre vor sich hin, bevor sich der &bdquo;brandneue&ldquo; Protagonist mit voller Wucht und prickelnder, &bdquo;Fleetwood Mac&ldquo;-gem&auml;&szlig;er Luftigkeit und Leichtigkeit in ein herrlich sonniges, jungerhaltendes <strong>&bdquo;Abenteuer&ldquo;<\/strong> st&uuml;rzt, und daran anschlie&szlig;end mittels <strong>&bdquo;Spielt mich, wenn ich tot bin&ldquo;<\/strong>, der trotzige, rabiate Punkrocker im einstigen Partyschlagerbarden Wolle P. erwacht, der sich und seiner Energie konstruktiv und einnehmend, lautstark und heftig peitschend, Luft macht. <strong>&bdquo;Richtig&ldquo;<\/strong> lauschig, vertraut, idyllisch und von intimer Romantik durchzogen, wird&rsquo;s in einem typisch britischen, &auml;u&szlig;erst zur&uuml;ckhaltend arrangierten Pop-Schleicher gleichen Namens, der erst zum Schluss so &bdquo;richtig&ldquo; aus sich herausgeht und nur knapp sp&auml;ter, nach bestandener emotionaler Explosion, leise und behutsam zum eigentlichen Kern zur&uuml;ckkehrt. Als Titel Numero 15 und zugleich &sbquo;Rausschmei&szlig;er&ldquo; fungiert die &uuml;ber zehnmin&uuml;tige, teils psychedelisch-verschn&ouml;rkelte Progressive-trifft-&bdquo;Beatles&ldquo;-, teils &uuml;ppig ausschweifende Elton-John-trifft-&bdquo;Marillion&ldquo;-Mini-Rockoper <strong>&bdquo;Mio Padre&ldquo;<\/strong>. Dieses alles andere als allt&auml;gliche Monumental-Epos besticht durch aufgeheizte Stimmungs- und Tempowechsel ebenso, wie durch kreischende Gitarren, eine feiste Hammondorgel und hypnotische Ch&ouml;re. Es ist eine sehr pers&ouml;nliche, eindringliche Dankempfindung von Wolfgang Petry gegen&uuml;ber seinem verstorbenen Vater, in der sich nicht nur der Maestro selbst als stimmstarker Vokalist hitzig und unerbittlich austobt, was das Zeug h&auml;lt, sondern auch seinen Instrumentalisten derart viel Raum zur ausufernden Improvisation zugesteht, dass es eine reine Freude ist &ndash; selbst, wenn der gemeine Petry-Konsument im Hinblick auf dieses verwinkelte Art-Rock-Drama vermutlich mit einigem Schulterzucken reagieren d&uuml;rfte.<\/p>\n<p><strong>&bdquo;Brandneu&ldquo;<\/strong> ist eine 15teilige Neuerfindung, Selbstfindung und Selbstreanimation des gro&szlig;artigen Wolfgang Petry, der zwar vor&uuml;bergehend, dank &auml;u&szlig;erer bzw. gesundheitlicher Probleme, in eine Schaffenskrise geraten sein mag. Doch der K&ouml;lner ist viel zu sehr Vollblutmusiker mit Leib und Seele, viel zu sehr Profi und &Uuml;berzeugungst&auml;ter, als dass er es h&auml;tte bewerkstelligen k&ouml;nnen, tats&auml;chlich dauerhaft abstinent vom Musizieren, vom Liederschreiben und Singen frohen Mutes zu leben. Gemeinsam mit Gitarrist und Songautor Rene Lipps (u.a. Achim Petry, &bdquo;Luxusl&auml;rm&ldquo;) und Tom Albrecht (u.a. Christina St&uuml;rmer), entstand nun also ein ungeschliffenes, bet&ouml;rend originelles, wie rigoros origin&auml;res, nicht <em>Schlager<\/em>-, nicht <em>Pop<\/em>-, sondern wahrhaftig ein handgemachtes, erdiges, ja unzweideutig hartes, deftiges <em>Rock<\/em>album, das rein qualitativ mit eingangs erw&auml;hnter, grandioser 1984er-LP &bdquo;Rauhe Wege&ldquo; ohne Unterbrechung mithalten kann, diese in Sachen Intensit&auml;t, Energie und Hingabe vielleicht sogar noch &uuml;bertrifft. <strong>Wolfgang Petry<\/strong> hat sich f&uuml;r diese Produktion auf die Suche nach sich selbst begeben. Dies mag langwierig, nicht immer einfach, dornig und vielleicht sogar verletzend gewesen sein &ndash; aber die vorliegenden 15 Songs auf &bdquo;Brandneu&ldquo; zeigen allesamt einwandfrei und tadellos auf, dass so eine Reise zu sich selbst durchaus von Erfolg auf allen Ebenen, menschlicher, wie k&uuml;nstlerischer, wie schlussendlich auch kommerzieller Natur, gekr&ouml;nt sein kann. Wolfgang Petry mag schon vor knapp 40 Jahren seine allerersten Schritte im Haifischbecken Showgesch&auml;ft getan haben &ndash; zum &bdquo;Alten Eisen&ldquo; geh&ouml;rt er noch lange nicht. &bdquo;Brandneu&ldquo; legt hier&uuml;ber in jeder Note, jedem Takt, jedem Textwort, in perfektester Ausformung Zeugnis ab!<\/p>\n<p>Holger St\u00fcrenburg, 01. bis 04. M\u00e4rz 2015<br \/>http:\/\/www.na-klar.de<br \/>http:\/\/www.wolfgangpetry.de\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inwieweit sich der Hamburger Musikkritiker mit den doch eher rockigeren Kl\u00e4ngen anfreunden konnte, das erfahren Sie HIER &#8211; und das<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":92780,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[29],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/92779"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=92779"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/92779\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/92780"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=92779"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=92779"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=92779"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}