{"id":91651,"date":"2015-04-02T01:30:00","date_gmt":"2015-04-02T01:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=91651"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"CLAUDIA-JUNG-Ihr-Cover-Album-Se-91650","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/schlager\/CLAUDIA-JUNG-Ihr-Cover-Album-Se-91650\/","title":{"rendered":"CLAUDIA JUNG <br \/>Ihr Cover-Album &quot;Seitensprung&quot; im Test von Holger St\u00fcrenburg!"},"content":{"rendered":"<p>Wenn der Hamburger Musikkritiker von einem &#8222;wirklich sehr gelungenen&#8220; spricht, ist das fast noch Understatement! Denn er ist f\u00f6rmlich begeistert-euphorisiert&#8230;:\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die aus Gerolsbach im oberbayerischen Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm stammende Schlagers&auml;ngerin und ehemalige Landtagsabgeordnete <strong>CLAUDIA JUNG<\/strong> hatte im Zuge ihrer nun schon fast drei Jahrzehnte lang w&auml;hrenden k&uuml;nstlerischen Laufbahn immer wieder die eine oder andere ausgew&auml;hlte Coverversion eines internationalen Popklassikers mit in ihr Liederprogramm integriert. So hatte die stolze Besitzerin eines eigenen Bauernhofs, die zwischen 2008 und 2013 f&uuml;r die Freien W&auml;hler ins M&uuml;nchener Maximilianeum gew&auml;hlt worden war, z.B. auf ihrer nach ihr selbst benannten 1994er-CD eine gedankenversunkene, deutsche &Uuml;bertragung von Sir Elton Johns surrealer 1973er-Ballade &bdquo;Daniel&ldquo; ver&ouml;ffentlicht, oder feierte sie 2008 einen trefflich-fetzigen Radiohit mit einer muttersprachlichen Auslegung des 1986er-Eurodisco-Tanzfl&auml;chenf&uuml;llers &bdquo;Solo per ti&ldquo;. Dieser war im Original vom einstigen musikalischen Ehepaar Peter Kent &amp; Luisa Fernandez aufgenommen worden, hie&szlig; 22 Jahre sp&auml;ter bei Frau Jung &bdquo;Lass uns doch noch einmal l&uuml;gen&ldquo; (und war so hoffentlich nicht auf ihre eben 2008 begonnene, eine Legislaturperiode dauernde Karriere als Landespolitikerin gem&uuml;nzt \ud83d\ude09 Unvergessen bleibt nat&uuml;rlich gleicherma&szlig;en ihre prickelnde, deutschsprachige Deutung des schummrigen Lee-Hazlewood-Evergreens &bdquo;Summer Wine&ldquo;, den sie 2007, gemeinsam mit dem K&auml;rntner Stern, der den Namen Nik P. tr&auml;gt, flirrend und begnadet schw&uuml;l und erotisch zu &bdquo;Sommerwein, wie die Liebe s&uuml;&szlig; und wild&ldquo; um- und ausgestaltete.<\/p>\n<p>Drei Jahre nach ihrer letzten Studioarbeit &bdquo;Alles nach Plan?&ldquo;, die in der BR Deutschland problemlos die Top 40 knackte und in &Ouml;sterreich sogar ein reales Top-10-Thema war, hat sich <strong>CLAUDIA JUNG <\/strong>nun einen langgehegten Wunsch erf&uuml;llt. 2014 feierte das agile Energieb&uuml;ndel, das in Ratingen\/NRW zur Welt kam, seinen 50. Geburtstag &ndash; und binnen Jahresfrist steht Claudias 30j&auml;hriges B&uuml;hnenjubil&auml;um auf der Tagesordnung. So beschloss die blonde Ex-Kurzeit-Politikerin aufgrund dieser beiden bedeutsamen Ereignisse in ihrem Leben, nun etwas ganz Neues, Andersartiges zu wagen: Nicht nur mal eine haupts&auml;chlich aus Neu- bzw. Eigenkompositionen bestehende CD mit der einen oder anderen Neubearbeitung eines alteingesessenen Popstandards aufm&ouml;beln, wollte sie 2015, sondern vielmehr sich gleich f&uuml;r die Dauer eines gesamten Albums ausschlie&szlig;lich an fremdes Songmaterial heranpirschen und aus diesem, mit neuer, deutscher Betextung &ndash; die in diesem Falle mehrheitlich von der Euskirchener Dichterin, Librettisten und Gr&uuml;nderin\/Leiterin des deutschen Textdichterseminars &bdquo;Celler Schule&ldquo;, Edith Jeske, &uuml;bernommen wurde &ndash; jederzeit wiedererkennbare und doch origin&auml;re, ungeschminkte und unmissverst&auml;ndliche Claudia-Jung-Beitr&auml;ge zeichnen.<\/p>\n<p>Dieser musikalische &bdquo;Seitensprung&ldquo;, produziert von ihrem &bdquo;G&ouml;ttergatten&ldquo; Hans Singer, der sich in Sachen Kreativit&auml;t und Elan diesmal selbstverst&auml;ndlich &uuml;berhaupt nicht in der von seiner Gn&auml;digsten so herrlich spitzz&uuml;ngig besungenen &sbquo;H&auml;ngematte&lsquo; sonnte, liegt nun vor &ndash; und hei&szlig;t auch so: <strong>&bdquo;Seitensprung&ldquo; <\/strong>(Electrola\/UME) ist eine brennende musikalische Aff&auml;re mit solchen internationalen Titeln, zu denen die Interpretin Claudia Jung oft schon seit Ewigkeiten eine feste, innige Beziehung pflegt, so dass nun die Zeit gekommen war, sich &ouml;ffentlich zu diesen musikalischen Tete-a-Tetes zu bekennen und ganze 13 Fremdkompositionen &ndash; mal sehr namhafte Werke, mal eher Geheimtipps und Rarit&auml;ten &ndash; in ungewohntem, originellem Glanz, durchwegs mit intelligenter, muttersprachlicher Lyrik versehen, unverbraucht und ausgeruht erstrahlen zu lassen. Heraus kam dabei ein nicht allt&auml;gliches Unterfangen, das jedoch im Gro&szlig;en und Ganzen als mehr als nur gelungen, oft gar als schlicht &uuml;berw&auml;ltigend klassifiziert werden kann und muss.<\/p>\n<p>Als fulminanter Singleaufh&auml;nger von &bdquo;Seitensprung&ldquo;, den Frau Jung k&uuml;rzlich auch bei Florian Silbereisens TV-Gro&szlig;event &bdquo;Die Besten im Fr&uuml;hling&ldquo; vorstellte (wo sie leider vom Gastgeber nur kurz und knapp anvisiert wurde, ohne dass man ihr die gewiss vorhandene Chance einger&auml;umt hatte, ein paar z&uuml;ndende Intervieworte zu Sinn, Zweck und Konzept von &bdquo;Seitensprung&ldquo; zu sagen), dient einer <em>DER <\/em>Sommerhits des Jahres 1979 &ndash; bzw. eine kongeniale Adaption desselben: &bdquo;Tu sei l&rsquo;unica Donna per me&ldquo;, ein eing&auml;ngiger Italo-Schlager des neapolitanischen Popmusikers Alan Sorrenti, gelangte seinerzeit in unseren Breitengraden bis auf Rang 13 der Singlehitlisten. Fast noch markanter schlug die deutsche Lesart dieses romantisch-melodi&ouml;sen Gitarrenpop-Schlagers, &bdquo;Alles, was ich brauche, bist Du&ldquo;, ein, mit dem das Br&uuml;derpaar &bdquo;Hoffmann &amp; Hoffmann&ldquo; im Fr&uuml;hjahr 1980 einen ehrenvollen 22. Rang in den deutschen Top 75 der &bdquo;Media Control&ldquo; erzielte und zudem einen wahren Gassenhauer schuf, der noch heute jede Schlagerparty innerhalb von Sekunden zum Kochen bringt. Die deutschsprachigen Reime verfasste vor 35 Jahren der Hamburger Starlyriker Dr. Michael Kunze, der diesmal, 2015, f&uuml;r Claudia Jung seine damaligen Verse aktualisierte und auf die Anspr&uuml;che der attraktiven Blondine ausrichtete. <strong>&bdquo;Alles, was ich brauche, bist Du&ldquo;<\/strong> klingt auf &bdquo;Seitensprung&ldquo;, augenzwinkernd kess neu eingesungen von Claudia, frisch, fr&uuml;hlingshaft, poppig-rockig, dabei einschmeichelnd, liebevoll und einfach nur positiv, verliebt und voller Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen mit demjenigen Menschen, der alles das ist, was man\/frau so braucht &ndash; keine banale, &ouml;de Kopie eines allgegenw&auml;rtigen Schlagerklassikers, sondern vielmehr ein funkelnder, ansprechender, den H&ouml;rer regelrecht anspringender, neugeborener Songdiamant voller Seele und Spannung.<\/p>\n<p>Im Herbst vergangenen Jahres war die majest&auml;tische Popperle <strong>&bdquo;Durch meine Finger rinnt die Zeit&ldquo;<\/strong> als Vorabauskoppelung aus &bdquo;Seitensprung&ldquo; im Download-Format erschienen. Dabei handelte es sich im Original um die ebenfalls von Dr. Kunze kurz nach dem Millennium f&uuml;r die Hamburger Auff&uuml;hrung des erfolgreichen Musicals &bdquo;Mamma Mia&ldquo; ins Deutsche transferierte, zerbrechliche Feudalpopballade &bdquo;Slipping through my Fingers&ldquo; von &bdquo;ABBA&ldquo;. Ebenjene f&uuml;hrte Ende 1981 eher (und v&ouml;llig unverdienterma&szlig;en) ein gewisses Schattendasein auf &bdquo;The Visitors&ldquo;, der allerletzten Studio-LP des legend&auml;ren Schweden-Vierers um Agnetha, Annafrid, Bj&ouml;rn und Benny, und wurde erst im Zuge des &bdquo;Mamma Mia&ldquo;-Hypes von breiteren Schichten &uuml;berhaupt wahrgenommen. Claudia hatte sich nun absichtlich diesen &bdquo;ABBA&ldquo;-Titel f&uuml;r &bdquo;Seitensprung&ldquo; ausgew&auml;hlt, da dieser, wie sie selbst sagt, ein Song sei, &bdquo;den nur diejenigen kennen, die, wie ich, alle &bdquo;ABBA&ldquo;-Platten besa&szlig;en&ldquo;, und somit keinen derjenigen globalen Hits darstellte, die einem immer sogleich in den Sinn kommen, wenn man an die vier singenden SchwedInnen denkt.<\/p>\n<p>Doch einen solchen hat sich Claudia f&uuml;r ihr aktuelles CD-Opus zus&auml;tzlich ausgew&auml;hlt. &bdquo;The Winner takes it all&ldquo;, f&uuml;r viele Beobachter das beste, weil intensivste, pers&ouml;nlichste und impulsivste Lied, das &bdquo;ABBA&ldquo; jemals geschrieben und aufgenommen haben, gab es zwar schon mal auf Deutsch von Kollegin Marianne Rosenberg (&bdquo;Nur Sieger steh&rsquo;n im Licht&ldquo;), wurde nun aber erstmals von Meister Dr. Kunze ad Personam mit muttersprachlichen Textworten veredelt. <strong>&bdquo;Der Sieger hat die Wahl&ldquo;<\/strong> bekam allerdings nicht nur hinsichtlich Textformulierung ein au&szlig;ergew&ouml;hnliches, neuartiges Kleid geschneidert. Claudia Jung und ihr musikalisches Team fabrizierten aus dem einstmals melodramatischen, fast d&uuml;ster-ausweglos wirkenden Popmeilenstein nun einen durch und durch munter rhythmisierten, aber niemals nervt&ouml;tenden oder gar durch &uuml;berzogene Drumcomputer verhunzten Edeldiscorei&szlig;er, bis zum Bersten angef&uuml;llt mit exzellentem, urbanen Flair, unendlich viel Emotionen, Trauer und Trotz in einem: Fraglos ein weiterer, schier grandioser H&ouml;hepunkt im Rahmen von Claudias klingendem &bdquo;Seitensprung&ldquo;.&nbsp;<\/p>\n<p>Die lieblich-verkl&auml;rte Softrock-Ballade &bdquo;Just when I needed you most&ldquo; war im Fr&uuml;hsommer 1979 ein (wenn auch einmaliger) Riesenhit in England und den USA f&uuml;r Randy VanWarmer, einen dar&uuml;ber hinaus kaum zu Ruhm und Ehren gekommenen Singer\/Songwriter aus Jefferson\/Colorado. Hierzulande nahm sich Disco-Popper Peter Griffin des gem&uuml;tlich-sanften Titels an; 1981 hie&szlig; er bei Howard Carpendale auf Deutsch &bdquo;Wir werden am Ende die L&uuml;ge verzeih&rsquo;n&ldquo; und 1998 bei Bernd Cl&uuml;ver &bdquo;So wie ich eigentlich bin&ldquo;. Nun gib es eine dritte deutsche Sichtweise von &bdquo;Just when I needed you most&ldquo;, gesungen, getr&auml;umt und gelebt von Claudia Jung als <strong>&bdquo;Lass uns&lsquo;re Liebe nicht los&ldquo;<\/strong>, bei deren Neuarrangement der urspr&uuml;nglich l&auml;ndlich-weitl&auml;ufige Country-Aspekt der Komposition mit dem tr&ouml;pfelnd-regentr&uuml;ben, gro&szlig;st&auml;dtischen Softpop-Ambiente sp&auml;terer, kommerziellerer Interpretationen perfekt miteinander verkn&uuml;pft wurde.<\/p>\n<p>Es gibt immer wieder Lieder, von denen man annehmen k&ouml;nnte, sie funktionieren nur ein einziges Mal und danach nie wieder. Wenn bei einer solchen t&ouml;nenden Singularit&auml;t bereits in der Urfassung, der allerersten ver&ouml;ffentlichten Aufnahme, eigentlich alles gesagt zu sein scheint, was diesem Werk nur innewohnen kann, dann stellt sich die Frage, ob es denn wirklich etwas einbringt, wenn man dieses Lied mittels einer kreativen Erneuerung aus dem gewohnten Klang- und damit verbunden letztlich Gef&uuml;hlsbild, herausrei&szlig;t. Nur um ein solches einmaliges Popmonument, so war der Verfasser dieser Zeilen bislang stets der Meinung, k&ouml;nne es sich bei dem winterlich-abgekl&auml;rten Abschiedsszenario &bdquo;It must have been Love&ldquo; handeln, mit dem das schwedische Duo &bdquo;Roxette&ldquo; zur Dekadenwende von den 80ern in die 90er hinein zweifellos Musikgeschichte schrieb. Die grazilen Worte &uuml;ber das vernichtende Eingest&auml;ndnis in einer kaltem Dezembernacht, dass das, was noch vor kurzem die gro&szlig;e Liebe gewesen sein muss, nun unreparierbar zu Ende ist, schienen einzig und allein im englischen Original, geschrieben von &bdquo;Roxette&ldquo;-Mastermind Per Gessele, dieses unkopierbare Fluidum der tiefsten emotionalen Verzweiflung ausdr&uuml;cken zu k&ouml;nnen. Der reine Versuch einer deutschen &Uuml;bersetzung w&uuml;rde in jedem Falle g&auml;nzlich unpassend wirken, wenn nicht gar zerst&ouml;rerische Folgen haben&hellip; Doch f&uuml;r Claudia Jungs genialischen <strong>&bdquo;Seitensprung&ldquo;<\/strong> hat es bereits erw&auml;hnte Texterin Edith Jeske wahrhaftig in bester Form vermocht, das so verletzliche, tiefgreifende Spannungsfeld des englischen Originals glaubw&uuml;rdig, essentiell und brachial ehrlich in muttersprachliches Kolorit zu &uuml;berf&uuml;hren. &bdquo;It must have been Love&ldquo;, jene erste, so richtig durchschlagende Edelschnulze der angebrochenen 90er Jahre, hei&szlig;t nun, ein Vierteljahrhundert sp&auml;ter, <strong>&bdquo;Wir haben geglaubt&ldquo;<\/strong> und besteht aus simplen, keinesfalls gestelzten, &uuml;bertrieben pathetischen deutschen Worten und Reimen, die von Claudia absolut echt, authentisch und atmosph&auml;risch gesanglich umgesetzt werden. Die ebenb&uuml;rtige und grazi&ouml;se Bew&auml;ltigung dessen kann nicht nur als &uuml;berm&auml;&szlig;ig gelungene Realisierung eines schwierigen Experiments bezeichnet werden, das auch gut und gerne h&auml;tte vollst&auml;ndig daneben gehen k&ouml;nnen, sondern ist tats&auml;chlich als reife Meisterleistung der Claudia Jung anzuerkennen, die gerade hier mit allem nur erdenklichen Fingerspitzengef&uuml;hl f&uuml;r das Wesentliche und Ureigene des Originals mit ebenso viel Biss wie Professionalit&auml;t operiert hat.<\/p>\n<p>Herbert Gr&ouml;nemeyers selbstironische, hymnische Ironisierung des sog. &bdquo;starken Geschlechts&ldquo; in Form der Hymne auf die <strong>&bdquo;M&auml;nner&ldquo;<\/strong> dieser Welt, war zum Zeitpunkt ihres Entstehens 1984 ein zeitgeistbestimmender, zickig-zackiger Synthi-Rock auf drastischer Keyboard-Basis. 31 Jahre sp&auml;ter kreiert Claudia Jung aus dieser unverbr&uuml;chlichen Deutschpop-Lehrstunde eine sommerlich-mediterrane Latino-Samba-Cha-Cha-Cha-Melange mit Charme, Schmiss, zig Percussions und freundlichen Mariachi-Trompeten. Oft hat sich Maestro Gr&ouml;nemeyer ja alles andere als erfreut gezeigt, wenn per se stilfremde K&uuml;nstler seine Lieder einfach so &uuml;bernahmen. So geschehen z.B. 1999, als das niederl&auml;ndische Popgirlie &bdquo;Loona&ldquo; Herberts 1984er-Geniestreich &bdquo;Mambo&ldquo; wahrlich zu vergewaltigen schien. Claudias &uuml;beraus gelungene und ehrenvolle Fassung seines gesungenen Markenzeichens &bdquo;M&auml;nner&ldquo; d&uuml;rfte das ruppige Deutschrock-Ass aus &bdquo;4630 Bochum&ldquo; doch vielmehr mit Stolz und Genugtuung erf&uuml;llen, da die sympathische Oberbayerin diesem Titel zwar eine gute Portion &Uuml;berspitzung und in wohldosierter Form gewisse parodistische Elemente hinzugef&uuml;gt hat, dem Original aber jederzeit k&uuml;nstlerisch gerecht wird und dieses keinesfalls verh&ouml;hnt, ausbeutet oder &ndash; wie es bei der uns&auml;glichen &bdquo;Loona&ldquo; der Fall war &ndash; aus reinen Kommerzerw&auml;gungen heraus verflacht oder simplifiziert.<\/p>\n<p>Weitere elektrisierende Neuerfindungen betagter Popstandards aus dem Hause Jung vernehmen wir z.B. von Elvis&lsquo; s&uuml;&szlig;lich-fragiler 1962er-Liebesofferte &bdquo;Can&rsquo;t help falling in Love&ldquo; (hier: <strong>&bdquo;Was kann mein Herz daf&uuml;r?&ldquo;<\/strong>, verfeinert mit zirpender Flamenco-Gitarre, gezaubert vom Hamburger Kollegen Dirk Schlag), von der 1972 ebenfalls vom &bdquo;King&ldquo; bekanntgemachten (sp&auml;ter von z.B. Willie Nelson, 1983, den &bdquo;Pet Shop Boys&ldquo;, 1988, oder Engelbert, 1990, weiterentwickelten) wehleidig-innigen Countryballade &bdquo;Always on my mind&ldquo; (hier: <strong>&bdquo;Ich hab&rsquo;s niemals so gemeint&ldquo;<\/strong>) oder des elit&auml;r-schwebenden 1976er-Ein-Hit-Wunders &bdquo;Torn between two Lovers&ldquo; der US-Folks&auml;ngerin Mary MacGregor (hier: <strong>&bdquo;Zwischen zwei Gef&uuml;hlen&ldquo;<\/strong>).<\/p>\n<p>&bdquo;Fly on the Wings of Love&ldquo;, der per se s&auml;mige Grand-Prix-Eurovision-Siegertitel der d&auml;nischen &bdquo;Olsen Brothers&ldquo; aus dem Jahr 2000, avanciert 15 Years later zu einem so locker wie lecker dahinpl&auml;tschernden Dance-Pop-Verschnitt namens <strong>&bdquo;Nicht nur eine Nacht&ldquo;<\/strong>; der tr&auml;nendr&uuml;sendr&uuml;ckende Country-Schmalz &bdquo;When you say Nothing at all&ldquo;, den all diejenigen unter uns, die die musikalisch ohnehin schaurigen 90er Jahre im Teenager-Stadium erleben mussten, in erster Linie als erste Solosingle von &bdquo;Boyzone&ldquo;-Sch&ouml;nling Ronan Keating kennen, gewinnt in Claudias Deutung als <strong>&bdquo;Du sagst es ohne ein Wort&ldquo;<\/strong> enorm an Tiefe, Substanz und Ausdrucksst&auml;rke. Schlussendlich nimmt sich die Schlagerchanteuse aus Gerolsbach eines ganz besonderen Schmankerls an, mit dem &bdquo;Seitensprung&ldquo; z&auml;rtlich, vertr&auml;umt, fast akustisch streichelnd und doch erhaben, anmutig und apart ausklingt. &bdquo;Moon River&ldquo;, geschrieben von US-Filmkomponist Henry Mancini, diente einst als s&uuml;ffige Erkennungsmelodie des 1961er-Erfolgsstreifens &bdquo;Breakfast at Tiffany&rsquo;s&ldquo;. Dort wurde der geschmeidige Schleicher von Starschauspielerin Audrey Hepburn gesungen. Nur wenig sp&auml;ter erwies sich eine vokalistische Darbietung von US-Entertainer Andy Williams als gefeierter Welthit und Millionenseller. Auf diesem Erfolg aufbauen wollend, ersann Schlagerlyriker Joachim Relin eine deutsche Textauslegung von &bdquo;Moon River&ldquo;. <strong>&bdquo;F&uuml;r immer&ldquo;<\/strong> wurde dann, in unserer Muttersprache, zun&auml;chst von Lys Assia, danach von Vico Torriani oder Connie Francis, mehrfach f&uuml;r unseren Sprachgebrauch umgearbeitet. Und bei genau diesen filigranen Textworten von Joachim Relin bel&auml;sst es Claudia Jung auch bei ihrer chansonhaften, akkordeon-betonten Neuaufnahme dieses sagenhaften US-Evergreens.<\/p>\n<p>Claudia Jungs musikalischer <strong>&bdquo;Seitensprung&ldquo;<\/strong>, der in gestalterischer bzw. arrangementbezogener Hinsicht &uuml;berwiegend in sanften, balladesken Gefilden stattfindet und sich dadurch bedingt durchwegs in einem sehr intimen, behaglichen und vertrauten Kontext bewegt, hat sich betreffs k&uuml;nstlerischen Werts und Gehalts ausnahmslos als durchaus lohnend und ertragreich erwiesen. Hier wird nicht gnadenlos gecovert, kopiert und seelenlos nachge&auml;fft, nein, ganz im Gegenteil: Selbst in Anbetracht gro&szlig;er Werke der Popmusik &ndash; ich nenne hier nochmals &bdquo;Roxette&lsquo;s&ldquo; &bdquo;It must have been Love&ldquo; oder Gr&ouml;nemeyers &bdquo;M&auml;nner -, bei deren &Uuml;bernahme ins eigene Repertoire man im allgemeinen kaum etwas richtig, daf&uuml;r aber umso mehr falsch machen kann, verm&ouml;gen Claudia Jung und ihr Team alle hemmenden Klippen zu umschiffen und durch eine pr&auml;zise Vorgehensweise bei musikalischer Verkleidung, Findung der passenden Textworte und selbstredend durch gef&uuml;hlvolle und leidenschaftliche stimmliche Umsetzung, aus einem schon von vornherein umhauenden englischen Original eine nicht weniger hinrei&szlig;ende Reanimation Made in Germany hervorzubringen. Dies ist eine &auml;u&szlig;erst lobenswerte Leistung, die sich hoffentlich auf dem hart umk&auml;mpften Musikmarkt auch bez&uuml;glich Verkauf und &Ouml;ffentlichkeitswirksamkeit als rentabel erweisen wird. In punkto Ideenreichtum, Gestaltungsmut und Umsetzungswillen, hat <strong>Claudia Jung<\/strong> mit ihrem gesungenen <strong>&bdquo;Seitensprung&ldquo; <\/strong>allerdings schon lange gewonnen!<\/p>\n<p>Holger St\u00fcrenburg, 27.\/28. M\u00e4rz 2015<br \/>http:\/\/www.universal-music.de\/company\/umg\/electrola<br \/>http:\/\/www.claudia-jung.de\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn der Hamburger Musikkritiker von einem &#8222;wirklich sehr gelungenen&#8220; spricht, ist das fast noch Understatement! 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