{"id":91393,"date":"2015-04-13T00:00:00","date_gmt":"2015-04-13T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=91393"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"KARAT-Das-Album-Seelenschiffe-i-91392","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/ost-schlager\/KARAT-Das-Album-Seelenschiffe-i-91392\/","title":{"rendered":"KARAT <br \/>Das Album &quot;Seelenschiffe&quot; im Test von Holger St\u00fcrenburg!"},"content":{"rendered":"<p>Die CD hat es im \u00dcbrigen gerade auf Platz 92 der deutschen Album-Charts (ermittelt von Gfk Entertainent) geschafft!\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor genau 40 Jahren im Januar gr&uuml;ndeten einige Mitglieder der kurz darauf aufgel&ouml;sten Jazzrock-Combo &bdquo;Pantha Rei&ldquo; in Ost-Berlin die bis heute best&auml;ndige Rockband <strong>&bdquo;KARAT&ldquo;<\/strong>. Von dieser versprach man sich eine ausgewogene Mischung aus kreativem Anspruch und breiterer Publikumswirksamkeit; zwei Faktoren, die bei der Vorg&auml;ngertruppe nicht immer gegeben waren. Beides wurde mit &bdquo;Karat&ldquo; jedoch flink erzielt, so dass das Sextett von nun an unz&auml;hlige Hits vorerst nur in der &bdquo;DDR&ldquo;-Hitparade feiern konnte, bevor es 1979 erstmals in Westdeutschland auftreten durfte. Zeitgleich erhielten &bdquo;KARAT&ldquo; &uuml;ber das Label Pool Records einen Plattenvertrag bei der Hamburger Company TelDec, die daraufhin die zweite LP der Gruppe, &bdquo;&Uuml;ber sieben Br&uuml;cken musst Du geh&rsquo;n&ldquo;, auch in der BR Deutschland auf den Markt brachte, hier jedoch unter dem Titel &bdquo;Albatros&ldquo;. Diese Entwicklung nahm westlich der Zonengrenze der unvergleichliche Gratwandler zwischen Rockschlager und Schlagerrock, Peter Maffay, aufmerksam zur Kenntnis und plante die bereits Ende 1978 im Osten von &bdquo;Karat&ldquo; ver&ouml;ffentlichte, balladesk-philosophische Ode &bdquo;&Uuml;ber sieben Br&uuml;cken musst Du geh&rsquo;n&ldquo;, von ihm selbst neu eingesungen, als Singleaufh&auml;nger f&uuml;r seine bet&ouml;rende 1980er-Rock&rsquo;n&rsquo;Roll-Scheibe &bdquo;Revanche&ldquo; ein. Mit dieser &bdquo;deutsch-deutschen Originalaufnahme&ldquo; gelangte der damals wie heute h&ouml;chst angesehene Deutschrocker bis auf Rang 4 der &bdquo;Media Control&ldquo;-Listen; das &bdquo;Karat&ldquo;-Original schaffte es hierzulande im Januar 1981 immerhin auf Rang 15 &ndash; und die Ostberliner Rockband war mit einem Schlag nun auch im Land des &bdquo;Klassenfeindes&ldquo; bekannt.<\/p>\n<p>Im Zuge der Irrungen und Wirrungen von Nachr&uuml;stung, Friedensbewegung und Raketenangst, einhergehend mit den wilden Aufwallungen der Neuen Deutschen Welle 1981\/82, fanden viele West-Rockfans zunehmend Gefallen an &bdquo;Karat&ldquo;. Deren &ndash; insgesamt vierte &ndash; diesmal sehr New-Wave- und Synthi-lastige LP &bdquo;Der Blaue Planet&ldquo; geriet zum Verkaufsrenner in Ost und West. Das dunkel-introvertierte, aussichtslos-&auml;ngstlich wirkende Titellied galt seinerzeit als vielzitierter Friedenshymnus, mit der zweiten Singleauskoppelung &bdquo;Jede Stunde&ldquo;, einem nur verhalten rockenden Synthi-Blues, traten die sechs Vollblutmusiker aus Ost-Berlin im September 1982 sogar in Dieter Thomas Hecks &bdquo;ZDF-Hitparade&ldquo; auf und wurden dort umgehend auf den zweiten Rang gew&auml;hlt.<\/p>\n<p>Seitdem ist viel Wasser die Elbe herabgeflossen, Neue Deutsche Welle und Raketensorgen sind verhallt, die Mauer ist gefallen, der Kalte Krieg l&auml;ngst ein Relikt der Vergangenheit &ndash; doch &bdquo;Karat&ldquo; gibt es immer noch. Selbst, wenn von der Urbesetzung niemand mehr mit von der Partie ist &#8211; der legend&auml;re Bandmitbegr&uuml;nder, Keyboarder und Pianist Ulrich &bdquo;Ed&ldquo; Swillms (der &uuml;brigens f&uuml;r die gr&ouml;&szlig;ten Hits seiner Band, &bdquo;Br&uuml;cken&ldquo;, &bdquo;Planet&ldquo;, &bdquo;Stunde&ldquo;, kompositorisch verantwortlich zeichnete) ist a.D. 2015 nur noch beratend bzw. ab und an bei Liveauftritten dabei &#8211; haben sich die nun f&uuml;nf Ostrocker, die seit dem Tod von S&auml;nger Herbert Dreilich im Dezember 2004, von dessen Sohn Claudius vokalistisch angef&uuml;hrt werden, von keinen Wellen und keinen Wenden dieser Welt beirren lassen &ndash; und feiern am 20. Juni 2015 auf der Berliner Waldb&uuml;hne mit einem gro&szlig;en Jubil&auml;umskonzert ihre nunmehr vierzigj&auml;hrige B&uuml;hnent&auml;tigkeit.<\/p>\n<p>Aus diesem Anlass hat die aktuelle f&uuml;nfk&ouml;pfige &bdquo;KARAT&ldquo;-Formation dieser Tage bei Electrola\/UNIVERSAL ein uneingeschr&auml;nkt empfehlenswertes, klassisches Deutschrock-Album in guter, alter Tradition dieses Genres vorgelegt. Diese &ndash; im wahrsten Sinne des Wortes &ndash; <em>hochkar&auml;tige<\/em> Silberscheibe bietet fernab unn&ouml;tiger neumodischer Sperenzchen und Zeitgeistanbiederungen, nichts anderes auf, als punktgenauen, oft ged&auml;mpften und dennoch vor Energie und Gestaltungswillen nur so &uuml;bersprudelnden, handgemachten deutschen Gitarrenrock in verschiedensten Schattierungen. Das ganze f&auml;llt mal hymnisch-derb, mal folkig-betulich aus, immer getragen und stets erhaben, garniert mit h&auml;ufig geradezu vorz&uuml;glicher Songlyrik aus der Feder des prominenten Leipziger Musikers und Textdichters Michael Sellin.<\/p>\n<p><strong>&bdquo;SEELENSCHIFFE&ldquo;<\/strong> nennt sich der Strau&szlig; aus zw&ouml;lf brandneuen &bdquo;KARAT&ldquo;-Werken, an deren Entstehung und Umsetzung der Berliner Produzent Ingo Politz (u.a. &bdquo;Silly&ldquo;, &bdquo;Silbermond&ldquo;, &bdquo;Faun&ldquo;) ma&szlig;geblich beteiligt war (w&auml;hrend die Bandmusiker kaum als Songschreiber in Erscheinung getreten sind), und die durchgehend mit intelligentem, bilderreichem, klanglich, wie textlich h&ouml;chst filigranem und atmosph&auml;rischem Rock-Pop mit Tiefgang, Seele und Hintersinn aufwarten.<\/p>\n<p>Wir besteigen unser pers&ouml;nliches &sbquo;Seelenschiff&lsquo; mit dem so schleppenden, wie sich selbst gleicherma&szlig;en kraftvoll und zielstrebig vorantreibenden, folklastigen Er&ouml;ffner <strong>&bdquo;Was w&auml;r&lsquo; geschehen&ldquo;<\/strong> und gehen zun&auml;chst bei einem schier r&uuml;hrenden, herbstlich-gem&auml;chlichen Res&uuml;mee &uuml;ber die vorangegangenen hei&szlig;en Monate vor Anker: <strong>&bdquo;Nach dem Sommer&ldquo;<\/strong> besticht nicht nur durch eine traumhaft romantische, gitarrengef&uuml;hrte Melodie, sondern auch und ganz besonders mittels der erneut von Michael Sellin ersonnenen, enorm treffend gew&auml;hlten Textworte. In ihrer Gesamtheit so einfach, wie eindringlich geraten, spie&szlig;en die liebenswerte Reimen das ganz spezielle, aussichtslose Fluidum zum Ende einer Sommerliebe, wenn die dunkle st&uuml;rmische Jahreszeit beginnt und nichts mehr bleibt, wie es ist, in sprachlicher Perfektion auf und stellen diese somit f&uuml;r jeden von uns nachvollziehbar und nachempfindbar dar.<\/p>\n<p>Das nun angesteuerte, zur&uuml;ckhaltend und &auml;u&szlig;erst grazil arrangierte und trotzdem aufbrausend gef&uuml;hlige Abschiedsszenario <strong>&bdquo;Drei Worte sp&auml;ter&ldquo;<\/strong> wurde u.a. von &bdquo;SELIG&ldquo;-Gitarrist Christian Neander geschrieben; ausschlie&szlig;lich auf sanfter Pianobasis, mit nur ganz wenigen, sachten Streichern ausstaffiert, perlt darauf folgend <strong>&bdquo;Sie wei&szlig; nicht, was Liebe ist&ldquo;<\/strong> zerbrechlich und zartgliedrig kunstvoll vor sich hin: Ein intimes Weihelied f&uuml;r eine k&uuml;hle, anmutige Frau, die von allen angeschw&auml;rmt und verg&ouml;ttert wird, selbst aber niemals einzuordnen und zu erfahren vermochte, was es eigentlich bedeutet, Liebe zu geben und zu empfinden. Gleichsam innig, dezent, friedlich und geruhsam, ert&ouml;nt nun der nochmals vom leisen Piano, gekonnt zusammengebraut mit st&uuml;rmischen Gitarren- und Synthiw&auml;llen, bestimmte, auf sympathische Weise spr&ouml;de Schleicher <strong>&bdquo;Freunde&ldquo;<\/strong>.<\/p>\n<p>Bald darauf widmen wir uns malerisch und ruhevoll, in fast klassischem, symphonischen Soundambiente einer nachdenklichen Betrachtung des mystischen Ph&auml;nomens <strong>&bdquo;(Die) Erinnerung&ldquo;<\/strong> (Liedtitel), woran das wiegende, sich nach und nach klanglich aufb&auml;umende, diesmal wiederum latent folkig-bluesig gepr&auml;gte Duett mit Neo-Soulrocker Gregor Meyle, <strong>&bdquo;Soll ich Dich befreien&ldquo;<\/strong>, stilsicher ankn&uuml;pft.<\/p>\n<p>Das nun erklingende, prickelnde, hochgradig elegant und dicht, wenn auch ansatzweise maritim inszenierte (daher tats&auml;chlich einwenig an &bdquo;Santiano&ldquo; und Co. gemahnende) Titellied, wie auch der daran anschlie&szlig;ende, straighte Muntermacher <strong>&bdquo;Du kannst die Welt ver&auml;ndern&ldquo;<\/strong> sind gl&auml;nzende, wehende, aufstrebende, breitfl&auml;chige Gitarrenrock-Feuerwerke im Stile j&uuml;ngerer Springsteen-Songs, bevor der so epische, wie mitrei&szlig;ende, mit weltmusikalisch anmutendem Sitar-Gepl&auml;nkel und schwelenden, quietschenden Slide-Guitar-Spielereien angereicherte Rockohrwurm <strong>&bdquo;Sag seit wann&ldquo;<\/strong> aus den Boxen dr&ouml;hnt, der fulminant und nur konsequent in die rasante, zugleich rennende und brennende Gitarren-Hymne <strong>&bdquo;Geschichten m&uuml;ssen enden&ldquo; <\/strong>m&uuml;ndet. Der gem&uuml;tliche, bed&auml;chtige Pianoschleicher <strong>&bdquo;Immer dann&ldquo;<\/strong> l&auml;sst die CD vers&ouml;hnlich, friedvoll, mild und wohlig ausklingen und die &bdquo;Seelenschiffe&ldquo; in ihren Heimathafen der Stille und Behaglichkeit zur&uuml;ckkehren.<\/p>\n<p><strong>&bdquo;Karat&ldquo;<\/strong> haben es mit ihrem neuen Album <strong>&bdquo;Seelenschiffe&ldquo;<\/strong> offenbar auf magische Art und Weise vermocht, auch einen bekennenden Nicht-Fan, wie den Rezensenten, f&uuml;r eine CD-L&auml;nge in ihren Bann zu ziehen. Ich bekam das Thema vor acht Tagen auf den Tisch und dachte&hellip; Nein, bitte, bitte keinen verquasten Ostrock, mit dem ich weltanschaulich eh nur allzu oft meine Problemchen auszufechten hatte&hellip; ich schob den Tontr&auml;ger ungeh&ouml;rt beiseite und nochmals beiseite&hellip; doch dann nahte der Abgabetermin unaufh&ouml;rlich und ich beschloss, mir &bdquo;Seelenschiffe&ldquo; eines Abends erst mal nach einem sch&ouml;nen Rotwein zu Gem&uuml;te zu f&uuml;hren. Das Album gefiel mir sofort&hellip; Am n&auml;chsten Morgen, die Probe aufs Exempel&hellip; auch unisono v&ouml;llig n&uuml;chtern und ern&uuml;chtert funktionierte &bdquo;Seelenschiffe&ldquo; bei mir mehr als nur gut und bezauberte mich bereits nach den ersten Takten. Die Jungs um Claudius Dreilich haben auf ihrem Jubil&auml;umsalbum also offenbar wirklich so gut wie nichts falsch gemacht!<\/p>\n<p><strong>&bdquo;Seelenschiffe&ldquo;<\/strong> ist eine unspektakul&auml;re, wie wahrhaft imposante, ja im Grunde genommen beruhigende, tr&ouml;stliche, dabei qualitativ &uuml;beraus wert- und gehaltvolle Produktion ohne Schnickschnack und unn&ouml;tige technische Beigaben. Die zw&ouml;lf neuen &bdquo;Karat&ldquo;-Lieder sind s&auml;mtlich als bodenst&auml;ndig, rustikal und authentisch zu klassifizieren und zudem stets und st&auml;ndig durchzogen von einem grazi&ouml;sen Flair von poppig-rockig verpacktem Anspruch und Tiefsinn in musikalischer, wie lyrischer Hinsicht!<\/p>\n<p>Holger St\u00fcrenburg, 09.\/10. April 2015<br \/>http:\/\/a-f-music.de\/<br \/>http:\/\/karat-band.com\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die CD hat es im \u00dcbrigen gerade auf Platz 92 der deutschen Album-Charts (ermittelt von Gfk Entertainent) geschafft!\u00a0 Vor genau<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":91394,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[25],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/91393"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=91393"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/91393\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/91394"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=91393"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=91393"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=91393"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}