{"id":90907,"date":"2015-04-26T00:00:00","date_gmt":"2015-04-26T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=90907"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"UDO-JUERGENS-smago-exklusiv-vor-90906","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/schlager\/UDO-JUERGENS-smago-exklusiv-vor-90906\/","title":{"rendered":"UDO J\u00dcRGENS <br \/>smago! exklusiv vorab: Die Udo-J\u00fcrgens-Serie &quot;Sein Leben &#8211; seine Erfolge&quot;! Teil 15: &quot;Wakare No Asa&quot;!"},"content":{"rendered":"<p>Ren\u00e9 Jochade hat diesmal alles Wissenswerte \u00fcber Udo\u00b4s Japan-Aufenthalt Anfang der 70er Jahre zusammengestellt und &#8211; wie immer &#8211; mit raren Video-Links angereichert&#8230;:\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bevor es Ende 1970 nach S&uuml;dafrika ging, standen f&uuml;r Udo noch weitere, wichtige Termine an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz vor dem offiziellen Abschlu&szlig; der &quot;udo &#39;70&quot; Tour hatte Bundeskanzler Willy Brandt Udo J&uuml;rgens zu einem Sommerfest ins Palais Schaumburg eingeladen. Es war nicht Udos erster Besuch bei einer Kanzler-Party, und an seinen Premiere-Auftritt im Jahre 1969 bei Altkanzler Kiesinger hatte er keine allzu guten Erinnerungen.<\/p>\n<p>Dies war allerdings weder Udos, noch Kiesingers Schuld, denn der ganze Trubel um diesen Auftritt beruhte lediglich auf einer Verdrehung der Tatsachen, welche das SED-Organ &quot;Neues Deutschland&quot; aufgrund eines &quot;Zeit&quot;-Artikels vom 4. Juli 1969 vollf&uuml;hrte.<br \/>\nIn dem bewu&szlig;ten Artikel hie&szlig; es w&ouml;rtlich:<\/p>\n<p>&quot;&#8230;&uuml;ber seine sehr guten Verbindungen zum Kanzleramt hatte Jakob vernommen, Kiesinger habe sich ergrimmt gezeigt ob der Pressever&ouml;ffentlichungen, die das genaue Programm des Besuchs vorab gemeldet hatten: 15 Minuten Privatgespr&auml;ch, dann ein Lied von Udo, dann vierh&auml;ndiges Spiel der beiden notenkundigen Herren am Fl&uuml;gel im Kanzlerbungalow.<\/p>\n<p>Damit, so deutete Jakob Fernsehreportern d&uuml;ster an, sei jetzt nat&uuml;rlich nicht mehr zu rechnen&#8230;<\/p>\n<p>&#8230;also verst&auml;ndigten sich die Gespr&auml;chspartner nach kurzen Erl&auml;uterungen der Vorz&uuml;ge ihrer jeweiligen Heimat dar&uuml;ber, da&szlig; &#39;die Natur noch immer das sch&ouml;nste sei&#39;, wie der Bundeskanzler sagte, um sich dann der Ostpolitik zuzuwenden. Udo berichtete Kiesinger &uuml;ber seine Erfolge in der DDR, und der Kanzler begl&uuml;ckw&uuml;nschte ihn zu seinen Erfolgen im anderen Teil Deutschlands. Beklagenswerterweise, so erkannte der Kanzler, f&auml;nden seine Bem&uuml;hungen dr&uuml;ben erheblich weniger Beifall als Udos &#39;Merci Ch&eacute;ri&#39; im Ostberliner Friedrichstadt-Palast. Immerhin sah Kiesinger auch einen Silberstreif am Osthorizont: &#39;Die Menschen dr&uuml;ben f&uuml;hlen durch solche Lieder mit uns.&#39;<\/p>\n<p>Schlie&szlig;lich begr&uuml;&szlig;ten sich Gast und Gastgeber, etwas linkisch zwar, doch dann, nachdem der Kanzler aus der Hand des Troubadours nicht weniger als neunzehn seiner Langspielplatten in einem eleganten Diplomatenk&ouml;fferchen empfangen hatte und Presse-Zerberus Conrad Ahlers die Schiebet&uuml;r zwischen Photographen und Teerunde gezogen hatte, wurde das Gespr&auml;ch sehr schnell sehr herzlich, wie Alfred Jakob, der nat&uuml;rlich dabei war, wissen lie&szlig;. An ihm war es auch, dem Kanzler zu erkl&auml;ren, da&szlig; Udo es nat&uuml;rlich gar nicht so gemeint habe, als er &ndash; wie BILD melden konnte &ndash; Kiesinger f&uuml;r &sbquo;zu weich&lsquo; erkl&auml;rte.<\/p>\n<p>Unter hilfreicher Assistenz des Kanzlers, der ihm beflissen den Notenst&auml;nder zurechtr&uuml;ckte, schritt Udo zur praktischen Demonstration und sang &#39;Ich glaube&#39;, ein rezeptfreies Protestlied f&uuml;r eine heile Welt, in der nach dem Sinn des Milit&auml;rs gefragt wird und warum man denn nicht bitte den Hungernden etwas abgeben k&ouml;nne. Darauf wurde der Kanzler musikalisch belehrt, &#39;Was wirklich z&auml;hlt auf dieser Welt&#39;. Damit war die Audienz des nach Aussage der Demoskopen drittliebsten Idols der Deutschen bei Kiesinger &ndash; Idol Numero sieben &ndash; beendet&#8230;&quot;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das &quot;Neue Deutschland&quot; machte daraus nun seine eigene Version (Udo h&auml;tte vierh&auml;ndig mit dem Kanzler Klavier gespielt) und warf dem K&uuml;nstler vor, er &quot;beteilige sich an dem psychologischen Krieg gegen das Volk Westdeutschlands&quot;. Eine Hetzkampagne wurde gestartet, welche in der Sendung &quot;Der Schwarze Kanal&quot; seinen H&ouml;hepunkt fand, als ein gewisser Karl-Eduard von Schnitzler Udo J&uuml;rgens als &quot;sch&auml;bigen Popanz&quot; bezeichnete:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&quot;Da h&ouml;ren nun Spa&szlig; und Kunst auf. Das ist nicht mehr ein K&uuml;nstler, der mi&szlig;braucht wurde, sondern das ist ein Aktivist, der dem Altnazi Kiesinger erneut auf den Kanzlerstuhl verhelfen will &#8211; dem Mann, der unsere DDR am liebsten zum Fr&uuml;hst&uuml;ck verspeisen w&uuml;rde.<br \/>\nEin unk&uuml;nstlerischer Schlag ins Gesicht von Verstand, Anstand, Moral, Demokratie und Frieden.&quot;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Udo J&uuml;rgens konnte das alles nicht verstehen, und wies die Unterstellungen zur&uuml;ck:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&quot;Mich geht die Wahl nur wenig an &#8211; ich bin ja &Ouml;sterreicher.&quot;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nichtsdestotrotz war ein schwerer Schatten auf Udos Beziehungen zur damaligen DDR gefallen. Seine Musik sei &quot;nicht mehr tragbar&quot;, hie&szlig; es dort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Woanders sah man das Ganze weitaus weniger verbissen: Wenige Tage nach seinem angefeindeten Besuch bei Kiesinger erhielt Udo J&uuml;rgens sogar eine Einladung nach Moskau&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber zur&uuml;ck zur 70er Kanzler-Party. Udo sang diesmal nur ein Lied: &quot;Merci Ch&eacute;rie&quot;. Auch sonst gab es keine negativen Schlagzeilen mehr &#8211; im Gegenteil! Kurze Zeit sp&auml;ter erhielt Udo im Berliner Hotel &quot;Hilton&quot; von Senator Dr. Franz Burda (Verleger der &quot;BUNTEN&quot;) einen Bambi &uuml;berreicht &#8211; f&uuml;r die erfolgreichste und l&auml;ngste Tournee aller Zeiten!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und es war nicht die letzte Ehrung, welche dem Troubadour zuteil werden sollte. Beierleins Musikverlag, die &quot;Edition Montana&quot;, lie&szlig; bei der &quot;Siegesfeier&quot; die gr&ouml;&szlig;te Torte Europas f&uuml;r Udo auffahren. Dieser mu&szlig;te sogar auf eine Leiter steigen, um sie anschneiden zu k&ouml;nnen.<br \/>\nEine zwei Zentner schwere Chronik der Tournee wurde ihm vom Generalbevollm&auml;chtigten des Hauses Bertelsmann, Dr. Manfred K&ouml;hnlechner, &uuml;berreicht. Ehrungen &uuml;ber Ehrungen&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Tour war nun offiziell beendet, aber eigentlich auch wieder nicht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine &ouml;sterreichischen Fans wollte Udo diesmal auf keinen Fall vergessen, und so kam es, da&szlig; er am 22. Oktober 1970 eine Stippvisite in Wien machte, um alles f&uuml;r ein &quot;Udo &#39;70&quot; Konzert in der Wiener Stadthalle vorzubereiten. Wie ernst dies genommen wurde, zeigt vor allem auch die Tatsache, da&szlig; eigens f&uuml;r dieses Konzert das &quot;Udo &#39;70&quot;-Programmheft neu gedruckt wurde. Dies hatte freilich auch einen kommerziellen Grund, denn die &Auml;nderungen im Vergleich zum deutschen Tourheft bestanden fast ausschlie&szlig;lich in den unterschiedlichen Werbeseiten des Heftes &#8211; Ordnung mu&szlig; schon sein!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen Monat vor dem Konzert war Udo sogar noch eine weitere Ehre zuteil geworden: Bundeswehr-General Johannes Steinhoff hatte Udo zu dessen Geburtstag einen Starfighter-Flug spendiert, f&uuml;r welchen Udo allerdings einige &quot;Pr&uuml;fungen&quot; &uuml;ber sich ergehen lassen mu&szlig;te:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&quot;In den sechziger Jahren st&uuml;rzten immer wieder deutsche Kampfflugzeuge des Typs &#39;Starfighter&#39; ab.<br \/>\nDie von Lockheed f&uuml;r Amerika konstruierte Maschine war f&uuml;r die deutschen Erfordernisse erheblich ver&auml;ndert worden, was unter anderem zur &Uuml;berforderung der Piloten beitrug.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einmal kam ich mit einem Offizier der Luftwaffe ins Gespr&auml;ch und &auml;u&szlig;erte mein Interesse an diesen dennoch faszinierenden Flugzeugen. Ich war v&ouml;llig &uuml;berrascht, da&szlig; ich wenig sp&auml;ter eine Einladung von General Johannes Steinhoff, dem damaligen Inspekteur der Luftwaffe, erhielt, an einer zweiw&ouml;chigen Sonderausbildung teilzunehmen, um in einer &#39;104 G&#39; mitfliegen zu k&ouml;nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Ganze war nat&uuml;rlich eine Imagekampagne, um den Ruf des umstrittenen Flugzeugs zu verbessern. Ich empfand das aber als Herausforderung, als gro&szlig;es Abenteuer.<br \/>\nIch wurde allen m&ouml;glichen Tests unterzogen. In einer Druckkammer wurde die Belastung in extremen H&ouml;hen simuliert. Sp&auml;ter wurde ich sogar mit einem Schleudersitz in die Luft geschossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann kam endlich der entscheidende Augenblick, und ich hob f&uuml;r eine Stunde mit dem als J&auml;ger, Aufkl&auml;rer und Jagdbomber verwendeten Jet ab. Wir rasten mit mehr als doppelter Schallgeschwindigkeit fast steil in den Himmel. Der Pilot flog dann Rollen und Loopings, jagte im Sturzflug auf die Erde zu und fing die Maschine mittendrin wieder ab. Als wir endlich landeten, war ich kreidewei&szlig;. Aber ich hatte mich &uuml;berwunden. Es war eine wunderbare Erfahrung, die zu neuen Grenzen f&uuml;hrte.&quot;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, &uuml;ber Langeweile brauchte sich Udo nie zu beklagen&#8230;<br \/>\nHatte ihm Beierlein im Jahre 1968 schon zu einem doch recht au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Konzert in einer Jugendstrafanstalt verholfen, in dessen Rahmen er sich auch mit den Gefangenen &#8211; unter ihnen einem Mutter-M&ouml;rder &#8211; unterhalten konnte, so hatte er diesmal eine &quot;Grubenfahrt&quot; f&uuml;r Udo auf Lager.<br \/>\nAuf der Zeche &quot;Friedrich der Gro&szlig;e&quot; in Herne fuhr Udo 900 Meter &quot;unter Tage&quot;. Sp&auml;ter gab er in der Lohnhalle noch ein kleines Konzert. Und alle Anwesenden waren sich einig: &quot;Udo ist ein ganz prima Kumpel!&quot;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber auch Betr&uuml;bliches gab es in diesem so ereignisreichen Jahr 1970 zu vermelden:<br \/>\nUdos enger Freund, der Formel-1-Rennfahrer Jochen Rindt, verungl&uuml;ckte am 5. September 1970 t&ouml;dlich.<br \/>\nKurz zuvor wollte er f&uuml;r Udo noch kostenlos Werbung machen, sich einen &quot;Udo &#39;70&quot; Aufkleber auf den Helm kleben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&quot;Brauchst nix daf&uuml;r zu bezahlen &#8211; das mache ich gern!&quot; Nur wenige Zeit sp&auml;ter war er tot, und Udo zutiefst betroffen!<br \/>\nSp&auml;ter widmete ihm Udo ein Lied: &quot;Der Champion&quot;&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch in den Niederlanden war Udos Popularit&auml;t ungebrochen. Alle wichtigen TV-Sendungen,&quot;Udo &#39;70&quot; oder auch die Fernseh-Doku mit Francoise Hardy, wurden dort ebenfalls gezeigt.<br \/>\nAm 1. Januar 1970 lief sogar eine eigene 30-min&uuml;tige Sendung mit Weihnachtsliedern von Udo J&uuml;rgens im holl&auml;ndischen Fernsehen.<br \/>\nDen n&auml;chsten Jahreswechsel sollte Udo allerdings ganz woanders feiern d&uuml;rfen, n&auml;mlich im weit entfernten S&uuml;dafrika.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Grundstein f&uuml;r diese Tour war durch Beierleins Platten-Vermarktung auf dem &quot;Schwarzen Kontinent&quot; optimal gelegt worden. Beitrittskarten f&uuml;r einen Udo-J&uuml;rgens-Fanclub lagen bereits einigen ZA-Pressungen Udos bei &#8211; der Boden war geebnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Erwartungen sollten indes sogar noch &uuml;bertroffen werden. Hans. R. Beierlein dazu:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&quot;Alle in Deutschland erschienenen Schallplatten von Udo sind auch in S&uuml;dafrika erh&auml;ltlich, und die englisch gesungenen Titel sind Top-Hits geworden. Der Tagesverkauf betr&auml;gt etwa 2.000 St&uuml;ck pro Langspielplatte, eine Zahl, die 95 Prozent aller deutschen Schlagers&auml;nger nicht ann&auml;hernd erreichen. Eine in &#39;Afrikaans&#39; gesungene Single &uuml;berschritt die F&uuml;nfzigtausender-Marke. Die am besten gehenden Platten sind &#39;Jenny&#39; und &#39;Wahre Liebe ist ganz leise&#39; sowie die Bundesbahn-LP der BUNTEN, &#39;So weit die Z&uuml;ge geh&#39;n&#39;.&quot;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Bundesbahn-LP hatte sich Beierlein wohl etwas geirrt &#8211; diese ist nie in S&uuml;dafrika erschienen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ansonsten war der Erfolg f&uuml;r Udo schon fast Routine. Allerdings hatte er auch diesmal keine M&uuml;hen gescheut, um &quot;sein&quot; Publikum auf dem Schwarzen Kontinent zu gewinnen. In einer Non-Stop-Tournee gab er &uuml;ber 50 Konzerte &#8211; teilweise bei Temperaturen um die 40 Grad. Oft konnte nur die Sauerstoffmaske helfen, unter die er jeden Abend schl&uuml;pfte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Rande dieser Konzerte gab es eine r&uuml;hrende Geschichte, welche das &quot;NEUE BLATT&quot; zu berichten wu&szlig;te:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&quot;Pausenlos war uDO unterwegs, ruhige Minuten gab es auf dieser Mammuttournee nicht f&uuml;r ihn. Aber trotz der Anstrengung, die den S&auml;nger k&ouml;rperlich auf das schwerste belastet hat, lie&szlig; er sich nicht davon abhalten, einige Vorstandsmitglieder eines karitativen Verbandes zu empfangen, die ihn dringend um eine Unterredung gebeten hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#39;Helfen Sie uns&#39;, baten die M&auml;nner dieses nur aus Schwarzen bestehenden Verbandes. &#39;Ein kleines M&auml;dchen ist rettungslos verloren, wenn es nicht sofort von Professor Barnard in Kapstadt operiert werden kann. Der ber&uuml;hmte Chirurg hat versprochen, eine Herztransplantation an dem M&auml;dchen vorzunehmen. Aber die Eltern des Kindes k&ouml;nnen das Geld f&uuml;r die Operation nicht aufbringen.<br \/>\nWir haben jetzt beschlossen, ein Wohlt&auml;tigkeitskonzert in Kapstadt zu geben. Wenn Sie dort auftreten w&uuml;rden, sind wir sicher, da&szlig; das Konzert ausverkauft ist, und wir das Geld f&uuml;r die Herzverpflanzung aufbringen k&ouml;nnen. Helfen Sie, Mister J&uuml;rgens!&#39;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F&uuml;r Udo J&uuml;rgens gab es nicht eine Sekunde des &Uuml;berlegens. &#39;Ich komme zu Ihnen nach Kapstadt.&#39; Mehr sagte er nicht.<br \/>\nOb er im gleichen Augenblick an seine vierj&auml;hrige Tochter Jenny gedacht hat? Ein kleines todkrankes M&auml;dchen brauchte seine Hilfe. Da&szlig; dieses Kind eine schwarze Hautfarbe hat, st&ouml;rte den S&auml;nger nicht. F&uuml;r ihn sind alle Menschen gleich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl er sich fast bis an die Grenze seiner Kraft verausgabt hatte und nach jedem Konzert sofort unter die Sauerstoffmaske mu&szlig;te, um &uuml;berhaupt durchzuhalten, gab er das Konzert in Kapstadt.<br \/>\nDie gro&szlig;e Halle war ausverkauft. Das Publikum, das ausschlie&szlig;lich aus Schwarzen bestand, hielt den Atem an, als Udo auf die B&uuml;hne kam. Dann brach prasselnder Beifall los.<br \/>\n&#39;Udo, Udo&#39;, riefen die Zuschauer. Immer wieder mu&szlig;te er eine Zugabe geben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der ersten Reihe sa&szlig; eine kleine unscheinbare Frau. Mit Tr&auml;nen in den Augen kam sie nach dem Konzert in Udos Garderobe.<br \/>\n&#39;Danke&#39;, sagte sie leise. &#39;Mein Kind wird wieder gesund, ich sp&uuml;re es, und Sie haben das erm&ouml;glicht.&#39;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schweratmend lag der gro&szlig;e Star nach diesem anstrengenden Abend unter der Sauerstoffmaske. Er f&uuml;hlte sich m&uuml;de und abgespannt. Aber dieses einfache &#39;Danke&#39; einer Mutter lie&szlig; ihn f&uuml;r einen Augenblick Strapazen und Schw&auml;che vergessen. Er hatte helfen d&uuml;rfen. Das allein wog allen Einsatz der letzten Kr&auml;fte auf.&quot;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Er&ouml;ffnungskonzert fand in Windhoek statt, der ehemaligen Hauptstadt Deutschs&uuml;dwestafrikas. Hier, wo man noch immer deutsch spricht und wo es Wei&szlig;w&uuml;rste und bestes deutsches Bier gibt, versicherte Udo seinem Publikum: &quot;Ich f&uuml;hle mich bei Ihnen wie zu Hause.&quot;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter dem Publikum befanden sich auch Sch&uuml;ler der deutschen Schule in Windhoek, und wie der Zufall es will, gibt es auch hier eine nette kleine Geschichte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die Fotos von Udos S&uuml;dafrika-Tournee nach Jahrzehnten zum ersten Mal wieder auf udofan.com ver&ouml;ffentlicht wurden, entdeckte eine ehemalige Sch&uuml;lerin dieser Schule, welche damals bei einem der Konzerte anwesend war, auf einem der Fotos ihre alte Schulfreundin wieder &#8211; und das nach &uuml;ber 42 Jahren!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von Pretoria aus machte Udo einige kleine Abstecher zum Ndebele-Stamm der Hereros von Katatura.<br \/>\nDort wurde nicht nur f&uuml;r die Presse posiert &#8211; nein, Udo eroberte sich auch die Herzen dieser Eingeborenen, denen er zuvor schon kleine Geschenke gekauft hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Punkt war Udo vorbildlich: Selbst zu den Autogrammstunden (es fanden die alten &quot;Udo &#39;70&quot; Autogrammkarten Verwendung), zu denen damals eigentlich keine Schwarzen zugelassen waren, dr&uuml;ckte er es durch, da&szlig; diese kommen durften. Da&szlig; ihm dies bei einigen Leuten eher &Auml;rger als Sympathie einbrachte, st&ouml;rte ihn dabei herzlich wenig. Der Erfolg war ihm dennoch gewi&szlig;.<br \/>\nAber er mu&szlig;te trotz allem auf der Hut sein. Insofern war es auch gut, da&szlig; Udo fast die gesamte Tournee &uuml;ber eine einheimische s&uuml;dafrikanische S&auml;ngerin an seiner Seite hatte&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Kimberley, der dritten Station seiner S&uuml;dafrika-Tournee, holten Udos Verehrerinnen ihren Star sogar vom Hotel ab. Selbst die Stra&szlig;en hatte man f&uuml;r ihn geschm&uuml;ckt &#8211; eine Ehre, wie sie sonst nur Staatsoberh&auml;uptern zuteil wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&quot;Ich wu&szlig;te gar nicht, wie popul&auml;r ich in Afrika bin&quot;, freute sich Udo.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H&ouml;hepunkt der Tournee waren dann Udos Auftritte im Civic Theatre von Johannesburg, zu denen es auch wieder ein Programmheft gab. Hier wurde ihm die seltene Ehre zuteil, Fu&szlig;- und Handabdruck sowie seinen Namenszug in frischem Beton verewigen zu d&uuml;rfen. Die Platte wurde in das Pflaster vor dem Hauptportal des &quot;Volkstheaters&quot; eingesetzt. Auf die gleiche Art waren dort bereits Caterina Valente, Gilbert B&eacute;caud und Bob Hope ausgezeichnet worden. Udo war also in bester Gesellschaft&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seiner &quot;Freizeit&quot; wurde Udo auch zur Jagd eingeladen. Allerdings war der S&auml;nger hier weitaus weniger erfolgreich, als auf der B&uuml;hne&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Musikkritiker schrieben &uuml;ber Udo 71: &quot;Seit dem 1964 t&ouml;dlich verungl&uuml;ckten Jim Reeves hat Afrika kein neues Gesangsidol mehr gefunden. Udo J&uuml;rgens ist jetzt das neue Pop-Idol der Jugend geworden!&quot;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In S&uuml;dafrika gab es nun den bislang einzigen, von Udo autorisierten &quot;Udo-J&uuml;rgens-Fan-Club&quot; der Welt. Udo meinte dazu nur: &quot;Das war ich meinen Freunden hier schuldig.&quot;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber etwas schwor er sich, nachdem er die Weihnachts- und Neujahrszeit erstmals ohne seine Frau Panja und die Kinder Johnny und Jenny verbringen mu&szlig;te: &quot;Nach dem Ende der Afrika-Reise am 15. Januar werde ich zwei Monate lang Urlaub mit meiner Familie machen.&quot;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Somit w&auml;ren wir also bereits im Jahre 1971 angelangt, welches f&uuml;r Udo gleich einen neuen Paukenschlag parat hatte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die &Auml;u&szlig;erungen eines Journalisten namens Schnitzler von der S&uuml;ddeutschen Zeitung (nicht zu verwechseln mit dem ostdeutschen Kollegen vom &quot;Schwarzen Kanal&quot;), Udo w&auml;re &quot;Die M&auml;rchentante des Kapitalismus&quot; &auml;rgerten sowohl Beierlein als auch Udo geh&ouml;rig. Zu unpolitisch w&auml;re er also! Nun, dem konnte Abhilfe geschaffen werden&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zusammen mit Textdichter Eckart Hachfeld verwirklichte Udo seine eigene Version der &quot;Wacht am Rhein&quot; mit dem beziehungsreichen Titel &quot;Lieb Vaterland&quot;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Lied schlug ein wie eine Bombe, hatte aber auch den sch&ouml;nen Nebeneffekt, da&szlig; Udo nun nicht nur von einer bestimmten, sondern von allen Seiten angegriffen wurde. Da&szlig; der Text eigentlich von Hachfeld stammte, st&ouml;rte dabei niemanden.<\/p>\n<p>In mehreren Fernseh-Diskussionen wurde hei&szlig; um das Lied diskutiert, und Udo mu&szlig;te ein ums andere Mal Rede und Antwort stehen.<\/p>\n<p>Heutzutage beinahe l&auml;cherlich, da es sich nach Udos eigenen Worten doch lediglich um Binsenweisheiten handelte, mit denen er hier am Kritik am System &uuml;bte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den meisten Zuspruch gab es &#8211; oh Wunder &#8211; tats&auml;chlich noch von ostdeutscher Seite, obwohl es sich ein Karl-Eduard von Schnitzler nicht verkneifen konnte, Udo vorzuwerfen, er w&uuml;rde mit seinem Lied durch Teilwahrheiten von der eigentlichen Wahrheit ablenken.<\/p>\n<p>Insgesamt aber wurde der Titel durchaus begr&uuml;&szlig;t und verschaffte Udo J&uuml;rgens nach langer Zeit wieder ein paar Pluspunkte in der ehemaligen DDR. Bis zu seinem n&auml;chsten Konzert dort sollten dennoch weitere f&uuml;nf Jahre vergehen&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die einzigen, die dies alles mit Humor sahen, war jene Zeitung, welche Udo damals soviel &Auml;rger mit ihrer &quot;Kanzlerfest-Reportage&quot; eingebracht hatte, n&auml;mlich die ZEIT. Sie schrieb folgende Zeilen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;Sieg mit Vaterland?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die abwechselnd als &bdquo;elit&auml;rer D&uuml;nkel&ldquo; und &bdquo;intellektueller Hochmut&ldquo; bezeichnete kritische Haltung besonders der deutschen Schlagerbranche gegen&uuml;ber hat diesmal offensichtlich wirklich Folgen gehabt: Beim &bdquo;Grand Prix Eurovision de la Chanson 1971&ldquo;, um den am 3. April in Dublin gesungen wird, wird nicht Katja Ebstein mit dem Lied &bdquo;Diese Welt&ldquo; f&uuml;r die Bundesrepublik auftreten, sondern, nach schwierigen internen Auseinandersetzungen in der Branche selber, in die schlie&szlig;lich Dr. Henno Ludwig von der Kulturabteilung des Ausw&auml;rtigen Amtes als &bdquo;Schlichter&ldquo; einbezogen worden ist Udo J&uuml;rgens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Katja Ebstein hatte die Bundesrepublik schon in Amsterdam beim letzten &bdquo;Grand Prix&ldquo; vertreten, aber wie es hei&szlig;t, sei weder diese Tatsache noch ihr schlechtes Abschneiden f&uuml;r die Entscheidung von Bedeutung gewesen. Lediglich inhaltliche Gr&uuml;nde h&auml;tten Relevanz gehabt und seien schlie&szlig;lich auch von den Managern der beiden K&uuml;nstler anerkannt worden.<\/p>\n<p>Manager Bergfeld von der &bdquo;unterlegenen&ldquo; Ebstein-Firma Liberty sagte: &bdquo;Ich pers&ouml;nlich finde es ein bi&szlig;chen komisch, aber was soll&rsquo;s: Man wollte diesmal in das ewig mediokre Schlagereinerlei voll triefendem Sentiment eine politische Note bringen, eine positive politische Note, und da war es ganz klar, da&szlig; wir zugunsten von &sbquo;Lieb Vaterland&lsquo; von J&uuml;rgens und seinem Hausdichter Hachfeld zur&uuml;ckstanden.&ldquo;<\/p>\n<p>Nicht ohne Hintersinn lie&szlig; Udos Manager Beierlich wissen: &bdquo;Das pa&szlig;t ja auch ganz gut: &sbquo;Vaterland&lsquo; in der Hauptstadt eines Landes, das seinen B&uuml;rgern wirklich Vaterland ist &ndash; und zeigen, da&szlig; wir das unsere wieder gewinnen wollen.&ldquo; M.&lt;&lt;<\/p>\n<p>Unschwer zu erkennen, da&szlig; es sich bei diesem Artikel, welcher zum 1. April 1971 erschienen war, um einen ausgemachten Aprilscherz handelte&#8230;<\/p>\n<p>Die Anti-Udo-Stimmung im eigenen Land wollte dennoch nicht verstummen. Nun hie&szlig; es neuerdings sogar: Udo, der gr&ouml;&szlig;te Kitsch-Verteiler unserer Zeit, mache dies alles nur f&uuml;r Geld. Nachdem seine &quot;melodramatischen&quot; Titel kein Geld mehr bringen, versuche er es halt auf diese Weise. Udo h&auml;tte nicht nur unsere Soldaten durch den Schmutz gezogen&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch ZDF und ORF reagierten auf diese Anti-Udo-Stimmung &#8211; aber anders, als man es vielleicht erwartet hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Statt ihn aus dem Programm zu nehmen, wurde eine gro&szlig;e, dreiteilige Show angestrebt, welche sp&auml;ter als Udos &quot;Weltshow&quot; in die Geschichte eingehen sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Regisseur Peter Behle war klar, da&szlig; Udo J&uuml;rgens einer der ganz wenigen deutschsprachigen K&uuml;nstler war, welche auch international Erfolge verbuchen konnten. Daher entschied er sich, das Ganze mehr wie eine Dokumentation zu gestalten.<\/p>\n<p>Unter anderem sollten Aufnahmen von Udo-Konzerten in Rio und Moskau gezeigt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rio hatte es Udo sowieso angetan. Nachdem er beim f&uuml;nften Festival von Rio im Februar 1970 in der Jury sitzen durfte, war er diesmal zum sechsten Festival zusammen mit Shirley Bassey und James Last als Stargast geladen worden.<\/p>\n<p>Das Festival fand vom 24. &#8211; 26. September 1971 statt &#8211; was lag also n&auml;her, als ein paar Wochen eher hin&uuml;ber zu fliegen und zuvor noch etwas Urlaub zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber so ganz privat war das Ganze nat&uuml;rlich nicht, denn neben Journalisten begleitete ihn auch eine Film-Crew, welche f&uuml;r die bevorstehende Show, von der zuvor die Rede war, einige Aufnahmen machen wollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Udo hatte vor einiger Zeit begonnen, Kinderlieder zu komponieren, indem er Gedichte von James Kr&uuml;ss vertonte. Hier in Rio bot sich nun also die Gelegenheit, eines dieser Lieder mit einheimischen Kindern aufzunehmen, um dies sp&auml;ter in der Show zu verwenden.<\/p>\n<p>Es war &#8211; was die Kinderlieder betraf &#8211; aber nur ein Anfang. Das Ganze sollte erst ein Jahr sp&auml;ter richtig Form annehmen, als Udo zusammen mit James Kr&uuml;ss und Hans Clarin eine eigene Fernsehserie mit und f&uuml;r Kinder starten konnte: &quot;Jonny und Jenny &#8211; Alle Kinder dieser Welt&quot;. Aber so weit sind wir noch lange nicht&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F&uuml;r die bevorstehende Show wurden zun&auml;chst noch Aufnahmen in Berlin mit James Kr&uuml;ss gemacht. Und dann gab es noch ein absolutes Kuriosum, &uuml;ber welches der SPIEGEL damals wiefolgt berichtete:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&gt;&gt;Moll vom Jenseits<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Udo J&uuml;rgens wird &uuml;bersinnlich; Franz Schubert hat ein Lied f&uuml;r ihn komponiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Franz Schubert (1797 bis 1828) ist ein guter Geist. H&auml;ufig schwebt er zur verwitweten Hausfrau Rosemary Brown im traurigen Londoner Vorort Balham, l&auml;&szlig;t sie das Ende seiner &quot;Unvollendeten&quot; h&ouml;ren und diktiert Ihr das eine oder andere neue Schubert-Lied.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rosemary Brown ist Englands popul&auml;rstes Musik-Medium (SPIEGEL 28\/1970). Schubert, Liszt und andere Hingeschiedene schweben bei ihr ein und aus, sie sehen, sagt sie, gerne fern und &uuml;bermitteln ihr vor allem posthume Kompositionen: bislang an die 400 St&uuml;cke.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">J&uuml;ngsthin aber begann Schubert, der leider wenig Englisch kann, von einem &ouml;sterreichischen Kollegen zu schw&auml;rmen: von Udo J&uuml;rgens. Das sei sein Mann, sprach der Geist, und f&uuml;r den m&ouml;chte er wohl gern ein Liedchen komponieren. Kaum gesagt, schon getan:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einer Fernseh-Show, die ZDF und ORF gegenw&auml;rtig produzieren, besucht J&uuml;rgens die Geister-Freundin im kargen Heim, betastet mit ihr das verstimmte Klavier und singt, was Franz Schubert ihm in b-Moll aus dem Jenseits sandte: &quot;Softly falls the winter snow&quot; &#8211; Sanfte f&auml;llt der Winterschnee.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Schm&auml;h mag manchen frieren lassen, die Branche aber wird sich giften. Denn wieder einmal schl&auml;gt der Mastermind des Schaugesch&auml;fts, der J&uuml;rgens-Manager Hans R. Beierlein, 42. auf der Werbetrommel einen neuen Wirbel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um seinen J&uuml;rgens zum Erfolgs-Artikel zu machen, hatte Beierlein bislang alle m&ouml;glichen Marketing-Methoden genutzt, von der Motiv-Forschung bis zur Verbund-Werbung. St&auml;rkster Effekt: Kunstler Udo jeweils Hand in Hand mit den Kanzlern Kiesinger und Brandt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verbindung zum Jenseits hatte sich &uuml;ber den Zsolnay-Verlag in Wien ergeben. Dort erscheinen n&auml;mlich die Memoiren der Rosemary Brown* sowie ein mildes Kritik-Buch &uuml;ber Udo J&uuml;rgens**. &quot;Zwei Interessen&quot;, sagt Beierlein, &quot;konnten sich verknoten.&quot;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Rosemary Brown dann, auf Anraten des weltgewandten Liszt, beim Wiener Verlag nach Udo J&uuml;rgens forschte. konnte ihr und Schubert rasch geholfen werden; und Anfang August traf Schuberts j&uuml;ngstes Lied beim Wiener Verleger ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es tr&auml;gt den Titel &quot;Despair and Hope&quot; (Verzweiflung und Hoffnung) und singt von Schnee, Sturm und grausamer Welt. Auch die Melodie erinnert stark an Schuberts &quot;Winterreise&quot; &#8211; etwa ans Lied &quot;Eine Kr&auml;he war mit mir aus der Stadt gezogen&quot;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Arbeit mit dem Geist verlief jedoch nicht ohne Schwierigkeiten. Denn Schubert diktierte den Liedtext auf deutsch, und &quot;obgleich er mir Buchstabe f&uuml;r Buchstabe vorsprach&quot;, klagt Rosemary Brown, konnte sie ihm nicht folgen. Liszt, der Sprachgewandte, half: &quot;Er gab mir die englische &Uuml;bersetzung.&quot;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotzdem freilich nagen Zweifel, ob das Lied wahrhaftig aus dem Jenseits stammt. Denn wie kann einer, der doch ein Leben nach dem Tode f&uuml;hrt, so texten: &quot;Can there be life after death&#39;s bitter sorrow?&quot; &#8211; Gibt es ein Leben nach dem bittren Tod?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beierlein zerstreut die Zweifel. &quot;Vielleicht&quot;, sagt er, &quot;hat Liszt falsch &uuml;bersetzt.&quot;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">* Rosemary Brown: &quot;Musik aus dem Jenseits&quot;<\/p>\n<p>** &quot;Warum nur, warum? Das Ph&auml;nomen Udo J&uuml;rgens&quot;&lt;&lt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun, soweit ich recherchieren konnte, gab es tats&auml;chlich wohl nur eine Folge dieser &quot;Weltshow&quot; mit Udo J&uuml;rgens. Sie nannte sich &quot;Udo, Udo&quot; und flatterte am 23.12.1971 &uuml;ber die bundesdeutschen und &ouml;sterreichischen Bildschirme.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Geplant war weiterhin der Auftritt einiger Gast-Stars, zu denen Udo ein besonderes Verh&auml;ltnis hatte, wie Gilbert B&eacute;caud, Nancy Wilson und Leonard Bernstein (!).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Zeit der Ausstrahlung weilte Udo aber bereits wieder in den Niederlanden, wo er mehreren TV- und Radioverpflichtungen nachkommen mu&szlig;te: f&uuml;r die TROS (100 meisjes en een man) und f&uuml;r die AVRO (in Muzikaal Onthaal).<\/p>\n<p>Nachdem er am 17. Dezember 1971 im Studio Hilversum die gro&szlig;e TV-Show &quot;udo en public&quot; aufgenommen hatte, welche am 20. Januar 1972 um 20.30 Uhr auf Nederland 1 ein einziges Mal vollst&auml;ndig ausgestrahlt wurde (sp&auml;ter gab es nur noch Zusammenschnitte), wurde sein Holland-Intermezzo am 23. Dezember mit einem Auftritt in der TV-Sendung &quot;De Zevensprong&quot; (TROS) beendet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weitere H&ouml;hepunkte in diesem Jahr waren nat&uuml;rlich auch Udos erneute Teilnahme beim &quot;Galaabend der Deutschen Schallplatte&quot; am 28. August 1971 und der nur einen Tag sp&auml;ter stattgefundene Auftritt im Berliner Olympia-Stadion, wo er das Lied der Deutschen Fernsehlotterie &quot;Zeig mir den PLatz an der Sonne&quot; vor 75.000 Menschen aus der Taufe hob.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weitaus wichtigerer Termin sollte aber noch folgen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Japan hatte sich die Gruppe &quot;Pedro &amp; Capricious&quot; Udos Titel &quot;Was ich dir sagen will&quot; (Wakare No Asa) angenommen und war drauf und dran, daraus einen Millionenhit im eigenen Land zu machen.<\/p>\n<p>Was lag also n&auml;her, als gleich zu Beginn des neuen Jahres einen kleinen Ausflug nach Japan zu machen, um sich mit dieser Gruppe dem japanischen Publikum zu pr&auml;sentieren, ein paar Show-Auftritte zu machen und gleichzeitig noch sein neues Japan-Album zu promoten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gesagt, getan &#8211; im Februar des Jahres 1972 befand sich Udo bereits im Land der aufgehenden Sonne.<\/p>\n<p>Zuvor hatte es mit dem Flieger noch eine kurze Zwischenlandung in Alaska gegeben, und das bei 25 Grad minus!<\/p>\n<p>&quot;Hoffentlich ist es in Japan nicht auch so kalt&quot; dachte Udo J&uuml;rgens noch. Aber seine Bef&uuml;rchtungen sollten sich Gott sei Dank nicht bewahrheiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Udo mu&szlig;te w&auml;hrend seines einw&ouml;chigen Aufenthaltes in Tokio zw&ouml;lf Show-Sendungen f&uuml;rs japanische Fernsehen und zwei Rundfunksendungen absolvieren &#8211; ein Mammutprogramm f&uuml;r diese kurze Zeit!<\/p>\n<p>Doch in Japan ist alles anders. Die Techniker sind dort alle an Tempo gew&ouml;hnt, sie arbeiten mit unglaublicher Pr&auml;zision und P&uuml;nktlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&quot;Unp&uuml;nktlichkeit gilt hier fast als Tods&uuml;nde, sagte Udo J&uuml;rgens sp&auml;ter. &quot;F&uuml;r die Japaner ist das etwas v&ouml;llig Fremdes. Und vor allen Dingen f&uuml;r die Japanerinnen!&quot; &#8211; womit wir nat&uuml;rlich wieder bei seinem Lieblingsthema w&auml;ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Betreuung wurde ihm eine weibliche Begleitung mit dem sch&ouml;nen Namen Mokoto zugewiesen, von der er sichtlich angetan war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&quot;Sie hat etwas von einem scheuen Reh&quot;, beschrieb er das M&auml;dchen. &quot;Sie bewegt sich so grazi&ouml;s, ist sch&uuml;chtern und zur&uuml;ckhaltend, wahrt immer Distanz und ist doch so herzlich dabei.&quot;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mokoto war wie ein unmerklicher Schatten, wenn sie nicht ben&ouml;tigt wurde, aber immer zur Stelle, wenn es etwas f&uuml;r sie zu erledigen gab. Sie las Udo jeden nur erdenklichen Wunsch von den Augen ab.<\/p>\n<p>Ganz nebenbei hatte er erw&auml;hnt, da&szlig; er Mokoto gern einmal im Kimono sehen w&uuml;rde &#8211; prompt stand die kleine Japanerin am n&auml;chsten Morgen im Kimono in der Hotelhalle!<\/p>\n<p>Sie waren um acht Uhr zum Stadtbummel verabredet, also war Mokoto bereits um f&uuml;nf Uhr aufgestanden, denn es dauert mindestens zweieinhalb Stunden, bis ein Kimono richtig angezogen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun war es aber schon zehn nach acht und Udo war noch immer nicht erschienen. Auf Mokotos Gesicht machte sich Entt&auml;uschung breit. F&uuml;r die &uuml;berp&uuml;nktlichen Japaner kann eine Versp&auml;tung eigentlich nur bedeuten, da&szlig; der Gast krank geworden ist. Sollte sie sich die M&uuml;he mit dem Kimono etwa umsonst gemacht haben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber da kannte sie Udo schlecht. Dessen Versp&auml;tung hatte &#8211; nat&uuml;rlich &#8211; einen &quot;weiblichen&quot; Grund, welcher den sch&ouml;nen Namen Kyoko trug&#8230;<\/p>\n<p>Kyoko war Studentin und hatte den ersten Udo-J&uuml;rgens-Fanclub in Japan gegr&uuml;ndet.<\/p>\n<p>In der Zeitung hatte Kyoko gelesen, da&szlig; Udo J&uuml;rgens nach Japan kommen w&uuml;rde &#8211; da hatte sie einfach vor Udos Hotelzimmer auf ihr Idol gewartet.<\/p>\n<p>Deshalb also mu&szlig;te Mokoto in der Hotelhalle zehn Minuten warten. Udo entschuldigte sich galant und half ihr in ein Taxi, welches sie anschlie&szlig;end zu den Sehensw&uuml;rdigkeiten Tokios fuhr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&quot;Das war ein anstrengender Tag&quot;, st&ouml;hnte Udo, als sie abends wieder zur&uuml;ck waren. &quot;Und ich habe nicht einmal den Fudschijama, den heiligen Berg, gesehen. Das Wetter war viel zu diesig.&quot;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie anstrengend dieser Tag aber erst f&uuml;r Mokoto war, hatte sie mit keiner Geste verraten.<\/p>\n<p>Keine Japanerin tr&auml;gt ihren Kimono heutzutage l&auml;nger als ein paar Stunden. Doch Mokoto hatte es den ganzen Tag in dieser engen Kleidung ausgehalten, die nur richtig sitzt, wenn der Brustkorb regelrecht eingeschn&uuml;rt wird.<\/p>\n<p>Niemand bemerkte, wie Mokoto am Ende ihrer Kr&auml;fte war, bis sie fast unmerklich in Ohnmacht sank. W&auml;hrend sich alle der Anwesenden um sie bem&uuml;hten, fl&uuml;sterte sie noch: &quot;Er mu&szlig; noch den Fudschijama sehen, sonst kommt er nicht wieder!&quot;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt n&auml;mlich ein Sprichwort, welches sagt: Wer den Fudschijama sieht, kehrt siebenmal nach Japan zur&uuml;ck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und Udo J&uuml;rgens kam wieder &#8211; es sollte gar nicht mal so lange dauern&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F&uuml;r die Fotografen posierte er noch mehrmals abwechselnd mit Mokoto und Kyoko &#8211; beide hatten sein Herz gewonnen.<br \/>\nBei einem dieser Ausfl&uuml;ge zu Tokios Sehensw&uuml;rdigkeiten traf Udo auch &#8211; oh Wunder &#8211; den Fu&szlig;ballspieler Uwe Seeler vor einem Tempel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&quot;Die Welt ist wirklich klein&quot;, riefen beide aus, denn dieses Treffen war alles andere als geplant! In Japan ist eben alles m&ouml;glich&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Promotion-Tour mit der Gruppe &quot;Pedro &amp; Capricious&quot; wurde &uuml;brigens ein riesiger Erfolg! Ein paar Tage sp&auml;ter erklomm &quot;Wakare No Asa&quot; Platz 1 der japanischen Charts. Vom 15. Februar bis zum 12. M&auml;rz hielt sich der Titel 4 Wochen lang auf dieser Spitzenposition und war auch lange Zeit danach noch unter den Top-Ten zu finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F&uuml;r Udo J&uuml;rgens hie&szlig; es nun f&uuml;r&#39;s erste Abschied nehmen vom Land der aufgehenden Sonne. Aber er w&uuml;rde wieder kommen, ganz sicher.<\/p>\n<p>\n<strong>VIDEO-LINKS<\/strong><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<strong><a href=\"https:\/\/plus.google.com\/photos\/113254031656959649590\/albums\/6139216270035596577\/6139216277729926402?pid=6139216277729926402&amp;oid=113254031656959649590\">UDO J&Uuml;RGENS IN S&Uuml;DAFRIKA 1970 \/ 71&#8230;:<\/a><\/strong><\/p>\n<p>\n<strong><a href=\"https:\/\/plus.google.com\/photos\/113254031656959649590\/albums\/6129372842037954721\/6129372852516822578?pid=6129372852516822578&amp;oid=113254031656959649590\">WAKARE NO ASA &#8211; Udo J&uuml;rgens und die Gruppe Pedro &amp; Capricious (Mix)&#8230;:<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<strong>Lesen Sie in der n&auml;chsten Folge: &quot;Helden, Helden&quot;!<\/strong><\/p>\n<p><em>Foto-Credit: Dominik Beckmann<\/em><\/p>\n<p>Ren\u00e9 Jochade (Textvorlage)<br \/>http:\/\/www.ariola.de<br \/>http:\/\/www.udojuergens.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ren\u00e9 Jochade hat diesmal alles Wissenswerte \u00fcber Udo\u00b4s Japan-Aufenthalt Anfang der 70er Jahre zusammengestellt und &#8211; wie immer &#8211; mit<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":90908,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[29],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/90907"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=90907"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/90907\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/90908"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=90907"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=90907"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=90907"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}