{"id":89668,"date":"2015-06-01T00:00:00","date_gmt":"2015-06-01T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=89668"},"modified":"2020-03-09T23:42:24","modified_gmt":"2020-03-09T22:42:24","slug":"marianne-rosenberg-smago-serie-89667","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/schlager\/marianne-rosenberg-smago-serie-89667\/","title":{"rendered":"MARIANNE ROSENBERG <br \/>smago! Serie &quot;Schlager-R\u00fcckblick &quot;vor 40 Jahren&quot; von Stephan Imming: Teil 26 &#8211; Marianne Rosenberg (&quot;Er geh\u00f6rt zu mir&quot;) &#8211; 1\/2!"},"content":{"rendered":"<p>Neuzugang 28.04.1975!\u00a0 &lt;!-more-&gt;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">MARIANNE ROSENBERG wurde am 10. M\u00e4rz 1955 als Tochter eines Antiquit\u00e4tenh\u00e4ndlers in Berlin-Lankwitz geboren. Sie hat sechs Geschwister (vier Br\u00fcder und zwei Schwestern). Der Vater <em>Otto Rosenberg<\/em>, der lange Zeit Vorsitzender des deutschen Zentralrates der Sinti und Roma war, machte nebenbei Tanzmusik und nahm mit seiner Familie auch vor Mariannes Karriere privat eine Schallplatte auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zeitlebens war Marianne ein Familienmensch und hatte einen engen Bezug zu ihren Eltern und Geschwistern. Sogar ihre charakteristische kleine Zahnl\u00fccke hat sie ihrer Schwester <em>Petra <\/em>zu \u201everdanken\u201c, weil die n\u00e4mlich ihre kleine Schwester einst auf einem Roller mitnahm und dann gegen einen Laternenpfahl gefahren ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon fr\u00fch erkannte die Sch\u00fclerin der Berliner Gustav-Freytag-Realschule, die eigentlich Dolmetscherin f\u00fcr Englisch und Russisch werden wollte, dass sie musikalisch talentiert war \u2013also entschloss sie sich, in einem Berliner Kaufhaus an einem Talentwettbewerb teilzunehmen und dort ein Volkslied zu singen \u2013 aber dank eines \u201eFroschs im Hals\u201c war das nicht von Erfolg gekr\u00f6nt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie gab aber nicht auf und nahm im Herbst 1969 (auf Anregung ihrer \u201eLieblings-Schwester\u201c <em>Petra,<\/em> die in der Zeitung eine Annonce entdeckt hatte,) an einen Nachwuchswettbewerb im Berliner \u201eRomanischen Caf\u00e9\u201c im ersten Stock des Europa-Centers teil und trug dort das neapolitanische Volkslied \u201eTorna a Surriento\u201c (Erinnerungen an Sorrent) vor, das sie zuvor schon bei Hochzeiten und Geburtstagen vorgetragen hatte. Den Wettbewerb gewann sie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der junge Produzent <em>Joachim Heider<\/em> war gleich von Marianne \u00fcberzeugt und bot ihr einen Schallplattenvertrag an. Marianne war einverstanden und begann, fortan Schauspiel-, Tanz-, Gesangs- und Klavierunterricht zu nehmen. Ihr Gesangslehrer war zeitweise der ungarische Tenor <em>Prof. Ernest Garay<\/em>. Auf Anraten ihres Vaters beendete sie den Unterricht nach \u00fcber zwei Jahren, da der Unterricht zu sehr auf \u201eklassischen Gesang\u201c ausgerichtet war und Marianne ja als S\u00e4ngerin der Unterhaltungsmusik aufgebaut werden sollte. &#8211; Im Gegensatz zu vielen anderen Stars behielt sie \u00fcbrigens ihren b\u00fcrgerlichen Namen bei, wobei zwischenzeitlich auch ins Auge gefasst wurde, ihren Rufnahmen \u201eGina\u201c als K\u00fcnstlernamen zu etablieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Februar 1970, als die Beatles gerade im Begriff waren, sich aufzul\u00f6sen, erschien Mariannes erste Single, \u201e<strong>Mr. Paul McCartney<\/strong>\u201c, die <em>Fred Jay<\/em> ihr auf den Leib schrieb (Komponist und Produzent war \u2013 wie bei fast allen folgenden Lieder der n\u00e4chsten Jahre \u2013 <em>Joachim Heider<\/em>). Das (lt. Plattenfirma) \u201eTeenagegirl mit der Zauberstimme\u201c absolvierte kurze Zeit sp\u00e4ter am 18. April 1970 seinen ersten TV-Auftritt in <em>Dieter Thomas Hecks<\/em> ZDF-Hitparade und erreichte direkt \u00a0einen zweiten Platz in der Show. Sofort mit dieser ersten Schallplatte konnte sie sich in den Verkaufs-Charts platzieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die B-Seite der Single war der Country-Song \u201eWer Liebe sucht\u201c, eine von <em>Michael Holm<\/em> getextete deutsche Version des <em>Tammy Wynett<\/em>-Hits \u201eStand By Your Man\u201c, den Marianne in der ZDF-Drehscheibe sang. Da dieser Song aus damaliger Sicht noch nicht zu einem 15-j\u00e4hrigen M\u00e4dchen passte, wurde sie f\u00fcr die Presse kurzerhand ein Jahr \u00e4lter gemacht\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Erstlingswerk schlug so gut ein, dass mit ihr (unter dem Pseudonym \u201e<em>Marianne Rosenberger<\/em>\u201c) von den beiden Songs sogar niederl\u00e4ndische Versionen produziert wurden (\u201e<strong>Onbekende Jongen<\/strong>\u201c (unbekannter Junge) bzw. \u201eIs er een kans?\u201c (Gibt es eine Chance?)). Bereits im Juni 1970 wurde Marianne von Deutschlands Musik-Fachjournalisten, Discjockeys und Rundfunk-Redakteuren zur besten deutschen Nachwuchss\u00e4ngerin gew\u00e4hlt. Im gleichen Jahr (1970) wurde ihr von der Europawelle Saar die \u201eGoldene Europa\u201c verliehen als erfolgreichste deutsche Nachwuchsinterpretin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Oktober des Jahres vertrat Marianne die deutschen Farben beim \u201eFestival International da Cancao Popular\u201c in Brasilien. Mit ihrem Lied \u201e<strong>Wie wei\u00df ich, dass es Liebe ist<\/strong>\u201c, das auch als ihre zweite Single ver\u00f6ffentlicht wurde, hatte sie aber weder in Rio noch hinsichtlich des Schallplatten-Verkaufs Erfolg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das \u00e4nderte sich mit der ersten Ver\u00f6ffentlichung des Jahres 1971 \u2013 mit \u201e<strong>Fremder Mann<\/strong>\u201c erreichte Marianne ihren ersten Top-10-Erfolg. Das Lied \u00fcber den Unbekannten, der Mariannes Herz schneller schlagen lie\u00df, schlug derart ein, dass sie die Schule nach der 9. Klasse ohne Abschluss verlie\u00df, um sich voll ihrer Gesangskarriere zu widmen. Ihr Vater <em>Otto<\/em> wurde fortan hauptberuflich Mariannes Manager.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er sch\u00e4rfte ihr ein, zu sagen, dass sie \u2013 angesprochen auf ihre dunklen Haare \u2013 antworten solle, die Familie stamme aus Ungarn. Niemand sollte wissen, dass sie Sintezza und die Tochter eines Auschwitz-\u00dcberlebenden ist, damit der Zuh\u00f6rer keine Schuldgef\u00fchle bei Nennung des Namens Rosenberg bekommen sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen Ende des Jahres 1971 \u00a0erschien Mariannes erste LP \u201eFremder Mann\u201c, auf der neben eigenen Songs auch einige Cover-Versionen enthalten sind. Als vierte Single wurde \u201e<strong>Er ist nicht wie Du<\/strong>\u201c ausgekoppelt \u2013 die abebbende Beat-Welle und beginnende Disco-Welle huldigend, wurde der Song erneut ein gro\u00dfer Verkaufs-Erfolg und Top-10-Hit. Besonders imposant finden viele dabei die Textzeile \u201eWill er mich k\u00fcssen, dann k\u00e4mpf\u2018 ich mit Tr\u00e4nen\u201c \u2013 na gut, immerhin war Marianne zarte 16 Jahre alt, als der Song aufgenommen wurde. Ein Schlagerbuch analysiert den Titel wie folgt: \u201e<em>Das war neu: Mit den Liedern Marianne Rosenbergs wurden die \u201eallt\u00e4glichen Dramen\u201c um Liebe, Lust und Leidenschaft\u00a0 zum Thema im deutschen Schlager.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 13.01.1972 durfte die Berlinerin erstmals (und gleichzeitig letztmals) in <em>Rainer Holbes<\/em> ber\u00fchmter Starparade auftreten. Dazu hatte sie sich extra eine B\u00fchnengarderobe zugelegt, die ihr kurz vor dem Live-Auftritt gestohlen wurde. So kam es, dass sie mit ihrem \u201eAlltagsoutfit\u201c, einem gelben Kleid, sich einem Millionenpublikum pr\u00e4sentierte &#8211; und von da an immer auf ihre Garderobe achtete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da Mariannes gesamte Familie sehr musikalisch war, kam man im Winter 1971 auf die Idee, als \u201e<em>Familie Rosenberg<\/em>\u201c eine Schallplatte zu produzieren \u2013 gemeinsam mit ihren Eltern, ihren Br\u00fcdern <em>Markus<\/em>, <em>Florian, Janosch <\/em>und <em>Frank<\/em> und ihren Schwestern <em>Tamara<\/em> und <em>Petra<\/em> sang Marianne den \u201e<strong>Pony Song<\/strong>\u201c, der trotz der damaligen gro\u00dfen Popularit\u00e4t des Namens Rosenberg zu der Zeit gnadenlos floppte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Fr\u00fchsommer 1972 fragte Marianne in einem Country-angehauchten Song \u201e<strong>Warum gerade ich?<\/strong>\u201c- erneut wurde mit dem von <em>Hans-Ulrich Weigel<\/em> getexteten Song ein Verkaufs-Erfolg erreicht. Immer mehr kristallisierte sich heraus, dass Produzent <em>Joachim Heider<\/em> mit seiner Art, Mariannes unverwechselbarer Stimme mit volumin\u00f6sen Orchester und opulentem Chor zu unterst\u00fctzen, genau richtig lag. Langfristig wurde dieser moderne teilweise an \u201eMotown\u201c-Produktionen erinnernde Sound sogar Trend setzend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sowohl mit der LP \u201eLieder\u201c, die \u00fcbrigens deswegen so benannt wurde, weil das Wort \u201eSchlager\u201c zu wenig beinhaltet h\u00e4tte (&#8230;da freut sich der Schlager-Freund&#8230;) und \u201eChansons\u201c zu viel gesagt gewesen w\u00e4re) als auch der n\u00e4chsten Single,\u00a0 der Uptempo-Nummer \u201e<strong>Jeder Weg hat mal ein Ende<\/strong>\u201c, wurde dieser Weg konsequent weitergegangen \u2013 der dritte Top-10 Hit war damit gelungen. Arrangiert wurde \u00fcbrigens die LP von <em>Dieter Zimmermann<\/em>, einem gro\u00dfen Musiker, der leider viel zu fr\u00fch an Leuk\u00e4mie gestorben ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1973 vertrat Marianne Rosenberg die deutschen Farben beim zweiten \u201eInternationalen Song-Festival\u201c in Tokio \u2013 diesmal trat sie mit dem von <em>Dieter Zimmermann<\/em> komponierten Song \u201e<strong>Love Is Taking A Holiday<\/strong>\u201c an, der auch als Single ver\u00f6ffentlicht wurde \u2013 erneut blieb sowohl der kommerzielle als auch der Festival-Erfolg leider aus \u2013 in ihrer Autobiografie schreibt Marianne: \u201e<em>Ich landete irgendwo, bekam jedoch auch diesen Glasstein, auf dem steht, worum es ging, und den man sich in den Schrank stellt zum Beweis, dass man dabei gewesen ist\u201c.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine japanische Plattenfirma interessierte sich f\u00fcr Marianne und nahm sogar zwei Songs mit ihr in japanischer Sprache auf. Die Single <strong>\u201eSayonara<\/strong>\u201c wurde in Japan sogar ver\u00f6ffentlicht, fand aber keine gro\u00dfe Beachtung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im gleichen Jahr nahm Marianne Rosenberg beim \u201eGoldenen Orpheus\u201c in Bulgarien teil und traf dort u. a. ihre Kollegen <em>Les Humphries<\/em> und <em>J\u00fcrgen Marcus<\/em>. Sie interpretierte erneut \u201eLove Is Taking A Holiday\u201c und war \u00e4hnlich \u201eerfolgreich\u201c damit wie zuvor in Tokio.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besser lief es da f\u00fcr den Song, in dem Marianne getreu dem Motto \u201ePr\u00fcfe, wer sich ewig bindet\u201c empfiehlt: \u201e<strong>Lass Dir Zeit<\/strong>\u201c. Auf dem H\u00f6hepunkt der Sexwelle mahnte Marianne (bzw. ihr Texter <em>Hans-Ulrich Weigel<\/em>): \u201eEine Nacht ist nicht das ganze Leben! \u2013 Morgen tut es Dir Leid!\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht h\u00e4tte auch Bruder <em>Janosch <\/em>diesen Rat beherzigen sollen \u2013 unter <em>Joachim Heiders<\/em> Regie begann in dieser Zeit auch er mit der Produktion von Schallplatten, konnte aber nicht ansatzweise mit dem Erfolg seiner Schwester mithalten. Selbst ein gemeinsamer TV-Auftritt Mariannes mit ihrem Bruder anl\u00e4sslich dessen dritter Single (\u201eSusie Darling\u201c) konnte daran nichts \u00e4ndern. \u201e<strong>Ein Stern erwacht<\/strong>\u201c, so der Titel der n\u00e4chsten Single von Marianne Rosenberg, konnte daher wohl nicht auf <em>Janosch<\/em> gem\u00fcnzt sein. Tr\u00f6stlich d\u00fcrfte sein, dass zumindest bei Rosenbergs mehr Wohnfl\u00e4che vorhanden war \u2013 die ganze Familie zog innerhalb Berlins in ein Eigenheim im Gr\u00fcnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend der erwachende Stern eher konservativ produziert wurde, war der n\u00e4chste Song eine vom amerikanischen Philly-Sound gepr\u00e4gte Disco-Nummer mit originellem Text: \u201e<strong>W\u00e4ren Tr\u00e4nen aus Gold<\/strong>\u201c war ein Top-20-Hit und so modern produziert, dass die zweite, wieder eher konservativ produzierte Single des Jahres, \u201e<strong>Karneval\u201c<\/strong>, an diesen Erfolg nicht anschlie\u00dfen konnte und gerade mal 2 Wochen in den Verkaufs-Bestenlisten sich halten konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem Marianne Rosenberg in den Vorjahren zwei mal bei Songfestivals keinen Erfolg hatte, probierte sie es am 3. Februar 1975 im \u201eJahr der Frau\u201c erneut, sich dem Wettbewerb zu stellen \u2013 diesmal bewarb sie sich mit dem Lied \u201e<strong>Er geh\u00f6rt zu mir<\/strong>\u201c f\u00fcr den Grand Prix Eurovision. Zwar sprang erneut \u201enur\u201c ein 10. Platz (von 15 Teilnehmern) raus, der Song wurde aber ein sehr gro\u00dfer Verkaufs-Erfolg und ist bis heute ein echter Evergreen. Das Rezept des Philadelphia-Sounds (exponierte Bl\u00e4ser- und Streichereins\u00e4tze zum treibenden Rhythmus) ging erneut auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor genau 40 Jahren war dieser Top-10-Hit, der von vielen Kult-S\u00e4ngern sp\u00e4ter noch mal neu aufgenommen wurde und sp\u00e4ter zur Hymne der Schwulen-Bewegung wurde, in der Verkaufshitparade. Getextet wurde der Song vom RIAS-Radiomoderator <em>Gregor Rottschalk<\/em>, der sp\u00e4ter u. a. ja <em>Peter Maffays<\/em> Zauberdrachen Tabaluga miterfand. F\u00fcr Marianne textete er unter dem Pseudonym <em>Christian Heilburg<\/em>. Dass er kein ausgebildeter Textdichter war, kann man einer augenzwinkernden Analyse der Hamburger Kabarettistin <em>Fanny M\u00fcller<\/em> entnehmen, die \u201eunsaubere Reime\u201c in dem Lied moniert: <em>\u201eNein, ich hab es ihm nie leicht gemacht \/ nanana\u2026 \/ mehr als einmal hab\u2018 ich mich gefra<strong>ch<\/strong>t..\u201c<\/em> und <em>\u201eSteht es in den Sternen, was die Zukunft bri<strong>nn<\/strong>t \u2013 oder muss ich lernen, dass alles zerrinnt\u201c<\/em> nennt sie als Beispiel und stellt die Frage, was das \u201eoder\u201c im zweiten Zitat bedeuten soll. Konstruktiv bietet sie aber eine eigene Textvariante an: <em>\u201eEr geh\u00f6rt zu mir \u2013 wie mein Arsch zum Klopapier\u201c<\/em>\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie dem auch sei, mit zunehmender Zeit gewann Marianne Rosenberg durch ihre Auftritte nicht nur im TV und Rundfunk, sondern auch in Discotheken und Clubs an Souver\u00e4nit\u00e4t und entwickelte sich zur ausdrucksstarken Live-Interpretin. Dennoch \u00fcberrascht es, dass all ihre Super-Hits dieser Zeit sich in der ZDF-Hitparade nicht durchsetzen konnten. Dass Marianne einmal versehentlich als \u201e<em>Juliane Werding<\/em>\u201c angesagt wurde, kann man da wohl nicht als Ausrede gelten lassen. Auch der Disput ihres Vaters mit Hitparaden-Regisseur <em>Truck Branss<\/em> (<em>Otto Rosenberg<\/em> wollte seinem T\u00f6chterchen ein kurzes Samtkleid verpassen, <em>Truck Branss<\/em> bestand auf einen Hosenanzug) d\u00fcrfte hier keine entscheidende Rolle gespielt haben. \u00a0Interessant ist in dem Zusammenhang die \u00c4u\u00dferung in einem Anfang der 80er Jahre gef\u00fchrten Interviews mit ihr: \u201e<em>Was mir wirklich Spa\u00df macht, ist Studioarbeit. Weil ich da kreativ arbeiten kann. Auftritte empfinde ich nur reproduzierend, es sei denn, ich trete mit Band auf, was ich aber zur Zeit nicht mache.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der zweite Song, der 1975 im Oktober ver\u00f6ffentlicht wurde, war \u00e4hnlich aufwendig produziert wie \u201eEr geh\u00f6rt zu mir\u201c \u2013 entsprechend ist nur folgerichtig, dass auch \u201e<strong>Ich bin wie Du<\/strong>\u201c ein Top-20-Hit wurde. Der Titel wurde in deutscher Sprache auch in Belgien und in den Niederlanden ver\u00f6ffentlicht \u2013 dort schaffte er es sogar bis auf Platz 2 der Verkaufshitparade . Marianne trat mit dem Song auch im belgischen und niederl\u00e4ndischen Fernsehen auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seinem Buch \u201eKatzeklo und Caprifischer\u201c sieht Autor <em>Thommi Herrwerth<\/em> einen Zusammenhang zwischen gerade diesem Titel und Mariannes Aufstieg zur \u201eSchwulen-Ikone\u201c: \u201e<em>Und sp\u00e4testens, als sie ihren Titel \u201aIch bin wie Du\u2018 sang, wurde sie \u00fcber Nacht zur Schutzheiligen s\u00e4mtlicher Schwulen der Republik geadelt \u2013 wer sonst h\u00e4tte sich mit der Titelzeile dieses Songs besser identifizieren k\u00f6nnen? Ein heterosexueller J\u00fcngling, der seiner Angebeteten die Er\u00f6ffnung \u201aIch bin wie Du\u2018 macht \u2013 was soll das f\u00fcr einen Sinn haben? Wenn hingegen Schwule voller Inbrunst in diese Zeile mit einstimmen, so ist das passend \u2013 weil es eben im ganz w\u00f6rtlichen Sinne zutrifft. Gewiss steckte kein Kalk\u00fcl dahinter, und vermutlich haben sich Frau Rosenberg und ihr Produzent selbst am meisten dar\u00fcber gewundert, dass ihre Ges\u00e4nge sich gerade in der homosexuellen Subkultur so au\u00dferordentlich gro\u00dfer Beliebtheit erfreuen. Doch oft sind es nichts weiter als Wortfetzen, die den Erfolg eines Songs begr\u00fcnden. Und die Zeile \u201aIch bin wie Du\u2018 traf nun mal zuf\u00e4llig haargenau den Nerv der schwulen Szene<\/em>\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcberhaupt wurde Marianne in dieser Zeit internationaler \u2013 f\u00fcr den internationalen Markt wurden englische Versionen von \u201eKarneval\u201c (\u201eOne More Time\u201c), \u201eNimm den gold\u2019nen Ring zur\u00fcck\u201c (\u201ePlay Your Love Song\u201c) \u201eEr geh\u00f6rt zu mir\u201c (\u201eHow Can I Go Now\u201c) und \u201eIch bin wie Du\u201c (\u201eA V.I.P\u201c) produziert. Die letztgenannten Songs wurden u. a. in England, Spanien, Skandinavien, Argentinien, Japan und S\u00fcdafrika ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der 1976 erschienenen LP \u201eIch bin wie Du\u201c machte Marianne Rosenberg einen weiteren Satz nach vorne, die Qualit\u00e4t der Produktion war inzwischen so stark, dass ihr Name in einem Atemzug mit dem von Gr\u00f6\u00dfen wie <em>Silver Convention<\/em> und <em>Donna Summer<\/em> fiel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem sie sich in der deutschen Vorentscheidung im Vorjahr nicht durchsetzen konnte, versuchte Marianne es im Folgejahr f\u00fcr das Gro\u00dfherzogtum Luxemburg \u2013 auch hier hat es nicht gereicht \u2013 ihr \u201eTout Peut Arriver Au Cinema\u201c wurde \u201enur\u201c Dritter von f\u00fcnf Teilnehmern. Ironie des Schicksals: Sieger dieser Vorentscheidung wurde <em>J\u00fcrgen Marcus<\/em>, der im Vorjahr (wie Marianne) in Deutschland mit einem Super-Hit scheiterte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erneut wurde die deutsche Version dieses Eurovisions-Beitrags ein Top-10-Hit: \u201e<strong>Lieder der Nacht<\/strong>\u201c, abermals im Philly-Sound gehalten, wurde ein gro\u00dfer Erfolg in Deutschland. Sehr originell war die Idee, im Liedtext die damals aktuellen Hits aufzuz\u00e4hlen \u2013 u. a. kam damit der \u201eGriechische Wein\u201c erneut zu ungeahnten Ehren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 26.05.1976 wurde in der ARD in der Reihe \u201eTreffpunkte\u201c (SWF) ein zw\u00f6lfmin\u00fctiger Kurzfilm <em>Rosa von Praunheims<\/em> \u00fcber Marianne ausgestrahlt \u2013 vielleicht war das bereits die Geburtsstunde ihrer Affinit\u00e4t zur Schwulen-Bewegung (Frage: \u201eWie stehst Du zur Schwulen-Bewegung?\u201c Antwort: \u201eEs st\u00f6rt mich nicht\u201c). Sehr interessant ist die Frage von Praunheims danach, ob der Name Rosenberg nicht j\u00fcdisch sei und ob w\u00e4hrend der Nazizeit eine Verfolgung stattgefunden habe. Im Film zu sehen ist nur Mariannes z\u00f6gerliche \u201enein\u201c-Antwort \u2013 sp\u00e4ter hat Rosa von Praunheim aufgekl\u00e4rt, dass bei dieser Frage die anwesende Mutter Marianne eingegriffen habe (\u201edas geht ans Image\u201c).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im November 1976 erschien dann die LP \u201eLieder der Nacht\u201c, auf der auch die n\u00e4chste Single enthalten war, die Mariannes gr\u00f6\u00dfter Hit werden sollte: \u201e<strong>Marleen\u201c<\/strong> hei\u00dft die Nebenbuhlerein, die Marianne erst umschw\u00e4rmt und anschlie\u00dfend inst\u00e4ndig bittet, \u201ezu geh\u2019n\u201c \u2013 bis heute ein Schlager aus dem Leben, der mit bombastischen Arrangement noch immer gut produziert klingt, wobei Experten diagnostizieren, <em>Dolly Parton<\/em> habe einen Text sehr \u00e4hnlichen Inhalts in ihrem Song \u201eJolene\u201c ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit ihren 1976er Hits wurde Marianne von den Bravo-Lesern zur drittbesten S\u00e4ngerin des Jahres gew\u00e4hlt, wof\u00fcr ihr der \u201ebronzene Otto\u201c des Jahres verliehen wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Folgejahr ist eine B-Seite bemerkenswert: Der Disco-Moderator <em>Ilja Richter<\/em> stieg ins Plattengesch\u00e4ft ein. Marianne und <em>Ilja<\/em> lebten (unbemerkt von der \u00d6ffentlichkeit) l\u00e4ngere Zeit als (wie <em>Richter<\/em> sich ausdr\u00fcckt) \u201ekeusches\u201c Paar zusammen. Problematisch f\u00fcr die Beziehung waren wohl die starken Eltern-Pers\u00f6nlichkeiten: Bei <em>Ilja<\/em> war die Mutter quasi immer dabei, bei Marianne der Vater. Dennoch behauptete Ilja in seiner Biografie, dass Marianne ihn mit dem Song \u201eEr geh\u00f6rt zu mir\u201c gemeint habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie dem auch sei, erschien 1977 eine Single von <em>Ilja Richter<\/em>, dessen R\u00fcckseite ein Duett mit Marianne war. Spannend: Erstmals wurde eine Komposition von Marianne Rosenberg auf einer Schallplatte ver\u00f6ffentlicht. Den Text zum Duett \u201e<strong>My Sweet Joker<\/strong>\u201c schrieb <em>Ilja Richter<\/em>, produziert wurde die Schallplatte vom sp\u00e4teren Texter f\u00fcr <em>Udo J\u00fcrgens<\/em> und fr\u00fcheren \u201eTr\u00f6dler Abraham\u201c <em>Wolfgang Hofer<\/em>. Auf <em>Ilja Richter<\/em>s sp\u00e4ter erschienenen Langspielplatte erschien ein weiteres Duett mit Marianne: \u201eIch hab\u2018 auch einen Stargast\u201c war ein Medley aus diversen Rosenberg-Songs, die aber teilweise andere Textpassagen hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Erwartungen f\u00fcr die Nachfolgesingle von \u201eMarleen\u201c waren hoch \u2013 leider konnte der Song \u201e<strong>Einen Tag mehr als f\u00fcr immer<\/strong>\u201c diese Erwartungen nicht im Ansatz erf\u00fcllen. Die Schallplatte hielt sich genau eine Woche in der Verkaufs-Hitparade.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1977 geschah dann auch mit Marianne Rosenberg das, was bei so vielen Schlagerstars der damaligen Zeit passierte: Ihre Lieder wurden ihr zu trivial, sie wollte anspruchsvollere Lieder singen. In einem Interview mit dem Stern sagte sie seinerzeit, sie wolle mit drei\u00dfig Chansons singen: \u201e..so was wie <em>Aznavour gef\u00e4llt mir sehr<\/em>\u201c, gab sie zu Protokoll. In einem im Schlagerbuch \u201eRote Lippen\u201c ver\u00f6ffentlichten Interview aus 1982 sagte sie: <em>\u201e1977 war Marleen durch, und das habe ich noch gut gefunden. Aber dann sollte es immer das gleiche sein. Da habe ich gelitten\u201c.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Z\u00e4hneknirschend gingen Plattenfirma und Produzent <em>Joachim Heider<\/em> auf ihre W\u00fcnsche ein \u2013 und es entstand die LP \u201eWar es wirklich gestern?\u201c. Es kam, was kommen musste: Die Umsatzzahlen gingen stark zur\u00fcck, und die ausgekoppelte Single \u201e<strong>Nimm Dir Zeit f\u00fcr sie (eh\u2018 die Zeit sie Dir nimmt)<\/strong>\u201c kam erstmals nach vielen Jahren nicht mehr in die Single-Verkaufshitparade.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl der Erfolg r\u00fcckl\u00e4ufig war, wurde Marianne Rosenberg von der Leserschaft der Bravo erneut mit dem \u201eBronzenen Otto\u201c als drittbeliebteste S\u00e4ngerin des Jahres 1977 gew\u00e4hlt. Der Versuch, mit der Disco-Nummer \u201e<strong>Schade, ich kann Dich nicht lieben<\/strong>\u201c auch wieder Charts-m\u00e4\u00dfig in die Spur zu kommen, hat hingegen nicht funktioniert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Fr\u00fchjahr 1978 wurde dann der dritte Versuch unternommen, Deutschland beim Grand Prix Eurovision vertreten zu d\u00fcrfen. Der Song \u201e<strong>Nein \u2013 weinen werd\u2018 ich nicht<\/strong>\u201c fiel aber bei der damals entscheidenden \u201eFach\u201c-Jury durch. Diese \u201eFachleute\u201c waren der Meinung, dass keiner der damals eingereichten Songs tauglich sein, Deutschland w\u00fcrdig beim Grand Prix zu vertreten. So schickte man dann den vom Publikum ausgew\u00e4hlten Song \u2013 <em>Ireen Sheers<\/em> \u201eFeuer\u201c, das von der \u201eFach\u201c-Jury abgelehnt wurde, war dabei der erfolgreichste Eurovisions-Song Deutschlands seit vielen Jahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Cover f\u00fcr \u201eNein \u2013 weinen werd\u2018 ich nicht\u201c war schon fertiggestellt, man entschloss sich schlie\u00dflich dann aber doch f\u00fcr eine andere Single-Auskopplung aus der neuen LP \u201eFl\u00fcsterndes Gras\u201c, n\u00e4mlich \u201e<strong>Cariblue<\/strong>\u201c, die ihre Plattenfirma zusammenfasste mit \u201eInsel-Tr\u00e4ume mit Disco-Touch\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit \u201e<strong>Andreas (f\u00fcr einen Sommer hielten wir die Sonne an)<\/strong>\u201c wurde ein melancholisch-ruhiger, nachdenklicher 5 \u00bd-Minuten-Song aus \u201eFl\u00fcsterndes Gras\u201c ausgekoppelt, aber diese Musikrichtung, die Marianne Rosenberg ja w\u00fcnschte (ihr Vorbild war ja u. a. <em>Charles Aznavour<\/em>), kam beim breiten Publikum, das sie als Philly-Disco-Sound-S\u00e4ngerin verehrte, nicht an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die erste Single 1979, \u201e<strong>Wo ist Jane?<\/strong>\u201c stand unter keinem Stern. Marianne verbrachte den Jahreswechsel 1978\/79 in einer Berliner Klinik, da sie unter einer schweren Nierenentz\u00fcndung litt, was dazu f\u00fchrte, dass sie einige Promotion-Termine absagen musste. Der Song, der erstmals nach Jahren nicht von <em>Gregor Rottschalk<\/em>, sondern <em>Horst Herbert Krause,<\/em> der sp\u00e4ter auch mit <em>Herbert Gr\u00f6nemeyer<\/em> und <em>Andrea Berg<\/em> zusammenarbeitete, getextet wurde, fand erneut in den Verkaufs-Hitparaden nicht statt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem ihre \u201ema\u00dfgeschneiderten\u201c Songs nicht mehr liefen, griff <em>Joachim Heider<\/em> zur Wunderwaffe der 70er Jahre und produzierte mit Marianne die deutsche Version von <em>Blondie<\/em>s \u201e<strong>Herz aus Glas<\/strong>\u201c (deutscher Text: <em>Fred Jay<\/em>, der ja schon Mariannes Erstlingswerke getextet hatte) \u2013 und erstmals seit langer Zeit hatte man damit wieder einen Hit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von der Kinderzeitschrift \u201eSiehste\u201c bekam Marianne daf\u00fcr die \u201eAuszeichnung\u201c \u201eKaputte Rille\u201c, die f\u00fcr deutschsprachige \u00dcbersetzungen ausl\u00e4ndischer Hits vergeben wurde, die sich durch besonders schlimme Texte auszeichneten. Die Goldene Schallplatte f\u00fcr den Song bekam <em>Blondie <\/em>&#8211; allerdings von Frau Rosenberg \u00fcberreicht. Kleines Schmankerl am Rande: Es gab die Panne, dass der Award in einem funklosen Taxi vergessen wurde und dank Rundfunk-Intervention dennoch \u00fcberreicht werden konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schnell wurde eine neue LP produziert: \u201e<strong>Und die Liebe, sie kam<\/strong>\u201c. Die gleichnamige Single, eine romantische, gef\u00fchlvolle \u201eMa\u00dfanfertigung\u201c, floppte genau so wie die im Disco-Mix ausgekoppelte Scheibe \u201e<strong>Sie ist kalt!<\/strong>\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Siebziger Jahre schloss die Rosenberg mit einer Werbung f\u00fcr die Kaffeemarke \u201eOnko\u201c ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum zehnj\u00e4hrigen \u201eBerufs-Jubil\u00e4um\u201c wurde Marianne Rosenberg mitgeteilt, dass sie erneut bei der deutschen Vorentscheidung zum Grand Prix mitmachen durfte. Das Erfolgsrezept, teilzunehmen, NICHT zum Grand Prix zu fahren und dennoch einen gro\u00dfen Hit zu landen, ging diesmal nicht auf. Im Nachhinein sieht Marianne daf\u00fcr zwei Gr\u00fcnde, die sie in ihrer Autobiografie schildert. Neben ihrer \u2013 Zitat \u2013 \u201e<em>scheu\u00dflichen Zwanziger-Jahre-Frisur<\/em>\u201c (eine damals moderne Kurzhaarfrisur namens \u201eFarouche\u201c (Mischmasch) sah sie ihren Produzenten <em>Joachim Heider<\/em> als schuldig an, \u201e<em>weil er ein Klagelied komponierte, dessen theatralischer Text seinesgleichen suchte<\/em>\u201c. In der Tat kam \u201e<strong>Ich werd\u2018 da sein, wenn es Sturm gibt<\/strong>\u201c auf den letzten Platz von 12 Teilnehmern. Der Song wurde dann als B-Seite der n\u00e4chsten Single ver\u00f6ffentlicht, deren A-Seite \u201e<strong>Traumexpress<\/strong>\u201c war, aber auch kein Erfolg wurde. Einige Monate sp\u00e4ter wurde unter gleichem Namen auch ein neues Album ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der (auch auf diesem Album enthaltenen) n\u00e4chsten Single ging man wieder auf \u201eNummer Sicher\u201c \u2013 erneut wurde ein Hit der S\u00e4ngerin <em>Deborah Harry<\/em> alias <em>Blondie<\/em> gecovert \u2013 aus \u201eCall Me\u201c, einem Song aus dem US-Film \u201eAmerican Gigolo\u201c, \u00a0wurde \u201e<strong>Ruf an!\u201c. <\/strong>Es reichte immerhin f\u00fcr einen 54. Platz in der Verkaufshitparade.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Anschluss entschloss sich Marianne Rosenberg zu einem Schritt mit weitreichenden Konsequenzen: Sie trennte sich von ihrem langj\u00e4hrigen Produzenten und Song-Schreiber <em>Joachim Heider<\/em>, in den sie lt. Angaben in ihrer Autobiografie zeitweise (\u201eeinseitig\u201c) verliebt war. 1980 sind diese Gef\u00fchle wohl erkaltet. Der Bild-Zeitung gab sie zu Protokoll: <em>\u201eDie Zusammenarbeit mit Achim Heider klappte nach \u00fcber zehn Jahren nicht mehr. Ich will mal Lieder im anderen Stil singen\u201c.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachfolger als Produzent wurde <em>Peter Wagner<\/em>, der lange Jahre unter <em>Heider <\/em>als Tontechniker t\u00e4tig war. (Eine \u00e4hnliche Konstellation gab es einige Jahre sp\u00e4ter auch bei <em>Udo J\u00fcrgens<\/em>, bei dem <em>Peter Wagner<\/em> auf <em>Heider <\/em>folgte). Mit <em>Peter Schirmann<\/em> als Arrangeur und Co-Produzent blieb ein weiterer wichtiger f\u00fcr den Rosenberg-Sound Verantwortlicher an Bord.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die erste Single mit dem \u201eneuen\u201c Team bestand aus zwei Cover-Songs. Aus dem von <em>Barry<\/em> und <em>Robbin Gibb<\/em> komponierten und von <em>Barbara Streisand<\/em> interpretierten Welthit \u201eWoman In Love\u201c wurde mit deutschem Text von <em>Bernd Meinunger<\/em> \u201e<strong>Ich hab\u2018 auf Liebe gesetzt<\/strong>\u201c. Aus dem <em>ABBA-<\/em>Welthit \u201eThe Winner Takes It All\u201c wurde \u201e<strong>Nur Sieger steh\u2019n im Licht<\/strong>\u201c. Kurioserweise wurde \u201eWoman In Love\u201c auch von <em>Gitte Haenning<\/em> in deutscher Sprache interpretiert (\u201eDie Frau, die Dich liebt\u201c) \u2013 sie bekam den Zuschlag f\u00fcr die ZDF-Hitparade. Problematisch war, dass bei der Lizenzvergabe f\u00fcr die deutsche Version in den Vertr\u00e4gen das Wort \u201eexklusiv\u201c fehlte. Da nutzte <em>Marianne Rosenberg<\/em> wenig, dass sie als Erste den Zuschlag erhielt. Immerhin platzierte sie sich mit \u201eNur Sieger steh\u2019n im Licht\u201c in der ZDF-Hitparade und war mehrere Monate in den Top-40 der deutschen Verkaufs-Hitparade.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der rockige Song \u201e<strong>Gro\u00dfer Meister, hast Du grad mal Zeit f\u00fcr mich?\u201c<\/strong> \u00fcber einen plumpen Typen, der Eindruck schinden will, wurde von <em>Bernd Meinunger<\/em> getextet, komponiert haben den Song die \u201eneuen\u201c Produzenten <em>Peter Wagner<\/em> (unter Pseudonym <em>Peter Vaylon<\/em>) und <em>Peter Schirmann<\/em> (unter Pseudonym <em>Richard Seddin<\/em>). Mit dem Song war sie auch zu Gast in <em>Ilja Richters<\/em> einmalig ausgestrahlter Show \u201eMusikpalette\u201c vom 03.09.1981, wo sie ihren Song schauspielerisch darstellen konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit \u201eIch brauche Dich\u201c erschien 1981 die letzte LP auf dem Philips\/Phonogram-Label, die gleichzeitig die erste nicht von <em>Joachim Heider<\/em>, sondern von <em>Peter Wagner<\/em> und <em>Peter Schirrmann<\/em> produzierte LP war. Die letzte Single bei dem Label war die von niemand geringerem als <em>Peter Maffay<\/em> komponierte Platte \u201e<strong>Ich hab\u2018 Angst vor dieser Nacht<\/strong>\u201c. In dem Text von <em>Bernd Meinunger<\/em> wird die Situation einer Frau beschrieben, die vor Sehnsucht und Begehren nicht einschlafen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hintergedanke des Plattenwechsels hin zur RCA war, dass die Rosenberg sich musikalisch weiter entwickeln und sich nicht mehr selbst kopieren wollte \u2013 dem Vernehmen nach war vereinbart, dass sie k\u00fcnftig befreit von Image-Zw\u00e4ngen agieren k\u00f6nne.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie wurden diese \u00dcberlegungen umgesetzt? Die erste Single bei RCA war eine Coverversion von <em>ABBA <\/em>\u2013 erneut ist es gelungen, die deutsche Version eines <em>ABBA<\/em>-Songs interpretieren zu d\u00fcrfen. Aus \u201eOne Of Us\u201c machte <em>Bernd Meinunger<\/em> \u201e<strong>Ich sah Deine Tr\u00e4nen<\/strong>\u201c. Genau eine Woche konnte das RCA-Debut sich in den Verkaufs-Charts halten \u2013 das war auf Jahre hinweg die vorerst letzte Charts-Pr\u00e4senz Mariannes. Immerhin wurde in der ZDF-Hitparade ein zweiter Platz erreicht \u2013 das gelang ihr zuvor lediglich mit \u201eMr. Paul McCartney\u201c und ist um so erstaunlicher, als sie den Titel lustlos (Kaugummi kauend) vortrug und ja (, wie in ihrer Autobiografie zu lesen ist,) den Ansatz hatte, m\u00f6glichst ohne Blessuren aus ihren Vertr\u00e4gen herauszukommen. So konnte sie im Mai 1982 in <em>Heck<\/em>s Hitparade ihren Titel nicht erneut singen, weil sie eine \u201eKehlkopfentz\u00fcndung\u201c plagte. Ein Schelm, der B\u00f6ses dabei denkt\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Fr\u00fchjahr 1982 wurde der f\u00fcnfte Versuch unternommen, beim Grand Prix Eurovision teilzunehmen. In ihrer Autobiografie schrieb Marianne: \u201e<em>Es gibt nicht viel in meinem Leben, was ich bereue, aber diesen Song h\u00e4tte ich nicht singen sollen.\u201c<\/em> Sp\u00e4ter hei\u00dft es: \u201e<em>Ich lie\u00df mich von der Plattenfirma erpressen, diesen Song zu singen und an der Ausscheidung teilzunehmen. Das machen Plattenfirmen, wenn die Ums\u00e4tze nicht stimmen. Dann ist es nicht mehr relevant, ob die Musik passend ist, denn der Verlust muss wieder ausgeglichen werden. Ich bin darauf reingefallen.\u201c \u2013 <\/em>Irgendwie passt diese Nachbetrachtung so gar nicht zum Ansatz, warum sie zur RCA gewechselt ist, aber sei\u2019s drum. Allein die Arbeitsweise <em>Ralph Siegels<\/em> <em>(\u201eEin Dirigent beim Singen im Studio, das hatte ich noch nie erlebt, das irritierte mich\u201c)<\/em> passte ihr nicht, ebenso wenig ihr nicht aus freien St\u00fccken ausgew\u00e4hltes Outfit (Lied <strong>\u201eBlue Jeans Kinder\u201c,<\/strong> Outfit blaues Kleid(!) und blaue Stiefel).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor diesem Hintergrund ist der 8. Platz bei der Vorentscheidung ja fast noch als Erfolg zu werten, zumal das Siegerlied \u201eEin bisschen Frieden\u201c (vom gleichen Autorengespann: <em>Ralph Siegel<\/em> und <em>Bernd Meinunger<\/em>) ja einen historischen Sieg f\u00fcr Deutschland beim Grand Prix einfahren konnte. Leider ging auch diesmal die Formel \u201eFlop beim Grand Prix \u2013 Hit beim Verkauf\u201c, die bei \u201eEr geh\u00f6rt zu mir\u201c und \u201eLieder der Nacht\u201c funktioniert hatte, nicht auf \u2013 die Single \u201eBlue Jeans Kinder\u201c, die \u00fcbrigens \u201eeigentlich\u201c die Jugend der Sechziger zum Thema hatte,\u00a0 lag zu Zeiten der \u00fcberschwappenden Neuen Deutschen Welle wie Blei in den Regalen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem diese RCA-Produktionen \u00fcberhaupt nicht liefen und vom Image-Wechsel auch nicht wirklich viel zu bemerken war, wurde Marianne f\u00fcr ein Duo mit der Hagener Neue Deutsche Welle-Band <em>Extrabreit <\/em>freigegeben \u2013 gemeinsam mit <em>Kai Havaii<\/em> (b\u00fcrgerlich <em>Kai Schlasse<\/em>) sang sie das \u201e<strong>Duo Infernal\u201c<\/strong>, den <em>Kai <\/em>als \u201eBr\u00fcckenschlag zwischen alter und neuer Szene\u201c verstanden wissen wollte. Nicht nur musikalisch, auch optisch setzte sie nun ein Zeichen, indem sie einen punkigen Haarschnitt mit pinkfarbener Str\u00e4hne trug. Was genau mit \u201eMir steh\u2019n die Haare zu Berge, und mein Blut st\u00fcrzt zu Tal \u2013 wir beide sind das Duo Infernal\u201c genau gemeint ist, kann man vielleicht erahnen, wenn man die roten \u201eKrallen\u201c Mariannes sieht oder Fotos von Marianne im schwarzen geschlitzten Kleid. Wenngleich die Begegnung der Welten musikhistorisch bedeutend war \u2013 erstaunlicherweise kam der Song nicht in die Charts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob es an der neuen musikalischen Stil-Richtung seiner Tochter lag, ist nicht \u00fcberliefert \u2013 allerdings erlitt <em>Otto Rosenberg<\/em> einen Herzinfarkt und beschloss, Mariannes Management und Sekretariat k\u00fcnftig an Mariannes Schwester <em>Tamara<\/em> zu geben \u2013 \u201ees bleibt in der Familie\u201c. Eine Ma\u00dfnahme, die eingeleitet wurde, war, dass Post k\u00fcnftig nicht mehr an die Fanclubs, die seinerzeit aufgel\u00f6st wurden, gehen sollte, sondern an Marianne selbst (bzw. ihr Sekretariat, sprich ihre Schwester <em>Tamara<\/em>). In einem Interview f\u00fcr das Jugendmagazin \u201eBlickpunkt\u201c sagte Marianne: <em>\u201eWenn Du zu Deinem Fan-Club gehst, darfst Du Dich \u00fcberhaupt nicht weiter entwickeln. W\u00fcrdest Du da auf einen Rat warten \u2013 na, entsetzlich!\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Konservative Schlagerfreunde, die \u201ehofften\u201c, der Rock-Ausflug Mariannes sei eine einmalige Sache gewesen, wurden entt\u00e4uscht: Mit \u201e<strong>Der Mann vom Kartell<\/strong>\u201c, einer Komposition Marianne Rosenbergs und <em>Peter Wagners<\/em>, getextet von <em>Peter Schirrmann<\/em> und ihrem Extrabreit-Partner <em>Kai Havaii,<\/em> legte sie im Pop-Wave-Synthie-Sound nach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1983 ver\u00f6ffentlichte Marianne Rosenberg eine weitere Single unter dem RCA-Label, den von ihr selbst, <em>Peter Wagner<\/em> und einem \u201e<em>Michael Sand<\/em>\u201c geschriebenen Song \u201e<strong>Einsamkeit<\/strong>\u201c, der leider genau so floppte wie die Vorg\u00e4nger-Single.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stephan Imming, 30.05.2015<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"QvZ0LlNGF0\"><p><a href=\"https:\/\/www.rosenberg.de\/\">Home<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe title=\"&#8222;Home&#8220; &#8212; Marianne Rosenberg\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" src=\"https:\/\/www.rosenberg.de\/embed\/#?secret=QvZ0LlNGF0\" data-secret=\"QvZ0LlNGF0\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neuzugang 28.04.1975!\u00a0 &lt;!-more-&gt; MARIANNE ROSENBERG wurde am 10. 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