{"id":89116,"date":"2015-06-16T00:00:00","date_gmt":"2015-06-16T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=89116"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"PURPLE-SCHULZ-Konzertbericht-vo-89115","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/pop-schlager\/PURPLE-SCHULZ-Konzertbericht-vo-89115\/","title":{"rendered":"PURPLE SCHULZ <br \/>Konzertbericht von Holger St\u00fcrenburg: &quot;III. Rock am Dom&quot; \u2013 &quot;Unplugged Day&quot;!"},"content":{"rendered":"<p>Samstag, 13.06.2015 \u2013 Gelsenkirchen-Buer<br \/>\nmit Purple Schulz, &#8222;Boat People&#8220; &#038; &#8222;Dublinskis&#8220;!<\/p>\n<p>\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun bin ich endlich auch in der Live-Musikszene im Ruhrpott angekommen. Nachdem ich, wie die meisten Leserinnen und Leser vermutlich am Rande mitbekamen, Anfang 2015 dem Norden Deutschlands Lebewohl gesagt und daraufhin in Gelsenkirchen meine Zelte aufgeschlagen habe, wurde es langsam Zeit, mich mal einwenig mit dem konzert&auml;ren und popkulturellen Leben in meiner neuen Heimatstadt vertraut zu machen. Hierzu boten nun am vergangenen Wochenende, 12. bis 14. Juni, zwei hochkar&auml;tige Veranstaltungen einen willkommenen Anlass. Dies war zun&auml;chst am Freitag, dem 12. Juni 2015, und am Samstag, dem 13. Juni 2015, das <strong>&bdquo;III. Rock am Dom&ldquo;-Festival<\/strong> im n&ouml;rdlich gelegenen (1928 eingemeindeten) Stadtteil Gelsenkirchen-Buer.<\/p>\n<p>Mitten auf der im Juli 2011 nach dreij&auml;hriger Bauzeit fertiggestellten Domplatte vor der alteingesessenen Buerer Katholischen Propsteikirche St. Urbanus, hatte die Kreativgemeinschaft VEST, unterst&uuml;tzt von den Sponsoren Volksbank Ruhr Mitte, dem Stromversorger Emscher-Lippe Energie GmbH, kurz &bdquo;ELE&ldquo;, dem Referat Kultur der Stadt Gelsenkirchen und einigen anderen ideellen wie finanziellen Mentoren, unter dem Motto &bdquo;Unplugged Acoustic Summer Sound&ldquo; ein zweit&auml;tiges Popspektakel erster G&uuml;teklasse zusammengezaubert.<\/p>\n<p>W&auml;hrend am Freitagabend vor allem (&uuml;berwiegend) poppig-rockig singende Ch&ouml;re das Publikum begeisterten, erstrahlte am darauffolgenden Samstag die gut gef&uuml;llte Domplatte bei hellstem Sonnenschein, einem leichten Windchen und &ndash; der Kreislauf hat es gedankt &#8211; keiner allzu ausufernden Hitze, als von fast ausschlie&szlig;lich akustischen Instrumenten beherrschter &bdquo;Unplugged Day&ldquo;. Ich hatte beschlossen, mir die letzten drei Bands des samst&auml;glichen Programms zu Gem&uuml;te zu f&uuml;hren &ndash; und wurde wahrlich nicht entt&auml;uscht. Nachdem zuvor die dr&ouml;hnende Gelsenkirchener Metal-Combo <strong>&bdquo;Schnitzel of Destiny&ldquo;<\/strong>, die Sch&uuml;lerband des &ouml;rtlichen Max-Planck-Gymnasiums, <strong>&bdquo;Black Tiger&ldquo;<\/strong>, und das lokale Singer\/Songschreiber-Trio <strong>&bdquo;Berit &amp; the Boys&ldquo;<\/strong> die anwesenden G&auml;ste geh&ouml;rig angespornt hatten, betrat p&uuml;nktlich um 18.00 Uhr die gleichsam aus dem Ruhegebiet stammende Folkrock-Formation <strong>&bdquo;Dublinskis&ldquo;<\/strong> die B&uuml;hne. Der Mac (= Michael Schneider, voc, git), Der Wittich (alias Wittich K&uuml;ppers, key, Akk.) und Der Olli (= Oliver M&uuml;ller, dr.), drei extrem spielfreudige Virtuosen um die 50, entz&uuml;ndeten nun ein regelrechtes Feuerwerk aus traditionellen &bdquo;tierisch irischen&ldquo; (und teilweise auch schottischen) Folkh&auml;mmern, stilgerechten Coverversionen der &bdquo;Pogues&ldquo;, &bdquo;The Dubliners&ldquo; oder &bdquo;Thin Lizzy&ldquo;, vermischt mit trefflich ausgew&auml;hlten Pop\/Rock-Ohrw&uuml;rmern der 70er bis 90er Jahre, von denen die meisten mittels eines fetzigen, hei&szlig;bl&uuml;tigen, jedoch stets strikt akustischen Folk-Punk-Gewandes perfekt aufgefrischt und aufgewirbelt wurden.<\/p>\n<p>Los ging&rsquo;s mit dem rasenden, schottischen Standard <strong>&bdquo;Billy Peddle&ldquo;<\/strong> und dem nicht weniger aufpeitschenden <strong>&bdquo;All for me Grog&ldquo;<\/strong>, einem von den legend&auml;ren &bdquo;Dubliners&ldquo; bekanntgemachten Lobgesang auf Wein, Weib und die (oft daraus folgende) gro&szlig;e Misere. Als erste wahrhaftige H&ouml;hepunkte des kurzweiligen Auftritts des feschen &bdquo;Irish inspired&ldquo; Terzetts k&ouml;nnen so feurige, wie reinrassig stromlos, vulgo &bdquo;unplugged&ldquo; ausgestaltete Neuauslegungen von z.B. &nbsp;Christopher Cross&lsquo; treibend-gehetztem 1980er-Welthit <strong>&bdquo;Ride like the Wind&ldquo;<\/strong>, des genialischen Westcoast-Krachers <strong>&bdquo;Long Train Running&ldquo;<\/strong>, das die Kinder der 70er in erster Linie von der US-Rockband &bdquo;The Doobie Brothers&ldquo; kennen, w&auml;hrend dieser zackig-aufwiegelnde Countryrocker uns eine Dekade sp&auml;ter Sozialisierten von der obskuren Italo-Formation &bdquo;Traks&ldquo; schmackhaft gemacht worden war, und &ndash; der gesamte Domplatz zu Gelsenkirchen-Buer schmetterte den so oft missverstandenen, bitterb&ouml;sen, daher so herrlich offenherzig-dekadenten Text lauthals mit &ndash; des genialischen <strong>&bdquo;Great Song of Indifference&ldquo;<\/strong> von &bdquo;Live-Aid&ldquo;-Benefiz-Ikone Sir Bob Geldof, bezeichnet werden.<\/p>\n<p>Die &bdquo;Dublinskis&ldquo; pr&auml;sentierten zudem den unzerst&ouml;rbaren <strong>&bdquo;Wild Rover&ldquo;<\/strong>, jenes sagenumwobene irische Volkslied, das um 1830 entstanden war und nicht einmal von dem unseligen Bl&ouml;del-Duo &bdquo;Klaus &amp; Klaus&ldquo; im Herbst vor genau 30 Jahren &bdquo;an der Nordseek&uuml;ste&ldquo; hatte zerst&ouml;rt werden k&ouml;nnen, sowie &ndash; aus dem unvergleichlichen Repertoire der unvergessenen 80er-Folkpunk-Legende &bdquo;The Pogues&ldquo; &ndash; <strong>&bdquo;Streams of Whiskey&ldquo;<\/strong> (1984) und <strong>&bdquo;If I should fall from Grace with God&ldquo;<\/strong> (1988). Aus der j&uuml;ngeren Zeit fanden der introvertierte Schleicher <strong>&bdquo;Forgotten, not forgiven&ldquo;<\/strong> des irischen Pop-Quartetts &bdquo;The Corrs&ldquo;, die depressive Pianoballade <strong>&bdquo;Clocks&ldquo;<\/strong> von &bdquo;Coldplay&ldquo; (&uuml;brigens einer der absoluten Lieblingsbands der &bdquo;Dublinskis&ldquo;) sowie &ndash; ganz zum Schluss &ndash; deren&nbsp; 2000er-Deb&uuml;t-Hit <strong>&bdquo;Yellow&ldquo;<\/strong> Eingang in den vielf&auml;ltigen Liederstrau&szlig; der drei aufm&uuml;pfigen Hobby-Iren.<\/p>\n<p>Als eine der letzten Zugaben boten die au&szlig;erordentlich agilen und sehr versiert auftretenden &bdquo;Dublinskis&ldquo; den eigentlich jedem bekannten, rasanten Folkrock-Schlachtruf <strong>&bdquo;Whiskey in the Jar&ldquo;<\/strong> dar. Die zun&auml;chst eher beschauliche Anzahl der Zuschauer auf der Domplatte war w&auml;hrend ihrer weitgehend geradezu grandiosen, spa&szlig;ig-schwei&szlig;treibenden, niemals langweiligen, wom&ouml;glich eint&ouml;nigen Live-Show von ca. 300 auf nun schon &uuml;ber 500 jubelnde, singende und tanzende Menschen angeschwollen, die Stimmung zeigte sich als immer ausgelassener, mitsingfreudiger, fr&ouml;hlicher und sommerlicher, was fraglos ein gutes Omen bedeutete, f&uuml;r die n&auml;chste Attraktion des Abends. Dabei handelte es sich um die sechsk&ouml;pfige Combo <strong>&bdquo;Boat People&ldquo;<\/strong>, die aus den Musikern der Bochumer Gitarrenrock-Band &bdquo;Liquid Assets&ldquo; besteht, zu der sich zu diesem Zwecke ein ums andere Mal die stimmstarke S&auml;ngerin Nico Bansberg, genannt: &bdquo;The Lady&ldquo;, gesellt. Unter dem Namen &bdquo;Boat People&ldquo; versuchen die Musiker, die aus einer hobbym&auml;&szlig;igen Segler-Gemeinschaft hervorgingen, mittels akustischen Instrumentariums &ndash; ergo: Konzertgitarren, Akustikbass, Akkordeon und verschiedensten Percussions &ndash; mehrheitlich bekannten Rock- und Popkompositionen der 80er und 90er Jahre, garniert mit mal filigranen, mal mitrei&szlig;end-hymnischen, selbst erdachten Werken, in einem nicht selten mediterranen, dabei einwenig jazzig-swingenden, und zus&auml;tzlich latent frankophilen Flair, im Sinne eines garstigen, erdverbundenen Chanson-Ambientes mit Widerhaken, neue, ungewohnte Facetten abzugewinnen.<\/p>\n<p><strong>&bdquo;Tubthumbing&ldquo;<\/strong>, 1997 ein globaler Mitgr&ouml;hl-Hit f&uuml;r die britischen Alternative-Popper &bdquo;Chumbawamba&ldquo;, er&ouml;ffnete den rund einst&uuml;ndigen Konzertreigen von &bdquo;Lady Nico&ldquo; und ihren Begleitern, doch nicht, wie es urspr&uuml;nglich der Fall war, als laute, grelle Gitarrenrocknummer ausgekleidet, sondern vielmehr in der faszinierenden Form eines Ska-&auml;hnlichen Punk-Chansons voller Energie und Lebensfreude umgesetzt, direkt gefolgt, radikal dem Fr&uuml;hjahr 1983 entsprungen, und konsequent ins Heute und Hier transferiert, von dem mystischen, einst so synthesizer-&uuml;berfrachteten New-Wave-Drama <strong>&bdquo;Sweet Dreams (are made of this)&ldquo;<\/strong>, im Original von den &bdquo;Eurythmics&ldquo;.<\/p>\n<p>Daran anschlie&szlig;end durfte S&auml;nger Andre&lsquo; Twilfer eine tats&auml;chlich vorz&uuml;gliche, klangliche Eigenkreation namens <strong>&bdquo;Wrong Time Blues&ldquo;<\/strong> vokalistisch anstimmen. Der gute Mann sieht nicht nur aus, wie Ian McCulloch, jener so zerbrechlich-entr&uuml;ckt wirkende Frontmann der famosen 80er-Darkwave-Heroen &bdquo;Echo &amp; the Bunnymen&ldquo;, er klingt auch genauso br&uuml;chig, flehend, gleicherma&szlig;en geradlinig-drastisch &ndash; und hat dar&uuml;ber hinaus seine Lektion in Sachen Tom Waits mehr als nur zufriedenstellend gelernt. An dieses wundervoll d&uuml;ster-fragile Pop-Blues-Kleinod schlossen &ndash; gesungen seitens Nico, &bdquo;The Lady&ldquo; &#8211; der soulige 2010er-Erfolg <strong>&bdquo;Rolling in the Deep&ldquo;<\/strong> von der britischen Teenie-Chanteuse Adele, und &ndash; diesmal in unserer Muttersprache &ndash; eine akustische, entsprechend entschlackte, weniger drall-&uuml;berzeichnete Modifikation des sonst so uns&auml;glich bedeutungsschwanger vor sich hin wabernden 2014er-Selbstbeweihr&auml;ucherungsepos <strong>&bdquo;Auf uns&ldquo;<\/strong> des Augsburger Liedermachers und Pops&auml;ngers Andreas Bourani an.<\/p>\n<p>Gottlob hie&szlig; es nach diesem kurzen Eintauchen in die Untiefen des heutigen teutonischen Massenpop zum Ex-und-Hopp-Gebrauch umgehend ein weiteres Mal &bdquo;Back to the Eighties&ldquo;. Nico versorgte &bdquo;Blondies&ldquo; 1980er-Rei&szlig;er <strong>&bdquo;Call me&ldquo;<\/strong> mit jugendlicher, trotzig-erotischer Dynamik, bevor die &bdquo;Lady&ldquo;, nun gemeinsam mit erw&auml;hntem Ian-McCulloch-Look-a-Like Andre&lsquo; Twilfer, das so atmosph&auml;rische &bdquo;U2&ldquo;-Meisterwerk <strong>&bdquo;With or without you&ldquo;<\/strong> kongenial, beinahe sakral zelebrierte und mit dieser knisternden Interpretation von Bonos aussichtslosem 1987er-Anti-Liebeslied bei letztlich allen mitf&uuml;hlenden Zuh&ouml;rern auf dem Domplatz nicht mehr und nicht weniger ausl&ouml;ste, als real existierendes G&auml;nsehautgef&uuml;hl. Ebenfalls aus der coolen Dekade entliehen sich die &bdquo;Boat People&ldquo; nun Kate Bushs exzentrisches 1985er-Melodram <strong>&bdquo;Running up that Hill&ldquo;<\/strong> oder &ndash; im Fr&uuml;hjahr vor 30 Jahren wochenlang Nummer Eins hierzulande &ndash; <strong>&bdquo;Shout&ldquo;<\/strong> von &bdquo;Tears for Fears&ldquo;.<\/p>\n<p>&bdquo;Boat People&ldquo; spielten die gr&ouml;&szlig;tenteils sehr gel&auml;ufigen Rock- und Pop-Evergreens der letzten 30, 35 Jahre nicht einfach nur nach. Durch die ausnahmslos akustische Inszenierung, den Verzicht auf h&auml;mmernde Schlagzeuge oder alles &uuml;bert&uuml;nchende Synthesizer, legten die oft betagten Nummern in der Umsetzung durch das Ruhrpott-Sextett nicht selten eine spezifische, buchst&auml;blich elektrisierende Form der Urs&auml;chlichkeit, Naturverbundenheit und Echtheit an den Tag &ndash; was im breitgef&auml;cherten Studioarrangement der Urfassungen immer wieder mal der angestrebten Radiotauglichkeit bzw. der kommerzorientierten Anlehnung an den Massengeschmack zum Opfer fiel. Die sechs Mucker aus dem Pott f&uuml;gten den einzelnen Beitr&auml;gen enorm viel Eigenst&auml;ndigkeit, Spritzigkeit und eine deutliche Portion an Individualit&auml;t hinzu, so dass nahezu jeder aufgef&uuml;hrte Titel g&auml;nzlich f&uuml;r sich stand, niemals nur eine schlichte Abkupferung bzw. Kopie darstellte, sondern vielmehr stets das Zeug dazu hatte, unabl&auml;ssig zu einem einwandfreien &bdquo;Boat People&ldquo;-Original auszuwachsen.<\/p>\n<p>Mit einem solchen &ndash; dem liebenswerten, sowieso selbst ersonnenen, gesungenen Lokalpatriotismus namens <strong>&bdquo;Sommernacht im Ruhrgebiet&ldquo;<\/strong>, den die Band, so war es zu vernehmen, schon seit Sch&uuml;lerband-Tagen in den an jenem Abend so oft zitierten 80er Jahren mit sich herumschleppt und seitdem unentwegt mit viel Freude und einem gewissen Augenzwinkern ihren Fans darreicht &ndash; endete die meistenteils brillante Aufwartung einer &ouml;fters sicherlich gew&ouml;hnungsbed&uuml;rftigen, daf&uuml;r aber umso spannenderen, entdeckenswerten Truppe, die am vergangenen Samstagabend eindrucksvoll bewiesen hat, dass man mit viel Witz, Power und Charme aus jedem noch so ausgelutschten Uralt-Radiodauerbrenner doch noch so viel Neues, Unerwartetes, Taufrisches herausholen kann!<\/p>\n<p>Um punkt 20.32 Uhr war es an der Zeit f&uuml;r den langersehnten Hauptact des Abends, vulgo des zweiten und letzten Tages des III. &bdquo;Rock am Dom&ldquo;-Festivals zu Gelsenkirchen-Buer. Wie beschrieben, war das Jahr 1985 mit so manchem Evergreen, wenn auch in zumeist sehr gekonnten, akustischen Auffrischungen, am 13. Juni 2015 des &Ouml;fteren zum Einsatz gekommen. Nun enterte ein wahrhaftig imposanter und hocherfolgreicher musikalischer Mitgestalter des deutschsprachigen Popsommers 30 Years ago die gem&uuml;tliche, kleine B&uuml;hne vor der altehrw&uuml;rdigen St. Urbanus-Pfarrei. <strong>PURPLE SCHULZ<\/strong> hatte mit einer nach ihm benannten K&ouml;lner Popformation vor 30 Jahren eine zeitgeistbestimmende LP vorgelegt, die da hie&szlig; &bdquo;Verliebte Jungs&ldquo;, mehrere &auml;u&szlig;erst reputierliche Hitsingles beinhaltete und fraglos nationale Popgeschichte schrieb &ndash; in einer &Auml;ra, als nach den Irrungen und Wirrungen der inzwischen abgeebbten Neuen Deutschen Welle, endlich wieder fr&ouml;hliche, nicht zu anstrengende, dabei aber durchwegs anspruchsvolle, poppig-rockige Musik mit guten, muttersprachlichen Texten eine nicht zu untersch&auml;tzende Rolle spielte. Die &bdquo;M&uuml;nchener Freiheit&ldquo; geh&ouml;rte in diese Szenerie, ebenso wie &bdquo;Paso Doble&ldquo;, &bdquo;Steinwolke&ldquo;, manch sanftere Beitr&auml;ge von Klaus Lage, Herbert Gr&ouml;nemeyer oder Wolf Maahn &ndash; und eben, ganz oben mit dabei, Purple Schulz.<\/p>\n<p>Bis in die sp&auml;ten 90er Jahre hinein, ver&ouml;ffentlichte der geb&uuml;rtige K&ouml;lner eine qualitativ &uuml;beraus gelungene Scheibe nach der anderen, bis er sich nach dem Millennium erst, gemeinsam mit dem letzten verbliebenen Mitstreiter aus den goldenen 80ern, Josef Piek, als &bdquo;Purple Schulz &ndash; Das Duo&ldquo; im Chanson-, Kleinkunst- und Liedermacher-Umfeld bewegte, um 2012, zusammen mit dem gro&szlig;gewachsenen &bdquo;Schrader&ldquo; (der einfach &bdquo;Schrader&ldquo; hei&szlig;t, so wie &ndash; laut Wolfgang Borchert &#8211; der Tisch den Namen &bdquo;Tisch&ldquo; tr&auml;gt), dem fr&uuml;heren Gitarristen von Guildo Horns &bdquo;Orthop&auml;dischen Str&uuml;mpfen&ldquo;, eine neue Zweier-Kooperation zu begr&uuml;nden, die dann im Herbst genannten Jahres mit &bdquo;So und nicht anders&ldquo; den ersten neuen Purple-Schulz-Longplayer seit 2003 vorgelegte.<\/p>\n<p>Mit dem &bdquo;Schrader&ldquo; teilte sich der &uuml;berzeugte &bdquo;K&ouml;lsche Jong&ldquo; Purple Schulz, der seinerseits Keyboard und Synthesizer bediente, nun auch am vergangenen Samstagabend die B&uuml;hne am Buerer Dom. Der aufmunternde, westcoast-beeinflusste Edelpop <strong>&bdquo;Ich habe Feuer gemacht&ldquo;<\/strong> (aus erw&auml;hnter 2012er-CD &bdquo;So und nicht anders&ldquo;) diente als Startschuss in eine phantastisch austarierte Mixtur aus neueren, oft sehr nachdenklichen Liedern und &ndash; wie kann es anders sein? &ndash; den gro&szlig;en Hiterfolgen der Jahre 1984 bis 1990, als nicht wenige Purple-Schulz-45er zum jeweiligen Jahresende als &sbquo;meistgespielte, deutschsprachige Single des Jahres&lsquo; in die nationalen Popannalen eingingen.<\/p>\n<p>Die zynische Yuppie-Verhohnepiepelung <strong>&bdquo;Sch&ouml;ne Leute&ldquo;<\/strong> (1990) heizte nochmals immens die (ohnehin schon siedende) Stimmung im Auditorium an; in den vorderen Reihen fanden sich nun zumeist keine Teenager mehr &ndash; wie es noch bei den vorherigen Bands &uuml;berwiegend der Fall gewesen war &ndash; sondern fast ausschlie&szlig;lich Zeitzeugen, die gemeinsam mit ihrem Idol in W&uuml;rde gealtert sind, vermutlich bei Ersterscheinen der alten Knaller der Backfisch-Generation jener Tage angeh&ouml;rten, und folglich jedes einzelne Textwort in- und auswendig mitsingen konnten.<\/p>\n<p>Bisher unver&ouml;ffentlicht ist die so liebevolle, wie satirische Auseinandersetzung eben mit dem &Auml;lterwerden (und der damit oft verbundenen Zunahme des K&ouml;rpergewichts), <strong>&bdquo;Das ist doch nicht fair&ldquo;<\/strong>, woraufhin das sehr ernste Chanson <strong>&bdquo;Fragezeichen&ldquo;<\/strong> auf der Setlist stand, in dem sich der sympathische Popcharmeur uss K&ouml;lle am Rhing sehr intensiv, emotional und verst&auml;ndnisvoll mit Morbus Alzheimer\/Demenz auseinandersetzt, an der sein verstorbener Vater die letzten Jahre seines Lebens gelitten hatte, weshalb sich sein Sohnemann seitdem in karitativer Hinsicht stark f&uuml;r demenzkranke Menschen und deren Angeh&ouml;rige einsetzt. Das Musikvideo zu &bdquo;Fragezeichen&ldquo; dient l&auml;ngst als Einleitungs- bzw. Lehrvideo auf Seminaren und Fortbildungen f&uuml;r Pflegekr&auml;fte, die in ihrem Beruf mit diesem hoffnungslosen, unheilbaren Krankheitsbild konfrontiert sind.<\/p>\n<p>Mit dem Themenkreis &bdquo;Familie&ldquo; hat sich Purple Schulz ebenfalls Zeit seiner Karriere mehrfach besch&auml;ftigt, man denke nur an die Verarbeitung einer ungl&uuml;cklichen Kindheit 1985 in dem brachialen Hardrocker &bdquo;Durch Ruinen&ldquo; oder an die zynische Aneinanderreihung h&auml;rtester Erziehungsmethoden im selben Jahr in seinem hektischen Klangdrama &bdquo;Das kleine Herz&ldquo;. Auf erw&auml;hnter 2012er-Silberscheibe &bdquo;So und nicht anders&ldquo; befindet sich die sch&uuml;chtern-verschlossene Ballade <strong>&bdquo;Geheiminis&ldquo;<\/strong>, die sich lyrisch gleichsam mit dem allt&auml;glichen Wahnsinn im Familienleben auseinandersetzt. Nach einigen h&auml;ufig allzu zotigen, nicht immer trefflichen Anspielungen auf den Missbrauchsskandal in der Katholischen Kirche und den religi&ouml;sen Fundamentalismus im allgemeinen, beackert mittels des eher im Comedy-Bereich anzusiedelnden Couplets <strong>&bdquo;So macht das keinen Spa&szlig;&ldquo;<\/strong>, wurde nun endg&uuml;ltig die &uuml;berdimensionale Hit-Schatulle ge&ouml;ffnet: Die von jeher &auml;u&szlig;erst sensible Liebeserkl&auml;rung <strong>&bdquo;Kleine Seen&ldquo;<\/strong> erklang im Duo-Format mit &bdquo;dem Schrader&ldquo; nun noch lieblicher, zarter und feingliedriger, als im radiogerechten 1985er-Original, woraufhin sich Purple, mit von ihm eigens gespielter Blues-Harp verfeinert, durch seinen dunkel-d&uuml;ster-n&auml;chtlichen Verzweiflungsschrei <strong>&bdquo;Sehnsucht&ldquo;<\/strong> (1984) k&auml;mpfte, der ganz besonders, Dank des so bet&ouml;rend ehrlichen Hilferufs &bdquo;Ich will raus!!!&ldquo;, in der ehemaligen &bdquo;DDR&ldquo; einen spezifischen Kultstatus genoss. Purple erz&auml;hlte nicht ohne Stolz, aber daf&uuml;r mit sehr viel Selbstironie gespickt, dass er im Sommer 1989, nur wenige Wochen vor Beginn der Ausreisewelle von &bdquo;DDR&ldquo;-B&uuml;rgern &uuml;ber Ungarn oder die Tschechoslowakische Botschaft in die BR Deutschland, gerade diesen Titel voller Inbrunst im Rahmen einiger Auftritte im &sbquo;Arbeiter-und-Bauern-Staat&ldquo; vorgetragen hatte, viele aus seinem damaligen Publikum ihn bald darauf wortw&ouml;rtlich nahmen &ndash; er selbst aber, der ja diesen freiheitss&uuml;chtigen, sp&auml;ter von so vielen Menschen aus der &bdquo;DDR&ldquo; befolgten Urschrei &bdquo;Ich will raus!!!&ldquo; sozusagen k&uuml;nstlerisch erfunden habe, noch heute auf das Bundesverdienstkreuz f&uuml;r diese gesangliche Heldentat warte \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Zum vorl&auml;ufigen Abschluss tanzten, 30 Jahre nach ihrem kreativen Entstehen, nochmals die pfiffig-knackigen <strong>&bdquo;Verliebten Jungs&ldquo;<\/strong> fr&uuml;hlingsfrisch und lausb&uuml;bisch durch die Stra&szlig;en und &bdquo;rieben sich die Nasen \/ an den Frauen \/ die sich das gefallen lassen&ldquo; (Textzitate) und proklamierte der sichtlich zufriedene und sp&uuml;rbar ger&uuml;hrte 59j&auml;hrige, vermutlich in die Richtung seiner lieben Frau Eri Schulz, mit der er seit inzwischen rund einem Vierteljahrhundert gl&uuml;cklich zusammenlebt, und die an diesem Abend am Merchandising-Stand f&uuml;r ihren G&ouml;ttergatten dessen CDs, DVDs, T-Shirts etc. an Frau und Mann brachte: <strong>&bdquo;Du hast mir gerade noch gefehlt (zum Gl&uuml;ck)&ldquo;<\/strong>, 1990 erste Singleauskoppelung aus dem schier zeitlosen, noch heute faszinierenden Hitalbum &bdquo;Purple Schulz&ldquo;.<\/p>\n<p>Auf dieser kompakten Deutschpop-LP war ganz zum Schluss der B-Seite die stille, in sich gekehrte und doch so hoffnungsvolle Ballade <strong>&bdquo;Immer nur leben&ldquo;<\/strong> enthalten, mit der Purple Schulz, wie er anmerkte, &bdquo;bestimmt schon seit 1847&ldquo;, in steter Regelm&auml;&szlig;igkeit jedes seiner Konzerte vers&ouml;hnlich und zukunftstr&auml;chtig beendete. Dies galt bereits bei den letzten beiden, von mir besuchten Purple-Schulz-Shows 2002 im &bdquo;Karstadt Kultur Caf&eacute;&lsquo;&ldquo; bzw. 2007 auf dem &bdquo;Alstervergn&uuml;gen&ldquo;, jeweils in Hamburg, &#8211; und dieser liebgewonnenen Tradition huldigte er nun auch bei seinem lautstark gefeierten Duo-Auftritt, zusammen mit dem schlaksigen, sehr bluesorientiert agierenden Gitarristen &bdquo;Der Schrader&ldquo;, im Rahmen des III. &bdquo;Rock am Dom&ldquo;-Festivals im Schatten der 1890 erbauten katholischen Propstei St. Urbanus.<\/p>\n<p>Das gro&szlig;e Finale, mit dem das rockige Dom-Fest gegen 21.45 Uhr endg&uuml;ltig beschlossen werden sollte, musste ich mir schenken. Die Stra&szlig;enbahn zur&uuml;ck nach Gelsenkirchen-Altstadt f&auml;hrt samstagabends nur noch alle 30 Minuten; immerhin war ich es nach (von einer Ausnahme, Peter Sebastians &bdquo;Star-Pyramide&ldquo; am 07.12.2014, abgesehen) &uuml;ber dreij&auml;hriger, gesundheitlicher Konzertabstinenz gar nicht mehr gew&ouml;hnt, mehrere Stunden lang, dazu noch die meiste Zeit davon stehend, tanzend, mitsingend, sich bewegend auf einem Klasse Musikfestival auszuharren &ndash; und au&szlig;erdem stand ja kaum zw&ouml;lf Stunden sp&auml;ter eine erneute Fahrt von GE-Altstadt nach GE-Buer an&hellip;<\/p>\n<p>&Uuml;ber den <strong>&bdquo;13. Sicherheitstag Gelsenkirchen&ldquo;<\/strong>, der am Sonntag, dem <strong>14. Juni 2015<\/strong>, auf dem Gel&auml;nde des Polizeipr&auml;sidiums Gelsenkirchen-Buer stattfand und u.a. superbe Live-Darbietungen von z.B. <strong>FRANK NEUENFELS<\/strong>, <strong>MICHAEL FISCHER<\/strong> oder <strong>J&Ouml;RG BAUSCH<\/strong> pr&auml;sentierte, lesen wir dieser Tage an dieser Stelle mehr!<\/p>\n<p>Holger St\u00fcrenburg, 13. bis 15. Juni 2015<\/p>\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Samstag, 13.06.2015 \u2013 Gelsenkirchen-Buer mit Purple Schulz, &#8222;Boat People&#8220; &#038; &#8222;Dublinskis&#8220;! \u00a0 Nun bin ich endlich auch in der Live-Musikszene<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":89117,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[28],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89116"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=89116"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89116\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/89117"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89116"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=89116"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89116"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}