{"id":88102,"date":"2015-07-20T00:00:00","date_gmt":"2015-07-20T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=88102"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"COMBO-COLOSSALE-Die-Best-Of-Por-88101","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/ndw\/COMBO-COLOSSALE-Die-Best-Of-Por-88101\/","title":{"rendered":"COMBO COLOSSALE <br \/>Die &#39;Best Of&#39; &quot;Porto Allegro&quot; CD im Test von Holger St\u00fcrenburg!"},"content":{"rendered":"<p>Wieder mal eine echte Flei\u00dfarbeit&#8230;:\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als 1982\/83 die Neue Deutsche Welle (NDW) in Hitparaden und Medien &uuml;berhandnahm und bis in die Sph&auml;ren des feuilletonistischen und gesellschaftlichen Zeitgeistes eindrang, Tag f&uuml;r Tag nicht mehr z&auml;hlbare (und oft noch weniger genie&szlig;bare) muttersprachliche Popprodukte mit Wellen-Einschlag auf den Markt geworfen wurden, oft nur deshalb, um mit der NDW vor deren sich abzeichnendem Abebben flink noch mal die schnelle Mark zu machen, war es f&uuml;r den wahren Musikfreund &ndash; und mag dieser, wie der Verfasser dieser Zeilen, zu diesem Zeitpunkt erst elf, 12 Jahre alt gewesen sein &ndash; einwandfrei an der Zeit, im deutsch-welligen Spektrum den (viel zu h&auml;ufig durch die Musikszene wirbelnden) Spreu vom (unter all den Massen der ver&ouml;ffentlichten NDW-Lappalien kaum noch auffindbaren) Weizen zu trennen. Das meiste, was ab Herbst\/Winter 82\/83 an reinen NDW-Versuchen in den Regalen der Plattenl&auml;den stand, zog an mir fast spurlos vor&uuml;ber. Mit &bdquo;Nena&ldquo; schloss ich erst dann meinen Burgfrieden, als die Band um Frl. Gabriele-Susanne Kerner auf ihrem zweiten Album tiefgreifenden Deutsch-Pop\/Rock\/Wave internationaler Machart a la &bdquo;? (Fragezeichen)&ldquo;, &bdquo;Rette mich&ldquo; oder &bdquo;Ich h&auml;ng&lsquo; an Dir&ldquo; fabrizierte, realer Fan von Peter Schilling und Hubert Kah wurde ich erst so Recht 1984, als der Stuttgarter Science-Fiction-Experte seinen grandiosen Hochglanz-Pop-Klassiker &bdquo;120 Grad&ldquo; (mitsamt der bahnbrechenden Gro&szlig;stadtorgie &bdquo;Hitze der Nacht&ldquo;) vorlegte und Gro&szlig;meister &bdquo;Hubsi&ldquo; mittels der noch heute schier umhauenden LP &bdquo;Goldene Zeiten&ldquo; britische New Romantic-Klangwelten in bundesdeutschem Kontext aufbot. &bdquo;Spliff&ldquo;, &bdquo;Extrabreit&ldquo; und Joachim Witt galten f&uuml;r mich schon damals ohnehin eher als als NDW grotesk missinterpretierter, klassischer Deutsch-Rock\/Punk\/New Wave mit Anspruch&hellip; wenn ich so &uuml;berlege, gab es 1983 eigentlich nur zwei Bands, die neu in der teutonischen Poparena auftauchten und mich von vornherein mit ihren LPs und Singles begeisterten: Dies waren zum einen &bdquo;Geier Sturzflug&ldquo; (erinnere: LP &bdquo;Hei&szlig;e Zeiten&hellip;&ldquo;, Singles &bdquo;Bruttosozialprodukt&ldquo;, &bdquo;Besuchen Sie Europa (solange es noch steht)&ldquo;) und die aus Hannover stammende <strong>&bdquo;COMBO COLOSSALE&ldquo;<\/strong>. Mit Friedel Geratsch, dem einzig &uuml;briggebliebenen Ur-&bdquo;Geier&ldquo;, bin ich seit vielen Jahren gut befreundet und arbeite ich mit ihm auch immer wieder zusammen &ndash; und auf eine Wiederver&ouml;ffentlichung im lupenreinen CD-Klanggewand&nbsp; des ersten und bis heute einzigen Albums der &bdquo;Combo&ldquo; wartete ich bestimmt seit 20 Jahren oder mehr (zumal die eine oder andere Vinyl-Single der Band in meinem Plattenarchiv aus Abnutzungsgr&uuml;nden kaum noch abspielbar ist) bis vor kurzem leider vergeblich.<\/p>\n<p>Wie es der Zufall so wollte, hat sich <strong>MICHAEL FLEXIG<\/strong>, der so charismatische, wie stimmstarke Ex-Chef der &bdquo;Combo Colossale&ldquo;, schon vor rund einem Jahr dazu entschlossen, erw&auml;hnte, einst beim Hamburger Label REPERTOIRE Records erschienene LP, mitsamt der A- und B-Seiten der darauf seinerzeit nicht enthaltenen Folgesingles erstmals im digitalen Klangformat aufzulegen &ndash; und entschied er sich dar&uuml;ber hinaus, drei brandneue Songs einzuspielen, f&uuml;r die kein geringerer kompositorisch und lyrisch verantwortlich zeichnete, als &ndash; trara! &ndash; &bdquo;Geier Friedel&ldquo; Geratsch.<\/p>\n<p>Heraus kam dabei die mit 21 Titeln rappelvolle CD <strong>&bdquo;MICHAEL FLEXIG PR&Auml;SENTIERT: COMBO COLOSSALE E AMICI &ndash; PORTO ALLEGRO&ldquo;<\/strong>, die k&uuml;rzlich bei Yellow Shark\/TIMEZONE erschienen ist. 12 der darauf versammelten Liedbeitr&auml;ge entstammen der ultrararen, ehedem nur &bdquo;Combo Colossale&ldquo; betitelten LP aus dem Jahr 1983. Diese war musikalisch mehr als deftig-gitarrenbetonte Mixtur aus US-amerikanischem Power-Pop a la &bdquo;The Knack&ldquo; oder &bdquo;The Cars&ldquo; und eher weniger britischem New-Wave-Gezicke einzuordnen. Dazu integrierte man bluesige und riff-rockige Elemente, die auch irgendwo in den USA, nahe Rick Springfield oder Billy Squire. ihre Urspr&uuml;nge hatten finden k&ouml;nnen. Von den durchwegs intelligenten, mal bei&szlig;end-zynischen, mal ma&szlig;voll zeitgeistkritischen Texten abgesehen, lebten die 12 LP-Titel in erster Linie von Michael Flexigs brachialer, jederzeit Hardrock-\/Heavy-Metal-tauglicher Stimme. &nbsp;Begleitet wurde der geb&uuml;rtige Hannoveraner u.a. von Thomas Schwarze (heutzutage Priv. Doz. Dr. f&uuml;r Zahnmedizin und Spezialist f&uuml;r Endodontie mit eigener Praxis) am Bass, Prof. Dr. Ing. Rainer Przywara, 2015 Hochschullehrer f&uuml;r Maschinenbau, am Keyboard und Detlev Jachzek an der Gitarre, der heute als Inhaber einer Firma f&uuml;r Automatenstickerei, ebenfalls in der Leinestadt, re&uuml;ssiert. Michael Flexig, der sp&auml;ter im Hardrock-Bereich mit Bands, wie Uli John Roths &bdquo;Electric Sun&ldquo;, &bdquo;Zeno&ldquo; oder Dank verschiedener Kooperationen mit namhaften Altrockern a la John Parr, John Wetton oder Jack Bruce, gr&ouml;&szlig;ere Erfolge feierte, ist hauptberuflich dem Rock&rsquo;n&rsquo;Roll-Leben treu geblieben, was in Anbetracht von dessen Wahnsinnsorgan auch alles andere als ein Wunder ist!<\/p>\n<p>Schon der brachial &uuml;berschw&auml;ngliche, h&ouml;llisch hei&szlig; verliebte Er&ouml;ffner <strong>&bdquo;Julia&ldquo;<\/strong> der einstigen &bdquo;Combo&ldquo;-LP &ndash; auf der CD Titel Numero 02 &ndash; springt einen f&ouml;rmlich mit enormem Karacho an. Voller radikaler Lebenslust und s&uuml;ffisanter Ergebenheit, schildert uns darin ein total hingerissener Protagonist die Vorz&uuml;ge der Traumfrau &bdquo;Julia&ldquo;, die ihn wohl so sehr in Beschlag genommen hat, dass nicht mal mehr der eiligst herbeizitierte Onkel Doktor helfen kann.<\/p>\n<p>Genauso kraftvoll und rabiat geht&rsquo;s weiter mit einer drallen, im knalligen Synthirock-Sound gehaltenen, erneut riff-rockigen Parodie auf die vordem, in der &Auml;ra des Kalten Krieges und des Ost-West-Konfliktes, vorherrschende &ouml;ffentliche Debatte um Wehrdienstverl&auml;ngerung und Erschwerung der Verweigerung des Dienstes an der Waffe, die da hie&szlig; <strong>&bdquo;Herbei &ndash; Die Republik braucht Helden&ldquo;<\/strong>, gefolgt von einer rockig-&uuml;berdrehten, straight aufgedonnerten Sichtweise der legend&auml;ren, vom britischen Komponisten Ronald Binge 1951 ersonnenen <strong>&bdquo;Elisabeth Serenade&ldquo;<\/strong>, die in den 50er und 60er Jahren mit verschiedener deutscher Betextung u.a. von der &ouml;sterreichischen Sopranistin Eva Lind oder dem Berliner Schlager-Ensemble &bdquo;G&uuml;nter Kallmann Chor&ldquo; bekannt gemacht und in die Hitparaden gef&uuml;hrt worden war.<\/p>\n<p>Glei&szlig;end grell und mal wieder lyrisch, wie klanglich, &auml;u&szlig;erst einpr&auml;gsam und rigoros, beschreibt die &bdquo;Combo Colossale&ldquo; im n&auml;chsten Lied ein junges Teenagerm&auml;del namens Susi, das, im Gegensatz zu all ihren Klassenkameraden, Schulfreunden, Eltern und Kumpels, niemals wom&ouml;glich Rock&rsquo;n&rsquo;Roll, Jazz oder Soul auf den Plattenteller legt, sondern sich viel lieber in ihrem Zimmer ganz alleine und vollst&auml;ndig verz&uuml;ckt den klassischen Symphonien von <strong>&bdquo;Wolfgang Amadeus&ldquo;<\/strong> (Liedtitel) Mozart hingibt.<\/p>\n<p>Zum Schluss der A-Seite der seinerzeitigen &bdquo;Combo&ldquo;-LP sinnierten Michael Flexig und die Seinen rund eineinhalb Minuten lang zu peitschenden Punkrhythmen &uuml;ber ein omin&ouml;ses <strong>&bdquo;B&auml;umchen&ldquo;<\/strong> (Liedtitel), das in den noch mysteri&ouml;seren Garten einer h&uuml;bschen Frau dringlichst eingepflanzt werden m&ouml;ge, um die Fr&uuml;chte dieser obskuren Handelsoperation schlussendlich gemeinsam genie&szlig;en zu k&ouml;nnen &ndash; was immer uns die K&uuml;nstler damit sagen wollten&hellip; ;- )<\/p>\n<p>Anarchisch-politisch-ver&auml;ppelnd wird es daraufhin in der (einst in der Vinyl-Fassung als f&uuml;nfter Titel der A-Seite bedachten) mal wieder m&auml;chtig heavy-gitarrenlastig arrangierten Beinahe-Revolutions-Hymne <strong>&bdquo;Zeppelin&ldquo;<\/strong>, in deren kessen Lyrics die Band mittels eines solchen &uuml;berdimensionalen Luftschiffes pl&ouml;tzlich nach Ost-Berlin her&uuml;bergeweht wird, die Riesenparty auf dem Alexanderplatz startet, damit nat&uuml;rlich gegen die verkn&ouml;cherte Parteidoktrin verst&ouml;&szlig;t und Karl-Eduard von Schnitzler vom &bdquo;Schwarzen Kanal&ldquo; ganz sch&ouml;n zur Raserei bringt.<\/p>\n<p>Es geht weiter mit dem gr&ouml;&szlig;ten kommerziellen Erfolg der &bdquo;Combo Colossale&ldquo;, <strong>&bdquo;Puppen weinen nicht&ldquo;<\/strong>, mit dem die junge Band Ende 1982 eine Vielzahl fr&uuml;her TV-Auftritte (z.B. im September jenen Jahres in Michael Schanzes ZDF-Show &bdquo;Show-Express&ldquo;) absolvierte, der bis heute im sechsstelligen Bereich verkauft wurde und der Band zugleich einen ewigen Fetenhit und Platz in den Annalen des deutschen Poplebens beschert hat. Thematisch setzt das nur auf den ersten Blick fr&ouml;hlich, strahlende, muntere Lied dort an, wo der kurz zuvor zum Megahit avancierte &bdquo;Skandal im Sperrbezirk&ldquo; der bayerischen &bdquo;Spider Murphy Gang&ldquo; aufgeh&ouml;rt hatte. Eingeleitet, von einer durchs Telephon gehauchten &bdquo;Schlafzimmer-Stimme&ldquo;; die spricht &bdquo;Hallo hier ist (sic!) Rosi &ndash; mogst mi?&ldquo;, berichtet die damalige Vorab-Single zum Album in doppeldeutigen Wortspielen und Metaphern vom emotionslosen, harten Dasein, einer von Zuh&auml;ltern gesteuerten Prostituierten, was mit der abermals blendend-hellen Synthi-Rock-Auskleidung des Titels gnadenlos und energisch konterkariert wird.<\/p>\n<p>Zeitkritisch-zackig, laut und dr&ouml;hnend, spie&szlig;t die &bdquo;Combo&ldquo; nun im diesmal durchaus NDW-betonten Synthis-plus-Gitarren-Hymnus <strong>&bdquo;Brot und Spiele&ldquo;<\/strong> das wirtschaftsfreundliche, latent hedonistische Besitz- und &Uuml;berfluss-Denken in der &Auml;ra der beginnenden &bdquo;geistig-moralischen&ldquo; Kohl-&bdquo;Wende&ldquo; auf; funky, widerspenstig, tanzbar, zeigt sich kurz darauf der gleichfalls gesellschafts-\/kapitalismuskritische, dabei peppig basslastige New-Wave-Rocker <strong>&bdquo;Keine Zeit f&uuml;r mich&ldquo;<\/strong>. Als bed&auml;chtige Ballade, textlich gewohnt sarkastisch, startet die bitterb&ouml;se Ode auf das imagin&auml;re Probleml&ouml;sungsunternehmen <strong>&bdquo;Sorglos&ldquo;<\/strong>, die sich im Refrain immer wieder zu einem berstenden Rockdrama ausw&auml;chst (auf der LP Titel B-5). Das &uuml;berdrehte Spottlied auf ein selbsternanntes <strong>&bdquo;Finanzgenie&ldquo;<\/strong> und der poppig-philosophische New Wave\/Reggae-Verschnitt <strong>&bdquo;Schollen und Flundern&ldquo;<\/strong> beenden nun das noch nie zuvor in digitaler Klangqualit&auml;t auf Silberscheibe erh&auml;ltliche Gesamtpaket der legend&auml;ren einzigen LP der &bdquo;COMBO COLOSSALE&ldquo;.<\/p>\n<p>Es folgen nun die drei Non-Album-Singles des einstigen Quintetts aus Hannover, plus deren B-Seiten. Dies ist zun&auml;chst <strong>&bdquo;Drinnen tanzen sie Samba&ldquo;<\/strong>, eine absichtlich sanft und gem&auml;chlich gehaltene, in puncto Aussage und Intention sehr zeitgem&auml;&szlig;e Auseinandersetzung mit den aussichtslosen Stunden nach dem so oft bef&uuml;rchteten (aber dann, aller Hysterie und &bdquo;German Angst&ldquo; zum Trotz, doch nicht eingetretenen) &sbquo;gro&szlig;en Knall&lsquo; durch den Einsatz von alles verseuchenden Atomraketen. Drau&szlig;en wartet das verliebte Paar auf den Untergang, und drinnen, im Bunker, tanzen, feiern die Sieger des Krieges eine rauschende Party. Dem ernsten Textinhalt zum Trotz, geriet &bdquo;Drinnen tanzen sie Samba&ldquo; Ende 1983 zu einem fulminanten Radiohit und erwies sich zugleich als Tanzschul-Tanzstandard per Excellance. Als B-Seite der Maxisingle diente das sph&auml;rische Neonlicht-Shanty <strong>&bdquo;Wir fahr&rsquo;n mit der Galeere&ldquo;<\/strong>.<\/p>\n<p>In jenen Wochen, als die &bdquo;Combo Colossale&ldquo; &sbquo;drinnen Samba&lsquo; tanzte, gelang der in der ersten H&auml;lfte der 70er Jahre so gefragten Glamrock\/Hardrock-Truppe &bdquo;SLADE&ldquo;, Dank ihres energetischen Feudal-Metal-Albums &bdquo;The Amazing Kamikaze Syndrom&ldquo;, ein so unerwartetes, wie ph&auml;nomenales Comeback. Darauf enthalten war die gem&uuml;tlich-pathetische, gleicherma&szlig;en knisternde Mitsing-Powerballade &bdquo;My oh My&ldquo;, welche die Jungs um Shouter Noddy Holder und Bassist\/Gitarrist Jim Lea nach Jahren der D&uuml;rre von neuem europaweit auf die h&ouml;chsten R&auml;nge der Hitparaden bef&ouml;rderte. Der &bdquo;Combo Colossale&ldquo; war es nun vorbehalten, eine sog. &bdquo;Deutsche Originalaufnahme&ldquo; der eing&auml;ngigen Heavy-Schunkel-Nummer einzuspielen. Diese nannte sich <strong>&bdquo;Eis und Feuer &ndash; My oh My&ldquo;<\/strong>, lie&szlig; ein weiteres Mal Michael Flexigs Gesangsqualit&auml;ten in perfektem Ausma&szlig; aufscheinen, geriet aber wiederum nicht in die Verkaufscharts, obwohl die 45er, gerade im Norddeutschen Rundfunk, im Fr&uuml;hjahr 1984 oft und gerne zum Einsatz kam.<\/p>\n<p>1985 &ndash; Frontmann Michael hatte die &bdquo;Combo&ldquo; inzwischen zugunsten einer internationalen Hardrock-Karriere verlassen &ndash; versuchte sich die Restband nochmals mit einer letzten Single zur&uuml;ckzumelden, bei der Keyboarder Rainer Przywara den Frontgesang &uuml;bernahm. <strong>&bdquo;K&ouml;nig f&uuml;r eine Nacht&ldquo;<\/strong> war im angesagten deutschen Edelpop-Sound a la &bdquo;Purple Schulz&ldquo; oder &bdquo;M&uuml;nchener Freiheit&ldquo; gehalten, konnte sich aber weder in den Hitlisten, noch im Rundfunkbereich weitergehend hervortun. Die ebenso von Rainer intonierte B-Seite <strong>&bdquo;Nichts mehr zu verlieren&ldquo;<\/strong> stellte sich als weitschweifige Synthipop-Ode, garniert mit fetten E-Gitarren im Kehrvers, dar und bewies allemal, dass der &bdquo;Combo Colossale&ldquo;, rein qualitativ betrachtet, durchaus eine musikalische Zukunft im Umfeld des Mitte der 80er florierenden Deutschpop-Spektrums h&auml;tte verg&ouml;nnt sein k&ouml;nnen &ndash; wenn es nicht anders gekommen w&auml;re und sich das Projekt nicht Ende 1985 wegen anhaltender &ndash; kommerzieller &ndash; Erfolglosigkeit aufgel&ouml;st h&auml;tte.<\/p>\n<p>Nach ein paar Revival-Konzerten, nach 2002, zum 20j&auml;hrigen Jubil&auml;um der ersten LP, und ein paar weiteren Gigs &sbquo;just for Fun&lsquo; &ndash; wie beschrieben, waren alle fr&uuml;heren Mitstreiter l&auml;ngst in ihren Berufen, vom Professor bis zum Firmeninhaber, vollst etabliert &ndash; beschloss, wie eingangs erl&auml;utert, Michael Flexig nun, die gesamte Banddiskographie der 80er Jahre dem Fan zum ersten Mal &uuml;berhaupt in CD-Reinheit zu pr&auml;sentieren, selbstverst&auml;ndlich nicht ohne ein paar ganz neue Lieder dieser pr&auml;gnanten Titelliste hinzuzuf&uuml;gen.<\/p>\n<p>Diese stammen, von einer Ausnahme, die ich noch gesondert hervorheben werde, abgesehen, s&auml;mtlich aus der Feder von &bdquo;Geier Sturzflug&ldquo;-Hirn-und-Herz Friedel Geratsch. Wer in den letzten Jahren die k&uuml;nstlerische Weiterentwicklung der einstmaligen Steigerer des &bdquo;Bruttosozialprodukts&ldquo; intensiv verfolgt hat, der kennt alle drei Kompositionen von Friedel bereits aus dem Umfeld von &bdquo;Geier Sturzflug&ldquo; selbst, von Friedels YouTube-Kanal und in einem Fall sogar von der phantastischen 2012er-CD &bdquo;Wildwechsel&ldquo;. Michael Flexig und sein Compagnon Axel Frey nahmen sich der drei famosen Titel an und inszenierten sie &ndash; leider nicht immer passend &ndash; im altbekannten, phonstarken Heavy-Gitarren-Klangbild der guten, alten &bdquo;Combo Colossale&ldquo;. <strong>&bdquo;Am Hafen&ldquo;<\/strong>, 2011 eine Vorabsingle des ein Jahr darauf erschienenen &bdquo;Geier&ldquo;-Albums &bdquo;Wildwechsel&ldquo;, war im Ursprung eine grazile, immens sacht arrangierte Gitarren\/Banjo-Mid-Tempo-Melodie, welche die sagenhafte Sch&ouml;nheit einer kleinen Hafenstadt im S&uuml;den und das Verschwinden einer surreal anmutenden Traumfrau namens &bdquo;Calpyso&ldquo; mittels gew&auml;hltester Worte, in einem wundersch&ouml;nen, sehns&uuml;chtig-vertr&auml;umten Ambiente, kongenial h&ouml;r- und sp&uuml;rbar vermittelte. Von diesem malerischen Flair ist in der Neuversion von Michael Flexig, mit der die 21-Track-CD explosiv, kompromisslos, nahezu aufr&uuml;hrerisch beginnt, kaum mehr etwas zu merken. Seine Stimme &ndash; noch immer genialisch, aufgedreht, &uuml;berdreht, fest und brisant &ndash; scheint das grazi&ouml;se Popkleinod &bdquo;Am Hafen&ldquo; auf der Basis lautester Heavy-Klampfen mit rotziger Punkattit&uuml;de geradewegs zu zers&auml;gen. Vom verliebt-melancholischen Ambiente des &bdquo;Geier&ldquo;-Originals ist leider nichts mehr &uuml;brig geblieben.<\/p>\n<p>Vom zur&uuml;ckhaltenden Abschiedsschleicher <strong>&bdquo;Immer wenn der Regen f&auml;llt&ldquo;<\/strong> hatte ich Anfang 2012 von Friedel ein fr&uuml;hes Demo erhalten; dessen fertige Einspielung ist auch bei YouTube zu sehen. Hier bel&auml;sst es Michael Flexig gottlob bei der verregnet-perlenden, introvertiert-streicherverzierten Grundstimmung. <strong>&bdquo;Bilder vom Meer&ldquo;<\/strong> (dito in der &bdquo;Geier&ldquo;-Fassung bei YouTube einsichtig) wird seitens Michael zweifellos durch treibende Drums und peitschende, anspornende Gitarren, in der t&ouml;nenden N&auml;he der fr&uuml;hen &bdquo;U2&ldquo; oder deren Genrekollegen &bdquo;Big Country&ldquo; oder &bdquo;The Alarm&ldquo;, deutlich verrockt und in der Dramatik versch&auml;rft, aber die darin beschriebene Abenteuerlust, das Verlangen auszusteigen, einfach mal so los zu segeln, irgendwohin, ohne festes Ziel, werden auch (und vielleicht sogar gerade) in dieser aufwiegelnden Gitarrenrock-Auslegung &uuml;beraus passabel und trefflich ausgedr&uuml;ckt.<\/p>\n<p>Als augenzwinkernden Bonus-Track hat sich Michael die zynisch-grausige Moritat <strong>&bdquo;Warte, warte nur ein Weilchen&ldquo;<\/strong> zwecks radikalrockiger Reanimation ausgesucht, die sich inhaltlich, zur Musik des gleichnamigen Walter-Kollo-Couplets aus den 20er Jahren, mit dem grausamen Wirken des 1924 zu Tode verurteilten Hannoveraner Serienm&ouml;rders Fritz Haarmann besch&auml;ftigte, und 1961 vom dem Berliner Jazz-Musiker Hawo Schneider und seinen &bdquo;Spree City Stompers&ldquo; in einer humorigen Horrorversion f&uuml;r vier Wochen in die deutschen Top 10 bef&ouml;rdert wurde.<\/p>\n<p>Musikalisch, lyrisch und zeit-, wie kulturgeschichtlich, ist <strong>&bdquo;COMBO COLOSSALE E AMICI &ndash; PORTO ALLEGRO&ldquo; <\/strong>eine reine Freude f&uuml;r jeden aufgeweckten Beobachter des klingen Zeitgeschehens der fr&uuml;hen 80er Jahre. Die darauf zusammengestellten Lieder sind beileibe nicht irgendwelche, ausschlie&szlig;lich aus kommerziellen Erw&auml;gungen heraus konzipierte NDW-Spielereien ohne Sinn und Zweck &#8211; wie leider nicht wenige derjenigen labbrigen NDW-Erg&uuml;sse, die nach 1982 den Handel &uuml;berfluteten -, sondern stets kraftvollste, liebenswert anarchistisch-&uuml;berkandidelte Heavy-Wave-H&auml;mmer bester G&uuml;teklasse. Die neuen Beitr&auml;ge belegen einwandfrei, dass <strong>Michael Flexig <\/strong>in all den Jahren rein gar nichts an Stimmkraft, Grundsatztreue und Substanz eingeb&uuml;&szlig;t hat, selbst wenn er diese per se ja positiven Faktoren in mancher Friedel-Geratsch-Expertise manchmal &uuml;bertreibt. Es bleibt zu hoffen, dass diese wundervolle CD nicht nur ein einmaliges Wiederaufflackern des muttersprachlich singenden Rockshouters Michael F. bedeutet, sondern sich <strong>&bdquo;Combo Colossale e Amici&ldquo;<\/strong> &nbsp;&ndash; wenn es denn stilistisch passt, gerne im ironisierend gellenden, markersch&uuml;tternden Powerrock-Bezugsrahmen &ndash; vielleicht zu einer l&auml;ngerfristigen Deutschrock-Institution mit weiterhin ausgepr&auml;gter kreativer Potenz, klanglicher Spannkraft und viel lyrischem Charme entwickelt und ausbaut!<\/p>\n<p>Holger St\u00fcrenburg, 13 bis 16. Juli 2015 (Textvorlage)<\/p>\n<p>https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Combo_Colossale<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder mal eine echte Flei\u00dfarbeit&#8230;:\u00a0 Als 1982\/83 die Neue Deutsche Welle (NDW) in Hitparaden und Medien &uuml;berhandnahm und bis in<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":88103,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[22],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88102"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=88102"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/88102\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/88103"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=88102"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=88102"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=88102"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}