{"id":85657,"date":"2015-09-16T00:00:00","date_gmt":"2015-09-16T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=85657"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"GERD-KOESTER-amp-FRANK-HOCKER-D-85656","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/liedermacher\/GERD-KOESTER-amp-FRANK-HOCKER-D-85656\/","title":{"rendered":"((GERD)) K\u00d6STER &#038; ((FRANK)) HOCKER <br \/>Die CDs &quot;Rest Of I&quot; und &quot;Rest Of II&quot; im Test von Holger St\u00fcrenburg!"},"content":{"rendered":"<p>Ein Leib- und Magen-Thema f\u00fcr den renommierten Musikgourmet Holger St\u00fcrenburg!\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die meisten musikinteressierten Bundesb&uuml;rger zu schnellverg&auml;nglichen Scheu&szlig;lichkeiten der Unart &bdquo;Pump ab das Bier&ldquo; (Werner Wichtig), &bdquo;All around the World&ldquo; (Lisa Stainsfield) oder &bdquo;The Power&ldquo; (&bdquo;Snap&ldquo;), abtanzten, die deutsche Zweistaatlichkeit und die 80er Jahre unisono unwiderruflich zu Ende gingen, die t&ouml;nende Tradition jener coolen Dekade in den offizi&ouml;sen Hitlisten h&ouml;chstens noch &bdquo;Depeche Mode&ldquo; (&bdquo;Enjoy the Silence&ldquo;) oder &bdquo;Roxette&ldquo; (&bdquo;It must have been Love&ldquo;) aufrechterhielten und die deutsch ge<em>reim<\/em>te Popmusik allgemein nicht so wusste, wohin sie wollte, ob man sie<em>, verdammt<\/em> noch mal, <em>lieben sollte<\/em> oder besser <em>nicht<\/em>, suchten sich die Musikgourmets jener Tage zwecks Genusses anspruchsvoller, spannender Kl&auml;nge gerne solche Themen aus, die oft (oder sogar meistens) jenseits aller Hitparaden, Glitzermedien und MOR-Radio-Stationen angesiedelt waren. Ich war damals 19 Jahre alt und erinnere mich, dass mich seinerzeit, neben den damals neuen Werken der alten Helden &sbquo;meiner&lsquo; Dekade, z.B. &bdquo;Mitteregger&ldquo;, die vierte Solo-LP von Ex-&bdquo;Spliff&ldquo;-Schlagzeuger Herwig M., &bdquo;X f&uuml;r e U&ldquo; von &bdquo;BAP&ldquo; oder Roland Kaisers erste reale deutsche POP-, nicht mehr Schlager-LP &bdquo;HerzZeit&ldquo;, vor allem zwei Geheimtipps aus dem deutschen Sprachraum begeisterten. Dies waren der Weaner Bluesrocker &bdquo;Ostbahn-Kurti&ldquo; (alias Willi Resetarits) mit seiner &bdquo;Chefpartie&ldquo; &ndash; und die K&ouml;lsche Formation <strong>&bdquo;THE PIANO HAS BEEN DRINKING&ldquo;<\/strong>. Letztere hatten 1988, rein aus Spa&szlig; an der Freude, <strong>GERD K&Ouml;STER<\/strong>, ehemaliger S&auml;nger der herrlich provokativen K&ouml;lner Anarchorocker &bdquo;Schroeder&rsquo;s Road Show&ldquo; (erinnere, &bdquo;Anarchie in Germoney&ldquo;, 1978, &bdquo;Bonn bei Nacht&ldquo;, 1984) und Matthias Keul, einstmals bei Wolf Maahns &bdquo;Food Band&ldquo; bzw. Wolfgang Niedeckens kurzzeitiger Solo-Begleitband &bdquo;Die Complizen&ldquo; als Keyboarder und Pianist t&auml;tig, ins Leben gerufen, zu denen sp&auml;ter noch Gerds Ex-Kollege bei der &bdquo;Roadshow&ldquo;, <strong>FRANK HOCKER<\/strong>, an der Gitarre hinzustie&szlig;.<\/p>\n<p>Kurz und gut: Das Projekt &bdquo;The Piano has been drinking&ldquo; hatte sich zum Ziel gesetzt, ein paar der bekanntesten und pr&auml;gnantesten Songs des US-amerikanischen Underground-Heroen Tom Waits neu zu arrangieren, deren oft sehr feinsinnige und zugleich durchaus derbe, lebensnahe, oft bittere Texte in den K&ouml;lschen Dialekt zu &uuml;bertragen und die oft auf den Schattenseiten der US-Metropolen spielenden Plots ironisch, augenzwinkernd und trotzdem mit viel Ernsthaftigkeit und k&uuml;nstlerischem Anspruch mit rheinl&auml;ndischem und domst&auml;dtischen Lokalkolorit zu verbinden. In der Bandheimat avancierte die zum Schluss auf &uuml;ber ein Dutzend Musiker uss K&ouml;lle am Ring angewachsene Truppe in Windeseile zu einem begehrten Live Act und galt sie bald im gesamten Rheinland als ultimativer Kult.<\/p>\n<p>Da die Tom-Waits-Auslegungen von Gerd K&ouml;ster &amp; Co. in einem tief s&uuml;dst&auml;dtischen Cockney-K&ouml;lsch gehalten waren und man die musikalischen Umsetzungen &ndash; wie es ja schon bei den Waits-Originalen seit jeher der Fall ist &ndash; mit vollster Absicht weder radiotauglich, noch singlehitparadenkompatibel ausgestaltete, konnte man n&ouml;rdlich des M&uuml;nsterlandes als gemeiner Musikkonsument kaum etwas von dieser genialisch-chaotischen Combo vum Rhing mitbekommen. Zum Gl&uuml;ck hatte der &bdquo;Musikexpress&ldquo;, damals nat&uuml;rlich Stammlekt&uuml;re eines jeden Musikinteressierten aus meiner Generation (heute l&auml;ngst nicht mehr!), in seiner Ausgabe vom Juni 1990 die erste selbstbetitelte LP der K&ouml;lner Band in der Rubrik &sbquo;Neuerscheinungen&lsquo; vorgestellt und positiv bewertet. So konnten auch norddeutsche Freunde intelligenter Kl&auml;nge in rheinl&auml;ndischer Mundart auf das neuartige &ndash; und tats&auml;chlich h&ouml;chst aufregende &ndash; Tom-Waits-Tribute aufmerksam werden &ndash; und ich, sp&auml;testens ab Ende 1987 unwiderruflich entt&auml;uscht von der Massenware der Charts, wandte mich somit den K&ouml;lner Tom-Waits-Verehrern und (zun&auml;chst) deren erster LP zu, die ab Fr&uuml;hsommer 1990 bei uns zu Hause rauf und runter lief. Besonders hatte es mir die Singleauskoppelung &bdquo;Rude Jolf&ldquo; angetan, eine eingek&ouml;lschte Interpretation von &bdquo;Downtown Train&ldquo;, im Herbst zuvor, 1989, von Rockgentleman Rod Stewart, unter der &Auml;gide des britischen Bombastproduzenten Trevor Horn, zu einer gro&szlig;orchestral arrangierten Beinahe-Rock-Opernarie ausgewalzt, und nun &sbquo;op K&ouml;lsch&lsquo; von Gerd K&ouml;ster und den Seinen wiederum in geregelte, gewohnte Stra&szlig;en-Blues-Sph&auml;ren geleitet. Umfangreichere Ausf&uuml;hrungen dar&uuml;ber, dass ich im September 1990, als sich unser alter VW Passat Variant als schrottreif erwiesen hatte, meine Frau Mama letztlich dazu regelrecht n&ouml;tigen wollte, als Nachfolgeauto einen realen &bdquo;Rude Jolf&ldquo; zu erwerben, erspare ich dem geneigten Leser&hellip; dass es nachher (leider) <em>doch<\/em> ein grauer Opel Kadett wurde, lag ausschlie&szlig;lich daran, dass VW in demjenigen Moment, als unser alter Wagen hin&uuml;ber war, &uuml;ber keinerlei Golf-Modelle vor Ort verf&uuml;gte, der Passat aber schnellstm&ouml;glich, innerhalb weniger Stunden ersetzt werden musste, weshalb die (damals) in R&uuml;sselsheim ans&auml;ssige Konkurrenz den Zuschlag bekam&hellip;<\/p>\n<p>Inzwischen ist ein Vierteljahrhundert vergangen, vill Wasser de Rhing eraff jelaufe, &bdquo;The Piano has been drinking&ldquo; ist l&auml;ngst (seit 1993) Geschichte, aber <strong>Gerd K&ouml;ster<\/strong> und sein musikalischer Partner <strong>Frank Hocker<\/strong> sind immer noch betriebsamer und eifriger denn je. Zwischen 1990 und 2015 sind beide unz&auml;hlige Male im Raum K&ouml;ln und dar&uuml;ber hinaus aufgetreten, sei es als &bdquo;The Piano has been drinking&ldquo;, als &bdquo;Gerd K&ouml;ster &amp; Band&ldquo;, oder seit 1996 bis heute als &bdquo;K&ouml;ster &amp; Hocker&ldquo;. Die in K&ouml;ln-Ehrenfeld ans&auml;ssige Plattenfirma GMO &ndash; The Label hat nun zwei proppevolle CDs unter dem Motto <strong>&bdquo;Rest of I&ldquo;<\/strong> und <strong>&bdquo;Rest of II&ldquo;<\/strong> mit solchen, h&auml;ufig unver&ouml;ffentlichten Live-Mitschnitten, u.a. aus dem K&ouml;lner &bdquo;K&uuml;ppers Club&ldquo;, dem dortigen &bdquo;Theater am Tanzbrunnen&ldquo;, der &bdquo;Musikhochschule K&ouml;ln&ldquo;, dem &bdquo;K&ouml;lner Schauspielhaus&ldquo;; der &ouml;rtlichen Philharmonie, bei Auftritten in Br&uuml;hl, Bergisch Gladbach oder bei den zwei legend&auml;ren &bdquo;Arsch huh &ndash; Z&auml;ng ussenander&ldquo;-Benefizkonzerten 1992 und 2012, zusammengestellt, die f&uuml;r die Fans echter, ungek&uuml;nstelter Blues-, Folk- und Rockkl&auml;nge in tiefstem, urk&ouml;lschen Dialekt die Erf&uuml;llung eines langgehegten Traumes bedeuten d&uuml;rften.<\/p>\n<p>Versehen mit auf Gerd und Frank angepassten CD-Coverbildern im Sinne der unschlagbaren &bdquo;Guns&rsquo;n&lsquo;Roses&ldquo;-Hardrock-Highlights &bdquo;Use your Illusion&ldquo; Part I &amp; II, erz&auml;hlen uns Proklamator und Texter Gerd, colonifiziert: J&auml;cht, und Gitarrist Frank, des&ouml;fteren mal begleitet von Arno Steffen (u.a. &bdquo;Zeltingerband&ldquo;; &bdquo;Triumvirat&ldquo;, &bdquo;L.S.E.&ldquo;), Hans S&uuml;per jun. (&bdquo;Colonia Duett&ldquo;), J&uuml;rgen Fritz (&bdquo;Triumvirat&ldquo;) oder noch emsiger von Helmut Krumminga, dem langj&auml;hrigen &bdquo;BAP&ldquo;-Gitarristen (und damaligem &bdquo;Major&ldquo;-Nachfolger) Helmut Krumminga, jeweils 17 Geschichten aus den Untiefen des Lebens enn K&ouml;lle, aus den dunkelsten Seiten der N&auml;chte am Rhing, mal absurd, mal humorvoll, mal bei&szlig;end zynisch, aber dar&uuml;ber hinaus fast immer sehr liebe- und verst&auml;ndnisvoll, stets verbunden mit viel Emotionalit&auml;t, strikter Intensit&auml;t und einem phantastischen Wortwitz, den allerdings vermutlich nur diejenigen unter uns verstonn, die einigerma&szlig;en des K&ouml;lschen Verz&auml;ll m&auml;chtig sind. Schlussendlich weisen die beiden Vollblutmusiker darauf hin, dass s&auml;mtliche Liveaufnahmen weder nachbearbeitet, noch ausgebessert wurden, dass mit Absicht keine chronologische Reihenfolge des &bdquo;Liederget&uuml;mmels&ldquo; (Zitat) auf den zwei Silberscheiben praktiziert wurde und &ndash; nat&uuml;rlich &ndash;, dass es den beiden Urgesteinen der K&ouml;lner Rockszene eine gro&szlig;e Freude bereitet, ihren engsten Fans &ndash; f&uuml;r breite Massen ist dreierlei anspruchsvoller Folkblues vum Rhing eh nicht geeignet &ndash; diese beiden vorzeitigen Weihnachtsgeschenke offerieren zu k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Rund ein Drittel der auf &bdquo;Rest of I&ldquo; und &bdquo;Rest of II&ldquo; bedachten Konzertmitschnitte entstammen dem Zeitalter von &bdquo;The Piano has been drinking&ldquo;, ergo aus den Jahren 1990 bis 1993. D.h. wir h&ouml;ren mehrere famose K&ouml;lsche Lesarten von Tom Waits&lsquo; d&uuml;steren Gro&szlig;stadtbluesballaden &ndash; stimmig, stimmlich und stimmungsvoll gleicherma&szlig;en, &bdquo;met vill H&auml;tz&ldquo; und im Live-Kontext noch origin&auml;rer, dreckiger, als auf den entsprechenden Studio-LPs, in die Domstadt transferiert &ndash; sowie ein paar stil&auml;hnliche Eigenkompositionen, welchselbige in Sachen Qualit&auml;t, Ausdrucksst&auml;rke und klanglicher Dichte den echten Waits-Inspirationen in nichts nachstehen.<\/p>\n<p>Zu den ber&uuml;cksichtigten Waits-Explikationen z&auml;hlen etwa das pianobetonte Wiedersehensepos <strong>&bdquo;Sch&ouml;n Dich ze sinn&ldquo;<\/strong> (&bdquo;A Sight for Sore Eyes&ldquo;, 1977), das gleich zweimal &ndash; von 1993 auf &bdquo;Rest of I&ldquo; und von 2014 auf &bdquo;Rest of II&ldquo; &#8211; zum Einsatz kommt, der knarzig-verr&auml;ucherte Bar-Swing <strong>&bdquo;Met Fremde kein Verdr&auml;&auml;ch&ldquo;<\/strong> (&bdquo;I never talk to Strangers&ldquo;, 1977, hier im Duett mit der &sbquo;k&ouml;lschen Diva&lsquo; Marion Radtke), der akkordeonbetonte, so flehende, wie eindringliche Gossenwalzer <strong>&bdquo;Do kanns nix dof&uuml;r (wenn Do dr&auml;ums)&ldquo;<\/strong> (&bdquo;Innocent, when you dream&ldquo;; 1987), der wundersch&ouml;ne, lokalpatriotisch-urgem&uuml;tliche Schepperfolk <strong>&bdquo;En d&rsquo;r Nohbarschaff&ldquo;<\/strong> (&bdquo;In the Neighborhood&ldquo;, 1983) und nat&uuml;rlich &#8211; wie k&ouml;nnte man auch darauf verzichten? &#8211; der n&auml;chtlich-leidenschaftliche Lobgesang auf all die schnieken Vorstadtm&auml;dchen, in ihren rotbemalten Volksw&auml;gen&hellip; die h&uuml;ck Naach dobei sinn, enn ihrem <strong>&bdquo;Rude Jolf&ldquo;<\/strong>.<\/p>\n<p>2006 hatte Maestro Waits den wehenden Countryblues &bdquo;Long Way Home&ldquo; f&uuml;r sein gefeiertes Album &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.google.de\/search?biw=902&amp;bih=749&amp;q=orphans+brawlers+bawlers+%26+bastards&amp;stick=H4sIAAAAAAAAAGOovnz8BQMDgzUHnxCXfq6-QVpyoWmBgRKYbZxWZZpdpSWfnWyln1tanJmsX5SanF-UkpmXbpWWWVRcopCYk1Sa26-_Z6JYYsRcFxXWzzU5qxv_Xlh0HQBBeubKWAAAAA&amp;sa=X&amp;sqi=2&amp;ved=0CC8QmxMoATADahUKEwjkg5T97fPHAhVK7BQKHZxHBUM\">Orphans: Brawlers, Bawlers &amp; Bastards<\/a>&ldquo; aufgenommen; J&auml;cht und Frank deuteten diesen atmosph&auml;rischen Titel 2014 auf ihrem letzten Studiowerk &bdquo;Kumm Jank&ldquo; als <strong>&bdquo;&Ouml;mw&auml;&auml;ch Heim&ldquo;<\/strong> um, den wir nun in einer ganz aktuellen Livefassung, 2015 aus dem &bdquo;Max Ernst Museum&ldquo; zu Br&uuml;hl, auf &bdquo;Rest of II&ldquo; vernehmen k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Ein weiteres Meisterwerk des gro&szlig;en Songpoeten Tom Waits findet sich ebenfalls auf &bdquo;Rest of I&ldquo;: Gerd hatte vor ca. 20 Jahren zu Protokoll gegeben, dass er sehr froh sei, ebenjenes grazile Kneipendrama niemals &uuml;bersetzt zu haben, da dieser bluesige Verzweiflungsschrei schlussendlich lediglich im englischsprachigen Original funktioniere. So genie&szlig;en wir <strong>&bdquo;Tom Taubert&rsquo;s Blues (Waltzing Mathilda)&ldquo;<\/strong>, gesungen von Gerd, mit Frank an der Akustischen, J&uuml;rgen Fritz am Klavier und Rainer Winterschladen an der Trompete, in einer extremst intimen, g&auml;nzlich entschlackten, sechseinhalbmin&uuml;tigen Version mit englischer Lyrik, 1998 aufgezeichnet im &bdquo;K&uuml;ppers Club&ldquo; im K&ouml;lner Brauhaus.<\/p>\n<p>Die bewegende Milieustudie <strong>&bdquo;Ze vill Jep&auml;ck&ldquo;<\/strong> (Live 1992) stammt zwar auch aus der &Auml;ra des &sbquo;trunkenen Pianos&lsquo;, ist aber eine stil&auml;hnliche Eigenkomposition, die neben all den kongenialen Tom-Waits-Sichtweisen op K&ouml;lsch keinesfalls negativ heraussticht oder gar abf&auml;llt, sondern letztlich dasselbe hohe Niveau aufweist, selbst wenn sie nicht am East River, sondern unge am Rhing ersonnen wurde. Gleiches gilt f&uuml;r die von Matthias Keul komponierte (und, klar, vum J&auml;cht ad Personam betextete) stille Pianoballade <strong>&bdquo;D&uuml;&uuml;r en d&lsquo;r Wand&ldquo;<\/strong> (Live 1992).<\/p>\n<p>Als das Kapitel &bdquo;The Piano has been drinking&ldquo; 1993 beschlossen war, ver&ouml;ffentlichte Gerd K&ouml;ster ein Jahr darauf den grandiosen, aber zu Zeiten schauriger Dancefloor-Eint&ouml;nigkeit, dr&ouml;hnenden Grunge-Rocks, beginnenden Deutsch-Raps und s&uuml;&szlig;licher Boygroups, leider vollkommen unbeachtet gebliebenen K&ouml;lschrock-Meilenstein &bdquo;Alles im Griff&ldquo;, der, trotz einer glei&szlig;end sarkastischen Rap-Vera*schung (&bdquo;Wat is dann mit Dir, Sportsfreund?&ldquo;), fast ausnahmslos mit gnadenlosen, k&ouml;lschen Blues- und Gitarrenrockgewittern aufwartete. Aus dieser raren Scheibe, finden sich der dralle, drastische Titelsong <strong>&bdquo;Alles im Griff&ldquo;<\/strong> (Live 1997) und das feudale Blueschanson <strong>&bdquo;Der Herr da im Spiegel&ldquo;<\/strong> (Live 1996), auf &bdquo;Rest of I&ldquo;. Das nicht weniger ph&auml;nomenal ausgefallene Livealbum &bdquo;Der Tanz um den Heiligen Bim Bam&ldquo;, das einiges konzert&auml;r umgesetztes Material von &bdquo;Alles im Griff&ldquo; pr&auml;sentierte, mitsamt einiger feiner kabarettistischer Schmankerl, lie&szlig; schon vor knapp 20 Jahren erahnen, in welche musikalische Richtung sich Gerd K&ouml;ster in Futuro weiterentwickeln w&uuml;rde. In inniger kreativer Zweisamkeit mit Frank Hocker ausbaldowert, erfolgten bereits 1996 die ersten Aufnahmen als &uuml;berwiegend akustisch agierendes Duo <strong>&bdquo;K&ouml;ster &amp; Hocker&ldquo;<\/strong>. Aus dem Repertoire von dessen Deb&uuml;t &bdquo;Dreckelije Kr&auml;tzje&ldquo; wurden f&uuml;r die beiden &bdquo;Rest of&ldquo;-Kollektionen der skurrile Gitarren-Country-Ragtime-Verschnitt <strong>&bdquo;Wahnsinnig weede&ldquo;<\/strong> (Live 1996), die bed&auml;chtige Urlaubs- bzw. Aussteigersehnsucht nach der kleinen Baleareninsel <strong>&bdquo;Formentera&ldquo;<\/strong> (Live 2012) und die urk&ouml;lsche Folk-Moritat <strong>&bdquo;Buure S&auml;u&ldquo;<\/strong> (Live 2012) trefflich ausgepackt.<\/p>\n<p>Zu denjenigen faszinierendsten Beitr&auml;gen auf &bdquo;Rest of I&ldquo; und &bdquo;Rest of II&ldquo;, die &uuml;berwiegend nach dem Millennium entstanden sind, m&uuml;ssen der fraglos very-Tom-Waits-beeinflusste Sauf-Blues <strong>&bdquo;DeiDeiDeiDei&ldquo;<\/strong> (Live 2015), die latent jazzig-mediterran angehauchte Hedonisten-Parodie &ouml;vver <strong>&bdquo;D&rsquo;r Jupp&ldquo;<\/strong>, &sbquo;d&auml; Hirsch vum Salsa-Single-Club&lsquo; (Live 2012), der sich stets immens cool und relaxed gibt, aber leider keine Frauen weinen sehen kann, weshalb er in Anbetracht derer immer selbst umgehend sentimental und jammrig wird, sowie die heimelige, gem&uuml;tliche Ode op de <strong>&bdquo;Vier W&auml;ng&ldquo;<\/strong> eines kleinen Lokals oder das eher dunkel-ernsthafte Protestlied <strong>&bdquo;Leis rieselt et H&auml;tz&ldquo;<\/strong> (Live 2012)&ldquo; gerechnet werden.<\/p>\n<p>D&uuml;ster-betuliches, sacht res&uuml;mierendes Chanson-Flair verspr&uuml;ht der stille, in sich gekehrte R&uuml;ckblick <strong>&bdquo;En nem janz bestemmte Leech&ldquo;<\/strong> (Live 2015); der staubtrockene, rein akustisch inszenierte Boogie-Blues <strong>&bdquo;Dunn dat&ldquo;<\/strong> (Live 2012) experimentiert dagegen mit gallig-garstigen, satirischen Wortspielereien. <strong>&bdquo;F&uuml;r et H&auml;tz un j&auml;jen de Kopf&ldquo;<\/strong> (Live 2002) ist ein gitarrenlastiges, hymnen&auml;hnliches Gospel-Blues-Chanson kompaktester Machart, auf der Grundlage des traditionellen irischen Folkstandards &bdquo;Cerrickfergus&ldquo;, &sbquo;versuchte&lsquo; de J&auml;cht 1998 im &bdquo;K&uuml;ppers Club&ldquo;, zusammen mit erw&auml;hntem J&uuml;rgen Fritz und anderen Musikern, eine K&ouml;lsche Ausformung dessen namens <strong>&bdquo;Dousend Joohr&ldquo;<\/strong>, lauthals und bluesig zu intonieren, wurde dabei allerdings vom Leverkusener Kabarettisten Wilfried Schmickler (&bdquo;Mitternachtsspitzen&ldquo;) urpl&ouml;tzlich harsch unterbrochen und so ironisch, wie vehement, dazu aufgefordert, derartige Schmachtges&auml;nge k&uuml;nftig tunlichst zu unterlassen &ndash; womit &bdquo;Rest of II&ldquo; ein monumentaler Schlusspunkt gesetzt wird.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit der erst 2011 begr&uuml;ndeten, aktuellen K&ouml;lschrock-Band &bdquo;Kasalla,&ldquo; hatte Gerd im &bdquo;Tanzbrunnen&ldquo; den von ihm und Frank verfassten, treibenden Gitarren-Rock&rsquo;n&rsquo;Roll <strong>&bdquo;Spille jonn&ldquo;<\/strong> vorgetragen, der zuvor vor einem Jahr auf der &bdquo;Kasalla&ldquo;-Live-DVD &bdquo;Aff no drusse&ldquo; aufbereitet worden war und nun erstmals im CD-Format erh&auml;ltlich ist; auf legerer Country-Basis vertonten &bdquo;K&ouml;ster &amp; Hocker&ldquo; den vom im M&auml;rz 2015 76j&auml;hrig verstorbenen K&ouml;lner Dichter und Liedschreiber Robert P&uuml;tz verfassten Text <strong>&bdquo;Loss los&ldquo;<\/strong> (Live 2013, im Rahmen der Matinee &bdquo;K&ouml;lschstunde&ldquo;). Ebenfalls dem reichhaltigen Fundus von P&uuml;tz&lsquo; Reimen entnommen wurde die stille Ballade <strong>&bdquo;Karneval in K&ouml;ln&ldquo;<\/strong>, zu der Arno Steffen die gem&auml;chliche Melodie kreiert hatte (Live 2012). Im Rahmen eines bitterb&ouml;sen Sprechgesangs aus der Sicht eines verbiesterten Spie&szlig;b&uuml;rgers, der den ganzen Tag nichts anderes zu tun hat, als am Fenster zu sitzen, der all seine Nachbarn auf dem Kicker hat und sich &uuml;ber jeden einzelnen neidisch, l&auml;sternd und oberlehrerhaft seine kruden Gedanken macht, findet die knapp sechsmin&uuml;tige Sozialanalyse <strong>&bdquo;R&auml;&auml;ch ze wisse&ldquo; <\/strong>(Live 2012) statt.<\/p>\n<p>Im kabarettistischen Spektrum zwischen Couplet, Chanson und ironisch grell &uuml;berzeichnetem Karnevalslied finden sich z.B. <strong>&bdquo;Dreckelich&ldquo;<\/strong> (Live 1997), das im Original von Hans S&uuml;per sen. und dessen Gesangsquartett &bdquo;De Vier Botze&ldquo; aus den 60er Jahren stammende Karnevalslied <strong>&bdquo;Die Walberberger Feuerwehr&ldquo;<\/strong> (Live 2012), das von der K&ouml;lner Stra&szlig;engesangsgruppe &bdquo;Drei Laachduuve&ldquo; 1938 erschaffene, 1975 von &bdquo;De Bl&auml;ck F&ouml;&ouml;&szlig;&ldquo; wieder ausgegrabene Schnaderh&uuml;pfel <strong>&bdquo;En d&rsquo;r Kayjass Nr. Null&ldquo;<\/strong> (Live 2002, mit Tommy Engel, Hans S&uuml;per und J&uuml;rgen Fitz) oder <strong>&bdquo;De Fleech&ldquo;<\/strong>, eine 2012, mit vokalistischer Unterst&uuml;tzung von Hans S&uuml;per jun. &sbquo;live&rsquo; aufgenommene Variation des gleichnamigen &bdquo;K&ouml;lschen Kr&auml;tzje&ldquo; des &bdquo;Colonia Duetts&ldquo; aus dem Jahr 1980, wieder.<\/p>\n<p>Das sentimentale, liebevolle Weihnachtslied &uuml;ber eine einsame <strong>&bdquo;Hillje Naach&ldquo;<\/strong> an der Theke irgendeiner S&uuml;dstadtbar hatte noch in der &bdquo;The Piano has&hellip;&ldquo;-Periode (Live 1993) seine Urspr&uuml;nge, <strong>&bdquo;Zwesche d&auml; Daach<\/strong>&ldquo; (Live 2010) ist ein gesungener, trauriger Brief eines in Afghanistan stationierten Bundeswehrsoldaten, den dieser kurz vor dem Christfest an seine Eltern, weit weg im fernen K&ouml;ln, schreibt und in dem er sinniert, wie es wohl w&auml;re, wenn er &bdquo;zwesche d&auml; Daach&ldquo;, also zwischen Weihnachten und Neujahr, bei ihnen in Deutschland sein k&ouml;nne, w&auml;hrend der so r&uuml;hrselige, wie widerspenstige Gitarrenschleicher <strong>&bdquo;D&auml; Boum vom letzte Johr&ldquo;<\/strong> (Live 2010) von den Gef&uuml;hlen eines Witwers erz&auml;hlt, der zum ersten Mal einen Weihnachtsabend ohne seine geliebte Frau &sbquo;Annelies&lsquo; verbringen muss.<\/p>\n<p>Ob gef&uuml;hliges Gr&uuml;beln &uuml;ber emotionale Zust&auml;nde in positiver, wie negativer Hinsicht, die ungesch&ouml;nte, nicht selten bei&szlig;end &uuml;berzeichnete, ironische Darstellung menschlicher Schicksale, Charaktere, Eigenschaften, zu mal ruppiger, mal bluesbeladener, mal grell fr&ouml;hlicher, oder melancholischer, in vielen F&auml;llen rein akustisch gehaltener Musik &ndash; und all dies dargeboten in ehrlichem, k&ouml;lschen Dialekt direk vun de Stroo&szlig; &#8211; all dies ist auf <strong>&bdquo;Rest of I&ldquo;<\/strong> und <strong>&bdquo;Rest of II&ldquo; <\/strong>&nbsp;von <strong>&bdquo;K&Ouml;STER &amp; HOCKER&ldquo;<\/strong> in bester Auspr&auml;gung geballt vorhanden. Beide &uuml;ppig ausstraffierte CDs werden wohl in der kommenden &bdquo;Hillje Naach&ldquo; unter so manchem Christbaum enn K&ouml;lle &amp; Umgebung vorzufinden sinn.<\/p>\n<p>\n<img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/smago.de\/fotos\/pics\/images\/koester_hoecker_2.jpg\" style=\"width: 500px; height: 500px;\" \/><\/p>\n<p>Holger St\u00fcrenburg, 10. bis 14. September 2015<br \/>http:\/\/www.gmo-thelabel.com\/<br \/>http:\/\/www.gerd-koester.de\/jaecht\/musik\/koester-und-hocker\/index.html<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Leib- und Magen-Thema f\u00fcr den renommierten Musikgourmet Holger St\u00fcrenburg!\u00a0 Als die meisten musikinteressierten Bundesb&uuml;rger zu schnellverg&auml;nglichen Scheu&szlig;lichkeiten der Unart<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":85658,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[21],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/85657"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=85657"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/85657\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/85658"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=85657"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=85657"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=85657"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}