{"id":82747,"date":"2015-12-14T00:00:00","date_gmt":"2015-12-14T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=82747"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"UDO-JUERGENS-Buchkritik-Andreas-82746","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/schlager\/UDO-JUERGENS-Buchkritik-Andreas-82746\/","title":{"rendered":"UDO J\u00dcRGENS <br \/>Buchkritik Andreas Maier &#8211; &quot;Mein Jahr ohne Udo J\u00fcrgens&quot;!"},"content":{"rendered":"<p>Stephan Imming hat sich das im Suhrkamp Verlag erschienene Buch durchgelesen &#8230;:\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im renommierten Suhrkamp-Verlag erschien Andreas Maiers Buch &quot;Mein Jahr ohne Udo J&uuml;rgens&quot;. Es ist mindestens das f&uuml;nfte Buch &uuml;ber UDO J&Uuml;RGENS, das posthum erschienen ist oder zumindest neu aufgelegt wurde.<\/p>\n<p>Die meisten B&uuml;cher haben den Anspruch, so etwas wie Biografien zu sein. Allein die Vielzahl der Fehler, die sich in jedem Buch findet oder auch unsinnige L&auml;ngen machen diese B&uuml;cher f&uuml;r viele Fans mehr oder weniger wertlos. Eines dieser B&uuml;cher, das sehr kurz nach Udos Ableben erschien und ganz offensichtlich reine Gesch&auml;ftemacherei war, kam in die Bestsellerlisten. Vielleicht h&auml;tte an dessen Stelle eine gute Biografie stehen k&ouml;nnen, wie es sie erstaunlicherweise bis heute nicht gibt.<\/p>\n<p>Neben den schwachen &quot;Pseudo&quot;-Biografien gibt es auch B&uuml;cher mit dem Fokus auf den pers&ouml;nlichen Bezug der Autoren zu Udo. Vorreiterin in Sachen Posthum-Ver&ouml;ffentlichungen war eine Stalkerin, die nicht nur Udo, sondern auch andere mit ihren Wichtigtuereien nervte. Karl Dalls Ruf hat sie schwer besch&auml;digt. Das hielt sie nicht davon ab, ein Buch &uuml;ber ihr Verh&auml;ltnis zu Udo J&uuml;rgens zu schreiben. Schlimmer geht&#39;s nimmer &#8211; folglich kann Andreas Maier mit seinem Ansatz nur besser dastehen.<\/p>\n<p>Vorab war das Buch f&uuml;r mich unter verschiedenen Aspekten interessant. Beispielsweise bin ich offensichtlich ziemlich genau so alt wie der Autor. Im Vorfeld habe ich gelesen, dass er beschrieben hat, dass es f&uuml;r ihn in jungen Jahren unangenehm gewesen sei, nach einer Udo J&uuml;rgens-Platte zu fragen, weil das gesellschaftlich damals verp&ouml;nt war. Alleine das fand ich schon interessant, weil ich es damals auch so empfunden habe. Emp&ouml;rte Facebook-Postings der Art &quot;also ich habe mich nie gesch&auml;mt, nach Udo zu fragen&quot; best&auml;rkten mich in meiner Sympathie f&uuml;r den Autoren, weil so was immer von Leuten kommt, die entweder erst posthum oder in den letzten Jahren Udos zu Fans wurden und sich daher an Udos fr&uuml;heren Schlagernimbus nicht aus eigener Erfahrung erinnern k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Zu Beginn des Buchs finde ich einen weiteren interessanten Aspekt in Maiers Buch, den ich sehr gut nachvollziehen kann. Er schildert, dass Udo in einem Interview mit Markus Lanz geh&ouml;rt habe, dass dieser kalt dusche. Udo warb f&uuml;r &quot;kaltes Duschen&quot; wohl so &uuml;berzeugend, dass Maier sich tats&auml;chlich angew&ouml;hnt hat, selber dieses Ritual f&uuml;r sich zu &uuml;bernehmen. W&auml;re er langj&auml;hriger Udo-Fan, w&uuml;sste er vielleicht, dass bereits im Anfang der 1970er Jahre erschienenen &quot;Schneiderbuch&quot; &quot;Alles &uuml;ber Udo&quot; genau dieses kalte Duschen thematisiert wurde und Olli Dittrich bei Udos Geburtstagsgala zum 60. Geburtstag erz&auml;hlte, dass auch er wegen Udo morgens kalt dusche.<\/p>\n<p>Interessant ist noch ein Nebenaspekt, den Maier erw&auml;hnt &#8211; er schreibt: &quot;<em>Und nackt unter der Dusche im eiskalten Wasser an einen Mann zu denken, bringt einen heterosexuellen<\/em><em> Menschen tats&auml;chlich nur auf eine der beiden besagten Weisen nach vorn.<\/em>&quot; &#8211; Auch das kann ich gut nachvollziehen, dass man teils auf Unverst&auml;ndnis st&ouml;&szlig;t in seiner zugegeben nicht mehr ganz normalen Art und Weise, Udo zu verehren. Der Mann hatte eine Ausstrahlung wie ich sie von keinem anderen Prominenten auch nur im Ansatz wahrgenommen habe.<\/p>\n<p>Beim Lesen des Buchs stellt sich heraus, dass ich wohl von falschen Voraussetzungen ausging. Der Autor kannte Udo J&uuml;rgens zwar in jungen Jahren, hat seine Karriere aber erst in den letzten Jahren intensiv verfolgt <em>(&quot;<\/em><em>Ich kam zu Udo J&uuml;rgens, da war er bereits sechsundsiebzig<\/em><em>&quot;)<\/em><em>.<\/em> Anlass war die Begegnung mit einer &quot;Lehrerin namens Nina aus dem Gie&szlig;ener Raum&quot;. Spannend: Diverse Protagonisten im Buch, die nicht mal &uuml;ber 1.000 Ecken irgendetwas mit Udo zu tun haben, werden mit vollem Namen genannt, jene omin&ouml;se Nina hingegen immer nur verklausuliert, also anonym. F&uuml;r mich als langj&auml;hriger Udo-Fan w&auml;re so ein Name zur Einordnung hilfreich, weil ich viele der eingefleischten Fans entweder pers&ouml;nlich oder namentlich kenne. &#8211; F&uuml;r einen Fan &quot;alter Stunde&quot; ist das insofern wichtig, als subjektiv f&uuml;r mich dieser Kult um Udo <u>nach<\/u> seinem Tod suspekt ist. Es tauchen zu Dutzenden Leute auf, die sich zu Lebzeiten niemals in Foren &uuml;ber Udo ge&auml;u&szlig;ert haben, heute aber so tun, als sei er immer schon der Lebensmittelpunkt gewesen. Von den teils grenzwertigen &quot;Hommage&quot;-Aktionen will ich da gar nicht erst reden.<\/p>\n<p>Richtig &quot;spannend&quot; und skurril ist in dem Zusammenhang, dass einer der Administratoren der wohl gr&ouml;&szlig;ten inoffiziellen Facebook-Fangruppe erkl&auml;rt, warum &quot;wir die Gruppe gegr&uuml;ndet&quot; haben, obwohl er mit deren Gr&uuml;ndung meines Wissens nichts zu tun gehabt hat. &Auml;hnliche Vorbehalte hatte ich, als ich h&ouml;rte, dass ein &quot;Andreas Maier&quot; ein Buch namens &quot;Mein Jahr ohne Udo J&uuml;rgens&quot; schrieb. Als ich einen langj&auml;hrigen Fan nach dessen Meinung zu diesem Projekt fragte, meinte der, dass ihn das nicht interessiere, weil ein Andreas Maier sich zu Lebzeiten zumindest in den einschl&auml;gigen Foren nie zum Thema Udo J&uuml;rgens ge&auml;u&szlig;ert habe und ihm das egal sei, was dieser nun posthum schreibt. Ich bekenne, dass auch mir so etwas suspekt ist, ich erinnere mich nur zu gut an viele Jahre, in denen in den Fan-Foren (zu meinem Bedauern) so gut wie niemand etwas schrieb.<\/p>\n<p>Das hatte aber Gr&uuml;nde, um wieder den Bogen zu Maiers Buch zu spannen. Udo hatte stets einen kritischen Bezug zum Internet. Maier zitiert mehrfach das Lied &quot;Gefangen im Netz&quot;, wobei schon der Songtitel falsch zitiert ist, das Lied hei&szlig;t n&auml;mlich &quot;<strong>Der gl&auml;serne Mensch<\/strong>&quot;. Maier pickt sich eine Zeile raus: &quot;<em>Gefangen im Netz &#8211; wider jedes Recht und Gesetz<\/em>&quot;. Im Original hei&szlig;t es aber &quot;Gefangen im Netz &#8211; <strong>gegen<\/strong> jedes Recht und Gesetz&quot;. Wie u. a. bei smago berichtet wurde, ist es ja schon bei zwei Grabplatten nicht gelungen, einen Songtext von Udo in wenigen Zeilen korrekt zu zitieren, warum sollte Maier dazu in der Lage sein? Wobei es schon unglaublich ist, dass das Unterfangen auch bei gerade mal zwei Liedzeilen aussichtslos ist &#8211; in meinen Augen h&auml;ngt das klar damit zusammen, wenn jemand sich nicht seit Jahrzehnten mit Udos Werk auseinandersetzt.<\/p>\n<p>Nach meiner These ist Udos Aversion gegen das Netz, die er ja auch in seinem letzten Infobrief an die Fans zum Ausdruck brachte, aber auch in fr&uuml;heren Liedern wie &quot;Du bist durchschaut&quot; beschrieb, dem geschuldet, dass er nur Bruchst&uuml;cke von dem mitbekam, was sich im Netz tat. Im Internet ist beispielsweise eine fast komplette Discografie zu finden &#8211; selbstredend privat organisiert und nicht von Udos Umfeld. Wenngleich Andreas Maier in Teilen recht hat, wenn er schreibt, dass es &auml;u&szlig;erst schwierig ist, sich &uuml;ber Udos Werk zu informieren, weil von offizieller Seite sehr wenig getan wird, ist folgende &Auml;u&szlig;erung seines Buches schon krass:&nbsp; &quot;<em>und es gibt auch keine Szene, in der man etwa an Fachleute geraten k&ouml;nnte, die sich in Udo J&uuml;rgens unter dem Prinzip Vollst&auml;ndigkeit eingearbeitet h&auml;tten. Ich kenne zumindest keine solche Szene.&quot;<\/em> Es gibt sehr wohl einige Leute, die sich die Aufbereitung von Udos Lebenswerk fast zur Lebensaufgabe gemacht haben. Die sich damit besch&auml;ftigende Seite &quot;udofan.com&quot; ist nun wirklich nicht schwer zu finden. &#8211; Nehmen wir mal an, auch Udo wurde mit solchen falschen &Auml;u&szlig;erungen versorgt wie Maier sie in seinem Buch ver&ouml;ffentlicht hat &#8211; stattdessen wurde &nbsp;ihm selektiv vorgelegt, wenn die b&ouml;sen Fans mal wieder meckern (- mal als Hypothese). &nbsp;Dann w&uuml;rde ich Lieder wie eben &quot;Der gl&auml;serne Mensch&quot; mit anderen Ohren h&ouml;ren und es nicht mehrfach als wichtig herausstellen, wobei der Textinhalt Udo schon sicher wichtig war &#8211; aber man sollte &#8211; so meine ich &#8211; auch Hintergr&uuml;nde dazu kennen.<\/p>\n<p>Dr. Rainer Moritz bezeichnet Maiers Buch im Berliner &quot;Spreeradio&quot; als &quot;Buch f&uuml;r Intellektuelle, die bisher Angst hatten, sich zu Udo J&uuml;rgens zu bekennen.&quot; In dem Zusammenhang muss ich wieder zu einem Exkurs ausholen. Nach meiner Kenntnis ist er derjenige, der unter dem Pseudonym &quot;Max und MORITZ&quot; Ende der 1990er Jahre ein Buch mit Textanalysen zu deutschen Schlagern geschrieben hat und auch weitere B&uuml;cher zum Thema verfasst hat. In meinen Augen sind seine B&uuml;cher alle empfehlenswert und hoch interessant zu lesen. Ich tue mich nur schwer in der Beurteilung, ob er hinsichtlich seiner Textanalysen diese ernst meint oder das Satire ist, was durchaus f&uuml;r ihn spricht. Ein &auml;hnliches Problem habe ich mit den (wenigen) Textanalysen Andreas Maiers.<\/p>\n<p>Der teilt sein Buch in zwei Teile: In Anspielung auf Udos &quot;Merci Cherie&quot; in &quot;nach vorn&quot; und in &quot;nicht zur&uuml;ck&quot;. &Uuml;ber sehr viele Seiten nimmt er genau dieses Lied auseinander. Es sei bemerkt, dass Co-Textdichter des Liedes Udo J&uuml;rgens selbst ist. Er hat dieses sehr intensiv besprochene Lied also selber (mit) getextet (gemeinsam mit Thomas H&ouml;rbiger). In dem Zusammenhang ein weiteres Zitat aus Maiers Buch: &quot;<em>Auch wenn Udo J&uuml;rgens selbst keine Textzeile geschrieben hat, so hat sein Texterteam doch ganze Arbeit geleistet.&quot;<\/em> Maier hat nun ausgerechnet eines der (zugegebenerma&szlig;en eher wenigen) Lieder rausgepickt, die Udo auch selbst getextet hat und es (wie schon Sexualwissenschaftler Jahrzehnte vor ihm) mit einem Liebesakt verglichen (O-Ton: &quot;<em>Anschwellen, rhythmische Bewegung, H&ouml;hepunkt, Abschwellen&quot;).<\/em><\/p>\n<p>&Uuml;brigens -diejenigen, die jetzt sagen &quot;von wegen intellektuell &#8211; da kenn ich mich auch aus&quot; &#8211; also in den Merci-Cherie-Kapiteln wird mit derart vielen Fremdworten um sich geschmissen, dass zumindest ich einfach gestrickter Schlagerfan kapitulieren musste. Ein weiteres Zitat aus dem Buch lautet n&auml;mlich: &quot;<em>Die eigentliche Didaxe ist also proleptisch&quot;<\/em> &#8211; ach soo ist das also.<\/p>\n<p>Den Ausklang (&auml;h, das &quot;Abschwellen&quot;) von Merci Cherie beschreibt Maier &uuml;brigens wie folgt: O-Ton: &quot;<em>Mann, das war gut. Anschlie&szlig;end bricht die Erm&uuml;dung endg&uuml;ltig durch (<\/em><em>post coitum fatigatio<\/em><em>).&quot; <\/em>Post coitum&quot; was&#8230;? Da hab ich wohl wieder in Biologie nicht aufgepasst. Diese Bildungsl&uuml;cke wollte ich schlie&szlig;en, indem ich den Begriff googelte. Und was findet man da als Treffer? Richtig &#8211; einen Hinweis auf Maiers Buch. Ich ahne dennoch, was gemeint ist&nbsp; :-).<\/p>\n<p>Offensichtlich bin ich f&uuml;r das Buch also doch nicht intellektuell genug &#8211; schade. &Uuml;brigens &#8211; auf den Song &quot;Lieb Vaterland&quot;, der lt. seiner Aussage &quot;<em>vier Jahre nach Merci Cherie<\/em>&quot; erschien (zwischen 1966 und 1971 liegen demnach vier Jahre), geht Maier nur am Rande ein.<\/p>\n<p>Kommen wir zur zweiten umfangreichen Textanalyse im Buch. Ich wei&szlig; nicht, ob es dem Autoren bewusst ist &#8211; aber auch da hat er sich ein imposantes Beispiel ausgesucht &#8211; das ist eines der wenigen &uuml;beraus popul&auml;ren Lieder von Udo, die dieser nicht selber komponiert hat: &quot;Es wird Nacht Senorita&quot;. Dennoch finde ich einen Aspekt, den Maier benennt, hoch interessant &#8211; dar&uuml;ber habe ich noch nicht nachgedacht: Maier betont, dass es schon recht einzigartig ist, dass ein Mann recht unverhohlen eine Frau zum Beischlaf bittet und dabei recht offenkundig nur die eigene Wolllust in den Vordergrund stellt. In solchen Zusammenh&auml;ngen vorgetragene zielf&uuml;hrende Komplimente der Marke &quot;Du bist begehrenswert&quot; oder &quot;Du bist sch&ouml;n&quot; findet man in der Tat in dem Song nicht.<\/p>\n<p>F&uuml;r mich wieder nicht nachvollziehbar: Recht ausf&uuml;hrlich schildert der Autor, wie Udo den Song bei seiner letzten Tour vorgetragen hat &#8211; dazu muss man wissen, dass Maier das Konzert in Frankfurt besucht hatte. Das Konzert in Frankfurt war (von Vorkonzerten abgesehen) das zweite Konzert von Udos letzter Tour. In der Tat wurde die Senorita von Udo in Frankfurt im Rahmen eines Medleys(!!) gebracht (das Medley bestand aus den Songs Anuschka, Cotton Fields, <strong>Es wird Nacht, Senorita<\/strong> und Mathilda). Ausgerechnet <u>dem<\/u> Song (als Teil eines Medleys vorgetragen) so eine Bedeutung zu geben, ist schon unter dem Aspekt fragw&uuml;rdig &#8211; erst recht, wenn man wei&szlig;, dass das Medley (zu meinem Bedauern) im weiteren Verlauf der Tour aus dem Programm gefallen ist. Und es war nach meiner festen &Uuml;berzeugung mitnichten so, dass Udo diesem Lied im sp&auml;ten Alter einen neuen &quot;Touch&quot; geben wollte,&nbsp; vielmehr wollte Udo nach meiner Meinung augenzwinkernd an sein Fr&uuml;hwerk erinnern.<\/p>\n<p>Spa&szlig;igerweise hat er dieses Medley ja so angesagt, dass &quot;Anuschka&quot; seine erste Single gewesen sei, die Erfolg hatte, was nat&uuml;rlich nicht stimmte. Interessanterweise hat Udo das gleich bei mehreren Konzerten so gesagt. Warum ihn niemand auf den Fehler aufmerksam machte &#8211; aus eigener Unkenntnis oder aus sonstigen Gr&uuml;nden, man wei&szlig; es nicht. Jedenfalls ist das ein weiteres Indiz, dass Udo seine ganz fr&uuml;hen Jahre (&quot;Anuschka&quot; erschien 1968, seine erste Single 1956) mit fortschreitendem Alter einfach &quot;ablehnte&quot; und den durchaus vorhandenen ersten Erfolg dieser Jahre wohl regelrecht nicht wahrhaben wollte, weil er sein Fr&uuml;hwerk offensichtlich abgrundtief ablehnte (im Nachhinein).<\/p>\n<p>Auch in anderem Zusammenhang bet&auml;tigt sich Maier als Sexualwissenschaftler wie vor Jahrzehnten G&uuml;nther Hunold im bemerkenswerten Buch &quot;Warum nur warum &#8211; das Ph&auml;nomen Udo J&uuml;rgens&quot;. Kostprobe aus Maiers Buch: &quot;<em>Daher schrieb ich einmal, dass die Koitalquote nach einem Udo-J&uuml;rgens-Konzert &auml;hnlich hoch sein d&uuml;rfte wie bei einem<\/em> <em>allgemeinen deutschen Betriebsausflug (, der einer Karnevalsfeier statistisch kaum nachsteht)&quot;. <\/em>Ich muss bekennen &#8211; Worte wie &quot;Koitalquote&quot; sind schon unterhaltsam und lesenswert.<\/p>\n<p>Themenwechsel &#8211; ein weiterer mir nicht nachvollziehbarer Aspekt bei Andreas Maier ist, dass er es sinnvoll und richtig fand, sich f&uuml;r Udo J&uuml;rgens &quot;warmzutrinken&quot;. Bei mir war das immer anders &#8211; ich habe den Rausch des Udokonzerts sehr gerne genossen und nachher gerne noch mit Sinnesgenossen einen &quot;getrunken&quot;, allerdings nur in sehr geringem Rahmen und eher mit Wasser, weil ich fast immer fahren musste. F&uuml;r mich waren Udo-Konzerte an sich Rauscherlebnisse, da finde ich &quot;Warmtrinken&quot; fehl am Platz.<\/p>\n<p>Wobei ich auch hoch interessante Thesen in Maiers Buch fand. Eine These von ihm vertrete ich fast schon von Kindheit an: &quot;<em>Der Antispie&szlig;er ist die h&ouml;chste Form des Spie&szlig;ers<\/em>&quot;. Beispiel: In meiner Klasse waren zu Jugendzeiten die Leute Fans von KISS, Bay City Rollers und Co. Und dann gab es in der Klasse EINEN Schlagerfan &#8211; mich. Diejenigen, die das gut fanden, was alle gut fanden, bezeichneten MICH als &quot;Spie&szlig;er&quot;. Das habe ich schon als Kind als Realsatire empfunden, dass man gleichzeitig &quot;Spie&szlig;er&quot; und Revoluzzer sein kann, weil ich ja nun definitiv mich gegen den Mainstream gestellt habe. Bewusst wurde mir das erst sp&auml;ter &#8211; aber es ist sch&ouml;n zu sehen, dass Maier diesen Aspekt in meinen Augen anschaulich formuliert hat.<\/p>\n<p>Was dem Fan-Herzen wiederum weh tut: Recht wahllos zitiert der Autor Songzitate von Udo, die er aus &quot;Best Of&quot;-Platten entnommen hat. F&uuml;r sehr viele Udo-Kenner sind diese &quot;Best Ofs&quot; grenzwertig zu sehen, weil sie dem gro&szlig;en Udo J&uuml;rgens nicht wirklich gerecht wurden. Maier selbst nennt korrekterweise das Lied &quot;Buenos Dias Argentina&quot; als gro&szlig;en kommerziellen Erfolg von Udo, den man schon als eher unwichtig bezeichnen kann. Insofern wird man &#8211; so meine ich &#8211; Udos Anspruch nicht gerecht, wahllos aus seinen Best Ofs zu zitieren, zumal eines seiner sch&ouml;nsten Songs (&quot;Ich w&uuml;rd es wieder tun&quot;) falsch zitiert wird &#8211; im Laufe des Buchs sogar gleich zwei mal (&quot;Ich werde es wieder tun&quot;) &#8211; sorry, bei diesen Textverf&auml;lschungen bin ich einfach pingelig, weil ich aus wirklich sehr guten Quellen wei&szlig;, wie pedantisch Udo an jedem Wort seiner Texte (mit) feilte.<\/p>\n<p>Im Anhang seines Buchs findet sich ein Kapitel namens &quot;Notizen &uuml;bers Jahr&quot;. Auch dazu zwei Anmerkungen:<\/p>\n<p>&quot;<em>ein leben mit ihm h&auml;tte ich gar nicht aushalten k&ouml;nnen, das ging nur die letzten jahre, aber 40 jahre das konzept der radikalen emotionalit&auml;t ertragen?<\/em>&quot; &#8211; (abgesehen von der mir nicht nachvollziehbaren Rechtschreibung) kann ich f&uuml;r mich da nur sagen: JA! Diese rund 40 Jahre Udo, die ich pers&ouml;nlich hinter mir habe, bedaure ich nicht. Im Gegenteil &#8211; es ist f&uuml;r mich ein Gl&uuml;cksgef&uuml;hl, dass er quasi mein ganzes mir bewusstes Leben begleitet hat.<\/p>\n<p>&quot;<em>wer ist eigentlich stefanie s&uuml;hner<\/em>?&quot; -dazu kann ich nur sagen: Mit Stefanie S<strong><u>u<\/u><\/strong>hner (auch der Name falsch geschrieben) hat Udo in seinem allerletzten Konzert (aber auch im Rahmen seiner letzten Tour in Frankfurt) sehr tiefsinnig sein Lied &quot;Immer wieder geht die Sonne auf&quot; vorgetragen. F&uuml;r mich (und da gehe ich vermutlich mit dem Buchautoren konform) viel beeindruckender als jedes Helene-Fischer-Duett (, wobei ich durchaus Helene-Fan bin, aber nicht in Sachen Udo). Frau S<strong><u>u<\/u><\/strong>hner hat das Lied mit Udo vorgetragen, wobei ich einschr&auml;nkenderweise sagen muss, dass nach meinem Eindruck diese tolle S&auml;ngerin nicht unbedingt ihre ehrliche musikalische Heimat bei Udo sah bzw. sieht.<\/p>\n<p>Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass das Buch nicht so peinlich ist wie eigentlich alle anderen Posthum-Buch-Projekte. Richtig schade finde ich aber, dass in dem Buch Udo viel zu wenig Platz einnimmt und Andreas Maier viel mehr Platz einnimmt &#8211; zumindest Udo-Fans w&uuml;rden es sich vermutlich andersherum w&uuml;nschen. Andererseits hat das Buch im Gegensatz zu vielen geradezu unertr&auml;glichen anderen Ver&ouml;ffentlichungen gerade des letzten Jahres gar nicht den Anspruch, Biografie zu sein. Wer sich f&uuml;r individuelle Gef&uuml;hle und Erlebnisse eines Fans interessiert, liegt mit dem Buch sicher richtig, zumal es schon ein Adelsschlag ist, wenn der renommierte Suhrkamp-Verlag sich des Themas annimmt.<\/p>\n<p>Stephan Imming, 12.12.2015<br \/>http:\/\/www.ariola.de<br \/>http:\/\/www.udojuergens.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stephan Imming hat sich das im Suhrkamp Verlag erschienene Buch durchgelesen &#8230;:\u00a0 Im renommierten Suhrkamp-Verlag erschien Andreas Maiers Buch &quot;Mein<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":82748,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[29],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/82747"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=82747"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/82747\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/82748"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=82747"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=82747"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=82747"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}