{"id":82492,"date":"2015-12-23T00:00:00","date_gmt":"2015-12-23T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=82492"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"FRANK-ZANDER-Die-CD-Immer-noch-82491","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/nonsens\/FRANK-ZANDER-Die-CD-Immer-noch-82491\/","title":{"rendered":"FRANK ZANDER <br \/>Die CD &quot;Immer noch der Alte&quot; im Test von Holger St\u00fcrenburg!"},"content":{"rendered":"<p>Das Album gibt es im \u00dcbrigen auch als limitierte Vinyl-LP!\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit rund 50 Jahren wuselt er nun schon h&ouml;chst reputierlich durch die deutsche Popszenerie: Gro&szlig;meister <strong>FRANK ZANDER<\/strong>, &uuml;berzeugter, wie &uuml;berzeugender musizierender Vertreter, Vermittler und einwandfreier Experte in Sachen schwarzen, britischen Humors &#8211; Made in Berlin.<\/p>\n<p>Seit seinen Anf&auml;ngen, z.B. mit dem schier brillanten, mehr gelallten, als gesungenen Kneipenbluesdrama &bdquo;Ich trink auf Dein Wohl, Marie&ldquo; (1975), dem mutma&szlig;lich ersten deutschsprachigen Hip Hop &uuml;berhaupt, &bdquo;Der Nick-Nack-Man&ldquo; (dito), unz&auml;hligen, unversch&auml;mt umwerfenden Parodien auf die &sbquo;Disco-Folter&lsquo;, sorry, &bdquo;Disco-Polka&ldquo;, der ausgehenden 70er Jahre, oder der musikalisch so bet&ouml;rend schlagerhaft-einlullend ausgerichteten und doch inhaltlich so bitterstb&ouml;sen Parodie auf die heutzutag*innen beinahe alles bestimmende (resp. sprachlich und gedanklich &uuml;berm&auml;&szlig;ig einschr&auml;nkende) &bdquo;Politischen Korrektheit&ldquo;, &bdquo;Oh Susie (Der zensierte Song&ldquo;) (beide 1976), hat sich der am 4. Februar 1942 geborene Ur-Berliner zu einem realen Monument des anspruchsvollen Kabarett- und Persiflage-Geschehens in der BR Deutschland hochgearbeitet &ndash; und befindet sich a.D. 2015 auf einem unerreichbaren Thron der gescheiten (!!!), oft sehr hintergr&uuml;ndigen Comedy, verbunden mit ausgepr&auml;gter klanglicher Vielseitigkeit und Spritzigkeit. Zwei Faktoren, von denen sich so mancher M&ouml;chtegern-Kom&ouml;diant des Heute und Hier (falls dieser dazu geistig-mental in der Lage ist, was nicht bei jedem Teilhaber dieses Genres sogleich feststeht), eine geh&ouml;rige Scheibe abschneiden k&ouml;nnte.<\/p>\n<p>Auch wir unverbesserlichen TV-Kinder der 70er und 80er Jahre kamen in unserer Jugend nicht ohne den intelligenten Bl&ouml;dler aus der damaligen Mauerstadt aus: Ob die legend&auml;re &bdquo;Plattenk&uuml;che&ldquo;, in vereinter Moderation mit der hanseatischen Kultsirene Helga Feddersen, die ersten Staffeln der anarchischen Musik-plus-Sketche-Show &bdquo;Bananas&ldquo;, die 1982 bis 1984 ausgestrahlte ZDF-Sendung &bdquo;Vorsicht Musik!&ldquo;, bei der Franks Bruder im Geiste, Hugo Egon Balder, der st&auml;ndig aufgeregten, n&ouml;hlenden, dazwischen quasselnden Stoffhund-Figur &bdquo;Herr Feldmann&ldquo; die Stimme lieh, oder die Mitt-80er-Teeniesensation &bdquo;Die Spielbude&ldquo;, moderiert von einer heute kaum noch aufzufindenden Lady namens Gina Stephan, in der Herr von und zu Zander als Stimme des ewig n&ouml;rgelnden &bdquo;Mieslings&ldquo;, eines satirisch &uuml;berspitzt missmutigen Miesmachers in Stofftiergestalt, diese f&uuml;r uns damals 13 bis 16 j&auml;hrige Jungspunde eine heutzutage kaum noch nachvollziehbare Relevanz besitzende Nachmittagssendung entsprechend bei&szlig;end-zynisch (aber niemals ganz, ganz b&ouml;se) kritisierte und kommentierte &ndash; all dies hat in unserer Teenagerzeit unverkennbare Spuren hinterlassen.<\/p>\n<p>Sp&auml;ter, 1989, kam bzw. erschien dann der ultracoole Vorstadtdiskothekenaufrei&szlig;er &bdquo;Kurt&ldquo; immer wieder auf die (oder neben der) Tanzfl&auml;che, und im Advent 1995 rief Frank eine absolut famose und jederzeit unterst&uuml;tzenswerte Aktion ins Leben. Er veranstaltete, gemeinsam mit seiner Familie, f&uuml;r 300 obdachlose Menschen ein gro&szlig;es Weihnachtsessen. Diese zutiefst menschliche, karitative Sause zugunsten der Armen der &Auml;rmsten, fand in den darauffolgenden Jahren immer mehr Freunde, Helfer und Sponsoren. Frank bescherte den Obdachlosen, in Kooperation mit vielen prominenten Zeitgenossen, alleweil kurz vor Heiligabend, G&auml;nsebraten und noch viel mehr &ndash; und auf der B&uuml;hne gaben sich zeitgleich, nat&uuml;rlich honorarfrei, viele Kolleginnen und Kollegen die Ehre, die wohnungslosen Menschen mit ihren Liedern gen&uuml;sslich zu unterhalten. CARITAS, Diakonie und viele andere Hilfswerke sind inzwischen auch mit von der Partie; vom damaligen Bundespr&auml;sidenten Johannes Rau bekam der Helfer mit der Berliner Schnauze im September 2002 das Bundesverdienstkreuz verliehen, binnen zwei Jahren, gelang es dem Vollblutmusiker mit Herz, dessen Amtsnachfolger Horst K&ouml;hler dazu zu &uuml;berreden, die &uuml;briggebliebenen Esswaren vom &bdquo;Fest der Demokratie 2004&ldquo; nach Ende des Events, gemeinsam mit ihm, an Berliner Obdachlose zu verteilen.<\/p>\n<p>In diesen Stunden, in denen ich diese ausf&uuml;hrliche W&uuml;rdigung von Frank Zanders neuer CD verfasst habe, war im Berliner &bdquo;ESTREL&ldquo; Hotel so einiges los. Denn am Montag, dem 21.12.2015, fand die von Frank, seinem Sohn Marcus und letztlich allen Mitgliedern der Family Z. organisierte 21. Weihnachtsfeier f&uuml;r Obdachlose statt. Wie immer, hat der Veranstalter ohne jegliche Ber&uuml;hrungs&auml;ngste jeden einzelnen der knapp 3000. G&auml;ste, darunter viele Familien mit Kindern, die am finanziellen Limit leben m&uuml;ssen, pers&ouml;nlich begr&uuml;&szlig;t, jedem die Hand gesch&uuml;ttelt und alles Gute zum bevorstehenden Christfest gew&uuml;nscht. Danach wurden die obdachlosen Menschen von bundesweit bekannten &bdquo;Wirtinnen&ldquo; und &bdquo;Wirten&ldquo; reich mit Essen beschenkt. Nach einer kleinen Vorspeise, bestehend aus W&uuml;rstchen und belegten Br&ouml;tchen, wurde dann gegen 16.00 Uhr der traditionelle G&auml;nsebraten mit Rotkohl serviert. Zu den &bdquo;K&ouml;chen&ldquo; und &bdquo;Kellnern&ldquo; z&auml;hlten dieses Jahr so unterschiedliche Politiker, wie der Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU), der mutige Neu-K&ouml;llner Ex-Bezirksb&uuml;rgermeister Heinz Buschkowsky (SPD), seine ihrem erkl&auml;rten Vorbild Heinz in kaum etwas nachstehende Nachfolgerin Franziska Giffey (SPD) oder der bisherige Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Deutschen Bundestag, Dr. Gregor Gysi. Dazu gesellte sich eine gro&szlig;e Anzahl von Vertretern der Show-, TV- und Musikbranche, wie z.B. S&auml;nger Oliver Frank, Schauspielerin und Model Natascha Ochsenknecht mit Familie, Schauspieler und Musicaldarsteller Reiner Sch&ouml;ne, Schlagerchanteuse Regina Thoss oder die Moderatoren, Wolfgang Lippert, Nilz Bokelberg, Madeleine Wehle, J&uuml;rgen J&uuml;rgens bzw. Thomas Koschwitz. Zwischen Vorspeise und Hauptmen&uuml;, boten beliebte Schlagerstars, wie Claudia Jung, Linda Hesse, Nicole, NDW-&bdquo;Spa&szlig;&ldquo;-macher Markus, Franks langj&auml;hriger Co-Autor Hanno Bruhn mit seiner Blues-&bdquo;Gang&ldquo;, sowie &ndash; wie kann es anders sein? &#8211; der Cheforganisator dieses launigen Nachmittags, der die G&auml;ste vielleicht manch Ungemach und Pein ihres kargen Lebens einwenig in den Hintergrund schieben lie&szlig;, ein dreist&uuml;ndiges B&uuml;hnenprogramm mit all ihren Hits und Liedern. Ich denke, dass dieser Tage auch auf SMAGO! ein entsprechender Bericht aus der Feder eines anwesenden Journalisten o.&auml;. &uuml;ber diese notwendige und herzliche Benefiz-Feier zu lesen sein wird.<\/p>\n<p>Nun hat <strong>FRANK ZANDER<\/strong> dieser Tage sein aktuelles Album <strong>&bdquo;IMMER NOCH DER ALTE&ldquo;<\/strong> bei seinem eigenen Plattenlabel &bdquo;ZETT Records&ldquo;, vertrieben &uuml;ber DA Music\/Diepholz, auf den Markt gebracht. Es tr&auml;gt nicht nur den wahrhaft trefflichen Titel &bdquo;Immer noch der Alte&ldquo;&hellip; nein, die darauf vorhandenen 14 Liedbeitr&auml;ge, darunter zwei Remixe und der feurige 2015er-Party-Remix von Franks grandiosem 1988er-Dauerohrwurm <strong>&bdquo;Marlene&ldquo;<\/strong>, belegen in einem Atemzug ein ums andere Mal, dass der immerjunge Sohn eines Mitarbeiters einer Berliner Krankenkasse und einer Hausfrau tats&auml;chlich immer noch der &sbquo;alte Junge&lsquo; ist, f&uuml;r den wir ihn seit f&uuml;nf Jahrzehnten kennen und sch&auml;tzen. Franks neue CD beinhaltet zig peppige Partyhits in verschiedensten musikalischen Stilrichtungen, inklusive einer properen, gut austarierten Portion schwarzen Humors, aber auch ungewohnt bed&auml;chtige und besonnene T&ouml;ne, die wir in dieser Form von dem unkaputtbaren Barden mit der &bdquo;Knatterstimme&ldquo; (Zitat: Fan Hape Kerkeling) kaum erwartet h&auml;tten.<\/p>\n<p>Los geht&rsquo;s mit dem betont country-bluesigen, a little bit Laid-Back inszenierten, mit staubtrockener Slide-Gitarre, ebensolchen Bottlenecks und dr&ouml;hnenden E-Klampfen in feinster Manier ausstaffierten Titelsong, in dessen Reimen der &bdquo;alte Stra&szlig;enk&ouml;ter&ldquo; (Eigeneinsch&auml;tzung) augenzwinkernd und selbstironisch seine musikalische und menschliche Karriere Revue passieren l&auml;sst. F&uuml;r die Aufnahmen dieses fulminanten, straighten Blues\/Rock\/Pop-Verschnitts, der bereits im Februar 2015 als Radiosingle vorab ausgekoppelt wurde, hatte nicht nur Frank pers&ouml;nlich seine 67er FENDER STRATOCASTER eingepackt, deren professionelle Nutzung er seit seinen Anfangstagen bei der Beatkapelle &bdquo;Gloomy Moon Singers&ldquo; niemals verlernt hatte. Zus&auml;tzlich lud er mit dem aus dem Landkreis G&ouml;rlitz stammenden Mitbegr&uuml;nder der von Ex-&bdquo;GZSZ&ldquo;-Teenstar Jeanette Biedermann gepr&auml;gten Deutschpop-Band &bdquo;EWIG&ldquo;, J&ouml;rg Weisselberg, dem Berliner Jazz-, Heavy- und Blues-Gitarrero Rene Schostak, dessen ebenso versiertem Kollegen Stefan Schirrmacher, der u.a. f&uuml;r Petra Zieger oder Frank Sch&ouml;bel in die Saiten gegriffen hat, dem geb&uuml;rtigen Leipziger Uwe Hassbecker, seines Zeichens Ex-Mitglied der legend&auml;ren &bdquo;Modern Soul Band&ldquo; und seit 1986 fester Bestandteil der Ostrocker &bdquo;SILLY&ldquo;, und dem Berliner Produzenten, Filmkomponisten und B&uuml;hnengitarristen Pivo Deinert die vermutlich besten, stilsichersten und qualifiziertesten Gitarrenvirtuosen aus Berlin und Umkreis ins Studio, damit diese, gemeinsam mit ihm, im Sinne Eric Claptons oder Bobby Womacks, kraftvoll und kreativ abrocken konnten. Als einer der drei Bonusbeigaben zum Ende hier analysierter Silberscheibe, dient &uuml;brigens eine auf &uuml;ber sieben Minuten ausgedehnte &bdquo;Longscale Version&ldquo; von <strong>&bdquo;Immer noch der Alte&ldquo;<\/strong>, im Zuge derer sich alle f&uuml;nf genannten Gitarren-Heroen, fernab jeglicher Formatradio-Zw&auml;nge, ausgiebig, ausschweifend, dabei unaufh&ouml;rlich und geradewegs rockend und voller instrumentaler Power an ihren E-Klampfen solistisch austoben durften.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>Irgendwann, eben auf dem Weg in ein Tonstudio, hatte Frank im Autoradio einen allseits bekannten Uralt-Klassiker aus dem Jahr 1953 vernommen. Es handelte sich dabei um den vom US-amerikanischen Komponisten Lord Bourgess verfassten Calypso-Renner <strong>&bdquo;Angelina&ldquo;<\/strong>, der vor &uuml;ber 60 Jahren einen fr&uuml;hen Welterfolg f&uuml;r den legend&auml;ren Folks&auml;nger und Friedensbotschafter Harry Belafonte bedeutete. Bald bat er seinen langj&auml;hrigen Freund und sch&ouml;pferischen Compagnon Hanno Bruhn, der dazumal seine Gassenhauer &bdquo;Marlene&ldquo; oder &bdquo;Hier kommt Kurt&ldquo; kongenial betextet hatte, neue, freche, deutschsprachige Verse zu Belafontes zackigem Calypso-Hammer zu finden. So erschien im Juli diesen Jahres der ultimative Sommerhit aus dem Hause Wittelsbacher Stra&szlig;e 18 (wir 80er-Kinder kennen diese Berliner Anschrift nur zu genau, als stets dann bei unserem allmonatlichen TV-Pflichtprogramm &bdquo;ZDF-Hitparade&ldquo; eingeblendete Autogrammadresse, wenn in Dieter Thomas Hecks Kultsendung gerade der eine oder andere K&uuml;nstler der einstmals dort ans&auml;ssigen Plattenfirma HANSA auftrat!) &ndash; in Form einer hei&szlig;bl&uuml;tigen, durchgehend tanzbaren und dennoch bodenst&auml;ndigen, sophisticated und gediegenen, im stilvoll gem&auml;&szlig;igten Reggae-Rhythmus umgesetzten Feten-Single per Excellance. Als Abschluss von &bdquo;Immer noch der Alte&ldquo;, gibt es den Lobgesang auf die schnieke Urlaubsliebe &bdquo;Angelina&ldquo; nochmals als einerseits rockig-fetzigen, andererseits durchaus auch dancefloor-gem&auml;&szlig; &uuml;ppig aufgedonnerten, viermin&uuml;tigen &nbsp;&bdquo;DJ Domic Remix&ldquo; zu genie&szlig;en.<\/p>\n<p>Sonnig, sommerlich, erholt, (scheinbar) ungetr&uuml;bt, vernehmen wir daraufhin den glei&szlig;end und demonstrativ relaxed, freudig, mediterran umgesetzten Reggae-Soul-Pop <strong>&bdquo;Da kannste nix machen&ldquo;<\/strong>. Dessen klangliches Ambiente konterkariert Frank k&ouml;stlich und schelmisch mittels eines ph&auml;nomenal zugespitzten Textes, der f&uuml;rwahr keine einzige Pechsituation, kein Missgeschick, keinen Fauxpas ausl&auml;sst, welcher Otto Normalverbraucher an einem ansonsten doch soooo betulich-warm-freundlichen Sommersonnentag so passieren k&ouml;nnte. W&auml;hrend im Hintergrund die Akustik-Gitarre s&uuml;&szlig;lich zirpt, Percussions und Marimbas mehr sanft get&auml;tschelt, denn h&auml;mmernd geschlagen werden, zetert, schimpft, greint, wettert &ndash; wie immer liebevoll &uuml;berspannt &ndash; der Interpret in seiner unnachahmlichen Art, sich k&uuml;nstlich &uuml;berdreht aufzuregen, durch diesen doch so strahlenden Tag, an dem ihm aber auch rein gar nichts gelingen mag.<\/p>\n<p>Daran anschlie&szlig;end h&ouml;ren wir einen ganz besonderen, extrem bemerkenswerten Titel, bei dem wir alle detaillierter zuh&ouml;ren sollten. Wie erw&auml;hnt, setzt sich Frank Zander seit 21 Jahren intensiv, aktiv und voller Energie und Elan f&uuml;r obdachlose Menschen ein und hat gerade erst sein diesj&auml;hriges Weihnachtsessen f&uuml;r die &Auml;rmsten der Armen in Berlin erfolg- und hilfreich in einem auf die Beine gestellt. Zu diesem Problemkreis hat Frank nun das sogleich unter die Haut gehende, &auml;u&szlig;erst ehrliche, wenn auch sehr bedr&uuml;ckende Lied <strong>&bdquo;Nichts ist mehr so wie es war&ldquo;<\/strong> aufgenommen. Zu den melancholischen Harmonien und sachten Rhythmen des 1986er-Ein-Hit-Wunders &bdquo;I wanna wake up with you&ldquo; des jamaikanischen Reggaeartisten Boris Gardiner, verliest der sozial engagierte Musiker den Brief eines fiktiven Freundes, der seinerzeit gemeinsam mit ihm ein wildes Leben genossen hatte und nun, von einer Sekunde auf die andere, alles verloren hat, was er besa&szlig;, wohnungslos geworden ist und auf der Parkbank n&auml;chtigen muss. Hut ab vor einem Musiker, der im allgemeinen als &bdquo;Stimmungss&auml;nger&ldquo; bekannt ist, daf&uuml;r, dass er es im Rahmen seiner zwischenmenschlichen Hilfsprojekte auch perfekt vermocht hat, diesem beklemmenden Thema eine in die Tiefe gehende, mitf&uuml;hlende und authentische Darbietung im popmusikalischen Kontext zu widmen. Manch andere Genekollegen, nicht selten aus dem Deutschrockumfeld, denen ich ihr soziales Gewissen keinesfalls absprechen mag, ziehen von Talkshow zu Talkshow, beweinen dort, von ihrem Elfenbeinturm herab, alles &Uuml;bel dieser Welt &ndash; Frank Zander hingegen legt sich ins Zeug, geht pers&ouml;nlich als guter Kumpel auf die Armen zu, spendet ihnen Mut und Hilfe von Mensch zu Mensch, ohne Distanz und Attit&uuml;de. Dieser Handlungsweise sollte man auf alle F&auml;lle gr&ouml;&szlig;ten Respekt zollen, so dass gerade &bdquo;Nichts ist mehr so wie es war&ldquo; massenweise Klicks bei YouTube und weitere Verbreitung im Familien- und Freundeskreis vollends verdient hat.<\/p>\n<p>Im Anschluss an dieses Meisterwerk der Menschlichkeit, kreiert Frank, nach all seinen hei&szlig;geliebten &bdquo;Susies&ldquo;, &bdquo;Marlenes&ldquo;, &bdquo;Jeannies&ldquo;, &bdquo;Manuelas&ldquo;, &bdquo;Lucies&ldquo;, &bdquo;Angelinas&ldquo;, eine neue imagin&auml;re Traumfrau mit unverkennbaren Widerhaken. Diesmal tr&auml;gt die Dame den sch&ouml;nen Namen <strong>&bdquo;Laura&ldquo;<\/strong>, arbeitet als Mechanikerin bei einem Autoreparateur und verbirgt daher all ihre weiblichen Reize tags&uuml;ber unter einem &ouml;l- und farbverschmierten Overall. Dieses Faktum missf&auml;llt dem hingerissenen Verehrer Frank Z. nat&uuml;rlich sehr, weshalb er sie mittels dieses latent bluesigen Gitarrenpop-Ohrwurms spitzz&uuml;ngig auffordert, den Blaumann beizeiten bitte, bitte auch einmal abzulegen&hellip;<\/p>\n<p>Bei der lasziven, aber unentschlossenen <strong>&bdquo;Miranda&ldquo;<\/strong> handelt es sich dagegen um eine mystische Sch&ouml;nheit aus irgendeiner schummrigen Bar am Strand, an die sich das Lied-Ich zun&auml;chst ganz gentleman-like, h&ouml;flich und becircend heranschleicht, um im Refrain, zu berstend dr&ouml;hnenden Heavy-Gitarren, im rasantesten Rock-Tempo,&nbsp; fraglos &ndash; im wahrsten Sinne des Wortes &ndash; weitaus h&auml;rter, lauter und deutlicher, zu versuchen, dieses sture M&auml;del nun doch noch f&uuml;r sich zu gewinnen.<\/p>\n<p>Urkomisch und schwarzhumorig wird&rsquo;s im von Frank Ramond drastisch und witzig unisono betexteten, verschn&ouml;rkelten Gothic-Pop-Dance-Schlager <strong>&bdquo;Der Mann f&uuml;rs Grobe&ldquo;<\/strong>, bei dessen Intonation Franks allbekanntes Reibeisenorgan ganz besonders vorz&uuml;glich zur Geltung kommt. Rockig, gitarrenlastig, wiederum vom guten, alten Blues gravierend durchtr&auml;nkt, vermengt mit knackigen, fast symphonischen Synthesizer-Akkorden, erweist sich gleich darauf der phonstarke Wachmacher <strong>&bdquo;Lass nie los&ldquo;<\/strong>.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit dem geb&uuml;rtigen Italiener und Pizzeriainhaber Claudio Martino, hatte Frank bereits 2014 ein rockig &uuml;berkandideltes Duett aufgenommen, welches seine knarzige, rauchige Stimme mit dem hellen, klaren, wesentlich h&ouml;heren Gesangsorgan des Hobbytenors vom Pizzaofen in phantastischer Art und Weise verband, so dass mit <strong>&bdquo;Fast wie ein Caruso&ldquo;<\/strong> eine weitere, treibende, ausnahmslos partytaugliche, diesmal Rock-meets-Classic-Nummer zum Mittanzen und Abfeiern auf &bdquo;Immer noch der Alte&ldquo; zu finden ist.<\/p>\n<p>Es bleibt nun weiterhin hardrockig, voranstrebend und deftig: Der ebenfalls 2014 von der Berliner Biermarke &bdquo;Schultheiss&ldquo; pr&auml;sentierte Hymnus <strong>&bdquo;Dit is Berlin&ldquo;<\/strong>, der stilistisch und von der Stimmung her einwenig an den 60er-Rock-Evergreen &bdquo;You really got me&ldquo; der &bdquo;Kinks&ldquo; erinnert, stellt eine ultimative, im berlinerischen Dialekt eingesungene, &uuml;beraus gef&auml;llige, charmante und origin&auml;re Liebeserkl&auml;rung an die so facettenreiche Kneipenkultur der Hauptstadt dar.<\/p>\n<p>Zum Schluss des offiziellen Teils von &bdquo;Immer noch der Alte&ldquo;, bevor noch drei Bonus-Mixe zum Einsatz kommen, begibt sich Frank Zander, musikalisch verpackt in einem grell-gruseligen Gothic-Darkwave-Gewand, mit l&auml;rmenden Gitarrenw&auml;llen, sakraler Kirchenorgel und wabernden Keyboardschwaden, in die Rolle des erbarmungslosen, keine Gnade kennenden, alles bestimmenden <strong>&bdquo;Jurors&ldquo;<\/strong> (Songtitel: <strong>&bdquo;Der Juror&ldquo;<\/strong>) und f&uuml;hrt durch dieses Tun brachial, bedrohlich und mitleidlos, hierbei immer scharfz&uuml;ngig, derb und sp&ouml;ttisch, den oberfl&auml;chlichen Irrsinn der so unz&auml;hligen, wie untauglichen Kommerz-Casting-Shows auf aller Welt radikalst, neu, deutsch und harrrt, in die verdienten Untiefen des Absurrrden: Ein weiterer neuer Betrag von Frank, dem man lyrisch ganz genau folgen sollte, denn der bittere Humor, gerade dieser herausragenden Karikatur des heutigen Zeitgeistwahns, verdient eine ganz besonderrrre Aufmerrrksamkeit!<\/p>\n<p>Die erw&auml;hnten Remixe bzw. Alternativfassungen von <strong>&bdquo;Angelina&ldquo;<\/strong>, <strong>&bdquo;Immer noch der Alte&ldquo;<\/strong> und <strong>&bdquo;Marlene&ldquo;<\/strong>, beschlie&szlig;en eine so abwechslungsreiche, wie allseits gelungene, empfehlens- und beachtenswerte Kollektion der wichtigsten Hitsingles von Frank Zander der letzten zwei, drei Jahre plus einiger, regelm&auml;&szlig;ig sehr einladender und anregender, zuvor unver&ouml;ffentlichter Liedkreationen eines unschlagbaren Multitalents, das sein Herz von jeher &sbquo;am rechten Fleck&lsquo; tr&auml;gt, unb&uuml;rokratisch und ohne viel Aufhebens eine ganze Menge Gutes tut, und selbstverst&auml;ndlich immer wieder mit frechen, aufm&uuml;pfigen, widerborstigen, niemals langweiligen oder sich wiederholenden Liedern aufwartet.<\/p>\n<p>Der <strong>Frank Zander<\/strong> des Jahres 2015 ist l&auml;ngst nicht nur der pure Komiker und Edelbl&ouml;dler der Zeiten von quergedachten Juxliedern a la &bdquo;Huschi Buschi&ldquo; oder &ldquo;Ich k&ouml;nnte Frau&rsquo;n klaun&ldquo;. Der gelernte Graphiker zeigt sich weiterhin guten Mutes und offenbar alterslos, aufgeschlossen f&uuml;r Neues, ohne jemals den Banalit&auml;ten des Hier und Jetzt nachzurennen. Er ist in puncto Anspruch, Humor, Satire und Entlarvung manch unsinniger Entwicklungen im Alltag, sowie bez&uuml;glich hoher Musikalit&auml;t, Gesangskraft und Vielseitigkeit unzweifelhaft <strong>&bdquo;Immer noch der Alte&ldquo;<\/strong>, geriert sich aber ferner zunehmend h&auml;ufiger als au&szlig;erordentlich nachdenklich und, auch jenseits des humorigen Metiers, tiefsinnig und dies alles stets glaubhaft, vertrauensvoll und zuversichtlich.<\/p>\n<p>F&uuml;r jeden Freund intelligenter deutschsprachiger Popmusik mit Ecken und Kanten, die &uuml;ber den Tellerrand hinausblickt, in steter Regelm&auml;&szlig;igkeit mit erstaunlichen und &uuml;berraschenden lyrischen, wie klanglichen Elementen, jenseits des &ouml;den und austauschbaren Radiomainstreams, experimentiert, dem sei angeraten, sich gleich nach den Feiertagen ins Umtauschget&uuml;mmel der Kaufh&auml;user und Plattenl&auml;den zu st&uuml;rzen &ndash; und die von Mama, Oma, Tante oder Onkel zum Christfest erhaltenen Gutscheine oder Barscheine u.a. in eine so sinnvolle Investition, wie Frank Zanders neue Produktion <strong>&bdquo;IMMER NOCH DER ALET&ldquo;<\/strong>, die &uuml;brigens &#8211; da strahlt der Vinyl-Fetischist im Verfasser dieser Zeilen hellauf und gl&uuml;cklich &#8211; gleichzeitig als limitierte LP (!) erh&auml;ltlich ist, einzutauschen&nbsp; &#8211; und\/oder vielleicht einen Teil seines pekuni&auml;ren Weihnachtsgeschenks zugunsten von Franks wertvoller und ehrenamtlich betriebener Obdachlosenhilfe (<a href=\"http:\/\/www.obdachlosenfest.de\">www.obdachlosenfest.de<\/a>) zu spenden!<\/p>\n<p>Holger St\u00fcrenburg, 20. bis 22. Dezember 2015<br \/>http:\/\/www.zett-records.de\/<br \/>http:\/\/frank-zander.de\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Album gibt es im \u00dcbrigen auch als limitierte Vinyl-LP!\u00a0 Seit rund 50 Jahren wuselt er nun schon h&ouml;chst reputierlich<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":82493,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[23],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/82492"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=82492"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/82492\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/82493"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=82492"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=82492"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=82492"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}