{"id":82093,"date":"2016-01-08T00:00:00","date_gmt":"2016-01-08T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=82093"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"JERRY-RIX-Sehr-persoenliche-Ged-82092","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/schlager\/JERRY-RIX-Sehr-persoenliche-Ged-82092\/","title":{"rendered":"JERRY RIX <br \/>Sehr pers\u00f6nliche Gedanken zu Jerry Rix (\u2020) &#8211; von Holger St\u00fcrenburg!"},"content":{"rendered":"<p>Jerry Rix war u. a. auch Mitglied der Formation &#8222;Love Generation&#8220;!\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Und schon wieder hat uns ein &bdquo;alter Held&ldquo; aus vergangenen Zeiten verlassen. Kurz nach dem Ost-Berliner Original Achim Mentzel, starb einen Tag sp&auml;ter, nur 68j&auml;hrig, der in Amsterdam geborene Pops&auml;nger <strong>Jerry Rix<\/strong>. Dieser spielte, obschon er allgemein nicht unbedingt zu den unantastbaren Superstars gerechnet wurde, zumindest in meinem eigenen &bdquo;Musikleben&ldquo;, zugegebenerma&szlig;en gerade mal Dank zweier Titel, eine nicht unbedeutende Rolle. Beide Gesangsbeitr&auml;ge von Jerry Rix, an die ich gleich einwenig erinnern mag, haben es mir gleichwohl bis heute sehr angetan und lassen mich seit ca. 34 Jahren nicht mehr los. Von diesen beiden pers&ouml;nlichen Allzeit-Favoriten abgesehen, bewegte sich der Holl&auml;nder bei mir, dies gestehe ich ganz subjektiv ein, jedoch nur unter &bdquo;ferner liefen&ldquo;.<\/p>\n<p><strong>&bdquo;Bad, Bad Leroy Brown&ldquo;<\/strong> kannte ich bereits als Kind, Dank meines Vaters. Allerdings ausschlie&szlig;lich von Frank Sinatra, auf Englisch. Dass die wundervoll-spritzige Parodie auf einen obskuren Gro&szlig;stadtmogul mit Halbweltkontakten dem Fundus des US-Singer\/Songwriters Jim Croce entstammte, war mir nicht gel&auml;ufig; solche &bdquo;Hippiemusik&ldquo; irgendwelcher &bdquo;Langhaariger&ldquo; goutierte mein Herr Papa wahrlich nicht \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Am 15. Oktober 1981 h&ouml;rte ich die vom saarl&auml;ndischen Schlagertexter Carl. J. Sch&auml;uble geschriebene, deutsche Textversion &nbsp;von &bdquo;Bad, Bad Leroy Brown&ldquo; erstmalig im Leben, gesungen von Rex Gildo, in dessen (genialer, aber leider bis heute weder auf CD, geschweige denn auf DVD, neu aufgelegter) ZDF-Personality-Show &bdquo;Gestatten, Rex Gildo&ldquo; &ndash; und da ich mich ja zu jener Zeit in erster Linie besonders deshalb &uuml;berwiegend mit <u>deutschsprachiger<\/u> Popmusik anfing zu besch&auml;ftigen &ndash; noch als reiner Fan, ohne sp&auml;tere berufliche Absichten in diese Richtung -, weil ich mit neun, zehn Jahren nat&uuml;rlich noch gar nicht des Englischen m&auml;chtig war, mochte ich nur allzu oft weitaus mehr die legend&auml;ren &bdquo;Deutschen Originalaufnahmen&ldquo; jener Tage, als die anglo-amerikanischen Originale &ndash; weil ich ja erst per muttersprachlicher Textdeutung erfahren konnte, was der S&auml;nger uns lyrisch prim&auml;r sagen wollte, worum es sich in dem jeweiligen Lied inhaltlich drehte.<\/p>\n<p>So versuchte ich zum Ausklang der Herbstferien 1981, in einem utrateuren (und folglich &uuml;bertrieben &bdquo;vornehmen&ldquo;) Plattenladen in Hamburg namens &bdquo;Sonnenberg&ldquo;, so kindlich, wie altklug, zu eruieren, wer denn die allererste &bdquo;Deutsche Originalaufnahme&ldquo; von &bdquo;Bad, Bad Leroy Brown&ldquo; in G&auml;nze &#8211; bei &bdquo;Sexy Rexi&ldquo; waren nur Fragmente dieses Titels in ein Medley im &bdquo;Las Vegas Style&ldquo; eingebaut worden &ndash; &uuml;berhaupt hierzulande ver&ouml;ffentlicht hatte. Dieser (nicht zu Unrecht) l&auml;ngst verblichene Plattenladen in der M&ouml;nckebergstra&szlig;e 21, in dessen Geb&auml;ude sich heutzutage der Schicki-Micki-Modegeck-Treff &bdquo;Thomas I. Punkt&ldquo; befindet, d&uuml;rfte seinerzeit in der Hauptsache f&uuml;r die Soziologen unter uns interessant gewesen sein (und h&auml;tte von linksgestrickten Exponenten dieser Berufsgruppe eigentlich aufs Sch&auml;rfste bek&auml;mpft werden m&uuml;ssen). Denn in den Heiligen Hallen von &bdquo;Sonnenberg&ldquo; herrschte ein &bdquo;Klassensystem&ldquo; extremster Auspr&auml;gung: Der Kunde betrat den Laden und musste, wollte er aktuelle, zeitnahe Pop- Disco- oder New Wave-Scheiben erstehen, sogleich gen Untergrund, ins dunkle Untergeschoss abtauchen, wo die Ladengestalter &bdquo;f&uuml;rs einfache Volk&ldquo; das Popressort eingerichtet hatten. Diese profanen Musikrichtungen f&uuml;r die &bdquo;Hienie-Biene-Teeny-Queens&ldquo; (&bdquo;Cats TV&ldquo;) und &bdquo;Sandkastenrocker&ldquo; jener &Auml;ra waren den &bdquo;Sonnenberg&ldquo;-Verantwortlichen offenbar zu wider und entsprachen keinesfalls ihrer elit&auml;ren Auffassung von Musikkultur. Manchmal glaube ich heutzutage, diese &bdquo;besseren&ldquo;, &bdquo;sonnenbergigen&ldquo; Kreise wollten Pop, New Wave oder Disco gar nicht verkaufen und hatten diese Stilistik wohl ausnahmslos nur ob des kommerziellen Wertes derselben in ihr Repertoire aufgenommen. Die Goldene Mittelschicht traf sich, wie der Name schon sagt, im Mittelgeschoss des mehrst&ouml;ckigen Altstadtbaus. Dort fand der interessierte Mittelschichtler Oldies, Rock&lsquo;n&rsquo;Roll, Jazz und Schlager &ndash; und ganz oben, im dritten Stock &ndash; dort durfte der Normalb&uuml;rger kaum eintreten &#8211; griffen die &uuml;ber einen spitzen Stein stolpernden Edelhanseaten aus Winterhude, Blankenese oder Nienstedten auf klassische Musik zu &ndash; alles andere war denen viel zu wenig mond&auml;n, urban und standesgem&auml;&szlig;.<\/p>\n<p>Meine Eltern und ich waren stets im mittleren Stockwerk anzutreffen. Mein Vater wegen Oldies und Jazz, ich wegen Schlagern und meine Mama als unser pers&ouml;nlicher &bdquo;Begleitschutz&ldquo;, der penibel darauf aufpasste, dass Gatte und Sohn nicht zu viel Geld f&uuml;r Platten aller Art ausgaben.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich, &bdquo;als wenn et jestern w&ouml;&ouml;r&ldquo;, dass ich in diesem penetrant gro&szlig;bourgeoisen Plattenladen bei meiner Fahndung nach dem Urinterpreten der teutonischen Auslegung von &bdquo;Bad, Bad Leroy Brown&ldquo; schnell auf den Namen <strong>Jerry Rix<\/strong> stie&szlig; &ndash; was dazu f&uuml;hrte, dass ich mir jene, 1974 bei WEA\/WARNER erschienene Kleine Schwarze umgehend zulegte und dieselbe von jenem Augenblick an auf meinem DUAL-Plattenspieler bis auf Weiteres zur Dauerrotation verdonnerte. Was wir den &bdquo;Sonnenberg&ldquo;-Schn&ouml;sels nicht so alles verdanken&hellip; ;- )<\/p>\n<p>Von Harald Juhnkes Interpretation dieses fetzig-aufwiegelnden Ewigkeitshymnus, diesmal mit &sbquo;Berliner Schnauze&lsquo; vorgetragen, erfuhr ich erst im Rahmen einer ZDF-Fernsehshow des gl&uuml;cks-trunkenen Entertainers 1984. Und dass zus&auml;tzlich sogar seitens des von mir schon 1980\/81 zutiefst verehrten Howard Carpendale eine deutsche Aufnahme dessen &ndash; im drallen Big-Band-Sound massiv aufgedonnert von Arrangeur Werner Twardy &ndash; vorlag, war mir &ndash; jetzt bitte nicht lachen!!! &#8211; bis nach dem Millennium (!) v&ouml;llig unbekannt, da mir die dazugeh&ouml;rige LP &bdquo;Howard Carpendale &acute;77&ldquo;, der offensichtlich kein besonderer kommerzieller Erfolg beschieden war, und die au&szlig;erdem keinen spezifischen Howard-Singlehit beinhaltete, tats&auml;chlich &ndash; mea Culpa, mea Maxima Culpa &#8211; erstmals in einem Hamburger Zweite-Hand-Plattenladen in die H&auml;nde fiel und ich somit &uuml;berhaupt zum ersten Mal von der Existenz dieser per se ja sehr anspruchsvollen und vielseitigen, klanglich recht disco-beeinflussten LP erfuhr.<\/p>\n<p>Ach ja, die von Komponist Jim Croce selbst eingesungene Originalversion entdeckte ich erst in den Sommerferien 1985, auf einem zum Sonderangebot ausgerufenen (degradierten?) Greatest-Hits-Sampler von Jim, die mir aber ohne die zickigen Bl&auml;ser-Riffs bzw. den damit erzeugten, prickelnden, jazzigen Groove, jedoch niemals so enorm aus dem Herzen sprach, wie die teutonische Jerry-Rix-Sichtweise, deren musikalische Auskleidung (ausbaldowert &uuml;brigens von Peter Kirsten, der sp&auml;ter zig Topaufnahmen mit Gitte Haenning, &bdquo;Hoffmann &amp; Hoffmann&ldquo; oder sogar Konstantin Wecker produzierte und diese verlegte) auf Sinatras Swing-Arrangement beruhte bzw. an dieses angelehnt war.<\/p>\n<p>Kurz nach Neujahr 1982, am 04. Januar, konnte der aufgeschlossene Musikfreund in Ilja Richters Kultshow &bdquo;ZDF-Disco&ldquo; ein schier phantastisches, &auml;u&szlig;erst stimmungsvolles Lied genie&szlig;en, das indessen niemals ins Deutsche transferiert wurde. Dieses hie&szlig; <strong>&bdquo;Saturday Night&ldquo;<\/strong> und wurde dargeboten von einer zuvor noch nie aufgetauchten Formation namens <strong>&bdquo;Lo Budget &amp; the Raincoats&ldquo;<\/strong>. &bdquo;Saturday Night&ldquo; war eine Art abgehoben-mond&auml;ner Rock&rsquo;n&rsquo;Roll-Schlager im Sinne der 50er Jahre, vermengt mit der d&uuml;ster-verschrobenen Coolness der New Wave der fr&uuml;hen 80er, stilistisch angesiedelt nahe damaliger, eher balladesker Pop&rsquo;n&rsquo;Roll-Versuche von &bdquo;Sch&uuml;ttel-Stefan&ldquo; &ndash; nur einfach melodischer, ausdrucksst&auml;rker, wiegender und ob seines hintergr&uuml;ndig bluesigen Feelings treibender und weit weniger zuckrig-s&uuml;&szlig;lich ausfallen, als etwa &bdquo;It&rsquo;s Raining&ldquo; oder &bdquo;You drive me crazy&ldquo; von Gro&szlig;meister Shakin&lsquo; Stevens ad Personam. Hinter &bdquo;Lo Budget&ldquo; verbarg sich &bdquo;Bad, Bad Jerry Rix&ldquo;. Das von diesem selbstverfasste Lied, (wie bei Ilja R. &uuml;blich) mittels &bdquo;Playback&ldquo; dargeboten von ihm am Piano, einer schnieken Blasmaus am Saxophon und einem b&auml;rtigen Wolfgang-Thierse-Verschnitt an der Gitarre, nahm umgehend meine knapp zehnj&auml;hrigen Ohren imperialistisch in Beschlag&hellip; Seit diesem verschneiten (ja, damals lag tats&auml;chlich noch Schnee mitten im Winter auf den Stra&szlig;en und herrschte zur Jahreswende kein milder Vorfr&uuml;hling!) Montagabend steht &bdquo;Saturday Night&ldquo; von &bdquo;Lo Budget &amp; the Raincoats&ldquo;, als ewiger Geheimtipp des Verfassers dieser Zeilen in dessen Akten. Die B-Seite &bdquo;Hollywood Hotel&ldquo; hingegen ist kaum mehr als eine m&auml;hrige, inspirationslose Country-Schnulze ohne bleibenden Wert!<\/p>\n<p>In punkto Verkaufserfolg und Hitparadenpr&auml;senz wurde die kesse Nummer, die bei Polydor erschienen und gemeinsam mit Musikern aus dem Umfeld des Bass-Spezialisten Lothar Meid bzw. der einst von Ralph Siegel entdeckten, kurzlebigen Krautrock-Kapelle &bdquo;Drosselbart&ldquo;, entstanden und wohl nur f&uuml;r den einheimischen Popmarkt konzipiert worden war, ein veritabler Flop. Der Titel konnte weder in die &bdquo;Top 75&ldquo;-Media-Control-Listen, noch in die hiesigen Rundfunkcharts einziehen; lediglich eine einzige Sampler-Ber&uuml;cksichtigung erfuhr &bdquo;Saturday Night&ldquo; bei der Fr&uuml;hjahrsausgabe der damals sehr popul&auml;ren POLYSTAR-Koppelungs-Reihe &bdquo;High Life&ldquo;. Erst, als ich Ende der 90er Jahre beruflich in den Musikjournalismus einstieg, erfuhr ich per Zufall bei Recherchearbeiten, dass hinter diesem, mich seit nunmehr 34 Jahren kontinuierlich verfolgenden Radikal-Ohrwurm von &bdquo;Lo Budget &amp; the Raincoats&ldquo; niemand geringeres steckte, als eben jener <strong>Jerry Rix<\/strong>, der nun vor wenigen Tagen von uns gegangen ist.<\/p>\n<p>Ich habe mich dar&uuml;ber hinaus niemals n&auml;her mit Jerry Rix besch&auml;ftigt, kenne noch beil&auml;ufig eine zeitgeistige Disco-Arie namens &bdquo;Disco Train&ldquo; (1977), die ich sicher auf irgend einem alten Vinyl-Sampler mein Eigen nenne, bzw. die 1989 bei &bdquo;White Records&ldquo; erschienene, kaum explizit aufgefallene LP &bdquo;Jerry Rix sings Dianne Warren&ldquo;, auf der der blonde Holl&auml;nder ausnahmslos eher uninteressante Softpop- und Dance-Verschnitte der legend&auml;ren US-Hitschreiberin Dianne Warren intonierte &ndash; aber f&uuml;r diese beiden, hier ausf&uuml;hrlicher vorgestellten Titel <strong>&bdquo;Bad, Bad Leroy Brown&ldquo;<\/strong> und <strong>&bdquo;Saturday Night&ldquo;<\/strong> bleibt <strong>Jerry Rix<\/strong> f&uuml;r mich pers&ouml;nlich unvergessen!<\/p>\n<p>Ruhe in Frieden!<\/em><\/p>\n<p>Holger St\u00fcrenburg, 06.01.\/07.01.2016<\/p>\n<p>https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jerry_Rix<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jerry Rix war u. a. auch Mitglied der Formation &#8222;Love Generation&#8220;!\u00a0 Und schon wieder hat uns ein &bdquo;alter Held&ldquo; aus<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":82094,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[29],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/82093"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=82093"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/82093\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/82094"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=82093"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=82093"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=82093"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}