{"id":80173,"date":"2016-02-26T10:29:00","date_gmt":"2016-02-26T10:29:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=80173"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"EUROVISION-SONG-CONTEST-smago-e-80172","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/pop\/EUROVISION-SONG-CONTEST-smago-e-80172\/","title":{"rendered":"&quot;EUROVISION SONG CONTEST&quot; <br \/>smago! exklusiv: Der &#39;ultimative Chart Show&#39; Exxperte \u00fcber &quot;Unser Lied f\u00fcr Stockholm&quot;!"},"content":{"rendered":"<p>Wirklich top-exklusiv f\u00fcr www.smago.de hat das wandelnde Musiklexikon einen tollen Aufatz \u00fcber den deutschen Vorentscheid zum &#8222;Eurovision Song Contest 2016&#8220; verfasst &#8230;:\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutschland hat gew&auml;hlt &ndash; und das Positivste zuerst: Jamie-Lee Kriewitz, die Deutschland mit dem &quot;The Voice Of Germany&quot;-Siegersong &quot;Ghost&quot; nun auch beim Eurovision Song Contest in Stockholm vertritt, kann sich auf eine breite Legitimation berufen: Rund 1,2 Mio. Anrufe und SMS wurden alleine im zweiten, entscheidenden Wahlgang gez&auml;hlt, davon entfielen 44,5% auf die 17-j&auml;hrige. Ihr bleibt damit also ein Schicksal wie Ann-Sophie im Vorjahr erspart, die im Publikumsentscheid auf dem zweiten Platz geradezu deklassiert wurde und nur nach Wien fahren durfte (oder musste), weil beim haushohen Sieger die Auftrittsmotivation scheinbar urpl&ouml;tzlich ver-k&uuml;mmer-te.<\/p>\n<p>Die Gefahr, dass sich dieses Schicksal in diesem Jahr wiederholt, bestand schon aufgrund der Grundkonstellation: Lief doch die Siegerin des Vorentscheids von Anfang an Gefahr nur eine Teilnehmerin &quot;von Xaviers Gnaden&quot; zu sein, weil man bei diesem nicht rechtzeitig alle Pro und Contra unter den ihm nachgesagten (Alu-)Hut bekam.<\/p>\n<p>Aber das ist die zweite gute Nachricht des Abends von K&ouml;ln: Der NDR schaffte es trotz und in der K&uuml;rze der Zeit eine glaub-w&uuml;rdige Vorentscheidung aus dem Boden zu stampfen, die abwechslungsreicher war als die meisten der vergangenen Jahre. Und er bewies, dass die Zeiten, in denen ein ESC-Vorentscheid in der Guildo Horn-Nachfolge durch Auftritte von Zlatko oder Rudolph Moshammer und Songs wie &quot;Ich habe meine Tage&quot; oder &quot;Ick wer zun Schwein&quot; zum auf Quote ausgerichteten Kuriosit&auml;ten-Kabinett wurde, endg&uuml;ltig vorbei sind. Ausnahmslos alle Teilnehmer des Abends &uuml;berzeugten durch starken Live-Gesang und B&uuml;hnen-Pr&auml;senz.<\/p>\n<p>Durchaus geschickt eingef&auml;delt auch die Dramaturgie des Abends: Die drei bereits im Vorfeld als vermeintliche Favoriten gehandelten Songs von &quot;Avantasia&quot;, Alex Diehl und Jamie-Lee Kriewitz wurden auf die Startpl&auml;tze 7 bis 9 gesetzt (und erreichten dann auch das Super-Finale), den Abschluss durfte ESC Vorentscheidungs-R&uuml;ckkehrer Ralph Siegel mit seiner Neuentdeckung Laura Pinski und einer von vielen im Vorfeld untersch&auml;tzten, starken Performance machen.<\/p>\n<p>An den Anfang setzte man Ella Endlich, deren &quot;Adrenalin&quot; das &quot;Atemlos-Gen&quot; aus jedem Bluttropfen rinnt, die aber durch eine akrobatisch inszenierte Performance auf hohem Level begann und zeigte, dass es hier nicht nur um Musik ging, sondern auch um eine B&uuml;hnenpr&auml;sentation f&uuml;r Europa.<\/p>\n<p>Die Schwestern von &quot;Joco&quot; wirkten dagegen dann wie das genaue Gegenst&uuml;ck, standen sie doch angewurzelt an Keyboard und Schlagzeug w&auml;hrend sie den &quot;Full Moon&quot; besangen. Dennoch kein Langeweiler, sondern ein atmosph&auml;risch dichter, filigraner Song f&uuml;r den &quot;zweiten Horch&quot;, der ihm an dem Abend aber nicht verg&ouml;nnt war.<\/p>\n<p>Eher eine Multimedia-Inszenierung war der Auftritt von &quot;Gregorian&quot; als &quot;Masters Of Chant&quot;. Das Projekt, das eigentlich bereits auf Abschieds-Tour ist, verbindet Gesang im Stil gregorianischer Chor&auml;le mit eing&auml;ngiger Pop-Musik &ndash; in meinen Augen war das ganze visuell aber dann doch &quot;Too Much&quot;, durch d&uuml;stere M&ouml;nchskutten, Pyrotechnik all-&uuml;berall und zum guten Schluss Laserstrahlen, die aus ihren Fingern schossen &ndash; m&ouml;ge der Chant mit ihnen sein&#8230;<\/p>\n<p>Mit den folgenden Nummern g&ouml;nnte der NDR dem Zuschauer eine kleine Erholungspause: &quot;Woods Of Birnam&quot;, die aus Musikern des &quot;Two-Hit-Wonders&quot; &quot;Polarkreis 18&quot; bestehen, wirkten mit ihrem &quot;Lift Me Up (From The Underground)&quot; irgendwie 20 bis 30 Jahre zu sp&auml;t gekommen. &quot;Luxusl&auml;rm&quot; bewiesen, dass sie sich in den vergangenen zehn Jahren eine enorme Routine und ein gro&szlig;es Fan-Publikum erspielt hatten, &quot;Solange Liebe in mir wohnt&quot; (&uuml;brigens aus der Feder von &quot;Warum hast Du nicht Nein gesagt&quot; Co-Autor G&ouml;tz von Sydow) z&auml;hlt aber nach meinem Daf&uuml;rhalten nicht zu ihren st&auml;rksten Nummern. Und &quot;Keoma&quot; mit &quot;Protected&quot; war eher die Gelegenheit, noch einmal durchzuatmen, bevor die Show unaufhaltsam Fahrt aufnahm.<\/p>\n<p>&quot;Mystery Of A Blood Red Rose&quot; von &quot;Avantasia&quot; wurde im Vorfeld als &quot;Heavy Metal-Act&quot; und &quot;Deutschlands Antwort auf Lordi&quot; beschrieben &ndash; das ist es sicherlich nicht, liefert die Band um &quot;Edguy&quot;-S&auml;nger Tobias Sammet doch eher melodischen Bombast-Rock &ndash; der sie aber vielleicht deswegen auch f&uuml;r ein breiteres ESC-Publikum h&ouml;r- und w&auml;hlbar machte. Platz 3 in der Endabrechnung war daher vielleicht keine so gro&szlig;e &Uuml;berraschung mehr.<\/p>\n<p>Am sp&auml;teren Zweitplatzierten Alex Diehl und &quot;Nur ein Lied&quot; schieden sich die Geister. Ein sympathischer Auftritt, der vom NDR auff&auml;llig protegiert wurde &ndash; zum einen durch Einblenden des Textes in drei Sprachen (Deutsch, Englisch, Franz&ouml;sisch) hinter dem K&uuml;nstler (als Tele-Prompter scheint diese Variante im R&uuml;cken eher nicht gedacht und geeignet gewesen zu sein), zum anderen durch die Aufforderung, man m&ouml;ge doch bei diesem Song &ndash; als einzigem &ndash; sein Smartphone einschalten und die kleine Taschenlampe brennen lassen &ndash; und zum dritten durch den ausdr&uuml;cklichen Hinweis, dass Alex Diehl alle Einnahmen aus diesem Song spenden w&uuml;rde. Sicher ein sch&ouml;ner Gedanke, im Erfolgsfall mit einer &quot;Botschaft&quot; nach Schweden gefahren zu sein &ndash; Chancen h&auml;tte ich ihm dort aber keine einger&auml;umt.<\/p>\n<p>Als Vorletzte durfte dann Jamie-Lee ran &ndash; im Vergleich zu ihrem Sieg bei &quot;TVOG&quot; optisch in der Inszenierung deutlich aufgepeppt &ndash; dem durchschnittlichen Radio-Pop Song aus der Feder von &quot;DJ Thomilla&quot; alias Thomas Burchia, Conrad Hensel und Anna Leyne &ndash; wenigstens mal wieder deutsche Autoren f&uuml;r einen deutschen ESC-Beitrag &ndash; hilft das aber in meinen Ohren jedoch wenig. Zu sehr biedert sich das Songwriting und die Produktion bei amerikanischem R&amp;B &agrave; la Rihanna und eing&auml;ngigen Pop-Beats skandinavischer Pr&auml;gung an, um einen eigenen Charakter zu entfalten, geschweige denn, die doch recht eigene Pers&ouml;nlichkeit von Jamie-Lee zu unterstreichen. Vielleicht kein Zufall, dass er trotz einer guten Einschaltquote im &quot;The Voice&quot;-Finale die Top Ten der deutschen Charts mit Platz 11 verpasst hat und eigentlich schon &quot;durch&quot; war. Ob es eine gute Idee ist, die nicht aufgegangene Saat nun im europ&auml;ischen Blumen- und M&auml;rchenwald noch einmal aufzuw&auml;rmen, bleibt abzuwarten. Ich bin eher skeptisch, dass wir die schwachen Platzierungen, die uns derartige Songs in den vergangenen Jahren &ndash; insbesondere 2015 &ndash; einbrachten, nennenswert &uuml;bertreffen werden &ndash; aber um zur&uuml;ck zum Anfang zu kommen: Es ist eine Mehrheitsentscheidung des Publikums in der Hoffnung, dass diese nicht auf Sympathiewerten f&uuml;r Jamie-Lee oder Mitgliedszahlen ihrer Fanclubs und &quot;Communitys&quot; beruht, sondern auf der festen &Uuml;berzeugung des deutschen TV-Zuschauers, Europa m&ouml;ge dieses Lied lieben&#8230;<\/p>\n<p>Den Abschluss durfte der Grandseigneur des ESC, Ralph Siegel, machen. Nach elf Jahren hatte der NDR wieder einmal einen seiner Songs zur Vorentscheidung ausgew&auml;hlt und die Neugier auf diesen Song, der erst sechs Tage vor dem Vorentscheid &uuml;berhaupt vorgestellt wurde, war im Fernsehstudio zu sp&uuml;ren. Eine typische, siegeleske Melodief&uuml;hrung, die aber auch Einfl&uuml;sse der aktuellen Pop-Musik aufnahm und deswegen mit Sicherheit kein &quot;bisschen Frieden 2.0&quot; ist. In jedem Fall aber ein typischer Wettbewerbsbeitrag, bei dem es auch immer auf eins ma&szlig;geblich ankommt: Die Pr&auml;sentation. Der 19-j&auml;hrigen Laura Pinski gelang es dabei schon in der Generalprobe das Fachpublikum zu &uuml;berzeugen. Ausdrucksstark und mit sicherer Stimme sang sie &quot;Under The Sun We Are One&quot;. Nat&uuml;rlich gab es auch Kritiker, die bem&auml;ngelten, eine &quot;Steh&quot;-Performance sei nicht mehr zeitgem&auml;&szlig; &ndash; es gab aber durchaus auch treffliche Argumente daf&uuml;r: gerade nach der visuellen Reiz&uuml;berflutung bei Jamie-Lee Kriewitz war es wohltuend zum Abschluss wieder einen Song zu haben, bei dem es auf zwei Aspekte ankam: Songwriting und Darbietung. Beides gelang. Dass es am Ende &quot;nur&quot; Platz 4 wurde, ist einerseits Schade &ndash; andererseits aber auch Beleg daf&uuml;r, dass Ralph Siegel und Laura Pinski doch vieles richtiggemacht haben. Wenn Siegel n&auml;mlich im Vorfeld in diversen Artikeln und Blog-Beitr&auml;gen unterstellt wurde &quot;nicht mehr auf der H&ouml;he der Zeit zu sein&quot;, sollte dies hiermit widerlegt sein &ndash; oder die anderen sechs Songs, die hinter ihnen landeten, w&auml;ren komplett aus der Zeit gefallen &ndash; darunter waren aber mit &quot;Adrenalin&quot; oder &quot;Protected&quot; Songs, die als &quot;sehr modern&quot; betitelt wurden. Und es beantwortete auch die Frage, warum sich Ralph das nach 44 erfolgreichen Jahren immer noch und immer wieder antut: Gerade weil er immer wieder junge Talente entdeckt und ihnen mit seinen Songs eine gro&szlig;e B&uuml;hne bieten kann.<\/p>\n<p>Laura Pinski selbst sah die Platzierung nach der Live-Sendung gelassen und freute sich dar&uuml;ber, dass ihre Performance genauso geklappt hat, wie sie sich das gew&uuml;nscht hat und sie als Newcomerin unter der Vielzahl der dem NDR insgesamt angebotenen Beitr&auml;ge, letztendlich einen tollen vierten Platz belegt hat. &quot;Das Wunder von K&ouml;ln&quot;, das sich Ralph Siegel so erhofft hat, ist damit zwar leider nicht eingetreten. Damit ist Siegel aber auch nicht gezwungen, seine Ank&uuml;ndigung wahr zu machen, sich bei einem Vorentscheidungssieg vom deutschen ESC zur&uuml;ckzuziehen, sondern hat hoffentlich um so mehr Motivation weiterhin mit zu machen. (Ohnehin fraglich, wie das h&auml;tte aussehen sollen &ndash; Komponist ist sein Beruf, und wenn ihm wieder ein Song einf&auml;llt &ndash; h&auml;tte er dann sagen &quot;Nein, der ist vielleicht toll, aber den werfe ich weg, ich bin jetzt in Rente und habe doch aufgeh&ouml;rt zu&#8230; denken&quot; (Komponieren ist nun mal Kopf-Arbeit)?) Vielleicht gibt es ja 2017 dann auch eine zweite Chance f&uuml;r Laura Pinski &ndash; dieses Jahr war sie im Konzert der &quot;Avantasia&quot;&#39;s und &quot;The Voice&quot;-Siegerinnen und ihrer Communitys eher &quot;der No Name&quot; &ndash; den Namen f&uuml;r 2017 hat sie sich aber vielleicht jetzt schon gemacht. Und die Beispiele Maxi + Chris Garden, Corinna May und Lou (siehe <strong><a href=\"https:\/\/smago.de\/d\/artikel\/74251\/\">HIER<\/a><\/strong>) zeigen, dass es bereits einige Male beim zweiten Mal dann zum ganz gro&szlig;en Wurf gereicht hat&#8230;<\/p>\n<p>Frank Ehrlacher &#8211; top-exklusiv f\u00fcr smago!<br \/>http:\/\/www.eurovision.tv<br \/>http:\/\/www.eurovision.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wirklich top-exklusiv f\u00fcr www.smago.de hat das wandelnde Musiklexikon einen tollen Aufatz \u00fcber den deutschen Vorentscheid zum &#8222;Eurovision Song Contest 2016&#8220;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":80174,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[27],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80173"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=80173"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80173\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/80174"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80173"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=80173"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=80173"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}