{"id":79366,"date":"2016-03-21T00:00:00","date_gmt":"2016-03-21T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=79366"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"HOWARD-CARPENDALE-smago-Buchbes-79365","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/schlager\/HOWARD-CARPENDALE-smago-Buchbes-79365\/","title":{"rendered":"HOWARD CARPENDALE <br \/>smago! Buchbesprechung: Howard Carpendale &#8211; &quot;Das ist meine Zeit&quot;!"},"content":{"rendered":"<p>Stephan Imming hat das Buch, in dem Howard &#8222;aus dem Leben&#8220; erz\u00e4hlt, gelesen &#8230;:\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer zum Buch &quot;Das ist meine Zeit&quot; von HOWARD CARPENDALE und Stefan Alberti greift, meint vielleicht, damit eine Biografie in H&auml;nden zu halten. Bei diesem Buch handelt es sich aber eher um ein ausgedehntes, langes, intensives Interview als um eine klassische Biografie. Carpendale &auml;u&szlig;ert sich sowohl zu seiner Karriere, seiner Musik und seinem Business wie auch zu seinen Ansichten bez&uuml;glich Politik, Religion und anderen Lebensbereichen.<\/p>\n<p>Das Buch beginnt mit Howards Beichte, dass er einige Jahre nach seinem R&uuml;ckzug von der B&uuml;hne unter <strong><u>Depressionen<\/u><\/strong> litt, die sogar so heftig waren, dass er &uuml;ber Selbstmord nachdachte und sogar eine konkrete Vorstellung hatte, wie sein Suizid gestaltet werden k&ouml;nnte. Erst mit Hilfe eines Psychologen namens Marc fand Howard den Weg zur&uuml;ck ins Leben, unterst&uuml;tzt durch seine Familie und auch mit Tabletten-Hilfe.<\/p>\n<p>Nicht neu ist, dass Carpendale damit hadert, als &quot;<strong><u>Schlager<\/u><\/strong>&quot;-s&auml;nger abgestempelt zu werden &#8211; er sieht sich eher als Entertainer. Sehr interessant ist, dass er nach seinem Sieg beim Schlagerfestival 1970 meinte, auf Auftritte in der ZDF-Hitparade verzichten zu k&ouml;nnen &#8211; meines Erachtens ein Indiz, dass er nicht wirklich dazu stand, dort aufzutreten, obwohl er der Show sicher einen gro&szlig;en Teil seines Erfolges zu verdanken hat. An anderer Stelle im Buch &auml;u&szlig;ert sich Carpendale auch nicht &uuml;berm&auml;&szlig;ig euphorisch &uuml;ber Dieter Thomas Heck &#8211; unter anderem nimmt er dem Moderator wohl &uuml;bel, dass dieser ihn aufgrund einer Versp&auml;tung einst aus einer Sendung schmiss. Dennoch ist Howard sich der Wichtigkeit dieser Sendung f&uuml;r seine Karriere wohl im Nachhinein schon bewusst.<\/p>\n<p>Positiv bewertet Carpendale Kult-Schlagers&auml;nger wie Dieter Thomas Kuhn und Guildo Horn, die den Schlager zwar persiflieren, ihn aber doch ernst nehmen. Besonders angetan ist er davon, wenn er Coverversionen seiner eigenen Lieder zu h&ouml;ren bekommt.<\/p>\n<p>Interessanterweise &auml;u&szlig;ert sich auch Carpendale in seinem Buch gleich mehrfach sehr kritisch &uuml;ber das Verhalten der Radiosender, die immer mehr den Schlager und die deutschsprachige Musik aus ihrem Programm verbannt haben. Er vergleicht dabei den Schlager mit dem Fu&szlig;ballverein FC Bayern M&uuml;nchen, der auch trotz gro&szlig;artiger Leistungen bei manchen ein Imageproblem hat, so dass deutsche Fu&szlig;ballfans eher dem FC Barcelona oder Real Madrid einen Titel g&ouml;nnen als eben dem FC Bayern. Howard schreibt zu diesem Ph&auml;nomen w&ouml;rtlich: &quot;<em>Das verstehe ich nicht!<\/em>&quot; &#8211; in der Tat unverst&auml;ndlich, vielleicht spielt da der Neid auf den Erfolg eine Rolle, womit der Bogen zum deutschen Schlager wieder geschlagen w&auml;re.<\/p>\n<p>An die Radiomacher gerichtet, findet Carpendale unmissverst&auml;ndliche Worte: &quot;<em>Atemlos durch die Nacht wird von vielen Radiosendern nicht gespielt. Diese Arroganz kotzt mich an. Dieses selbstherrliche Verhalten mancher Radiosender gibt es nur in Deutschland. Manche spielen das Lied und reden trotzdem h&auml;misch dar&uuml;ber<\/em>&quot;. &#8211; Erfreulich, dass auch Howard Carpendale (wie k&uuml;rzlich Ralph Siegel) hier kein Blatt vor den Mund nimmt und bei der Wortwahl keine falsche unangebrachte Diplomatie bem&uuml;ht.<\/p>\n<p>Recht ausf&uuml;hrlich schildert Howard seine <strong><u>Anf&auml;nge in Deutschland<\/u><\/strong> &#8211; unter anderem auch, wie er ohne Arbeitserlaubnis (ohne g&uuml;ltige Papiere) Gl&uuml;ck hatte, diesbez&uuml;gliche Unterst&uuml;tzung zu erfahren. Passend dazu &auml;u&szlig;ert er sich sp&auml;ter auch zur aktuellen Fl&uuml;chtlingsproblematik &#8211; in Richtung Europa sagt er: &quot;<em>Ich pers&ouml;nlich empfinde es als eine gro&szlig;e Schweinerei, wenn sich einige L&auml;nder aus der Verantwortung stehlen wollen.<\/em>&quot;<\/p>\n<p>Auch hinsichtlich seiner Heimat <strong><u>S&uuml;dafrika<\/u><\/strong> findet Howard unmissverst&auml;ndliche Worte (&quot;<em>Chaos und Korruption &#8211; diese beiden Worte umschreiben die aktuelle Lage im Land wohl am treffendesten&quot;; &quot;die Zuverl&auml;ssigkeit fehlt.&quot;)<\/em>.<\/p>\n<p>In Sachen <strong><u>Politik<\/u><\/strong> spricht Carpendale das aus, was wohl viele Zeitgenossen denken &#8211; er sieht nicht, dass Europa vereint sei und bezeichnet die Europa-Idee als &quot;Wunschdenken&quot;. Er sehnt sich nach charismatischen F&uuml;hrungspers&ouml;nlichkeiten, wie es sie fr&uuml;her gab (als Beispiele werden Helmut Schmidt und Willy Brandt genannt) &#8211; stattdessen h&ouml;ren sich in seinen Augen Reden wie Pflicht&uuml;bungen an. Selbst von Hoffnungstr&auml;ger Obama ist Carpendale entt&auml;uscht. Das gr&ouml;&szlig;te Problem &uuml;berhaupt ist in seinen Augen die gr&ouml;&szlig;er werdende Kluft zwischen Arm und Reich &#8211; in seinen Augen w&auml;re ein &quot;Reset&quot;-Knopf w&uuml;nschenswert, um von vorne anfangen zu k&ouml;nnen, was nat&uuml;rlich reines Wunschdenken ist.<\/p>\n<p>Ein kleines Kapitel widmet Howard auch dem Thema <strong><u>Religion<\/u><\/strong> &#8211; er selbst sei eher Pragmatiker, was auch schon f&uuml;r seine Eltern galt und f&uuml;r seine Kinder gelte. Dennoch sind ihm gewisse Rituale wie das famili&auml;r gefeierte Weihnachtsfest wichtig. Auch seine kirchliche Hochzeit mit Claudia sei mit sch&ouml;nen Erinnerungen verbunden.<\/p>\n<p>Zum Thema <strong><u>Alter und Tod<\/u><\/strong> hat der S&uuml;dafrikaner auch eigene Theorien. Sarkastisch, aber witzig schildert er, wie er sich seinen Grabstein vorstellt: &quot;<em>Er war ein cooler Typ, aber jetzt ist er eiskalt&quot;<\/em>. &#8211; Aber auch ernsthaft setzt sich Carpendale mit dem Tod auseinander und beschreibt auch die Abschiede von seinen Eltern und den Missst&auml;nden in Pflegeheimen, die w&uuml;rdiges Altern teilweise nicht m&ouml;glich werden lassen.<\/p>\n<p>Hinsichtlich <strong><u>Sex und Erotik<\/u><\/strong> &auml;u&szlig;ert sich Carpendale teilweise &auml;hnlich wie Kollege Udo J&uuml;rgens im bezeichnenderweise &quot;<em>Als Macho stehe ich auf Drei<\/em>&quot; genannten Kapitel schreibt er: &quot;<em>M&auml;nner sind aus meiner Sicht im Allgemeinen nicht treu<\/em>&quot;. Au&szlig;erdem habe Peter Maffays Lied &quot;Und es war Sommer&quot; f&uuml;r ihn eine ganz besondere Bedeutung&#8230;<\/p>\n<p>In Sachen &quot;<strong><u>Imagepflege&quot;<\/u><\/strong> lernen wir, dass heutzutage Autogramme durch Selfies ersetzt wurden. Selbstkritisch und gleichzeitig selbstbewusst konstatiert Carpendale: &quot;<em>Es gibt bestimmt f&uuml;nftausend Menschen in Deutschland, die besser singen k&ouml;nnen als ich. Diese f&uuml;nftausend Menschen k&ouml;nnen aber nicht so eine Show abliefern, wie ich sie zelebriere<\/em>&quot; &#8211; eine gute Selbstanalyse, wie ich finde.<\/p>\n<p>Im Kapitel &uuml;ber <strong><u>Medien <\/u><\/strong>beklagt Carpendale neben der katastrophalen Situation im Radio auch, dass Berichte immer schlechter recherchiert seien bzw. teilweise &uuml;berhaupt nicht stimmen. (Wie richtig er damit liegt, kann aktuell wohl Nik P. best&auml;tigen). Andrerseits sei er &uuml;ber gut geschriebene Kritiken dankbar und rufe diese Kritiker manchmal sogar an. Schriftlich &auml;u&szlig;ere er sich zu negativer Berichterstattung nicht mehr, weil er damit schlechte Erfahrungen gemacht habe.<\/p>\n<p>Ein ganzes Kapitel widmet Howard seiner Lebensgef&auml;hrtin <strong><u>Donnice<\/u><\/strong> &#8211; das sei ihm sehr wichtig. Leider geht er dabei nur an die Oberfl&auml;che, spricht immer wieder von ihrer &quot;Krankheit&quot; und beklagt viele falsche Berichte in den Medien, ohne selber die Chance einer diesbez&uuml;glichen Klarstellung zu nutzen. Selbst mehrfache Nachfragen des Interviewers Stefan Alberti, der offensichtlich einen sehr guten Draht zu Howard hat, nutzten nichts &#8211; der Punkt ist wohl zu privat, was meines Erachtens in Ordnung ist &#8211; dann h&auml;tte man das Kapitel aber auch weglassen k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Donnice geh&ouml;rt zu den <strong><u>Dingen, die Howard am wichtigsten sind<\/u><\/strong>. Weitere Punkte, die f&uuml;r ihn das Leben lebenswert machen, sind nach seiner Aussage die Sportart Golf, seine Familie, als deren Kapit&auml;n er sich sieht, der harte Kern seiner Fans und &#8211; man h&ouml;re und staune &#8211; sein Engagement f&uuml;r die Welthungerhilfe.<\/p>\n<p>Dem Thema <strong><u>Familie<\/u><\/strong> (O-Ton Howard &quot;<em>crazy family<\/em>&quot;) wird dann noch ein eigenes Kapitel gewidmet. Im Mittelpunkt stehen dort Werte wie &quot;<em>Fairness, Loyalit&auml;t und der Mut, unbequeme Dinge anzusprechen<\/em>&quot;.<\/p>\n<p>Bez&uuml;glich seiner<strong><u> musikalischen Inspirationen <\/u><\/strong>nennt Carpendale immer wieder den Namen Elvis, aber auch weitere wichtige K&uuml;nstler wie Elton John, dessen &quot;Sad Songs&quot; ihn z. B. f&uuml;r sein &quot;Samstag Nacht&quot; inspiriert haben. Mehrfach zollt Howard Udo J&uuml;rgens gro&szlig;en Respekt, auch wenn er ehrlich zugibt, dass die beiden K&uuml;nstler nie eng befreundet waren.<\/p>\n<p>Im Kapitel &quot;<strong><u>Begegnungen<\/u><\/strong>&quot; wird ausgiebig auf interessante K&uuml;nstler eingegangen, die Howard im Laufe seiner Karriere kennengelernt hat. Besonders ber&uuml;hrend war dabei sicher die Begegnung mit drei der &quot;Beatles&quot; anl&auml;sslich der deutschen Aufnahme von &quot;Ob-la-di&quot;. Zu vielen seiner Kollegen hat Howard eine sehr gute Meinung (z. B. Blacky Fuchsberger, Harry Belafonte, Cliff Richard) &#8211; mit einigen hadert er aber auch (z. B. Dieter Bohlen).<\/p>\n<p>Schlie&szlig;lich blickt Howard noch etwas in die <strong><u>Zukunft<\/u><\/strong> &#8211; dabei geht er auf Fluch und Segen des technischen Fortschritts ein und spricht auch seine skeptische Meinung &uuml;ber die Zukunft des Musikgesch&auml;fts aus (&quot;Mehr Live-Gesch&auml;ft, weniger CDs&quot;, &quot;Das CD-Gesch&auml;ft stirbt aus&quot;).<\/p>\n<p>F&uuml;r Fans von besonderem Interesse ist vermutlich die &quot;<strong><u>Zugabe<\/u><\/strong>&quot;, Howards &quot;Soundtrack seines Lebens&quot;, in dem er die Geschichte von einigen seiner gro&szlig;en Erfolge eingeht. Spannend: Neben vielen gro&szlig;en Hit-Erfolgen erw&auml;hnt er als unbekannteres Lied den Song &quot;Johannesburg&quot;. Da fragt man sich &#8211; wenn ihm an dem&nbsp; Lied viel liegt, warum hat er es nicht als eines seiner Lieblingslieder auf die Best-Of-CD &quot;Das Beste von mir&quot; mit nehmen lassen?<\/p>\n<p>Summa summarum liest sich Howards Buch kurzweilig, er schildert offen und ehrlich und teilweise kritisch seine Sicht der Dinge. Freunde der Statistik kommen weniger auf ihre Kosten, konkrete Daten finden sich kaum in Howards Buch, richtig neue Erkenntnisse &uuml;ber seine Karriere, die nicht zuvor schon in anderen Biografien zu lesen waren, finden sich dort auch nicht. Howard-Fans werden trotzdem auf ihre Kosten kommen, denn f&uuml;r sie sind seine weltanschaulichen Dinge sicher von Interesse &#8211; und die vielen teilweise seltenen Fotos lockern den Interview-Text auf.<\/p>\n<p>Und einzelne kuriose Neuigkeiten erf&auml;hrt man bisweilen doch &#8211; zum Beispiel, dass Howard zwar in zahllosen TV-Sendungen zu Gast war, aber noch nie in einer von G&uuml;nther Jauch moderierten. Und wer meint, das Wort &quot;Howie&quot; sei ein totales Tabu f&uuml;r den Star, der erf&auml;hrt in dem Buch, wem er als einzigen gestatten w&uuml;rde, ihn so zu nennen.<\/p>\n<p>Howards Buch passt zu ihm &#8211; er ist ein professioneller S&auml;nger, der seine St&auml;rken und Schw&auml;chen kennt, der selbstironisch sein kann und dennoch seinen Job ernst nimmt. Sicher werden seine Fans noch einige tolle Konzerterlebnisse mit diesem Ausnahme-Entertainer erleben.<\/p>\n<p>Stephan Imming, 20.03.2016<br \/>http:\/\/www.universal-music.de\/company\/umg\/electrola<br \/>http:\/\/www.howard-carpendale.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stephan Imming hat das Buch, in dem Howard &#8222;aus dem Leben&#8220; erz\u00e4hlt, gelesen &#8230;:\u00a0 Wer zum Buch &quot;Das ist meine<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":79367,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[29],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79366"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=79366"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79366\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/79367"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79366"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=79366"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=79366"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}