{"id":79108,"date":"2016-03-29T00:00:00","date_gmt":"2016-03-29T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=79108"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"JOACHIM-WITT-Die-My-Star-Folge-79107","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/ndw\/JOACHIM-WITT-Die-My-Star-Folge-79107\/","title":{"rendered":"JOACHIM WITT <br \/>Die &quot;My Star&quot; Folge \u00fcber Joachim Witt im Test von Holger St\u00fcrenburg!"},"content":{"rendered":"<p>Dieses \u00b4Best Of\u00b4 Album (Zeitspanne: 1980 &#8211; 2007) wurde von DA Music zusammengestellt!\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit seinem unvergessenen <em>&bdquo;Goldenen Reiter&ldquo;<\/em> schrieb er NDW-Geschichte &ndash; obwohl er musikalisch und lyrisch weit mehr &sbquo;auf dem Kasten&lsquo; hatte, als neue deutsche &bdquo;Sternenhimmel&ldquo;- oder &bdquo;Sommersprossen&ldquo;-Gl&uuml;ckseligkeit. <strong>JOACHIM WITT<\/strong>, gelernter Photograph und Ex-Schauspieler am Hamburger &bdquo;Thalia&mdash;Theater&ldquo;, hatte 1980 soeben f&uuml;r seine &ndash; damals englischsprachigen &ndash; Aufnahmen mit der dreik&ouml;pfigen Westcoast-Rock-Combo &bdquo;Duesenberg&ldquo; den &bdquo;Deutschen Schallplattenpreis&ldquo; entgegengenommen, da verlie&szlig; er diese Band (die sich dann 1981 endg&uuml;ltig aufl&ouml;ste) und beschloss, fortan solistisch und bis auf Weiteres auf Deutsch, prickelnde, nicht unbedingt am Massengeschmack orientierte Rockmusik auf h&ouml;chstem Niveau, verbunden mit expressiven, oft sehr pers&ouml;nlichen, aber auch giftig-gallig zeitkritischen, manchmal zudem absichtlich missverst&auml;ndlich und mehrdeutig formulierten Texten zu pr&auml;sentieren.<\/p>\n<p>Kurz nach der Trennung von &bdquo;Duesenberg&ldquo;, nahm Joachim Witt sein erstes Soloalbum &bdquo;Silberblick&ldquo; auf. Dieses produzierte er alleine, auf sich gestellt, jedoch mit Unterst&uuml;tzung einiger Kollegen seiner Ex-Band, woraufhin diese bahnbrechende Acht-Track-Scheibe im Dezember 1980 bei WEA\/WARNER auf den Markt kam. Die ph&auml;nomenale LP (siehe <strong><a href=\"https:\/\/smago.de\/d\/artikel\/73701\/\">HIER<\/a><\/strong>) blieb zun&auml;chst allerdings wie Blei in den Regalen liegen. Denn deutschgesungene New-Wave-Experimente mit Widerhaken verharrten bis Ende 1981 als reiner Eingeweihten-Tipp, der bis dahin kaum Eingang in die deutschen Verkaufshitparaden, vulgo: in die breitere &Ouml;ffentlichkeit, fand. Erst als die zweite Single aus &bdquo;Silberblick&ldquo;, eben der legendenbehaftete &bdquo;Goldene Reiter&ldquo;, am 07. November 1981 in der deutschen Ausgabe des Bremer &bdquo;Musikladens&ldquo; mit Manfred Sexauer vorgestellt wurde, ritt Joachim Witt umgehend und strikt in Richtung Rang 2 der einheimischen &bdquo;Media Control&ldquo;-Charts und konnte ganze 29 Wochen in denselben verbleiben.<\/p>\n<p>Der &bdquo;Goldene Reiter&ldquo;, jene makabere Geschichte eines stadtbekannten Yuppie-Aufsteigers, der pl&ouml;tzlich an unheilbarer Schizophrenie erkrankt und auf dem Weg in die geschlossene Anstalt im Krankenwagen sein bisheriges Leben noch einmal Revue passieren l&auml;sst, galt hinfort als einer der best&auml;ndigsten, dauerhaftesten und stilbildenden Klassiker der Neuen Deutschen Welle, obwohl der dr&ouml;ge, resolute Gitarrenrocker mit ultrakommerziellem NDW-Gehabe zwischen dem &bdquo;Traumboy&ldquo; auf den &bdquo;Hohen Bergen&ldquo; und &bdquo;Rosemarie&ldquo; im &bdquo;Sternenhimmel&ldquo; klanglich so gut wie nichts gemein hatte.<\/p>\n<p>Der introvertierte, dito hochbegabte <strong>Joachim Witt<\/strong>, der am 21. Februar 2015 seinen 66. Geburtstag mit einem exklusiven Konzert in seiner Geburtsheimatstadt an der Elbe feierte und sich bereits 1997\/98 explizit in ein stilistisches Umfeld von Neuer Deutscher H&auml;rte, Dark Wave und Gothic Rock begeben hatte, brachte seit seinen so reputierlichen und ertragreichen Anf&auml;ngen zu Beginn der 80er Jahre bis heute &ndash; unterbrochen nur von einer kreativen Pause, die von 1993 bis 1997 w&auml;hrte &ndash; immer wieder kontrovers diskutierte, dabei (bzw. gerade deshalb) hochgradig packende und immer wieder neuartige LPs und CDs auf den Markt, in den unterschiedlichsten musikalischen Ausrichtungen, bei den verschiedensten Schalplattenfirmen. Aber bis vor kurzem existierte keine Best-of-Kollektion, die <em>alle<\/em> Phasen des K&uuml;nstlers, von 1980 bis in die Jetztzeit hinein, label&uuml;bergreifend unter einen Hut brachte, und seinen althergebrachten Fans, die den widerspenstigen Kreativling seit &bdquo;Goldner Reiter&ldquo;-Tagen kennen und sch&auml;tzen, wie gleichsam den nachgeborenen, meist schwarz bekleideten Freunden der &Auml;ra 1998ff, einen ganzheitlichen &Uuml;berblick &uuml;ber dessen vielseitige, sch&ouml;pferische T&auml;tigkeiten zu vermitteln in der Lage gewesen w&auml;re. Dies hat sich nun aber schlagartig ge&auml;ndert&hellip; denn seit knapp 14 Tagen befindet sich <strong>&bdquo;MY STAR &ndash; JOACHIM WITT&ldquo;<\/strong> im Handel, eine rundherum profunde und geschmackssichere Best-of-Kompilation mit vielen musikgeschichtlich unverzichtbaren, teils auch tats&auml;chlich den bedeutsamsten, apartesten, wegweisendsten Liedbeitr&auml;gen des Hamburger Allround-Talents aus den Jahren 1980 bis 2007.<\/p>\n<p>Verantwortlich zeichnet daf&uuml;r die plietische Diepholzer Company DA Music, die seit ca. einem Jahr alle paar Monate mit fesselnden Liedzusammenstellungen (fast ausnahmslos) deutschsprachiger K&uuml;nstler von Schlager bis Deutschrock aufwartet, bei denen die Zust&auml;ndigen &ndash; insbesondere die Sammler und Chronisten unter uns erfreut genau dieses Faktum immens &ndash; ein ums andere Mal sehr rare, h&auml;ufig seit langem vergriffene Schmankerl des jeweils &sbquo;beackerten&lsquo; K&uuml;nstlers mit besonderer Vorliebe ber&uuml;cksichtigen. Dies war z.B. bei Klaus Lage der Fall, bei Peter Schilling, bei Gitte Haenning oder Juliane Werding &#8211; und nun besticht DA Music mit ebendieser Vorgehensweise beim Repertoire von <strong>JOACHIM WITT<\/strong>, der sich, wenn wir den Informationen im CD-Booklet Glauben schenken d&uuml;rfen, gemeinsam mit seinem Ex-Produzenten und &ndash;Mitstreiter Harry Gutowski, selbst an der (chronologisch gelisteten) Auswahl der f&uuml;r <strong>&bdquo;MY STAR&ldquo;<\/strong> genutzten Lieder beteiligt hat.<\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich ist der legend&auml;re <strong>&bdquo;Goldene Reiter&ldquo;<\/strong> (in der 4.40 Min langen Albumversion aus &bdquo;Silberblick&ldquo;) dazu auserkoren, den Startschuss f&uuml;r die von vorn bis hinten schlichtweg begeisternde, klangliche Reise durch 37 Jahre Joachim Witt zu geben. Es folgt das zynische Zeitgeistdrama <strong>&bdquo;Kosmetik (Ich in das Gl&uuml;ck dieser Erde)&ldquo;<\/strong>, die urspr&uuml;nglich erste Auskoppelung aus Joachims 1980er-WEA-Deb&uuml;t, die im Windschatten des G&uuml;ldenen Reitersmannes im April 1982 bis auf Rang 24 der hiesigen Singlehitparaden gelangen konnte und f&uuml;r &bdquo;MY STAR&ldquo; im auf 4.00 Minuten verk&uuml;rzten Singlemix seitens DA bei WARNER anlizenziert wurde. Das zun&auml;chst so &uuml;berzeichnet leger-erholt, in sachtem Reggae-Flair vor sich hin flie&szlig;ende Meisterwerk, das erst im Refrain einen gestresst-nerv&ouml;s-brausenden Tenor verabreicht bekommt, erz&auml;hlt, gesungen aus der Sicht dessen, die W&uuml;nsche und (angeblichen) Vorz&uuml;ge eines (weiblichen) durch und durch hedonistischen M&ouml;chtegern-Photomodells, das skrupel- und scheinbar grenzenlos dazu bereit ist, alles nur Erdenkliche einzusetzen, nur um eines sch&ouml;nen Tages zum global gefeierten &bdquo;Gl&uuml;ck dieser Erde&ldquo; avancieren zu k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Der so unerwartet aufgetauchte, wie komplett verdiente Erfolg von &bdquo;Silberblick&ldquo; war noch nicht verrauscht, als die WEA im Mai 1982 das schon ein halbes Jahr zuvor fertiggestellte, zweite Solowerk des Joachim Witt ins Rennen sandte. &bdquo;Edelwei&szlig;&ldquo; war rhythmischer und (noch) vertrackter ausgefallen, als der gefeierte Erstling, zeigte sich inhaltlich weniger zeitkritisch, daf&uuml;r allenthalben pers&ouml;nlicher, avantgardistischer, aber gleichfalls unverhohlen sp&uuml;rbar depressiver und hoffnungsloser. Die erste und einzige, daraus entnommene Single <strong>&bdquo;Tri Tra Trullala (Herbergsvater)&ldquo;<\/strong> (hier in der 4.45-LP-Version bedacht) stellte ein &bdquo;Spottlied auf Autorit&auml;ten&ldquo; (J. Witt) dar, wirkte penetrant, maschinell, erwies sich dadurch als extrem tanzbar bzw. clubtauglich und zog im Sp&auml;tsommer 1982 bis auf Rang 39 der offizi&ouml;sen deutschen Singlehitlisten. Weiters aus &bdquo;Edelwei&szlig;&ldquo;, fand der grelle, &uuml;berkandidelt marschmusik-&auml;hnlich rhythmisierte, mit schmierigem Gro&szlig;stadtsaxophon kongenial angereicherte New-Wave-Edelrocker <strong>&bdquo;Inflation im Paradies&ldquo;<\/strong> einen ad&auml;quaten Weg auf &bdquo;MY STAR&ldquo;.<\/p>\n<p>Genannte vier Titel kennt vermutlich jeder&nbsp; in- und auswendig, der sich &ndash; sei es als Dabeigewesener, sei es als sp&auml;terer Entdecker dieser Musikart &ndash; eingehender mit der Neuen Deutschen Welle besch&auml;ftigt hat. Sie wurden bis heute auf unz&auml;hligen genrespezifischen Samplern verkoppelt und ausgiebig unters Volk gebracht &ndash; klar, in Anbetracht ihrer musikhistorischen Relevanz sollte diese Tatsache auch nicht als auffallend ungew&ouml;hnlich klassifiziert werden. F&uuml;r den Sammler und Beinhart-Fan von Joachim Witt wird die diesem gewidmete &bdquo;MY STAR&ldquo;-Ausgabe jedoch erst im Anschluss an dieses (wenn auch hervorragende) Allgemeingut der NDW-&Auml;ra so richtig interesseerweckend. Denn, als die kommerzielle Tragweite von NDW und Co. in der zweiten Jahresh&auml;lfte 1983 merklich nachlie&szlig;, begannen die ganz besonders ergreifenden, weil aufs&auml;ssigen, unkalkulierbaren, im positivsten Sinne des Wortes eigensinnigen Jahre des K&uuml;nstlers, der sich per se zu Unrecht in die buntgemischte Schublade der NDW gepresst sah und viel eher geplant hatte, ausdr&uuml;cklich individualistische, gerne extravagante Rock- und Popmusik jenseits marktnotwendiger Schemata und Klangformate ans Tageslicht zu bringen.<\/p>\n<p>Dies gelang ihm bereits &ndash; wenn auch von den breiten Massen, die inzwischen wieder &uuml;berwiegend englischgesungene Disco- und New Romantic-Kl&auml;nge pr&auml;ferierten &ndash; inhaltlich und qualitativ in bestem Umfang im Herbst 1983 mit der grandiosen LP <strong>&bdquo;M&auml;rchenblau&ldquo;<\/strong> (die inzwischen im Rahmen der von mir im Januar d.J. ausgiebig analysierten &bdquo;Triple Album Collection&ldquo; (s.o.) erstmals seit 25 Jahren wieder in G&auml;nze auf Silberscheibe aufgelegt wurde!). Der romantisch-vertr&auml;umte, ungewohnt weich-vers&ouml;hnlich, wie feudal-schwelgend, mit einer guten Prise angejazzt und leicht surreal arrangierte Titelsong, der &uuml;ber das offenkundig historisch singul&auml;r bleibende Zusammentreffen eines sch&uuml;chternen, jungen Mannes mit einer von &bdquo;m&auml;rchenblauen&ldquo; Augen verzierten Traumfrau im Fahrstuhl eines Kaufhauses erz&auml;hlt, ist ebenso auf &bdquo;My Star&ldquo; zu finden, wie die bet&ouml;rend sch&ouml;ne &ndash; ja w&ouml;rtlich: <em>sch&ouml;ne<\/em> &#8211; Synthi-Elegie <strong>&bdquo;H&ouml;rner in der Nacht&ldquo;<\/strong>, jene zweite Singleauskoppelung aus &bdquo;M&auml;rchenblau&ldquo;, die ich in einer fr&uuml;heren Analyse vor knapp 20 Jahren mal als &bdquo;das sanfteste Lied &uuml;ber eine t&ouml;dliche Umweltkatastrophe, das in Deutschland jemals geschrieben wurde&ldquo; bezeichnet hatte, was vermutlich den Kern der Sache trifft. Dem in Sachen Atmosph&auml;re, Weitschweifigkeit und Intensit&auml;t unverkennbar an den 1981er-Synthipop-Meilenstein &bdquo;Vienna&ldquo; von &bdquo;Ultravox&ldquo; gemahnenden, minimalistisch und eloquent inszenierten Elektrochanson <strong>&bdquo;Wieder bin ich nicht geflogen&ldquo;<\/strong> wurde ebenfalls ein guter Platz auf &bdquo;My Star&ldquo; einger&auml;umt.<\/p>\n<p>&bdquo;M&auml;rchenblau&ldquo; als gesamte LP, wie zugleich die drei genannten Auskopplungen daraus, konnten trotz guter Medienpr&auml;senz nicht in den offiziellen Verkaufshitparaden punkten, was aber nichts &uuml;ber ihre unb&auml;ndige musikalische St&auml;rke und ihren bleibenden kulturellen Wert aussagen soll. Im Fr&uuml;hjahr 1985 legte Joachim Witt den Mega-Geheimtipp &bdquo;Mit Rucksack und Harpune&ldquo; vor. Die letzte bei WEA erschienene LP ist, so sagen es Ger&uuml;chte, einst kaum 10.000 mal verkauft worden und genie&szlig;t daher den Status einer ausgewiesenen Rarit&auml;t, sowohl im Vinyl-, als auch im CD-Format, zumal dieses &auml;u&szlig;erst empfehlenswerte Glanzst&uuml;ck deutschsprachiger Popmusik mit Ecken und Kanten bis heute noch nie in G&auml;nze, wom&ouml;glich &sbquo;remastered&lsquo;, als CD wiederbelebt wurde.<\/p>\n<p>Die kess-freche zweite Singleauskoppelung <strong>&bdquo;Blonde Kuh&ldquo;<\/strong>, ein so querk&ouml;pfiges, wie durchwegs liebensw&uuml;rdiges, locker-flockiges Synthi-Epos &uuml;ber das skurrile Drehbuch zu einem imagin&auml;ren Spionagefilm namens &bdquo;Hei&szlig;e Fracht aus Hongkong&ldquo;, in dem &sbquo;James Bond&lsquo; seine neueste Braut in Hochparterrewohnung der Hausmeistersfrau verstaut und dar&uuml;ber hinaus eben die omin&ouml;se <em>&bdquo;Blonde Kuh&ldquo;<\/em> stets, st&auml;ndig und ununterbrochen <em>&bdquo;blond und verliebt&ldquo;<\/em> durchs Bild wackelt, ist auf &bdquo;My Star&ldquo; in ganzer Pracht zu h&ouml;ren &ndash; wobei durchaus auch noch weitere Sahnest&uuml;cke aus dieser genialen 1985er-Produktion, wie z.B. der barsche &bdquo;Zick-Zack-Zuckerrock&ldquo; oder die Ende 1984 dargebotene Vorab-Single &bdquo;Das Supergesicht&ldquo;, vorliegender &bdquo;My Star&ldquo;-Kollektion sehr gut zu Gesicht gestanden h&auml;tten.<\/p>\n<p>Nur wenige Monate sp&auml;ter, unternahm Joachim Witt einen &ndash; kommerziell genauso erbarmungslos gefloppten &ndash; Ausflug in englischsprachige Gefilde zwischen New Jazz, Tanzsaal-Tauglichem und typischem Synthi-Disco-Pop der mittleren 80er. Die entsprechende LP nannte sich &bdquo;Moonlight Nights&ldquo;, erschien am 01.12.1985 bei Polydor, war in erster Linie seiner Familie bzw. seiner Mutter gewidmet, und ist mit der so dunkel-urbanen, wie elit&auml;r-glei&szlig;enden, leicht gehetzt-getrieben anmutenden New Romantic-Single <strong>&bdquo;How will I know&ldquo;<\/strong> auf &bdquo;My Star&ldquo; vertreten.<\/p>\n<p>Da das &auml;ngstliche Verstecken hinter der englischen Diktion f&uuml;r den sensiblen K&uuml;nstler, trotz hoher Wertigkeit und kompakter, per se hittauglicher Beschaffenheit des entsprechenden LP-Produkts, in den sich (schon damals) immer schneller drehenden Popwelten als wenig rentabel erwiesen hatte, besann sich Joachim Witt auf der gnadenlos untersch&auml;tzten RCA-Scheibe &bdquo;10 Millionen Partys&ldquo; wiederum auf seine Muttersprache. Dieses musikalisch &uuml;berwiegend vom britisch-cool-verregneten Synthipop jener Tage a la &bdquo;New Order&ldquo;, &bdquo;Depeche Mode&ldquo; oder &bdquo;Pet Shop Boys&ldquo; (nicht umsonst hie&szlig; der heimliche Clubhit aus dieser LP schlicht &bdquo;Pet Shop Boy&ldquo;) beeinflusste, weitere t&ouml;nende Glanzlicht ging in kommerzieller Hinsicht vollkommen unverdienterma&szlig;en erneut den sprichw&ouml;rtlichen Bach runter und wurde daher gleichfalls bis heute niemals vollst&auml;ndig auf CD neuaufgelegt, weshalb das rare St&uuml;ck heutzutage z.B. bei Amazon f&uuml;r 50 Euro und mehr gehandelt wird. Als stolzer Besitzer der vielgesuchten CD-Ausgabe von &bdquo;10 Millionen Partys&ldquo;, hatte ich wohlweislich vor zehn Jahren f&uuml;r die damaligen &bdquo;Zeitgeist&ldquo;-Vier-CD-Boxen von SONY Music die erste Singleauskoppelung daraus, &bdquo;Der Tankwart hei&szlig;t Lou&ldquo;, zwecks Verkoppelung ausgesucht; 2016 beschaffte sich DA Music f&uuml;r &bdquo;My Star&ldquo; offenkundig bei Joachim Witt selbst die Rechte an der Reanimation der Folgesingle <strong>&bdquo;Engel sind zart&ldquo;<\/strong>, einem so grazil rhythmisierten, wie lakonisch-lausb&uuml;bischen Synthipop-Kleinod der besten G&uuml;teklasse.<\/p>\n<p>Im Wiedervereinigungstaumel ging&rsquo;s Anfang 1991 nochmals f&uuml;r eine einzige Single zur&uuml;ck zu WEA. Doch die <strong>&bdquo;Hallo Deutschland&ldquo;<\/strong> betitelte, muttersprachliche Version, vulgo &bdquo;Deutsche Originalaufnahme&ldquo;, des schon im Original uns&auml;glichen Dancefloor-Flachsinns &bdquo;Hello Africa&ldquo; des tr&auml;llernden Zahnarztes &bdquo;Dr. Alban&ldquo; zeigte sich lyrisch als unorganisiert, unausgegoren, letztlich im Sinnes eines nach jedweder Erfolgsoption haschenden Trittbrettfahrers in puncto des misslichen Zusammenwachsens der beiden deutschen Staaten. Obschon dieses schwache Liedchen &ndash; nicht ganz zu Unrecht &ndash; l&auml;ngst vergessen und (seitens des K&uuml;nstlers sicherlich mit Wollust) verdr&auml;ngt worden ist, soll DA Music trotzdem in aller Form daf&uuml;r gedankt sein, diesen kreativen Tiefpunkt Joachim Witts ob der angestrebten Vollst&auml;ndigkeit f&uuml;r &bdquo;My Star&ldquo; nochmals hervorgekramt zu haben. Der Sammler nimmt dies wohlwollend zur Kenntnis, der Fan l&auml;chelt dar&uuml;ber und\/oder dr&uuml;ckt schlimmstenfalls die Skip-Taste des CD-Spielers.<\/p>\n<p>Dies d&uuml;rfte sich zweifellos als sehr lohnenswert erweisen, denn wir genie&szlig;en nun drei schlagkr&auml;ftige und scharfsinnige Titel aus einem zu seinem Erscheinungsdatum kaum wahrgenommenen und dennoch so bedingungslos brillanten Album, welches Joachim Witt 1992 gemeinsam mit Ex-&bdquo;Ideal&ldquo;-Chanteuse Anete Humpe und seinem langj&auml;hrigen Freund und Begleiter Harry Gutowski, diesmal f&uuml;r die Firma Metronome, produziert hatte. Da <strong>&bdquo;Kapit&auml;n der Tr&auml;ume&ldquo;<\/strong> &ndash; neben &bdquo;M&auml;rchenblau&ldquo; <em>der<\/em> unschlagbare Witt-Albumfavorit des Rezensenten &ndash; ung&uuml;nstigst zwischen Weihnachten und Neujahr 1992\/93 auf den Markt kam, ging diese wundervoll entspannte, lyrisch &auml;u&szlig;erst tiefsinnige und zugleich konsequent zeitkritische Liedsammlung leider vollkommen unter. Drei Beitr&auml;ge aus dieser, im Zweite-Hand-Spektrum ebenfalls im Bereich 50-Euro-plus gehandelten Gro&szlig;leistung stellte Joachim Witt ad Personam f&uuml;r &bdquo;My Star&ldquo; zur Verf&uuml;gung.<\/p>\n<p>Dabei handelt es sich zuvorderst um das zackig-treibende, selbstreflexive, einwenig konstruktiv selbstmitleidige und gleichwohl poppig-ohrwurmtr&auml;chtig-melodi&ouml;se (und dar&uuml;ber hinaus sehr nachvollziehbare) Eingest&auml;ndnis, <strong>&bdquo;In die falsche Welt geboren&ldquo;<\/strong> (Liedtitel) zu sein, sowie den wehend-schw&auml;rmerischen, melancholisch-perlenden und dessen ungeachtet ruppig-rebellischen Titelsong. Als &uuml;berragender H&ouml;hepunkt dieser leider so schnell vergessenen, wie in einem Atemzug schier unvergesslichen 1992er-Stellungnahme muss die erste Single <strong>&bdquo;Restlos&ldquo;<\/strong> bezeichnet werden. Darin w&uuml;nscht sich der merklich wohlgelaunte, von einem anarchisch-optimistischen Kulturpessimismus beseelte Interpret zu eing&auml;ngig-hymnischen Pop-Rock-Harmonien einfach mal &bdquo;restlos weg vom Tagesgeschehen&ldquo; zu sein, nur noch &bdquo;restlos in meiner Traumlandschaft (zu) steh&rsquo;n&ldquo; (Textzitate), voller Abscheu auf die dekadenten, oberfl&auml;chlichen, &bdquo;destruktiven und &uuml;ber beide Ohren in sich selbst verliebten&ldquo; (dto.) M&ouml;chtegerns und Yuppie Typen dieser Welt herabblickend &ndash; kritisch, sarkastisch, aber doch rundherum mit sich selbst v&ouml;llig im Reinen.<\/p>\n<p>Wie beschrieben, setzte Joachim Witt nach dem wiederholten Misserfolg von &bdquo;Kapit&auml;n der Tr&auml;ume&ldquo; zu einer l&auml;ngeren Pause &bdquo;restlos weg vom Tagesgeschehen&ldquo; an, die erst Mitte 1997 mit der unkonventionellen, dabei fraglos sehr originellen und durchdachten, brachial-dr&ouml;hnenden Gothic-Rock-Single &bdquo;Das geht tief&ldquo; endete. Von nun an gab sich der wandlungsf&auml;hige Vollblutmusiker aus Hamburg zunehmend lauten, nicht selten breitfl&auml;chig-symphonischen, zumeist gellend gitarrendurchdrungenen Hardrock-Kaskaden im Dark-Wave und Gothic-Gewande hin, die er zwischen 1998 und heute auf knapp zehn, fast regelm&auml;&szlig;ig von Kritikern, wie Fans, au&szlig;erordentlich goutierten CDs pathetisch und offensiv gleicherma&szlig;en zelebrierte. F&uuml;r das 2007 ver&ouml;ffentlichte Best-of-Opus &bdquo;Auf Ewig &ndash; Meisterwerke&ldquo; spielte Joachim Witt drei dieser gewaltigen Mini-Rock-Opern neu ein, die nun den kr&ouml;nenden Abschluss von &bdquo;My Star&ldquo; bilden. Produzent Harry Gutowski gab die machtvolle Soloversion des monumentalen 1998er-Comebackhits <strong>&bdquo;Die Flut&ldquo;<\/strong> &ndash; seinerzeit mit &bdquo;Wolfsheim&ldquo;-Protagonist Peter Heppner eingesungen &ndash;, sowie Neuaufnahmen der brodelnden D&uuml;ster-Epen <strong>&bdquo;Wo versteckt sich Gott&ldquo;<\/strong> und <strong>&bdquo;Wem geh&ouml;rt das Sternenlicht?&ldquo;<\/strong> (beide im Original: 2006) f&uuml;r hier vorgestellte Kompilation der Extraklasse frei.<\/p>\n<p>Ja, Extraklasse &ndash; Mit einer anderen, wom&ouml;glich geringf&uuml;gigeren Vokabel kann man die wahrlich bravour&ouml;se, detailverliebte, radikal vielseitige und facettenreiche aktuelle Ausgabe von <strong>&bdquo;My Star&ldquo;<\/strong>, mit den besten, pr&auml;gnantesten und typischsten klanglichen Expertisen des unverw&uuml;stlichen <strong>Joachim Witt<\/strong>, keinesfalls umschreiben. <strong>&bdquo;My Star &ndash; Joachim Witt&ldquo;<\/strong> ist teutonische Musikgeschichte in Reinkultur, f&uuml;r intime Fans, Kenner und Beobachter ebenso faszinierend, musterg&uuml;ltig und begehrenswert, wie f&uuml;r allgemein an hochintelligenter, niemals stromlinienf&ouml;rmiger, wom&ouml;glich banaler einheimischer Rockmusik der imposantesten Machart interessierte Menschen.<\/p>\n<p>Den r&uuml;hrigen Kollegen von DA Music ist mit dieser f&uuml;rwahr vorz&uuml;glichen Liedsammlung ein neuerlicher Spitzenbeitrag im Rahmen ihrer ein ums andere Mal mit viel Liebe, Sach- und Fachkenntnis zusammengetragenen CD-Serie unter dem Motto <strong>&bdquo;MY STAR&ldquo; <\/strong>gelungen, die sicherlich auch jetzt und in Zukunft noch f&uuml;r manch aufregende Songkompilation attraktiver K&uuml;nstler Made in Germany sorgen wird!<\/p>\n<p> Holger St\u00fcrenburg, 24. bis 28. M\u00e4rz 2016<br \/>http:\/\/www.da-music.de<br \/>http:\/\/www.joachimwitt.de\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses \u00b4Best Of\u00b4 Album (Zeitspanne: 1980 &#8211; 2007) wurde von DA Music zusammengestellt!\u00a0 Mit seinem unvergessenen &bdquo;Goldenen Reiter&ldquo; schrieb er<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":79109,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[22],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79108"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=79108"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/79108\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/79109"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79108"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=79108"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=79108"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}