{"id":77872,"date":"2016-05-02T00:00:00","date_gmt":"2016-05-02T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=77872"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"HEINO-Die-CD-Arschkarte-im-Test-77871","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/volksmusik\/HEINO-Die-CD-Arschkarte-im-Test-77871\/","title":{"rendered":"HEINO <br \/>Die CD &quot;Arschkarte&quot; im Test von Holger St\u00fcrenburg!"},"content":{"rendered":"<p>Der renommierte Musikjournalist hat sich das dritte &#8222;Rock(er)-Album&#8220; von Heino vorgekn\u00f6pft &#8230;:\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele hatten <strong>HEINO <\/strong>schon abgeschrieben, den blonden Barden mit der sonoren, ernsten Baritonstimme, der mit seiner Aufrechterhaltung urw&uuml;chsigen deutschen Liedguts im schlagerhaften Kontext von jeher daf&uuml;r sorgte, dass sich die Geister der Beobachter an seinem Tun geh&ouml;rig schieden.<\/p>\n<p>Seit 1965 ist der geb&uuml;rtige D&uuml;sseldorfer im Gesch&auml;ft und &uuml;ber mehrere Dekaden kontinuierlich erfolgreich. Doch zuletzt hielten sich seine musikalischen Offenbarungen ausschlie&szlig;lich zwischen klassischen, kirchlich-festlichen Ges&auml;ngen, Heimatliedern und Jahrhundertm&auml;rschen auf, die nat&uuml;rlich fast nur bei betagterem Publikum Anklang fanden, bis vor genau drei Jahren, von heute auf morgen, ohne jegliche Vorank&uuml;ndigung, ein rundherum erneuerter, offensiver, unerwartet forscher, gleichsam selbstironischer HEINO mittenmang ins deutsche Popgeschehen hineinplatzte &ndash; ein HEINO, mit dem zum Schluss keiner mehr so recht gerechnet hatte.<\/p>\n<p>&bdquo;Heino goes Wacken&ldquo; h&auml;tte es hei&szlig;en k&ouml;nnen (und hie&szlig; es im Sommer 2013 auch in aller Form), als der gelernte B&auml;cker und Konditor die Fachwelt freundlich gr&uuml;&szlig;te und mit einem so betitelten Album &ndash; &bdquo;Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en&ldquo; &ndash; zutiefst &uuml;berraschte, teils wom&ouml;glich schockierte, viele, viele Menschen aber &ndash; insbesondere j&uuml;ngere Jahrg&auml;nge ohne Scheuklappen &ndash; ohne Z&ouml;gern brutalstm&ouml;glich in hellste Begeisterung versetzte.<\/p>\n<p>F&uuml;r diese &uuml;beraus ungew&ouml;hnliche Songkollektion, die sich bald nach Erscheinen sogar bis auf den ersten Rang der einheimischen Albumcharts hocharbeiten konnte und somit Heinos kommerziell reputierlichste Scheibe &uuml;berhaupt darstellte, hatte der sich bislang so volkst&uuml;mlich und bieder gebende Showstar, der &uuml;brigens einst von Schlagerlegende Ralph Bendix entdeckt und daraufhin einige Jahre lang produziert wurde, zun&auml;chst 12 (auf der im Herbst 2013 nachgeschobenen Sonderedition &bdquo;Jetzt erst recht&ldquo; insgesamt 17) deutschen Rock-, Pop-, Punk- und Hip Hop-Expertisen des Heute und Hier in einem absichtlich &uuml;berbetont strengen, ironisierend traditionell &uuml;berzeichneten Klangbild nahe Schlager und Volkst&uuml;mlichkeit, intelligent und spitz vermengt mit einem so , wie augenzwinkernden Rock-Appeal, angenommen.<\/p>\n<p>Das &bdquo;verbotene Album&ldquo;, wie seine Plattenfirma STARWATCH die so skurril-bizarre, wie sehr gelungene und aufmunternde Produktion bewarb, beinhaltete zeitnahe deutsche Hits z.B. der Berliner Punkheroen &bdquo;Die &Auml;rzte&ldquo;, der Stuttgarter Hip-Hop-Pioniere &bdquo;Die Fantastischen Vier&ldquo; oder gar der an und f&uuml;r sich (f&uuml;r mich zumindest) geschmacklich ungenie&szlig;baren Brachialrocker &bdquo;Rammstein&ldquo;, in strikt Heino-getreuer Auskleidung. Die eher linksalternativ eingestellten &bdquo;&Auml;rzte&ldquo; wollten Heino nun mit viel (kalkuliertem??) Pressewirbel untersagen, dass er ihren 2007er-Evergreen &bdquo;Junge&ldquo; in einem regelrechten&nbsp; Freddy-Quinn-Modus ad absurdum f&uuml;hrte, der meist zugedr&ouml;hnte Hamburger Anarcho-Rapper Jan Delay lie&szlig; sich sogar dazu hinrei&szlig;en, den schon immer mit Bedacht betont unpolitisch und &uuml;berparteilich auftretenden Bis-dato-Volkss&auml;nger in einem Interview als &bdquo;Nazi&ldquo; zu titulieren, da dieser den 1998er-Titel &bdquo;Liebes Lied&ldquo; seines einstigen Rap-Trios &bdquo;Absolute Beginner&ldquo; f&uuml;r &bdquo;Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en&ldquo;- im &Uuml;brigen schlicht kongenial, aber eben ohne den Urheber vorher angefragt zu haben &nbsp;&#8211; gecovert hatte.<\/p>\n<p>All diese Hahnenk&auml;mpfe schadeten Heino allerdings ganz und gar nicht. Er war im Gespr&auml;ch, in den Medien, den Feuilletons, sogar in Rockmusikmagazinen zu finden, die in Anbetracht seiner fr&uuml;heren Fahrten- und Wanderlieder stets die Nase ger&uuml;mpft (oder gar nicht &uuml;ber ihn berichtet) hatten; die Fans der jungen Bands, deren aktuelle Charthits Heino nun pl&ouml;tzlich pointiert &bdquo;verschlagerte&ldquo;, interessierten sich erstmals f&uuml;r das zuvor bestenfalls verspottete, mutma&szlig;lich angestaubte, gestrige Idol ihrer Gro&szlig;eltern &ndash; und Heino selbst gelang in diesem Zusammenhange ein derart umfangreiches, wundersames und unvermutetes Comeback, dass er 2013 f&uuml;r den &bdquo;ECHO&ldquo; nominiert wurde und im gleichen Jahr eine Goldene Schallplatte f&uuml;r &uuml;ber 100.000 verkaufte Exemplare von &bdquo;Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en&ldquo; verliehen bekam.<\/p>\n<p>Bis zu diesem Zeitpunkt war ich nie ein besonders hervorstechender Heino-Anh&auml;nger gewesen. So wie es in den 60ern den Zweikampf &bdquo;Beatles&ldquo; versus &bdquo;Stones&ldquo; gab oder eine Dekade darauf sich Freunde, eher Freundinnen, von &bdquo;Bay City Rollers&ldquo; bzw. &bdquo;Smokie&ldquo; gegenseitig kritisch be&auml;ugten, bestand in unserer Familie ein &sbquo;kulturelles Duell&lsquo; Heino vs. Freddy Quinn &ndash; mein Vater pr&auml;ferierte Heino; meine Mutter Freddy Quinn, ich tat es meiner Frau Mama gleich und bevorzugte somit ebenfalls von Kindesbeinen an den &bdquo;Jungen von St. Pauli&ldquo;. Man h&ouml;rte oder gar kaufte sich in der Jugend zwar mal die eine oder andere Heino-Single &ndash; &bdquo;Ja, ja die Katja, die hat ja&ldquo;, &bdquo;So&rsquo;n kleiner Garten vor der Stadt&ldquo; oder &bdquo;Sonnenschein &ndash; Gl&uuml;cklichsein&ldquo; kommen mir diesbez&uuml;glich in den Sinn &ndash; aber ansonsten mochte ich mich f&uuml;r den blonden Sonnenbrillen-Tr&auml;ger nie so recht erw&auml;rmen. Dies &auml;nderte sich erst langsam, aber sicher, als ich nun Heinos Hinwendung zum ultimativen Rock-Parodisten miterlebte, obwohl ich zugegebenerma&szlig;en mit &bdquo;Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en&ldquo; noch nicht allzu viel anzufangen vermochte, da mir &ndash; r&uuml;hmliche Ausnahmen, wie &bdquo;Nenas&ldquo; &bdquo;Leuchtturm&ldquo; oder Westernhagens &bdquo;Willenlos&ldquo;, best&auml;tigten die Regel &ndash; viele der neu interpretierten Originale gar nicht gel&auml;ufig waren, weil mir dar&uuml;ber hinaus, als unverbesserlichem Kind der 80er, doch von jeher der Zugang zu zeitgem&auml;&szlig;em Hip Hop, Neo-Deutschrock oder gar &bdquo;Rammstein&ldquo;-L&auml;rm von vornherein vollkommen fehlte. Das ganze Unterfangen hatte auf jeden Fall etwas Faszinierendes an sich; hier&uuml;ber war ich mir vollends im Klaren. &bdquo;Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en&ldquo; hatte Appetit auf mehr bereitet und bereits das Folgewerk von Heino, erschienen im Herbst 2014, traf &ndash; im wahrsten Sinne der Betitelung &ndash; direkt ins Schwarze. Auf &bdquo;Schwarz bl&uuml;ht der Enzian&ldquo; hatte Heino einige seiner fr&uuml;hen Volkslieder-Schmankerl &ndash; z.B. &bdquo;Die Schwarze Barbara&ldquo;, &bdquo;Hoch auf dem gelben Wagen&ldquo; oder das unvermeidliche &bdquo;Schwarzbraun ist die Haselnuss&ldquo; &ndash; in bester D&uuml;ster-Metal-Manier mittels krachender Gitarren und peitschender Drums bis zum Exzess verr&uuml;ckt verrockt.<\/p>\n<p>Die CD scheiterte nur ganz knapp an den einheimischen Top 10, ein k&ouml;stliches Musikvideo, das mit allen Klischees des Heavy Metal perfekt spielte (und daf&uuml;r sorgte, dass genrefremde Freunde Heinos, von Patrick Lindner bis Stefan Mross, urpl&ouml;tzlich zu Hardrock-Berserkern avancierten), bescherte positive Aufruhr und Heinos Liveauftritte 2015 &ndash; so selbsterlebt beim &bdquo;Dortmund Ole&ldquo; im September vergangenen Jahres &ndash; glichen reinen Triumphz&uuml;gen.<\/p>\n<p>Nun kursierte seit einigen Wochen das Ger&uuml;cht, Heino, inzwischen stolze 77 Jahre jung, plane, mit einer neuerlichen Rock-Produktion die &Ouml;ffentlichkeit in Wallung zu versetzen. Unter dem Arbeitstitel &bdquo;Projekt F.&ldquo; machte dieses Albumvorhaben im Netz die Runde; niemand wusste aber ganz genau, was sich Heino als neuesten Schrei &uuml;berlegt hatte. Manche vermuteten, der sp&auml;tberufene Rocker k&ouml;nne eine Art &bdquo;FFFreddy Quinn&ldquo;-Tribute gestartet haben, zumal &uuml;ber das angebliche oder tats&auml;chliche Missverh&auml;ltnis der beiden sagenumwobenen Volkss&auml;nger schon immer viel spekuliert worden war. Da aber Ex-&bdquo;Trio&ldquo;-Frontmann Stephan Remmler eine ebensolche Liedsammlung mit Neuaufnahmen verschiedener Freddy-Gassenhauer bereits 1991 unter ebenjenem Titel &bdquo;Projekt F&ldquo; vorgelegt hatte, geriet bald ans Tageslicht, dass es sich bei Heinos nun endlich vorliegender, neuer musikalischer Arbeit um ein t&ouml;nendes Arsenal ausgew&auml;hlter FFFu&szlig;ball-Lieder handele und diese offenkundig, um Verwechselungen mit Stephan Remmlers entsprechend betitelter LP von vor 25 Jahren zu vermeiden, nun vor wenigen Tagen unter dem Motto <strong>&bdquo;ARSCHKARTE&ldquo;<\/strong> bei STARWATCH\/SONY auf den Markt kommen solle &ndash; was nun, am vergangenen Freitag, dem 29.04.2016, auch geschehen ist.<\/p>\n<p>Weder der Name Heino ist auf dem knallroten CD-Cover zu lesen, noch ist der S&auml;nger in Front abgebildet. Das bekanntlich viereckige CD-Booklet gleicht vielmehr einer &sbquo;roten Karte&lsquo;, eben wie beim Fu&szlig;ball im &sbquo;Worst Case&lsquo;, als &sbquo;Ultima Ratio&lsquo; eingesetzt, und zeigt nur den gro&szlig;buchstabigen Schriftzug <strong>&bdquo;ARSCHKARTE&ldquo;<\/strong>. Und wer die so benamte Silberscheibe flink seinem CD-Spieler hinzuf&uuml;gt, ist eiligst sehr am&uuml;siert dar&uuml;ber, wenn Heino seinen speziellen Kommentar zur diesj&auml;hrigen Fu&szlig;ball-Europameisterschaft, die zwischen dem 10. Juni und dem 10. Juli 2016 in Frankreich stattfindet, mit einem knappen (im wahrsten Sinne des Wortes) <strong>&bdquo;Anpfiff&ldquo; <\/strong>(in Sinne von &bdquo;Anschiss&ldquo; ;-), instrumental mit dem 2003er-Hit der Detroiter Garage-Rock-Band &bdquo;The White Stripes&ldquo; im Hintergrund, kurzerhand und unpr&auml;tenti&ouml;s anpfeift.<\/p>\n<p><strong>&bdquo;Fu&szlig;ball ist unser Leben&ldquo;<\/strong> war 1974 von Produzentenlegende (und selbst Ex-Profifu&szlig;baller in Personalunion) Jack White &ndash; also unserem Schlager-Jack White, nicht dem US-Jack White von eben erw&auml;hnten &bdquo;White Stripes&ldquo;) aus Anlass der damaligen Fu&szlig;ballweltmeisterschaft komponiert und mit der seinerzeitigen Nationalmannschaft unter Trainer Helmut Sch&ouml;n eingespielt worden. Der hymnische Schlager erwuchs zu einem Riesenhit und gilt noch heute unbestritten als Kult-Song und origin&auml;res Muss auf Schlagerpartys. Dies ist vermutlich auch deshalb der Fall, weil die WM 1974 nicht nur in Deutschland vonstattenging, sondern sich unsere heimatliche Mannschaft gleicherma&szlig;en den hei&szlig;begehrten Weltmeistertitel sichern konnte. Heino gestaltet daraus 42 Jahre sp&auml;ter einen knalligen, rasenden, diesmal weniger Heavy-Metal-, denn bombastisch aufgedonnerten und im Tempo radikal gestrafften, Rock&rsquo;n&rsquo;Roll-orientierten Schlachtenbummler-Ruf, der zum sofortigen Mitschmettern und Mittanzen einl&auml;dt.<\/p>\n<p>Vier Jahre darauf war Udo J&uuml;rgens an der Reihe, die in Argentinien ausgetragene, n&auml;chste Fu&szlig;ball-WM, in gesanglicher Kooperation mit der entsprechenden National-Elf, mit einer eigens daf&uuml;r konzipierten LP musikalisch zu verzieren. Es erschien die zurecht l&auml;ngst Legendenstatus f&uuml;r sich vereinnahmende Nummer-Eins-Platte &bdquo;Buenos Dias Argentina&ldquo;, Udos einzige Studioproduktion, die den begehrten Spitzenplatz der deutschen Albumcharts entern konnte (weshalb es sehr verwunderlich ist, dass die Ariola diese sehr vielseitige, teils witzig-launig ausformulierte, teils zudem sehr nachdenkliche LP niemals hat im CD-Format wiederaufleben lassen. Vielleicht bietet ja in zwei Jahren die Fu&szlig;ball-WM 2018 eine gute Gelegenheit daf&uuml;r, dieses rare Meisterwerk aus dem Archiv zu holen und zum 40. Entstehungsjubil&auml;um f&uuml;r den Fan und Sammler &sbquo;digital remastered&lsquo; aufzubereiten!).<\/p>\n<p>Der schwelgerische Titelsong <strong>&bdquo;Buenos Dias, Argentina&ldquo; <\/strong>zog als 45er im Sommer 1978 bis auf Rang 3 der hiesigen &bdquo;Media Control&ldquo;-Listen, ist 2016 noch immer als einer <em>DER<\/em> Dauerbrenner des viel zu fr&uuml;h verstorbenen K&auml;rntner Edelchansonniers zu bezeichnen &ndash; und war interessanterweise im Jahr seiner Erstver&ouml;ffentlichung ebenfalls von Heino aufgenommen worden. Diesem s&auml;migen Nachzieher war allerdings kaum Erfolg beizumessen gewesen, so dass man besser den Mantel des Vergessens &uuml;ber diese ungl&uuml;ckliche Schnulz-Darbietung &nbsp;ausbereiten &ndash; und sich viel lieber der peppigen Neuauslegung dieses Klassikers des gehobenen deutschen Schlagerchansons auf &bdquo;Arschkarte&ldquo; widmen sollte. Die zuerst so sehnsuchtsvoll-melancholische Ballade wandelte sich f&uuml;r hier analysierte CD zu einem agilen, drallen, beinahe punkigen, jedenfalls zumindest stampfend-peitschenden Partyrocker, der viel zu liebenswert ausgefallen ist, um Udo-J&uuml;rgens-Puristen ver&auml;rgern zu k&ouml;nnen, sondern stattdessen vielmehr, keinesfalls verh&ouml;hnend, nicht einmal missverst&auml;ndlich parodistisch, per aufbrausenden Arrangements aus einem gro&szlig;en Popsong einen nicht zu verachtenden, kraftvoll verlockenden Punk&rsquo;n&rsquo;Roll-Mix kreiert.<\/p>\n<p>Die Koh&auml;renz zwischen der auf einem bretonischen Trinklied basierenden Durchhalteparole <strong>&bdquo;Was wollen wir trinken (Sieben Tage lang)&ldquo;<\/strong> und dem Fu&szlig;ballsport bleibt jedenfalls dem Rezensenten bis auf Weiteres verschlossen, wurde diese Lied doch Anfang der 80er Jahre zur Hochphase der &bdquo;Friedensbewegung&ldquo;, nachdem es von Musikproduzent und Linkspolitker Dr. Diether Dehm ins Muttersprachliche &uuml;bersetzt und von den niederl&auml;ndischen Politikockern &bdquo;BOTS&ldquo; f&uuml;r deren LP &bdquo;Entr&uuml;stung&ldquo; aufgenommen worden war, in erster Linie auf Demonstrationen gegen die Raketenstationierung im schw&auml;bischen Mutlangen 1983 und noch viel mehr nach 1984 bei Protestkundgebungen gegen die Inbetriebnahme der Startbahn-West am Frankfurter Flughafen genutzt. Heinos Deutung des per se monotonen Musikst&uuml;cks bel&auml;sst den verzweifelt-aufwiegelnden Charakter des Originals der &bdquo;BOTS&ldquo;, zieht bei der Nachempfindung einwenig die Geschwindigkeit an, integriert Celtic- und Irish-Folk-Elemente und heutzutage ja sehr gefragte (Pseudo-)Folk-Versuche a la &bdquo;Santiano&ldquo;, was insofern Sinn macht, als dass &bdquo;Santiano&ldquo;-Mitstreiter und Gitarrist Dirk Schlag bei der Produktion von &bdquo;Arschkarte&ldquo; bestimmend mit von der Partie war. In einem &auml;hnlichen Klanggewand, jedoch weitaus mehr in Richtung Boogie-Rock&rsquo;n&rsquo;Roll tendierend, irgendwo angesiedelt zwischen typisch britischem Mitgr&ouml;hl-Glamrock a la &bdquo;Slade&ldquo;, einwenig Folk-Metal und erneutem irischen und keltischen Folklorismus, h&auml;lt sich Heinos Sichtweise des WM-Lobgesangs <strong>&bdquo;54, 74, 90, 2010&ldquo;<\/strong> auf, mit dem die Germeringer Alternative-Deutschrock-Combo &bdquo;Sportfreunde Stiller&ldquo; umgehend nach dem f&uuml;r Deutschland gegen Italien verlorenen Halbfinal-Spiel bei der allgemein pathetisch als &bdquo;deutsches Sommerm&auml;rchen&ldquo; apostrophierten WM 2006 ihren popul&auml;rmusikalischen Beitrag zur vier Jahre sp&auml;ter in S&uuml;dafrika abgehaltenen, entsprechend folgenden Fu&szlig;ball-WM ablieferte.<\/p>\n<p>1997 hatte das deutsche Euro-Dancefloor-Projekt &bdquo;Bellini&ldquo; den &ndash; sorry &ndash; wahrlich penetranten (v&ouml;llig vorgeplanten und am Rei&szlig;brett entworfenen) Parade-&sbquo;Sommerhit&lsquo; <strong>&bdquo;Samba de Janeiro&ldquo;<\/strong> dem Markt zugef&uuml;hrt, der sich vor 19 Jahren europaweit als ausgewiesener Top-10-Hit etablieren konnte. Um eine gute Stimmung in den Zuschauerr&auml;ngen zu erzeugen, wurde das grunds&auml;tzlich ungenie&szlig;bare Dance-N&uuml;mmerchen bei der Fu&szlig;ball-Europameisterschaft 2008, die in &Ouml;sterreich und der Schweiz ausgetragen wurde, regelm&auml;&szlig;ig dann im Stadion angespielt, wenn ein Tor gefallen war. Grund genug f&uuml;r Heino, &bdquo;Samba de Janeiro&ldquo; erstmals seit Vorlage des Originals, Dank konsequenter Punk-Rasanz und &uuml;berzeichneter, t&ouml;nender Opulenz, als nicht nur einigerma&szlig;en ertr&auml;gliches, sondern sogar &ndash; man mag es kaum f&uuml;r m&ouml;glich halten &ndash; wahrhaftig sympathisches, ansprechendes Rockfeuerwerk in die Ohren eigentlicher, letztlich urs&auml;chlicher Dancefloor-Mucke-Ver&auml;chter unwiderruflich eindringen zu lassen.<\/p>\n<p>F&uuml;r seine bed&auml;chtige Neufassung von Lotto King Karls unverbr&uuml;chlicher HSV-Stadionhymne <strong>&bdquo;Hamburg, meine Fu&szlig;ballperle&ldquo; <\/strong>vermochte es Heino, ebenjenen Originalinterpreten und Stadionsprecher\/-s&auml;nger des derzeit vom Schicksal so arg gebeutelten hanseatischen Noch-und-immer-wieder-Erstligisten HSV aus Barmbek pers&ouml;nlich zwecks eines country-infizierten, ansonsten eher stillen Duetts ins Studio einzuladen. Das urspr&uuml;nglich zur WM 2006 von dem umstrittenen Hannoveraner Comedian Oliver Pocher dargebotene Top-3-Fu&szlig;ball-Lied <strong>&bdquo;Schwarz auf Wei&szlig;&ldquo;<\/strong> dr&ouml;hnt, seitens Heino schallend reanimiert, gellend, deftig und gnadenlos rockig aus den Boxen; der wiegende Rock-Shuffle <strong>&bdquo;Es gibt nichts auf der Welt&ldquo;<\/strong> hingegen transferiert, mit neuem, deutschen Text ausstaffiert, Guiseppe Verdis &bdquo;Gefangenenchor&ldquo; aus &bdquo;Nabucco&ldquo; in fu&szlig;ball-begeisterte Feudalrock-Welten.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>&bdquo;You&rsquo;ll Never Walk Alone&ldquo; entstammt im Grundsatz dem 1944 von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein III ersonnenen US-Musical &bdquo;Carousel&ldquo; und wurde 1965 erstmals ein weltweiter Charthit in einer Popversion der Liverpooler Beatband &bdquo;Gerry &amp; the Pacemakers&ldquo;. Seit damals dient diese poppige Schunkelballade als unverwechselbarer Fangesang beim &ndash; derzeit bekanntlich von Ex-Borussia-Dortmund-Trainer J&uuml;rgen Klopp geleiteten &ndash; FC Liverpool. Mit deutschen Reimen ausgestattet, bietet der Stadion-Gassenhauer als <strong>&bdquo;Allein bist Du nie&ldquo;<\/strong> den in einem drastischen-rigorosen, geradezu aufheulenden, in bedrohlichem D&uuml;ster-Rock-Flair inszenierten, absoluten H&ouml;hepunkt von Heinos &bdquo;Arschkarte&ldquo;, bevor der gleichfalls auf &bdquo;Seven Nation Army&ldquo; der &bdquo;White Stripes&ldquo; aufgebaute <strong>&bdquo;Abpfiff&ldquo;<\/strong> Heinos aktuelles Album &uuml;ppig abschlie&szlig;t und abpfeift.<\/p>\n<p><strong>&bdquo;ARSCHKARTE&ldquo; <\/strong>ist keine umwerfende, aber fraglos eine beachtenswerte und wertvolle Leistung eines &sbquo;unkaputtbaren&lsquo; S&auml;ngers mit Humor, Stimme und Energie. Der ohrenbet&auml;ubende Heavy\/Hardrock-Aspekt des Vorg&auml;ngerwerks &bdquo;Schwarz bl&uuml;ht der Enzian&ldquo; ist diesmal einer eher ausgelassenen, bierzeltgem&auml;&szlig;en Partystimmung gewichen, wie sie vielleicht im Sommer 2016 bei der kommenden Fu&szlig;ball-Europameisterschaft in einigen &bdquo;Public Viewing&ldquo;-Arealen im Falle deutscher Torerfolge aufkommen wird. Hierf&uuml;r bietet <strong>&bdquo;ARSCHKARTE&ldquo;<\/strong> von <strong>HEINO<\/strong> einen einwandfrei trefflichen, spa&szlig;igen und aufregenden Soundtrack, mit Finesse, Freude, K&ouml;nnen und einer guten Portion Selbstironie hergestellt. Ob die darauf verarbeiteten neun Lieder plus Intro\/Outro jedoch von derart ausgepr&auml;gter Nachhaltigkeit und Dauerhaftigkeit beseelt sind, dass sie den bevorstehenden Fu&szlig;ball-Sommer 2016 ohne Abnutzungserscheinungen &uuml;berstehen und auch jenseits des EM-Fiebers noch Bestand haben werden, entscheiden Zeit, Zeitgeist, Fans und sicherlich auch der Erfolg oder Misserfolg unserer deutschen Nationalmannschaft Juni\/Juli im diesen Jahres in Frankreich. Das Zeug dazu hat <strong>&bdquo;ARSCHKARTE&ldquo;<\/strong> allemal!<\/p>\n<p>Holger St\u00fcrenburg, 30. April bis 01. Mai 2016)<br \/>http:\/\/www.starwatch.de<br \/>http:\/\/www.heino.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der renommierte Musikjournalist hat sich das dritte &#8222;Rock(er)-Album&#8220; von Heino vorgekn\u00f6pft &#8230;:\u00a0 Viele hatten HEINO schon abgeschrieben, den blonden Barden<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":77873,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[30],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77872"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=77872"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77872\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/77873"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=77872"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=77872"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=77872"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}