{"id":77392,"date":"2016-05-17T00:00:00","date_gmt":"2016-05-17T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=77392"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"EUROVISION-SONG-CONTEST-2016-sm-77391","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/pop\/EUROVISION-SONG-CONTEST-2016-sm-77391\/","title":{"rendered":"&quot;EUROVISION SONG CONTEST 2016&quot; <br \/>smago! top-exklusiv: Die gro\u00dfe ESC-Nachlese von Frank Ehrlacher!"},"content":{"rendered":"<p>Der ultimative Chart (Show) Experte nimmt kein Blatt vor den Mund &#8230;:\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Eurovision Song Contest 2016 in Stockholm ist Geschichte &ndash; oder schreibt weiterhin Geschichten. Und w&auml;hrend wir hier in Stockholm einpacken und halb-dankbar,&nbsp; halb-freudig zur&uuml;ckschauen auf eine fr&ouml;hliche Woche mit guter Musik, einer tollen Show und auch den Sicherheitskr&auml;ften vor Ort dankbar sind, dass alles ruhig und friedlich abgelaufen ist, lesen wir, wie die Wellen &uuml;berall hochschlagen und der Sieg der Ukraine als genauso &quot;ungerecht&quot; gebrandmarkt wird wie der letzte Platz des deutschen Beitrags. Meine Auffassung von Journalismus ist, zu beobachten, zu berichten, zu analysieren und einzuordnen &ndash; nicht zwingend zu werten und sich nicht (zu sehr) von pers&ouml;nlichen Vorlieben leiten zu lassen.<\/p>\n<p>Daher eins vorweg: Wer meine <strong><a href=\"https:\/\/smago.de\/d\/artikel\/75307\/\"><em>smago!-<\/em>Exklusiv-Kolumne am Morgen vor dem ESC<\/a><\/strong> gelesen hat, erinnert sich vielleicht, dass ich sowohl die drei Erstplatzierten als auch den letzten Platz von Deutschland (im Kampf mit Gro&szlig;britannien) vorher gesagt hat. Meine Prognose war in keiner Form &quot; politisch motiviert&quot; &ndash; sie entsprach schlichtweg dem, was ich in den Tagen und Wochen vor dem ESC in den Proben und Halbfinals gesehen habe und was sich am Samstagabend in der Live-Sendung best&auml;tigte.<\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich kann man &uuml;ber den Siegertitel trefflich streiten &ndash; meinen pers&ouml;nlichen Geschmack trifft er nebenbei bemerkt auch nur teilweise und sonderlich kommerziell ist er f&uuml;r meinen Geschmack mitnichten. Aber es gibt in meinen Augen neben vielen Seitenstra&szlig;en zwei K&ouml;nigswege, beim ESC vorne dabei zu sein:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n&#8211; Authentisch sein und dem Zuschauer etwas von &quot;seiner&quot; Kultur und Identit&auml;t zu vermitteln &ndash; egal, ob es den Massengeschmack trifft<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8211; oder eine Performance, ein Konzept (Thema, Interpret) und vor allem einen &quot;guten&quot; Song zu finden, der und die das Publikum in ganz Europa drei Minuten in seinen Bann ziehen. Ein vermeintlicher &quot;Ohrwurm&quot;, den man nach 30 Sekunden mitsingen kann, reicht da zumeist nicht mehr aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nDer Sieger-Titel &quot;1944&quot; der Ukrainerin Jamala erf&uuml;llte gleich beide Voraussetzungen: Er erz&auml;hlte vom Schicksal und Leid einer Frau, einer Familie und letztendlich einer Generation eines Landes, jenseits der westlichen Songstrukturen und Melodieb&ouml;gen. Und die Interpretin pr&auml;sentierte den Song mit einer Leidenschaft, die man ihr angesichts des Themas abnahm. Ich bin der &Uuml;berzeugung, aus diesen Gr&uuml;nden ist der Beitrag gew&auml;hlt worden &ndash; und nicht, um der geschundenen Ukraine &quot;Mittleidspunkte&quot; zu geben oder politisch in die Auseinandersetzung zwischen Russland und der Ukraine einzugreifen &ndash; letzteres wird schon dadurch widerlegt, dass auch Russland genauso und noch mehr mit Telefonanrufen bedacht wurde. Ebenso deplatziert scheint es, der Ukraine vorzuwerfen, ein Lied zu singen, dass ein St&uuml;ck der Stimmung in ihrem Land widerspiegelt &ndash; das Land befindet sich seit Jahren im (B&uuml;rger-)Krieg. W&auml;re es da glaubhaft gewesen, mit eine Liebesschnulze oder Feel-Good-Disco-Nummer um die Ecke zu kommen? Und h&auml;tte sich damit der ESC nicht dem Vorwurf ausgesetzt, an den Problemen Europas blind-schunkelnd vorbeizutr&auml;llern?<\/p>\n<p>Am Ende setzten sich einfach zwei eindrucksvolle Performances gesungen von starken Frauen gegen die fast perfekte Show des Russen Sergey Lazarev durch. Die Gewichtung war unterschiedlich, die (Fach-)Jurys honorierten mehr die Authentizit&auml;t der Ukrainerin und die Ausdrucksst&auml;rke der Australierin, das &quot;gemeine Volk&quot; per Televote mehr die Show des Russen &ndash; aber hier von einem bewussten politischen Statement zu sprechen, scheint mir von BEIDEN Seiten verfehlt &ndash; es handelt sich um eine Abstimmung in einem Musikwettbewerb und &uuml;ber Geschmack l&auml;sst sich sprichw&ouml;rtlich eigentlich gar nicht streiten. Oder wie &quot;ABBA&quot; Bj&ouml;rn Ulvaeus es heute in Stockholm ausdr&uuml;ckte &quot;Wir wussten vielleicht gar nicht, wie wichtig dieser Contest ist&quot;.<\/p>\n<p>Und damit springen wir ans Ende des Tableaus und zu der Frage, die die deutsche &Ouml;ffentlichkeit am &quot;Tag danach&quot; noch deutlich mehr bewegte: Wie kann Europa so ungerecht sein und uns die Punkte vorenthalten, die wir doch schon alleine dadurch virtuell &quot;erkauft&quot; haben, dass wir einer der gr&ouml;&szlig;ten Beitragszahler der EBU sind? Haben wir nicht schon daf&uuml;r &quot;Dankbarkeit&quot; verdient oder zumindest daf&uuml;r, dass &quot;wir&quot; eine f&uuml;hrende Rolle in Europa einnehmen und an vielen Problemen nicht vorbeischauen? Oder ist es gerade umgekehrt, dass Europa &quot;uns&quot; zeigen wollte, dass es mit der Politik Angela Merkels nicht einverstanden ist und uns als &quot;Gelbe Karte&quot; mit minimalen Punkten beim ESC abstrafte?<\/p>\n<p>Auch das ist gelinde gesagt alles gro&szlig;er Bl&ouml;dsinn. Den TV-Zuschauer in der Ukraine, Aserbaidschan oder Albanien interessiert es genau so wenig, was in dem Land, aus dem diese Manga-S&auml;ngerin kommt, gerade politisch abgeht &ndash; sie greifen dann zum Telefon, wenn sie die Performance &uuml;berzeugt. Und bezeichnenderweise kamen unsere Televoting-Punkte einzig aus der Schweiz (8 Punkte) und &Ouml;sterreich (2 Punkte) &ndash; nicht, weil die uns mehr m&ouml;gen, sondern weil Jamie-Lee hier durch die Ausstrahlung von &quot;The Voice Of Germany&quot; auch in diesen L&auml;ndern schon eine gewisse Fan-Base hat.<\/p>\n<p>Was h&auml;tte sonst animieren k&ouml;nnen, f&uuml;r &quot;Ghost&quot; anzurufen? Authentizit&auml;t? Der &quot;Manga Style&quot; ist nicht wirklich pr&auml;gend f&uuml;r das Erscheinungsbild deutscher Gro&szlig;st&auml;dte &ndash; und authentisch in Bezug auf den Song ist er auch nicht. &quot;Ghost&quot; ist ein handwerklich gut gemachter 08\/15-radio-tauglicher Pop-Song &ndash; nicht gerade etwas &quot;typisch deutsches&quot;, mit dem man uns im Ausland in Verbindung bringt. Und zum &quot;Manga-Style&quot; passt der Song gar nicht sondern wirkt aufgesetzt. H&auml;tte sie eine coole asiatische Dance-Nummer gesungen, h&auml;tte man ihr Outfit als &quot;authentisch&quot; abgenommen.<\/p>\n<p>Und die Performance? Auch die war bieder, brav und vergesslich &ndash; Jamie-Lee fehlt-e es an Ausstrahlung genauso wie an z&uuml;ndenden Ideen bei der Inszenierung &ndash; das in Kombination mit einem Song, bei dem man nach 30 Sekunden schon wei&szlig;, dass er auch in den verbleibenden 2:30 nicht mehr in die Hufe kommen wird &ndash; beides Argumente gegen eine gute Platzierung und f&uuml;r das Desaster, dass Jamie-Lee als &quot;ausf&uuml;hrendes Organ&quot;, insbesondere aber die ARD und der federf&uuml;hrende NDR am fr&uuml;hen Sonntagmorgen erlebten.<\/p>\n<p>Dem NDR daf&uuml;r die alleinige Schuld zu geben, ist auf den ersten Blick zu kurz geworfen: Schlie&szlig;lich haben 44,5% der Fernsehzuschauer in der Vorentscheidung am 25. Februar in K&ouml;ln Jamie-Lee gew&auml;hlt &ndash; eine mehr als &uuml;berzeugende Mehrheit. Aber: War es nicht schon vorher klar, dass jemand, der nur acht Wochen zuvor in einem wochenlangen TV-Casting TV-Pr&auml;senz zeigte und eine gro&szlig;e Fan-Base hatte, mehrheitsf&auml;hig sein w&uuml;rde? Und hat der NDR nicht zur Steigerung der Einschaltquote f&uuml;r die Vorentscheidung gezielt diese Karte ausgespielt und mit &quot;Namen&quot; geworben? Ihre Auswahl entsprang demselben Geist, wie die gescheiterte Akklamation Xavier Naidoos im November: Ein guter Name im eigenen Land wird schon auch international funktionieren. Dass auch Xavier Naidoo als Soul-S&auml;nger nicht wirklich authentisch-deutsch ist und er in Deutschland mehr durch seine Texte &uuml;berzeugt, die international niemanden in seinen Bann ziehen w&uuml;rden, bedachte hierbei scheinbar niemand. Und es passt auch in die Reihe &auml;hnlicher Flops wie wir sie mit Big Names wie den &quot;No Angels&quot; oder &quot;Cascada&quot; in den vergangenen Jahren international erlebten.<\/p>\n<p>&Uuml;ber den Song hat man sich &ndash; wie in den meisten F&auml;llen &ndash; gar nicht erst gro&szlig; Gedanken gemacht. &quot;Jamie-Lee&quot; ist als Marke gew&auml;hlt worden und da nimmt man halt den einzigen von ihr verf&uuml;gbaren Song, &quot;Ghosts&quot;. Dass dieser es damals trotz wochenlanger TV-Pr&auml;senz als erster Siegertitel einer gro&szlig;en Casting-Show nicht mal unter die Top Ten im eigenen Lande geschafft hat, hat dabei offensichtlich keinen gest&ouml;rt: Wenn ihn schon in Deutschland kaum einer mochte, kann ihn ja wenigstens Europa lieben &ndash; und nun steht man ungl&auml;ubig vor der Tatsache, dass das auch dem Rest Europas nicht gut genug war&#8230;<\/p>\n<p>&Auml;hnlich erging es mit der Performance &ndash; die wurde schon von allen Seiten in K&ouml;ln als schwach empfunden &ndash; ge&auml;ndert hat man in den rund zehn Wochen bis zum europ&auml;ischen Finale&#8230; nichts! Getreu dem Motto &quot;Wird schon gut gehen&quot; setzte man weiter auf den doch so &quot;unwiderstehlichen&quot; Manga-Style. Die Quittung f&uuml;r diese Fehleinsch&auml;tzung gab es am Wochenende in Stockholm. In meinen Augen Zurecht. Ob man mit einer derartigen Leistung am Ende dann Letzter, Vorletzter oder Drittletzter wird, ist sicher auch dem Zufall geschuldet &ndash; ungerecht oder politisch motiviert ist der letzte Platz f&uuml;r Deutschland aber noch lange nicht.<\/p>\n<p>Was k&ouml;nnte man f&uuml;r die n&auml;chsten Jahre ver&auml;ndern?<\/p>\n<p>Thema &quot;Authentizit&auml;t&quot;: Ob es den meisten Musik-Fans nun passt oder nicht: Schlager (und sogar Volksmusik) sind &quot;typisch deutsch&quot;. Schweden feierte in den vergangenen Jahren ESC-Erfolge &ndash; Schweden schickt seit Jahren die Sieger des &quot;Melodifestivalen&quot;, eines traditionellen schwedischen Musikwettbewerbs, ins ESC-Rennen. Vorherrschende Musikrichtung: &quot;Schlager&quot; &ndash; und das geht auch auf Englisch. Ausgerechnet Deutschland scheut diese Musikrichtung beim ESC aber scheinbar wie der Teufel das Weihwasser.<\/p>\n<p>Thema &quot;Song&quot;: In den vergangenen Jahren lag die Auswahl der in den deutschen Vorentscheidungen pr&auml;sentierten Songs in den H&auml;nden der f&uuml;r den ESC verantwortlichen Produktionsfirma in Zusammenarbeit mit Vertretern einiger gro&szlig;en Plattenfirmen. Erstaunlicherweise war genau eine Firma am Ende immer &uuml;berproportional vertreten. Warum stellt man die Songauswahl nicht wieder auf breitere F&uuml;&szlig;e, wie in den 1980er Jahren, als alle Komponisten ihre Vorschl&auml;ge einreichen konnten, die sie speziell f&uuml;r den ESC geschrieben hatten und eine breiter aufgestellte Jury daraus die Vorentscheidungs-Beitr&auml;ge aussuchte? Heute wissen die Plattenfirmen &quot;Der ESC steht an&quot; und schauen, was sie in den kommenden Monaten eh ver&ouml;ffentlichen wollen und sich mit einem Vorentscheidungsauftritt &quot;ganz gut promoten&quot; lie&szlig; und w&auml;hlen dann Songs aus den Schubladen internationaler Autoren, die beim Schreiben niemals daran gedacht haben, dass gerade dieses Lied einmal Deutschland beim ESC vertreten k&ouml;nnte&#8230; Dass daraus nicht unbedingt Songs und Performances entstehen, die ganz Europa &quot;in ihren Bann&quot; ziehen, scheint logisch.<\/p>\n<p>Vielleicht sollten sich die Verantwortlichen f&uuml;r den ESC fragen, ob es reicht, sich am Tag nach dem ESC f&uuml;r eine zweifellos gro&szlig;artige Einschaltquote bejubeln zu lassen oder ob es nicht gerade aufgrund des hohen Interesses an diesem Wettbewerb angebracht w&auml;re, deutlich mehr Liebe und Sorgfalt auf die Auswahl eines geeigneten Songs zu legen. Der geeignete Interpret und die Performance sind dann oft erst der wichtige &quot;Schritt 2&quot;.<\/p>\n<p>Frank Ehrlacher &#8211; top-exklusiv f\u00fcr smago!<br \/>http:\/\/www.eurovision.tv<br \/>http:\/\/www.eurovision.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der ultimative Chart (Show) Experte nimmt kein Blatt vor den Mund &#8230;:\u00a0 Der Eurovision Song Contest 2016 in Stockholm ist<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":77393,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[27],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77392"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=77392"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77392\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/77393"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=77392"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=77392"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=77392"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}