{"id":77155,"date":"2016-05-24T00:00:00","date_gmt":"2016-05-24T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=77155"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"RENATE-KERN-NEUE-smago-Serie-Sc-77154","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/oldies\/RENATE-KERN-NEUE-smago-Serie-Sc-77154\/","title":{"rendered":"RENATE KERN <br \/>NEUE smago! Serie &quot;Schlager-R\u00fcckblick &quot;vor 50 Jahren&quot; von Stephan Imming &#8211; Teil 1: &quot;Bis morgen&quot;!"},"content":{"rendered":"<p>Neuzugang 01.06.1966!\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 23. Januar 1945 wurde Renate Poggensee in Tann an der Rh&ouml;n als Kind der Caf&eacute;haus &ndash;Pianistin <em>Gertrud Poggensee<\/em> und des Raketentechnikers und Erfinders <em>Karl Poggensee<\/em> geboren. Sie wuchs im nieders&auml;chsischen Wildeshausen (zwischen Oldenburg und Bremen) auf.<\/p>\n<p>Schon fr&uuml;h begann Renate, Klavier zu spielen und wurde dabei von ihrer Mutter angeleitet. Das Gitarrenspiel brachte Renate sich selbst bei, so dass sie schon fr&uuml;h in der Lage war, ihre Mutter bei Auftritten auf der Gitarre zu begleiten. Sie besuchte das Max-Planck-Gymnasium Delmenhorst, unterbrochen von einem einj&auml;hrigen USA-Aufenthalt im Rahmen eines Sch&uuml;leraustauschs. In den Staaten wurde Renate von einem Rundfunkmoderator als S&auml;ngerin entdeckt, er machte mit ihr Bandaufnahmen und stellte sie in seiner Sendung vor &ndash; kurz darauf durfte Renate sogar beim Sender WJR in Detroit im Fernsehen auftreten, dort sang sie gleich eine halbe Stunde lang.<\/p>\n<p>Aufgrund des unerwarteten Erfolges lie&szlig; Renate ihren eigentlichen Berufswunsch (Lehrerin) fallen und konzentrierte sich auf die Musik. Sie stieg in der Sch&uuml;lerband &bdquo;<em>The Foot-Trappers<\/em>&ldquo; ein. Eines Samstags im Dezember 1964 war <em>Werner Last<\/em> (K&uuml;nstlername <em>Kai Warner<\/em>), der Bruder von <em>James Last<\/em>, in Harpstedt (liegt zwischen Delmenhorst und Wildeshausen) im Lokal &bdquo;Zum Sonnenstein&ldquo; zu Gast, wo Renate bei einem &bdquo;JeKaMi&ldquo; (&bdquo;Jeder kann mitmachen&ldquo;)-Abend teilnahm und das Publikum sehr gut unterhalten hatte. Sie &uuml;berzeugte mit dem Lied &bdquo;Ave Maria&ldquo;. <em>Werner Last<\/em> war begeistert von der &bdquo;kernigen&ldquo; tiefen Stimme Renates &ndash; man &bdquo;verpasste&ldquo; Renate den K&uuml;nstlernamen &bdquo;Kern&ldquo;. Die Idee dazu hatte &uuml;brigens Schlagertextdichter <em>G&uuml;nter Loose<\/em>.<\/p>\n<p>So kam es, dass Renate direkt nach ihrem (&uuml;brigens sehr gut bestandenen) Abitur bei der Polydor unter Vertrag genommen wurde. Am 23. und 24. M&auml;rz 1965 wurden die Titel &bdquo;Now And Then&ldquo;, &bdquo;You&rsquo;ll Be The First One To Know&ldquo;, &bdquo;Kiss And Shake&rdquo; und &bdquo;Die Welt ist so sch&ouml;n wie ein Traum&rdquo; im Polydor-Tonstudio Hamburg-Rahlstedt produziert; Renate bekam extra Sonderurlaub f&uuml;r diese Termine von der Schule.<\/p>\n<p>Der kurz darauf als Single ver&ouml;ffentlichte von <em>Werner Last<\/em> produzierte und komponierte Beat-gepr&auml;gte, von <em>G&uuml;nter Loose<\/em> getextete Titel &bdquo;<strong>Kiss And Shake<\/strong>&ldquo; landete direkt auf Platz 35 der deutschen Charts. Interessant ist, dass Renate gleich auf ihrer ersten Single ihre Vielseitigkeit zeigte, denn auf der B-Seite befand sich das romantische, nachdenkliche Lied &bdquo;Die Welt ist so sch&ouml;n wie ein Traum&ldquo; &ndash; im weiteren Verlauf der Karriere verfolgte man eher diese Linie und ging eher in Richtung Schlager \/ Chanson als in Richtung Beat \/ Pop. Trotzdem wurde der Song wie erw&auml;hnt sogar in verschiedenen Versionen auf Englisch aufgenommen unter dem Titel &bdquo;Now And Then&ldquo;. Da die parallel ver&ouml;ffentlichte Single &bdquo;<strong>You&rsquo;ll Be The First One To Know<\/strong>&ldquo; im Gegensatz zur deutschsprachigen Platte floppte, konzentrierte man sich fortan auf die deutsche Sprache.<\/p>\n<p>Anfangs begann Renate parallel eine Ausbildung zur Textilverk&auml;uferin beim &bdquo;Kaufhof&ldquo;. Sie trat auch weiter bei B&auml;llen und bunten Abenden auf und verfolgte ihre k&uuml;nstlerische Ausbildung, so nahm sie Gesangs- und Schauspielunterricht.<\/p>\n<p>Die zweite (am 1. September 1965 in Hamburg aufgenommene) Single, &bdquo;<strong>Du bist meine Liebe<\/strong>&ldquo;, ist eine von <em>Ernst Bader<\/em> getextete Orchesterballade. Produktion und Komposition &uuml;bernahm erneut <em>Werner Last.<\/em> Renate nahm das Lied auch in englischer Sprache auf (&bdquo;I&rsquo;ll Remember Summer&ldquo;). Erneut reichte es Ende 1965 f&uuml;r eine Hitparaden-Notiz. Das Lied ist auch insofern bemerkenswert, als sie es im M&auml;rz 1966 bei der deutschen Ausscheidung zur &bdquo;Canteuropa-Tournee&ldquo; in Berlin sang und damit sogar gewann, so dass sie bei Festivals in Belgien, den Niederlanden, Polen und &Ouml;sterreich teilnahm, wo sie sp&auml;ter gro&szlig;e Erfolge feiern konnte. Am 29. Mai 1966 belegte sie beim internationalen Finale, das im rum&auml;nischen Brasov ausgetragen wurde, mit ihrem Schlager einen sehr guten zweiten Platz hinter der Schweiz.<\/p>\n<p>Das Jahr 1966 begann mit der deutschen Version eines sehr bekannten Liedes der Folkgruppe &bdquo;<em>Seekers<\/em>&ldquo;. Zu deren &bdquo;A World Of Our Own&ldquo; textete <em>Kurt Hertha<\/em> &bdquo;<strong>Eine Welt f&uuml;r uns zwei<\/strong>&rdquo; &ndash; die Fans waren begeistert, mit welch fester Stimme die junge Renate diesen Song interpretierte &ndash; ein Hit wurde die am 18. Oktober 1965 eingesungene Platte allerdings nicht, obwohl am 23. Februar 1966 sogar eine eigene Portrait-Sendung &uuml;ber sie von der ARD ausgestrahlt wurde (&bdquo;Renate Kern &ndash; das Portr&auml;t&ldquo;). Kurz zuvor, an Weihnachten 1965, war Renate in der &bdquo;Aktuellen Schaubude&ldquo; des NDR zu Gast, wo sie ausf&uuml;hrlich interviewt wurde.<\/p>\n<p>Besser als mit der Vorg&auml;nger-Single lief es wieder mit einem von <em>Werner Last<\/em> und <em>G&uuml;nter Loose<\/em> geschriebenen Schlager. &bdquo;<strong>Bis morgen<\/strong>&ldquo; war vor genau 50 Jahren ein Hit und stieg am 01.06.1966 erstmals in die deutschen Hitparaden ein, wo sich der Song &nbsp;6 Wochen halten konnte. <em>Wencke Myhre<\/em> sang das Lied auf Norwegisch (&bdquo;I morgen&ldquo;). In &Ouml;sterreich war Renate damit ebenfalls in den Charts, dort erreichte sie mit diesem Lied sogar die Top 10.<\/p>\n<p>In dieser Zeit (ab September 1966) ging Renate mit Kollegen erstmals auf B&auml;der-Tournee, dabei entwickelte sich eine gute Freundschaft zu ihrem Gesangs-Kollegen <em>Rex Gildo<\/em>.<\/p>\n<p>Den eigentlichen Durchbruch hatte die S&auml;ngerin aber mit ihrer n&auml;chsten Single, mit der sie ihr Image fand inklusive eines Erfolgsrezepts, das sie fortan verfolgte: Sie verkaufte sich als Ratgeberin in Liebesdingen, wobei in den Liedern immer eine traurige Melancholie mitschwang, was wohl ihrer tiefen &bdquo;kernigen&ldquo; Stimme geschuldet war. <em>G&uuml;nter Loose<\/em> textete f&uuml;r sie: &bdquo;<strong>Lass den dummen Kummer<\/strong>&ldquo;, der Song wurde am 9. September 1966 produziert. In einem Interview sagte er: &bdquo;<em>Die Konsumenten sollten in Renate eine gute Freundin sehen, einen Kumpel. Also schrieb ich Texte, die entweder einen guten Ratschlag enthielten oder in irgendeiner Form Mut gaben, was meistens schon in der Titelzeile zum Ausdruck kam.<\/em>&ldquo; &ndash; Das Erfolgsrezept kam an, der Schlager kam bis auf Platz 33 der deutschen Charts und erklomm in &Ouml;sterreich erneut die Top-10, nicht ohne Grund wurde Renate teils scherzhaft als &bdquo;Seelentr&ouml;sterin der Nation&ldquo; bezeichnet.<\/p>\n<p>Das melancholische Abschiedslied &bdquo;<strong>An irgendeinem Tag<\/strong>&ldquo;, erneut vom Team <em>Last\/Loose<\/em> geschrieben, war der erste Erfolg des Jahres 1967. Erneut schaffte es Renate in die deutschen Top-40, in &Ouml;sterreich war immerhin ein 11. Platz drin. Die B-Seite der Single, &bdquo;Du musst mir die Wahrheit sagen&ldquo;, trug Renate im Juli 1967 bei einem polnischen Liederwettbewerb in Zoppot vor, wo sie allerdings nur einen entt&auml;uschenden achten Platz belegte.<\/p>\n<p>Ab Mitte Juli bis Ende August des Jahres 1967 begab Renate sich wieder auf B&auml;der-Tournee, die von <em>Chris Howland<\/em> moderiert wurde. Damals lernte sie auch die S&auml;ngerin <em>Alexandra<\/em> kennen, mit der sie angesichts ihrer tiefen Stimme bisweilen verglichen wurde.<\/p>\n<p>Mit der n&auml;chsten Nummer versuchte man es noch mal mit dem damals sehr angesagten (allerdings gebremsten) Beat-Rhythmus, allerdings war Renates Devise: &bdquo;<strong>Stop the Beat!<\/strong>&ldquo;. Weder Renates noch die Beat-Freunde fanden das gut &ndash; der am 8. September 1967 aufgenommene Schlager st&uuml;rmte nicht die deutschen Charts, in &Ouml;sterreich reichte es f&uuml;r eine Top-20-Notiz.<\/p>\n<p>Die folgende Single wurde zwar erneut von <em>G&uuml;nter Loose<\/em> getextet, verr&auml;t aber auch viel &uuml;ber das, was man &bdquo;weibliche Logik&ldquo; nennt: &bdquo;<em>Ich schau&#39; nach ander&#39;n, um dich zu &auml;rgern, &#8211; ich lass&#39; dich warten, so oft ich nur kann. -Du wirst nicht w&uuml;tend und die verzeihst mir, &#8211; das macht mich rasend und ich w&uuml;nsch&#39; dir dann&hellip;<\/em>&ldquo; &ndash; und was Renate dem Angebeteten w&uuml;nscht, ist schon gemein: &bdquo;<strong>Eine schlaflose Nacht<\/strong>&ldquo;. Die Fans spielten nicht mit, die Platte wurde kein Erfolg.<\/p>\n<p>Nachdem Renate bereits an mehreren Gesangswettbewerben teilgenommen hatte, stellte sie sich am 4. Juli 1968&nbsp; dem von <em>Walter Giller<\/em> moderierten deutschen Schlagerwettbewerb. Bei einer starken Konkurrenz erreichte sie einen guten Platz im Mittelfeld (Platz 7) mit dem von <em>Horst-Heinz Henning<\/em> und &bdquo;<em>Hans Chrislin<\/em>&ldquo; geschriebenen Schlager &bdquo;<strong>Lieber mal weinen im Gl&uuml;ck<\/strong>&ldquo;. Hinter &bdquo;<em>Hans Chrislin<\/em>&ldquo; verbarg sich <em>Christine Neuhausen<\/em>, die ihre Schlager teilweise auch unter dem Pseudonym &bdquo;<em>Max Mainzel<\/em>&ldquo; ver&ouml;ffentlichte. Trotz des eher schlechten Abschneidens im Wettbewerb wurde Renates Lied ein gro&szlig;er Hit und schaffte es sogar bis in die Top-10 der deutschen Charts, wo er sich viele Wochen lang hielt. Es wurde eine gleichnamige LP ver&ouml;ffentlicht, die f&uuml;r eine Schlager-LP auch recht erfolgreich war (Top-40 der LP-Charts) &ndash; darauf enthalten waren allerdings lediglich die zuvor produzierten Singles.<\/p>\n<p>Der bekannte &ouml;sterreichische Sender &bdquo;Radio Salzburg&ldquo; erkor Renate zur besten deutschsprachigen S&auml;ngerin des Jahres 1968.<\/p>\n<p>Am 18. Januar 1969 war Renate bei einem &bdquo;historischen Ereignis&ldquo; dabei &ndash; erstmals wurde vom ZDF <em>Dieter Thomas Hecks<\/em> Hitparade ausgestrahlt. Mit dabei war Renate Kern mit ihrem ersten Schlager, den sie h&ouml;chstselbst getextet hat: &bdquo;<strong>Du musst mit den Wimpern klimpern<\/strong>&ldquo; (besonders imposant: die Zeile &bdquo;<em>klimpre, was die Wimper h&auml;lt!<\/em>&ldquo;). Bei ihrem TV-Auftritt war sie etwas gehandicapt &ndash; sie wurde im Dezember 1968 von einem Auto angefahren und hatte deshalb das Bein eingegipst. Kollege <em>Rex Gildo <\/em>war aber galant und hilfsbereit zur Stelle, um zu helfen. Fans lieben auch die B-Seite der Single (&bdquo;Herbstwind&ldquo;) &ndash; eine fr&uuml;he Aufnahme der Melodie, mit der sp&auml;ter <em>Ricky King<\/em> (&bdquo;Le Reve&ldquo;), <em>Bernhard Brink<\/em> (&bdquo;Liebe auf Zeit&ldquo;) und <em>Mireille Mathieu<\/em> (&bdquo;Walzer der Liebe&ldquo;) Erfolg haben sollten.<\/p>\n<p>Den n&auml;chsten Schlager textete wieder <em>G&uuml;nter Loose<\/em>. Seine Premiere hatte das Lied beim gro&szlig;en &bdquo;Gala Abend der Schallplatte 1969&ldquo;.&nbsp; Das Lied &bdquo;<strong>Lass doch den Sonnenschein<\/strong>&ldquo; war erneut ein gro&szlig;er Erfolg und schaffte es bis in die Top-20 der Charts. Am 24. Mai 1969 war Renate damit erneut in der ZDF-Hitparade zu Gast.<\/p>\n<p>Mit der n&auml;chsten Single gab Renate sich im Fr&uuml;hsommer 1969 wieder melancholisch &ndash; <em>G&uuml;nter Loose<\/em> textete &bdquo;<strong>Lieber heute gek&uuml;sst<\/strong> <em>als morgen geweint, denn wer wei&szlig;, ob morgen die Sonne noch scheint<\/em>&ldquo;. &ndash; Das Publikum &uuml;berzeugte es, eine Top-30-Platzierung in den Charts war Renate sicher.<\/p>\n<p>Zum n&auml;chsten Schlager schrieb die Bravo 1969: &bdquo;<strong>1990 &ndash; <\/strong><em>ein zarter Ableger von &bdquo;In the Year 2525&ldquo; &ndash; ein recht milder Fall von Zukunftsvision&ldquo;<\/em>. Ob Renate damals schon ahnte, dass es ihr zu diesem Zeitpunkt nicht besonders gut gehen w&uuml;rde? Der diesmal von <em>Werner Last<\/em> &bdquo;im Alleingang&ldquo; geschriebene Schlager stie&szlig; jedenfalls offensichtlich in der Redaktion der ZDF-Hitparade nicht auf viel Gegenliebe, dort wurde n&auml;mlich am 21. Februar 1970 die B-Seite &bdquo;<strong>Come On Let&rsquo;s Dance<\/strong>&ldquo; dem geneigten Publikum vorgestellt. Vermutlich war der Text ausschlaggebend, denn erneut gab sich Renate als Lebensberaterin &ndash; diesmal waren die M&auml;nner mit Tanzschwierigkeiten dran:<\/p>\n<p>\n<em>In einer Ecke sa&szlig; er bescheiden, weil er vom Tanzen leider nichts verstand.<\/em><br \/>\n<em>Seit einer Stunde sah ich ihn leiden, da fasste ich mir Mut und nahm ihn bei der Hand.<\/em><br \/>\n<em>Come on let&#39;s dance, come on, my Boy. &#8211; Come on let&#39;s dance, come on, sei nicht so scheu!<\/em><br \/>\n<em>Das lernst auch du, das w&auml;re doch gelacht. &#8211; Come on let&#39;s dance, ich zeig dir wie man&#39;s macht.&ldquo; <\/em><\/p>\n<p>\nB&ouml;se Zungen behaupten, dass der Schlager <em>Uli Potofskis<\/em> Lieblingslied sei.<\/p>\n<p>Zum Jahresende 1969 erschien Renates zweite LP namens &bdquo;Meine Welt ist sch&ouml;n&ldquo;, auf der u. a. ein weiterer von ihr getexteter Titel (&bdquo;Am Kamin&ldquo;) zu finden ist sowie eine Komposition des sp&auml;ter weltber&uuml;hmten Orchesterchefs <em>James Last<\/em> (&bdquo;Happy Heart&ldquo;). Mit ihm, dem Bruder ihres Produzenten <em>Werner Last<\/em>, der sich inzwischen <em>Kai Warner<\/em> nannte, hatte sie ab dem 17. November 1969 t&auml;glich Auftritte in den kanadischen St&auml;dten Toronto und Montreal &ndash; jeweils in gro&szlig;en Hotels. Ende dieses Ausflugs nach Kanada war am 19. Dezember 1969. Sie pr&auml;sentierte dabei neben ihren Schlagererfolgen Folklore, <em>Edith-Piaf<\/em>-Chansons und internationale Klassiker wie &bdquo;You&rsquo;ll Never Walk Alone&ldquo;.<\/p>\n<p>Interessant war &uuml;brigens damals der Einsatz der Fanclubs, von denen Renate zu jener Zeit ca. 200 hatte. Sie schrieb ihre Fans wie folgt an: &bdquo;<em>Gleichzeitig darf ich Dir meine neue LP vorstellen, mit dem Titel: &sbquo;Meine Welt ist sch&ouml;n&lsquo;. &ndash; H&ouml;re sie Dir doch einmal im n&auml;chsten Plattengesch&auml;ft an! Es w&uuml;rde mich freuen, wenn Du mir oder meiner Plattenfirma Deine Meinung schreiben w&uuml;rdest, denn meine Platten sollen Dir gefallen. M&ouml;chtest Du einige Titel davon im Rundfunk h&ouml;ren, so schreibe an die Sender. Je mehr Zuschriften dort eingehen, je &ouml;fter werden meine Platten gespielt&ldquo;.<\/em><\/p>\n<p>Die erste Single der 1970er Jahre war da am 19. Februar 1970 aufgenommene &bdquo;<strong>Supermann<\/strong>&ldquo;, ein Schlager, den Renate erneut selbst getextet hat und in dem sie auf Distanz zu &Auml;u&szlig;erlichkeiten geht: &bdquo;<em>Was willst Du mit &rsquo;nem Supermann, in Wahrheit ist da gar nichts dran&ldquo;.<\/em> Auch Renate selber gab sich meist eher hochgeschlossen und burschikos im Gegensatz zu vielen ihrer weiblichen Kolleginnen. Einige Fans meinen, mit etwas mehr Sex-Appeal h&auml;tte sie ihre Karriere noch weiter vorantreiben k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Am 4. Juni 1970 fand der von <em>Elfie von Kalckreuth<\/em> moderierte &bdquo;deutsche Schlager-Wettbewerb 1970&ldquo; statt &ndash; erneut beteiligte sich Renate an diesem Wettbewerb. <em>Dr. Michael Kunze<\/em> schrieb ihr den Titel &bdquo;<strong>Alle Blumen brauchen Sonne<\/strong>&ldquo;. Nachdem die Schwedin <em>Anna-Lena<\/em> 1968 mit &bdquo;Alle Blumen wollen bl&uuml;hen&ldquo; vierter im Wettbewerb wurde, gelang Renate zwei Jahre sp&auml;ter sogar ein hervorragender zweiter Platz (hinter <em>Howard Carpendale<\/em>, dessen &bdquo;Das sch&ouml;ne M&auml;dchen von Seite Eins&ldquo; nicht zu toppen war). Ihren Schlager stellte Renate am 4. Juli 1970 in der ZDF-Hitparade vor. Im Sommer des Jahres reichte es f&uuml;r einen Top-30-Hit.<\/p>\n<p>Der n&auml;chste melancholische Titel Renates war der <em>Last\/Loose<\/em>-Schlager &bdquo;<strong>Warum willst Du weinen?<\/strong>&ldquo;, der sich insbesondere dadurch auszeichnete, dass im Arrangement f&uuml;r Schlager eher un&uuml;bliche Instrumente wie Holzblasinstrumente und Violinen eingesetzt wurden. Das Publikum honorierte 1970 diese Originalit&auml;t nicht &ndash; ein Hit wurde der Song nicht.<\/p>\n<p>Ab dem Dezember 1970 trat Renate f&uuml;r ein paar Monate in Krefeld und M&ouml;nchengladbach im Musical &bdquo;Tut, was Ihr wollt&ldquo; auf, sie spielte die Rolle der Viola und erhielt daf&uuml;r gute Kritiken. Dadurch wurde der Filmregisseur <em>Franz Josef Gottlieb<\/em> auf Renate aufmerksam und bot ihr eine Rolle im Kinofilm &bdquo;Hilfe, die Verwandten kommen&ldquo; an. Renate sagte zu, wurde aber zwei Wochen vor Drehbeginn von ihrer Kollegin <em>Uschi Glas<\/em> ausgebootet &ndash; in einigen Quellen munkelt man da von Intrigen. Angeblich sei Kollege <em>Christian Anders<\/em> aus Solidarit&auml;t zu Renate ebenfalls aus dem Filmprojekt ausgestiegen.<\/p>\n<p>Zu Beginn des Jahres 1971 musste sich Renate einen neuen Produzenten suchen. &bdquo;Musste&ldquo; deshalb, weil ihr bisheriger Erfolgsproduzent sich auf seine eigene Karriere als Orchesterchef konzentrieren wollte. Die Wahl fiel auf <em>Peter Orloff<\/em>, der damals sowohl als S&auml;nger sehr erfolgreich war (neben Renate war er ja auch bei der ersten ZDF-Hitparade zu Gast) wie auch als Produzent (er war f&uuml;r den Riesenhit &bdquo;Du&ldquo; von <em>Peter Maffay<\/em> zust&auml;ndig).<\/p>\n<p>Die erste gemeinsame Produktion, &bdquo;<strong>Er nahm ein anderes M&auml;dchen<\/strong>&ldquo;, schlug gleich ein. Es handelt sich um die deutsche Version des <em>Janis Joplin<\/em>-Hits &bdquo;Me And Bobby McGee&ldquo;, eine <em>Kris-Kristofferson<\/em>-Komposition, zu der <em>Orloff<\/em> einen deutschen Text verfasste. W&auml;hrend <em>Janis Joplin<\/em> f&uuml;r ihre Interpretation einen Grammy ausgeh&auml;ndigt bekam, gelang Renate ein Top-40-Hit. Der Song wurde im M&auml;rz 1971 in den Berliner <em>Meisel-<\/em>Studios eingesungen, weil <em>Peter Orloff <\/em>damals mit dem Verleger <em>Peter Meisel<\/em> kooperierte.<\/p>\n<p>Die zweite <em>Orloff-<\/em>Single war eine deutsche Version des von <em>Enrico Morricone<\/em> komponierten <em>Joan Baez<\/em> Klassikers &bdquo;The Ballad Of Sacco And Vancetti&ldquo; (aus dem entsprechenden Film) &ndash; Textdichter <em>Fred Jay<\/em> textete darauf &bdquo;<strong>Geh mit Gott<\/strong>&ldquo;. Angeblich war der Schlager f&uuml;r die ZDF-Hitparade vorgesehen, bis ein Redakteur den Einwand erhob, dass ein Titel mit &bdquo;Gott&ldquo; dem Schlagerpublikum der Hitparade nicht zuzumuten sei. Spannend: Der Produzent <em>Dieter Zimmermann<\/em>, der ein Jahr zuvor <em>Katja Ebsteins<\/em> Grand-Prix-Beitrag &bdquo;Diese Welt&ldquo; komponierte, produzierte mit der sp&auml;teren <em>ABBA-Agnetha<\/em> ebenfalls den Song mit gleichem Text. Erfolgreich wurden beide Versionen nicht.<\/p>\n<p>Im typischen <em>Peter Orloff<\/em>-Marschrhythmus kam die n&auml;chste 1972er Single daher. &bdquo;<strong>Morgen fr&uuml;h lachst Du schon wieder<\/strong>&ldquo; wurde von <em>Orloff <\/em>komponiert, getextet und produziert. Immerhin reichte es f&uuml;r einen Top-40-Hit. Interessant ist, dass Renate wie so oft zuvor die &bdquo;Tr&ouml;sterin&ldquo; gibt, obwohl sie &#8211; wie sich viel sp&auml;ter ja herausstellen sollte &ndash; selber Zuspruch gebraucht h&auml;tte angesichts ihrer Krankheit, der Depression.<\/p>\n<p>Im Oktober 1972 wurde die erneut von <em>Orloff <\/em>produzierte und geschriebene Nummer &bdquo;<strong>Das macht diese Welt erst richtig sch&ouml;n<\/strong>&ldquo; eingesungen &ndash; das Lied kam beim Publikum nicht an. Dennoch wurde kurz darauf Renates dritte LP, &bdquo;Nur wer liebt, kann gl&uuml;cklich werden&ldquo;, auf den Markt gebracht &ndash; die erste von <em>Peter Orloff<\/em> produzierte LP. Der Titel der LP h&auml;tte passender nicht gew&auml;hlt werden k&ouml;nnen. Renate verliebte sich n&auml;mlich in <em>Peter Orloffs<\/em> Toningenieur, den (damals noch verheirateten) <em>Klaus-Peter Hildebrandt<\/em> aus Berlin. Die Sympathie war gegenseitig &ndash; die beiden wurden ein Paar und zogen 1973 zusammen, &uuml;berdies &uuml;bernahm <em>Hildebrandt <\/em>fortan das Management f&uuml;r Renate.<\/p>\n<p>Beruflich lief es nicht sonderlich rund bei Renate. Sie &uuml;bte immer wieder (berechtigt) Kritik daran, nicht in der ZDF-Hitparade eingesetzt zu werden. Am 4. August 1973 war es aber wieder so weit &ndash; mit &bdquo;<strong>Andiamo Amigo<\/strong>&ldquo; stellte sie aber nicht ihre damals aktuelle Single vor (&bdquo;<strong>Mach es wie die Sonnenuhr<\/strong>&ldquo;, sondern einen Abklatsch des damals popul&auml;ren Liedes &bdquo;E Viva Espana&ldquo;. Schon der Titel des Liedes &ndash; die Gegen&uuml;berstellung des italienischen Wortes &bdquo;Andiamo&ldquo; und des spanischen Wortes &bdquo;Amigo&ldquo; zeigt, dass man sich nicht viel M&uuml;he mit der Produktion gegeben hatte. Trotz eines guten Auftritts reichte es erneut nicht zu einer Platzierung f&uuml;r die n&auml;chste Show. Renate wurde &bdquo;nur&ldquo; F&uuml;nfte &ndash; letztlich bedeutete das auch das &bdquo;Aus&ldquo; bei ihrer bisherigen Plattenfirma Polydor, wo man sie nach acht Jahren teils erfolgreicher Zusammenarbeit fallen lie&szlig; &ndash; der Vertrag wurde nach dem 31. Dezember 1973 nicht weiter verl&auml;ngert.<\/p>\n<p>Renate entschied sich zu einem Wechsel zur damals schlageraffinen Plattenfirma BASF (die warb mit den Worten &bdquo;<em>Die BASF freut sich, dass Renate Kern nun zu ihrem Hause geh&ouml;rt<\/em>&ldquo;), die Produktion &uuml;bernahm fortan ihr Lebensgef&auml;hrte <em>Klaus-Dieter Hildebrandt<\/em>. Gleich die erste neue Produktion war ein kleiner Hit &ndash; &bdquo;<strong>Wenn Du gehst<\/strong>&ldquo; war Anfang 1974 f&uuml;r 3 Wochen in den Top-50 der Charts, den Titel durfte sie auch am 23. M&auml;rz 1974 in <em>Dieter Thomas Hecks<\/em> Hitparade vortragen. Leider war das sowohl Renates letzte Charts-Pr&auml;senz wie auch ihr letzter Auftritt in der legend&auml;ren&nbsp; ZDF-Show. Der Legende nach soll Renates Plattenfirma &uuml;ber ihr Outfit in der Hitparade &bdquo;not amused&ldquo; gewesen sein &ndash; deshalb sei sie nie wieder mit einem Song dort vorgeschlagen worden sein &ndash; wer wei&szlig;, ob es stimmt&hellip; &#8211; Neben <em>Klaus Hildebrandt<\/em> produzierte <em>Joachim Heider<\/em> das von ihm komponierte und von <em>Joachim Relin<\/em> getextete Lied.<\/p>\n<p>Auch der Folgetitel, &bdquo;<strong>Zwei in Verona<\/strong>&ldquo;, war ein <em>Heider\/Relin<\/em>-Schlager, der allerdings alleine von <em>Hildebrandt<\/em> produziert wurde und (folglich?) kein Hit werden konnte. Im Fr&uuml;hjahr 1974 erschien dann auch Renates vierte LP mit dem schlichten Namen &ndash; &bdquo;Renate Kern&ldquo;. Darauf enthalten war die Single &bdquo;<strong>Freu Dich doch auf den n&auml;chsten Sommer<\/strong>&ldquo; &ndash; ein St&uuml;ck, das der &bdquo;alte Spezi&ldquo; <em>Werner Last<\/em> f&uuml;r Renate geschrieben hatte &ndash; produziert wie inzwischen &uuml;blich von <em>Klaus Hildebrandt.<\/em><\/p>\n<p>Am 2. November 1974 heiratete Renate ihren <em>Klaus<\/em> in der evangelischen Kirche von Ganderkesee. Bei der anschlie&szlig;enden Feier sang sie voll Freude ihren Sommerschlager &bdquo;Freu Dich doch auf den n&auml;chsten Sommer&ldquo;. Aufgrund des so genannten &bdquo;Turner Syndroms&ldquo; war Renate leider nicht in der Lage, ein Kind zu bekommen.<\/p>\n<p>Die erste Single des Jahres 1975 war ein Schlager der Erfolgsautoren <em>Jean Frankfurter<\/em> und <em>Robert Jung<\/em> &ndash; &bdquo;<strong>Zwischen Dir und mir gibt es keine T&uuml;r<\/strong>&ldquo; war ein Sommerschlager, der zwar recht erfolgreich in Renates Heimatsender Radio Bremen lief, aber nicht in die hiesigen Hitparaden st&uuml;rmte &ndash; zu erdr&uuml;ckend war die Dominanz der internationalen Gruppen wie <em>ABBA<\/em>, <em>Smokie<\/em> oder die <em>George Baker Selection<\/em> (&bdquo;Paloma Blanca&ldquo;). Kurz darauf erschien die ebenfalls recht erfolglose LP &bdquo;Und drau&szlig;en weht immer der Wind&ldquo;, deren Titelsong Renate h&ouml;chstselbst sowohl komponierte als auch textete.<\/p>\n<p>Im gleichen Jahr begannen Renate und ihr Mann <em>Klaus Hildebrandt<\/em> die Zusammenarbeit mit dem singenden Geschwisterpaar &bdquo;<em>Mona und Michael<\/em>&ldquo;, f&uuml;r die sie das Lied &bdquo;Ich hab der Liebe in die Augen gesehen&ldquo; produzierten. Einen Schnitt im Leben Renate Kerns brachte das Jahr 1976 mit sich. Damals wurde in ihrem Anfang der 1970er Jahre gebauten Haus im Obergeschoss f&uuml;r 2 Millionen DM ein imposantes Tonstudio aufgebaut, in dem sie mit ihrem Mann nicht nur f&uuml;r sich selbst, sondern auch f&uuml;r andere Aufnahmen produzierte. Die erste Produktion im eigenen Studio war der selbst komponierte Schlager &bdquo;<strong>Eine Insel in der Sonne<\/strong>&ldquo;. &nbsp;Der Nachfolgetitel &bdquo;<strong>Schmetterling, flieg<\/strong>&ldquo; war eher unspektakul&auml;r, obwohl man mit Komponist und Textdichter <em>Hans Blum<\/em> einen gro&szlig;en Namen f&uuml;r den Titel gewinnen konnte.<\/p>\n<p>Man begann damals auch, unter Pseudonymen zu experimentieren. Unter dem Namen &bdquo;<em>Nathalie de Navarre<\/em>&ldquo; ver&ouml;ffentlichte Renate Beethovens Mondscheinsonate in franz&ouml;sischer Sprache, begleitet von einem Damenchor. &bdquo;Tu es moi&ldquo; war ein kapitaler Flop. Bei der Gelegenheit nahm sie auch <em>Ricky Kings<\/em> &bdquo;Verde&ldquo; in franz&ouml;sischer Sprache &ndash; &bdquo;Quand tu es chez moi&ldquo; auf &ndash; auch da hatte <em>Roland Kaiser<\/em> mit &bdquo;Frei &ndash; das hei&szlig;t allein&ldquo; weit mehr Erfolg.<\/p>\n<p>Mit &bdquo;<strong>Tonio<\/strong>&ldquo;, erneut von Renate selber geschrieben, hatte sie noch mal einen kleinen Rundfunk-Hit. Der Schlager war der letzte Titel bei der Plattenfirma BASF, die nicht nur mit ihr, sondern generell den Betrieb am 31.12.1976 wegen Erfolglosigkeit einstellte.<\/p>\n<p>Im Jahr 1977 wechselte Renate zur kleinen Plattenfirma Crystal, wo sie zun&auml;chst den selbst geschriebenen Titel &bdquo;<strong>Morgen, da f&auml;hrt mein Zug in eine andere Welt<\/strong>&ldquo; ver&ouml;ffentlichte &ndash; ein Total-Flop. Schlimm war damals f&uuml;r Renate, dass sie in ihrem Tonstudio als B&uuml;rokraft und &bdquo;Kaffee-Tante&ldquo; fungierte, um andere zu bedienen, die im Studio ihres Hauses produzierten. Unter anderem war man damals f&uuml;r Gr&ouml;&szlig;en wie <em>Roger Whittaker<\/em> und <em>Lolita <\/em>aktiv.<\/p>\n<p>Auch die interessante These &bdquo;<strong>Die Liebe macht uns Frauen sch&ouml;ner<\/strong>&ldquo; wollten ihr die Fans nicht mehr wirklich abkaufen. Bei &bdquo;<strong>Komm &ndash; zeig mal Deine Z&auml;hne<\/strong>&ldquo;, einem Lied von <em>Jean Frankfurter<\/em>, zeigte Renate erstmals auf einem Cover andere Dinge als ihre Z&auml;hne &ndash; schade, es war zu sp&auml;t und nutze nicht mehr viel.<\/p>\n<p>Die letzte Single bei Crystal war &bdquo;<strong>Polterabend im gr&uuml;nen Kranz<\/strong>&ldquo;, die von <em>Dr. Michael Kunze<\/em> getextete deutsche Version von <em>Raymond Froggatts<\/em> &bdquo;Callow-La Vita&ldquo; &ndash; das Lied war in den Benelux-Staaten recht erfolgreich. Renate hatte mit ihrer Version &auml;hnlich wenig Erfolg wie die Schweizerin <em>Paola<\/em>, die zur gleichen Melodie &bdquo;Wie man sich bettet..&ldquo; sang.<\/p>\n<p>Die 1980er Jahre begannen f&uuml;r Renate denkbar schlecht &ndash; ihr innig geliebter Vater starb &uuml;berraschend an einer Herzattacke. Daf&uuml;r begann es beruflich besser zu laufen. Das Hamburger Urgestein &bdquo;<em>Willem<\/em>&ldquo; vermittelte ihr Kontakte zur US-Country-Szene. Unter anderem lernte die S&auml;ngerin den Bruder von <em>Johnny Cash, Thommy Cash<\/em> kennen und einen Produzenten namens <em>Byron Hill<\/em>. Auf eigene Kosten produzierte sie den von <em>Byron Hill<\/em> und <em>J. Remington<\/em> Wilde geschriebenen Country Song &bdquo;<strong>Imagine That<\/strong>&ldquo;. Unter dem Namen &bdquo;Nancy Wood&ldquo; ver&ouml;ffentlichte sie die Single in den USA und schaffte damit einen bemerkenswerten Achtungserfolg, indem sie immerhin vier Wochen in den Top-100 der Countrycharts platziert war, was umso bemerkenswerter ist, als diese Charts damals eine reine M&auml;nnerdom&auml;ne waren. &ndash; Insgesamt nahm &bdquo;Nancy&ldquo; im Laufe der Zeit vier Sessions in Nashville auf und mischte sie dann teilweise eigenh&auml;ndig im&nbsp; heimischen Tonstudio ab. Den neuen K&uuml;nstlernamen erkl&auml;rte Renate in einem Interview wie folgt: &bdquo;<em>Damals war in der &Ouml;ffentlichkeit viel von &sbquo;Nancy Reagan&lsquo; und &sbquo;Natalie Wood&lsquo; die Rede. Da dachten wir, das Publikum werde den Namen &sbquo;Nancy Wood&lsquo; aufnehmen, als w&auml;re er ihm schon vertraut<\/em>.&ldquo;<\/p>\n<p>Befl&uuml;gelt von diesem Erfolg, wurde die englischsprachige Single unter dem Namen &bdquo;Nancy Wood&ldquo; auch auf dem deutschen Markt bei der Plattenfirma Ariola ver&ouml;ffentlicht, dort entschied man sich aber f&uuml;r eine andere A-Seite: &bdquo;<strong>Turn Your Lovelight On<\/strong>&ldquo;. Das Lied stellte sie am 24. Juni 1981 im ARD-Musikladen vor. Renate nahm unter ihrem deutschen K&uuml;nstlernamen den Titel auch in deutscher Sprache auf und ver&ouml;ffentlichte ihn bei Columbia (EMI) unter dem Titel &bdquo;<strong>Ach bist Du sch&ouml;n<\/strong>&ldquo;. Zu dieser Ver&ouml;ffentlichung sagte die K&uuml;nstlerin in einem Interview: &bdquo;<em>Country-Musik wollte ich eigentlich schon immer machen, doch damals besa&szlig; ich f&uuml;r diese Art der Musik, die er- und durchlebt sein muss, noch nicht die n&ouml;tige Reife. Au&szlig;erdem h&auml;tte vor sieben Jahren noch kein Hahn nach Country-&amp;-Western-Liedern in deutscher Sprache gekr&auml;ht.&ldquo;<\/em><\/p>\n<p>Wenngleich der Erfolg dieser Ver&ouml;ffentlichungen ausblieb, wurde man doch auf die Country-S&auml;ngerin &bdquo;Nancy Wood&ldquo; aufmerksam. Renate bekam bei ihrem &bdquo;Heimatsender&ldquo; Radio-Bremen eine eigene Radiosendung unter dem Namen &bdquo;Nancy&rsquo;s Country Drive-in&ldquo;.<\/p>\n<p>Da sich &bdquo;Nancy&ldquo; und ihr Mann als Country-Pioniere sahen, scheuten sie keine weiteren Investitionen und gr&uuml;ndeten einen Musikverlag namens &bdquo;Hoysweg GmbH&ldquo; und eine Plattenfirma namens &bdquo;Lovelight&ldquo;, um die Produktionen auf den Markt zu bringen, die von den etablierten Plattenfirmen abgelehnt worden waren. 1983 brachte &bdquo;Nancy&ldquo; die Doppel-LP &bdquo;Imagine That&ldquo; bei dieser neuen Firma auf den Markt, als Single wurde &bdquo;<strong>Lyin&#39; Cheatin&#39; Woman Chasin&#39; Honky Tonkin&#39; Whiskey Drinkin&#39; You&ldquo; <\/strong>ausgekoppelt. Mit dem Titel trat sie erneut (im Rahmen der Berliner Funkausstellung) am 8. September 1983 in <em>Manfred Sexauers<\/em> Pop-Sendung &bdquo;Musikladen&ldquo; auf.<\/p>\n<p>Im Jahr 1984 wurde lediglich die MC &bdquo;On the Road&ldquo;, die nicht auf Vinyl erh&auml;ltlich war und von der es auch keine Single-Auskopplungen gibt (aus Kostengr&uuml;nden), ver&ouml;ffentlicht. In den Staaten erfreute sich &bdquo;Nancy&ldquo; ungebrochener Popularit&auml;t: Eine Auszeichnung der GACMF (German American Country Music Federation) zur besten europ&auml;ischen Country-S&auml;ngerin des Jahres wurde ihr dank der Country-Zeitschrift &bdquo;Gazette&ldquo; verliehen.<\/p>\n<p>1985 wurde dann wieder eine &bdquo;richtige&ldquo; LP ver&ouml;ffentlicht: &bdquo;Loneliness Is Just A Point Of View&ldquo; mit den Auskopplungen &bdquo;<strong>In the Movies<\/strong>&ldquo; und &bdquo;<strong>Blue Bayou<\/strong>&ldquo;.&nbsp; Parallel wurde mit ihrer Band &bdquo;<em>George &amp; Lucky Riders<\/em>&ldquo; die LP &bdquo;Ours And Yours&ldquo; auf den Markt gebracht mit Eigenkompositionen von Renate Kern. Im Duett sangen <em>George<\/em> und Renate das Lied &bdquo;A Place To Hide&ldquo;.<\/p>\n<p>Ein Jahr sp&auml;ter ging Renate gleich auf drei gro&szlig;en Country-Festivals f&uuml;r Deutschland ins Rennen. Sie war zu Gast bei der TROS Country Radio Show in Holland, der International Show im Rahmen der &bdquo;Fan Fair&ldquo; in Nashivlle und beim ersten Internationalen Country Festival in Prag.<\/p>\n<p>Einen Auftritt der besonderen Art absolvierte Renate im September 1987. Beim Besuch des US-Pr&auml;sidenten Ronald Reagen in Deutschland trat sie mit ihrer Countryband &bdquo;<em>George And the Lucky Riders<\/em>&ldquo; auf &ndash; geplant war, dass <em>Reagan<\/em> pers&ouml;nlich anwesend sein sollte, das klappte aber terminlich nicht, allerdings wurde das Konzert f&uuml;r ihn mitgeschnitten.<\/p>\n<p>Gegen Ende der 1980er Jahre begann Renate psychisch sehr krank zu werden. Sie begab sich in Behandlung, doch weder Gespr&auml;chstherapien noch Medikamente konnten ihr wirklich helfen. Die &bdquo;beste Medizin&ldquo; d&uuml;rfte in dieser Zeit gewesen sein, dass sie im Osten der Republik&nbsp; (schon kurz vor dem Mauerfall im November) tolle Konzerte gegeben hatte und auch erfolgreich mit ihrer Radiosendung war.<\/p>\n<p>Die letzten Tontr&auml;ger, die von &bdquo;Nancy&ldquo; ver&ouml;ffentlicht wurden, waren die deutschsprachige Platte &bdquo;K&ouml;nig der Nacht&ldquo; und die englischsprachige Ver&ouml;ffentlichung &bdquo;Wild Flowers&ldquo; (- dazu gab es sp&auml;ter noch eine gleichnamige MC-Ver&ouml;ffentlichung). Danach ging es bis Mitte 1990 auf ausgedehnte Tour durch die ehemalige DDR, wo sie gute Erfolge feiern konnte. Privat machte Renate aber&nbsp; zu schaffen, dass ihr Mann offensichtlich eine neue Geliebte hatte. Renate tr&ouml;stete sich mit Alkohol und war froh, noch in ihrer Mutter einen Halt zu haben. Dennoch zog sie aus ihrem eigenen Haus aus und bezog (mit Unterst&uuml;tzung der Mutter) ein Haus zur Miete.<\/p>\n<p>Am 3. Oktober 1990 gab Renate in Chemnitz noch einmal ein frenetisch gefeiertes Konzert, das sie trotz ihrer psychischen Erkrankung zum Erfolg f&uuml;hren konnte. Danach wurde ihre Krankheit immer schlimmer, so dass sie von ihrem Mann in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen wurde, wo sie am 15. Februar 1991 als &bdquo;gebessert und nicht selbstmordgef&auml;hrdet&ldquo; entlassen wurde.<\/p>\n<p>Drei Tage sp&auml;ter, am 18. Februar 1991, erh&auml;ngte sich Renate in ihrer Wohnung, ohne einen Abschiedsbrief zu hinterlassen &ndash; man fand lediglich die Quittung f&uuml;r den Strick. Die Ursachen kann sich niemand erkl&auml;ren &ndash; auch nicht ihr Mann, der in der Regenbogenpresse allerdings &uuml;ber Verbindungen zur Sekte Scientology spekulierte. Ausschlaggebend k&ouml;nnten aber auch Verzweiflung &uuml;ber das Karriereende oder die au&szlig;erehelichen Beziehungen ihres Mannes gewesen sein. In der Presse war auch von der angespannten finanziellen Situation des Paares zu lesen. Ihre letzte Ruhe fand sie auf einem Friedhof in Rostock. Auf ihrem Grabstein steht der Titel eines gro&szlig;en Erfolges: &bdquo;Alle Blumen brauchen Sonne&ldquo;.<\/p>\n<p>Das umtriebige Wiederver&ouml;ffentlichungslabel Bear Family Records ver&ouml;ffentlichte im Jahr 1997 zwei CDs &bdquo;Du bist meine Liebe&ldquo; und &bdquo;Er nahm ein anderes M&auml;dchen&ldquo;, auf denen &uuml;ber 50 der alten Songs der Polydor-&Auml;ra wiederver&ouml;ffentlicht wurden mitsamt ausf&uuml;hrlicher Discografie und Informationen.<\/p>\n<p>Ein Jahr sp&auml;ter wurde auf Arte ein Film &uuml;ber Renates Leben und Karriere ausgestrahlt, bei dem auch Freunde, Weggef&auml;hrten, Fans und Kollegen wie <em>Dieter Thomas Heck<\/em> und <em>Peter Orloff<\/em> zu Wort kamen &ndash; Name des Films: &bdquo;Und vor mir die Sterne&hellip;&ldquo;<\/p>\n<p>2003 bot das Leben von Renate Kern noch einmal Stoff f&uuml;r <em>Margit Rogalls<\/em> Theaterst&uuml;ck &bdquo;Butterfahrt&ldquo;, drei Jahre sp&auml;ter ver&ouml;ffentlichte <em>Wolfgang Miko<\/em> seinen dokumentarischen Roman &bdquo;Singen und Suizid: Aufstieg und Niedergang einer deutschen S&auml;ngerin&ldquo;.<\/p>\n<p>Bis heute ist Renate Kern und ihr Schicksal nicht unvergessen. Schlagers&auml;ngerin und -komponistin <em>Kristina Bach<\/em> gab 2014 gegen&uuml;ber dem TV-Sender n-tv zu Protokoll: &bdquo;<em>Ich habe deshalb so fr&uuml;h als Musikautorin angefangen, weil ich durch den Freitod der S&auml;ngerin Renate Kern, die irgendwann keinen Erfolg mehr hatte und depressiv wurde, gewarnt war. Sie war die Ziehmutter von Uwe Kanthak, mit dem ich verheiratet war und der heute der Manager von Helene Fischer ist.&ldquo;<\/em><\/p>\n<p>Noch spannender ist die Verbindung von Renate Kern zu Deutschlands derzeit wohl prominentesten und erfolgreichsten Manager, zum gerade erw&auml;hnten <em>Uwe Kanthak<\/em>. Laut Bericht eines Artikels im Nachrichtenmagazin &bdquo;Spiegel&ldquo; kam der &uuml;berhaupt erst &uuml;ber eine in seiner Jugend entstandene Freundschaft zu Renate Kern ins Showgesch&auml;ft &ndash; DIE verschaffte ihm n&auml;mlich die n&ouml;tigen Kontakte, so kam er auch zu seinem ersten Job als Promoter bei einer Plattenfirma.<\/p>\n<p>Wenngleich die ganz gro&szlig;e Popularit&auml;t ausblieb, ist Renate Kern doch noch immer eine unvergessene, beliebte S&auml;ngerin, deren tiefe Stimme und traurige Melancholie vielen Menschen Freude bereitet hat.<\/p>\n<p>Stephan Imming, 23.05.2016<\/p>\n<p>https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Renate_Kern<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neuzugang 01.06.1966!\u00a0 Am 23. 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