{"id":77131,"date":"2016-05-25T00:00:00","date_gmt":"2016-05-25T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=77131"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"HERBERT-GROENEMEYER-Buchrezensi-77130","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/deutsch-rock\/HERBERT-GROENEMEYER-Buchrezensi-77130\/","title":{"rendered":"HERBERT GR\u00d6NEMEYER <br \/>Buchrezension &quot;Herbert Gr\u00f6nemeyer \u2013 Die Biografie&quot; (Autor: Max Wellinghaus) von Stephan Imming!"},"content":{"rendered":"<p>Stephan Imming hat sich die Biografie des sehr erfolgreichen S\u00e4ngers durchgelesen!\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist schon ungew&ouml;hnlich &ndash; von vielen C- und D-Promis gibt es Autobiografien, die an den Schobert &amp; Black-Klassiker &bdquo;Memoiren&ldquo; erinnern (&bdquo;<em>Schreiben Sie Ihre Memoiren, machen Sie mit beim gro&szlig;en Gewinn!<\/em>&ldquo;). Bei den Superstars ist es schwieriger &ndash; neben Helene Fischer entzieht sich auch Herbert Gr&ouml;nemeyer diesem &bdquo;Gruppenzwang&ldquo;. Wobei er sich in Bezug auf eine &bdquo;Best Of&ldquo;-Ver&ouml;ffentlichung irgendwann gebeugt hat und augenzwinkernd konstatierte &bdquo;was muss, muss&hellip;.&ldquo; &ndash; vielleicht passiert das ja Eines Tages auch noch mal bez&uuml;glich einer autorisierten Biografie oder gar einer Autobiografie.<\/p>\n<p>Solange der Meister selbst sein Leben also nicht aufschreiben mag, muss man wohl auf fachkundige Biografen zur&uuml;ckgreifen. Der 1975 geborene &bdquo;Society-Experte&ldquo; Max Wellinghaus, der schon andere Prominente wie Guido Maria Kretschmer in einem Buch portr&auml;tierte, hat sich durch hunderte von Quellen durchgearbeitet, die er auf einem guten Dutzend Seiten benennt, und dabei ein stimmiges Bild eines der derzeit erfolgreichsten deutschen Musikers gezeichnet.<\/p>\n<p>Der Autor beginnt damit, ein paar der typischen Charakterz&uuml;ge Gr&ouml;nemeyers zu beschreiben und setzt sie gleich in den Zusammenhang mit dessen Musik. Gleich am Anfang wird klargestellt, dass Gr&ouml;nemeyer seine Biografie in Form seiner Lieder selbst l&auml;ngst geschrieben habe. Ein Beispiel ist der &bdquo;Wut-Song&ldquo; &bdquo;Was soll das?&ldquo;, der einer von Herberts ersten gro&szlig;en Erfolgen war. &bdquo;<em>Seine Faust will unbedingt in sein Gesicht &ndash; und darf nicht<\/em>&ldquo; &ndash; dieses Wut-Gef&uuml;hl beschlich in anderen Zusammenh&auml;ngen den Musiker immer mal wieder &ndash; zum Beispiel, als er von Reportern am Flughafen K&ouml;ln-Bonn bel&auml;stigt wurde und sich zur Wehr setzte und in einer Talkshow bei Anne Will, in der er Horst Seehofer der &bdquo;geistigen Brandstiftung&ldquo; bezichtigte. Umgekehrt kann er auch wundersch&ouml;ne Liebeserkl&auml;rungen machen, auch das geh&ouml;rt zu Gr&ouml;nemeyers Pers&ouml;nlichkeit, wie wir in seiner Biografie erfahren.<\/p>\n<p>Das Buch ist in verschiedene Kapitel unterteilt, die teilweise zeitlich etwas springen. Im Kapitel &bdquo;Herbert&ldquo; geht es u. a. um Herberts Wurzeln: &bdquo;<strong><em>Heimat <\/em><\/strong><em>ist kein Ort, Heimat ist ein Gef&uuml;hl<\/em>&ldquo; singt Gr&ouml;nemeyer &ndash; wir erfahren, dass er auch DAS lebt und sich derzeit sehr wohl in der Bundeshauptstadt Berlin f&uuml;hlt, obwohl er im Wettbewerb &bdquo;Bochums Beste&ldquo; als bedeutendster Bochumer gew&auml;hlt wurde. Der &bdquo;Herbert&ldquo;, dem sein zweiter Vorname Arthur dem Vernehmen nach sympathischer ist, w&auml;re eigentlich lieber Fu&szlig;ballstar oder Gebrauchtwagenh&auml;ndler geworden &ndash; es hat &bdquo;nur&ldquo; zum S&auml;nger gereicht.<\/p>\n<p>Interessant sind musikalische Impulse in Kindheit und Jugend: Bereits mit sechs Jahren bekam Herbert eine Ukulele geschenkt. Mit acht Jahren begann er, Klavier zu spielen, wurde sehr von seinem (strengen) Vater gef&ouml;rdert, der ihm einen Fl&uuml;gel schenkte. Mit 13 gr&uuml;ndete er seine erste Band, schon mit 15 wurde er f&uuml;r die &bdquo;Bo-Band&ldquo; des Bochumer Schauspielhauses vertraglich engagiert. Nach dem Abitur wurde er als B&uuml;hnenmusiker unter Peter Zadek im Schauspielhaus engagiert und begann dort auch zu schauspielern (, ohne eine entsprechende Ausbildung gehabt zu haben). Er schloss sich der Bochumer Band &bdquo;Ocean Orchestra&ldquo; an und ver&ouml;ffentlichte mit der Gruppe sogar eine englischsprachige LP.<\/p>\n<p>Die erste LP, &bdquo;Gr&ouml;nemeyer&ldquo;, sang der S&auml;nger als &bdquo;Auftragsarbeit&ldquo; ein, ohne zu wissen, dass sie unter seinem Namen (&bdquo;Gr&ouml;nemeyer&ldquo;) in die L&auml;den kommen sollte &ndash; bis heute hat Herbert keinen Bezug zu dieser ersten 1979 erschienenen Platte, f&uuml;r das er immerhin einen Preis f&uuml;r das h&auml;sslichste Plattencover des Jahres erhielt. Etwas besser lief es mit dem zweiten Werk, &bdquo;Zwo&ldquo;, auf dem immerhin bereits ein Klassiker enthalten ist: &bdquo;Ich hab Dich lieb&ldquo;. Wenngleich es stetig bergauf ging, war der Erfolg weder mit Plattenverk&auml;ufen noch mit einer einberaumten Tournee zu mager, der Plattenvertrag mit der Intercord wurde gek&uuml;ndigt.<\/p>\n<p>Bekannt wurde Herbert 1981 mit seiner Filmrolle in &bdquo;Das Boot&ldquo; &ndash; der Film wurde ein gro&szlig;er Erfolg, seine Fertigstellung dauerte rund drei Jahre. Zwei weitere Filme drehte er noch, bevor er sich dann ganz der Musik widmete.<\/p>\n<p>Entgegen anders lautender Empfehlungen ging Gr&ouml;nemeyer seinen eingeschlagenen Weg weiter, allerdings sang er fortan nur noch selbst geschriebene Texte, wie auf seiner ersten am 14. August 1984 erschienenen EMI LP &bdquo;4630 Bochum&ldquo; &ndash; dieses Datum sollte sein Leben &auml;ndern. Hits wie &bdquo;M&auml;nner&ldquo;, &bdquo;Kinder an die Macht&ldquo; und &bdquo;Was soll das?&ldquo; machten ihn zum bekanntesten deutschen Rocks&auml;nger, seine LP &bdquo;&Ouml;&ldquo; war historisch lange Nummer 1 der bestverkauften Alben. Der Autor beschreibt Gr&ouml;nemeyers Erfolg wie folgt: &bdquo;<em>Und doch ist Gr&ouml;nemeyer f&uuml;r<\/em> <em>die Deutschen das, was Bruce Springsteen f&uuml;r die USA ist. Ein Seismograf<\/em> <em>sensibler Stimmungen, ein Mann, der die Gedanken eines<\/em> <em>ganzen Landes in wenigen Worten auf den Punkt bringen kann.&ldquo;<\/em><\/p>\n<p>Wir erfahren auch, welchen ungew&ouml;hnlichen Weg Herbert beim Komponieren geht: Es wird erst die Komposition &bdquo;anarchistisch&ldquo; erstellt, der Text (&bdquo;eine Schei&szlig;arbeit&ldquo;), hingegen diszipliniert erarbeitet. Dabei hat er eine ganz eigene Vorgehensweise, die im Buch beschrieben wird. Am liebsten schreibt die Nachteule Gr&ouml;nemeyer seine Texte nachts. Vielleicht auch das Lied &uuml;ber Herrn L&ouml;w, das ihm bei der Fu&szlig;ball-WM 2014 eingefallen war. Fu&szlig;ball ist eine von Herberts Leidenschaften &ndash; er ist Mitglied des VfL Bochums (Mitglied Nr. 4630), aber auch ein Freund der Dortmunder Borussia. Eine gro&szlig;e Affinit&auml;t zur Nationalmannschaft hat er sp&auml;testens, seit er 2006 den offiziellen Song &bdquo;Zeit, dass sich was dreht&ldquo; geschrieben hatte.<\/p>\n<p>Der geneigte Leser erf&auml;hrt viel &uuml;ber Gr&ouml;nemeyer, was nicht so weit verbreitet ist &ndash; beispielsweise lehnte der 1988 eine Tour durch die DDR trotz angebotener Gage in Millionenh&ouml;he ab, weil er dem damaligen System nicht f&ouml;rderlich sein wollte. Dass sein Sohn HipHop-Musik machte und seine Tochter im Chor des Songs &bdquo;Mensch&ldquo; mitsang, d&uuml;rfte auch nicht jedem gel&auml;ufig sein. Und dass der Musiker sich &uuml;ber eine 1989 ver&ouml;ffentlichte Persiflage von Wigalf Droste und Bela B. namens &bdquo;Gr&ouml;nemeyer kann nicht tanzen&ldquo; derart &auml;rgerte, dass er Jahrzehnte sp&auml;ter Tanzunterricht nahm und ein Video ver&ouml;ffentlichte (&bdquo;Fang mich an&ldquo;), um das Gegenteil zu beweisen, ist auch eine Facette Gr&ouml;nemyers, die in der Biografie beschrieben wird.<\/p>\n<p>Viel Raum nimmt auch die h&auml;rteste Zeit Herbert Gr&ouml;nemeyers ein &ndash; die Tage, in denen er kurz nacheinander seinen geliebten Bruder und seine geliebte Frau verlor, die beide an Krebserkrankungen starben. Man erf&auml;hrt von der Angst, die er hatte, nie mehr Musik machen zu k&ouml;nnen &ndash; und dass seine Kinder Felix und Marie eine gro&szlig;e Rolle spielten, ihn wieder aufzurichten und zum Weitermachen zu bewegen. Zur Bew&auml;ltigung seiner Trauer ben&ouml;tigte er dennoch eine Trauertherapie, und er hat sich im fortgeschrittenen Alter von 42 Jahren noch das Rauchen angew&ouml;hnt.<\/p>\n<p>Sehr aufschlussreich an dem Buch sind immer wieder aufkommende Vergleiche zu anderen prominenten Pers&ouml;nlichkeiten, so zieht Autor Max Wellinghaus hinsichtlich der Paparazzi-Aufdringlichkeit Vergleiche zu den Fotos von Ernst-August von Hannover, bez&uuml;glich der Krebs-Erkrankung verweist er auf Kylie Minogue, Anastacia und andere als Gegenentwurf zur Gr&ouml;nemeyers Frau Anna, die ihre Krebserkrankung nicht &ouml;ffentlich machen wollte. Hinsichtlich des ekstatischen Gef&uuml;hls, das man hat, wenn man von Zehntausenden bejubelt wird und anschlie&szlig;end geerdet werden muss, verweist der Autor auf viele Popstars wie Amy Winehouse, die den Alltag mit Drogen bew&auml;ltigen mussten, weil die Differenz zwischen Alltag und B&uuml;hnen-Job zu stark war. Gr&ouml;nemeyer konnte das recht gut bew&auml;ltigen, obwohl folgendes Zitat im Buch zu finden ist:&nbsp; &bdquo;<em>Auf der B&uuml;hne zu stehen ist f&uuml;r ihn darum &bdquo;wie K&uuml;ssen. Wenn man das mal erlebt hat, m&ouml;chte man es nicht mehr missen.&ldquo;<\/em><\/p>\n<p>Angenehm ist, dass der Autor sich offensichtlich sehr intensiv mit Gr&ouml;nemeyers Werk besch&auml;ftigt hat und auf so ziemlich alle Ver&ouml;ffentlichungen des S&auml;ngers eingegangen ist, dabei auch recht unbekannte Lieder bespricht und sie in Gr&ouml;nemeyers Leben einordnet, weil diese ja &ndash; wie wir zuvor geh&ouml;rt haben &ndash; so etwas wie dessen Autobiografie in Liedern wiederspiegeln.<\/p>\n<p>Hier und da sind zwar ein paar kleine missverst&auml;ndliche Formulierungen zu finden&nbsp; &bdquo;<em>Als er sich mit dem damaligen Bundeskanzler Willy Brandt traf, Anfang der 90er Jahre&ldquo;<\/em>. Was auch auff&auml;llt, ist, dass alle Informationen aus Sekund&auml;rquellen stammen. Die Biografie ist damit nicht nur nicht offiziell lizensiert &ndash; anscheinend hat es auch keine direkten Interviews mit Herrn Gr&ouml;nemeyer gegeben. Daraus folgt, dass f&uuml;r &bdquo;Extrem-Fans&ldquo; vermutlich keine neuen Erkenntnisse dem Buch entnommen werden k&ouml;nnen. Andrerseits werden die Quellen sehr sauber benannt, und der Autor schreibt durchaus kritisch-distanziert und schreibt nicht einfach aus einschl&auml;gigen Quellen ab. Vor diesem Hintergrund ist Herbert Gr&ouml;nemeyers Biografie gerade f&uuml;r den &bdquo;interessierten Laien&ldquo; sehr interessant und informativ und somit lesenswert.<\/p>\n<p>Ein&nbsp; Zitat aus dem Buch k&ouml;nnte man als dessen Fazit benennen: &bdquo;<em>Nein, ein Popstarleben f&uuml;hren will er nicht. Das ist nicht seine Welt. War es nicht und wird es niemals sein. Punkt.&ldquo;<\/em><\/p>\n<p>Stephan Imming, 24.05.2016<\/p>\n<p>http:\/\/www.groenemeyer.de\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stephan Imming hat sich die Biografie des sehr erfolgreichen S\u00e4ngers durchgelesen!\u00a0 Es ist schon ungew&ouml;hnlich &ndash; von vielen C- und<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":77132,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[5],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77131"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=77131"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/77131\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/77132"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=77131"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=77131"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=77131"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}