{"id":76237,"date":"2016-06-23T00:00:00","date_gmt":"2016-06-23T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=76237"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"DER-MUSIKMARKT-Fachzeitschrift-76236","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/smago-informiert\/DER-MUSIKMARKT-Fachzeitschrift-76236\/","title":{"rendered":"&quot;DER MUSIKMARKT&quot; <br \/>Fachzeitschrift &quot;Der Musikmarkt&quot; \u2013 Aus nach 57 Jahren!"},"content":{"rendered":"<p>Stephan Imming, \u00fcber 30 Jahre Abonnent des Blattes, blickt auf die wechselvolle Geschichte des Branchenblatts zur\u00fcck &#8230;:\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war im Sommer 1986, als ich als Teenager durch die Kaufh&auml;user des Ruhrgebiets pilgerte &ndash; immer auf der Suche nach neuen Informationen zur deutschen Musikszene, insbesondere zum deutschen Schlager. Man kann es sich heute kaum vorstellen &ndash; aber damals war es fast unm&ouml;glich, Informationen &uuml;ber Neuerscheinungen zu bekommen. Das, wozu man heute lediglich einen Klick ben&ouml;tig, um zum Nulltarif detaillierte Informationen zu bekommen, konnte man &ndash; wenn &uuml;berhaupt nur m&uuml;hsam recherchieren. Haupt-Informationsquelle war damals das Radio, f&uuml;r mich war seinerzeit das Radio WDR 4 (in persona G&uuml;nter Krenz) und teilweise der DLF (Peter Puder) zust&auml;ndig.<\/p>\n<p>Beim Schlendern durch die Gesch&auml;fte war ich stets bem&uuml;ht, die aush&auml;ngenden Hitlisten auswendig zu lernen, um sie mir zu Hause zu notieren. Dabei fiel mir pl&ouml;tzlich ein Heft auf &ndash; &bdquo;Der Musikmarkt&ldquo; &ndash; ich dachte erst, das sei ein Prospekt, wollte ihn schon mitnehmen, bis mir die h&uuml;bsche Verk&auml;uferin sagte, das sei eine Fachzeitschrift. Ich bat sie, mir die Bezugsdaten notieren zu d&uuml;rfen &ndash; das tat ich, und zum 15. Juli 1986 erhielt ich dann mein Probeexemplar des Musikmarkts und war restlos begeistert von dessen Informationsgehalt. Damals wusste ich nicht, dass genau 27 Jahre vorher, am 15. Juli 1959 u. a. von Hans R. Beierlein das Magazin aus der Taufe gehoben wurde und auch nicht, dass 30 Jahre sp&auml;ter dessen Aus verk&uuml;ndet werden wurde.<\/p>\n<p>Obwohl ich noch kein eigenes Girokonto hatte, investierte ich mein Taschengeld in das schon damals recht teure Lesevergn&uuml;gen &ndash; ich sage nur: &bdquo;Danke, Mama!&ldquo;J&hellip; &#8211; Damit war ich quasi &bdquo;von jetzt auf gleich&ldquo; fast auf dem Kenntnisstand eines Fachh&auml;ndlers &ndash; oder besser gesagt &ndash; meist sogar besser informiert als dieser, weil ich oft genug nach einer Neuver&ouml;ffentlichung gefragt hatte, von der dieser (leider mangels Interesses) keine Kenntnis hatte.<\/p>\n<p>Man war nicht nur &uuml;ber die aktuellen nationalen Verkaufshitparaden informiert &ndash; nein, es gab internationale Hitparaden, Airplay-Charts, H&auml;ndlertipps, CD-Hitlisten, Schlager-Charts und und und.. &ndash; farbige gro&szlig;e Anzeigen der Neuver&ouml;ffentlichungen waren Standard und stets verl&auml;ssliches Informationsmaterial wurde dem geneigten Leser an die Hand gegeben. Dazu geh&ouml;rten w&ouml;chentliche Hitparaden-Plakate und anfangs der &bdquo;gr&uuml;ne Teil&ldquo;, eine Art monatliches Sonderheft, in dem alle Neuver&ouml;ffentlichungen des Monats aufgef&uuml;hrt waren.<\/p>\n<p>Pr&auml;gende Gestalten &bdquo;meiner&ldquo; ersten Musikmarkt-Jahre waren sicher der damalige Chefredakteur Uwe Lechner, Ebba Fahr und auch Beat Hirt aus der Schweiz, die f&uuml;r sehr guten, fundierten, wohlwollend-kritischen Journalismus standen.<\/p>\n<p>F&uuml;r mich pr&auml;gend waren auch vereinzelte Leserbriefe, die ich an das Magazin schrieb und die vielfach abgedruckt wurden, was mir als &bdquo;Laien&ldquo;, der in einem Branchenblatt die Ehre hatte zu schreiben, sehr schmeichelte und mich zugegebenerma&szlig;en noch mehr an das Blatt band, zumal es dabei zu sehr interessanten Kontakten kam.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>Das T&uuml;pfelchen auf dem i waren zus&auml;tzliche Ver&ouml;ffentlichungen wie der damalige &bdquo;Gemeinschaftskatalog&ldquo;, der f&uuml;r dreistellige Betr&auml;ge vom Handel erworben werden konnte (ein Gesamtkatalog aller lieferbaren Tontr&auml;ger), das Branchenhandbuch mit Branchenadressen, Fachb&uuml;chern wie &bdquo;Wie verkaufe ich Musik?&ldquo; etc. Besonders imposant war ein Buch &uuml;ber den Grand Prix Eurovision &ndash; was es heute im Dutzend gibt, war damals Mangelware. Bei Wim Thoelkes &bdquo;Gro&szlig;en Preis&ldquo; war mal ein Kandidat zu Gast, der Experte f&uuml;r den Musikwettbewerb war. Man konnte sich beim ZDF eine Literaturliste anfordern, was ich damals getan habe &ndash; zum ESC gab es genau NULL Fachb&uuml;cher, insofern hat der Musikmarkt auch in dem Bereich Pionierarbeit geleistet.<\/p>\n<p>In Jahren, in denen der ESC quasi tot war, wurde teils sehr ausf&uuml;hrlich &uuml;ber den Wettbewerb berichtet. Auch &uuml;ber die deutsche Schlagerszene wurde insbesondere unter Chefredakteur Lechner &uuml;beraus wohlwollend und sachlich berichtet &ndash; ganz anders, als man es von unsachlichen und teils inkompetenten Moderatoren (wobei eher eine Moderatorin gemeint ist) von Sendungen wie &bdquo;Formel Eins&ldquo; kannte &ndash; von Moderatoren, die sich nicht mal im Ansatz &uuml;ber die Schlagerleute informiert hatten, die bei ihnen zu Gast waren.<\/p>\n<p>Was dem Musikmarkt genau so zu Schaffen machte wie der Musikindustrie allgemein, war die Digitalisierung und die damit einhergehende immer kleinere Wertsch&auml;tzung der Musik und des Musikjournalismus&rsquo;. Im Internet- und Youtube-Zeitalter mutierte Musik zur Wegwerfware, was leider auch die Berichterstatter betraf.<\/p>\n<p>Die Zeitschrift muss sich aber auch eigene Fehler eingestehen. Der erste Fehler war in meinen Augen der ersatzlose Wegfall des &bdquo;gr&uuml;nen Teils&ldquo; mit den Neuerscheinungen. Es wurde damals angek&uuml;ndigt, dass es dazu einen Ersatz g&auml;be &ndash; das ist aber niemals erfolgt. In den letzten Jahren wurde es dann ganz heftig &ndash; statt eines w&ouml;chentlichen Heftes (- wenn auch zuletzt nur mit den aktuellen Charts, seit 2001 war die Erscheinungsweise w&ouml;chentlich -) wurde ein monatliches Heft geliefert, die Hitparadenplakate entfielen ersatzlos. Der teure Preis hingegen wurde beibehalten &ndash; vielleicht auch wegen der umfangreichen Online-Funktionalit&auml;ten, die aber auch nicht wirklich zufriedenstellend waren, beispielsweise kann man nur die Charts bestimmter Jahrg&auml;nge und nicht umfassend recherchieren).<\/p>\n<p>Was sicher auch &auml;rgerlich ist, ist, dass man als Abonnent keinen zeitlichen Vorteil hatte bez&uuml;glich der aktuellen Charts. Wollte man freitags um 15 Uhr sich einen &Uuml;berblick &uuml;ber das aktuelle Hitgeschehen verschaffen, wurde von einigen Anbietern flei&szlig;ig Informationsmaterial geliefert &ndash; als Abonnent des Musikmarkts schaute man derweil vielfach dumm aus der W&auml;sche.<\/p>\n<p>Da passt es gut ins Bild, dass das Ende des altehrw&uuml;rdigen Branchenfachblatts nicht etwa vom Musikmarkt selber kommuniziert wurde (auf der Homepage ist aktuell &uuml;ber das Ende des Musikmarkts nichts zu lesen), sondern quasi von der Konkurrenz, der &bdquo;Musikwoche&ldquo;, die sich auf den Chefredakteur Stefan Zarges beruft. Es ist schon entt&auml;uschend, nach 30 Jahren Abonnement vom Aus des Blattes von externer Seite erfahren zu m&uuml;ssen &ndash; in meinen Augen ist diese schlechte Kundenbindung eine der Hauptursachen f&uuml;r das Ende des Blatts. Eine weitere ist sicher die Aufgabe der Kernkompetenz &ndash; der deutsche Schlager wurde bestenfalls noch stiefm&uuml;tterlich behandelt &ndash; kein Wunder bei einer Redaktion, die ein- ums andere Mal bei eigenen Umfragen nur internationale Musik als richtungsweisend angesehen hatte.<\/p>\n<p>Zur Kundenbindung geh&ouml;rten einst auch die j&auml;hrlichen Branchenfeste (, die ich zwar nur von Fotos kenne, die aber einen gro&szlig;en Stellenwert hatten &ndash; vielleicht waren sie etwas wie die Vorl&auml;ufer des heutigen smago!-Awards) und auch Umfragen der Zeitschrift der Marke &bdquo;Musikmarkt-Leser w&auml;hlen die Besten&ldquo;, die &uuml;ber Jahrzehnte hinweg sehr interessant Ans&auml;tze lieferten. Auch aktuell bedauerlich: Mehrere E-Mails an die Redaktion, vor wenigen Wochen erst abgeschickt, blieben unbeantwortet.<\/p>\n<p>Trotz allem bedaure ich das Aus eines Fachblattes, das ich &uuml;ber Jahrzehnte hinweg mit gro&szlig;em Interesse gelesen habe und aus dessen Informationsgehalt ich bis heute f&uuml;r meine Artikel einiges an Wissen ziehen konnte. Lebe wohl, lieber Musikmarkt &ndash; mit Dir verl&auml;sst mich wieder ein St&uuml;ck meiner Jugend!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">PS: Sollte jemand historische Musikm&auml;rkte von Juli 1959 bis Dezember 1974 besitzen, die er mir &ndash; gerne auch leihweise &ndash; zur Verf&uuml;gung stellen k&ouml;nnte, w&auml;re ich daf&uuml;r &uuml;beraus dankbar. Ich w&uuml;rde auch die Inhalte dieser Jahre (bezogen auf deutsche Musik) gerne einscannen und damit elektronisch verf&uuml;gbar machen.<\/p>\n<p>Stephan Imming, 21.06.2016<br \/>http:\/\/www.musikmarkt.de<br \/>http:\/\/www.musikmarkt.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stephan Imming, \u00fcber 30 Jahre Abonnent des Blattes, blickt auf die wechselvolle Geschichte des Branchenblatts zur\u00fcck &#8230;:\u00a0 Es war im<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":76238,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[33],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76237"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=76237"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76237\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/76238"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=76237"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=76237"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=76237"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}