{"id":74353,"date":"2016-08-28T00:00:00","date_gmt":"2016-08-28T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=74353"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"RIO-REISER-Die-Doppel-CD-und-Do-74352","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/deutsch-rock\/RIO-REISER-Die-Doppel-CD-und-Do-74352\/","title":{"rendered":"RIO REISER <br \/>Die Doppel-CD (und Doppel-LP) &quot;Alles und noch viel mehr&quot; im Test von Holger St\u00fcrenburg!"},"content":{"rendered":"<p>Ein Gut-B\u00fcrgerlicher vollen Lobes f\u00fcr einen ungew\u00f6hnlichen Anarchisten &#8230;:\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fr&uuml;hjahr 1986, meine Deutschrock-Hochphase: Soeben hatten Heinz Rudolf Kunze (&bdquo;Dein ist mein ganzes Herz&ldquo;), Wolf Maahn (&bdquo;Kleine Helden&ldquo;) und meine gro&szlig;en Helden &bdquo;BAP&ldquo; (&bdquo;Ahl M&auml;nner, aalglatt&ldquo;) wegweisende und erfolgversprechende Alben ver&ouml;ffentlicht, die bei mir zu Hause auf dem Plattenspieler rauf und runter liefen. Nur wenige Wochen sp&auml;ter standen Gr&ouml;nemeyers ebenso interesseerweckende &bdquo;Spr&uuml;nge&ldquo; vor der T&uuml;r.<\/p>\n<p>Eines sch&ouml;nen Samstagnachmittags im April vor 30 Jahren fuhren meine Mutter und ich, wie h&auml;ufig am Wochenende, durch Hamburg, um uns einen sch&ouml;nen Platz zum Spaziergang zu suchen. Der dicke Willem F. Dincklage moderierte bei &bdquo;NDR Welle Nord&ldquo; die sog. &bdquo;Norddeutschen Top Fofftein&ldquo; und legte hierbei als eine Neuvorstellung ein &ndash; wie ich bis heute finde &ndash; au&szlig;erordentlich <em>wahres<\/em> Lied auf. Dieses hie&szlig; (sic!) <strong>&bdquo;Alles L&uuml;ge!&ldquo;<\/strong> und wurde gesungen von <strong>Rio Reiser<\/strong>.<\/p>\n<p>Dieser Name war mir bis dato mehr oder weniger unbekannt. Ich hatte zwar Ende August 1984 mal in irgendeiner Nachmittagssendung im Fernsehen &ndash; ob es die ARD-&bdquo;Spielbude&ldquo; oder die ZDF-&bdquo;Tele-Illustrierte&ldquo; war, wei&szlig; ich nimmer &ndash; einen Soloauftritt des mit Realnamen Ralph Christian M&ouml;bius hei&szlig;enden S&auml;ngers mit seiner damaligen ersten, bei WEA erschienenen Solosingle &bdquo;Dr. Sommer&ldquo; gesehen und geh&ouml;rt, aber dies war mir kaum im Ged&auml;chtnis haften geblieben. Und nun&hellip; dieser brachiale, offensive, trotzige und herausfordernde, absichtlich &uuml;berdrehte Poprock-Hymnus &bdquo;Alles L&uuml;ge!&ldquo;. Das hatte etwas Gro&szlig;es an sich&hellip; war zwar (vom legend&auml;ren Udo Arndt) protzig und aufgedonnert produziert, verstrahlte aber eine Form von Ehrlichkeit und Radikalit&auml;t, die &ndash; so schien es mir damals &ndash; direkt von der Stra&szlig;e, direkt vom &bdquo;Normalb&uuml;rger&ldquo;, kommen musste.<\/p>\n<p>Was ich seinerzeit &ndash; als seit Oktober 1985 kreuzbraves Mitglied der Jungen Union Hamburg &#8211; nicht wusste, war, dass ebenjener Rio Reiser aus einem ganz anderen Eck des politischen Spektrums stammte, in der linksradikal-anarchistischen Szene zu Hause war und die Lieder seiner fr&uuml;heren Band &bdquo;Ton Steine Scherben&ldquo; nicht selten von gewaltbereiten Demonstranten und Hausbesetzern vereinnahmt worden waren.<\/p>\n<p>Doch war ich immer schon kulturpolitisch undogmatisch und erkannte ich dar&uuml;ber hinaus im Laufe der eingehenden Besch&auml;ftigung mit Rio Reiser und den &bdquo;Scherben&ldquo; die zeitgeschichtlichen Hintergr&uuml;nde, die unbestreitbare historische Relevanz von Anarcho-Klassikern der Sorte &bdquo;Macht kaputt, was Euch kaputt macht&ldquo;, &bdquo;Rauchhaus-Song&ldquo; oder &bdquo;Keine Macht f&uuml;r niemand&ldquo;. Diese und andere Lieder stellten, aus der &Auml;ra ihrer Entstehung heraus betrachtet, etwas absolut Neuartiges, nie zuvor Dagewesenes, eine Art Soundtrack des linkspolitischen Lagers der fr&uuml;hen, mittleren 70er Jahre dar, was seinesgleichen lange suchen musste und &uuml;berhaupt erst den Weg f&uuml;r freche, aufm&uuml;pfige deutsche Rockmusik, den Udo Lindenberg er&ouml;ffnet hatte, verbreiterte und hierbei zwar regelm&auml;&szlig;ig frech und provokativ, aber niemals belehrend, zeigefingerschwenkend oder wom&ouml;glich gar marxistisch-verquast klang.<\/p>\n<p>Wie dem auch sei: Im April 1986 erschien bei CBS (heute: SONY) Rio Reisers erstes Soloalbum &bdquo;Rio I.&ldquo;, welches sehr schnell zu meiner deutschsprachigen Lieblings-LP des Jahres 1986 avancierte. Zehn Jahre und weitere f&uuml;nf Soloalben sp&auml;ter, am 20. August 1996, verstarb Rio Reiser 46j&auml;hrig an Inneren Blutungen.<\/p>\n<p>Zu seinem 20. Todestag ver&ouml;ffentlicht SONY nun eine prallgef&uuml;llte Doppel-CD\/Doppel-LP namens <strong>&bdquo;ALLES UND NOCH VIEL MEHR&ldquo;<\/strong>. Diese Tontr&auml;ger beinhalten die 18 wichtigsten Titel aus Rio Reisers Solokarriere, zwei legend&auml;re Rockklassiker von &bdquo;Ton Steine Scherben&ldquo;, einen &uuml;beraus gelungenen Neu-Mix des 1987 erstver&ouml;ffentlichten Protestsongs &bdquo;Wann?&ldquo; und einige &ndash; nicht immer gelungene &#8211; Neuaufnahmen von Rio-Standards durch verschiedenste Protagonisten der aktuellen hiesigen Popszenerie.<\/p>\n<p>Als &bdquo;Rio I.&ldquo; im Fr&uuml;hsommer vor 30 Jahren auf den Markt gekommen war, erz&uuml;rnten sich viele Fans aus dem linksalternativen Spektrum dar&uuml;ber, dass Rio, Dank seines Plattenvertrags mit dem Medienriesen CBS, zur &bdquo;Kunsthure&ldquo; (Zitat) geworden sei. Rio entgegnete seinen Kritikern jedoch, dass nur durch eben jenen Kontrakt seine Ex-Kollegen von den &bdquo;Scherben&ldquo; nach einem Missmanagement im Zuge der Tournee 1983\/84 nun schuldenfrei seien. Au&szlig;erdem befanden sich viele Lieder des so enorm gefeierten Solo-Erstlings bereits seit Mitte der 70er Jahre im Liverepertoire seiner einstigen Band.<\/p>\n<p>&bdquo;Rio I.&ldquo; hatte es tats&auml;chlich in sich. Vier Titel wurden als Single ausgekoppelt, alle vier 45er geh&ouml;ren heute zum grundlegenden Kanon der deutschen Rockmusik und wurden sehr berechtigter Ma&szlig;en&nbsp; &ndash; mitsamt des messerscharfen Albumbeitrags <strong>&bdquo;Menschenfresser&ldquo; <\/strong>&ndash; auf &bdquo;Alles und noch viel mehr&ldquo; ber&uuml;cksichtigt. Neben meinem speziellen (und dauerhaften) Rio-Solo-Favoriten <strong>&bdquo;Alles L&uuml;ge!&ldquo;<\/strong>, kommt ebenso erwartungsgem&auml;&szlig; der sagenumwobene <strong>&bdquo;K&ouml;nig von Deutschland&ldquo;<\/strong>, inzwischen leider (und sicher nicht im Sinne des Erfinders) zu einer Art Party-Saufhymne mutiert, zum Zuge, und erklingen zudem die beiden unverf&auml;lscht traumhaften, in Herz und Nieren gehenden Liebesballaden <strong>&bdquo;Junimond&ldquo;<\/strong> und <strong>&bdquo;F&uuml;r immer und Dich&ldquo;<\/strong>. Gerade letztere beweisen bis in die Gegenwart hinein, dass Rio, neben seiner T&auml;tigkeit als Sprachrohr der Studentenbewegung der Jahre 1968ff, zugleich ein unverkennbarer Romantiker, ein hoch emotionaler, verletzlicher Mensch war, der f&uuml;r seine Empfindungen stets die richtigen Worte fand.<\/p>\n<p>Am 12. Oktober 1986 trat Rio dann, mit eigener Band, zu der aber z.B. auch Ex-&bdquo;Scherben&ldquo;-Gitarrero R.P.S. Lanrue z&auml;hlte, in der ausverkauften Hamburger &bdquo;Markthalle&ldquo; auf, ich befand mich unter den jubelnden Fans (sicher war ich der einzige mit JU-Mitgliedsausweis \ud83d\ude09 und ein Jahr darauf, im Herbst 1987, folgte &bdquo;Blinder Passagier&ldquo;, Rios zweites Solo-Opus, abermals von Udo Arndt, mit den besten einheimischen Studiomusikern im Hintergrund, produziert und wiederum voll gespickt mit tollen, deutschen Rock- und Popsongs. Als erste Single wurde der spa&szlig;ig-zickige Pop-Reggae <strong>&bdquo;Manager&ldquo;<\/strong> (&bdquo;Mein Manager erledigt das f&uuml;r mich&ldquo;&hellip;) daraus ausgekoppelt, in dem der bisherige Mainstream-Verweigerer seine neue Rolle als allseits beachtetes und verehrtes &sbquo;Pop-Idol&lsquo; f&uuml;r die Massen gen&uuml;sslich auf die Schippe nahm. Der so brillante, wie sehnsuchtsvolle Romantik-Rocker mit Ohrwurmcharakter, <strong>&bdquo;Ich denk an Dich&ldquo;<\/strong>, der knallig rockige, wie depressiv-aussichtslose Titelsong <strong>&bdquo;Blinder Passagier&ldquo;<\/strong>, die vorz&uuml;glich sanft, und dennoch eindringlich und antreibend ausgefallene Revolutionsaufforderung <strong>&bdquo;Wann?&ldquo;<\/strong> (Originalversion), sowie &ndash; hier in einer akustischen Auskleidung &ndash; das akkordeonbetont-folkige Shanty-Chanson <strong>&bdquo;&Uuml;bers Meer&ldquo;<\/strong> fanden den Weg von der bis heute schlichtweg genialischen 1987er-LP auf &bdquo;Alles und noch viel mehr&ldquo;.<\/p>\n<p>Am 09. April 1989 strahlte die ARD den 20. &bdquo;TATORT&ldquo; mit &bdquo;Kommissar Horst Schimanski&ldquo; alias G&ouml;tz George aus. &bdquo;Der Pott&ldquo; nannte sich die Folge und Rio Reiser hatte hierf&uuml;r die poppig-eing&auml;ngige Titelmelodie <strong>&bdquo;&Uuml;ber Nacht&ldquo;<\/strong> geschrieben und gesungen, die ebenfalls auf vorliegender Kompilation zum Zuge kommt, damals aber nur als Non-Album-Single auf den Markt kam. Erst ein Jahr sp&auml;ter gab&rsquo;s den n&auml;chsten regul&auml;ren Longplayer des sensiblen Anarchorockers zu h&ouml;ren: &bdquo;Rio***&ldquo; (auch &bdquo;Sternchen-Album&ldquo; genannt) zeigte sich als ungewohnt synthetisch und computerlastig inszeniert. Der LP war arrangiert worden von den &bdquo;Kuhjaus&ldquo;, hinter denen sich Produzent Udo Arndt und Ex-&bdquo;Spliff&ldquo;-Keyboarder Reinhold Heil verbargen, welche f&uuml;r ein popfernes, nahezu avantgardistisches Klangbild des Werks gesorgt hatten. Mit dem ironisch &uuml;berdrehten, sacht ruckelnden Synthi-Popper <strong>&bdquo;Geld&ldquo;<\/strong> und dem abgekl&auml;rt-nachdenklichen Abschiedslied <strong>&bdquo;Zauberland&ldquo;<\/strong> gibt es nun ein Wiederh&ouml;ren auf &bdquo;Alles und noch viel mehr&ldquo;. Das &bdquo;Sternchen-Album&ldquo; wirkte vermutlich auf viele Rockfans als zu abstrakt, verschn&ouml;rkelt und abgehoben, weshalb es sich auch nicht in den &bdquo;Media Control&ldquo;-Hitparaden plazieren konnte und Rio ein Jahr darauf wieder zu seinen rockigen Wurzeln zur&uuml;ckkehrte. &bdquo;Durch die Wand&ldquo;, erschienen im Sp&auml;tsommer 1991, barg solche klanglichen Sch&auml;tze, wie den aufmuckenden, bluesbetonten Rock&rsquo;n&rsquo;Roll <strong>&bdquo;Jetzt schl&auml;gt&rsquo;s 13&ldquo;<\/strong> oder die hinrei&szlig;end hingerissene, wohlig 50er-Jahre-inspirierte Bluesballade <strong>&bdquo;Nur Dich&ldquo;<\/strong>, die wir uns 2016 auf hier analysierter Silberscheibe erneut zu Gem&uuml;te f&uuml;hren k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Aus dem eher d&uuml;steren 1993er-Epos &bdquo;&Uuml;ber alles&ldquo; wurden das erst so bedrohlich anmutende, bald darauf zu einem verliebt flehenden Techtelmechtel erwachsende, von bluesigen Slide-Gitarren gepr&auml;gte <strong>&bdquo;Nimmst Du mich mit&ldquo;<\/strong>, die introvertierte, philosophisch fragende Ballade <strong>&bdquo;Wohin gehen wir?&ldquo;<\/strong> und der dr&ouml;hnende Synthi-Blues <strong>&bdquo;Inazitti&ldquo;<\/strong>, eine schr&auml;ge Hommage an die ruhelose Gro&szlig;stadt Berlin, f&uuml;r &bdquo;Alles und noch viel mehr&ldquo; bedacht. Rios letztes Solo-Oeuvre, &bdquo;Himmel &amp; H&ouml;lle&ldquo; (1995), wurde bei der Zusammenstellung der &ndash; per se sehr ausgewogenen und aufregenden &ndash; Tracklist allerdings g&auml;nzlich &uuml;bergangen.<\/p>\n<p>Die innigen Liebeslieder <strong>&bdquo;Lass uns ein Wunder sein&ldquo;<\/strong> (1983) und <strong>&bdquo;Halt Dich an Deiner Liebe fest&ldquo;<\/strong> (1975), Ursprungsaufnahmen aus Rios Zeiten bei &bdquo;Ton Steine Scherben&ldquo;, beschlie&szlig;en eine durchwegs wohlmundende, sagen wir ruhig: exquisite Kollektion exzellenter deutscher Rock- und Popmusik mit Wendungen und Widerhaken, eines der gr&ouml;&szlig;ten Liedschreiber, den ebenjene einheimische Rockszene jemals hervorgebracht hat.<\/p>\n<p>Teilweise weitaus problematischer &ndash; in erster Linie in geschmacklicher Hinsicht &#8211; wird es allerdings auf CD-02 von &bdquo;Alles und noch viel mehr&ldquo;. OK, das von Rio-Bruder Gerd M&ouml;bius organisierte Neuarrangement von <strong>&bdquo;Wann?&ldquo;<\/strong> (1987) beweist einmal mehr, wie zeitgem&auml;&szlig; und brennend aktuell Rios Lieder, Texte und seine Stimme auch 2016 noch und immer wieder sind. Was daran anschlie&szlig;end aber an Tribute-Neufassungen seitens nachgeborener, &uuml;bermoderner Deutschrock-Musiker auf der Liste steht, grenzt teilweise an eine &bdquo;Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener&ldquo;. W&auml;hrend die flotte Akustik-Sichtweise von <strong>&bdquo;K&ouml;nig von Deutschland&ldquo;<\/strong> des Baden-W&uuml;rttembergischen Liedermachers <strong>Gregor Meyle<\/strong>, Dank ihrer beschwingt-peppigen Umsetzung und ein paar textlicher Aktualisierungen (&bdquo;Merkel&ldquo; statt &bdquo;Kohl&ldquo;, &bdquo;Donald Trump&ldquo; statt &bdquo;Ronny&ldquo; Reagan, &bdquo;Meylensteine&ldquo; statt &bdquo;Reinhard Mey 24 Stunden lang&ldquo;) fraglos als gut gemacht, originell und humorvoll apostrophiert werden kann, ist die Mickey-Mouse-Fassung von <strong>&bdquo;Halt Dich an Deiner Liebe fest&ldquo;<\/strong>, gepiepst von der Hamburger S&auml;ngerin <strong>Annett Lousian<\/strong> (deren extrem helles, s&uuml;&szlig;liches Organ schon 2014 bei der Udo-J&uuml;rgens-Geburtstagsshow nervte!) geradewegs ins L&auml;cherliche, Parodistische abgedriftet, was insbesondere diesen zutiefst emotionalen Song in gewisser Hinsicht verdirbt und als unecht aufscheinen l&auml;sst. Und keiner m&ouml;ge sich au&szlig;erdem dar&uuml;ber verwundert zeigen, dass das <strong>&bdquo;Zauberland&ldquo;<\/strong> nun <em>noch<\/em> schneller abbrennt, wenn es die soulig gemeinte, aber jaulend angekommene Auslegung seiner durch die deutsch-marokkanische Hip-Hop-Dame <strong>&bdquo;Namika&ldquo;<\/strong> vorgesetzt bekommt.<\/p>\n<p>Bumsend-eint&ouml;niger Hip-Hop-Rock, wie <strong>&bdquo;Ich bin m&uuml;de&ldquo;<\/strong> (1981 von Rio f&uuml;r Wolfgang Michels geschrieben) des Rap-Trios <strong>&bdquo;Fettes Brot&ldquo;<\/strong> oder, im &sbquo;besten&lsquo; &bdquo;Katzenmusik-Sound&ldquo; erschallend, <strong>&bdquo;Mein Name ist Mensch&ldquo;<\/strong> (Original: 1971) der <strong>&bdquo;S&ouml;hne Mannheims&ldquo;<\/strong>, d&uuml;rften auf Musikfreunde, die in den 70ern und 80ern aufgewachsen sind, ohnehin arg befremdlich wirken.<\/p>\n<p><strong>Johannes Oerding<\/strong> tr&auml;llert <strong>&bdquo;F&uuml;r immer f&uuml;r Dich&ldquo;<\/strong> vor sich hin, ohne diesem grandiosen Liebeslied irgendetwas Eigenes oder gar neue Facetten hinzuzuf&uuml;gen, die 2000 entstandene Hitversion von <strong>&bdquo;Junimond&ldquo;<\/strong>, damals von der norddeutschen Teenieband <strong>&bdquo;Echt&ldquo;<\/strong> bis auf Rang 12 der deutschen&nbsp; Singlecharts gef&uuml;hrt, kann zumindest noch als niedlich-jugendlich durchgehen&hellip; und &ndash; vollkommen unerwarteter Weise &ndash; gestaltet niemand geringeres als <strong>Nena<\/strong>, als glorreichen Abschluss von &bdquo;Alles und noch viel mehr&ldquo; das opulente 1972er-&bdquo;Scherben&ldquo;-Liebesmelodram <strong>&bdquo;Schritt f&uuml;r Schritt ins Paradies&ldquo;<\/strong> zu einer powervoll und aufbrausend rockenden, volumin&ouml;sen, so exzessiven, wie erdigen Rockexplosion aus.<\/p>\n<p>Selbst, wenn es als sehr positiv zu bewerten ist, dass sich viele junge, nachgewachsene Musikanten zu Rio Reiser und seinen Lieder bekennen, sich von ihm beeinflussen lassen, ihn als kreatives Vorbild nehmen, und ihm daher nun zu seinem 20. Todestag zu huldigen gedachten: Die meisten dieser Versuche gingen leider v&ouml;llig daneben. Es existieren daneben jedoch derart viele treffliche Interpretationen von Rio-Songs, etwa von dem viel zu fr&uuml;h verstorbenen Deutschrocker Alan Woerner, von Schlagerchanteuse Marianne Rosenberg, oder von &bdquo;SELIG&ldquo;-Frontmann Jan Plewka, der zeitweilig sogar mit einer knapp zweist&uuml;ndigen Revue unterwegs war, die ausschlie&szlig;lich aus der ein ums andere Mal schier perfekten Nachempfindung von Rio-Epen bestand. Dies waren und sind Neubetrachtungen, die sich weitaus n&auml;her an Sinn, Zweck und Geist der Originale aufhalten, so dass man diese, gerade f&uuml;r die vielen 70er- und 80er-Kinder unter den Fans des geb&uuml;rtigen Berliners oft weitaus bek&ouml;mmlicheren Coverlieder zumindest den ganz neuen, klanglich nur allzu h&auml;ufig viel zu modernen, teils wom&ouml;glich entstellenden Neueinspielungen h&auml;tte hinzukoppeln k&ouml;nnen. Ebenso h&auml;tten auf CD-02, auf der sich eh nur ganze neun Beitr&auml;ge befinden, durchaus noch ein paar weitere Polit-Hymnen von &bdquo;Ton Steine Scherben&ldquo; &ndash; ich denke hier an &bdquo;Macht kaputt&hellip;&ldquo;, &bdquo;Keine Macht f&uuml;r niemand&ldquo;, &bdquo;Rauchhaus-Song&ldquo;, &bdquo;La Response&ldquo; etc. u.v.a. &ndash; einen geb&uuml;hrenden Platz einnehmen k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Davon abgesehen allerdings, bietet <strong>&bdquo;Alles und noch viel mehr&ldquo;<\/strong> wahrlich einen hervorragenden &Uuml;berblick &uuml;ber das solistische Schaffen des Rio Reiser zwischen 1986 und 1994. Die einwandfrei imposantesten, nachhaltigsten und eindrucksvollsten, klingenden Meisterst&uuml;cke eines der gr&ouml;&szlig;ten deutschen Rock-Lyriker finden sich geballt auf dieser Doppel-CD, selbst wenn sich manche Neuaufnahme f&uuml;r traditionsbewusste Ohren als &ndash; naja &ndash; gew&ouml;hnungsbed&uuml;rftig erweist. Klasse ist es auf jeden Fall, dass sich nun schon mehrere Generationen von Anh&auml;ngern anspruchsvoller, muttersprachlicher Rockmusik f&uuml;r <strong>Rio Reiser<\/strong> und seinen umfangreichen Liedkatalog begeistern. <strong>&bdquo;ALLES UND NOCH VIEL MEHR&ldquo; <\/strong>d&uuml;rfte eine ganze Menge dazu beitragen, dass dies auch in Zukunft so bleibt.<\/p>\n<p>F&uuml;r mich pers&ouml;nlich war Rio Reiser, trotz aller nicht wegzudiskutierender, weltanschaulicher Differenzen, ein stets faszinierender, inhaltlich, sprachlich immens gehaltvoller und wortgewandter Singer\/Songwriter, der sich nie wiederholt hat und dessen parolenhafte Text- und Titelzeilen a la &bdquo;Keine Macht f&uuml;r niemand&ldquo;, &bdquo;Alles L&uuml;ge!&ldquo; oder (nat&uuml;rlich ironisch) &bdquo;Mein Manager erledigt das f&uuml;r mich&ldquo; l&auml;ngst in den allgemeinen Sprachgebrauch meines Familien- und Freundeskreises eingegangen sind!<\/p>\n<p>Holger St\u00fcrenburg, 08.\/09. August 2016<\/p>\n<p>http:\/\/www.rioreiser.de\/rioreiser\/index.php4<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gut-B\u00fcrgerlicher vollen Lobes f\u00fcr einen ungew\u00f6hnlichen Anarchisten &#8230;:\u00a0 Fr&uuml;hjahr 1986, meine Deutschrock-Hochphase: Soeben hatten Heinz Rudolf Kunze (&bdquo;Dein ist<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":74354,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[5],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74353"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=74353"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74353\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/74354"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=74353"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=74353"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=74353"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}