{"id":73981,"date":"2016-09-08T00:00:00","date_gmt":"2016-09-08T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=73981"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"FREDDY-QUINN-Freddy-Quinn-Der-73980","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/oldies\/FREDDY-QUINN-Freddy-Quinn-Der-73980\/","title":{"rendered":"FREDDY QUINN <br \/>Freddy Quinn &#8211; Der untersch\u00e4tzte Weltstar!"},"content":{"rendered":"<p>Viele Unklarheiten im Leben des Freddy Quinn: Er wurde in Deutschland als Schlagerstar  verschlissen, konnte aber viel mehr &#8230;:\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer ist eigentlich Freddy Quinn ? Eine banal klingende Frage gewiss, und doch notwendig.<\/p>\n<p>Alle Experten sind sich einig: Der K&uuml;nstler &#8211;&nbsp; er kam als Franz Eugen Helmuth Manfred Nidl am 27. September 1931 zur Welt&nbsp; &#8211; ist die Lichtgestalt der Schlagerwelt. Doch schon sein Geburtsort hat immer R&auml;tsel aufgegeben: Ist er in Wien, Niederfladnitz (&Ouml;sterreich) oder Pula (Kroatien) zur Welt gekommen? Egal.<\/p>\n<p>Es war wohl Ende der 1970-er Jahre, als er bei einer privaten Feier die Abenteuer seines Lebens geschildert hatte und dann lachend erkl&auml;rte: &bdquo;Sie m&uuml;ssen erst mal h&ouml;ren, was ich den Journalisten alles erz&auml;hle &#8230;&ldquo; Und er wusste einiges zu erz&auml;hlen, 1990 bezeichnete er seinen Vater auf einer Pressekonferenz als &bdquo;geb&uuml;rtigen Trientiner&ldquo;, sp&auml;ter stammte der gute Mann pl&ouml;tzlich aus Irland.&nbsp; Freddy selbst hatte sich Zeit seines Lebens regelrecht in seine &bdquo;Biografie&ldquo; verstrickt &ndash; Karl May l&auml;sst sch&ouml;n gr&uuml;&szlig;en.<\/p>\n<p>Es hat auch den Schauspieler Freddy Quinn gegeben, der in 13 &#8211; nach Meinung von Kritikern &#8211; zu Recht vergessene Schlagerfilmen (&bdquo;Unter fremden Sternen&ldquo;, &bdquo;Nur der Wind&ldquo;, &bdquo;Heimweh nach St. Pauli&ldquo;) sehr leichte Kost servierte. Der Inhalt war weitgehend egal: Der Taxifahrer, Kanada-Auswanderer oder Cowboy (immer der Hauptdarsteller) musste nur zur Gitarre greifen und ein gef&uuml;hlvolles Lied schmettern &#8230; Neunzig Minuten lang wurden eben Klischees bedient, aber ganz ehrlich, konnte man von Schlagerfilmen was anderes erwarten?<\/p>\n<p>Doch was f&uuml;r eine Pers&ouml;nlichkeit hat sich hinter dem Gesicht des umjubelten Entertainers verborgen? Sie bekamen seine Fans nur in Ausnahmef&auml;llen zu sehen. Zwar stand er l&auml;ngst auf der falschen Seite der Siebzig, doch 2002 bei seiner Abschiedstournee &bdquo;Lieder, die das Leben schrieb&quot; konnte man meinen, er sei nicht &auml;lter als f&uuml;nfzig: Der Mann mit der unverwechselbaren Baritonstimme wirbelte &uuml;ber die B&uuml;hne, war schlagfertig und hatte alle Liedertexte drauf. Am letzten Tag der Tournee &ndash; ausgerechnet im Konzerthaus seiner angeblichen Geburtsstadt Wien &ndash; war der Dinosaurier der Schlagerbranche total verunsichert, in seinen Augen hatten sich Tr&auml;nen gesammelt. Er drehte sich zur Seite, niemand sollte in ihn hineinsehen. Ausgerechnet ihm war so ein Gef&uuml;hlsausbruch passiert. Den Umgang mit eigenen Gef&uuml;hlen hatte er stets geschickt &uuml;berspielt, doch diesmal wollte es nicht klappen.<\/p>\n<p>Schnell ist man mit dem Wort &bdquo;Verdr&auml;ngen&quot; bei der Hand. Aber ist das wirklich &bdquo;verdr&auml;ngen&quot; gewesen? Man muss die Stationen seines Lebens kennenlernen, um diese Frage beantworten zu k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Was Jahrzehnte sp&auml;ter den Beckenbauers, Kahns und Beckers recht war, konnte seinen Eltern nur billig sein. Zumindest hie&szlig; es so in seiner angeblichen Biografie, die vermutlich am Schreibtisch seines Ex-Managers Lotar Olias entstanden war. Danach trennten sich seine Eltern, als der Junge noch klein war. Einige Zeit sp&auml;ter soll Freddys Mutter (&bdquo;Damit der Bub einen Vater hat&ldquo;) in Wien eine neue Beziehung zu einem 36 Jahre &auml;lteren Baron eingegangen sein. Dieser Rudolf Freiherr von Petz war total verarmt und hatte seine Lebensaufgabe im Verfassen von Tiergedichten gefunden. Und wie das oft so ist, der Junge und sein Stiefvater verstanden sich &uuml;berhaupt nicht und der Filius brannte mit einem Zirkus durch.<\/p>\n<p>Seine eigentliche Karriere begann in den 1950-er Jahren in der Hamburger&bdquo;Washington Bar&ldquo;. In dem Lokal h&ouml;rte ihn Fernsehregisseur J&uuml;rgen Roland (&bdquo;Stahlnetz&ldquo;) und besorgte ihm erste Auftritte beim Norddeutschen Rundfunk. Und dann gings richtig los. Die Manager der Plattenfirma &bdquo;Polydor&ldquo; waren davon &uuml;berzeugt, die beste Strategie f&uuml;r die Nachkriegszeit im Tornister zu haben. Sie wussten, dass in schwierigen Zeiten die m&auml;rchenhaften Legenden mehr sind als eine angenehme Abwechslung. Ab sofort war Freddy der einsame Seeb&auml;r, in dessen Gesicht man das ganze Leid der unruhigen Welt (&bdquo;Heimatlos sind viele auf der Welt&ldquo;) suchen konnte. Und die Welt dankte es ihm mit 17 goldenen Schallplatten (u.a. f&uuml;r &bdquo;Die Gitarre und das Meer&quot; und &bdquo;La Paloma&ldquo;), Goldenen L&ouml;wen von Radio Luxemburg, Goldenen Europas, Goldenen Stimmgabeln usw.&nbsp; &Uuml;brigens: &bdquo;Heimweh&quot; mit dem monotonen Refrain &bdquo;So sch&ouml;n war die Zeit&quot; hatte eigentlich Ren&eacute; Carol (&bdquo;Rote Lippen, rote Rosen, roter Wein&quot;) singen sollen. Freddy Quinn war kurzfristig als Ersatz eingesprungen, weil sein Kollege wegen Trunkenheit am Steuer im Knast sa&szlig;. Sp&auml;ter hat Ren&eacute; Carol sich schwarz ge&auml;rgert, als das Lied 14 Wochen auf dem ersten Platz in Deutschland war. Dumm gelaufen!<\/p>\n<p>Zehn Jahre sp&auml;ter landete Freddy einen Welthit mit &bdquo;Spanish Eyes&ldquo; &hellip; aber nur fast. Al Martino schnappte ihm den Song weg und belegte Spitzenpl&auml;tze in den Charts dieser Welt. Dumm gelaufen!<\/p>\n<p>Die Hitparaden bestimmten zu dieser Zeit l&auml;ngst weitgehend talentfreie Eintagsfliegen, die noch vor kurzer Zeit mit der Plastiktr&ouml;te um den Tannenbaum gerannt waren. W&auml;re Quinn nur Schlagers&auml;nger gewesen, h&auml;tte er bereits Ende der 1960-Jahre in Rente gehen k&ouml;nnen. Denn seine Platten kamen nicht mehr in die Charts. Doch er wurde TV-Moderator, Zirkusartist, B&uuml;hnenschauspieler in sehr leichten Rollen (&bdquo;Charleys Tante&ldquo;), und so weiter und so fort. Dass Freddy immer den Wunsch hatte, viele Seiten zu zeigen und nicht nur Schlager zu singen, war das Allerletzte, was die Branche von ihm erwartete. Auch ohne den Beifall der &uuml;blichen Bedenkentr&auml;ger wurde aus ihm kein d&uuml;nn flackerndes Licht im Showgesch&auml;ft. Sogar Anni-Frid Lyngstad (&bdquo;Abba&quot;) sang &bdquo;Junge, komm bald wieder&quot; in einer schwedischen Version: &bdquo;Peter, kom tillbaka&quot;. Der Name Freddy Quinn zierte unterdessen Theaterplakate (sogar in London), der K&uuml;nstler f&uuml;hlte sich sichtlich wohl, wenn er eine Rolle au&szlig;erhalb jeder Quinn-Schublade spielen durfte, so den kauzigen Westernhelden Sam Hawkens bei den &bdquo;Karl-May-Festspielen&ldquo; in Bad Segeberg oder den US-General Clark in dem Film &bdquo;Die wilden F&uuml;nfziger&ldquo; (Regie: Peter Zadek).<\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich sang Freddy Quinn weiterhin seine Gassenhauer bei Tourneen durch Europa, Amerika, Asien, Afrika, Australien, aber die Hallen wurden in der Heimat deutlich kleiner, so trat er nicht mehr in der Dortmunder &bdquo;Westfalenhalle&quot; (11.000 Pl&auml;tze) auf, sondern gastierte vor 950 begeisterten Fans im ausverkauften &bdquo;Heinz-Hilpert-Theater&ldquo; im benachbarten L&uuml;nen. Stets reiste er mit gro&szlig;em Orchester &#8211; v&ouml;llig egal, dass zuletzt die ausgezeichneten Musiker aus Warschau stammten. Beim Chor dagegen war deutlich zu merken, dass Deutsch eine schwere Fremdsprache ist. Den gr&ouml;&szlig;ten Beifall in den Konzerten gab es stets f&uuml;r seine Evergreens, da war Freddy der &bdquo;Schuhanzieher&quot; f&uuml;r das Kopfkino seines Publikums, bei neuen Songs wie &bdquo;Ich brauche Dich&quot; war der Beifall nur h&ouml;flich, auf &bdquo;Ein M&auml;dchen und ein Matrose&quot; oder &bdquo;Im Supermarkt gleich nebenan&quot; hatte der Plattenmillion&auml;r lieber gleich verzichtet.<\/p>\n<p>Apropos Gesang: Seine alten Hits hat er in den 1990-Jahren nochmal aufgenommen, doch die Titel (wie die meisten seiner englischsprachigen Aufnahmen) klangen sehr distanziert, es fehlte die sog. emotionale N&auml;he, die fr&uuml;her seine Platten ausgezeichnet und zu Bestsellern gemacht hatte.<\/p>\n<p>In Interviews und pers&ouml;nlichen Gespr&auml;chen hat er meistens nur von sich gesprochen, er ist ein kleiner Egozentriker gewesen &ndash; wie es alle richtigen K&uuml;nstler nun mal sind.&nbsp; Stets wirkte er auch m&uuml;rrisch, und man konnte merken, dass er nicht gl&uuml;cklich war mit der Kunstfigur, die Manager, Plattenfirma und wohl er selbst aus ihn gemacht hatten.<\/p>\n<p>Am 16. Januar 2008 verstarb seine Dauerfreundin Lilli Blessmann. Danach zog er sich fast v&ouml;llig von der &Ouml;ffentlichkeit zur&uuml;ck. Er schien wieder der Schatten zu sein, der einst in den 1950-er Jahren in Hamburg aus dem Nichts aufgetaucht war und jetzt spurlos verschwand. Die letzten Fotos, die heimlich gemacht wurden, irritieren einige Fans: Fr&uuml;her hatte er viel Wert auf seine Kleidung gelegt und sogar Ma&szlig;hemden getragen, auf den aktuellen Bildern wirkt er dagegen wie ein schwergewichtiger Tramp.<\/p>\n<p>M&ouml;glicherweise stimmen sogar die sog. Enth&uuml;llungsgeschichten, eventuell ist auch die Kindheit in Amerika eine Erfindung &#8211; aber diese eingest&uuml;rzten Denkm&auml;ler lassen sofort den Menschen in die N&auml;he einer Filmfigur von Hans Albers r&uuml;cken. Aber wir kennen nicht die psychologischen Gr&uuml;nde f&uuml;r diese Fassade. Die Bilanz seines widerspr&uuml;chligen Lebens: Seine Kunst verdient Respekt &#8211; und braucht keine Fantasiestorys.<\/p>\n<p>Wie unterscheidet nun Freddy Quinn von einem talentierten Weltstar?<\/p>\n<p>Eigentlich nur durch die Schreibweise.<\/p>\n<p>Am 27. September feiert Freddy Quinn seinen 85. Geburtstag.<\/p>\n<p>Alf Rolla &#8211; Mit freundlicher Abdruckgenehmigung<\/p>\n<p>http:\/\/www.freddy-quinn-archiv.at\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Unklarheiten im Leben des Freddy Quinn: Er wurde in Deutschland als Schlagerstar verschlissen, konnte aber viel mehr &#8230;:\u00a0 Wer<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":73982,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[24],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73981"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=73981"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73981\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/73982"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=73981"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=73981"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=73981"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}