{"id":72718,"date":"2016-10-17T00:00:00","date_gmt":"2016-10-17T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=72718"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"GARAGE3-Konzertkritik-Friedel-G-72717","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/deutsch-rock\/GARAGE3-Konzertkritik-Friedel-G-72717\/","title":{"rendered":"GARAGE3 <br \/>Konzertkritik: Friedel Geratsch&#39;s GARAGE3 &#8211; 15.10.2016 &#8211; Kamen \u2013 &quot;Freizeitzentrum L\u00fcner H\u00f6he&quot;!"},"content":{"rendered":"<p>Lesen Sie HIER einen Erlebnisbericht von Holger St\u00fcrenburg &#8230;:\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Sommer 2016 hat sich ein brandaktuelles Bluesrock-Projekt dem geneigten Anh&auml;nger erdiger und authentischer Rockmusik in deutscher Sprache vorgestellt: <strong>&bdquo;GARAGE3&ldquo;<\/strong>, ein Trio bestehend aus <strong>Friedel Geratsch<\/strong> (Gesang, Gitarre), <strong>Stephan Schott<\/strong> (Schlagzeug) und <strong>Tom Baer<\/strong> (Bass), pr&auml;sentierte ihr ph&auml;nomenales Deb&uuml;talbum &bdquo;&hellip;Aber geil ist es auch&ldquo; bei PUCKY Music, welches von mir <strong><a href=\"https:\/\/smago.de\/d\/artikel\/76278\/\">HIER<\/a><\/strong> ausf&uuml;hrlich rezensiert wurde.<\/p>\n<p>Friedel Geratsch&hellip; da war doch was, werden sich so manche Kinder der 80er Jahre fragen&hellip; Ja, da war auch tats&auml;chlich etwas, da gab (und gibt es immer noch) eine einstmals sehr erfolgreiche Band aus dem Pott, die aber mit der erst vor einem Jahr begr&uuml;ndeten Truppe nichts gemein hat, weshalb wir es tunlichst unterlassen m&ouml;chten, dieses Kapitel Friedel Geratschs an dieser Stelle n&auml;her zu er&ouml;rtern.<\/p>\n<p><strong>&bdquo;&hellip;Aber geil ist es auch&ldquo;<\/strong> verspr&uuml;ht echte, handgemachte, unverschn&ouml;rkelte und rohe Blues-Kl&auml;nge in Bestform, mal an Gary Moore, an &bdquo;Dr. Feelgood&ldquo; oder an die Altmeister Howlin&lsquo; Wolf, Robert Johnson oder Elmore James gemahnend, verbunden mit von Friedel pers&ouml;nlich verfassten Texten, die direkt aus dem Leben eines Ruhrpottlers gegriffen sind und sich mehrheitlich mit dem Themenkreis Alkohol\/Alkoholismus und anderem Verflossenen auseinandersetzen. Kurzum: Diese CD ist schon jetzt als einer <strong><em>der<\/em><\/strong> spezifischen H&ouml;hepunkte des Deutschrock-Jahres 2016 zu klassifizieren.<\/p>\n<p>Am vergangenen Samstag, dem 15. Oktober 2016, absolvierten <strong>&bdquo;GARAGE3&ldquo;<\/strong> ihren zweiten Live-Auftritt &uuml;berhaupt, diesmal im Freizeitzentrum L&uuml;ner H&ouml;he, gelegen in Kamen, nahe Dortmund, im Kreis Unna.<\/p>\n<p>Da ich seit 1983 ein gro&szlig;er Fan von Friedels einzelnen Bands bin, zudem die Genese von &bdquo;&hellip;Aber geil ist es auch&hellip;&ldquo; von Anfang miterleben durfte und hierbei immer wieder mit Rat und Tat zur Seite stand, lie&szlig; ich es mir nat&uuml;rlich nicht entgehen, an jenem eher warmen, gem&uuml;tlichen Herbstsamstag eine kleine &sbquo;Weltreise&lsquo; nach Kamen zu unternehmen und mir die ganze Chose einmal im Live-Format zu g&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Zun&auml;chst, so gegen 20.00 Uhr, startete der Konzertabend mit einem knapp einst&uuml;ndigen (ersten) Set der &ouml;rtlichen Coverband <strong>&bdquo;Acoustic Rising&ldquo;<\/strong>. Dabei handelt es sich um ein Quintett, welches Rock- und Popklassiker, &uuml;berwiegend aus den 70er und 80er Jahren, im akustischen Gewande neu arrangiert und beherzt vortr&auml;gt. Friedel gab derweil flei&szlig;ig Presseinterviews, wir unterhielten uns lange in der Garderobe und ich lernte den Berufsschullehrer und Buchautor Klaus Marshall kennen, der u.a. mit Peter Behrens (+ &bdquo;Trio&ldquo;) und Franz Trojan (&bdquo;Spider Murphy Gang&ldquo;) deren Biographien erarbeitet hat.<\/p>\n<p>&bdquo;Acoustic Rising&ldquo; boten ihre ureigenen Auslegungen von z.B. <strong>&bdquo;Moonlight Shadow&ldquo;<\/strong> (Mike Oldfield, 1983), <strong>&bdquo;Far, far away&ldquo; <\/strong>(&bdquo;Slade&ldquo;, 1974), <strong>&bdquo;Every Breath you take&ldquo;<\/strong> (&bdquo;The Police&ldquo;, 1983) oder gar <strong>&bdquo;You shook me all Night long&ldquo;<\/strong> (&bdquo;AC\/DC&ldquo;, 1980) bzw. <strong>&bdquo;Livin&lsquo; on a Prayer&ldquo;<\/strong> (&bdquo;Bon Jovi&ldquo;, 1986) dar, das Freizeitzentrum f&uuml;llte sich zunehmend&hellip; und um fast Punkt 21.00 Uhr betraten <strong>&bdquo;GARAGE3&ldquo; <\/strong>die B&uuml;hne.<\/p>\n<p>Das besondere an deren Musik ist, dass dieselbe in erster Linie von sogenannten Cigar-Box-Gitarren lebt, die im Slide-Sound gespielt werden. Diese Tradition stammt aus dem US-Amerika des ausgehenden 19. Jahrhunderts, als sich die &auml;rmeren Menschen dort keine echten, fertigen Gitarren leisten konnten &ndash; daher bastelten sie sich ihre Klampfen aus Zigarrenkisten, Zaunlatten, bespannten sie mit Saiten, die sie irgendwelchen Metallgittern entnahmen &ndash; und fertig war das Instrument, mit dem sie zur Jahrhundertwende 19.\/20. den gro&szlig;en Blues spielen konnten. Diese Vorgangsweise revivalisierte sich 2008 zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise, als wiederum viele Menschen kein Geld f&uuml;r Hochglanz-Gitarren besa&szlig;en. So entstand erneut diese &bdquo;Cigar-Box&ldquo;-Bewegung, die inzwischen auch einen rund 400-500 Personen umfassenden Ableger in der BR Deutschland hervorgebracht hat.<\/p>\n<p><strong>&bdquo;Zum Rocken geboren&ldquo;<\/strong> &ndash; mit diesem (musikalisch &bdquo;ZZ Top&ldquo;-nahen) Erkennungszeichen, begannen &bdquo;GARAGE3&ldquo; ihren rund 75min&uuml;tigen Auftritt in Kamen, gefolgt von der bitterb&ouml;sen Beschreibung eines Alptraums, in dem Friedel tr&auml;umte, er s&auml;he aus wie Paris Hilton und habe das Hirn von Calvin Klein. Dieses Lied unter dem Titel <strong>&bdquo;Jung und sch&ouml;n&ldquo;<\/strong> war zuvor auf dem Album &bdquo;Brutto f&uuml;r Netto&ldquo; von seiner anderen Band ver&ouml;ffentlicht worden.<\/p>\n<p>Hiernach stellte uns Friedel seine einzelnen Gitarren vor, die allesamt eigene Namen tragen: So z.B. &bdquo;<strong>Sieb<\/strong>ille&ldquo;, weil als Schall&ouml;ffnung ein Abflusssieb darin eingebaut ist, oder &bdquo;Monica&ldquo; (benannt nach Monica Lewinsky, Bill Clintons omin&ouml;ser Ex-Praktikantin, weshalb auf diesem Instrument stets nur Kompositionen in Moll gespielt w&uuml;rden &ndash; zudem kursiert das Ger&uuml;cht, Friedel habe diese Gitarre &uuml;ber E-Bay direkt aus dem Privatbesitz von Hillarys Gatten ersteigert&hellip;)&hellip; und es erklang daraufhin der klassische Bluesrocker <strong>&bdquo;Jamma&ldquo;<\/strong>, der harmonisch an den Bobby-Womack-Standard &bdquo;It&rsquo;s all over now&ldquo; erinnert.<\/p>\n<p>Gitarre &bdquo;Moll-Monica&ldquo; kam nun zum Einsatz, bei dem &ndash; im positivsten Sinne der Worte &ndash; dr&ouml;gen, trockenen, d&uuml;steren Swamp-Blues <strong>&bdquo;Manchmal, wenn der Regen f&auml;llt&ldquo;<\/strong>; daran anschlie&szlig;end ert&ouml;nte derjenige Titel aus &bdquo;&hellip;Aber geil ist es auch&ldquo;, mit dem ich mich (ja, ist und bleibt meine einzige S&uuml;nde ;.-) zweifellos am meisten identifiziere: Der radikale und konsequente <strong>&bdquo;Rotwein&ldquo;<\/strong>-Blues, zeitgleich die erste Singleauskoppelung aus dem Deb&uuml;twerk.<\/p>\n<p>Ein weiterer Favorit von mir aus jener grandiosen Silberscheibe ist <strong>&bdquo;Oma sagte immer&ldquo;<\/strong>, alleine schon deshalb, weil dieser waschechte Blues harmonisch &auml;hnlich aufgebaut ist, wie mein regelrechter &sbquo;Kindheits-Blues&lsquo; &bdquo;Dust my Broom&ldquo; von Robert Johnson, den ich schon im Kindergarten auf dem Schaukelhahn kr&auml;hte und zu dem ich in der neunten Klasse 1985, sarkastische Zeilen &uuml;ber unseren damaligen, nicht sehr hygienischen Physiklehrer, Herrn Arnold, genau gesagt: den &bdquo;N&auml;chsten Freitag ham wir Arnold-Blues&ldquo;, pubert&auml;r-verliebt (also, nicht in Herrn Arnold, vielmehr in ein &ndash; naja, soweit &ndash; nettes M&auml;del) ersonnen hatte.<\/p>\n<p>Zu den neuen, bislang unver&ouml;ffentlichten Liedern dieses Kamener Konzertabends z&auml;hlten der temporeiche Blues <strong>&bdquo;Heul in mein Bier&ldquo;<\/strong>, und &#8211; ebenfalls noch nicht auf CD erh&auml;ltlich &ndash;, gespielt auf einer tats&auml;chlich nur einsaitigen (!) Zigarren-Gitarre, der minimalistische Liebesblues <strong>&bdquo;Das Herz macht bum, bum, bum&ldquo;<\/strong>.<\/p>\n<p>Nun kam eine weitere selbstgebastelte Gitarre an die Reihe, die aus einer Filmrolle (!) mit Kurbel (!!), zwecks Verschiebung der Tonh&ouml;he, geboren wurde. Mittels dieser zelebrierte Friedel ein 2012er-Lied seiner anderen Band, namens <strong>&bdquo;Leichtes Leben&ldquo;<\/strong>, auf das ein reines Instrumental namens <strong>&bdquo;Ohne Worte&ldquo;<\/strong> stehenden Fu&szlig;es folgte.<\/p>\n<p><strong>&bdquo;Schon wieder August&ldquo;<\/strong>, entnommen der 2015er-CD &bdquo;K&ouml;nige der Welt&ldquo; von Friedels anderer Band, ist eine traumhaft sch&ouml;ne, melancholische, wie res&uuml;mierende Reminiszenz an vergangene Tage, <strong>&bdquo;Wer kann denn hier noch fahren&ldquo;<\/strong> hingegen ein abgekl&auml;rt-trotziges Anti-Liebeslied.<\/p>\n<p>Kurz nach zehn erreichte die umjubelte Show ihren H&ouml;hepunkt, Dank der gnadenlosen Auff&uuml;hrung des wahrhaftig garagenm&auml;&szlig;ig ausgefallenen Titelsongs des &bdquo;GARAGE3&ldquo;-Erstlings <strong>&bdquo;&hellip;Aber geil ist es auch&ldquo;<\/strong>, f&uuml;nf Minuten lang Gitarreninferno &#8211; und dann noch eine kurze Reprise&hellip; Die Zuh&ouml;rer, nicht mehr die Allerj&uuml;ngsten, 35 aufw&auml;rts, waren sp&uuml;rbar hingerissen &ndash; und als Zugabe, bevor nochmals &bdquo;Acoustic Rising&ldquo; an der Reihe waren, spielte das Trio erneut einen Titel von Friedels anderer Band: <strong>&bdquo;Fahr heim&ldquo;<\/strong> (2015) war entsprechend auch die Aufforderung an mich, mir ein Taxi zu rufen, welches mich heil und gesund zum Bahnhof Kamen bringen sollte.<\/p>\n<p>Ich verabschiedete mich von Friedel und seinen beiden Mitmusikern Stephan und Tom und bestieg hochzufrieden das gelbe Auto, welches um 22.35 Uhr vor dem Freizeitzentrum L&uuml;ner H&ouml;he auf mich wartete.<\/p>\n<p>Es war ohne Zweifel ein sehr sch&ouml;ner Abend; seit 18 Jahren arbeiten Friedel und ich zusammen &ndash; aber erst am 15.10.2016 haben wir uns zum ersten Mal real getroffen. <strong>&bdquo;GARAGE3&ldquo;<\/strong> beherrschen ihr Handwerk in ph&auml;nomenalster Manier. Dieses agile Blues-Trio hat &ndash; und dar&uuml;ber waren sich die meisten Konzertbesucher an jenem Abend unisono einig &ndash; eine gro&szlig;e Zukunft vor sich. Der Blues, den man laut des Hamburger Genre-Kollegen Abi Wallenstein nicht nur singen, lieben oder haben, sondern eben letzten Endes von oben bis unten <em>leben <\/em>muss, gilt als eine oft totgesagte Stilrichtung, die jedoch, allen Unkenrufen zum Trotz, bis heute lebendiger ist, denn je. <strong>&bdquo;GARAGE3&ldquo;<\/strong> tun mit ihrem &sbquo;Ruhrpott-Blues&lsquo; genau das richtige, damit dies auch so bleibt.<\/p>\n<p>Es sind bereits weitere Auftritte geplant, so z.B. am <strong>22.10.2016, in D&uuml;sseldorf, im &bdquo;Route 66&ldquo;<\/strong><\/p>\n<p>&hellip; und das Album &bdquo;&hellip;aber geil ist es auch&ldquo; ist nat&uuml;rlich weiterhin hier erh&auml;ltlich: <a href=\"mailto:info-garage3@t-online.de\">info-garage3@t-online.de<\/a><\/p>\n<p>Holger St\u00fcrenburg, 16. Oktober 2016<\/p>\n<p>https:\/\/www.facebook.com\/FriedelGeratschGeierSturzflugGarage3\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lesen Sie HIER einen Erlebnisbericht von Holger St\u00fcrenburg &#8230;:\u00a0 Im Sommer 2016 hat sich ein brandaktuelles Bluesrock-Projekt dem geneigten Anh&auml;nger<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":72719,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[5],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72718"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=72718"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72718\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/72719"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=72718"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=72718"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=72718"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}