{"id":72496,"date":"2016-10-24T00:00:00","date_gmt":"2016-10-24T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=72496"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"KONSTANTIN-WECKER-Konzertberich-72495","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/liedermacher\/KONSTANTIN-WECKER-Konzertberich-72495\/","title":{"rendered":"KONSTANTIN WECKER <br \/>Konzertbericht Konstantin Wecker &#038; Band \u2013 18.10.2016 \u2013 Christuskirche, Bochum!"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Ein grandioser Abend mit einem unverwechselbaren K\u00fcnstler&#8220;, res\u00fcmiert St\u00fcrenburg, der seit drei\u00dfig Jahren Wecker-Konzerte besucht!\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er ist und bleibt ein urbayrisches Urgestein, ein konstruktiver Querkopf, ein poetischer Agitator, ein z&auml;rtlicher Revolution&auml;r &ndash; der selbsternannte &bdquo;anarcho-syndikalistische Fr&uuml;hromantiker&ldquo; <strong>KONSTANTIN WECKER<\/strong>. Auch mit 69 Jahren brilliert der Absolvent der Musikhochschule M&uuml;nchen als steter Fels in der Brandung von Oberfl&auml;chlichkeit, Ungerechtigkeit, Kriegsgel&uuml;sten und Hedonismus. Er ist ein ehrlicher Kerl, der f&uuml;r etwas steht &ndash; an dem und seinen Liedern man sich so herrlich reiben kann, aber eben zugleich ein ums andere Mal nachdenklich wird und in sich geht, selbst wenn man in manchen Punkten bez&uuml;glich seiner Denkweise weltanschaulich eine vollkommen andere Linie vertritt.<\/p>\n<p>Vor 30 Jahren, am 31. Mai 1986, besuchte ich mein allererstes Wecker-Konzert im Hamburger Stadtpark-Rund &sbquo;open Air&lsquo;, damals Konstantin solo am Klavier, mit dem viel zu fr&uuml;h von uns gegangenen Saxophon-Genie Klaus Kreuzeder als einzigem Stargast. Es sollten bis heute bestimmt zehn bis 15 weitere folgen &ndash; und nun, am vergangenen Mittwoch, dem 19. Oktober 2016, machte sich der selbsternannte &bdquo;Anarchokonservative&ldquo; Holger S. auf zu seinem von weit links kommenden &sbquo;Bruder im Geiste&lsquo;, als dieser, begleitet von einer vorz&uuml;glich agierenden, h&ouml;chstversierten, vierk&ouml;pfigen Band, unter dem Motto <strong>&bdquo;Revolution&ldquo;<\/strong> in der Christuskirche, einem evangelischen Gotteshaus nahe des Bochumer Rathauses, f&uuml;r knapp drei Stunden (inkl. 20min&uuml;tiger Pause) gastieren sollte.<\/p>\n<p>Ca. 300 Sympathisanten besetzten die B&auml;nke der Kirche. &Uuml;berwiegend Vertreter der 50plus-Generation, viele K&auml;mpfer aus 1968ff, leider nur ganz wenige j&uuml;ngere Menschen, verfolgten gespannt diesen zutiefst niveauvollen, teils gar akademischen Abend, bestehend aus den gro&szlig;en Wecker-Klassikern der 70er und 80er Jahre, gepaart mit einigen Geheimtipps und nat&uuml;rlich untermalt von manch neueren Liedern aus den letzten beiden Studioalben des ph&auml;nomenalen Wortspielers, Dichters und Formulierers, die da hei&szlig;en &bdquo;Wut und Z&auml;rtlichkeit&ldquo; (2011) und &bdquo;Ohne Warum&ldquo; (2015).<\/p>\n<p>Um Punkt 20.00 Uhr, begann die &bdquo;Revolution in der Kirche&ldquo;, wie der Star des Abends sp&auml;ter lachend anmerkte, mit dem diesmal sacht bluesig inspirierten Fr&uuml;hwerk <strong>&bdquo;Ich singe, weil ich ein Lied hab&ldquo;<\/strong> (1975, aus der gleichnamigen, ultrararen Live-LP, die im Hamburger &bdquo;Onkel P&ouml;&ldquo; mitgeschnitten wurde), erst solistisch am Piano, sp&auml;ter stieg die so h&uuml;bsche, wie hochtalentierte Bassistin und Cellistin Fany Kammerlander mit ein und es kam somit zur kreativen Genese eines prickelnd gef&uuml;hligen Klangspiels voller &uuml;ppiger Leidenschaft.<\/p>\n<p>Stilwechsel: Hardrockig, als eine Art &bdquo;kammermusikalischer Heavy-Metal&ldquo;, erschall <strong>&bdquo;Das macht mir Mut&ldquo;<\/strong>, ein dralles Friedensepos aus den 80ern (Titelgeber der (ersten) 1982er-LP), garniert mit einem kreischenden E-Gitarren-Solo, das von dem Ex-Gitarrero von Rio Reiser, Manuel Lopez, gezaubert wurde, der &bdquo;Blues-Legende aus M&uuml;nchen&ldquo;, wie Konstantin ihn &ndash; ganz zurecht &ndash; titulierte.<\/p>\n<p>Aus dem Jahre 1979 bzw. der seinerzeit ver&ouml;ffentlichten Live-Doppel-LP, stammt das beklemmende Drama <strong>&bdquo;Vaterland&ldquo;<\/strong>, das &uuml;ber einen NS-Widerstandsk&auml;mpfer und &sbquo;alten Sozi&lsquo; berichtet, dessen Sohn durch einen falschen Umgang in der Brutalo-Neonazi-Szene gelandet ist und dabei sogar einen Mord begeht. &bdquo;Vom Vaterland&ldquo; ging es ohne Umschweife direkt &bdquo;zum Vatersein&ldquo;: Seiner aktuellen CD &bdquo;Ohne Warum&ldquo; entnahm Konstantin eine ganz pers&ouml;nliche Ehrerbietung zugunsten seiner 17 und 19j&auml;hrigen S&ouml;hne, die bald fl&uuml;gge werden und das Elternhaus verlassen. In <strong>&bdquo;An meine Kinder&ldquo;<\/strong> erkl&auml;rt er seinen Spr&ouml;sslingen, wie lieb er sie immer hat, dass er sie nie belehren wollte und will, dass sie ihren eigenen Kopf behalten und sie keinesfalls in einen Krieg ziehen, eine Unform anziehen sollten.<\/p>\n<p>Nun stand eine Art Potpourri auf dem Programm, ohne gr&ouml;&szlig;ere Ansagen und Unterbrechungen. Dieses war zusammengesetzt aus dem legend&auml;ren, so offenherzigen, wie atmosph&auml;rischen, an die Substanz gehenden <strong>&bdquo;Liebeslied&ldquo;<\/strong> (1976, aus der LP &bdquo;Weckerleuchten&ldquo;), dem ein vergangenes Jahr res&uuml;mierenden <strong>&bdquo;Kleinen Herbstlied&ldquo;<\/strong> (1994, aus &bdquo;Uferlos&ldquo;) und &ndash; dies MUSS einfach bei jedem Wecker-Konzert bedacht werden &ndash; dem ultimativen Kultsong <strong>&bdquo;Wenn der Sommer nicht mehr weit ist&ldquo;<\/strong>, ebenfalls genannter 1976er-Scheibe entstammend.<\/p>\n<p>In flottem Reggae-Rhythmus gehalten, vernahmen wir nun das &bdquo;Liebeslied eines gereiften Herren&ldquo; (Zitat: K.W.), welches da hei&szlig;t &bdquo;<strong>Weil ich Dich liebe&ldquo;<\/strong>, das auf der 2011er-CD &bdquo;Wut und Z&auml;rtlichkeit&ldquo; erstver&ouml;ffentlicht, und nun, von Meister Wecker im Duett mit Fany Kammerlander, zum Besten gegeben wurde, wobei es sich das hingerissene Publikum nicht nehmen lie&szlig;, den Refrain lauthals mitzusingen.<\/p>\n<p>Parodistisch begann nun derjenige Part der Show, der &ndash; lyrisch, wie musikalisch &ndash; auf au&szlig;erordentlich sarkastische, somit sehr ansprechende Art und Weise das hedonistische Gedankengut des Heute und Hier bissig auf die Schippe nahm. Mittels ihrer I-Phones (!), erzeugten die vier Bandmitglieder synthetische Percussions, Basslaute, Schlagzeugsounds und Keyboards &ndash; und in diesem Sinne, als allererste &bdquo;I-Phone-Liveband&ldquo; &uuml;berhaupt, zelebrierten Konstantin und die Seinen (die auch den Chorgesang &uuml;bernahmen), nun den wahrlich genialischen Swing-Ragtime-Verschnitt <strong>&bdquo;Es geht uns gut&ldquo;<\/strong> (2001, aus der CD &bdquo;Vaterland&ldquo;). Weiter ging es &ndash; gleichfalls den dekadenten Zeitgeist ins Mark treffend &ndash; mit dem fetzigen, absichtlich &uuml;berkandidelten Boogie-Blues-Rock&rsquo;n&rsquo;Roll &uuml;ber die gewissen D&uuml;sseldorfer <strong>&bdquo;Damen von der K&ouml;&ldquo;<\/strong>, ausgeschm&uuml;ckt mit so herrlichen Textzeilen, wie &bdquo;Und die geben sich fr&ouml;h \/ im Club Priv&ouml;h \/ &Uuml;berall ist die K&ouml; \/ f&uuml;r Verbl&ouml;det&ouml;&ldquo; (wenn ich jetzt beg&auml;nne, alle diejenigen MenschInnen namentlich aufzuz&auml;hlen, denen ich gerade diese beiden punktgenauen Betrachtungen ihres &ouml;berfl&ouml;chlichen Weltbild&ouml;s widmen mag, sprengte mein Artikel alle nur erdenklichen Rahm&ouml;n \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Einer griffigen Debatte &uuml;ber Reizbegriffe der Sorte &bdquo;Minus-Zins&ldquo;, &bdquo;Bargeld-Abschaffung&ldquo;, &bdquo;Waffenhandel&ldquo;, &bdquo;Waffenexporte&ldquo; etc. entstieg daraufhin der nicht weniger bitterstb&ouml;se <strong>&bdquo;Waffenh&auml;ndler-Tango&ldquo;<\/strong> (aus der 2002er-CD &bdquo;Vaterland &ndash; Live&ldquo;).<\/p>\n<p>Der 1912 verstorbene Dichter Georg Heym, einer der wichtigsten Vertreter des fr&uuml;hen literarischen Expressionismus, hatte Konstantin Wecker schon in dessen Teenagerzeit in seinen Bann gezogen. Er habe, so der K&uuml;nstler in Bochum, alle Schrecken des I. Weltkriegs bereits ein Jahr vor seinem fr&uuml;hen Tod penibel vorausgesehen. Daher hatte sich der wortstarke Liedermacher aus der &sbquo;Weltstadt mit Herz&ldquo; 2015 dazu entschieden, ebenjenes Gedicht, <strong>&bdquo;Der Krieg&ldquo;<\/strong>, symphonisch zu vertonen und demselben ein paar Strophen hinzuzuf&uuml;gen. Diesem faszinierenden Exkurs in die Literatur des beginnenden 20. Jahrhunderts, folgte die &ndash; zu ihrem Entstehungszeitpunkt, mitten im &bdquo;Kalten Krieg&ldquo; der 70er und 80er Jahre, genau gesagt: 1982 auf der LP &bdquo;Wecker&ldquo;, nicht unumstrittene und im konservativen Lager heftigen Widerspruch hervorgerufen habende &ndash; pazifistische Ballade <strong>&bdquo;Wenn unsre Br&uuml;der kommen&ldquo;<\/strong>, die Konstantin 1983 auf verschiedenen Friedensfestivals gemeinsam mit US-Folk-Heldin Joan Baez intoniert hatte.<\/p>\n<p>Dieses klingende Zeitzeugnis aus der Hochphase der Friedensbewegung beendete den ersten Teil des Bochumer Auftritts von Konstantin Wecker, an den nun erst einmal eine knapp 25min&uuml;tige Pause anschloss.<\/p>\n<p><strong>&bdquo;Die Gedanken sind frei&ldquo;<\/strong> ist ein deutsches Volkslied, welches seinen Ursprung im 18. Jahrhundert hat. In akustischem Arrangement, mit Laute, Mandoline und Akustik-Gitarren, im Stil der &bdquo;Stra&szlig;enmusik der 70er Jahre&ldquo; (Zitat: K.W.) um ein feuriges Irish-Folk-Intermezzo angereichert, trug Konstantin als ersten Titel nach der Pause, eine modifizierte Fassung dieses Traditionals vor, garniert mit Spitzen gegen CIA, NSA oder die Algorithmen von Google, wobei das Auditorium kraftvoll chorartig mitsang. Nun stellte der &ndash; trotz viel zu weniger Zuschauer &ndash; sehr gl&uuml;cklich aufscheinende Liederpoet seine Band vor. Bassistin und Cellistin <strong>Fany Kammerlander<\/strong> war bereits mit &bdquo;ex-&bdquo;Police&ldquo;-Frontmann Sting und diversen Symphonieorchestern unterwegs, Schlagzeuger und Bassist <strong>Wolfgang Gleixner<\/strong> spielt seit 1999 bei der niederbayerischen Mundart-Folk-Formation &bdquo;Haindling&ldquo;, Gitarrist <strong>Manuel Lopez<\/strong> war, wie erw&auml;hnt, in der Tourband von Rio Reiser &ndash; und Keyboarder\/Pianist\/Trompeter <strong>Jo Barnikel<\/strong> ist nicht nur &bdquo;musikalischer Leiter&ldquo; der aktuellen Wecker-Band, sondern, wie Konstantin augenzwinkernd sagte, im Grunde genommen sein &bdquo;musikalischer Lebensgef&auml;hrte&ldquo;, seit inzwischen &uuml;ber einem Vierteljahrhundert.<\/p>\n<p>Seit seiner Jugend sieht sich der &bdquo;anarcho-syndikalistische Fr&uuml;hromantiker&ldquo; K.W., neben Rainer Maria Rilke oder den Gebr&uuml;dern (von) Schlegel, ganz besonders von dem Sachsen-Anhaltiner Dichter und Philosophen &bdquo;Novalis&ldquo; (alias Georg Philipp Friedrich von Hardenberg) beeindruckt und beeinflusst. Dessen im Jahr 1880 verfasstes Gedicht &bdquo;Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren&ldquo; wurde nun eine anspruchsvolle Vertonung durch seinen gro&szlig;en Fan Konstantin zuteil, im Rahmen derer dieser der Urfassung zwei weitere Reime hinzudichtete. Daraus gebar er die vertrackte Komposition <strong>&bdquo;Novalis&ldquo;<\/strong> (aus &bdquo;Ohne Warum&ldquo;), die nun auch in seinem Konzertrepertoire in der Christuskirche zu Bochum zum Einsatz kam.<\/p>\n<p>Das ebenfalls &bdquo;Ohne Warum&ldquo; entliehene Rockchanson <strong>&bdquo;Heiliger Tanz&ldquo;<\/strong> f&uuml;hrte &uuml;ber in diejenige rock&rsquo;n&rsquo;rollige Ode auf eine gemeinsame Freundin von Konstantin und dem Verfasser dieser Zeilen, die da den sch&ouml;nen Namen tr&auml;gt <strong>&bdquo;Anna &ndash; Anarchie&ldquo;<\/strong> (1984, aus der LP &bdquo;Inwendig warm&ldquo; &ndash; und bis heute einer meiner ganz speziellen Wecker-Favoriten!).<\/p>\n<p>Im Juli 2015 hatte Konstantin, in Kooperation mit einer griechischen und einer j&uuml;dischen S&auml;ngerin, aus Anlass des 90. Geburtstags des griechischen Komponisten und Politaktivisten Mikis Theodorakis das <strong>&bdquo;Lied der Lieder&ldquo;<\/strong> aus der &bdquo;Mauthausen-Kantate&ldquo; auf Deutsch, Griechisch und Hebr&auml;isch gesungen, welches er nun ernsthaft, and&auml;chtig und authentisch in Bochum vortrug. Es erklangen nun die w&uuml;tenden, trotzigen, fordernden Protestlieder <strong>&bdquo;Sage Nein&ldquo;<\/strong> (2001) und <strong>&bdquo;Emp&ouml;rt Euch&ldquo;<\/strong> (2011), unterbrochen von einem bei&szlig;enden <strong>&bdquo;H&ouml;ckerick&ldquo;<\/strong>, also einem &auml;tzenden Spottgedicht im Limerick-Format auf den deutscht&uuml;melnden AFD-Rechtsau&szlig;en Bj&ouml;rn H&ouml;cke.<\/p>\n<p>Etwas arg polemisch und zeigefingerschwenkend wirkte dagegen eine daran anschlie&szlig;ende Semi-Parteitagsrede gegen den &bdquo;Finanzkapitalismus&ldquo;, der, laut Konstantin, das &bdquo;Mitgef&uuml;hl, die Solidarit&auml;t&ldquo; unter den Menschen zerst&ouml;ren will, weshalb er diese aufforderte: &bdquo;Denkt mit dem Herzen&ldquo; (Zitat). Dies mag utopisch und sch&ouml;ngeistig gemeint sein, realisierbar ist es beim besten Willen jedoch nicht. Dieses allzu agitativ vorgebrachte &sbquo;Wecker&rsquo;sche Manifest&lsquo; leitete &uuml;ber in das aktuelle Folk-Rock-Chanson <strong>&bdquo;Ich habe einen Traum&ldquo;<\/strong> &ndash; bevor sich die Band zum ersten Mal an diesem Abend verabschiedete, unter lautem, begeisterten Jubel der anwesenden G&auml;ste.<\/p>\n<p>Als Konstantin um 22.10 Uhr erneut die B&uuml;hne der Christuskirche erklomm, gab&rsquo;s erstmal eine kleine Geschichtslektion in Sachen &bdquo;Revolution&ldquo; &ndash; dieser Begriff dient ja immerhin als Obermotto seiner derzeitigen Tournee. Er erz&auml;hlte von der &nbsp;R&auml;terepublik in Bayern 1919, die gerade mal drei Wochen lang gehalten hat, berief sich auf den anarchistischen Schriftsteller Oskar Maria Graf, der sich selbst an den damaligen Umw&auml;lzungen beteiligt hatte, und zitierte aus dessen Memoiren &bdquo;Gel&auml;chter von Au&szlig;en&ldquo; die eine oder andere Anekdote aus jenen Zeiten &ndash; um danach den brachialen Hymnus <strong>&bdquo;Revolution&ldquo;<\/strong> aus seiner neuesten Produktion &bdquo;Ohne Warum&ldquo; anzustimmen.<\/p>\n<p>F&uuml;r die Intonation des so hei&szlig;bl&uuml;tigen, wie zeitkritischen Trinkchansons mit Widerhaken, <strong>&bdquo;Questa Nuova Realta (Was f&uuml;r eine Nacht)&ldquo;<\/strong>, welches 1993 in Zusammenarbeit mit dem italienischen Liedermacher Pippo Pollina f&uuml;r das Album &bdquo;Uferlos&ldquo; ersonnen worden war, mischte sich Konstantin im Zuschauerraum unter das Publikum, danach sang Bassistin Fany Kammerlader ein spanisches Revolutionslied, bevor das bislang unver&ouml;ffentlichte Gedicht <strong>&bdquo;Ich danke Dir, Leben&ldquo;<\/strong> in Liedform zur Auff&uuml;hrung kam. Dieses ging bald &uuml;ber in das chilenische Freiheitslied <strong>&bdquo;Gracia la Vida&ldquo;<\/strong>, welches 1971 von der argentinischen S&auml;ngerin Mercedes Sosa zu einem realen Hippie-Welthit ausgestaltet worden war; auch hier &uuml;bten sich Konstantin und Fany in puncto Zwiegesang.<\/p>\n<p>In denjenigen Minuten, als ich das Konzert leider eine Viertelstunde vor Schluss, also gegen 22.40 Uhr, verlassen musste, um meine Stra&szlig;enbahn zur&uuml;ck nach Gelsenkirchen gut erreichen zu k&ouml;nnen, entz&uuml;ndeten Konstantin und seine Band noch den von R.M. Rilke inspirierten <strong>&bdquo;Weltenbrand&ldquo;<\/strong> (aus &bdquo;Wut und Z&auml;rtlichkeit&ldquo;) &ndash; w&auml;hrenddessen zwang mich der Bahnfahrplan allerdings dazu, dem tats&auml;chlich phantastischen Konzert Lebewohl zu sagen.<\/p>\n<p><strong>Konstantin Wecker<\/strong>s &sbquo;musikalische Revolution&lsquo; an jenem &ndash; diesmal recht milden &ndash; Herbstabend war einmal mehr ein H&ouml;r-, (Nach)Denk-, und (Mit)F&uuml;hl-Genuss sondergleichen. Mit fester, beherzter, oft klassische, E-musikalische Phrasierungen streifenden Stimme, die noch genauso jung, frisch und &uuml;berzeugend klingt, wie es vor 30 Jahren im Hamburger Stadtpark der Fall war, f&uuml;hrte uns Konstantin in &bdquo;Weckers Welt&ldquo;, die oft sehr illusion&auml;r, vision&auml;r, sicherlich gutgemeint und idealistisch, aber nicht immer politisch-gesellschaftlich umsetzbar ist. Um einen <strong>Konstatin Wecker<\/strong> in all seinen Facetten und Ausdrucksformen zu verstehen, nachvollziehen zu k&ouml;nnen, bedarf es au&szlig;erdem gewisser Kenntnisse von Literatur, Zeitgeschichte und weltweiter Politik &ndash; ich denke, diese waren bei nahezu allen Zuschauern in Bochum ausgepr&auml;gt vorhanden. <strong>Konstantin Wecker<\/strong> ist eine Figur f&uuml;r sich, eine Ausnahmeerscheinung in der einheimischen Poplyrik, ein kantiger Mensch ohne Starall&uuml;ren, dessen Texte und Aussagen derart filigran, philosophisch, dabei direkt und geradeaus geraten bzw. ausgefallen sind, dass man sich mit seinen Texten h&auml;ufig auch dann identifizieren, sich darin wiederfinden kann, wenn man manche seiner politischen Aussagen eher skeptisch betrachtet. Es war ein grandioser Abend mit einem unverwechselbaren K&uuml;nstler!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p>Weitere Informationen findet man hier: <a href=\"http:\/\/www.wecker.de\">www.wecker.de<\/a>!<\/p>\n<p>\n<em>Foto-Credit: Annik Wecker<\/em><\/p>\n<p>Holger St\u00fcrenburg, 19.\/20. Oktober 2016<\/p>\n<p>http:\/\/www.wecker.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Ein grandioser Abend mit einem unverwechselbaren K\u00fcnstler&#8220;, res\u00fcmiert St\u00fcrenburg, der seit drei\u00dfig Jahren Wecker-Konzerte besucht!\u00a0 Er ist und bleibt ein<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":72497,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[21],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72496"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=72496"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72496\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/72497"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=72496"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=72496"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=72496"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}