{"id":72172,"date":"2016-11-01T15:15:00","date_gmt":"2016-11-01T15:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=72172"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"smago-INFORMIERT-Millionen-Deut-72171","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/smago-informiert\/smago-INFORMIERT-Millionen-Deut-72171\/","title":{"rendered":"smago! INFORMIERT <br \/>Millionen Deutsche im Netz ausgesp\u00e4ht:"},"content":{"rendered":"<p>Spionage per Add-on!\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie sind die Datenh&auml;ndler an die Daten von drei Millionen Deutschen gekommen, &uuml;ber die die NDR Fernsehmagazine &quot;Panorama&quot; und &quot;Zapp&quot; berichten (s. NDR Pressemeldung &quot;Ausgesp&auml;ht: Intime Daten von Millionen Deutschen im Handel&quot; vom 1. November)? Eine zentrale Rolle spielen hier offenbar kostenlose Zusatzprogramme mit einer versteckten Aussp&auml;hfunktion. In den Recherchen des NDR fiel etwa eine Browser-Erweiterung der Firma &quot;Web of Trust&quot; (WOT) auf.<\/p>\n<p>WOT bietet eigentlich einen Service an, der dem Nutzer dabei helfen soll, sicher zu surfen: Die Erweiterung pr&uuml;ft die Integrit&auml;t von Webseiten, bewertet besuchte Seiten anhand eines Ampel-Systems im Hinblick auf Sicherheit. &quot;Finden Sie sofort heraus, welchen Websites Sie vertrauen k&ouml;nnen&quot;, lautet ein Slogan der Firma. Im Hintergrund protokolliert und &uuml;bermittelt die Erweiterung aber auch die Daten zum Surf-Verhalten des Nutzers an einen Server im Ausland. Dort wird ein Profil erstellt, bei dem Datum, Uhrzeit, Ort und angesteuerte Web-Adresse gemeinsam mit einer Nutzer-Kennung abgespeichert werden. Diese Daten gehen dann an Zwischenh&auml;ndler. Von einem dieser Zwischenh&auml;ndler haben &quot;Panorama&quot; und &quot;Zapp&quot; ihren Datensatz bezogen. Nach den Recherchen betrifft das Aussp&auml;hen die WOT-Erweiterungen mehrerer g&auml;ngiger Browser. Experten gehen davon aus, dass WOT nicht die einzige Erweiterung ist, sondern sich die Daten-Sammler Dutzender, wenn nicht Hunderter unterschiedlicher Browser-Addons bedienen.<\/p>\n<p>WOT weist auf seiner Webseite darauf hin, dass die Erweiterung Daten wie etwa Web-Adressen abgreift und an Dritte weitergibt. Allerdings, so betont die Firma, seien diese Daten anonym. Reporter des NDR konnten indes in Stichproben mehr als 50 Nutzerinnen und Nutzer pers&ouml;nlich identifizieren, zum Beispiel &uuml;ber E-Mail-Adressen, in denen der Name steht, Anmeldenamen oder andere Bestandteile der aufgerufenen URLs. Auf Anfragen des NDR reagierte das Unternehmen nicht.<\/p>\n<p>Hinter der WOT-Erweiterung steht eine der weltweit gr&ouml;&szlig;ten Bewertungsplattformen f&uuml;r Webseiten, die sich ebenfalls &quot;Web of Trust&quot; nennt. Sie hat ihren Sitz in Finnland. Die WOT-Erweiterungen f&uuml;r beliebte Browser wie Firefox und Chrome wurden nach Angaben der Firma mehr als 100 Millionen Mal heruntergeladen.<\/p>\n<p>Der Datenschutzbeauftrage Hamburgs, Johannes Caspar, erkl&auml;rt dazu im NDR Interview: &quot;Zur Weitergabe von personenbezogenen Daten brauchen Unternehmen grunds&auml;tzlich eine Einwilligung der Betroffenen.&quot; Dazu m&uuml;sse der Nutzer genau wissen, wozu er zustimmt. Dies sei bei WOT nicht der Fall. &quot;Hier wird ja deutlich gesagt, es handelt es sich nicht um personenbezogene Daten, was nicht stimmt&quot;, so Caspar weiter. &quot;Die Bezeichnung &#39;anonymisiert&lsquo; ist hier nicht richtig&quot;, sagte Caspar. Eine massive Auswertung der Daten sei daher nach deutschem Recht &quot;nicht zul&auml;ssig&quot;.<\/p>\n<p>\nMehr dazu in &quot;Panorama 3&quot;, Dienstag, 1. November, 21.15 Uhr, NDR Fernsehen!<\/p>\n<p>\n&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<strong>Ausgesp&auml;ht: Intime Daten von Millionen Deutschen im Handel<\/strong><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was wir im Internet tun, zeigt, wer wir sind: Einkaufen, Bank-Gesch&auml;fte, Reiseplanung oder Porno &#8211; alles online. Multinationale Firmen machen aus diesen Informationen ein Milliardengesch&auml;ft. Sie sind in der Lage, jeden Schritt mitzuzeichnen, den User im Internet unternehmen. Diese Informationen verkaufen sie dann in Paketen weiter &#8211; angeblich anonymisiert und ohne Schaden f&uuml;r den Nutzer. Recherchen des NDR zeigen indes, wie einfach sich diese Daten konkreten Personen zuordnen lassen und wie umfangreich sie intime Details aus dem Leben der Nutzer preisgeben.<\/p>\n<p>In einer monatelangen Recherche konnten Reporter der NDR Fernsehmagazine &quot;Panorama&quot; und &quot;Zapp&quot; Zugang zu einem umfangreichen Datensatz erlangen und ihn auswerten. Darin enthalten ist jede Bewegung von Millionen von Internet-Nutzern im Monat August. Mit den Daten l&auml;sst sich das Leben der User bis in den intimsten Bereich nachzeichnen. In dem Datensatz finden sich neben privaten Nutzern auch Personen des &ouml;ffentlichen Lebens: Manager, Polizisten, Richter, Staatsanw&auml;lte und Journalisten.<\/p>\n<p>Ihre Internetaktivit&auml;ten geben intime Geheimnisse aus dem Berufs- und Privatleben preis: Informationen zu laufenden Polizei-Ermittlungen, die Sado-Maso-Vorlieben eines Richters, interne Umsatz-Zahlen eines Medien-Unternehmens und Suchanfragen zu Krankheiten, Prostituierten und Drogen. Die Daten lassen auch R&uuml;ckschl&uuml;sse darauf zu, wann sich einzelne Nutzer wo aufgehalten haben und erlauben so, Bewegungsprofile zu erstellen. Insgesamt umfasst der ausgewertete Datensatz mehr als zehn Milliarden Web-Adressen, aufgerufen von rund 3 Millionen Usern aus Deutschland.<\/p>\n<p>Wie nackt sich die Nutzer im Netz unfreiwillig darstellen, zeigt das Beispiel eines Managers aus Hamburg. Sein Datensatz beinhaltet unter anderem eine Reihe von Links zu einem Online-Speicher-Dienst, bei dem er Unterlagen zu einem Hausbau abgelegt hat. Jeder, der diese Adressen kennt, kann dar&uuml;ber Kontoausz&uuml;ge, Architektenzeichnungen, Lohnabrechnungen mit Hinweisen auf das Bonus-System des Arbeitgebers, eine Kopie des Personalausweises und detaillierte Ausz&uuml;ge aus den Unterlagen zu einem Bankkredit abrufen. Dabei sind Namen und Anschrift des Managers und seiner Frau ebenso sichtbar wie Telefonnummern und E-Mail-Adressen. Kriminelle k&ouml;nnten mit Hilfe dieser Unterlagen die Identit&auml;t des Mannes kapern oder ihn mit den Details zu seinem Surf-Verhalten erpressen.<\/p>\n<p>Um an die Informationen zu gelangen, haben die NDR Reporter eine Schein-Firma gegr&uuml;ndet, die vorgeblich im &quot;Big Data&quot;-Gesch&auml;ft aktiv ist. Gleich mehrere Firmen zeigten sich bereit, die Web-Daten deutscher Internet-Nutzer verkaufen zu wollen &#8211; ein Unternehmen bot die nun ausgewerteten Daten schlie&szlig;lich als kostenlose Probe an.<\/p>\n<p>Datenpakete wie dieses bieten unz&auml;hlige Firmen an. Erhoben werden die Daten unter anderem durch sogenannte Browser-Erweiterungen. Diese kleinen Zusatz-Programme dienen sich als praktische Helfer im Alltag an, zum Beispiel, um Downloads zu verwalten oder die Sicherheit von Webseiten zu pr&uuml;fen. Doch einmal installiert, &uuml;bermitteln die Programme im Hintergrund alle besuchten Seiten eines Nutzers an einen Server, wo die Daten gesammelt und zu Nutzerprofilen geb&uuml;ndelt werden. Diese Datens&auml;tze werden etwa an die Werbe-Industrie verkauft, um gezielt Anzeigen zu schalten. Die meisten Unternehmen betonen in ihren Datenschutzerkl&auml;rungen, sie w&uuml;rden keine pers&ouml;nlichen Daten erheben, die R&uuml;ckschl&uuml;sse auf die Identit&auml;t der Nutzer zulassen. Die Recherche des Politikmagazins &quot;Panorama&quot; zeigt, dass sich den Informationen durchaus die betreffenden Personen zuordnen lassen.<\/p>\n<p>Der netzpolitische Sprecher der SPD, Lars Klingbeil, zeigte sich &uuml;berrascht von den Recherchen. Er wertet sie als eine neue Form der &Uuml;berwachung im Netz. Es brauche &quot;auf jeden Fall Aufkl&auml;rung dar&uuml;ber, welche Daten eigentlich erhoben werden und was mit den Daten dann passiert&quot;, sagte Klingbeil dem NDR. &quot;Und wenn es nicht reicht, mit Vertrauen zu arbeiten, dann m&uuml;ssen Gesetze her&quot;, so Klingbeil weiter.<\/p>\n<p>Im NDR Fernsehen berichtet &quot;Panorama 3&quot; am Dienstag, 1. November, um 21.15 Uhr &uuml;ber das Thema. Das NDR Medienmagazin &quot;Zapp&quot; wird sich in seiner Sendung am Mittwoch, 2. November, um 23.20 Uhr im NDR Fernsehen mit konkreten F&auml;llen befassen, in denen Journalisten ausgeforscht wurden. Das NDR Politikmagazin &quot;Panorama&quot; im Ersten informiert am Donnerstag, 3. November, um 21.45 Uhr &uuml;ber F&auml;lle aus der Bundespolitik.<\/p>\n<p>Mehr Informationen zu den Sendungen finden Sie unter <strong><a href=\"http:\/\/www.panorama.de\">www.panorama.de<\/a><\/strong> und <strong><a href=\"http:\/\/www.NDR.de\/zapp\">www.NDR.de\/zapp<\/a><\/strong>. Auf Twitter informiert die Redaktion unter #nacktimnetz!<\/p>\n<p>NDR (Textvorlage)<br \/>https:\/\/www.ndr.de\/<br \/>http:\/\/www.panorama.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spionage per Add-on!\u00a0 Wie sind die Datenh&auml;ndler an die Daten von drei Millionen Deutschen gekommen, &uuml;ber die die NDR Fernsehmagazine<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":72173,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[33],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72172"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=72172"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72172\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/72173"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=72172"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=72172"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=72172"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}