{"id":72169,"date":"2016-11-02T00:00:00","date_gmt":"2016-11-02T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=72169"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"WESTERNHAGEN-Die-Doppel-CD-und-72168","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/deutsch-rock\/WESTERNHAGEN-Die-Doppel-CD-und-72168\/","title":{"rendered":"WESTERNHAGEN <br \/>Die Doppel-CD und -DVD &quot;MTV unplugged&quot; im Test von Holger St\u00fcrenburg!"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;stromlos&#8220; &#8211; und doch unter Strom &#8211; der purste und echteste Westernhagen seit Jahren! smago! Pr\u00e4dikat: &#8222;Absolut empfehlenswert!&#8220;!\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der in D&uuml;sseldorf geborene, langj&auml;hrige Wahl-Hamburger <strong>MARIUS M&Uuml;LLER-WESTERNHAGEN<\/strong> &ndash; der sich seit gleichnamiger 1987er-LP nur noch <strong>WESTERNHAGEN<\/strong> nennt &ndash; gilt als eine der verl&auml;sslichsten Konstanten in Sachen anspruchsvoller, deutscher Rockmusik mit unverkennbarem Blueseinschlag.<\/p>\n<p>Seit &uuml;ber 40 Jahren bet&ouml;rt das einstige &sbquo;Turnschuh-Idol&lsquo; Fans mehrerer Generationen mit knackigem, eing&auml;ngigem Rock und mal gef&uuml;hlvollen, mal trotzig-wilden, dann wiederum philosophischen, aber niemals abgehobenen, ausnahmslos am Ohr des Normalb&uuml;rgers verbleibenden (und daher von diesem auch jederzeit nachvollziehbaren) Texten.<\/p>\n<p>Zwischen 1978 (&bdquo;Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz&ldquo;) und 1981 (&bdquo;Stinker&ldquo;) lie&szlig; sich Westernhagen in erster Linie von den nicht verschnickten, nicht yuppifizierten, jungen Menschen, eben den &bdquo;Normalb&uuml;rgern&ldquo; jener Tage, feiern. Es folgte eine teils &uuml;beraus depressive, sehr nachdenkliche, oft wom&ouml;glich missmutige Phase, die zumeist mehr auf der Basis experimentellen Synthi-Rocks, als im Sinne erdigen Rock&rsquo;n&rsquo;Rolls vonstattenging, bevor der fr&uuml;here WG-Genosse von z.B. Udo Lindenberg, Otto Waalkes oder Willem F. Dincklage 1987 &ndash; eben mit genannter Erfolgsscheibe &bdquo;Westernhagen&ldquo; &ndash; nicht nur erneut an alte Reputationen anschlie&szlig;en, sondern dieselben sogar noch um ein Vielfaches zu erh&ouml;hen vermochte. Mit der so positiven, wie anmutigen Mitsing-Ballade &bdquo;Freiheit&ldquo; schuf er (in der Live-Fassung, 1990) mal eben <strong><em>den<\/em><\/strong> muttersprachlichen &sbquo;Soundtrack&lsquo; zur Deutschen Wiedervereinigung &ndash; die Kollegen der &bdquo;Scorpions&ldquo; hatten in jener st&uuml;rmischen &Auml;ra mit &bdquo;Winds of Change&ldquo; einen solchen auf Englisch vorgelegt-, und startete danach, in den 90er Jahren, mehrere hochgradig umjubelte Stadion-Tourneen mit nicht selten um die 100.000 Zuschauer pro Veranstaltung. Dies wurde dem per se &auml;u&szlig;erst sensiblen K&uuml;nstler auf Dauer zu viel, so dass er im Anschluss an die abermals alle Rekorde brechende 1999er-Tour zum Album &bdquo;Radio Maria&ldquo; &ndash; zu M&uuml;nchener Zeiten einer meiner Konzert-H&ouml;hepunkte des ausgehenden 20. Jahrhunderts &ndash; beschloss, in Futuro keine Megaevents in diesem &uuml;berdimensionalen Ausma&szlig; mehr zu geben.<\/p>\n<p>Im neuen Jahrtausend blieb Westernhagen &uuml;berwiegend ein Spezialistentipp; Massen an Fans konnte er mit neueren, h&auml;ufig sehr vertrackten oder aggressiven Produktionen a la &bdquo;In den Wahnsinn&ldquo; (2002), &bdquo;Nahaufnahme&ldquo; (2005) oder &bdquo;Williamsburg&ldquo; (2009) nicht mehr anlocken. Ausnahme: Die grandiose, trotzdem wieder in gr&ouml;&szlig;eren Hallen stattgefundene Tour zur famosen Best-of-Koppelung &bdquo;Wunschkonzert&ldquo; im Jahr 2008. F&uuml;r diese Konzertreihe und die dazugeh&ouml;rige CD hatten die Westernhagen-Freunde per Internet abstimmen k&ouml;nnen, welche Titel auf der Tour gespielt bzw. auf der CD kompiliert werden sollten.<\/p>\n<p>Nach seiner letzten Ver&ouml;ffentlichung &bdquo;Alphatier&ldquo; (2014), war von dem, nach seinem geschilderten Imagewechsel 1987 von Neidern als &bdquo;Armani-Rocker&ldquo; geschm&auml;hten Deutschrock-Heroen kaum mehr etwas zu vernehmen. Nun wurde Herr Westernhagen jedoch freundlich gefragt, ob er nicht Interesse daran habe, einen exklusiven Auftritt in Rahmen der seit nun schon knapp 25 Jahren praktizierten, daher l&auml;ngst legend&auml;ren Sendereihe &bdquo;MTV Unplugged&ldquo; zu absolvieren.<\/p>\n<p>Nachdem er dasselbe Anliegen zu seiner Hochphase, Anfang der 90er Jahre, zu Zeiten seines &bdquo;eigenen &bdquo;Hypes&ldquo;, wie Westernhagen selbst diese k&uuml;rzlich auf Spiegel.de bezeichnete, noch zur&uuml;ckgewiesen hatte, sagte er nun zu &ndash; und gastierte am Wochenende 16. und 17. Juli 2016 in der Berliner &bdquo;Volksb&uuml;hne am Rosa-Luxemburg-Platz&ldquo;. In diesen Heiligen Hallen der hauptst&auml;dtischen Hochkultur pr&auml;sentierte er, zusammen mit neun internationalen Begleitmusikern (darunter Friesen-Blueser Carl Carlton oder der britische Starsaxophonist Frank Mead, der bereits f&uuml;r Bluesrock-Gr&ouml;&szlig;en, wie Gary Moore, Bill Wyman oder Mickey Jupp, aufspielte), sechs Chors&auml;ngerinnen und &ndash;s&auml;ngern (u.a. Udo Lindenbergs st&auml;ndiger Vokalistin Nathalie Dorra oder der allseits gefragten Studiochanteuse Madeleine Lang, die schon mit Udo J&uuml;rgens oder Roland Kaiser gesungen hat) und einer Handvoll Starg&auml;sten, die ich noch einzeln hervorheben werde, insgesamt 24 Lieder &ndash; neu, ungesch&ouml;nt, stromlos, sacht und doch revolution&auml;r klanglich umgesetzt. Darunter finden sich die unvermeidlichen Gassenhauer und Generationshymnen der 70er-, 80er- und 90er-Kinder, sowie einige Exponate aus den teilweise eher umstrittenen Alben aus dem Zeitalter nach dem Millennium.<\/p>\n<p>Vor mir liegen nun &ndash; jeweils &uuml;ppig, mit bunten, bildreichen Beiheften ausstaffiert &ndash; die Doppel-CD <strong>&bdquo;MTV Unplugged&ldquo;<\/strong>, sowie die ebenso betitelte Doppel-DVD, die k&uuml;rzlich bei VIRGIN\/Universal der &Ouml;ffentlichkeit zug&auml;nglich wurden und sich garantiert zu einem der spezifischen Renner im laufenden Weihnachtsgesch&auml;ft entwickeln d&uuml;rften.<\/p>\n<p>Ich konzentriere mich nun haupts&auml;chlich auf die Beschreibung der DVD, da so ein einzigartiges Konzert nat&uuml;rlich nicht nur einen ausgewiesenen H&ouml;rgenuss darstellt, sondern den Nicht-Dabeigewesenen zugleich visuell &uuml;berzeugen sollte (was im Falle Westernhagen, alleine schon durch die perfekte Regief&uuml;hrung des Hamburger Filmproduzenten Fatih Akin, fraglos von vorne bis hinten gelingt!)<\/p>\n<p>Mit dem akkordeondurchtr&auml;nkten 2005er-Country-Blues <strong>&bdquo;Willst Du tanzen&ldquo;<\/strong> (aus &bdquo;Nahaufnahme&ldquo;), in bester Tom-Waits-Melancholie gebadet, startet die rund 134min&uuml;tige &bdquo;Unplugged&ldquo;-Aufwartung des Marius M&uuml;ller-Westernhagen sogleich mit tiefster, innigster Emotionalit&auml;t, gefolgt von dem liebevoll kindlich-verliebten Titelsong der (damals vollkommen zu Unrecht (!) oft gescholtenen, inhaltlich sehr sarkastischen) 1983er-LP <strong>&bdquo;Geiler is&lsquo; schon&ldquo;<\/strong>, mittels dreier Akustikgitarren &ndash; inkl. einer Slide &ndash; aufs N&ouml;tigste abgemindert und somit von f&ouml;rmlich sp&uuml;rbarer, brennendster Ehrlichkeit und lakonischer Konsequenz durchzogen.<\/p>\n<p>Nun ert&ouml;nt es schleppend-rockig im morgendlichen Abschiedshymnus an eine n&auml;chtliche Kurzzeitliebe, <strong>&bdquo;Halt&lsquo; mich noch einmal&ldquo;<\/strong> (2014, aus &bdquo;Alphatier&ldquo;), woraufhin der erste Stargast des Abends die B&uuml;hne des Berliner Theaters betritt: Udo Lindenberg, in den 70ern WG-Mitbewohner von Marius, hatte bei seinem Geburtstagskonzert zu seinem eigenen 70. Ehrentag am 22. Mai 2016 in der Gelsenkirchener &bdquo;Arena auf Schalke&ldquo; (siehe <strong><a href=\"https:\/\/smago.de\/d\/artikel\/75403\/\">HIER &#8230;:<\/a><\/strong>) Besuch von seinem alten Freund erhalten. Gemeinsam schmetterten sie Udos Haudrauf-Deutung des 30er-Jahre-Klassikers &bdquo;Ich brech&lsquo; die Herzen der stolzesten Frauen&ldquo; und Marius&lsquo; 1989er-Partyknaller &bdquo;Sexy&ldquo; &ndash; und nun lud Herr Westernhagen Herrn Lindenberg zu seinem &bdquo;Unplugged&ldquo;-Gig ein. So drosch Udo bei Marius&lsquo; fetzigem 1978er-Kulthit <strong>&bdquo;Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz&ldquo;<\/strong> &ndash; mit Besen, versteht sich &#8211; die Trommeln, was das begeisterte Auditorium in der Bundeshauptstadt umgehend zum lauten Mitsingen und Mitklatschen veranlasste. In trauter Harmonie mit seiner neuen Lebensgef&auml;hrtin Lindiwe Suttle, intoniert der Vollblutmusiker mit derzeitigem Wohnort Berlin die einzige, bislang unver&ouml;ffentlichte Komposition auf jener Live-DVD: <strong>&bdquo;Luft zum Atmen&ldquo;<\/strong> ist eine prickelnde, leidenschaftliche Soulballade, die vorherigen Westernhagen-Schleichern qualitativ aber auch in rein gar nichts nachsteht, obwohl tats&auml;chlich nicht er die Melodie ersonnen hat, sondern seine junge Muse mit der kraftvollen Stimme, w&auml;hrend ihr Lebenspartner &bdquo;nur&ldquo; die deutschen Textworte dazu fand.<\/p>\n<p>Daran anschlie&szlig;end waren mal wieder zwei MMW-Gassenhauer an der Reihe: der nun beinahe Cajun\/Tex-Mex-angehauchte, einwenig am Shuffle orientiert neu arrangierte 1994er-Tophit <strong>&bdquo;Es geht mir gut&ldquo;<\/strong> (aus &bdquo;Affentheater&ldquo;) &ndash; garniert mit der noch immer so simplen, wie genialen (und nun mal vollst zutreffenden) Textzeile, die ich an dieser Stelle gerne unserer derzeitigen Bundesregierung widmen m&ouml;chte: &bdquo;Keine Ahnung &ndash; Keine Meinung &ndash; Kein Konzept&ldquo;&hellip; -, und eine gem&auml;chliche, im Tempo radikal gez&uuml;gelte, nahezu sakrale, streicherverst&auml;rkte Auslegung von <strong>&bdquo;Weil ich Dich Liebe&ldquo;<\/strong>, der zweiten Auskoppelung aus dem legendenbehafteten 1989er-Opus &bdquo;Halleluja&ldquo;.<\/p>\n<p>Der Titelsong von <strong>&bdquo;Alphatier&ldquo;<\/strong> entpuppt sich akustisch als unterschwellig brodelnder Swamp-Bluesrocker mit Widerhaken und Carl Carlton an der Slide. Derselben CD entstammt zudem das nun angestimmte, surreal-dunkle und doch so hoffnungsvolle, &uuml;ber sechsmin&uuml;tige Gef&uuml;hls-\/Polit-\/Freiheits-Drama <strong>&bdquo;Liebe um der Freiheit Willen&ldquo;<\/strong>. Marius&lsquo; englischsprachig aufgewachsene, 32j&auml;hrige Tochter MiMi unterst&uuml;tzt folgend ihren Herrn Papa bei dessen optimistischer 1983er-Hitballade <strong>&bdquo;Lass uns Leben&ldquo;<\/strong> (aus &bdquo;Geiler is&lsquo; schon&ldquo;), die sich &ndash; auch in akustischer Sichtweise &ndash; von leisem, zerbrechlichen Pianospiel zu einer nach Lebenssinn und Lebensfreude nur so schreienden, lechzenden Klangorgie per Excellance ausw&auml;chst. Der so grazile, wie energetische, von perlenden Akustikgitarren und Streicherb&ouml;gen gef&uuml;hrte Countryrocker <strong>&bdquo;Liebeswahn&ldquo;<\/strong> (aus &bdquo;Williamsburg&ldquo;, 2009) beschreibt das gewollte und doch gewisserma&szlig;en selbstzerst&ouml;rerische Nicht-Loskommen von einer mutma&szlig;lichen Traumfrau, die sich bei n&auml;herem Hinsehen vielmehr als &sbquo;Alptraumfrau&lsquo; erweist.<\/p>\n<p>In flottem, gitarrenbetonten Rhythmus &ndash; zwischen Springsteen und &bdquo;U2&ldquo; der ausgehenden 80er &#8211; verharrt gleicherma&szlig;en, die anspornende, widerborstige und dennoch traurig-verschwommene, musikalisch strikt riff-lastige&nbsp; Bluesrock-Ode <strong>&bdquo;Rosen&ldquo;<\/strong> (aus &bdquo;In den Wahnsinn&ldquo;). Als n&auml;chster Gast erklimmt daraufhin die sehr begabte Berliner Ex-Stra&szlig;enmusikerin Elen, um deren popmusikalische Karriere sich Westernhagen seit 2015 v&auml;terlich k&uuml;mmert, die Volksb&uuml;hne zu Berlin. Als feinsinniges Duett gestalten die beiden seinen 1999er-Hit <strong>&bdquo;Durch Deine Liebe&ldquo;<\/strong> (aus &bdquo;Radio Maria&ldquo;) in Form einer wiegenden Folk-Blues-Elegie aus, sehr vertraut und herzlich, mit Gro&szlig;meister Carlton an der Sitar.<\/p>\n<p>Hiernach endet die erste DVD des Zweier-Sets von &bdquo;MTV unplugged&ldquo;; Silberscheibe Numero Zwo beginnt mit einer fr&ouml;hlichen, sich am Traditional Irish Folksound anlehnenden Neustrukturierung des ansonsten ja eher als rockiger Fetenaufmischer gel&auml;ufigen 1994er-&bdquo;Auffentheater&ldquo;-Exponats <strong>&bdquo;Willenlos&ldquo;<\/strong>, inkl. Tin Whistle und Mandoline; zu einem dr&ouml;gen, staubtrockenen, zugleich verhalten souligen Gro&szlig;stadtblues mutiert schlie&szlig;lich, sich siedend hei&szlig; zur Explosion bringend, <strong>&bdquo;Schweigen ist Feige&ldquo;<\/strong>, seinerzeit erste Auskoppelung aus der derselben CD. Marius greift folgend zur Mundharmonika und zelebriert berstend, das flehende, fast apokalyptisch aufscheinende 1989er-Klanggebr&auml;u <strong>&bdquo;Nur ein Traum&ldquo;<\/strong> (aus &bdquo;Halleluja&ldquo;).<\/p>\n<p><em>&bdquo;Mit 18 lief ich in D&uuml;sseldorf rum <\/em>\/ <em>war S&auml;nger in `ner Rock&rsquo;n&rsquo;Roll Band&hellip;&ldquo;<\/em> hie&szlig; es im Er&ouml;ffner der geschichtstr&auml;chtigen 1978er-&bdquo;Pfefferminz&ldquo;-LP. F&uuml;r die &bdquo;Unplugged&ldquo;-Version dieses zuvor knallharten, nun sehr entschlackten Riffrockers namens &ndash; eben &ndash; <strong>&bdquo;Mit 18&ldquo;<\/strong> teilte sich Marius das Mikrophon mit Jan Plewka, dem Frontmann der Hamburger Alternative-Rocker &bdquo;Selig&ldquo; (von denen auch mal wieder ein Lebenszeichen bzw. eine neue Produktion eine anstrebenswerte Angelegenheit w&auml;re!). Aus Marius&lsquo; Deb&uuml;talbum &bdquo;Das erste Mal&ldquo; (1975), als er noch eher klassischem Liedermachertum, denn h&auml;rteren Rockkl&auml;ngen fr&ouml;nte, stammt die traumhafte Gro&szlig;stadtd&uuml;sternis <strong>&bdquo;Taximann&ldquo;<\/strong>. Diese hatte sich vor acht Jahren unerwarteter Weise zu einem expliziten, wenn zugegebenerma&szlig;en recht ungew&ouml;hnlichen Fanfavoriten entwickelt, nachdem dieses, zuvor kaum gr&ouml;&szlig;ere Reichweite erzielt habende Lied urpl&ouml;tzlich von den Mit-&bdquo;Votern&ldquo; in die Track- und Setlist der &bdquo;Wunschkonzert&ldquo;-Tour bzw. &ndash;CD gew&auml;hlt wurde. So ist es nicht verwunderlich, dass diese atmosph&auml;rische Milieustudie &uuml;ber den n&auml;chtlichen Heimweg eines angetrunkenen, vereinsamten Mannes, der sich mit seiner Freundin verkracht hat und nun nur noch ins warme Zuhause gelangen m&ouml;chte, wobei der Weg dorthin, so kurz er real auch sein mag, offenkundig den Anschein erweckt, er dauerte zig Stunden, gleicherma&szlig;en im &bdquo;Unplugged&ldquo;-Programm einen wichtigen Platz einger&auml;umt bekam.<\/p>\n<p>Ein ganz besonderes Unterfangen bedeutete f&uuml;r den vortragenden K&uuml;nstler die n&auml;chste Nummer. Es ist Usus, dass eine Band, eine S&auml;ngerin, ein S&auml;nger, bei einem &bdquo;MTV Unplugged&ldquo;-Konzert zumindest einen, nicht von ihm selbst geschrieben Titel miteinbaut. Nur wenige Monate nach dem fr&uuml;hen Tod des gro&szlig;artigen David Bowie, lieh sich Marius&lsquo; f&uuml;r seine Show in der &bdquo;Berliner Volksb&uuml;hne&ldquo; den im Original unweit dieser 1977 entstandenen, freiheitstrunkenen Dauerbrenner <strong>&bdquo;Heroes&ldquo;<\/strong> von dem unvergessenen &bdquo;Rock-Cham&auml;leon&ldquo; aus und interpretierte den urspr&uuml;nglichen Wave-Rocker im Modus eines stillen, verlangsamten, geradezu feierlichen Ambientes, das diesem phantastischen &ndash; &uuml;brigens mit der englisch\/deutschen Betextung versehenen &#8211; Meilenstein ein ganz spezielles, mystisches, intimes Flair verlieh.<\/p>\n<p>Im Anschluss an einen weiteren R&uuml;ckgriff auf ein Lied aus &bdquo;In den Wahnsinn&ldquo; &ndash; genau gesagt: auf das weihevolle, wundersame Weltuntergangsszenario <strong>&quot;Lichterloh&ldquo;<\/strong> -, stand zum gro&szlig;en Finale zuerst die hemmungslos hingerissene Arie auf die ultimative Superfrau <strong>&bdquo;Sexy&ldquo;<\/strong> auf der Liste, die zwar weiterhin rockig-treibend arrangiert worden war, dabei aber als weitaus ged&auml;mpfter und erwachsener erschien, als es 1989 beim eher provokativen, leicht postpubert&auml;ren, fraglos draufg&auml;ngerischen Original der Fall war. Das wohlige Liebeslied an seine elterliche Heimat im Rheinland, <strong>&bdquo;Wieder hier&ldquo;<\/strong> (aus &bdquo;Radio Maria&ldquo;, 1999), beendete den offiziellen Teil des Abends; f&uuml;r das aufbauende Statement <strong>&bdquo;Freiheit&ldquo;<\/strong> kamen Marius und Band &ndash; unter lautem &bdquo;Oh, wie ist das sch&ouml;n&ldquo;-Gejohle der l&auml;ngst von den Sitzen bzw. Sofas aufgesprungenen Zuh&ouml;rer &ndash; nochmals auf die B&uuml;hne&hellip; ja, und ganz zum Schluss gab es &ndash; wie seit Jahrzehnten bei Westernhagen-Konzerten &uuml;blich, diesmal allerdings ausschlie&szlig;lich von drei akustischen Gitarren gezirpt &ndash; den obligatorischen Lobgesang auf den schottischen Whiskey <strong>&bdquo;Johnnie Walker&ldquo;<\/strong> zu genie&szlig;en, der f&uuml;r manch vereinsamten Menschen den besten und einzigen Freund auf der Welt darstellt.<\/p>\n<p>Den meisten Musikfreunden, die in den letzten vier Dekaden ein offenes Ohr f&uuml;r deutschsprachige Rock- und Popkl&auml;nge besa&szlig;en und besitzen, zudem eine gute Portion an Affinit&auml;t zugunsten des unverschn&ouml;rkelten Blues aufweisen, d&uuml;rften sowohl <strong>MARIUS M&Uuml;LLER-WESTERNHAGEN<\/strong> als Person und kontinuierlicher Mentor dieser Stilistik ohnehin, als auch die meisten Lieder, die dieser im Hochsommer diesen Jahres in der &bdquo;Berliner Volksb&uuml;hne&ldquo; genussvoll von sich gab, ein fester Begriff sein, teils bereits seit Kinder- und Jugendzeiten.<\/p>\n<p>In dieser hier genutzten, elektrisierenden, wenn auch kaum elektrisch verst&auml;rkten Ausdrucksart einer gewissen R&uuml;ckf&uuml;hrung auf die Grunds&auml;tzlichkeit, den Kern, die lyrische und musikalische Substanz der einzelnen, dargereichten St&uuml;cke, haben wir aber den Heroen der gr&ouml;&szlig;ten Hallen und Stadien allerdings wohl noch nie erlebt. Nicht nur die klangliche Neuausrichtung, Neuformung, Reanimierung, oft vielleicht gar Wiedergeburt nicht weniger der ausgew&auml;hlten 24 Lieder, sondern auch und gerade das, was die filmische Umsetzung des Stoffs durch Fathi Akin betrifft, tragen daf&uuml;r Sorge, dass die Anschaffung des 2-DVDs-Sets <strong>&bdquo;MTV UNPLUGGED&ldquo;<\/strong> in musik-, wie kulturgeschichtlicher Hinsicht letztlich als Notwendigkeit aufgefasst werden sollte. <strong>MARIUS M&Uuml;LLER-WESTERNHAGEN<\/strong> hat &ndash; neben Udo Lindenberg oder Rio Reiser &ndash; als einer der ersten einheimischen Musiker hei&szlig;e Rock&rsquo;n&rsquo;Roll-Elemente anglo-amerikanischer Pr&auml;gung mit vielschichtigen, inhaltlich stets relevanten Reimen auf Deutsch in herausragender Manier verbunden. Dass seine Melodien gen&uuml;gend Tiefsinn und Nachhaltigkeit besitzen, weshalb diese ja entsprechend Jahrzehnte &uuml;berdauert haben, ohne jemals als altbacken oder gestrig klassifiziert worden zu sein, belegt auch und insbesondere diese hier penibel ausgef&uuml;hrte Reduktion auf deren Fundament &ndash; und Marius&lsquo; dichterische Exzesse laden sowieso immer wieder aufs Neue zum Nachdenken, Philosophieren und Mitf&uuml;hlen, ja, selbstverst&auml;ndlich auch zum Mitfeiern und Mitsingen, ein. Fazit: Absolut empfehlenswert!<\/p>\n<p>\n<img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/smago.de\/fotos\/pics\/images\/westernhagen_dcd2.jpg\" style=\"width: 512px; height: 512px;\" \/><\/p>\n<p>Holger St\u00fcrenburg, 31. Oktober\/01. November 2016<\/p>\n<p>http:\/\/www.westernhagen.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;stromlos&#8220; &#8211; und doch unter Strom &#8211; der purste und echteste Westernhagen seit Jahren! smago! 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