{"id":71917,"date":"2016-11-14T00:00:00","date_gmt":"2016-11-14T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=71917"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"ANGELIKA-EXPRESS-CD-Rezension-A-71916","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/pop\/ANGELIKA-EXPRESS-CD-Rezension-A-71916\/","title":{"rendered":"ANGELIKA EXPRESS <br \/>CD-Rezension: ANGELIKA EXPRESS \u2013 Alkohol"},"content":{"rendered":"<p>Stephan Imming meint: &#8222;Es kommt nicht immer auf die L\u00e4nge an&#8220; &#8230;!\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vermutlich nicht per Zufall fiel die Ver&ouml;ffentlichung des Konzeptalbums(!) zum Thema &bdquo;Alkohol&ldquo; der K&ouml;lner(!) Band Angelika-Express auf den 11.11. &ndash; ob das Album vor 11.11 Uhr erh&auml;ltlich war, ist jedoch nicht bekannt. F&uuml;r die Handhabung der Vinyl-LP (, der auch eine CD beiliegt,) gibt die Band eine praktische Bedienungsanleitung: &bdquo;<em>Erst kaufen &ndash; dann saufen<\/em>&ldquo;. Netterweise helfen sie auch den Freunden der &bdquo;Druckbetankung&ldquo;, indem sie das ganze Album in einer Minute zusammengefasst haben: <a href=\"https:\/\/soundcloud.com\/angelika-express\/1_minute_a-l-k-o-h-o-l\">https:\/\/soundcloud.com\/angelika-express\/1_minute_a-l-k-o-h-o-l<\/a> . Fertig geworden ist die im eigenen Studio in K&ouml;ln-M&uuml;lheim aufgenommene Scheibe &uuml;brigens am 5. August, dem &bdquo;internationalen Tag des Bieres&ldquo;.<\/p>\n<p>Manchmal f&uuml;hlt man sich beim Durchh&ouml;ren in die &bdquo;gute alte Zeit&ldquo; versetzt, als Fun-Punk insbesondere in Gestalt der &Auml;rzte, aber auch in Form der Abst&uuml;rzenden Brieftauben sehr erfolgreich war. Dass die Gruppe aber dennoch immer auf der H&ouml;he der Zeit war, bewies sie, indem sie bereits 2008 etwas unternahm, was heute als &bdquo;Crowdfunding&ldquo; recht bekannt ist &ndash; damit schafften sie sogar den Sprung in die ZDF-Nachrichtensendung &bdquo;heute&ldquo;: <a href=\"http:\/\/angelika-express.de\/category\/angelika-aktie\/\">http:\/\/angelika-express.de\/category\/angelika-aktie\/<\/a> .<\/p>\n<p>Das Album beginnt direkt mit der Zugpferd-Nummer &bdquo;<strong>Menschen brauchen Alkohol<\/strong>&ldquo;. Der weitere Songtext deutet darauf hin, wo die Reise des Albums hingeht: <em>&bdquo;&hellip;das macht lustig und frivol..<\/em>&ldquo;.<\/p>\n<p>Schon viele Schlager-Helden haben &uuml;ber die Verg&auml;nglichkeit und die Kurzlebigkeit der Zeit philosophiert, doch der Angelika Express bringt es in &bdquo;<strong>Wann l&auml;sst Du endlich los?<\/strong>&ldquo; auf den Punkt: &bdquo;<em>Jahre &#8211; kurz wie ein paar Klare<\/em>&ldquo; &ndash; wenn das keine Poesie ist.. &ndash; A propos &bdquo;Klare&ldquo; &ndash; ob diese oder eher andere Getr&auml;nke zu bevorzugen sind, stellt sich die Frage: &bdquo;<strong>Kurze oder Longdrinks?<\/strong>&ldquo; &ndash; wobei man allem Anschein nach keine Wahl hat und in beiden F&auml;llen zugreifen muss. Der Titel wurde vorab als Single ausgekoppelt.<\/p>\n<p>Lied Nummer 4 wird vielen Schlagerfreunden ein L&auml;cheln ins Gesicht zaubern: W&auml;hrend sonst immer die Freunde dieser Musikrichtung durch den Kakao gezogen werden, nimmt Angelika Express nun <strong>Phil Collins<\/strong> ins Visier: <em>Ne Orgie der Toleranz -Killt deine Kontroll-Instanz(Gro&szlig;hirn, Kleinhirn, alles zu)- Bis jeder auf Phil Collins tanzt &#8211; (Deine Freunde, deine Oma, dein Chef und du)<\/em>. Das ist ja beim Schlager &auml;hnlich &ndash; ab einem gewissen Pegel l&auml;sst sich da der &bdquo;kleinste gemeinsame Nenner&ldquo; finden.<\/p>\n<p>Die n&auml;chste Nummer des Albums gibt mir R&auml;tsel auf &ndash; was ist mit &bdquo;<strong>Phazer auf Bet&auml;ubung&ldquo;<\/strong> gemeint? Sollte damit das Strahlenschwert aus der Star Trek-Serie gemeint sein? Dann ist vermutlich ein Aspekt des Alkohols im Spiel, den schon Udo J&uuml;rgens einst blumig umschrieben hat: &bdquo;<em>Wer zu viel s&auml;uft, ist leider oft &ndash; nur noch ein halber Mann<\/em>&ldquo;.<\/p>\n<p>Musikalisch an ein (eigentlich auch auf das Konzeptalbum passende) Tote-Hosen-Lied (&bdquo;Zehn kleine J&auml;germeister&ldquo;), wird ein brisantes Thema angepackt: &bdquo;<strong>Flachmann im B&uuml;ro<\/strong>&ldquo;. Da w&uuml;rde sich vielleicht eine K&ouml;ln-D&uuml;sseldorfer Zusammenarbeit anbieten? Wenn man dann am Wochenende in die Disco f&auml;hrt, bietet sich Vorab-Alkoholkonsum an. Das Thema scheint so brisant zu sein, dass Angelika Express den Song &bdquo;<strong>Erika Fahrbier<\/strong>&ldquo; lieber ohne Text (, also als Instrumental,) aufgenommen haben.<\/p>\n<p>Mit &bdquo;<strong>Du bist kaputt<\/strong>&ldquo; wandelt die K&ouml;lner Punkband auf Tony Marshalls Spuren. Bei dem hie&szlig; es: &bdquo;Und sind auch Sorgen da &ndash; die hat ein jeder ja &ndash; wir wollen ganz zufrieden sein &ndash; und trinken Bier und Schnaps und Wein&ldquo;. Jahrzehnte vorher riet Willy Schneider: &bdquo;<em>Sch&uuml;tt die Sorgen in ein Gl&auml;schen Wein<\/em>.&ldquo; 2016 wird das pr&auml;gnant so formuliert: &bdquo;<em>Morgen wird alles gut<\/em>&ldquo;.<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick (bzw. beim ersten H&ouml;ren) meint man vielleicht, &bdquo;F&uuml;r Dich&ldquo; sei ein liebes-TRUNKENes Lied. Auf ihrer eigenen Webseite bzw. der Promo-Info zum Album wird klar, was genau mit der Nummer gemeint ist: <em>Einzig der Song<strong> &bdquo;F&uuml;r Dich&ldquo;<\/strong> bricht die Gesamt-Mechanik bewusst auf, da er den Rausch nur als Pointe nutzt und sich sonst mit der &uuml;berf&auml;lligen Demontage von Acts wie Revolverheld besch&auml;ftigt. Dienstleistungs-Pop, der verkitscht wie berechnend Gef&uuml;hle simuliert? Den schubsen Angelika Express gen&uuml;sslich von der Stra&szlig;e &ndash; auch n&uuml;chtern.<\/em> Noch deutlicher wurden die Angelikas auf ihrer Facebook-Seite: &bdquo;<em>Neulich war schlimm. Habe versehentlich den schmierigst m&ouml;glichen deutschen Spie&szlig;erpop im Radio geh&ouml;rt. Es folgten Schockstarre, Verzweiflung. Zur Gitarre gegriffen, als Katharsis nach der songlichen Antithese geforscht. Einen 1,5 min&uuml;tigen Liebesgru&szlig; aus der lustigen Angelika H&ouml;lle verfass<\/em>t.&ldquo; &ndash; Harter Tobak, aber immerhin mal ein Statement ohne political correctness. Und so kommt besagte Band in dem Titel sogar vor. Die &bdquo;Revolverhelden&ldquo;, die sogar namentlich (wenn auch verklausuliert) in dem Lied vorkommen, werden es verschmerzen &ndash; immerhin wurden sie nun sogar selbst Song-Thema.<\/p>\n<p>Richtig spannend ist der k&uuml;rzeste Titel des Albums. Wer &bdquo;<strong>Elf K&ouml;lsch in elf Sekunden<\/strong>&ldquo; kennt, kann die auf Facebook formulierte Frage, welche L&auml;nge der k&uuml;rzeste Song des Albums habe, mit Leichtigkeit beantworten&hellip; &#8211;&nbsp; man bei Facebook in die Irre geleitet wurde mit der Aussage, das k&uuml;rzeste Lied sei &bdquo;F&uuml;r Dich&ldquo; &ndash; offensichtlich geht es noch k&uuml;rzer&hellip;<\/p>\n<p>Grenzenlose Empathien, Basisdemokratie, aber auch &bdquo;<em>Autos, Geld, Geschlechtsverkehr<\/em>&ldquo; &ndash; all das sind erstrebenswerte Dinge. Um aber Freude am Alkohol zu haben, ist &bdquo;<strong>Kohle f&uuml;r Cocktails<\/strong>&ldquo; unabdingbar.<\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich ist auch der &bdquo;Morgen danach&ldquo; Thema &ndash; bei &bdquo;<strong>Hang Over Annerlore<\/strong>&ldquo;, das bereits 2015 als Single ver&ouml;ffentlicht wurde, gibt es ein exquisites Wortspiel: &bdquo;Ich hechte durch durchzechte N&auml;chte&ldquo;. Bleibt nur zu sagen &ndash; ich kaufe ein &bdquo;H&ldquo;&hellip; &#8211; Wenn man dann wieder zu sich gekommen ist, wird es Zeit f&uuml;r einen Pogo &ndash; dazu bietet sich &bdquo;<strong>Das Biest ist frei<\/strong>&ldquo; an mit einem weiteren bemerkenswerten lyrischen Erguss: &bdquo;<em>Du bist nicht der Besitzer &ndash; Du bist nur der Mieter &ndash; h&ouml;chste Zeit f&uuml;r den n&auml;chsten Liter<\/em>&ldquo; &ndash; Respekt, darauf muss man erst mal kommen&hellip;<\/p>\n<p>&bdquo;<em>Jetzt trennen uns nur noch Minuten von Explosionen in der Nacht &ndash; <strong>weiche Bombe<\/strong> &ndash; alles muss raus<\/em>&ldquo; &ndash; was mag da nun wieder gemeint sein? Ist der Phazer etwa nicht mehr auf Bet&auml;ubung? Der Gedanke liegt nahe, war doch einer der ersten Songs von Angelika-Express &bdquo;Pornographie&ldquo; &ndash; vielleicht k&ouml;nnte man zu dem Thema ja auch mal ein Konzeptalbum machen?<\/p>\n<p>Der Schlusstrack &bdquo;Zur Theke am Ende des Regenbogens&ldquo; ist ein Instrumental, mit dem man nach einer durchzechten Nacht vielleicht noch &bdquo;eine rauchen&ldquo; kann.<\/p>\n<p>Schade &ndash; Lieder wie &bdquo;Gasthof zum saufenden Hipster&ldquo; und &bdquo;Edith war kein Punkrocker&ldquo; haben es leider nicht auf das Album geschafft. Dennoch macht das Album Spa&szlig;, weil es durchdacht ist, selbstironisch und gleich in mehrfacher Hinsicht ein Konzeptalbum &ndash; nicht nur thematisch, sondern auch musikalisch. Das Quintett bleibt seinem gitarrenlastigen Punkrock durch die Bank treu. Erstaunlich ist die kurze Spieldauer der LP &ndash; sie erstreckt sich auf ca. 33 Minuten, in denen 15 St&uuml;cke zu h&ouml;ren sind &ndash; auch das ist heutzutage ein eher unkonventioneller Weg. Aber: &bdquo;Es kommt nicht immer auf die L&auml;nge an&ldquo; &ndash; im Gegenteil: &bdquo;Alkohol&ldquo; von Angelika Express ist eine unterhaltsame Platte &uuml;ber ein Thema, zu dem wohl jeder irgendwann schon einmal einen Bezug hatte.<\/p>\n<p>\n<img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/smago.de\/fotos\/pics\/images\/angelika2.jpg\" style=\"width: 500px; height: 500px;\" \/><\/p>\n<p>Stephan Imming, 12.11.2016<br \/>http:\/\/www.alive-ag.de\/index.php?page=search&#038;search=&#038;sort=Interpret&#038;m=&#038;label=Unter%20Schafen%20Records<br \/>http:\/\/angelika-express.de\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stephan Imming meint: &#8222;Es kommt nicht immer auf die L\u00e4nge an&#8220; &#8230;!\u00a0 Vermutlich nicht per Zufall fiel die Ver&ouml;ffentlichung des<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":71918,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[27],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71917"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71917"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71917\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/71918"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71917"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71917"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71917"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}