{"id":70306,"date":"2017-01-05T00:00:00","date_gmt":"2017-01-05T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=70306"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"VANESSA-MAI-Bemerkenswerte-WDR-70305","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/pop-schlager\/VANESSA-MAI-Bemerkenswerte-WDR-70305\/","title":{"rendered":"VANESSA MAI <br \/>Bemerkenswerte WDR-Doku &quot;Schlagerprinzessinnen&quot; \u2013 fehlte da nicht eine Prinzessin &#8230;?"},"content":{"rendered":"<p>Viele erfolgreiche S\u00e4ngerinnen wurden in der WDR-Doku vorgestellt \u2013 Vanessa Mai hingegen nicht! Stephan Imming orakelt, warum &#8230;:\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am kommenden Freitag erscheint das erste &bdquo;Live&ldquo;-Album von Vanessa Mai. Im Zusammenhang mit der Bewerbung des neuen Tontr&auml;gers wird seitens der Plattenfirma u. a. die Berliner Zeitung zitiert: &bdquo;<em>Am Montag hat die gegenw&auml;rtig erfolgreichste junge deutsche Popk&uuml;nstlerin vor Tausenden von Zuschauern im Tempodrom ein begeistert bejubeltes Konzert gegeben.<\/em>&ldquo; &ndash; Das Zitat ist richtig, spannend ist aber der Kontext: die &Uuml;berschrift des Blattes zu besagtem Artikel lautet: &bdquo;<em>Vanessa Mai feiert die Abkehr von der weiblichen Souver&auml;nit&auml;t<\/em>&ldquo;. Wie bitte? &hellip; Es kommt noch besser &ndash; unter der Teil&uuml;berschrift &bdquo;Frau als Mangelwesen&ldquo; ist zu lesen: &bdquo;<em>Vanessa Mai dagegen hat die Sprache der Selbstbestimmtheit und Unterwerfung durch jene der Unterw&uuml;rfigkeit und Unvollst&auml;ndigkeit ersetzt: Bei ihr ist die Frau ein unsouver&auml;nes Mangelwesen, das erst durch die dauerhafte Vereinigung mit einem souver&auml;nen Mann zu sich selbst kommt<\/em>.<\/p>\n<p>Derartige Zitate lassen aufhorchen. Wie kommt man darauf, ausgerechnet die nun wirklich sexy auftretende Vanessa Mai so zu beurteilen? &ndash; Autor des Artikels ist Jens Balzer, stellvertretender Ressortleiter im Feuilleton der Berliner Zeitung. Der Popexperte schreibt dort laut Webseite des Blattes u. a. &uuml;ber White-House und Doom-Metal und ist damit nach Meinung des Westdeutschen Rundfunks offensichtlich pr&auml;destiniert, sich &uuml;ber &bdquo;Schlagerprinzessinnen&ldquo; zu &auml;u&szlig;ern. Okay, woher soll der WDR auch andere Schlagerexperten kennen, nachdem er den Schlager aus seinem Radioprogramm verbannt hat? Da macht es f&uuml;r den K&ouml;lner Sender Sinn, einen Berliner Buchautoren zu befragen.<\/p>\n<p>Autor Belzer hat offensichtlich eine Vorliebe f&uuml;r Helene Fischer. In seinem Buch &bdquo;Pop &ndash; Ein Panorama der Gegenwart&ldquo; beschreibt er den Superstar des deutschen Schlagers wie folgt: &bdquo;<em>Sie ist ein hyperaktiver, sich unaufh&ouml;rlich von einer Erscheinungsform in die n&auml;chste transformierender Organismus &ndash; und wirkt doch zumeist mechanisch und leidenschaftslos, roboterhaft desinteressiert und undurchsichtig. Daraus erkl&auml;rt sich auch der sonderbar selbstwiderspr&uuml;chliche und deswegen so erregende Eros, der Helene Fischer umgibt: Die Sprache der Herrschaft und die der Unterwerfung sind in ihrer Inszenierung unentwirrbar verschr&auml;nkt. F&uuml;r die Pop-Heldinnen der Gegenwart ist diese Schizo-Erotik typisch&hellip;&ldquo;. <\/em>Er widmet ihr sogar ein eigenes Kapitel: &bdquo;<em>Helene Fischer und die Geburt des nihilistischen Postfeminismus<\/em>&ldquo;. Kein Wunder also, dass auch im Artikel &uuml;ber das Vanessa Mai-Konzert Helene charakterisiert wird. Erneut geht es weniger um ihre Musik, vielmehr wird konstatiert, Helene &bdquo;<em>bekr&auml;ftigte auch im Bekleidungsstil und in ihrer B&uuml;hnen&auml;sthetik vehement den Willen zur sexuellen und sonstigen Dominanz<\/em>.&ldquo;<\/p>\n<p>&bdquo;Sexuelle und sonstige Dominanz&ldquo; &ndash; damit war Helene wohl pr&auml;destiniert, in der Reportage &bdquo;Schlagerprinzessinnen&ldquo; vorzukommen &ndash; das ist es offensichtlich, was eine Prinzessin heutzutage ausmacht&hellip; &#8211; In der WDR-Doku haut auch Kristina Bach, Autorin von Helenes Superhit &bdquo;Atemlos&ldquo;, in diese Kerbe &ndash; sie konstatiert, dass der Typ &bdquo;blonder Engel, hohe Stimme&ldquo;, den Helene verk&ouml;rpere, sie&nbsp; zu eine &bdquo;Glamour-Figur wie Marlene Dietrich&ldquo; mache. Da ist es fast schon eine Wohltat, wenn Mary Roos mal nicht &uuml;ber Sex, sondern &uuml;ber Schlager redet und dem Nachwuchs r&auml;t, sein &bdquo;eigenes Ding&ldquo; zu machen und nicht immer dem Superstar &ndash; sprich Helene &ndash; hinterherzurennen.<\/p>\n<p>Weitere &bdquo;Schlagerprinzessinnen&ldquo; der WDR-Doku waren z. B. Andrea Berg, Maite Kelly, Christin Stark, Linda Hesse, Laura Wilde und eben Mary Roos (okay, wenn Prinz Charles ein &bdquo;Prinz&ldquo; ist, kann man die g&ouml;ttliche Mary sicher auch &bdquo;Prinzessin&ldquo; nennen). Neben Michelle fehlte bei der Betrachtung ein Name: Echopreistr&auml;gerin Vanessa Mai. Der WDR, der ja wie erw&auml;hnt den Schlager aus seinen Radioprogrammen geschmissen hat, aber in seinem Fernsehprogramm den aktuellen Erfolg des Schlagers wohl auch nicht mehr ignorieren kann (auf der WDR-Homepage ist sogar die Rede von einem &bdquo;ungeahnten Boom&ldquo;), l&auml;sst da lieber Boom &ndash; &auml;&auml;&auml;h, Doom-Metal-Experte Jens Balzer statt Vanessa Mai zu Wort kommen. Und der wiederum scheint ja seine eigene Meinung zu &bdquo;Fr&auml;ulein Mai&ldquo; zu haben. Woran er festmacht, sie verk&ouml;rpere die Frau als &bdquo;<em>unsouver&auml;nes Mangelwesen<\/em>&ldquo;, ist interessant zu lesen.<\/p>\n<p>In seinem Vanessa-Mai-Konzertbericht&nbsp; beschreibt er weniger die Musik der S&auml;ngerin, sondern eher deren Outfit:&nbsp; &bdquo;<em>Dazu trug sie einen schwarzen Body, schwarze Stiefel und eine zerfetzte Sch&uuml;rze mit Karok&uuml;chentuchmuste<\/em>r&ldquo;, &bdquo;<em>nun trug sie einen BH in Ocker und eine fleischfarbene Highway-Hose und sah dadurch im ersten Moment aus wie nackt.&ldquo;; &bdquo;Weil die Highway-Hose so tief in ihre Poritze schnitt, bat Vanessa Mai ihren Kameramann Greg darum, sie in dieser Montur auf keinen Fall von hinten zu filmen, was Greg zum allgemeinen Gekieks und Gejuchze nat&uuml;rlich gerade deswegen tat.&ldquo; <\/em><\/p>\n<p>Nicht nur in der Politik, auch im Schlager sind die Grenzen zwischen Satire und Ernsthaftigkeit so flie&szlig;end, dass die Grenzen da immer un&uuml;bersichtlicher werden, das gilt auch f&uuml;r den Schlager. Insofern ist man geneigt zu sagen: Wolfgang Trepper, &uuml;bernehmen Sie! &ndash; Die Zitierung einiger Statements Jens Balzers (da ist der Name vielleicht sogar Programm?)&nbsp; d&uuml;rfte f&uuml;r Lacher bei vielen Schlagerfreunden sorgen und noch deren Wortschatz erweitern: &bdquo;Schizo-Erotik&ldquo;, &bdquo;nihilistischer Postfeminismus&ldquo;, &bdquo;Highway-Hose&ldquo;, &bdquo;weibliche Souver&auml;nit&auml;t&ldquo; &ndash; all diese Vokabeln im Zusammenhang mit einer blonden jungen Frau, die &bdquo;Wolke siiiieben ist noch freiii&ldquo; singt &ndash; das hat schon was. Schade, die &bdquo;Poritze&ldquo; von Vanessa h&auml;tte sich sicher auch gut als Thema in der WDR-Doku gemacht&hellip;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p>Bis zum 8. Januar kann die WDR-Reportage noch in dessen Mediathek angesehen werden:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www1.wdr.de\/mediathek\/video\/sendungen\/doku-am-freitag\/video-schlagerprinzessinnen-100.html\">http:\/\/www1.wdr.de\/mediathek\/video\/sendungen\/doku-am-freitag\/video-schlagerprinzessinnen-100.html<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der angesprochene Artikel der Berliner Zeitung findet sich hier:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur\/musik\/konzert-im-berlin-vanessa-mai-feiert-die-abkehr-von-der-weiblichen-souveraenitaet-24882744\">http:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur\/musik\/konzert-im-berlin-vanessa-mai-feiert-die-abkehr-von-der-weiblichen-souveraenitaet-24882744<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Foto-Credit: Sandra Ludewig<\/em><\/p>\n<p>Stephan Imming, 04.01.2017<br \/>http:\/\/www.ariola.de<br \/>http:\/\/www.vanessa-mai.de\/News-Termine-Musik-Bio-Sommerparty-Kontakt.html<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele erfolgreiche S\u00e4ngerinnen wurden in der WDR-Doku vorgestellt \u2013 Vanessa Mai hingegen nicht! 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