{"id":60241,"date":"2017-11-19T00:00:00","date_gmt":"2017-11-19T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=60241"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"STEPHAN-SULKE-Sehen-Sie-HIER-de-60240","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/liedermacher\/STEPHAN-SULKE-Sehen-Sie-HIER-de-60240\/","title":{"rendered":"STEPHAN SULKE <br \/>Sehen Sie HIER den Videoclip zu &quot;Zwei Fremde in einem fremden Haus&quot;!"},"content":{"rendered":"<p>Musikalisch wandelt der kultige Liedermacher diesmal ein bisschen sehr auf den Spuren der Beatles &#8230;!\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ich wollte bloss Pop-Songs &ndash; zu Deutsch &bdquo;Schlager&ldquo; schreiben. Songs, bei denen man nicht lang nachdenken muss, Songs, die den Herzensschalter auf Strom stellen, Songs, die am andern Ende der Leitung ankommen. Und dann &ndash; jesses, wieso denn nicht &#8211; wollte ich den Melodien einen Tick mehr geben, als C-Dur, G-Dur, und den Texten etwas mehr, als:<\/p>\n<p>\nDu schau nur die Berge,<br \/>\nOh, was f&uuml;r ein sch&ouml;ner Traum<br \/>\nDort stehn sieben Zwerge<br \/>\nIm schneeweissen Wolkenschaum<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<em>Drum schreib ich halt:<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ich bin allein, du bist allein<br \/>\nUnd f&uuml;rchten uns beide vor&rsquo;m einsam Sein<br \/>\nKomm wir probieren es einfach aus<br \/>\nZwei Fremde in einem fremden Haus<\/p>\n<p>Und statt C-Dur G-Dur , leg ich eben einen Moll-Akkord dann und wann zwischen hinein damit&rsquo;s ein bisschen mehr schmeichelt.<\/p>\n<p>Nennt mich Schlagerheini, Songer-Song_Writer, Liedermacher, oder verwelkten, schnulzensingenden Poeten.<\/p>\n<p>Ansonsten, von mir gibt&rsquo;s nicht viel zu erz&auml;hlen.<br \/>\nAlso: Ich wurde geboren. Kann mich zwar nicht dran erinnern, aber ich bin da, und die menschen&uuml;bliche Meinung ist, wenn man da ist, wurde man auch geboren.<\/p>\n<p>Wann? In meinem Pass steht 27.12.1943. Das k&ouml;nnte stimmen. Wenn ich mich beim Rasieren im Spiegel angucke, wie einer, der vor zwanzig Jahren geboren wurde, seh&#39; ich nicht aus.<\/p>\n<p>Wo? In meinem Pass steht: Schanghai. Daran kann ich mich nun auch nicht mehr erinnern, aber meine Mutter best&auml;tigte mir dies oft genug. Und M&uuml;tter haben bekanntlich immer Recht.<\/p>\n<p>Wieso in Schanghai? Ja eben: weil 1943. Eigentlich h&auml;tte es Berlin sein sollen. Aber ab 1933 und vor allem ab 1939 waren Leute wie meine Eltern in Deutschland unerw&uuml;nscht.<\/p>\n<p>Mein Vater &#8211; er ruhe in Frieden &#8211; verkaufte in Shanghai Baumwollabf&auml;lle an die Japaner. Und daf&uuml;r kam er bei unseren Freunden aus den USA auf eine schwarze Liste. (Ich wei&szlig; nicht, ob die Liste wirklich schwarz war, wahrscheinlich war sie wei&szlig; mit schwarzen Buchstaben). Es war jedenfalls eine Liste, auf der Personen standen, die man in Amerika nicht wollte, weil sie Gesch&auml;fte mit dem Feind machten. (Anmerkung f&uuml;r die J&uuml;ngeren, bzw. die Geschichtsunkundigen: damals waren Japaner Feinde. Heute sind sie Freunde. Moral: Der Begriff &quot;Feind&quot; ist wechselhafter Natur).<\/p>\n<p>Aus dieser Geschichte hab ich was gelernt: Zuerst musst du wegrennen, weil dich sonst die eine Seite umbringt. Und wenn du weggerannt bist, kriegst du Pr&uuml;gel von der andern Seite.<\/p>\n<p>1947 nachdem Amerika nun mal nicht wollte, fuhren meine Eltern mit mir in die Schweiz. Dort starb mein Vater. Zuvor hatte er f&uuml;r hunderttausend, oder zweihunderttausend damaliger Dollars &#8211; so genau wei&szlig; das heute keiner mehr, oder will&#39;s nicht mehr wissen &#8211; deutsche Aktien gekauft. Lauter unbekannte Firmen: Siemens, Daimler usw. Die Aktien kosteten damals ein paar Pfennige &#8211; Cents &#8211; moderner gesagt. Wenn ich heute die Aktienkurse angucke wird mir &uuml;bel , oder schwindlig- das zweite kommt mit dem ersten. Wieso? Weiterlesen.<\/p>\n<p>Meine Mutter war nun in der Schweiz, mit einem vierj&auml;hrigen Bengel, ohne Pass, so was brauchte man damals noch, und ohne Geld, das braucht man heute immer noch. Sie hatte nur diese bl&ouml;den Aktien. So kam ich zu einem schweizerischen Stiefvater.<\/p>\n<p>Die Aktien verkaufte meine Mutter nach der Heirat, und mit ihrem neuen Mann &#8211; er war Hotelkaufmann &#8211; kaufte sie ein kleines Hotel am Genfer See. Sie h&auml;tte gescheiter die Aktien behalten, dann w&auml;re ich wohl sp&auml;ter nie auf die Idee gekommen, Musik zu machen, sondern w&auml;re so ein kleiner Rothschild oder Rockefeller geworden.<\/p>\n<p>Ich wuchs mehr oder weniger dreisprachig auf. Mein Stiefvater sprach franz&ouml;sisch, meine Mutter deutsch und meine Tante in Amerika, bei der ich oft war, sprach Englisch &#8211; mit einem grauenhaften Akzent.<\/p>\n<p>Ich merke, diese Kurzbio wird zu langatmig. Also, ich wuchs irgendwie auf, sonst g&auml;be es diese Zeilen nicht. Logisch.<\/p>\n<p>Mit vierzehn kaufte ich mir eine Gitarre. Mit selbstverdientem Geld. Die Hotelinvestition meiner Mutter war nicht von allzu viel Erfolg gekr&ouml;nt gewesen. Das Hotel lag zwar sch&ouml;n am See, aber irgendwie kamen keine G&auml;ste. Abgesehen davon, ich kaufte mir die Gitarre sowieso lieber selber, so musste ich niemandem Danke sagen. Wie ich zu dem Geld f&uuml;r die Gitarre kam? Schulferien. Unternebenhilfsconcierge in einem teuren Hotel in Sankt Moritz spielen. F&uuml;r ein Minigehalt. Die Trinkgelder teilten sich der Concierge, der Hilfsconcierge, der Nebenconcierge und der Nebenhilfsconcierge. Der Unternebenhilfsconcierge guckte in die R&ouml;hre, manche Dinge &auml;ndern sich nie.<\/p>\n<p>Bekannt wurde ich zum ersten Mal mit etwa achtzehn. Da sang ich auf meiner ersten Schallplatte in Paris. Ich bekam daf&uuml;r sogar einen Preis &#8211; statt der Tantiemen. Der Preis wurde mir von einem ehrw&uuml;rdigen, alten Herrn Namens Maurice Chevalier &uuml;berreicht. Aber im franz&ouml;sischen Show-Business hielt ich es nicht lange aus. Zu viele Preise, zu wenig Tantiemen&#8230;<\/p>\n<p>Etwas sp&auml;ter, ich glaub es war 1965, produzierte ich w&auml;hrend eines Besuches bei meiner Tante in Atlanta, Georgia, eine Platte. Ich hatte dort einen Produzenten &uuml;berzeugt. Der schleppte mich nach Nashville. Nashville war &#8211; ist immer noch &#8211; das Zentrum f&uuml;r country-music. Country-music ist die amerikanische Version von Umpa-Umpa Volksmusik. Nashville k&ouml;nnte in Bayern liegen. Als Werbung f&uuml;r die Scheibe fiel der Plattenfirma ein genialer Satz ein: &quot;A Swiss to watch&quot;. W&auml;re abgek&uuml;rzt Swatch. Klingt irgendwie bekannt.<\/p>\n<p>Meine Platten waren mittelm&auml;&szlig;ig erfolgreich und wesentlich weniger als mittelm&auml;&szlig;ig in der Qualit&auml;t. Dann hatte ich vom amerikanischen Showgesch&auml;ft die Nase voll und ging zur Uni nach Bern, um Rechtsgelehrter zu werden.<\/p>\n<p>Ab 1971 war ich dann wieder im Showgesch&auml;ft. Diesmal nicht mehr als B&auml;nkels&auml;nger, sondern als Studiobetreiber. Ich lernte Claude Nobs, den Gr&uuml;nder des Jazz Festivals von Montreux kennen, und gemeinsam heckten wir den Plan aus, die Konzerte in professioneller Qualit&auml;t aufzunehmen. Einerseits kam ich in Ber&uuml;hrung mit wirklich begabten Menschen. Andererseits merkte ich, dass kommerzieller Erfolg und k&uuml;nstlerischer Wert zwei Paar Schuhe sind. Leider, leider, leider. Man muss sich entscheiden&#8230;<\/p>\n<p>1976 entschied ich mich f&uuml;rs Zweite und so kam meine erste deutsche Langspielplatte in Deutschland an die &Ouml;ffentlichkeit. Zuerst wollte kein Vertrieb meine B&auml;nder. Es dauerte ein paar Monate, bis ich jemanden &uuml;berreden konnte. Er hat&#39;s nicht einmal bereut.<\/p>\n<p>Ich erhielt den deutschen K&uuml;nstlerpreis des Jahres als &quot;Nachwuchsk&uuml;nstler des Jahres&quot; &hellip;mit 33 Jahren. Steinbock. Sp&auml;tz&uuml;nder. Besser sp&auml;t als nie. Gut Ding&hellip;. Zwei Jahre sp&auml;ter wurde ich zum &quot;K&uuml;nstler des Jahres&quot; ernannt, was immer dieser pomp&ouml;se Titel bedeuten mag.<br \/>\n1981 hatte ich diese Idee mit der emanzipierten Dame. Ich nannte den Song: Uschi mach kein Quatsch ((&quot;Uschi&quot;)).<\/p>\n<p>\nUnd sonst? Na ja, nebenbei gr&uuml;ndete ich mal eine Firma f&uuml;r Studiotechnik (weil ich das Zeugs zum kaufen zu teuer fand). Produzierte auch andere Dinge unter irgendwelchen Pseudonymen, ach ja, ich schrieb 1982 und 1984 zwei kleine Schm&ouml;ker, &quot;Kekse&quot; hie&szlig; der eine, mehr als Kr&uuml;mel waren da auch nicht drin. Dreizeilige Aphorismen und ein paar Zeichnungen. Den andern nannte ich &quot;Liebe gibt&#39;s im Kino &#8211; eine Art Selbstportr&auml;t&quot;.<\/p>\n<p>1989 verzog ich mich &#8211; wie ich meinte f&uuml;r immer &#8211; und im Jahr 2000 hielt ich&#39;s nicht mehr aus und bin wieder da.<\/p>\n<p>Wie am Anfang erw&auml;hnt: es gibt nicht soviel zu erz&auml;hlen. Alles ziemlich banal.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><iframe loading=\"lazy\" allowfullscreen=\"\" frameborder=\"0\" gesture=\"media\" height=\"360\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/RLQKyqNP_iw\" width=\"640\"><\/iframe><\/p>\n<p>Staatsakt. (Textvorlage)<br \/>http:\/\/www.staatsakt.com\/<br \/>http:\/\/www.stephansulke.com\/main\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musikalisch wandelt der kultige Liedermacher diesmal ein bisschen sehr auf den Spuren der Beatles &#8230;!\u00a0 Ich wollte bloss Pop-Songs &ndash;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":60242,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[21],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/60241"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=60241"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/60241\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/60242"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=60241"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=60241"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=60241"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}