{"id":50581,"date":"2018-04-18T00:00:00","date_gmt":"2018-04-18T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=50581"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"LESLIE-MANDOKI-zum-ECHO-2018-Kei-50580","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/pop\/LESLIE-MANDOKI-zum-ECHO-2018-Kei-50580\/","title":{"rendered":"LESLIE MANDOKI zum &quot;ECHO 2018&quot;<br \/>Keine Toleranz f\u00fcr Intoleranz &#8211; &quot;Weckruf mit Widerhall&quot;!"},"content":{"rendered":"<p>Lesen Sie HIER einen \u00fcber alle Ma\u00dfen lesenswerten Gast-Kommentar von Leslie Mandoki &#8230;:<!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Tutzing<\/strong>.&nbsp; Als ehemaliger illegaler Einwanderer, der in seinem Geburtsland als musikalischer Rebell von der Diktatur verfolgt wurde und hier in Deutschland politisches Asyl bekam, wurde ich 1980 stolzer B&uuml;rger unserer &bdquo;Bunten Republik&ldquo;, wie mein Freund Udo Lindenberg Deutschland definierte. Als ich dann erstmals meinen deutschen Pass in H&auml;nden hielt, wurde mir klar, dass ich ab jetzt nicht nur emotional, sondern auch die pure Verantwortung trage w&uuml;rde &ndash; auch f&uuml;r die deutsche Vergangenheit. Ich bin Staatsb&uuml;rger geworden, weil ich mich in dieses Land, seine Kultur, seinen Wertekanon und in die Menschen mit ihrer Mentalit&auml;t verliebt habe. Ich war der tiefen &Uuml;berzeugung, dass es in einem derart gel&auml;uterten Land, meinem geliebten Deutschland mit seiner Erinnerungskultur niemals wieder notwendig sein w&uuml;rde, die Mahnung &bdquo;Wehret den Anf&auml;ngen&ldquo; im Zusammenhang mit Antisemitismus ausrufen zu m&uuml;ssen. Umso lauter formte sich dieser Satz nun in mir bei der umstrittenen Verleihung des Echo an Kollegah und Farid Bang ausgerechnet am Tag des Holocaust Gedenkens mit brachialer Lautst&auml;rke: &bdquo;Wehret den Anf&auml;ngen!&ldquo;.<\/p>\n<p>Die Deutsche Phono-Akademie des Bundesverbandes Musikindustrie, dessen Mitglied ich bin, verleiht seit 1992 den Deutschen Musikpreis ECHO. Seither habe ich als Jurymitglied an jeder Verleihung teilgenommen. Somit f&uuml;hle ich mich auch seit vielen Jahren dieser Musikpreisverleihung verbunden, durch die nun besch&auml;menderweise vergangene Woche K&uuml;nstler mit antisemitischen, frauenfeindlichen, gewaltverherrlichenden, homophoben Hasstexten ausgezeichnet wurden. Aber Musik ist immer ein Abbild der Gesellschaft und in Zeiten von Echokammern, Filterblasen und alternativen Fakten m&uuml;ssen wir musikalischen Rebellen als Teil der kosmopolitischen Elite aus Verantwortung wieder lauter werden! Waren wir von unserem bildungsaristokratischen Elfenbeinturm aus nicht geradezu besoffen von der Begeisterung &uuml;ber unsere edle Haltung der Weltoffenheit, die wir so narzistisch zur Schau gestellt haben? Selbstgef&auml;llig prahlten wir mit unserer Toleranz und haben dabei R&auml;ume geschaffen f&uuml;r Intoleranz.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir sind ein Einwanderungsland, jeder F&uuml;nfte hierzulande hat einen Migrationshintergrund und inzwischen erleben wir Antisemitismus auch in Schulen etwa in Brennpunkt-Gegenden unserer Hauptstadt &auml;hnlich wie in bestimmten Stadtteilen von Br&uuml;ssel oder Paris, wo sich Juden kaum mit einer Kippa auf die Stra&szlig;e trauen. Wir haben offensichtlich vermeintliche kosmopolitische Weltgewandtheit f&uuml;r wichtiger erachtet als Prinzipientreue, Verteidigung unseres lebens- und liebenswerten Wertekanons. Die Frage, ob der Islam zu Deutschland geh&ouml;rt oder nicht, d&uuml;rfte sich in dieser Form eigentlich gar nicht stellen. Wir sind ein s&auml;kul&auml;rer Staat mit absoluter Religionsfreiheit. Die im Grundgesetz verankerten Grundrechte sind f&uuml;r jedermann verst&auml;ndlich nachzulesen und auch, dass die freie Entfaltung der Pers&ouml;nlichkeit dort an ihre Grenzen st&ouml;&szlig;t, wo sie die Rechte anderer verletzt. In einer so weit entwickelten Gesellschaft sind Religion wie auch sexuelle Orientierung gesch&uuml;tzte pers&ouml;nliche Privatsph&auml;re. Aber es kann nicht zu Deutschland geh&ouml;ren, Kinder zu verheiraten, die Gleichberechtigung der Frauen in Frage zu stellen, Homophobie, Rassismus oder Antisemitismus zu sch&uuml;ren.<\/em><\/p>\n<p><em>Und als wir dann so selbstgef&auml;llig, hochm&uuml;tig und berauscht waren von unserer eigenen G&uuml;te, die Gefl&uuml;chteten zu Recht aufzunehmen, haben wir vers&auml;umt, etwas f&uuml;r ihre nachhaltige Integration sehr Wichtiges zu tun. N&auml;mlich, ihnen neben unserem Willkommensgru&szlig; auch unseren wertvollen Wertekanon und dessen Verbindlichkeit f&uuml;r unsere Gesellschaft nahezubringen und zu vermitteln. So entstand ein diffuses Gef&uuml;hl, wonach unsere Werte, die sich nach den singul&auml;ren Verbrechen der Nazis herauskristallisiert und durch unser Grundgesetz festgeschrieben sind, in irgendeiner Form zur individuellen Disposition stehen k&ouml;nnten. Und genau da werden jetzt die Rapper Kollegah und Farid Bang mit einem Preis ausgezeichnet trotz ihrer Verbal-Angriffe auf unseren Wertekanon. Wir alle m&uuml;ssen jetzt Konsequenzen ziehen und gesellschaftliche Verantwortung leben.<\/em><\/p>\n<p><em>Danke, Campino, und alle anderen K&uuml;nstler, die jetzt auch ihre Stimmen erheben. Wir wissen, verbalisierter, vertonter Antisemitismus ist durch Kunstfreiheit, Jugendkultur oder sonstigen ethisch-moralisch unhaltbare Verniedlichungen nicht zu rechtfertigen. Mit dem Statement meines Freundes Peter Maffay bin ich absolut im Konsens und habe tiefstes Verst&auml;ndnis f&uuml;r meinen Kollegen Klaus Voormann, mit dem ich immer wieder zusammenarbeiten durfte, dass er seinen Echo zur&uuml;ckschicken m&ouml;chte.<\/em><\/p>\n<p><em>Dieser ECHO &ndash; Eklat gibt eine grauenvolle gesellschaftliche Verschiebung wieder. Dass nach der Show Farid Bang am Mikrofon f&uuml;r seine antisemitischen, frauenfeindlichen, homophoben Hasszeilen abgefeiert wurde und das Partyvolk ausgelassen dazu tanzte, zeichnete ein bedrohliches Bild. Antisemitischer Hass ist wieder salonf&auml;hig geworden ist. Wir m&uuml;ssen jetzt alle gemeinsam aufstehen und den Anf&auml;ngen wehren.<\/em><\/p>\n<p><em>Was bei dem ECHO geschehen ist, ist auch ein Spiegel unserer Gesellschaft und daf&uuml;r tragen wir alle miteinander Verantwortung. Wir m&uuml;ssen offen diskutieren und uns damit auseinandersetzen.<\/em><\/p>\n<p><em>Gerne lade ich die beiden Herren zu mir ins Studio nach Bayern ein, um von Musiker zu Musiker zu diskutieren, was Kunst darf und wo die Grenzen &uuml;berschritten sind.<\/em><\/p>\n<p><em>In meiner geliebten &bdquo;Bunten Republik&ldquo; Deutschland muss sich jeder Verfolgte, der zu uns geflohen ist, ebenso wohl und sicher f&uuml;hlen d&uuml;rfen, wie ein j&uuml;disches Kind, das in Berlin mit einer Kippa in die Schule geht, weil in unserer Gesellschaft f&uuml;r Frauenfeindlichkeit, Homophobie oder Antisemitismus kein Platz ist.<\/p>\n<p>Deshalb kann unser Credo nur lauten: &bdquo;Keine Toleranz f&uuml;r Intoleranz!&ldquo;<\/p>\n<p>\nFoto-Credits: Red-Rock Production<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/smago.de\/fotos\/pics\/images\/Leslie%20Mandoki_Portrait_RedRockProduction_II.jpg\" style=\"width: 406px; height: 512px;\" \/><\/em><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>Leslie Mandoki &#8211; \u00fcbermittelt via Kah\u00e9 PR &#038; Dialog, Stefan Kah\u00e9<br \/>http:\/\/www.redrock.de\/<br \/>http:\/\/www.redrock.de\/mandoki<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lesen Sie HIER einen \u00fcber alle Ma\u00dfen lesenswerten Gast-Kommentar von Leslie Mandoki &#8230;: Tutzing.&nbsp; Als ehemaliger illegaler Einwanderer, der in<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":50582,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[27],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50581"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=50581"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50581\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/50582"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=50581"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=50581"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=50581"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}