{"id":209637,"date":"2023-09-20T00:00:02","date_gmt":"2023-09-19T22:00:02","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws2\/?p=209637"},"modified":"2023-09-19T23:35:07","modified_gmt":"2023-09-19T21:35:07","slug":"joachim-witt-ich-war-ein-richtig-grosser-fan-von-freddy-quinn-joachim-witt-im-interview-zu-seiner-neuen-cd-der-fels-in-der-brandung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/deutsch-rock\/joachim-witt-ich-war-ein-richtig-grosser-fan-von-freddy-quinn-joachim-witt-im-interview-zu-seiner-neuen-cd-der-fels-in-der-brandung\/","title":{"rendered":"JOACHIM WITT <br>&#8222;Ich war ein richtig gro\u00dfer Fan von Freddy Quinn&#8220; \u2013 Joachim Witt im Interview zu seiner neuen CD &#8222;Der Fels in der Brandung&#8220;!"},"content":{"rendered":"<p>Martina Mack f\u00fchrte ein sehr, sehr ausf\u00fchrliches Gespr\u00e4ch mit dem &#8222;F\u00fcrst der Finsternis&#8220; &#8230;:<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Herr Witt, Sie haben \u00fcber Ihr Album \u201aFels in der Brandung\u2018 gesagt: \u201eMein neues Werk ist wie eine musikalische Insel. Ein Hort des Trostes und der Zuversicht, in einer aktuellen Welt voller Unsicherheit und Unvorhersehbarkeit.\u201c Sehen Sie sich als Fels in der Brandung?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das sehe ich schon so, aufgrund meiner Erfahrung und auch meines Alters. Ich habe viel erlebt und kann das ein oder andere an positiven Dingen, Erfahrungen und Ratschl\u00e4ge weitertragen. Meine Musik ist inhaltlich von dem gepr\u00e4gt, was mich bewegt und ich gehe immer davon aus, dass die Dinge, mit denen ich mich besch\u00e4ftige, auch viele andere Menschen besch\u00e4ftigen. Es ist mir eine Ehre und ein Privileg als K\u00fcnstler, Menschen in ganz besonderen Momenten mit meiner Musik beizustehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Ihre Lieder schaffen Ans\u00e4tze, die unter die Oberfl\u00e4che gehen, wie unter anderem der Song \u201eSignale\u201c, der selbstkritisch, politisch und absolut am Puls der Zeit ist\u2026<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Genau das brauche ich selbst auch. Ich muss immer unter die Oberfl\u00e4che gehen, tiefer sch\u00fcrfen, Sachen hinterfragen und kritisch bleiben. Manchmal ist es sogar eine Art therapeutischer Ansatz, einmal f\u00fcr mich selbst und auch als Anregung f\u00fcr den Zuh\u00f6rer, sich noch einmal anders mit den Dingen zu besch\u00e4ftigen oder auch mit sich selbst. Gerade auch im Gef\u00fchlsbereich. Da lebt man doch oft sehr an der Oberfl\u00e4che, und das versuche ich zu brechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wie kommen Sie in dieser Welt voller Unsicherheit und Unvorhersehbarkeit gerade zurecht?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In erster Linie hilft mir meine Familie. Der Zusammenhalt zwischen meinen Kindern, meiner Frau ist sehr stark. Daraus sch\u00f6pfe ich viel Kraft und Zuversicht. Zum Teil ist es sicher auch meine Musik, die mir hilft. Damit kann ich die Dinge verarbeiten und nach au\u00dfen tragen. Und mich dabei selbst ein bisschen freischreiben. Das hat mir schon aus so manchem Tief geholfen. Ich habe au\u00dferdem \u00fcber die Jahre einen Mechanismus entwickelt, wo vieles an mir abprallt, ohne mich allzu negativ zu beeinflussen. Es ist gut, wenn man sich einen gewissen Schutzschild aufbaut. Diese negativen Ereignisse sind ja auch nicht neu, sie verlagern sich eben immer mal woandershin. Es ist nie so, dass man sagen kann: \u201eWir Menschen sind ja alle so gl\u00fccklich auf der ganzen Welt.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wie haben Sie sich einen Schutzschild aufgebaut?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Indem ich bestimmte Apps einfach gel\u00f6scht habe (<i>lacht<\/i>). Bevor ich mich immer wieder neu \u00fcber gewisse Dinge \u00e4rgere, l\u00f6sche ich lieber die betreffenden Apps. Dann sehe ich es nicht mehr und besch\u00e4ftige mich nicht mehr damit. Das ist meine Art von Selbstschutz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wenn Sie an Ihre Kindheit und Jugend denken. Wer war f\u00fcr Sie Ihr \u201eFels in der Brandung\u201c?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Letztendlich war das meine Mutter. Sie hat mich immer sehr unterst\u00fctzt, in allem, was ich getan habe. Auch meine Tr\u00e4ume, meine Visionen, Musiker zu werden, hat sie mitgetragen. Gerade am Anfang ist es nicht leicht, dabei zu bleiben. Ich habe ja nicht nur positive Dinge erlebt, sondern auch viele R\u00fcckschl\u00e4ge. Viele Dinge haben nicht so funktioniert, wie ich mir das erhofft hatte, es gab finanzielle Schwierigkeiten. Aber meine Mutter hat mich immer best\u00e4rkt. Sie hat immer an mich geglaubt, hat mein Talent gesehen. Es hat sich dann ja auch herausgestellt, dass es der richtige Weg war. In Familien ist das oft schwierig, weil die Eltern wollen, dass die Kinder einen sicheren Beruf, eine geregelte Arbeit haben \u2013 und ich ging damals eben keiner geregelten Arbeit nach, alles war unsicher. Dazu in einer Zeit, wo alles noch viel mehr statisch war und nicht so flexibel aufgestellt wie heute. Ich fiel da aus allen Normen heraus. Damals K\u00fcnstler zu sein, war sehr viel schwieriger als heute.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Freddy Quinn war DAS Idol Ihrer Kindheit. Haben Sie ihn sp\u00e4ter einmal kennengelernt?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, leider nicht. Ich konnte Freddy Quinn nie treffen. Damals war ich ein richtig gro\u00dfer Fan von ihm. Als Kind oder Heranwachsender verbindet man damit ja auch immer Tr\u00e4ume. Die Menschen, die man verehrt, sprechen etwas in einem an, damit meine ich Sehns\u00fcchte, die ich nat\u00fcrlich auch hatte.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Um Sehns\u00fcchte geht es auch in Ihren Liedern \u201eTr\u00e4ume im Gegenwind\u201c und \u201eSchw\u00f6r mir\u201c, beides sehr tiefgr\u00fcndige und wundersch\u00f6n arrangierte Songs\u2026<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eSchw\u00f6r mir\u201c geh\u00f6rt zu meinen absoluten Lieblingstiteln auf dem Album, da steckt sehr viel Herzblut drin. Ich neige sehr zu Sentimentalit\u00e4t, zu Fernweh und solchen Dingen. Fernweh, im Sinn einer Sehnsucht nach einer besseren Welt, die Sehnsucht nach der ewigen Liebe geh\u00f6rt nat\u00fcrlich auch dazu. Viele Sehns\u00fcchte erf\u00fcllen sich ja leider nicht im Leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Sie singen mit Marianne Rosenberg, einer absoluten Ikone in der Schlagermusik, das Lied \u201eIn unserer Zeit\u201c \u2013 auch dieser Song ist eine Hymne f\u00fcr eine bessere Welt\u2026<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, das Lied ist ein starkes musikalisches Manifest. Es steht f\u00fcr das Miteinander, statt das Gegeneinander. Es vermittelt eine positive Botschaft f\u00fcr die Zukunft. Das brauchen wir gerade jetzt. Marianne Rosenberg und mich verbindet eine Weltsicht der Mitmenschlichkeit, den Wunsch nach Solidarit\u00e4t und sozialer Gerechtigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Ihre Karriere gleicht einer Achterbahn. Trotz vieler R\u00fcckschl\u00e4ge haben Sie nie aufgegeben und sich und Ihre Musik \u00fcber die Jahre immer wieder neu erfunden\u2026.<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, ich bin drangeblieben und habe immer wieder von vorne angefangen. Das war mir sehr wichtig und das ist auch der Rat, den ich immer gerne weitergeben m\u00f6chte. Man sollte nicht so schnell aufgeben, auch die R\u00fcckschl\u00e4ge geh\u00f6ren dazu. Ich wollte nie Oberfl\u00e4chliches, Belangloses machen und mich auch nicht wiederholen. Dann habe ich eben lieber Pausen gemacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>In den wilden Sixties haben Sie offen gegen alles Etablierte rebelliert, vor allem gegen das Schulsystem. Wegen Ihrer langen Haare durften sie nicht mit auf Klassenfahrt\u2026<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das war unglaublich, ja.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Ich war nie so angepasst. Ich war immer der kritische Mensch, der alles hinterfragt hat, auch gesellschaftliche Vorg\u00e4nge und Zust\u00e4nde. Damit bin ich oft angeeckt. Ich habe mir die Haare lang wachsen lassen. Das Establishment hat sich dar\u00fcber aufgeregt. Dass ich wegen meiner langen M\u00e4hne nicht mit auf Klassenreise durfte, war f\u00fcr mich unfassbar. Ich bin erst recht nicht zum Friseur gegangen, sondern dann zuhause geblieben. Aus heutiger Sicht total oberfl\u00e4chlich und absolut unwichtig. Die 60-er Jahre haben nat\u00fcrlich viel angerissen, haben aufger\u00e4umt mit alten Moralvorstellungen. Die Auflehnung und Proteste m\u00fcndeten dann ja in die 68-ern Bewegung. F\u00fcr mich war auch die Musik der Beatles damals von gro\u00dfer Bedeutung. Sie waren f\u00fcr mich das Zeichen f\u00fcr den moralischen Aufbruch. Ich bin heute noch gro\u00dfer Fan der Beatles.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Dass man als Musiker Eindruck bei den M\u00e4dels macht, haben Sie fr\u00fch gemerkt. Waren Sie damals eher sch\u00fcchtern oder der Draufg\u00e4nger-Typ?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war sehr sch\u00fcchtern, damals blieb es bei verliebten Blicken (<i>lacht)<\/i>. Dieses angehimmelt werden von den weiblichen Fans hat mir nat\u00fcrlich schon gefallen. Man verbindet als Musiker damit auch die Tr\u00e4ume, dass man geliebt werden m\u00f6chte \u2013 obwohl ich in meiner Familie diesbez\u00fcglich keine Defizite hatte. Aber diese Euphorie der M\u00e4dels, der Wunsch als Musiker auf der B\u00fchne umschw\u00e4rmt zu sein, ist nat\u00fcrlich noch einmal etwas anderes. Diesen Wunsch haben so gut wie alle Musiker. Vielleicht hat es aber auch mit meiner Schulzeit zu tun. Die war einfach katastrophal. Vielleicht habe ich mir damals gedacht: Wie schaffe ich mir dazu den Ausgleich? Aber all das l\u00e4uft nat\u00fcrlich im Unterbewusstsein ab. Am Ende f\u00fcgte sich durch meine Begabung dann alles zusammen. Und ich finde es einfach sch\u00f6n, dass ich diese Begabung noch rechtzeitig herausgefunden habe, und dass ich immer dabeigeblieben bin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Ihre Anf\u00e4nge waren noch sehr improvisiert. Stimmt es, dass Sie bei Proben mit Ihrer ersten Sch\u00fcler-Band \u201eScalesmen\u201c einen heftigen Stromschlag erlitten?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das war tats\u00e4chlich ein sehr ungl\u00fccklicher Umstand. Unsere Band musste wahnsinnig viel improvisieren in dieser Zeit. Wir haben auf dem Dachboden unserer Schule geprobt. Alles war chaotisch, insbesondere der Stromkreis \u2013 keiner blickte durch, auf einmal knallte es. Es h\u00e4tte auch t\u00f6dlich ausgehen k\u00f6nnen. Ich habe mir damals aber gar nicht so viele Gedanken dar\u00fcber gemacht. Ich bin nach kurzer Zeit wieder aufgestanden, und nicht einmal zum Arzt gegangen. Das war schon ziemlich irre und leichtsinnig. Aber es ist mir zum Gl\u00fcck nie wieder passiert. Ich habe danach immer sehr genau aufgepasst und in vern\u00fcnftige Technik investiert, damit so etwas nicht mehr vorkommt. Der Unfall hatte mir schon die Augen ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Als 1976 Ihr Debut-Album \u201eSilberblick\u201c entstand, sind Sie Vater geworden. Wie hat das Ihr Leben ver\u00e4ndert?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das erste Kind ist nat\u00fcrlich ein gro\u00dfes Ereignis. Aber die Zeit damals war eben auch von gro\u00dfen Existenz\u00e4ngsten gepr\u00e4gt. Ich bewegte mich mehr oder weniger im luftleeren Raum. Wirtschaftlich war das eine Katastrophe. Hier und da hatte ich mal einen Job, aber es war nicht so, dass ich gut aufgestellt gewesen w\u00e4re. Meine Sensibilit\u00e4t ist sehr stark ausgepr\u00e4gt. Ich nehme immer alles mit allen Antennen auf, die mir zu Verf\u00fcgung stehen. Dadurch habe ich eine Art Verst\u00e4rker in mir, der das Problembewusstsein eben noch einmal verst\u00e4rkt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Das hat sich auch in Panikattacken ge\u00e4u\u00dfert. Wie stark hat Sie das belastet?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Panikattacken sind immer wieder gekommen in dieser Phase. Das dauerte sogar drei, vier Jahre lang \u2013 bis sich der Erfolg einstellte. Als der Erfolg kam mit \u201eSilberblick\u201c, die Best\u00e4tigung, dass ich irgendetwas richtig gemacht habe im Leben, dann lie\u00dfen auch die Panikattacken schlagartig nach. Vor allem meine finanziellen Sorgen, die mich stark besch\u00e4ftigt haben, sind dann gewichen. Wenn man in solch einer Situation steckt, und st\u00e4ndig Angst um sein Leben hat, obwohl es v\u00f6llig irrational ist, ist das sehr belastend. Ich musste aber erst einmal dahinterkommen. Auf therapeutischer Ebene war das damals v\u00f6lliges Neuland, Panikattacken waren nicht weiter bekannt. Heute ist das anders: Belastungssyndrome, Burn-out, heute haben die Therapeuten damit ja sehr viel zu tun bei unserer aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Waren Sie damals auch in Behandlung?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein bester Freund war Psychologe. Wie alle anderen, kannte auch er sich nicht aus mit Panikattacken. Er konnte mir aber doch den ein oder anderen Hinweis geben, der mir geholfen hat. Durch ihn hatte ich einen gewissen Beistand. Ich habe zu der Zeit auch spirituelle Entspannungsmusik geh\u00f6rt, damit konnte ich sehr gut zur Ruhe kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Mit dem \u201eGoldenen Reiter\u201c schufen sie 1981 nicht nur einen Mega-Hit, Sie wurden<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>nach einem Auftritt in der ARD-Show \u201eMusikladen\u201c zum Super-Star der Neuen Deutschen Welle (NDW). Wie haben Sie das erlebt?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das war ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Gl\u00fccksgef\u00fchl f\u00fcr mich. Man kann diesen Moment nur schwer rekapitulieren. Ich wei\u00df auch nicht mehr, was ich in diesem Moment gedacht habe. Aber es war einfach ein unglaublich befreiendes Gef\u00fchl, der ganze Druck fiel pl\u00f6tzlich von mir ab. Ich habe den Erfolg nicht einmal gefeiert. Sp\u00e4ter habe ich dann gedacht: Okay, Gott sei Dank, dass ich doch nicht so falsch gelegen habe. Ich wusste zwar sofort, dass das ein richtig toller Titel ist, aber zun\u00e4chst einmal passierte rein gar nichts. Erst nach dem Aufritt in der TV-Show ging das Lied durch die Decke.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Ist \u201eDer goldene Reiter\u201c eine Art Lebensversicherung?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das kann man so sagen. Der Titel hat mir viel Freude bereitet und ist wirklich eine Lebensversicherung. Das Lied ber\u00fchrt die gesellschaftlichen Vorg\u00e4nge und Problematiken, auch in unserer heutigen Gesellschaft, wo viele an Burn-Out und \u00dcberforderung leiden. Es waren ja auch meine Probleme, meine Panikattacken, weshalb ich diese Nummer geschrieben habe. Es ist ein sehr pers\u00f6nliches Lied, weil es auch mich beschreibt. Und ich habe im Text mein eigenes Schicksal vorausgesehen. 1983 war der Erfolg pl\u00f6tzlich weg. Ich verlor alles.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Damals waren Sie Mitte 30 und standen vor dem AUS, als sich das \u201eM\u00e4rchenblau\u201c-Album nicht verkaufte und auch das Folge-Album nicht lief. Wie gingen Sie damit um?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin mit meiner Frau Petra und meinen damals zwei kleinen Kindern Fabian und Kimberly kurzentschlossen nach Portugal an die Algarve gezogen. Das war die absolut beste Entscheidung zu diesem Zeitpunkt. Zum einen ist es dort unglaublich sch\u00f6n. Zum anderen hatte ich dort diesen Ausgleich, der f\u00fcr mich so pr\u00e4gend war. Ich bin ein sehr naturverbundener Mensch, die Landschaft hat mir sehr gut gefallen. Vor allem wollte ich mich aber aus dieser mich umklammernden Situation befreien, und die Algarve war daf\u00fcr der perfekte Ort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Weshalb haben Sie sich die Algarve ausgesucht?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hatte dort zuvor mit meinem Management Urlaub gemacht und mich direkt in die Gegend verliebt. Ich kam an einem Haus vorbei, das lag wundersch\u00f6n auf einem Felsen. Ein kleines portugiesisches Farmhaus. Dieses Haus war gerade zu verkaufen \u2013 und ich sagte sofort: \u201eDas kaufe ich!\u201c Und das zu einer Zeit, in der mich alles M\u00f6gliche einholte. Horrende Steuernachzahlungen, au\u00dferdem hatte mich mein Steuerberater mit Investitionen falsch beraten. Ich kam in wirtschaftliche Schwierigkeiten, das hatte mir einen richtigen Schlag versetzt. Um wieder Geld zu haben, habe ich mein Mischpult und andere exklusive Studioger\u00e4te verkauft. Im Laufe der Jahre musste ich mich aus der Misere wieder herausk\u00e4mpfen. Wir waren vier Jahre in Portugal und sind dann zur\u00fcckgegangen nach Deutschland. Das Haus habe ich wieder verkauft. Im R\u00fcckblick war das f\u00fcr mich eine wundersch\u00f6ne Erfahrung, das w\u00fcrde ich wieder so machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Nicht nur Ihre Karriere war ins Stocken geraten, sondern sp\u00e4ter auch Ihre Ehe mit Petra\u2026<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich Mitte 40 war, trennten wir uns. Wir sind l\u00e4ngst geschieden, ich habe mittlerweile zwei Scheidungen hinter mir. Petra und ich hatten uns damals auseinandergelebt, aber wir sind heute noch befreundet. Wir sehen uns ab und zu, weil meine Tochter Kimberly bei mir direkt in der N\u00e4he wohnt. Kimberly ist unsere gemeinsame Tochter und insofern sehen wir uns nach wie vor. Mit meiner ersten Frau habe ich meinen Sohn Fabian.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Nach der Trennung von Ihrer Frau Petra kamen Sie mit der Schauspielerin und S\u00e4ngerin Nadja Saeger zusammen, die Sie auch k\u00fcnstlerisch sehr unterst\u00fctzt und inspiriert hat. Haben Sie noch Kontakt zu ihr?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Nadja verbindet mich mittlerweile eine lebenslange Freundschaft. Wir waren fast 15 Jahre zusammen. Unsere Liebesbeziehung wurde auf eine esoterische Ebene gehoben. Wir haben einen sehr guten Kontakt, sind uns nach wie vor innig verbunden, und diese Verbundenheit wird auch immer bestehen \u2013 bis dass der Tod uns trennt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Nach der Trennung von Nadja litten Sie furchtbar unter Liebeskummer. Wie haben Sie sich immer motiviert, gerade in Zeiten, wo es nicht so gut lief?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war f\u00fcr mich eine grausame Zeit. Ich habe furchtbar gelitten, mir ging es sehr schlecht. Aber trotzdem ist mir auch in dieser Situation wieder etwas Neues eingefallen \u2013 das war immer so \u2013 in welcher Schwierigkeit ich auch war. Ich bin ein sehr flexibler Mensch, der schnell auf Umst\u00e4nde reagieren kann. Ich konnte mich immer wieder aus eigener Kraft herausziehen. Und meistens war es so: Je tiefer das Tal, desto intensiver wurde meine Musik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>In der Trennungsphase von Nadja haben Sie mit Peter Heppner Ihren sensationellen Hit, \u201eDie Flut\u201c geschaffen \u2013 und wurden zum Star der musikalischen Gothic-Welt\u2026<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist richtig. Ich habe komponiert und mir f\u00fcr das neue Album den Schmerz von der Seele geschrieben, bis er langsam nachlie\u00df. Ich hatte die Vision von einer Flut, die Bestehendes zerst\u00f6rt und Neues erschafft. \u201eDie Flut\u201c kam 1998 auf das Album \u201eBayreuth eins\u201c. Die Beziehung hat sich dann sogar regeneriert, Nadja und ich wurden wieder ein Paar. Diese ganze Problematik mit ihr war der Ansto\u00df f\u00fcr die neue Zielrichtung von Sound. Dadurch kam ich zur Musik der schwarzen Szene. Ich habe gesp\u00fcrt, wie dicht Gothic und EBM an dem Gef\u00fchl waren, das ich vermitteln wollte in meinem Liebeskummer.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Das Album \u201eBayreuth eins\u201c 1998 war nach einer Durstrecke von 16 Jahren Ihr gr\u00f6\u00dfter Erfolg. Sie haben sich v\u00f6llig neu als Ihre eigene Autorit\u00e4t inszeniert &#8211; exzentrisch und dramatisch<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>im dunklen Gehrock mit Grabesstimme\u2026<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDie Flut\u201c war sozusagen der Soundtrack des Neubeginns, die Hymne der bevorstehenden Jahrtausendwende. \u201eDie Flut\u201c stellte sogar den \u201eGoldenen Reiter\u201c in den Schatten. F\u00fcr mich war es ein absolutes Hochgef\u00fchl nach so langer Zeit. Es hat mich aus diesem sehnsuchtsvollen Tief geholt. Ich hatte wieder etwas Neues gefunden, das war bis dahin der H\u00f6hepunkt meiner Karriere. Bei meinem ersten Konzert in Berlin mit den \u201eBayreuth\u201c-Liedern kamen mir die Tr\u00e4nen, als ich sah, wie viele Menschen sich vor der Konzerthalle dr\u00e4ngten. Wir haben danach noch zwei weitere \u201eBayreuth\u201c-Alben produziert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Geh\u00f6rte zum Neubeginn auch, dass Sie sich fast nur noch vegetarisch ern\u00e4hren?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das war schon etwas fr\u00fcher, Anfang der 90er, als ich die Band \u201eMetallic Traffic\u201c produzierte. Es war unsere erste Besprechung, wir kannten uns noch gar nicht, als der S\u00e4nger mich pl\u00f6tzlich fragte: \u201eWas, du isst noch Fleisch\u201c? Das kam so trocken \u00fcber den Tisch, und ich dachte: \u201eWas meint er denn jetzt?\u201c Ich habe dann dar\u00fcber nachgedacht und es war tats\u00e4chlich wie ein Schalter, den ich umgelegt habe. Heute ern\u00e4hre ich mich weitgehend vegetarisch und es geht mir gut damit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>In Ihrer Biografie schreiben Sie auch, dass Sie dem Alkohol so gut wie entsagt haben?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe damit immer mal wieder pausiert. Allerdings trinke ich einfach gerne mal ein Gl\u00e4schen Wein zum Essen. In den letzten Jahren ist der Alkohol allerdings mehr zur Ausnahme geworden. Jetzt, mit fast 75 Jahren, habe ich ihm fast v\u00f6llig entsagt. Ich habe mir gesagt: Du musst dich entscheiden, ob du bestimmte Dinge weitermachst, oder ob du sie einfach mal l\u00e4sst \u2013 zugunsten von vielleicht noch etwas mehr Lebenszeit. Jetzt, in meiner aktuellen Lebensphase, sind ja schon f\u00fcnf Jahre entscheidend. Ich denke \u00fcber diese Dinge heute anders nach. Ich m\u00f6chte so lange wie m\u00f6glich gesund und flexibel bleiben, weiterhin auftreten k\u00f6nnen. Da muss man schon aufpassen, dass man keinen groben Fehler macht in der Ern\u00e4hrung und mit den Dingen, die man zu sich nimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wie halten Sie sich fit?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich gehe schwimmen, dazu ein bisschen Fitness-Training, das ist das Einzige und das mache ich regelm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Welcher K\u00fcnstler, welche Band, hat Sie k\u00fcnstlerisch am meisten inspiriert?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gesellschaftspolitisch waren es die Beatles, obwohl nicht alle ihrer Text so waren. Sp\u00e4ter, in den 70er Jahren, waren es eher Menschen wie Roxy Music, Lou Reed, David Bowie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Haben Sie heute noch Kontakt zu den Stars der Neuen Deutschen Welle?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu Markus habe ich noch immer Kontakt. Nach der Wende war ich Anfang der 90er- Jahre sehr viel mit Peter Schilling und Markus in den neuen Bundesl\u00e4ndern unterwegs. Dort gab es einen enormen Bedarf an der Musik der Neuen Deutschen Welle, an den Stars, die sie damals nicht live erleben konnten. Das war eine sehr lehrreiche Zeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Ihre st\u00e4rksten Titel haben Sie dann abgeliefert, wenn Sie sich von Trends ferngehalten haben. Wie ist das heute?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In meiner fr\u00fcheren Zeit war das tats\u00e4chlich so. Heute habe ich mit Elephant-Music ein Produzenten-Team, das nat\u00fcrlich kommerziell ausgerichtet ist. Sie haben f\u00fcr viele K\u00fcnstler sehr gro\u00dfe Hits geschaffen. Ich habe mich an sie gewandt, weil ich dachte, ich m\u00fcsste vielleicht noch einmal breitere Anerkennung finden und mehr Menschen mit meiner Musik ansprechen, als ich es in den letzten Jahren gewohnt war. Ich war in einer bestimmten Szene etabliert, habe da bis heute eine hohe Anerkennung. Aber dar\u00fcber hinaus etwas zu entwickeln, das war das Ziel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wenn Sie zur\u00fcckblicken, was war die sch\u00f6nste Zeit in Ihrem Leben?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die sch\u00f6nste Zeit kommt hoffentlich noch (<i>lacht)<\/i>. Im R\u00fcckblick war meine sch\u00f6nste Zeit die, als ich in Portugal gelebt habe. Ich habe mich damals frei gef\u00fchlt, war unbeschwert und gl\u00fccklich. Eine unheimlich sch\u00f6ne Phase in meinem Leben war auch der Aufbruch, als ich mit dem Lied \u201eDie Flut\u201c in die neue Szene kam. Das war ein neues und ganz entscheidendes Lebensgef\u00fchl f\u00fcr mich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wie w\u00fcrden Sie dieses neue Lebensgef\u00fchl beschreiben?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dadurch, dass ich noch mehr in die Tiefe gegangen bin, hat sich auch mein Lebensgef\u00fchl verbessert. Auch durch die Erlebnisse, die partnerschaftlichen Erlebnisse in Beziehungen. Dadurch habe ich mich auch selbst noch einmal besser kennengelernt. Auch Nadja spielte dabei eine Rolle. Das hat sehr viel Positives ausgel\u00f6st in mir. Auch diese starke Sehnsucht, die ich immer gesp\u00fcrt habe, ist st\u00e4rker hervorgetreten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Die starke Sehnsucht wonach?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In erster Linie ist es bei mir immer die starke Sehnsucht nach einer besseren Welt, nach einem sch\u00f6neren Miteinander. Mit diesen Dingen habe ich mich dann noch st\u00e4rker besch\u00e4ftigt und das merkt man auch an meinen Texten. Meine Texte haben sich ver\u00e4ndert. Ich habe zuvor eher auf die Gesellschaft rausgeguckt. Sp\u00e4ter habe ich dann genauer darauf geguckt, und die Zusammenh\u00e4nge erkannt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Auf der B\u00fchne inszenieren Sie sich als der \u201eGodfather of Dark Rock\u201c. Wie muss man sich Ihr Leben als Vater, Gro\u00dfvater und Ehemann vorstellen?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin begeisterter Gro\u00dfvater und genie\u00dfe es, Opa zu sein. Meine Tochter hat zwei Kinder, einen Jungen und ein M\u00e4dchen. Die beiden sind 4 und 5 Jahre alt. Vom Gef\u00fchl bin ich ein sehr leidenschaftlicher Opa, von der Aktion, von dem, was wir zusammen unternehmen ist es wieder ein bisschen anders. Ich tobe nicht mit den Kindern durch die Gegend, aber ich freue mich immer, wenn ich Zeit mit ihnen verbringen kann. Aber am sch\u00f6nsten finde ich es, wenn sie \u201eOpi\u201c zu mir sagen, da geht mir richtig das Herz auf. Ich f\u00fchle mich dann total und bedingungslos geliebt. Vor 40 Jahren h\u00e4tte ich das nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten. Allein diese Altersklassifizierung durch den Begriff fand ich schon so absto\u00dfend. Und jetzt f\u00fchle ich mich so wohl damit, das ist ein richtig sch\u00f6nes Gef\u00fchl mit den Kleinen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Was unternehmen Sie am liebsten mit Ihren Enkeln?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir spielen gerne miteinander, setzen Puzzles zusammen. Aber dadurch, dass die beiden zu zweit sind, besch\u00e4ftigen sie sich auch gerne mit sich selbst. Wenn sie bei uns zu Besuch sind, haben sie ihre Spielecke mit ihren ganzen Spielsachen. Darauf st\u00fcrzen sie sich dann begeistert und sind stundenlang damit besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Singen Sie auch mal f\u00fcr Ihre Enkel?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, das finde ich peinlich <i>(lacht).<\/i> Neulich haben meine Enkelkinder mal ein Video gesehen mit mir. Sie nehmen jetzt schon mehr wahr. Meine Enkelin stand dann vor dem Fernseher und hat sehr verwundert geschaut. Sie hat es nat\u00fcrlich noch nicht verstanden. Es war f\u00fcr sie v\u00f6llig aus dem Zusammenhang gerissen, weil sie mich ja ganz anders erlebt. Aber ihre Reaktion zu sehen, das war schon sehr niedlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wie sieht ein freier Tag bei Ihnen aus?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Freie Tage habe ich ehrlich gesagt nicht wirklich. Abgesehen davon, dass ich zwischendurch immer mal schwimmen gehe, ist es so, dass ich fast gezwungen bin, von morgens bis abends am Laptop zu sein. Ich muss st\u00e4ndig Mails beantworten, ich muss st\u00e4ndig Entscheidungen treffen, auch in Sachen Vermarktung. Da bin ich stark involviert und es gibt keine Entscheidung, die ohne mich gef\u00e4llt wird. Wenn ich auftrete, oder zu Proben gehe, dann habe ich auch dazwischen immer noch Dinge, die erledigt werden m\u00fcssen, Interviews oder sonstige Termine. Freizeit in dem Sinn, gibt es f\u00fcr mich nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Seit Ihrem Album \u201eR\u00fcbezahl\u201c 2018 haben Sie auch einen R\u00fcbezahl-Bart. Der bleibt auch in Zukunft, oder?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, der Bart bleibt! Ich trage ihn jetzt nicht mehr so lang, er ist ein bisschen gestutzt. Ich mag ihn sehr. In dem Alter, in dem ich jetzt bin, finde ich einen Bart ganz gut. Er lenkt von den Partien im Gesicht ab, die im Alter unattraktiv werden (<i>lacht)<\/i>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Wie findet Ihre Frau Juliane den Bart?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Anfang, als der so lang war, fand sie ihn sehr gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig. Sie hat dann aber eingesehen, dass es beruflich notwendig war f\u00fcr mein Image.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Mit Juliane sind Sie seit 17 Jahren zusammen, vor f\u00fcnf Jahren haben Sie geheiratet. Was ist Ihr Gl\u00fccks-Geheimnis?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht ist es ganz einfach: Wir regen uns nicht \u00fcber jeden Mist auf. Es ist ein sehr respektvolles miteinander umgehen. Wir liegen im Gef\u00fchlsbereich auch nicht weit auseinander, so dass das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den anderen immer da ist. Dass man nachvollziehen kann, wie der andere denkt. Wir \u00e4rgern uns zum Beispiel nicht \u00fcber diese Beziehungskinderkrankheiten, wer wann aufr\u00e4umt, oder wer wann die Sp\u00fclmaschine ausr\u00e4umt. Diese ganzen Dinge, die sich dann irgendwann zu einem Problem aufbauen, und an denen Beziehungen oft auch zerbrechen, das gibt es bei uns nicht. Bei vielen Paaren kommt ja nach einer gewissen Zeit auch eine gewisse Respektlosigkeit in die Beziehung oder man demaskiert den Partner vor anderen. Das sind die Grunds\u00fcnden in einer Beziehung, das geht nicht. Man erlebt das sehr h\u00e4ufig, dass man die eigene Schw\u00e4che oder Ohnmacht dadurch ausgleicht, in dem man den Partner vor fremden Leuten blo\u00dfstellt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Kennen Sie das aus eigener Erfahrung?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe das fr\u00fcher tats\u00e4chlich auch erlebt und fand es einfach nur furchtbar. Und das gibt es in ganz vielen Beziehungen. Um diese Dinge muss ich mir in dieser Ehe keinen Kopf machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Arbeitet Juliane auch im Showbusiness?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Juliane ist keine K\u00fcnstlerin, aber sie macht f\u00fcr mich das Merchandising, das ist ihr Bereich, den sie \u00fcbernommen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Was macht Sie gl\u00fccklich?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es macht mich gl\u00fccklich, unbeschwert leben zu k\u00f6nnen. Unbeschwert von irgendwelchem Druck von au\u00dfen. Auch wirtschaftlich unbeschwert leben zu k\u00f6nnen, ist f\u00fcr mich ganz wichtig. Das Allerwichtigste f\u00fcr mich ist es aber, eine gl\u00fcckliche Beziehung zu haben, eine gl\u00fcckliche Familie. Das steht \u00fcber allem.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Die finanziellen Probleme liegen ja hinter Ihnen\u2026<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Gl\u00fcck ist das so. Aber ich kenne diese wirtschaftlichen Schwierigkeiten von fr\u00fcher zur Gen\u00fcge, und das hat mich immer sehr belastet. Nicht zu wissen, wie es weitergeht, das war ein immenser Druck. Das liegt jetzt hinter mir. Diese Sorgen muss ich mir nicht mehr machen, ich komme gut zurecht. Ich denke, allein vom \u201eGoldenen Reiter\u201c werden auch meine Kinder noch etwas haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>K\u00f6nnten Sie sich vorstellen, noch einmal in den sonnigen S\u00fcden zu ziehen?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich k\u00f6nnte mir das durchaus vorstellen. Ich habe wie gesagt, in Portugal meine gl\u00fccklichste Zeit erlebt. Und zumindest \u00fcber den Winter k\u00f6nnte ich mir vorstellen, mir ein Domizil im sonnigen S\u00fcden zu suchen. <span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>In den Ruhestand wollen Sie aber trotzdem nicht gehen?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, Ruhestand ist f\u00fcr mich \u00fcberhaupt keine Option. Ich liebe es, Musik zu machen. Solange ich mich fit f\u00fchle, mich k\u00f6rperlich und geistig gut bewegen kann, werde ich weitermachen und f\u00fcr meine Fans auftreten. Ich bin noch immer sehr neugierig, stecke voller Ideen. Zur Ruhe setze ich mich erst, wenn ich im Sarg liege.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Sie haben Fans in allen Str\u00f6mungen und mehreren Generationen. Mit Ihrem neuen Album \u201eFels in der Brandung\u201c gehen Sie ab Mitte September auf eine kleine Club-Tour, Die Konzerte in Berlin und Leizpig sind schon jetzt ausverkauft\u2026<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das freut mich sehr. Im Osten bin ich ja eine Burg. Da habe ich viele treue Fans und die f\u00fchlen sich auch immer total verstanden. Ich wei\u00df auch, warum das so ist.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Warum glauben Sie, ist das so?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich strahle etwas aus, was mit sozialem Verst\u00e4ndnis zu tun hat. Das ist auch in meinen Texten der Fall und das habe ich auch erlebt, als ich nach der Wende da war. Im Osten haben die Menschen eine andere Sozialisierung erfahren. Sie gehen einfach besser miteinander um. Das ist etwas, was mir sehr am Herzen liegt, und ich denke, das sp\u00fcren die Menschen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Sie haben im Laufe der Jahre viel ausprobiert, Rock, Pop, NDW, Dark Wave, Gothic. Zuletzt inszenierten Sie sich gerne d\u00fcster, hart, martialisch. Wie sehr entspricht Ihnen das?<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den letzten Jahren habe ich erlebt, dass sich viele Menschen aus der Gothic-Szene von meiner Musik angesprochen f\u00fchlen. Ich denke, es liegt daran, wie ich Texte gestalte und Themen behandle. Pers\u00f6nlich bin ich kein d\u00fcsterer Typ, sondern grunds\u00e4tzlich ein positiver Mensch. Klar, bin ich nachdenklich und tiefgr\u00fcndig. Die Tiefe macht eben das Seelenleben aus. Aber ich sehe mich selbst als sehr humorvoll an und suche gerne die lustigen Momente im Leben.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-207232\" src=\"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Joachim-WITT_FelsBrandung_AlbumCover-800x800.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Joachim-WITT_FelsBrandung_AlbumCover-800x800.jpg 800w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Joachim-WITT_FelsBrandung_AlbumCover-522x522.jpg 522w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Joachim-WITT_FelsBrandung_AlbumCover-150x150.jpg 150w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Joachim-WITT_FelsBrandung_AlbumCover-768x768.jpg 768w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Joachim-WITT_FelsBrandung_AlbumCover-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Joachim-WITT_FelsBrandung_AlbumCover-2048x2048.jpg 2048w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Joachim-WITT_FelsBrandung_AlbumCover-272x272.jpg 272w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Joachim-WITT_FelsBrandung_AlbumCover-600x600.jpg 600w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Joachim-WITT_FelsBrandung_AlbumCover-130x130.jpg 130w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Joachim-WITT_FelsBrandung_AlbumCover-445x445.jpg 445w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Joachim-WITT_FelsBrandung_AlbumCover-190x190.jpg 190w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/Joachim-WITT_FelsBrandung_AlbumCover-290x290.jpg 290w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_209640\" aria-describedby=\"caption-attachment-209640\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-209640\" src=\"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Joachim-witt_Pressefoto_Schwoer-mir_1_C-Franz-Schepers-800x800.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Joachim-witt_Pressefoto_Schwoer-mir_1_C-Franz-Schepers-800x800.jpg 800w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Joachim-witt_Pressefoto_Schwoer-mir_1_C-Franz-Schepers-522x522.jpg 522w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Joachim-witt_Pressefoto_Schwoer-mir_1_C-Franz-Schepers-150x150.jpg 150w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Joachim-witt_Pressefoto_Schwoer-mir_1_C-Franz-Schepers-768x768.jpg 768w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Joachim-witt_Pressefoto_Schwoer-mir_1_C-Franz-Schepers-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Joachim-witt_Pressefoto_Schwoer-mir_1_C-Franz-Schepers-2048x2048.jpg 2048w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Joachim-witt_Pressefoto_Schwoer-mir_1_C-Franz-Schepers-272x272.jpg 272w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Joachim-witt_Pressefoto_Schwoer-mir_1_C-Franz-Schepers-600x600.jpg 600w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Joachim-witt_Pressefoto_Schwoer-mir_1_C-Franz-Schepers-130x130.jpg 130w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Joachim-witt_Pressefoto_Schwoer-mir_1_C-Franz-Schepers-445x445.jpg 445w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Joachim-witt_Pressefoto_Schwoer-mir_1_C-Franz-Schepers-190x190.jpg 190w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Joachim-witt_Pressefoto_Schwoer-mir_1_C-Franz-Schepers-290x290.jpg 290w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-209640\" class=\"wp-caption-text\"><em>Foto-Credit: Franz Schepers<\/em><\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Martina Mack f\u00fchrte ein sehr, sehr ausf\u00fchrliches Gespr\u00e4ch mit dem &#8222;F\u00fcrst der Finsternis&#8220; 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