{"id":169744,"date":"2021-08-24T00:00:50","date_gmt":"2021-08-23T22:00:50","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws2\/?p=169744"},"modified":"2021-08-23T23:06:29","modified_gmt":"2021-08-23T21:06:29","slug":"freddy-quinn-der-weltstar-der-keiner-wurde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/oldies\/freddy-quinn-der-weltstar-der-keiner-wurde\/","title":{"rendered":"FREDDY QUINN <br>Der Weltstar, der keiner wurde!"},"content":{"rendered":"<p>Lesen Sie HIER &#8211; zum 90. Geburtstag von Freddy Quinn (am 27.09.2021) &#8211; einen Beitrag von\u00a0<span lang=\"DE\">Alf Rolla &#8230;:<\/span><!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Unklarheiten im Leben des Freddy Quinn &#8211; Er wurde in Deutschland als Schlagerstar (\u201eJunge, komm bald wieder\u201c) verschlissen, konnte aber viel mehr +++ Am 27. September wird er 90 Jahre alt +++<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer ist eigentlich FREDDY QUINN? Eine banal klingende Frage gewiss, und doch notwendig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle Experten sind sich einig: Der K\u00fcnstler &#8211;\u00a0 er kam als Franz Eugen Helmuth Manfred Nidl am 27. September 1931 zur Welt\u00a0 &#8211; ist die Lichtgestalt der Schlagerwelt gewesen. Doch schon sein Geburtsort hat immer R\u00e4tsel aufgegeben: Ist er in Wien, Niederfladnitz (\u00d6sterreich) oder Pula (Kroatien) zur Welt gekommen?\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Seinen Fans ist das immer schnurzpiepegal gewesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war wohl Ende der 1970er Jahre, als er bei einer privaten Feier in Herne die Abenteuer seines Lebens schilderte und dann lachend erkl\u00e4rte: \u201eSie m\u00fcssen erst mal h\u00f6ren, was ich den Jounalisten so alles erz\u00e4hle &#8230;\u201c Und er wusste immer einiges zu erz\u00e4hlen, 1990 bezeichnete er seinen Vater auf einer Pressekonferenz als \u201egeb\u00fcrtigen Trientiner\u201c, sp\u00e4ter stammte der gute Mann pl\u00f6tzlich aus Irland.\u00a0 Freddy selbst hatte sich Zeit seines Lebens regelrecht in seine \u201eBiografie\u201c verstrickt \u2013 Karl May l\u00e4sst sch\u00f6n gr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es hat auch den Schauspieler Freddy Quinn gegeben, der in 13 &#8211; nach Meinung von Kritikern &#8211; zu Recht vergessene Schlagerfilmen (\u201eUnter fremden Sternen\u201c, \u201eNur der Wind\u201c, \u201eHeimweh nach St. Pauli\u201c) sehr leichte Kost servierte. Der Inhalt war weitgehend egal: Der Taxifahrer, Kanada-Auswanderer oder Cowboy (immer der Hauptdarsteller) musste nur zur Gitarre greifen und ein gef\u00fchlvolles Lied schmettern &#8230; Neunzig Minuten lang wurden eben Klischees bedient, aber ganz ehrlich, konnte man von deutschen Schlagerfilmen was anderes erwarten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch was f\u00fcr eine Pers\u00f6nlichkeit hat sich hinter dem Gesicht des umjubelten Entertainers verborgen? Sie bekamen seine Fans nur in Ausnahmef\u00e4llen zu sehen. Zwar stand er l\u00e4ngst auf der falschen Seite der Siebzig, doch 2002 bei seiner Abschiedstournee \u201eLieder, die das Leben schrieb&#8220; konnte man meinen, er sei nicht \u00e4lter als f\u00fcnfzig: Der Mann mit der unverwechselbaren Baritonstimme wirbelte \u00fcber die B\u00fchne, war schlagfertig und hatte alle Liedertexte drauf. Am letzten Tag der Tournee \u2013 ausgerechnet im Konzerthaus seiner angeblichen Geburtsstadt Wien \u2013 war der Dinosaurier der Schlagerbranche total verunsichert, in seinen Augen hatten sich Tr\u00e4nen gesammelt. Er drehte sich zur Seite, niemand sollte in ihn hineinsehen. Ausgerechnet ihm war so ein Gef\u00fchlsausbruch passiert. Den Umgang mit eigenen Gef\u00fchlen hatte er stets geschickt \u00fcberspielt, doch diesmal wollte es nicht klappen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schnell ist man mit dem Wort \u201eVerdr\u00e4ngen&#8220; bei der Hand. Aber ist das wirklich \u201eVerdr\u00e4ngen&#8220; gewesen? Man muss die Stationen seines Lebens kennenlernen, um diese Frage beantworten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was Jahrzehnte sp\u00e4ter den Beckenbauers, Kahns und Beckers recht war, konnte seinen Eltern nur billig sein. Zumindest hie\u00df es so in seiner angeblichen Biografie, die vermutlich am Schreibtisch seines Ex-Produzenten Lotar Olias entstanden war. Danach trennten sich seine Eltern, als der Junge noch klein war. Dass ihn das traurig machte, habe er verborgen. Einige Zeit sp\u00e4ter soll Freddys Mutter (\u201eDamit der Bub einen Vater hat\u201c) in Wien eine neue Beziehung zu einem 36 Jahre \u00e4lteren Baron eingegangen sein. Dieser Rudolf Freiherr von Petz war total verarmt und hatte seine Lebensaufgabe im Verfassen von Tiergedichten gefunden. Und wie das oft so ist, der Junge und sein Stiefvater verstanden sich \u00fcberhaupt nicht und der Filius brannte mit einem Zirkus durch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine eigentliche Karriere begann in den 1950er Jahren in der Hamburger \u201eWashington Bar\u201c. In dem Lokal h\u00f6rte ihn Fernsehregisseur J\u00fcrgen Roland (\u201eStahlnetz\u201c) und besorgte ihm erste Auftritte im Rundfunk. Und dann gings richtig los. Die Manager der Plattenfirma \u201ePolydor\u201c waren davon \u00fcberzeugt, die beste Strategie f\u00fcr die Nachkriegszeit im Tornister zu haben. Sie wussten, dass in schwierigen Zeiten die m\u00e4rchenhaften Legenden mehr als eine angenehme Abwechslung sind. Ab sofort war Freddy der einsame Seeb\u00e4r, in dessen Gesicht man das ganze Leid der unruhigen Welt (\u201eHeimatlos sind viele auf der Welt\u201c) suchen konnte. Und die Welt dankte es ihm mit 17 goldenen Schallplatten (u.a. f\u00fcr \u201eDie Gitarre und das Meer&#8220; und \u201eLa Paloma\u201c), Goldenen L\u00f6wen von Radio Luxemburg, Goldenen Europas, Goldenen Stimmgabeln usw.\u00a0 \u00dcbrigens: \u201eHeimweh&#8220; mit dem monotonen Refrain \u201eSo sch\u00f6n war die Zeit&#8220; hatte eigentlich Ren\u00e9 Carol (\u201eRote Lippen, rote Rosen, roter Wein&#8220;) singen sollen. Freddy Quinn sprang kurzfristig als Ersatz ein, weil sein Kollege wegen Trunkenheit am Steuer im Knast sa\u00df. Sp\u00e4ter hat Ren\u00e9 Carol sich schwarz ge\u00e4rgert, als das Lied 14 Wochen auf dem ersten Platz in Deutschland war. Dumm gelaufen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zehn Jahre sp\u00e4ter landete Freddy einen Welthit mit \u201eSpanish Eyes\u201c \u2026 aber nur fast. Al Martino schnappte ihm den Song weg und belegte Spitzenpl\u00e4tze in den Charts dieser Welt. Dumm gelaufen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Hitparaden bestimmten zu dieser Zeit l\u00e4ngst weitgehend talentfreie Eintagsfliegen, die noch vor kurzer Zeit mit der Plastiktr\u00f6te um den Tannenbaum gerannt waren. Dass Freddy immer den Wunsch hatte, viele Seiten zu zeigen und nicht nur Schlager zu singen, war das Allerletzte, was die Branche von ihm erwartete. Auch ohne den Beifall der \u00fcblichen Bedenkentr\u00e4ger wurde aus ihm kein d\u00fcnn flackerndes Licht im Showgesch\u00e4ft. Sogar Anni-Frid Lyngstad (\u201eAbba&#8220;) sang \u201eJunge, komm bald wieder&#8220; in einer schwedischen Version: \u201ePeter, kom tillbaka&#8220;. Der Name Freddy Quinn zierte unterdessen Theaterplakate (sogar in London), der K\u00fcnstler f\u00fchlte sich sichtlich wohl, wenn er eine Rolle au\u00dferhalb jeder Quinn-Schublade spielen durfte, so den kauzigen Westernhelden Sam Hawkens bei den \u201eKarl-May-Festspielen\u201c in Bad Segeberg oder den US-General Clark in dem Film \u201eDie wilden F\u00fcnfziger\u201c (Regie: Peter Zadek).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich sang Freddy Quinn weiterhin seine Gassenhauer bei Tourneen, aber die Hallen wurden deutlich kleiner, so trat er nicht mehr in der Dortmunder \u201eWestfalenhalle&#8220; (11000 Pl\u00e4tze) auf, sondern gastierte vor 950 begeisterten Fans im ausverkauften \u201eHeinz-Hilpert-Theater\u201c im benachbarten L\u00fcnen. Stets reiste er mit gro\u00dfem Orchester &#8211; v\u00f6llig egal, dass zuletzt die ausgezeichneten Musiker aus Warschau stammten. Beim Chor war dagegen deutlich zu merken, dass Deutsch eine schwere Fremdsprache ist. Den gr\u00f6\u00dften Beifall in den Konzerten gab es stets f\u00fcr seine Evergreens, da war Freddy der \u201eSchuhanzieher&#8220; f\u00fcr das Kopfkino seines Publikums, bei neuen Songs wie \u201eIch brauche Dich&#8220; war der Beifall nur h\u00f6flich, auf \u201eEin M\u00e4dchen und ein Matrose&#8220; oder \u201eIm Supermarkt gleich nebenan&#8220; hatte der Plattenmillion\u00e4r gn\u00e4digerweise verzichtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotzdem kannten bei Umfragen zeitweise \u00fcber 95 Prozent der Befragten den Namen des Entertainers. Darunter waren auch Country-Fans, die er mit seiner TV-Show \u201eIt\u00b4s Country Time\u201c (ein Gast war Megastar Johnny Cash) \u00fcberzeugt hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber Freddy wirkte immer einen Schlag steifer als die anderen Showstars. Er war zu einem Gefangener seiner selbst geworden, auch wenn er l\u00e4ngst keinen Rollkragenpullover mehr trug, musste er vieles ertragen, so zum Beispiel das Dauer-Klischee vom singenden Seemann. Und es wirkte irgendwie wie eine Befreiung, als er einem Fachblatt f\u00fcr Frauen jenseits der Menopause sagte: \u201eIch bin nie ein richtiger Matrose gewesen. Einige Male habe ich Schiffsstopp gemacht. Um mitgenommen zu werden, habe ich als Hilfsarbeiter an Bord gejobbt, mehr aber auch nicht.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine alten Hits hatte er zu dieser Zeit nochmal aufgenommen, doch die Titel (wie die meisten seiner englischsprachigen Aufnahmen) klangen sehr distanziert, es fehlte die sog. emotionale N\u00e4he, die fr\u00fcher seine Platten ausgezeichnet und zu Bestsellern gemacht hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Interviews und pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4chen hatte er meistens nur von sich gesprochen, er war ein kleiner Egozentriker \u2013 wie es alle richtigen K\u00fcnstler nun mal sind.\u00a0 Stets war er auch m\u00fcrrisch, und man konnte merken, dass er nicht gl\u00fccklich war mit der Kunstfigur, die Manager, Plattenfirma und wohl er selbst aus ihn gemacht hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 16. Januar 2008 verstarb seine Dauerfreundin Lilli Blessmann. Danach zog er sich fast v\u00f6llig von der \u00d6ffentlichkeit zur\u00fcck. Er schien wieder der Schatten zu sein, der einst in den 1950er Jahren in Hamburg aus dem Nichts aufgetaucht war und jetzt spurlos verschwand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M\u00f6glicherweise stimmen sogar die sog. Enth\u00fcllungsgeschichten, eventuell ist auch die Kindheit in Amerika eine Erfindung und der Name Quinn nur eine \u201eVerbeugung\u201c vor seinem Idol Anthony Quinn (\u201eAlexis Sorbas\u201c) &#8211; aber diese eingest\u00fcrzten Denkm\u00e4ler lassen sofort den Menschen in die N\u00e4he einer Filmfigur von Hans Albers r\u00fccken. Aber wir kennen nicht die psychologischen Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Fassade. Die Bilanz seines widerspr\u00fcchligen Lebens: Die Kunst des Freddy Quinn verdient Respekt und brauchte keine Fantasiestorys, aber vielleicht geh\u00f6rten diese Geschichten einfach zum Zeitgeist der 1950er Jahre. Auch in Zukunft wird der Mann zeitlos sch\u00f6ne Spuren (auf Platten festgehalten) hinterlassen \u2013\u00a0besonders in Zeiten, die ohne neue Lieder von ihm nicht mehr so sch\u00f6n sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lesen Sie HIER &#8211; zum 90. 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