{"id":162843,"date":"2021-03-21T22:35:56","date_gmt":"2021-03-21T21:35:56","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws2\/?p=162843"},"modified":"2021-03-21T22:37:38","modified_gmt":"2021-03-21T21:37:38","slug":"karola-wille-so-begegnet-mdr-intendantin-prof-dr-karola-wille-kritikern-am-rundfunkbeitrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/ost-schlager\/karola-wille-so-begegnet-mdr-intendantin-prof-dr-karola-wille-kritikern-am-rundfunkbeitrag\/","title":{"rendered":"KAROLA WILLE <br>So begegnet MDR-Intendantin Prof. Dr. Karola Wille Kritikern am Rundfunkbeitrag!"},"content":{"rendered":"<p>In der MDR-Talkshow &#8222;Riverboat&#8220; \u00e4u\u00dferte sie sich im Gespr\u00e4ch mit Gast-Moderatorin Stefanie M\u00fcller-Spirrawie folgt &#8230;:<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<div class=\"\" style=\"text-align: justify;\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b class=\"\">Stefanie M\u00fcller-Spirra: Was macht denn eine Intendantin normalerweise am Freitagabend, wenn die Zuschauerinnen und Zuschauer das \u201eRiverboat\u201c ansehen?<\/b><\/p>\n<p>Ja, erstmal durchatmen. Die Woche ist ja gut gef\u00fcllt und Freitagabend sichere ich erstmal meine Grundversorgung und gehe einkaufen, um den K\u00fchlschrank f\u00fcr die kommende Woche aufzuf\u00fcllen. Daf\u00fcr gehe ich in meinen Einkaufsmarkt und es ist immer total nett. Es sind dann nicht mehr viele Leute im Markt und am B\u00e4ckerstand steht eine liebe Frau, die begr\u00fc\u00dft mich und sagt: &#8222;Mensch, wieder total sp\u00e4t! Na meine Sonne, was gibt es denn Neues?&#8220; Das ist f\u00fcr mich immer wie ein Durchatmen. Und dann kommt ja das \u201eRiverboat\u201c. Gott sei Dank immer sp\u00e4t, so dass ich eigentlich immer nochmal reinschaue.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"\" style=\"text-align: justify;\"><b class=\"\">Seit 10 Jahren sind Sie jetzt unsere Chefin beim MDR. Sie haben sich 1991 mit einer alten Erika-Schreibmaschine beworben. Sie wollten zum MDR &#8211; warum denn? Sie sind ja eigentlich Juristin, was hat sie am Fernsehen fasziniert?<\/b><\/div>\n<div class=\"\" style=\"text-align: justify;\">\n<p>Es war keine spontane Eingebung, als ich diese Anzeige damals in der Zeitung gelesen habe, sondern es ist eine l\u00e4ngere Geschichte. Ich war in der Wissenschaft, an der Universit\u00e4t Leipzig, t\u00e4tig und betreute in der zweiten H\u00e4lfte der achtziger Jahre ein Forschungsprojekt mit. Dort ging es um Medienordnungen in Westeuropa &#8211; ein gro\u00dfes UNESCO-Forschungsprojekt und ich war daran beteiligt. Schon da wuchs bei mir immer mehr die Erkenntnis, wie wichtig demokratieunabh\u00e4ngige Medien sind. Und als dann die Wendezeit kam, hatte ich eine Riesenchance, da gleich mitzumischen. Als der Beschluss der Volkskammer zu den Freiheitsrechten in den Medien kam &#8211; es ging um Meinungsfreiheit und Medienfreiheit &#8211; und etwas sp\u00e4ter dann stand pl\u00f6tzlich diese Anzeige in der Zeitung: Der MDR kommt nach Leipzig. Da dachte ich: Das ist die Chance deines Lebens! Ich habe dann an den Gr\u00fcndungsbeauftragten Volkram Gebel geschrieben. Auf der Ost-Schreibmaschine und schrieb: Ja, ich bin eine Ost-Jurist, ich interessiere mich f\u00fcr Medien und ich bringe eine Expertise mit und m\u00f6chte hier gerne arbeiten. Ich hatte totales Gl\u00fcck: Wir haben noch gar nicht gesendet, da durfte ich hier schon arbeiten.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"\" style=\"text-align: justify;\"><b class=\"\">Stefanie M\u00fcller-Spirra: Wer ist denn Ihr gr\u00f6\u00dfter Kritiker?<\/b><\/div>\n<div class=\"\" style=\"text-align: justify;\">\n<p>Die Kritikerin, die st\u00e4ndig dabei ist, ist auch bei mir meine Mama. Sie sagt dann: Ich habe dich heute wieder im Fernsehen gesehen. Meist war alles ok, manchmal sagt sie aber auch, ich h\u00e4tte etwas angestrengt ausgesehen und dann macht sie sich Sorgen.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"\" style=\"text-align: justify;\"><b class=\"\">Kim Fisher: Wenn Sie heute Fernsehen gucken, ist Ihnen da auch die Darstellung der Frau wichtig? Schauen Sie da bewusst?<br \/>\n<\/b><\/div>\n<div class=\"\" style=\"text-align: justify;\">\nAuf jeden Fall deutlich bewusster als fr\u00fcher, klar. Als Frau und als Intendantin einer \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt sowieso. Wir haben einen Vielfaltsauftrag. Wir m\u00fcssen daf\u00fcr stehen, die Gesellschaft in ihrer Unterschiedlichkeit und ihrer Vielf\u00e4ltigkeit darzustellen, die Lebenswirklichkeit der Menschen zeigen. Und wenn die H\u00e4lfte der Gesellschaft Frauen sind, dann m\u00fcssen sich diese auch dargestellt finden, auch medial. Es gibt Rollenbilder &#8211; und wie stark die wirken, wissen wir alle. Wir wissen, das Stereotype auch durch Medien gepr\u00e4gt werden und hinter ihnen eine ziemliche Wirkkraft steckt. Eine Studie, die alle deutschen Fernsehsender vor einigen Jahren gemeinsam in Auftrag gegeben haben, zeigte, dass deutlich mehr M\u00e4nner im Fernsehen zu sehen sind. Es wurden 3000 Stunden Fernsehen und mehrere Kinofilme analysiert. Die alte Rollenwelt: Nachrichtensprecher und Experten erkl\u00e4ren die Welt &#8211; das war die Erkenntnis vor sechs Jahren und das fand ich ziemlich nachdankenswert. Wir m\u00fcssen uns das noch mehr bewusst machen und reflektieren, was da genau im Fernsehen stattfindet. Ich finde, da hat sich schon viel bewegt in der ARD und beim MDR. Die H\u00e4lfte der journalistischen F\u00fchrungskr\u00e4fte beim MDR sind Frauen. Eine Frau spricht die meisten Kommentare in den &#8222;Tagesthemen&#8220; &#8211; und die kommt vom MDR, Kristin Schwietzer. Da freue ich mich total. Jetzt kam die Meldung, dass erstmals eine Frau alle Endspiele der Europa- und Weltmeisterschaft im Radio moderieren wird. Und alle: Wow! Ich dachte aber: Wir haben es erst geschafft, wenn keiner mehr \u201eWow\u201c sagt. Sondern alle sagen, das ist doch v\u00f6llig normal. Und sich keiner mehr dar\u00fcber wundert.<\/div>\n<div class=\"\" style=\"text-align: justify;\"><b class=\"\"><br \/>\nStefanie M\u00fcller-Spirra: Der MDR schreibt sich auf die Fahne, innerhalb der ARD die \u201eStimme des Ostens\u201c zu sein. Wie wichtig finden Sie es, dass sich die Menschen im Sendegebiet auch wiederfinden und verstanden f\u00fchlen?<\/b><\/div>\n<div class=\"\" style=\"text-align: justify;\">\n<p>Das ist f\u00fcr mich ein sehr, sehr wichtiges Thema. Wir hatten jetzt gerade 30 Jahre Deutsche Einheit und ein Bericht der Kommission \u201e30 Jahre Deutsche Einheit\u201c ergab, dass sich 83% der Ostdeutschen in ihren Lebensleistungen nicht gen\u00fcgend anerkannt und als Menschen zweiter Klasse f\u00fchlen. Ich glaube, das hat ganz viele Ursachen, kommt aber nat\u00fcrlich auch ein bisschen \u00fcber mediale Bilder, die geschaffen wurden: Der Osten sei abgeh\u00e4ngt, ein St\u00fcck Armut, eine vermeintliche Krisenregion, ein St\u00fcck ausgebreiteter Rechtsradikalismus. Das geh\u00f6rt alles zu diesem Bild vom Osten Deutschlands. Aber es ist bei Weitem nicht alles. Diese Vielf\u00e4ltigkeit und das, was hier entstanden ist, was die Menschen auch f\u00fcr Leistungen vollbracht haben, unter schwierigen Voraussetzungen teilweise und welche Kraft in diesen drei L\u00e4ndern liegt: das dazustellen und zu reflektieren und auch bundesweit zu vermitteln, ist zutiefst eine Aufgabe des MDR. Wir f\u00fchlen uns auch verantwortlich, dies mehr in die ARD zu bringen und in die bundesweiten Bilder \u00fcber den Osten. Es geht darum, das Tolle und auch die Leistungskraft der ostdeutschen L\u00e4nder zu vermitteln, in all ihrer Differenziertheit und mit all ihren Schwierigkeiten. Aber eben gegen diese negativen Bilder anzugehen und auch gegen die Stereotype, die es \u00fcber den Osten noch gibt. Da f\u00fchlen wir uns als MDR stark verantwortlich.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"\" style=\"text-align: justify;\"><b class=\"\">Stefanie M\u00fcller-Spirra: Gerade sind die Diskussionen um den Rundfunkbeitrag allgegenw\u00e4rtig. Viele Menschen fragen sich: Warum reichen rund acht Milliarden Euro pro Jahr f\u00fcr die \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender nicht aus? Was sagen Sie denen?<\/b><\/div>\n<div class=\"\" style=\"text-align: justify;\">\n<p>Denen w\u00fcrde ich gern jetzt in der Corona-Zeit sagen, dass gerade diese Krise gezeigt hat, wie wichtig es ist, dass es ein System gibt, das verl\u00e4ssliche Informationen bietet und auf das man vertrauen kann, weil es guten Journalismus bietet. Und dass wir in dieser schwierigen Zeit den Schulen mit vielen Bildungsinhalten f\u00fcr Kindern geholfen haben. Ich finde, dass wir einen ganz besonderen \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland haben, der vielf\u00e4ltig ist. Deutschland ist f\u00f6deral und wir wollen an den Problemen der Menschen dran sein. Deshalb ist auch der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk f\u00f6deral. Das kostet nat\u00fcrlich Geld, widerzuspiegeln zu k\u00f6nnen, was die Menschen in ganz Deutschland bewegt und daf\u00fcr nah bei ihnen sein zu k\u00f6nnen. Wir werden von der Gesellschaft finanziert und deshalb haben die Menschen nat\u00fcrlich den Anspruch darauf, dass wir das in guter journalistischer Qualit\u00e4t liefern und die Menschen sich darauf verlassen k\u00f6nnen. Wir haben uns riesig gefreut: 64 % der Menschen sagen, sie vertrauen dem MDR im besonderen Ma\u00dfe vertrauen und fast 90% der Menschen sagen, wir vertrauen dem MDR als \u00f6ffentlich-rechtliches Programm. Das spricht f\u00fcr die Kolleginnen und Kollegen im Haus. Das zeigt auf, dass wir in der Gesellschaft tief verankert sind. Klar, gibt es auch Kritik und Dinge, an denen wir noch ein bisschen arbeiten m\u00fcssen. Aber das ist ja normal und damit m\u00fcssen wir offen umgehen.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"\" style=\"text-align: justify;\"><b class=\"\">Stefanie M\u00fcller-Spirra: Gibt es starke Frauen in Ihrem Umfeld?<\/b><\/div>\n<div class=\"\" style=\"text-align: justify;\">\n<p>Ich sage mal: Unbedingt. W\u00e4hrend der Berlinale habe ich mal ausprobiert, einen Empfang nur f\u00fcr Frauen zu machen. Ich habe Regisseurinnen, Produzentinnen und andere Frauen aus der Filmbranche eingeladen und dachte, mal sehen, ob das funktioniert. Und es hat funktioniert. Mittlerweile ist es eine Tradition. Es war laut, es war fr\u00f6hlich, einfach ein sch\u00f6ner Abend &#8211; und auch die lauteste Veranstaltung, die ich kenne. Es gibt einen sch\u00f6nen Begriff, den ich jetzt gelernt habe: Die Tankstellenkollegin. Eine Kollegin, zu der man mal gehen kann und auftanken kann. Einfach mal reden, austauschen und einfach mal ein bisschen was abholen. Ich denke, das ist sehr wichtig. Beim MDR gibt es ein Frauennetzwerk mit mittlerweile \u00fcber 100 Kolleginnen, die sich ein paar Mal im Jahr treffen und miteinander austauschen.<\/p>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div>\n<figure id=\"attachment_156203\" aria-describedby=\"caption-attachment-156203\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-156203\" src=\"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/wille_MDR_-Karole-Wille-800x528.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"528\" srcset=\"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/wille_MDR_-Karole-Wille-800x528.jpg 800w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/wille_MDR_-Karole-Wille-522x345.jpg 522w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/wille_MDR_-Karole-Wille-227x150.jpg 227w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/wille_MDR_-Karole-Wille-768x507.jpg 768w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/wille_MDR_-Karole-Wille-392x259.jpg 392w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/wille_MDR_-Karole-Wille-130x86.jpg 130w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/wille_MDR_-Karole-Wille-674x445.jpg 674w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/wille_MDR_-Karole-Wille-791x522.jpg 791w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/wille_MDR_-Karole-Wille-288x190.jpg 288w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/wille_MDR_-Karole-Wille-435x287.jpg 435w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/wille_MDR_-Karole-Wille-150x100.jpg 150w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/wille_MDR_-Karole-Wille.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-156203\" class=\"wp-caption-text\"><em>Foto-Credit: MDR \/ Kirsten Nijhof<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der MDR-Talkshow &#8222;Riverboat&#8220; \u00e4u\u00dferte sie sich im Gespr\u00e4ch mit Gast-Moderatorin Stefanie M\u00fcller-Spirrawie folgt &#8230;:<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":156203,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[25],"tags":[814],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/162843"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=162843"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/162843\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":162846,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/162843\/revisions\/162846"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/156203"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=162843"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=162843"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=162843"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}