{"id":145996,"date":"2020-05-03T00:00:18","date_gmt":"2020-05-02T22:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/online.smago.de\/ws2\/?p=145996"},"modified":"2020-05-02T14:44:43","modified_gmt":"2020-05-02T12:44:43","slug":"jimmy-hartwig-ex-hsv-fussballstar-jimmy-hartwig-findet-klare-worte-zu-rassismus-im-dfb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/schlager\/jimmy-hartwig-ex-hsv-fussballstar-jimmy-hartwig-findet-klare-worte-zu-rassismus-im-dfb\/","title":{"rendered":"JIMMY HARTWIG <br>Ex-HSV-Fu\u00dfballstar Jimmy Hartwig findet klare Worte zu Rassismus im DFB &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>&#8230; und erz\u00e4hlt, dass sein Opa ihn bei seiner Geburt lieber umbringen wollte!:<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<div style=\"text-align: justify;\">Der Schauspieler Thomas Thieme sprach am Freitagabend (01.05.2020) in der MDR-Talkshow &#8222;Riverboat&#8220; u. a. \u00fcber seine Freundschaft zu Fu\u00dfballstar JIMMY HARTWIG, der ebenfalls zu Gast war.<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">Der Ex-HSV-Fu\u00dfballstar Jimmy Hartwig fand klare Worte zu Rassismus im DFB und die Bundesliga nach der Corona-Krise und erz\u00e4hlte, dass sein Opa ihn bei seiner Geburt lieber umbringen wollte.<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<div><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kim Fisher: Erz\u00e4hlt uns doch bitte mal Eure Kennenlern-Geschichte &#8211; Euch verbindet ja eine sehr innige Freundschaft? \u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hartwig: Es war ein ganz dummer Zufall. Ich sa\u00df in einem Lokal neben der Schaub\u00fchne in Berlin. Ich sa\u00df dort mit einem Journalisten. Der sagte, schau mal dahinten, kennst Du den? Das ist der Thomas Thieme, einer der Stars hier an der Schaub\u00fchne. Und dann kam Thomas zu mir und sagte: \u201ePasse mal uff, du! Du bist doch der Hartwig. Mensch, das habe ich doch gewusst! Der Hartwig ist das, vom HSV! Das ist doch klasse!\u201c Und da haben wir einen Rotwein zusammen getrunken und ich wusste sofort: Hier ist einer, der Dir nicht nach dem Schnabel redet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kim Fisher: Aber Sie, Herr Thieme, waren eher sch\u00fcchtern und total beeindruckt von ihm, oder?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Thieme: Total! Ich meine, Jimmy Hartwig &#8211; das muss man ja in meiner Generation nicht beschreiben, was das bedeutet hat. Wer das ist. Meine Freundin kannte ihn nicht, aber ich wollte zu ihm hin und habe dann aber noch einen und noch einen getrunken und meine Freundin sagte, gehe doch einfach hin. Und dann habe ich mich \u00fcberwunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die ersten beiden S\u00e4tze waren schon gro\u00dfartig. Und es wurde ein sch\u00f6ner, langer Abend und ich bin auf die Idee gekommen, nachdem ich ihn beobachtet habe: der hat Talent. Der muss auf die B\u00fchne. Das ist mir und ihm ja dann auch gelungen.\u00a0Er spielt mit mir St\u00fccke von Bertolt Brecht am Theater.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kim Fisher: Aber Sie wollten ja eigentlich auch Fu\u00dfball spielen, Herr Thieme.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Thieme: Ja, ich bin da immer eine eher tragische Figur gewesen. Ich war in der Schule der einzige, der immer Gedichte aufsagen musste, weil ich das so gut konnte. Unter ganz vielen M\u00e4dchen stand ich dann da und habe es gehasst. Ich wollte lieber Fu\u00dfball spielen, das war meine ganze Leidenschaft, da habe ich gebrannt. Und wurde immer als letzter in die Mannschaft gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<strong>Kim Fisher: Warum?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Thieme: Na, weil ich wahrscheinlich wirklich nicht so gut war (lacht). Ich habe dann sp\u00e4ter an der Schaub\u00fchne selbst einen Fu\u00dfballverein gegr\u00fcndet. Wir sind f\u00fcnf Mal Indoor-Meister in Berlin geworden. Da wurde die B\u00fchne in der Schaub\u00fchne geebnet und es entstand ein Spielfeld. Am Erfolg war ma\u00dfgeblich unser junger Freund Lars Eidinger beteiligt. Ich war der Coach des Teams. Aber seien Sie froh, dass Sie mich nicht auf dem Platz erleben m\u00fcssen, das ist nicht so weltbewegend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<strong>Kim Fisher: Jimmy, Deine Kindheit in den f\u00fcnfziger Jahren \u2026 wollen wir dar\u00fcber reden?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hartwig: Ich wollte eigentlich damit abschlie\u00dfen, aber wir beide Kim, kennen uns schon lange und Dir zuliebe erz\u00e4hle ich noch ein bisschen. Ich bin als dunkelh\u00e4utiger Junge in einem Haushalt gro\u00df geworden, in dem der Gro\u00dfvater ein SS-Mann und absoluter Hitler-Fan war. Meine Mutter konnte mich nicht Zuhause auf die Welt bringen, sondern bei den Nachbarn. W\u00e4re ich zuhause geboren, h\u00e4tte er mir ein Kissen ins Gesicht gedr\u00fcckt. Und so was hat mich mein Leben lang immer verfolgt. Viele Menschen haben \u00fcber mich gesagt: Der Jimmy Hartwig hat immer die gro\u00dfe Fresse. Aber niemand hat sich mal die Frage gestellt, warum das so ist. Es hat lange gedauert, mit therapeutischen Sitzungen und allem. Weil ich immer besser sein wollte als andere, mich immer beweisen musste &#8211; weil ich irgendwann nicht mehr konnte. Warum musste ich immer besser sein als andere? Ich bin doch auch eine Pers\u00f6nlichkeit und kann was.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Jetzt hat das auch der DFB erkannt &#8211; denn dort hat es auch Rassismus gegen\u00fcber meiner Person gegeben. Heute bin ich Integrationsbeauftragter des DFB. Sie haben mich aus der Nationalmannschaft entfernt mit gewissen Gr\u00fcnden. Sie haben mir 40, 50 L\u00e4nderspiele geklaut. Aber mittlerweile ist das f\u00fcr mich Vergangenheit. Ich liebe diesen DFB. Aber immer diese Anerkennung suchen &#8211; das war schwer f\u00fcr mich. Heute m\u00f6chte ich jedem Menschen auf Augenh\u00f6he begegnen. Und den Respekt, den ich anderen Menschen gebe, m\u00f6chte ich auch gern von denen zur\u00fcck haben. Ich habe eine tolle Frau, eine tolle Tochter und Freunde wie Thomas Thieme und Heino Ferch. Mein Leben ist sch\u00f6n und ich freue ich jeden Tag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<strong>J\u00f6rg Kachelmann: Ich frage mich: Haben Sie eine M\u00f6glichkeit gefunden, sich noch an Ihrem Gro\u00dfvater &#8211; vielleicht zu r\u00e4chen? Darf ich das so ausdr\u00fccken?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Kachelmann, passen Sie auf. Als mein Gro\u00dfvater gestorben ist, hatte er ganz schlimm Krebs. Die ganze Familie sagte, geh doch zu ihm ins Krankenhaus. Er lag da und ich wusste, er wird bald seinen letzten Atemzug machen. Er machte ein Zeichen, dass er meine Hand nehmen will, ich dachte: Was will der Idiot denn jetzt von mir? Da stammelte er: \u00a0\u201eIch will mich bei dir entschuldigen.\u201c Sie werden es nicht glauben, Herr Kachelmann, ich habe die Entschuldigung angenommen. Man muss im Leben auch vergessen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<strong>J\u00f6rg Kachelmann: Herr Thieme, Sie haben mal gesagt, dass Sie nicht wegen der Repressalien in der DDR gegangen sind, sondern weil Ihnen die DDR-Bev\u00f6lkerung nicht gefallen hat.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie werden sich denken k\u00f6nnen, dass ich es nicht gesagt habe, um Sympathie-Punkte zu sammeln. Es ist nicht ganz so entsetzlich gemeint, wie es klingt. Es ist wie in einer ekelhaften Familie, in die man hinein geboren wird. Die man aus dem Effeff kennt, aber man hat sie sich nicht ausgesucht. Ich denke, so kann man es am ehesten vergleichen. Es war irgendwann m\u00fchsam. Ich hatte die Halbstarken-Zeit hinter mir, die Schauspielschule, erste Versuch am Theater und merkte, wo ich bin. Pl\u00f6tzlich habe ich mal richtig aus dem Fenster gesehen und sagte: In dieser Mannschaft will ich nicht spielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist ja im Leben eines Schauspielers so, dass er sich nicht selbst besetzt in Filmen. Ich h\u00e4tte mich immer vollkommen anders besetzt. Ich wollte immer Liebhaber spielen, wie Marlon Brando oder Steve McQueen. Und wenn man dann in den Spiegel guckt und sich sieht und immer noch wie Marlon Brando besetzt werden will, macht man einen gef\u00e4hrlichen Fehler (lacht).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<strong>J\u00f6rg Kachelmann: Aber sehen Sie nicht heute besser aus als Marlon Brando \u00fcber weite Teile seines Lebens?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Kompliment kann ich nicht wirklich ernst nehmen (lacht).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>J\u00f6rg Kachelmann: Doch \u2026 also ich \u2026 wir m\u00fcssen noch \u00fcber etwas reden, weil er gerade das Mikrofon h\u00e4lt: Er hat die sch\u00f6nsten H\u00e4nde der n\u00f6rdlichen \u2026 (wird sofort unterbrochen)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Thieme: Also\u2026 ich habe Ihnen doch vorhin etwas gesagt, oder?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Kachelmann: Das haben Sie mir verboten \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Thieme: Das haben Sie wohl vergessen, oder? Ich habe gesagt: Die H\u00e4nde aus dem Spiel lassen! Seit 50, 60 Jahren begleiten mich diese komischen H\u00e4nde, die nicht zu mir passen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<strong>Kachelmann: Sie wollen eher die b\u00e4uerliche Bratpfanne haben \u2026<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Thieme: Auch nicht. Aber ne Hand eben. Es ist eine Damenhand. Die Hand einer \u00e4lteren Dame. Jetzt, wo ich \u00fcber 70 bin, kann man das auch mal zugeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<strong>Kachelmann: Das ist eine sch\u00f6ne M\u00e4nnerhand. Wer redet Ihnen ein, es w\u00e4re eine Damenhand?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Thieme: Ich. Mir. Sie haben mir versprochen, das nicht zu erw\u00e4hnen. Na ja, wir sehen uns nachher ja noch kurz (lacht).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<strong>J\u00f6rg Kachelmann: Jimmy Hartwig, wie ist Ihre Sicht auf die Bundesliga in der Zukunft?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hartwig: Die Bundesliga, die es gegeben hat, gibt es nicht mehr. Der ganze Fu\u00dfball wird sich umstrukturieren m\u00fcssen. Es wird eng werden ohne Fans. Mir tun nicht die gro\u00dfen Bundesligaclubs Leid, sondern die ganz kleinen Vereine, die kaputt gehen werden. Da muss der DFB helfen. Da m\u00fcssen auch diese Werbe-Einnahmen und die Fernsehgelder verteilt werden. So, dass der Fu\u00dfball wie er jetzt ist, gerettet werden kann.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-145998\" src=\"https:\/\/online.smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/hartwig_ichbinimmer.jpg\" alt=\"\" width=\"593\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/hartwig_ichbinimmer.jpg 593w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/hartwig_ichbinimmer-516x522.jpg 516w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/hartwig_ichbinimmer-148x150.jpg 148w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/hartwig_ichbinimmer-269x272.jpg 269w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/hartwig_ichbinimmer-128x130.jpg 128w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/hartwig_ichbinimmer-440x445.jpg 440w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/hartwig_ichbinimmer-188x190.jpg 188w, https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/hartwig_ichbinimmer-287x290.jpg 287w\" sizes=\"(max-width: 593px) 100vw, 593px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; und erz\u00e4hlt, dass sein Opa ihn bei seiner Geburt lieber umbringen wollte!:<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":145997,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[29],"tags":[1515],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/145996"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=145996"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/145996\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":145999,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/145996\/revisions\/145999"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/145997"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=145996"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=145996"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=145996"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}