{"id":116470,"date":"2013-05-03T00:00:00","date_gmt":"2013-05-03T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=116470"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"REINHARD-MEY-Wissenswertes-ueb-116469","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/liedermacher\/REINHARD-MEY-Wissenswertes-ueb-116469\/","title":{"rendered":"REINHARD MEY <br \/> Wissenswertes \u00fcber sein neues Album &#8222;Dann mach\u00b4s gut&#8220;!"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Ich tr\u00e4ume noch immer davon, das perfekte Chanson zu schreiben&#8220;, sagt er!\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun&auml;chst ist da diese eine Frage. Etwas unversch&auml;mt, geradezu unfair. Und doch unausweichlich: Wo nur nimmt dieser Mann seinen unfassbaren Ehrgeiz her, diese Motivation? Und wo nur holt er noch immer diese so fein gesponnenen Melodien her? Von den vielen frischen Themen ganz zu schweigen, die sich erneut geradezu tummeln, dort auf seiner neuen Platte.<\/p>\n<p>\nEr wird diese Fragen noch oft h&ouml;ren in den kommenden Monaten. Die Songs fordern es schlie&szlig;lich geradezu heraus.<\/p>\n<p>\n&bdquo;Es hat mich geschrieben&ldquo;, antwortet Reinhard Mey, lachend und ohne zu z&ouml;gern. &bdquo;Einfach so. Und ganz leidenschaftlich!&ldquo; Er kennt ihn, diesen seltsamen Argwohn der Medien-branche. Er hat viele Jahre Zeit gehabt, sich daran zu gew&ouml;hnen. Und pariert ihn mit leichter, verbl&uuml;ffend ehrlicher Hand.<\/p>\n<p>\nEs ist ein Nachmittag Anfang April, vor wenigen Tagen erst hat Mey vor einem Millionenpublikum eine TV-Laudatio auf seinen Freund gehalten, den ECHO-Preistr&auml;ger Hannes Wader. R&uuml;hrend pers&ouml;nlich und wohltuend selbstlos hat er dies hinbekommen &ndash; und damit einen selten-intimen Moment der Menschlichkeit geschaffen, inmitten all der Kameras und Scheinwerfer, die dort so brutal direkt auf ihn gerichtet waren. Aus der Ruhe haben die ihn jedoch nicht bringen k&ouml;nnen, nat&uuml;rlich nicht. Nun aber sitzen wir in seinem Aufnahme-studio, und ausgerechnet hier, ganz bei sich und seinen neuen Songs, wird dieser routinierte Liedermacher mit einem Male von einem enthusiastischen Aufbegehren gepackt, einer fast schon euphorischen Inbrunst. Und er hat allen Grund dazu in freudiger Erwartung mit den F&uuml;&szlig;en zu trappeln, erscheint mit Dann mach&rsquo;s gut doch sein inzwischen 26. Studioalbum. Viel wichtiger jedoch: Das erste seit drei Jahren. Die Freude dar&uuml;ber, endlich wieder ver&ouml;ffentlichen, auftreten, ja einfach nur loslegen zu k&ouml;nnen, sie erf&uuml;llt den ganzen Raum. Siebzig Jahre alt ist Mey im vergangenen Dezember geworden. Doch noch immer schreibt es ihn nicht nur, wie er sagt, sondern zieht ihn auch. Und dieses Aufnahmestudio, das wird schnell klar, das ist l&auml;ngst zu eng f&uuml;r ihn geworden. So gerne er hier auch herumt&uuml;ftelt an seinen Liedern, &uuml;ber Wochen, Monate, manchmal gar Jahre hinweg &ndash; jetzt ist es Zeit, die neuen St&uuml;cke endlich seinem Publikum zu pr&auml;sentieren. Mey muss endlich raus hier. Mey muss wieder fliegen.<\/p>\n<p>\nDass sein Songrepertoire prall gef&uuml;llt mit Klassikern ist, dass er, ausgehend von seinen Auftritten auf der Burg Waldeck Mitte der neunzehnhundertsechziger Jahre ein ganzes Genre mitgepr&auml;gt hat, ja in den Augen vieler Menschen l&auml;ngst zum Inbegriff des Lieder-machers geworden ist &ndash; geschenkt. Das alles macht ihn stolz, sicherlich. Doch mit jedem neuen Lied und mit jedem neuen Album werden f&uuml;r ihn die Karten neu gemischt. Er will sich nichts beweisen, nein. Er muss es.<\/p>\n<p>\nDenn so sehr Reinhard Mey auch auf Dann mach&rsquo;s gut ein Meister sanfter Zwischent&ouml;ne ist, zum Stillstand ist er nie gekommen, bis heute nicht. Wen es erst einmal schreibt und zieht, den treibt es auch an. Und zwar best&auml;ndig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n&ldquo;Ich tr&auml;ume noch immer davon, das perfekte Chanson zu schreiben&ldquo; sagt er. Und meint es noch nicht einmal kokett. Denn, dass er es schon so viele Male geschrieben hat, jenes &bdquo;perfekte Chanson&ldquo;, das sieht einer wie er nicht. Nat&uuml;rlich nicht, reibt er sich bei seinen Auftritten in fast schon kindlicher Verwunderung doch noch immer Abend f&uuml;r Abend die Augen, wenn er kurz vor der Show zaghaft den Vorhang zur Seite schiebt, unsicher hinaussp&auml;ht &ndash; und dann feststellt, dass er schon wieder vor restlos ausverkauftem Haus spielen darf. Dabei ist es doch so logisch, dass wir ihn noch immer h&ouml;ren wollen, ihm noch immer in Scharen folgen. Diese an Selbstlosigkeit grenzende Menschlichkeit ist es, die uns anzieht, ist sie doch so besch&auml;mend selten geworden in unserer Gesellschaft. Und dann nat&uuml;rlich diese unentrinnbaren Lieder, von denen gleich f&uuml;nfzehn neue nun auf Dann mach&rsquo;s gut zu finden sind. Plus zwei Bonustracks, von Mey frisch eingespielte Songs von Hannes Wader und Fabrizio de Andr&egrave;. Beides St&uuml;cke, die ihm seit Jahren ganz besonders am Herzen liegen. Siebzehn Songs also &ndash; ein eindr&uuml;cklicher Beweis der ungebrochenen Spiellust und Schaffenskraft Reinhard Meys.<\/p>\n<p>\n&bdquo;Sicherlich, ich h&auml;tte auch drei Songs f&uuml;r das n&auml;chste Album aufheben k&ouml;nnen. Aber wer wei&szlig;, was in drei Jahren ist? Und Lieder kann ich nicht aufheben. Die beiden Bonus Tracks sind Lieder, die mich lange, lange begleiten und von denen ich mir immer gew&uuml;nscht habe, sie einmal nicht nur f&uuml;r mich im Stillen zu singen. Und wer 15 eigene hat, darf sich auch mal einen Extraliederwunsch erf&uuml;llen &#8211; das habe ich getan.&ldquo;<\/p>\n<p>\nAuch wenn Mey darauf besteht, dass er sich beim Schreiben von so einzigartig z&auml;rtlichen, verletzlichen und doch immer tr&ouml;stenden St&uuml;cken wie Wenn du bei mir bist oder Fahr dein Schiffchen durch ein Meer von Kerzen nur auf sein eigenes Leben, seine &Auml;ngste und seine Sehns&uuml;chte konzentriert &ndash; unterm Strich schmiegen sich auch diese Songs wieder einmal an die Vita eines jeden von uns, finden ihren Platz in unser aller Leben. Worin das wahrliche, das bis heute viel zu selten gew&uuml;rdigte Faszinosum seiner Kompositionen liegt: So beil&auml;ufig manche seiner Themen zun&auml;chst auch erscheinen &ndash; ein Taschentuch, ein Mantel, der Silvestertag &ndash; Reinhard Mey gelangt gerade durch sie zu einer emotionalen Intensit&auml;t, die gar nicht anders kann, als in einer Symbiose aus S&auml;nger und H&ouml;rer zu m&uuml;nden. Eine Verschmelzung, wie sie nur er hinbekommt. Und so mag er zwar dort oben stehen, auf der hell erleuchteten B&uuml;hne &ndash; er befindet sich doch mitten unter uns.<\/p>\n<p>\nSicherlich, einige Aspekte auf Dann mach&rsquo;s gut erscheinen bekannt, hat Reinhard Mey sich im Laufe seiner Karriere doch immer wieder daran abgearbeitet: Sein Kampf gegen Militarismus beispielsweise, seine Empfindungen und Erlebnisse als Vater dreier Kinder, sein Umgang mit Alkohol oder &ndash; last, but never least &ndash; seine Leidenschaft f&uuml;r das Fliegen. Eine selbstreferentielle Wiederholung ist ihm von manch Kritikern vorgeworfen worden deswegen. Ein Fehlurteil, wie Dann mach&rsquo;s gut nun belegt, eindeutig und endg&uuml;ltig. Was Reinhard Mey hier auf Albuml&auml;nge zelebriert, ist die personifizierte, ja gar menschlich-nat&uuml;rliche Weiterentwicklung. Und so reiht sich &bdquo;Alter Freund&ldquo;, sein Lied &uuml;ber den Wein, mitnichten mal eben so ein in die Phalanx seiner Bier- und Becher-Klassiker fr&uuml;herer Jahre. Sondern erz&auml;hlt uns stattdessen etwas &uuml;ber die souver&auml;ne Gabe der Selbstreflexion eines in die Jahre gekommenen Genuss- und Wohlf&uuml;hlmenschen. Oder aber &bdquo;Dann mach&rsquo;s gut&ldquo;, der Titeltrack, eine Komposition, die nun aber wirklich verdammt nah&rsquo; am perfekten Chanson entlang balanciert und jene Mischung aus Wehmut und Stolz beinhaltet, die beinahe alle seine &bdquo;Elternlieder&ldquo; kennzeichnet, die er &uuml;ber die Jahre geschrieben hat. Und doch aus einer vollkommenen anderen Ecke zu kommen scheint als seine thematischen Vorg&auml;nger, mit neuen Erfahrungen aufwartet, neuen Sichtweisen, neuen Hoffnungen und Sehns&uuml;chten.<\/p>\n<p>\n&ldquo;Wenn schon Musik&ldquo; bringt jenes charakteristisch beschwingte Gef&uuml;hl f&uuml;r Melodien hervor, f&uuml;r das ein Adjektiv wie meyesk l&auml;ngst &uuml;berf&auml;llig w&auml;re, wartet es doch mit einem Refrain auf, der schlichtweg unentrinnbar ist. &bdquo;Es ist an der Zeit&ldquo;, eins von zwei St&uuml;cken, die nicht aus seiner eigenen Feder stammen, sorgt schlie&szlig;lich f&uuml;r das vermutlich gr&ouml;&szlig;te G&auml;nsehaut-Gef&uuml;hl, welches die deutschsprachige Musikszene in der n&auml;heren Vergangenheit zu bieten gehabt hat. Im Original ein friedensbewegter Hannes Wader-Song aus dem Jahr 1980 stellt Mey durch seine ruhige Interpretation unter Beweis, wie sehr ihn fehlgeleitete Ausw&uuml;chse unserer Gesellschaft noch immer qu&auml;len. Denn auch Protests&auml;nger ist er immer gewesen, ein Mann des klar formulierten Widerspruchs. Sie m&ouml;gen sich sanft entfalten, seine Geschichten aus der harten und unbarmherzigen Realit&auml;t der Gescheiterten, der Abgeh&auml;ngten und Verlorenen. Doch sie sind immer da, mitten auf seinen Platten, seit jeher.<\/p>\n<p>\n&bdquo;Je l&auml;nger ich lebe, desto wichtiger und lustvoller ist mir das Schreiben, selbst wenn es zuerst ein Ringen und Gr&uuml;beln und Zweifeln und Verzweifeln ist, aber zum Schluss, wenn alles klar und wahr wird, wird es eine Freude&ldquo;, sagt er. Es ehrt ihn, dass er noch immer standhaft daran glaubt, als Biograf in eigener Sache unterwegs zu sein. Doch Dann mach&rsquo;s gut beweist, was seine vielen treuen H&ouml;rer schon so lange wissen: Dass Reinhard Mey niemals nur sich selbst, sondern zugleich auch stets den wahren und wirklichen Menschen beschreibt. Als Chronist des echten Lebens.<\/p>\n<p>\nUnd so greift er zum Abschluss unseres Gespr&auml;chs noch einmal nach seiner Gitarre. Schl&auml;gt wie wahllos ein paar Akkorde an, summt versonnen vor sich hin. Ein warmer, geradezu inniger Moment. Aber auch einer, der alle &uuml;berfl&uuml;ssigen Fragen in Luft ausl&ouml;st.<\/p>\n<p>\nDenn es ist un&uuml;bersehbar: Dieser Mann brennt noch immer. Lichterloh.<\/p>\n<p>Koch \/ Electrola (Textvorlage)<\/p>\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Ich tr\u00e4ume noch immer davon, das perfekte Chanson zu schreiben&#8220;, sagt er!\u00a0 Zun&auml;chst ist da diese eine Frage. 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