{"id":112528,"date":"2013-08-20T12:12:00","date_gmt":"2013-08-20T12:12:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=112528"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"FRITZ-RAU-Konzert-Impressario-112527","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/smago-informiert\/FRITZ-RAU-Konzert-Impressario-112527\/","title":{"rendered":"FRITZ RAU <br \/> Konzert-Impressario Fritz Rau ist tot!"},"content":{"rendered":"<p>Er starb am gestrigen Montag (19.08.2013) im Alter von 83 Jahren!\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fritz Rau (* 9. M&auml;rz 1930 in Pforzheim; &dagger; 19. August 2013 in Kronberg im Taunus) war ein deutscher Konzert- und Tourneeveranstalter.<\/p>\n<p>Fritz Rau wurde als Sohn eines Ittersbacher Schmieds in geboren. Seine Eltern verstarben fr&uuml;h, weshalb er ab 1940 bei Verwandten in Berlin aufgenommen wurde. Sp&auml;ter besuchte er das Eichendorff-Gymnasium in Ettlingen, wo er auch Sch&uuml;lersprecher war, und studierte dann, gef&ouml;rdert von der Studienstiftung des Deutschen Volkes Jura an der Ruprecht-Karls-Universit&auml;t Heidelberg. Er beendete sein Studium mit dem Ersten Staatsexamen (am OLG Karlsruhe) und seine praktische Ausbildung als Gerichtsreferendar in Rheinland-Pfalz mit dem zweiten Staatsexamen beim Justizministerium Rheinland-Pfalz. Er war auch kurz als Rechtsanwalt in einer Kanzlei in Neustadt an der Weinstra&szlig;e t&auml;tig.[1] Bereits im Studium engagierte er sich im Jazz-Club Cave 54 in Heidelberg. Noch als Student heiratete Rau und bekam mit seiner Frau zwei Kinder.[2]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 2. Dezember 1955 veranstaltete er sein erstes gro&szlig;es Konzert in der Heidelberger Stadthalle mit Albert Mangelsdorff, das mit 1.400 Besuchern weit &uuml;ber dem &uuml;blichen Publikumsinteresse bei deutschen Jazzclubs lag. Der Konzertagent und Jazz-Promoter Horst Lippmann wurde dadurch auf ihn aufmerksam und engagierte ihn als Koffertr&auml;ger f&uuml;r die Tournee-Reihe Jazz at the Philharmonic des US-amerikanischen Impresarios Norman Granz.[2] Neben seiner Ausbildung &uuml;bte er weiterhin die Nebent&auml;tigkeit als Tourneeleiter aus. So wurde er der verantwortliche Konzertorganisator der Deutschen Jazz F&ouml;deration. 1963 bot ihm sein Freund Horst Lippmann eine Zusammenarbeit an. Sie gr&uuml;ndeten daraufhin die Konzertagentur &bdquo;Lippmann + Rau&ldquo;, die durch die Organisation des American Folk Blues Festivals mit einem Schlag bekannt wurde. Rau suchte f&uuml;r diese Festivals die bisher nur in Insiderkreisen gefeierten Blues-Gr&ouml;&szlig;en wie Willie Dixon und Howlin&#39; Wolf zusammen. Damit machte er Englands Jugend auf sie aufmerksam und f&ouml;rderte den Blues-Boom, aus dem die erfolgreichsten englischen Rockgruppen wie die Rolling Stones, die Yardbirds, Cream und viele andere hervorgingen. Gemeinsam mit Horst Lippmann hat Fritz Rau auch die Plattenlabel Scout und L+R (Lippmann + Rau) gegr&uuml;ndet und betrieben. 1989 fusionierte Lippmann + Rau mit der Agentur &bdquo;Mama Concerts&ldquo; von Marcel Avram zu &bdquo;Mama Concerts und Rau&ldquo;. 1998 folgte die Ausgr&uuml;ndung zur &bdquo;Fritz Rau GmbH&ldquo;. Seit 2001 arbeitet Rau als unabh&auml;ngiger Produzent und Tourneeorganisator.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rau hat mit allen Musikgr&ouml;&szlig;en der Pop-Kultur zusammengearbeitet, wie etwa mit den Rolling Stones, Jimi Hendrix, Led Zeppelin, Joan Baez, Peter Maffay, Scorpions, Tina Turner, Michael Jackson, Charles Aznavour, Bob Dylan, Marlene Dietrich, Ella Fitzgerald, The Doors, The Les Humphries Singers, Miles Davis, Frank Zappa, Rory Gallagher, The Who, David Bowie, Freddie Mercury und Queen, Janis Joplin, Udo Lindenberg, Udo J&uuml;rgens, Gitte H&aelig;nning, Nana Mouskouri, Madonna, Prince, Eric Clapton, Rod Stewart, Harry Belafonte, ABBA, Ton Steine Scherben bis hin zu Albert Mangelsdorff. Au&szlig;erdem war er bis 2005 langj&auml;hriger Organisator von Jethro Tull und war mit deren Bandleader Ian Anderson eng befreundet. Waren es anf&auml;nglich noch vorwiegend Musiker der Jazz- und Bluesmusik, deren Tourneen er organisierte, verlagerte er mit dem Aufkommen der Hippie-Bewegung &auml;hnlich wie der Musikproduzent Erteg&uuml;n sein Interesse auf die Rock- und Popmusik. Raus tatkr&auml;ftige, aufbrausende Art brachte ihm den Spitznamen &bdquo;Ayatollah Choleri&ldquo; ein. Seine juristische Ausbildung war ihm bei gesch&auml;ftlichen Konflikten ein hilfreiches Mittel, seine Interessen durchzusetzen.[2]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Tourneeplakate der Konzertagentur Lippmann + Rau gestaltete der Graphik-Designer G&uuml;nther Kieser, der in seinen meist surrealistischen Werken die Visualisierung der Musik anstrebte und f&uuml;r die entstehende Stra&szlig;enkunst der Konzertplakate stilpr&auml;gend war. Popul&auml;r ist Kiesers Entwurf zu Jimi Hendrix, aus dessen volumin&ouml;ser Haarm&auml;hne zahlreiche Stromkabel medusagleich hervorschl&auml;ngeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1983 unterst&uuml;tzte Rau, bewegt durch Petra Kelly, die junge Partei Die Gr&uuml;nen in ihrem Bundestagswahlkampf, indem er die Gr&uuml;ne Raupe organisierte. Hierbei handelte es sich um politische Veranstaltungen, bei denen gr&uuml;ne Redner Ansprachen hielten und Bands, die der Friedensbewegung nahestanden, unentgeltlich f&uuml;r den musikalischen Rahmen sorgten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen Tag nach der Bundestagswahl 1983 trat Fritz Rau aus der Gr&uuml;nen-Partei aus. Der Konzertveranstalter vertrat sp&auml;ter die Ansicht, dass &bdquo;es nicht Aufgabe von K&uuml;nstlern sein kann, ihre Popularit&auml;t und ihr K&ouml;nnen als sachfremdes Argument in den Wahlkampf einzubringen.&ldquo;[3]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Madonna 1987 auf Europatournee ging und ihren einzigen Deutschlandauftritt im Frankfurter Waldstadion absolvierte, bot Rau als Veranstalter in gemeinsamer Planung mit der Deutschen Bundesbahn 20 Sonderz&uuml;ge mit je 1.000 Fahrpl&auml;tzen an, die aus der ganzen Bundesrepublik zum Konzertort hin- und zur&uuml;ckfuhren. Diese Aktion lief unter dem Namen &bdquo;Rock&#39;n&#39;Rail&ldquo;, die Bahn schaltete dazu im Vorverkauf bundesweit eine ganzseitige Werbeanzeige in der Bild-Zeitung. Der Bahnhof Sportfeld in Frankfurt wurde vor&uuml;bergehend in &bdquo;Bahnhof Madonna&ldquo; umbenannt. W&auml;hrend der Fahrt wurde in jedem Zug unter den Mitreisenden eine &bdquo;Miss Madonna&ldquo;-Wahl abgehalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fritz Rau f&ouml;rderte deutschsprachige Rockmusiker wie Udo Lindenberg oder Peter Maffay. Einer weiteren kommerziell erfolgreichen wie umstrittenen Rockgruppe mit deutschen Texten, den B&ouml;hsen Onkelz, verweigerte er jedoch die Zusammenarbeit. &bdquo;Ich habe keine Lust, eine Tournee mit den B&ouml;hsen Onkelz durchzuf&uuml;hren, weil ich nicht der Meinung bin, dass sich die B&ouml;hsen Onkelz von ihrer Vergangenheit, die &auml;u&szlig;erst bedenklich ist, seit den fr&uuml;heren Platten vor acht bis zehn Jahren distanziert haben&ldquo;, erkl&auml;rte Fritz Rau in der Fernsehsendung ARD-Kulturreport am 31. Januar 1993.[4]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seiner 2005 erschienenen Biographie &quot;50 Jahre Backstage &#8211; Erinnerungen eines Konzertveranstalters&quot; zog er auf humorvolle Weise die Bilanz eines reichen und erf&uuml;llten Lebens. Das Buch ist seiner verstorbenen Frau Hildegard und seinem langj&auml;hrigen Partner Horst Lippmann gewidmet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rau trat als Gastdozent an Musikhochschulen und Universit&auml;ten auf. Ab dem Sommersemester 2007 lehrte er als Honorarprofessor an der Hochschule f&uuml;r Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main. Er lebte in einer Seniorenresidenz in Kronberg im Taunus.[5] Die Lippmann+Rau-Stiftung bewahrt mit dem Lippmann+Rau-Musikarchiv in Eisenach das Andenken an zwei verdiente Promoter.<\/p>\n<p>Anl&auml;sslich des 50-j&auml;hrigen Jubil&auml;ums sowohl der American Folk Blues Festivals als auch der Rolling Stones im Jahr 2012 trat Rau zusammen mit dem Musiker Biber Herrmann mit einem aus Vortrag und Livemusik bestehenden Programm auf, das Anfang 2013 unter dem Titel &quot;Ein Pl&auml;doyer f&uuml;r den Blues&quot; auf einer Doppel-CD erschien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p>\n<strong>Einzelnachweise<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol class=\"references\">\n<li id=\"cite_note-1\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"mw-cite-backlink\"><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fritz_Rau#cite_ref-1\">&uarr;<\/a><\/span> <span class=\"reference-text\">Nach Interview bei Alpha-Forum 1998 (Weblinks)<\/span><\/li>\n<li id=\"cite_note-MZ-Interview-2\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"mw-cite-backlink\">&uarr; <sup><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fritz_Rau#cite_ref-MZ-Interview_2-0\">a<\/a><\/sup> <sup><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fritz_Rau#cite_ref-MZ-Interview_2-1\">b<\/a><\/sup> <sup><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fritz_Rau#cite_ref-MZ-Interview_2-2\">c<\/a><\/sup> <sup><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fritz_Rau#cite_ref-MZ-Interview_2-3\">d<\/a><\/sup><\/span> <span class=\"reference-text\"><a class=\"external text\" href=\"http:\/\/www.mz-web.de\/servlet\/ContentServer?pagename=ksta\/page&amp;atype=ksArtikel&amp;aid=1174661647208\" rel=\"nofollow\">&laquo;Bester Koffertr&auml;ger der Welt&raquo;<\/a>, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mitteldeutsche_Zeitung\" title=\"Mitteldeutsche Zeitung\">Mitteldeutsche Zeitung<\/a>, 16. April 2007, Interview<\/span><\/li>\n<li id=\"cite_note-Fritz_Rau_2005-3\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"mw-cite-backlink\">&uarr; <sup><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fritz_Rau#cite_ref-Fritz_Rau_2005_3-0\">a<\/a><\/sup> <sup><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fritz_Rau#cite_ref-Fritz_Rau_2005_3-1\">b<\/a><\/sup> <sup><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fritz_Rau#cite_ref-Fritz_Rau_2005_3-2\">c<\/a><\/sup><\/span> <span class=\"reference-text\">Fritz Rau: <i>50 Jahre Backstage &#8211; Erinnerungen eines Konzertveranstalters<\/i>. Palmyra, Heidelberg 2005. S.287<\/span><\/li>\n<li id=\"cite_note-4\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"mw-cite-backlink\"><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fritz_Rau#cite_ref-4\">&uarr;<\/a><\/span> <span class=\"reference-text\">Edmund Hartsch: <i>Danke f&uuml;r nichts<\/i>. Die offizielle Autobiographie der B&ouml;hsen Onkelz. B.O. Management, Frankfurt am Main, 8. Auflage, 2007. S.210<\/span><\/li>\n<li id=\"cite_note-5\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"mw-cite-backlink\"><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fritz_Rau#cite_ref-5\">&uarr;<\/a><\/span> <span class=\"reference-text\"><a class=\"external text\" href=\"http:\/\/www.welt.de\/die-welt\/regionales\/article6697862\/Rock-n-Rau-forever.html\" rel=\"nofollow\">Rock&#39;n&#39;Rau Forever<\/a> in <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Welt\" title=\"Die Welt\">Die Welt<\/a>, 9. M&auml;rz 2010<\/span><\/li>\n<li id=\"cite_note-6\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"mw-cite-backlink\"><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fritz_Rau#cite_ref-6\">&uarr;<\/a><\/span> <span class=\"reference-text\"><a class=\"external text\" href=\"http:\/\/rhein-zeitung.de\/on\/99\/09\/03\/magazin\/news\/fritz-rau.html\" rel=\"nofollow\">&bdquo;Den die Rocker &quot;Papa&quot; nennen&ldquo;<\/a>, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rhein-Zeitung\" title=\"Rhein-Zeitung\">Rhein-Zeitung<\/a>, 3. September 1999<\/span><\/li>\n<li id=\"cite_note-7\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"mw-cite-backlink\"><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fritz_Rau#cite_ref-7\">&uarr;<\/a><\/span> <span class=\"reference-text\">Fritz Rau: <i>50 Jahre Backstage &#8211; Erinnerungen eines Konzertveranstalters<\/i>. Palmyra, Heidelberg 2005. S.288<\/span><\/li>\n<li id=\"cite_note-8\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"mw-cite-backlink\"><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fritz_Rau#cite_ref-8\">&uarr;<\/a><\/span> <span class=\"reference-text\">Fritz Rau: <i>50 Jahre Backstage &#8211; Erinnerungen eines Konzertveranstalters<\/i>. Palmyra, Heidelberg 2005. S.183<\/span><\/li>\n<li id=\"cite_note-9\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"mw-cite-backlink\"><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fritz_Rau#cite_ref-9\">&uarr;<\/a><\/span> <span class=\"reference-text\"><a class=\"external text\" href=\"http:\/\/www.fnweb.de\/lokales\/me\/bad_mergentheim\/20070426_p060702022_11507.html\" rel=\"nofollow\">&bdquo;Trotz Krankheit Erstaunliches leisten&ldquo;<\/a>, Fr&auml;nkische Nachrichten, 26. April 2007<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wikipedia.de (Textvorlage)<\/p>\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er starb am gestrigen Montag (19.08.2013) im Alter von 83 Jahren!\u00a0 Fritz Rau (* 9. 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