{"id":109021,"date":"2013-12-02T19:15:00","date_gmt":"2013-12-02T19:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=109021"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"CHRIS-HOWLAND-Bye-bye-Mr-Pumpe-109020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/oldies\/CHRIS-HOWLAND-Bye-bye-Mr-Pumpe-109020\/","title":{"rendered":"CHRIS HOWLAND <br \/> &quot;Bye bye, Mr. Pumpernickel&quot; &#8211; Zum Tod von Chris Howland!"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Als Soldat war ich furchtbar&#8220; * Mehr deutsche als britische Zuh\u00f6rer * Mut zum Nonsens * Karl-May-Filme und H\u00e4mmerchen-Polka * Doppelbelastung als Moderator * &#8222;Vorsicht Kamera&#8220; war politisch nicht korrekt * Ein Star von damals * Akzent als Markenzeichen<br \/>\n\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">CHRIS HOWLAND hatte viele Spitznamen &ndash; sein bekanntester aber sollte &quot;Heinrich Pumpernickel&quot; werden. Unter diesem Pseudonym schrieb der Brite deutsche Radio- und TV-Geschichte. Am Montag (02.12.2013) wurde bekannt, dass Howland in der Nacht zu Samstag im Alter von 85 Jahren in R&ouml;srath bei K&ouml;ln gestorben ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein Spitzname? Ein Gag, aus der Laune geboren. Woche f&uuml;r Woche sitzt Chris Howland in den fr&uuml;hen 1950ern mit einem Tonmeister im Studio des NWDR, der keine Miene verzieht: &quot;Er mochte mich nicht, ich mochte ihn nicht&quot;, erinnert sich Howland in einem Gespr&auml;ch. &quot;Ich wollte ihn aber zum Lachen bringen, deshalb habe ich gesagt: &#39;Bis zum n&auml;chsten Mal, Ihr Heinrich Pumpernickel&#39;.&quot; Nicht einmal der Ansatz eines L&auml;chelns will dem Mann &uuml;bers Gesicht huschen. Aber Howland hat seinen Zweitnamen weg. Auf Lebenszeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p><strong>&quot;Als Soldat war ich furchtbar&quot;<\/strong><\/p>\n<p>\nBeim Radio landet der am 30. Juli 1928 geborene Londoner eher zuf&auml;llig. Nach dem Krieg wird er zum Armeedienst eingezogen. Schnell ist ihm klar: Ich muss hier weg. &quot;Als Soldat war ich furchtbar&quot;, schildert Howland seine Erfahrungen als Reservist in Dover. &quot;Eines Tages habe ich gelesen, dass der Milit&auml;rrundfunk Sprecher sucht.&quot; Famili&auml;r vorbelastet ist er: Sein Vater arbeitet als Moderator bei der BBC. Gegen 200 Mitbewerber setzt er sich durch. Den Job erh&auml;lt er, so Howland, weil er Komponisten wie Prokofjew oder Tschaikowski fehlerfrei aussprechen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p><strong>Mehr deutsche als britische Zuh&ouml;rer<\/strong><\/p>\n<p>\nHowland landet bei BFN (British Forces Network) in Hamburg. Schnell steigt er zum beliebten Moderator auf, spielt zeitgen&ouml;ssische Musik amerikanischer und britischer Gesangsstars. Der Mix kommt an, besonders bei denen, an die er eigentlich gar nicht gerichtet ist: Zu bestimmten Sendezeiten sind es mehr als eine Million Deutsche, die den Armeesender einschalten. Mit diesem Erfolg im R&uuml;cken schl&auml;gt Howland 1952 beim NWDR auf und verspricht dem Programmchef: &quot;Ich bringe Ihnen diese Millionen Leute zur&uuml;ck, wo sie hingeh&ouml;ren, zum NWDR.&quot; Was als Gag gedacht ist &ndash; Howland hatte sich vorher ein Glas Gin Tonic geg&ouml;nnt &ndash; endet mit einem Handschlagvertrag. Verdienst: 20 Mark pro Sendung. &quot;Trinkgeld&quot;, nennt Howland das r&uuml;ckblickend. Doch der Niedriglohnjob macht ihn zum Star, als Ph&auml;nomen einer jungen Generation schafft er es am 17. Dezember 1952 sogar auf den Titel des Spiegel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p><strong>Mut zum Nonsens<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nNeu und deswegen spannend ist vor allem sein Mut zum Nonsens. Als er am 1. September 1952 seine erste Radiosendung f&uuml;r den NWDR moderiert, l&auml;sst er das Galoppieren und das Wiehern eines Pferdes einblenden. Es ist eine Reaktion auf das halsstarrige Beharren des Senders, ein Moderator d&uuml;rfe nicht Discjockey hei&szlig;en, sondern m&uuml;sse sich Schallplattenjockey nennen. Aus heutiger Sicht war es ein eher mauer Sound-Gag. Damals aber, als es gilt, die Radioprogramme von ihrem beh&auml;bigen Tran aus Operettennachmittagen und Lale-Andersen-Nostalgie zu befreien, wirkt es fast revolution&auml;r.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p><strong>Karl-May-Filme und H&auml;mmerchen-Polka<\/strong><\/p>\n<p>\nVieles in Chris Howlands Leben passiert spontan &ndash; und das, obwohl er ein festes Ziel vor Augen hat: Hollywood. Der internationale Film bleibt aber letztlich ein Traum und Howland beim Komischen. Ob als Moderator, Schlagers&auml;nger oder Schauspieler &ndash; immer sitzt ihm der Schalk im Nacken und beschert ihm in Deutschland einen Erfolg nach dem anderen. Innerhalb des NWDR wechselt er 1954 nach K&ouml;ln und etabliert die Sendung &quot;Spielereien mit Schallplatten&quot;. Wegen seiner vornehmlich jungen Zuh&ouml;rer wird er &quot;Kinderlord&quot; genannt. Parallel ergattert er tragende Nebenrollen in deutschen Filmen &ndash; darunter allein f&uuml;nf Karl-May-Verfilmungen &ndash; und&nbsp; feiert als Schlagers&auml;nger mit Titeln wie &quot;Fraulein&quot;, &quot;Das hab&rsquo; ich in Paris gelernt&quot; oder &quot;H&auml;mmerchen-Polka&quot; ab 1958 mehrere Top-Ten-Erfolge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p><strong>Doppelbelastung als Moderator<\/strong><\/p>\n<p>\nAb 1959 versucht er, auch in seiner Heimat Gro&szlig;britannien Fu&szlig; zu fassen. Als Moderator einer t&auml;glichen Talkshow gelingt ihm das auch, allerdings wird die Doppelbelastung zu gro&szlig;, da er in Deutschland weiterhin am Wochenende Radio macht und Filme dreht. 1961 entscheidet er sich endg&uuml;ltig f&uuml;r Deutschland, als er die Chance bekommt, sein Radioformat f&uuml;rs Fernsehen zu adaptieren. &quot;Musik aus Studio B&quot; wird ein Publikumshit, nationale Gr&ouml;&szlig;en stellen darin ihre neuesten Songs vor, aber auch internationale Stars wie die Bee Gees, Petula Clark oder Nancy Sinatra treten auf. Trotz anhaltenden Erfolgs l&auml;sst Howland seinen Vertrag 1969 auslaufen. Ein Streit mit NDR-Unterhaltungschef Harald Vock ist der Grund.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p><strong>&quot;Vorsicht Kamera&quot; war politisch nicht korrekt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nAuch sein zweiter gro&szlig;er TV-Erfolg, &quot;Vorsicht Kamera&quot;, endet j&auml;h. Die erste Show im deutschen Fernsehen, in der Streiche mit der versteckten Kamera gezeigt werden, ruft die Politik auf den Plan. Vize-Kanzler Erich Mende (FDP) macht 1962 seinen Einfluss im WDR geltend, um die Sendung abzusetzen. Grund: Die Privatrechte der Opfer w&uuml;rden verletzt. Trotz hoher Einschaltquoten wird das Format daraufhin nach nur anderthalb Jahren beendet. Sp&auml;ter entschuldigt sich Mende: Howland sei schlicht seiner Zeit voraus gewesen.<br \/>\nEin Star von damals<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1970 zog Howland sich zur&uuml;ck, private Probleme sind der Grund, genauer will er auch in sp&auml;teren Interview nie werden. Auf Mallorca baut er ein Hotel, tobt sich aus und erlebt dabei, wie er immer wieder sagt, seinen pers&ouml;nlichen Tiefpunkt. Vor allem Alkohol war im Spiel. Nach f&uuml;nf Jahren Auszeit kehrt er nach Deutschland zur&uuml;ck, findet mit seiner zweiten Frau zwar privat wieder sein Gl&uuml;ck, kann aber zun&auml;chst nicht an seine Popularit&auml;t aus den 1950er- und 1960er-Jahren anschlie&szlig;en. Trotzdem bleibt er pr&auml;sent, meist in Nostalgiesendungen, die sich mit der goldenen Schlagerzeit im Nachkriegsdeutschland besch&auml;ftigten. 2004 kehrt er schlie&szlig;lich ins Radio zur&uuml;ck. Auf WDR 4 l&auml;sst er seine &quot;Spielereien mit Schallplatten&quot; am Sonntagnachmittag wieder aufleben. Das musikalische Programm darin bleibt unver&auml;ndert, die eigenen Hits kommen allerdings nicht auf die Playlist: &quot;Ich spiele nur Platten von Leuten, die singen k&ouml;nnen&quot;, ist seine lakonische Begr&uuml;ndung. &nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p><strong>Akzent als Markenzeichen<\/strong><\/p>\n<p>\nPr&auml;gnant bleibt bis zum Schluss sein starker britischer Akzent. Die ersten Moderationen ab 1952 muss er noch von sogenannten Idiotenkarten ablesen, auf denen sein Text in Lautschrift steht. Sp&auml;ter braucht er sie zwar nicht mehr, aber sein Deutsch klingt weiter radebrechend. Es war keine Absicht, betont Howland immer wieder: &quot;Viele haben geglaubt, dass es vorget&auml;uscht ist. Aber mein Mund ist einfach so gebaut.&quot;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.wdr.de\/radio\/wdr4\/team\/howland_chris.html\">Erinnerungen an Howland von Hans-Holger Knocke, Ex-Musikchef von WDR 4&#8230;:<\/a><\/strong><\/p>\n<p>WDR<\/p>\n<p>http:\/\/www.chrishowland.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Als Soldat war ich furchtbar&#8220; * Mehr deutsche als britische Zuh\u00f6rer * Mut zum Nonsens * Karl-May-Filme und H\u00e4mmerchen-Polka *<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":109022,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[24],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/109021"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=109021"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/109021\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/109022"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=109021"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=109021"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=109021"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}