{"id":106072,"date":"2014-02-21T00:00:00","date_gmt":"2014-02-21T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/smago.de\/ws\/?p=106072"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"UDO-JUERGENS-Das-grosse-Exklus-106071","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/smago.de\/ws2\/schlager\/UDO-JUERGENS-Das-grosse-Exklus-106071\/","title":{"rendered":"UDO J\u00dcRGENS <br \/> Das gro\u00dfe Exklusiv-Interview zu seiner neuen CD &quot;Mitten im Leben&quot;!"},"content":{"rendered":"<p>Das Album ist seit heute (21.02.2014) im Handel &#8211; auch als &#8222;Limitierte Premium-Edition&#8220; (mit exklusiver Foto-Dokumentation: Udo J\u00fcrgens im Studio + Fotodruck und Autogrammkarte!\u00a0 <!-more-><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ihr neues Album &bdquo;Mitten im Leben&ldquo; ist gewohnt vielseitig. Woher nehmen Sie Ihre Ideen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuerst mal habe ich einfach Lust auf alles, was die Musik bietet. Da ich schon so lange Musik mache und die Wurzeln in der klassischen Musik und auch im Jazz habe, m&ouml;chte ich das nat&uuml;rlich in meinen Liedern am liebsten immer irgendwo h&ouml;rbar machen. Deshalb kommen Jazz und die klassische Form sehr, sehr oft in meinen Liedern vor. Schon alte Songs wie &bdquo;Was ich Dir sagen will&ldquo; zum Beispiel, waren von ihrer Liedform her eigentlich klassisch angelegt. Aber meine Lieder entstehen meistens w&auml;hrend eines Prozesses. Ich habe selber eine erste Idee oder jemand tr&auml;gt eine Idee an mich heran. Dann diskutiere ich diese ausgiebig mit einem meiner Textdichter. Bei &quot;Der Mann ist das Problem&quot; h&ouml;rte ich sofort eine lustig-ernste Geschichte, was ich immer die sch&ouml;nste Kombination finde. Eine Wahrheit zu sagen, eine bittere Wahrheit vielleicht sogar, aber sie so zu erz&auml;hlen, dass man dar&uuml;ber lachen oder schmunzeln kann. In diesem Lied geht es um die M&auml;nner, die wirklich diese ganzen Dinge erfunden haben, welche der Welt Probleme bescheren: Das Bordell haben nun mal M&auml;nner erfunden, das waren keine Frauen. Das Z&ouml;libat haben auch M&auml;nner erfunden. Die Gleichen, die hinterher ins Bordell gehen. Also dar&uuml;ber muss man schmunzeln oder sogar lachen d&uuml;rfen. Und dar&uuml;ber ein Lied zu schreiben finde ich wunderbar, denn groteske Themen, wie zum Beispiel &bdquo;Aber bitte mit Sahne&ldquo;, geben uns die Chance, ernsthafte Hintergr&uuml;nde etwas satirisch aufzufassen. &quot;Der Mann ist das Problem&quot; ist auch so ein satirisches Lied. Und weil es einen wahren Kern hat, ist es besonders wertvoll. So sehe ich das jedenfalls. In einem anderen Lied, in &bdquo;Mein Ziel&ldquo;, versuche ich in vier Minuten mit wenigen Worten ein Lebensziel zu erfassen. Da stellte ich mir vor, das k&ouml;nnte ein gro&szlig;es Klangbild werden. Eine getragene Melodie, die zu diesem Gedanken passt. Ein Gedanke, der dann in der Musik aufbl&uuml;ht. Ich denke mir, das beschriebene Ziel k&ouml;nnte ein Ausbruch und eine Eruption sein, die in einem Sinfonie-Orchester h&ouml;rbar wird. Das sind so die Dinge, die ich mir &uuml;berlege und dann mache ich den Versuch, das Thema kompositorisch in den Griff zu kriegen. Das dauert meistens sehr lang. Zuerst habe ich vielleicht einzelne Passagen, die mir schon sehr gut gelungen sind, aber die haben noch keinen Anfang und kein Ende. Die binden sich noch nicht mit den anderen Gedanken, die ich dazu habe. Das ist ein gro&szlig;es Puzzle-Spiel, das man dann langsam zusammensetzt. Und dann kommt zum Beispiel nochmals ein Orchester-Teil dazu, der pl&ouml;tzlich nach einem Violinen-Solo ruft. Ich hatte den Orchester-Teil schon komponiert und der war eigentlich auch gut. Und dann ruft mich der Julian Rachlin an und sagt mir, dass er demn&auml;chst in Berlin ist und so. Und in der gleichen Sekunde denke ich mir, ich k&ouml;nnte ihn eigentlich fragen, ob er ein Solo spielt. Dann begreife ich diesen Teil, der ein Orchester-Teil ist, als Violinen-Solo-Orchester-Teil. Getragen von einem Violinen-Solo, von einem gro&szlig;en klassischen Geiger mit einem gro&szlig;en Orchester im Hintergrund. Ich habe das eben so konzipiert, weil ich die M&ouml;glichkeit hatte, diesen Geiger zu kriegen. Dann schreibt man das noch mal um und wenn es fertig ist schlottert man&nbsp; innerlich, weil nun das Orchester von 87 Mann kommt. Eine philharmonische Besetzung in Berlin, mit der wir das aufgenommen haben. In solchen Momenten denke ich, was jetzt, wenn ich mich gedanklich in den Urlaub begeben habe und die Sache nicht stimmt, nicht zusammen funktioniert? Dann hab ich viel Geld ausgegeben, viel produziert f&uuml;r etwas, was ich nicht brauchen kann. Wenn aber daraus etwas wird, wo die Leute da sitzen und sagen &bdquo;Ich bin fassungslos, das ist ja einfach unglaublich&quot; &#8211; das ist uns passiert mit dem Lied &bdquo;Mein Ziel&ldquo; &#8211; dann ist das nat&uuml;rlich ein Moment, wo man abends aus dem Studio geht, sich umarmt und sagt: &quot;Komm lass uns in ein Restaurant gehen und eine Flasche Champagner &ouml;ffnen. Lass uns das Leben feiern, einfach weil es uns gelungen ist, das so zu machen.&quot; Und bei diesem Album konnten wir abends ein paar Mal richtig feiern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<strong>Ihren Texten nach sind Ihnen Gleichg&uuml;ltigkeit, Selbstgef&auml;lligkeit und Spie&szlig;igkeit ein Graus. W&auml;re es manchmal einfacher, sich diesen Dingen hinzugeben?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob das einfacher ist? &#8211; Mag sein. Aber dann reiht man sich ein in eine schier endlose Reihe von Menschen, die ihr Leben begreifen als: &bdquo;Ich komme irgendwie durch, ich wurschtel mich durch oder ich habe ein geordnetes Leben&ldquo;. Es ist schon in Ordnung, wenn man sich sagt: &bdquo;Ich verdiene mein Geld und kann meine Familie damit unterhalten&ldquo;. Ich bin auch nicht der Typ, der sich aus dem Fenster h&auml;ngt, wie ich mich auf dem Cover aus dem Fenster h&auml;nge. Aus dem Fenster zu schauen, bedeutet f&uuml;r mich vielmehr neugierig zu sein. Und wenn man sich zufrieden gibt mit dem, was einem eigentlich im Leben gegeben ist, ist das ein sehr guter Wesenszug und das brauchen wir auch auf der Welt. Menschen, die mit dem was sie haben zufrieden sind. Es ist wichtig, eine gute Arbeit zu haben. Dann fehlt nur noch ein verl&auml;sslicher Partner und nette Kinder. Aber um nette Kinder zu haben, muss man auch nett zu ihnen sein. Ein Kind, das du mit Liebe behandelst, wird immer ein gutes Kind sein. Wenn man es mit Gewalt behandelt, anbr&uuml;llt, dann wird es ein versch&uuml;chtertes und schlie&szlig;lich ein verdorbenes Kind sein. Das liegt an uns, was wir aus unseren Kindern machen. Ich bin ein neugieriger Mensch und deswegen kann ich mich mit Gleichg&uuml;ltigkeit, Selbstgef&auml;lligkeit und Spie&szlig;igkeit nicht identifizieren. Ich werde immer nach anderen Dingen streben. Aber ich sage auch gleich, nicht jeder Mensch sollte den Ehrgeiz haben nach Dingen zu streben, die uns durch das Fernsehen vorgelebt werden. Die dazu verf&uuml;hren, uns st&auml;ndig zu gro&szlig;e Schuhe anzuziehen. Das ist, so glaube ich, eine gro&szlig;e Gefahr. Wenn man permanent zu gro&szlig;e Schuhe anstrebt, dann wird man im Leben schnell merken, dass man zu klein ist f&uuml;r zu gro&szlig;e Schuhe. Das erzeugt einen Minderwertigkeitskomplex. Aber zu erkennen: &bdquo;Ich hab die Kraft. Ich sto&szlig;e das Fenster zum Leben auf und br&uuml;ll dann ordentlich hinaus.&ldquo; Dann schauen vielleicht ein paar Leute von der Stra&szlig;e erschrocken herauf. Vielleicht weil sie das ganz interessant finden, was ich da tue. Dann muss es aber auch interessant sein, was da aus dem Fenster gebr&uuml;llt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ist es manchmal anstrengend Udo J&uuml;rgens zu sein?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Sicherheit, aber ich empfinde es auch als herrlich. Nat&uuml;rlich habe ich das zwischendurch entsetzlich gefunden und habe mich gefragt: &bdquo;Warum ist eigentlich diese ganze Aufregung in meinem Leben drin? Warum kann ich nicht ruhiger und mit gr&ouml;&szlig;erer Ruhe und Besonnenheit mein Leben leben und meine Dinge tun? Warum muss ich da so beobachtete werden dabei?&ldquo; Dadurch, dass man sich beobachtet f&uuml;hlt, entstehen ja erst die Fehler. Weil man, wenn man beobachtet wird, etwas unter Druck zu machen beginnt. Wenn man nicht frei und in Ruhe eine Entscheidung treffen kann, sondern unter Druck, ist die Gefahr gro&szlig;, dass man sich falsch entscheidet. Deswegen ist es schon sehr schwierig, ein Leben zu f&uuml;hren, das unter permanenter Beobachtung steht und dabei trotzdem die Ruhe zu behalten. Deshalb ist das Alter etwas Wunderbares. Wenn man es gesund erreicht, hat man die M&ouml;glichkeit, sein Schiff vielleicht sogar in einigerma&szlig;en ruhige Gew&auml;sser zu steuern und noch Ufer zu entdecken, von denen man fr&uuml;her nichts gewusst hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>In Ihrem Titel &bdquo;Der Mann ist das Problem&ldquo; gibt es viele rockige Elemente. Rocken M&auml;nner im Jahr 2014 noch?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich glaube: Ja! Ich glaube, die Entwicklung der gesamten Kunst zu einer Art Rock&acute;n&acute;Roll-Kunst, ist eine Entwicklung des vergangenen Jahrhunderts. Und das ist dadurch zu Stande gekommen, dass die geistige Entwicklung der Zeit, angefangen bei den Beatles, pl&ouml;tzlich eine ganz andere Dimension erhalten hat. Die Beatles und die anderen Gruppen, Musiker und Denker, die in diesem Fahrwasser B&uuml;cher geschrieben, Kunst betrieben, provoziert und Graffitis an die W&auml;nde gespr&uuml;ht haben, haben die Jugend der Welt erweckt. Das ist alles eine Geistesrichtung, welche die Welt ver&auml;ndert hat. Zum Teil zum h&auml;sslichen, aber zum Teil auch zum viel freieren. Dass nat&uuml;rlich die M&auml;nner, die immer voranst&uuml;rmen, wenn es darum geht neue Ufer zu erobern auf der Welt, bei diesem Voranst&uuml;rmen unendlich viele Fehler machten ist klar. Aber sie haben auch vieles richtig gemacht. Das ist eben so. Wer nach vorne st&uuml;rmt, der stolpert leicht und st&ouml;&szlig;t auch andere Sachen um &#8211; macht vieles kaputt. Aber die Welt bleibt stehen, wenn sie nicht nach vorne st&uuml;rmt. Und das ist eben das, was typisch m&auml;nnlich ist. Das ist auch das, was wir an M&auml;nnern sch&auml;tzen. Trotzdem sollten wir nicht blind sein und sollten mit einem zwinkernden Auge schon erkennen, was wir in diesem m&auml;nnlichen, Rock&acute;n&acute;Roll-m&auml;&szlig;igen nach vorne st&uuml;rmen st&auml;ndig falsch machen. So machen, dass es eben auch zum Desaster f&uuml;hrt. Atomenergie und Erfindungen, die nicht nur am Rande der Gef&auml;hrlichkeit sind, sondern die uns eines Tages m&ouml;glicherweise umbringen werden. Der Mensch hat inzwischen Erfindungen gemacht, mit denen man innerhalb einer halben Stunde den ganzen Erdball ausl&ouml;schen kann. Die Menschheit war bisher noch nie dazu in der Lage, so etwas Abscheuliches zu tun. Heute m&uuml;ssen wir mit der Angst leben, dass das m&ouml;glich geworden ist und Wahnsinnige, diesen Knopf eines Tages in der Hand halten werden. Da muss die Menschheit auch eine gro&szlig;e Besonnenheit haben. Niemand musste sich vor hundert Jahren dar&uuml;ber Gedanken machen, dass es irgendwann mal Menschen auf der Welt geben wird, die die Macht haben, den Erdball zu zerst&ouml;ren. Wir m&uuml;ssen alle Kraft daran setzten, diese Dinge zu kontrollieren. Wenn die Welt demokratisch wird m&uuml;sste uns das Gelingen, weil dann das Volk letztlich dasjenige ist, welches die M&auml;chtigen an die Macht bringt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gibt es da Parallelen zu Ihnen? Ist Udo J&uuml;rgens als Mann manchmal das Problem?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F&uuml;r mich auf jeden Fall! Ich bin mir sicherlich einige Male ein gro&szlig;es Problem in meinem Leben gewesen. Die Art wie ich mir eingebildet habe, mein Leben leben zu m&uuml;ssen, war sicherlich zeitweise richtig, zeitweise auch falsch. Unterm Strich bin ich sehr gl&uuml;cklich, wie ich gelebt habe. Ich konnte immer wieder, alles was aus dem Ruder zu laufen drohte, zur&uuml;ck in normale Bahnen bringen. Nat&uuml;rlich hat man als j&uuml;ngerer alle m&ouml;glichen Verr&uuml;cktheiten durchlebt. Sei es mit dem Alkohol oder den Drogen, denen ich Gott sei Dank nie verfallen bin. Aber ich war umgeben von Drogen. Damit kann man ich wei&szlig; nicht wie viel Unheil anrichten. In den Garderoben, in denen ich w&auml;hrend meinen Tourneen auf der ganzen Welt gesessen bin, haben sich neben mir Leute die Spritzen gegeben, die sie nicht &uuml;berlebt haben. Das konnte ich beinahe mit ansehen oder habe das zumindest gewusst. Das war einfach gang und g&auml;be. Selbst diesen Weg nicht einzuschlagen, war schon eine Leistung. Auch wenn man vielleicht eine Zeit lang ein Alkoholproblem hatte. Aber es war eine wilde &Auml;ra, die 50er-, 60er- und 70er-Jahre. In den 80ern hat sich das dann beruhigt. Aber das waren schon einige Jahrzehnte, in der die Welt und die Jugend drohte wirklich aus den Schienen zu laufen, indem sie sich selbst, wie man so sch&ouml;n sagt, die Kante zu sehr gegeben hat. Jetzt sind wir glaube ich auf einem Wege, wo das vielleicht doch vern&uuml;nftiger gesehen wird und die Menschen sich selbst besser erkennen. Wer all diese Sachen erlebt hat und es trotzdem als gesunder Mensch und ohne Alkoholiker geworden zu sein ins Alter hinein kommt, kann sich selbst schon irgendwie gratulieren und sagen: &bdquo;Okay, bisher hab ich es geschafft, da werde ich den Rest jetzt auch noch bew&auml;ltigen&ldquo;. Aber das ist alles unerh&ouml;rt spannend und aufregend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>M&ouml;chten Sie sich mit dem Titel &ldquo;Was ich gerne w&auml;r f&uuml;r dich&ldquo; daf&uuml;r entschuldigen, dass Sie als erfolgreicher Musiker nicht so viel Zeit mit Ihrer Familie verbringen konnten, wie Sie eigentlich wollten?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich glaube, es ist keine Entschuldigung. Wir alle haben doch einen Wunsch, wie wir von den Menschen, die uns Nahe stehen, von unseren Kindern und Lebenspartnern gesehen werden. Wir wollen vielleicht nicht als wei&szlig; Gott wie gut und edel, aber als verl&auml;sslicher Freund gesehen werden. Wir wollen vielleicht Farbe ins Leben des anderen Menschen bringen. Solche Dinge. Wie das in dem Lied hei&szlig;t &bdquo;Ich m&ouml;cht&acute; die Welt in Farben tauchen wie Chagall&ldquo;. Also solche W&uuml;nsche sind glaube ich legitim und die hat jeder Mensch. An so was hab ich mehr gedacht, als an eine Entschuldigung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ihr Titel &bdquo;Alles aus Liebe&ldquo; schreibt der Liebe eine unglaubliche Kraft zu. Ist das nicht ein wenig naiv?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Lieder nicht mehr naiv sind, dann m&uuml;ssen wir uns endg&uuml;ltig von Liedern, die uns G&auml;nsehaut, Freude und inneren Frieden bereiten, verabschieden. Dann ist alles Heavy Metal und Headshaking-Musik. Dann toben wir nur noch irgendwo auf einer Tanzfl&auml;che herum. Das Lied hat das Recht und sogar die Pflicht, manchmal kitschig zu sein und manchmal gef&uuml;hlsm&auml;&szlig;ig zu &uuml;berborden. Aber was das Lied aussagt ist, dass wir anders denkende respektieren. Aber wenn wir diesen Wandel erreichen, dann w&auml;re es ideal, wenn wir das mit Liebe erreichen, mit Zuneigung. Das ist ein naiver Gedanke, aber den darf man in einem Swing-Lied gerne aussprechen, finde ich jedenfalls.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wovon handelt der Titel &bdquo;Wohin geht die Liebe wenn sie geht&ldquo;?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir fragen uns sicherlich: Wo bleiben die Gef&uuml;hle, wenn wir mal geliebt worden sind und diese Liebe eines Partners vergangen ist, was durchaus der Fall sein kann. Dann bedeutet das nicht, dass sie niemals zur&uuml;ckkommen kann. Ich wollte ein Lied zusammen mit der Autorin Katharina Gerwens machen, mit der ich fr&uuml;her schon ein paar wundersch&ouml;ne Lieder geschrieben habe. Die hat den Sinn f&uuml;r solche sensiblen Themen, wo man etwas Vergangenes schildert. Wohin geht die Trauer, wenn jemand gestorben ist? Auch die ist mal vorbei und wir sch&ouml;pfen aus ihr neue Kraft. In meinem Lied sage ich: &bdquo;Sie hilft uns alles zu verstehen&ldquo;. Wenn wir den Tod begriffen haben, einigerma&szlig;en wenigstens, haben wir schon das meiste begriffen. Dann haben wir begriffen wie verg&auml;nglich wir sind und das ist schon eine ganz gro&szlig;e Erkenntnis. Daraus entstehen auch die anderen Fragen. Was passiert mit der Trauer, wenn sie weg ist? Was passiert mit der Hoffnung, wenn sie weg ist? Was passiert mit der Liebe, wenn sie weg ist? Mit dem Gl&uuml;ck, das uns verl&auml;sst? Es geht darum Bilder zu finden, die uns zeigen, dass alle diese Dinge zur&uuml;ckkommen k&ouml;nnen. Nat&uuml;rlich kann man da sehr viel selber dazu beitragen. Wenn man das nicht will, verkriecht man sich irgendwo in einem Zimmer am Waldrand und will niemanden mehr sehen. Und dann kommt nichts zur&uuml;ck. Aber wenn man sagt: &bdquo;Jetzt nehme ich meinen Hut, gehe auf die Stra&szlig;e und schaue mir die Menschen an. Vielleicht setzt ich mich in ein Caf&eacute;haus. Das Leben geht weiter, ich werde vielleicht jemanden kennenlernen&ldquo;. Wenn man das probiert und offen ist, dann wird man jemanden kennenlernen. Dann wird man pl&ouml;tzlich wieder das Gl&uuml;ck und die Liebe, die einen verlassen haben, wiederfinden. Das wollte ich in dem Lied ausdr&uuml;cken. Es ist wichtig, dass Lieder solche Botschaften haben.<\/p>\n<p><strong>In &bdquo;Das Leben bist du&ldquo; geht es um innere Machtk&auml;mpfe. F&uuml;hlen Sie sich auch manchmal hin und her gerissen zwischen zwei Fronten?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Komischerweise habe ich bei diesem Lied sehr stark an Thomas Druyen gedacht. Ein sehr guter Freund und Philosoph, der mit meiner Tochter verheiratet war. Ich bin mit ihm mit nach wie vor bestens befreundet. Meine Tochter &uuml;brigens auch &#8211; Gott sei Dank sind auch sie sich noch immer sehr nahe. Mit ihm habe ich unendlich oft &uuml;ber solche Fragen gesprochen: &bdquo;Achte auf deine Gedanken, denn sie werden zu Taten. Achte auf deine Taten, denn eines Tages musst du mit ihnen leben und dich daf&uuml;r verantworten. Du selbst bist dein eigenes Leben. Das bist du, niemand anderes. Du bist der Krieg, der sich in dir abspielt&ldquo;. Alle diese Dinge bist du selbst. Und diese eigene Kraft wollte ich ganz stark zum Ausdruck bringen, deswegen singe ich diese Zeile im Lied ja auch mit einem gro&szlig;en Chor. &bdquo;Du bist das Leben, das Leben bist du!&ldquo; &#8211; Eine gro&szlig;e Botschaft, wie ich finde. Ich werde oft gefragt: &bdquo;Was ist das beste Lied, das du je geschrieben hast?&ldquo; Dann h&ouml;r ich immer wieder, dass sehr viele Leute &#8211; und auch ich selbst &#8211; der Meinung sind, dass &bdquo;Ich wei&szlig; was ich will&ldquo; eine meiner besten Kompositionen ist. Ich glaube &bdquo;Das Leben bist du&ldquo; steht genau in dieser Tradition und es ist f&uuml;r mich eines der besten Lieder, die ich je geschrieben habe.<\/p>\n<p><strong>In dem Lied &bdquo;Mein Ziel&ldquo; singen Sie davon, dass Sie keine B&auml;ume mehr ausrei&szlig;en werden, daf&uuml;r aber welche pflanzen. Wie mein Sie das?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich werde B&auml;ume pflanzen, aber keine mehr ausrei&szlig;en. Das ist die Botschaft und das ist die Idee, die dahinter steht. F&uuml;r mich ist das ein Lied, das unglaublich viel mit meinen eigenen Zielen zu tun hat. Letztlich ist es nicht das Ziel, reich und beliebt zu werden und permanent eine gro&szlig;e Karriere zu machen. Das gro&szlig;e Ziel kann, wie es ja am Schluss hei&szlig;t &bdquo;nur Freiheit und Liebe sein&ldquo;. Mit Freiheit meine ich nicht nur die k&ouml;rperliche Freiheit, sondern die geistige Freiheit, die ich erleben kann mit einem anderen Menschen zusammen. Das sind gro&szlig;e Begriffe. Freiheit ist das gro&szlig;e Thema unseres deutschen Bundespr&auml;sidenten, das er immer wieder anspricht in seinen Reden. Und es ist ein gro&szlig;es Thema der Menschheit, aber es wird nat&uuml;rlich immer im politischen Sinne angewendet &#8211; dass man sich Freiheit f&uuml;r ein Volk w&uuml;nscht. Das ist erst der Beginn der Freiheit. Die wahre gro&szlig;e Freiheit ist die Freiheit des Geistes. Und die wird nach wie vor st&auml;ndig unterdr&uuml;ckt. Es geht mir sehr stark um die geistige Freiheit. Das versuche ich auch in diesem Lied &bdquo;Mein Ziel&ldquo; auszudr&uuml;cken.<\/p>\n<p><strong>Wirken sich gesellschaftliche Krisen auf Ihr k&uuml;nstlerisches Schaffen aus?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja. Das ist ganz klar. Das sollte jedes k&uuml;nstlerische Schaffen beeinflussen. Wenn ich Maler w&auml;re oder Schriftsteller, w&uuml;rde ich versuchen die Geschichten und Bilder auch in solchen Farben und Szenarien anzusiedeln. Theaterst&uuml;cke zum Beispiel. Ein Theaterst&uuml;ck, das sich mit der Finanzkrise besch&auml;ftigt oder ein Film. Das ist ein grandioses Thema. Warum nicht auch ein Lied? Und ich wollte eben solche Lieder wie &bdquo;Der gl&auml;serne Mensch&ldquo; oder &bdquo;Die riesengro&szlig;er Gier&ldquo;. Die schildern einen Zustand relativ n&uuml;chtern, um dann am Schluss doch so etwas &auml;hnliches wie eine Moral einzubringen. Etwa durch einen Nachsatz, der dann hei&szlig;t: &bdquo;Wenn man so viel Energie und Geld aufwenden w&uuml;rde um unsere Erde zu sch&uuml;tzen, wie man das tut f&uuml;r die Banken, dann w&auml;re die Erde l&auml;ngst gerettet&ldquo;. Und gerade diesen Nachsatz finde ich eigentlich sehr wichtig in meinem Lied.<\/p>\n<p><strong>Ein Titel hei&szlig;t &bdquo;Vogel im K&auml;fig&ldquo;. Wissen Sie was es hei&szlig;t, nicht frei sein zu k&ouml;nnen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, das wei&szlig; ich schon. Ich bin nachts durch die Stra&szlig;en eines kleinen Ortes spaziert und habe in ein Fenster gesehen, in dem ein Vogelk&auml;fig stand. Und wie ich diesen Vogelk&auml;fig da stehen sehe, denke ich mir in derselben Sekunde: &bdquo;Also ein Vogel im K&auml;fig m&ouml;chte ich eigentlich nicht sein.&ldquo; Das war der Gedanke. Und in der Sekunde, wie ich das denke, war mir klar, dass das der Titel eines Liedes sein k&ouml;nnte. Und das dieses Bild voller philosophischer Ideen ist. Dazu fallen mir ganze Lebensgeschichten ein. Das war &uuml;brigens das erste oder das zweite Lied, das ich f&uuml;r dieses Album geschrieben habe. Und es hat mir unglaublich Lust darauf gemacht weiterzuschreiben. Nat&uuml;rlich sehnt sich dieser Vogel nach der Freiheit. Er m&ouml;chte mitschweben und mit den anderen V&ouml;geln am Himmel fliegen. Und nat&uuml;rlich ist der n&auml;chste Gedanke die geistige Freiheit, die sich der Beobachter des Bildes &ndash; also ich &#8211; ersehnt. Diese ewige Sehnsucht nach der Freiheit, die dieser Vogel im K&auml;fig symbolisiert.<\/p>\n<p><strong>Ein besonders ergreifender Moment in Ihren Konzerten ist das Abschiedslied. Flacht das nicht zur Gewohnheit ab?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, man gew&ouml;hnt sich nie daran. Und das ist auch vollkommen richtig. Man gew&ouml;hnt sich nicht daran, aber man m&ouml;chte das auch nicht missen. Das ist diese ber&uuml;hmte Gegens&auml;tzlichkeit, die in meinem Beruf nat&uuml;rlich st&auml;ndig stattfindet. Man sehnt sich nach etwas und wehe es tritt ein. Dann kommt diese Ruhe. Die w&uuml;rde einen wahrscheinlich leer und einsam machen. Das ist letztlich nicht das, was man erleben m&ouml;chte. Ich habe meine sch&ouml;nsten Abschiedslieder alle geschrieben, als ich noch jung war. Wenn ich auf der B&uuml;hne ein Abschiedslied, zum Beispiel &bdquo;Wenn der jetzt Vorhang f&auml;llt&ldquo;, gesungen habe, war es nicht leicht sich das vorzustellen. Sp&auml;ter kehrte es ins Gegenteil. Mir wurde klar, wenn du das mit &uuml;ber 50 oder gar mit 60 singst, sagt jeder &bdquo;Das war sein Abschied, jetzt h&ouml;rt er auf, das ist sein Ende. Damit k&uuml;ndigt er sein eigenes Ende oder ganz philosophisches gesagt vielleicht sogar seinen eigenen Tod an.&ldquo; Dann habe ich aufgeh&ouml;rt diese Art Lieder zu schreiben und habe das Thema Abschied wenn &uuml;berhaupt, nur noch sehr umschrieben. Im neuen &bdquo;Zehn Minuten nach elf&ldquo; schildere ich sehr klar eine Situation nach Ende des Konzertes. Dass man mit den Musikern noch irgendwo sitzt, irgendwo ein paar Fans zuwinkt. Man &uuml;berlegt, ob man noch in ein Lokal gehen oder mit ein paar Freunden noch um die H&auml;user ziehen soll, um der Einsamkeit zu entfliehen. Dann kommt ein Anruf von jemandem, der einem nahe steht, den man gerne bei sich h&auml;tte, mit dem man &uuml;ber das Erlebte sprechen kann. Diese Gedanken wollte ich in einem Lied drin haben. Es ist ein unerh&ouml;rtes Lied geworden, das ich wahrscheinlich bei der n&auml;chsten Tournee am Schluss des Konzertes singen werde. Das l&auml;sst sich gar nicht mehr verhindern. Schon bevor das Album &uuml;berhaupt auf dem Markt war, ist es das Lieblingslied vieler meiner Freunde geworden.<\/p>\n<p><strong>K&ouml;nnen Sie sich ein bodenst&auml;ndigeres Leben ohne Konzertauftritte vorstellen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wahrscheinlich nicht, aber in meinem Alter sieht alles anders aus. An diesem Punkt muss ich wirklich wieder mein Alter anf&uuml;hren. Nat&uuml;rlich sollte sich jetzt langsam der Moment einstellen, an dem ich erkenne, dass ich besser nicht mehr auf eine B&uuml;hne gehen sollte. Dass ich mich mehr um die Menschen k&uuml;mmere, die mir anvertraut sind. Meine Enkel &ouml;fter sehe, die ich unendlich liebe und die mich, so glaube ich, auch sehr lieben. Also diese Dinge sollte ich vielleicht bewusster machen in meinem Leben und nicht mehr so sehr die Karriere sehen. Jetzt geht&rsquo;s bei mir nicht mehr um die Karriere. Die ist gemacht. Worum es jetzt geht ist das, was ich jetzt noch mache oder noch machen darf. Das muss einfach sehr gut sein, sonst hat es f&uuml;r mich &uuml;berhaupt keinen Sinn mehr. Eine Platte, die ich heute herausbringe, muss besser sein, als vor 20 Jahren. Die muss mehr Aussagekraft, mehr Inhalt haben. Sie muss mehr W&auml;rme verbreiten. Dann hat das Sinn, was ich tue. Diesen Anspruch stelle ich an mich und deswegen horche ich sehr in mich hinein. Aber ich wei&szlig; die Antwort nicht. Ich kann Leute nicht fassen, die beschlossen haben: &bdquo;Mit 60 h&ouml;re ich auf, dann gehe ich in Rente, dann werde ich nichts mehr singen.&ldquo; Okay, jeder kann aufh&ouml;ren, wann er will. Ich horche in mich hinein und kann diese Antwort nicht geben. Das Schicksal wird mir sagen: &bdquo;Mach das jetzt nicht mehr. Du hast es lange genug getan. Du hast l&auml;nger auf der B&uuml;hne gestanden, als alle anderen in deinem Beruf. Es gibt niemanden auf der Welt, der so alt ist wie du, der in einer Halle mit 10.000 Menschen singt, die ihn noch h&ouml;ren wollen.&ldquo; Ich habe etwa erreicht, was jetzt schon irgendwie einzigartig ist und ich erlebe es immer noch. Und nat&uuml;rlich erlebe ich es mit gro&szlig;er Dankbarkeit. Das muss man mir schon zugestehen, und dass ich das auch genie&szlig;e. Ich kann das Bittere des Alters dadurch nicht nur leichter ertragen, sondern beinahe hinweg sp&uuml;len, indem ich den Jubel von tausenden Menschen erleben darf, die mit Tr&auml;nen in den Augen an der B&uuml;hne stehen und fragen: &bdquo;Wann kommst du wieder? Wann k&ouml;nnen wir das n&auml;chste Konzert von dir erleben?&ldquo; Das ist mir bis zu meinem letzten Auftritt so ergangen und ich hoffe, es wird mir auch bei meinen n&auml;chsten Auftritten wieder so gehen. Ich habe vor zwanzig Jahren schon gesagt: &bdquo;Jedes Konzert kann das letzte sein. Ich wei&szlig; nicht, wann das ist.&ldquo; Es kann w&auml;hrend einer Tournee passieren, dass ich sp&uuml;re, dass die Kraft nicht mehr da ist, ich kann nicht weitermachen, ich h&ouml;re auf. Das w&auml;re mir sehr unangenehm, weil sich die Leute auf etwas freuen, das ich ihnen nicht geben kann. Dann w&uuml;rde ich mich beinahe ein bisschen als Versager f&uuml;hlen. Also das wird nicht passieren, oder ich hoffe zumindest nicht, dass es passieren wird. Aber das ist eben das Schicksal. Solange ich die Kraft habe und solange ich wei&szlig;, da drau&szlig;en sind die Menschen, die mich h&ouml;ren wollen, von denen ich den Auftrag erhalte, ihnen das zu geben, solange will ich darum k&auml;mpfen, dass ich das auch geben kann.<\/p>\n<p><strong>Auf Ihrem Album befinden sich auch vier Zwischenspiele. Was reizt Sie an dieser Musikform?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eigentlich habe ich meinen Freunden den Tipp gegeben: &bdquo;H&ouml;rt euch drei Lieder an, macht eine Pause und h&ouml;rt euch zwei, drei am n&auml;chsten Tag und den Rest sp&auml;ter an.&ldquo; Das ganze Album durchzuh&ouml;ren kann man m&ouml;glicherweise nur so nebenher machen. Aber dann wei&szlig; man am Ende nicht mehr, was an Gedanken da drin waren, weil sehr viele pers&ouml;nliche Gedanken in diesem Album drinstecken. Aus dem Grund habe ich Zwischenspiele gemacht. Vier mal kommt auf dem Album, nach einem Lied das relativ wichtig war oder relativ m&auml;chtig daher gekommen ist, ein Zwischenspiel als Auflockerung. Es beschreibt den Augenblick, den ich gerade erlebe im Konzert. Wie ich das Gl&uuml;ck empfinde oder was ich tun darf. Das letzte Zwischenspiel hei&szlig;t &bdquo;Diese Lieder&ldquo;, wo ich mir ein paar Gedanken dar&uuml;ber mache, wie gerne ich diese Lieder f&uuml;r immer festhalten w&uuml;rde. Dadurch, dass man eine Schallplatte produziert, h&auml;lt man sie ja fest. Das ist eine moderne Form des Festhaltens. Die sind ja nicht weg, nicht verloren. Aber das Erlebnis, die Intensit&auml;t mit der ich ein Konzert erlebe, das ist nach dem Konzert vorbei. Mit dem Zwischenspiel will ich sagen, wie gerne ich diese Gef&uuml;hle, die ich empfinde, wenn ich diese Lieder spiele oder mir anh&ouml;re, festhalten m&ouml;chte. Etwas, was wir nicht k&ouml;nnen. Diese Gedanken zwischendurch alle drei, vier Lieder finde ich sehr entspannend. Zumal sie ja sehr minimalistisch gemacht sind. Manchmal nur Klavier und ein paar Streicher die mich begleiten. Manchmal nicht mal das. Ein Zwischenspiel bestreite ich ganz alleine, da ist niemand dabei. Und dann ist man wieder gewappnet f&uuml;r den n&ouml;tigen L&auml;rm, den man auch ertragen muss, wenn man sich zum Beispiel ein paar rhythmische Nummern von mir anh&ouml;rt.<\/p>\n<p><strong>Wie ist die Idee zum Titel &bdquo;Mitten im Leben&ldquo; und zum ganzen Album entstanden?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gedanke kam in dem Augenblick, als ich begonnen hatte, ein Album zu schreiben und in der Mitte angelangt war mit meinen Ideen. Aber ich hatte noch zehn weitere Ideen, an denen ich schon herumgewurschtelt hatte. Es waren bereits f&uuml;nf, sechs Lieder fertig und es waren weitere zehn in der Mache, wie man so sch&ouml;n sagt. Auf dem Album sind letztendlich zw&ouml;lf Lieder, aber gearbeitet habe ich ungef&auml;hr an 23 Liedern. Also hatte ich noch zehn weitere und habe dann versucht immer die st&auml;rksten Themen und Gedankeng&auml;nge, die in den anderen Liedern drin waren, nach vorne zu ziehen und zu sagen: Das mach ich jetzt weiter. Und die schw&auml;cheren habe ich nat&uuml;rlich langsam unter den Tischen fallen lassen. Das ist legitim. So werden eigentlich die Sachen gemacht &#8211; ich glaube auch von anderen Kollegen. Ich habe mich dann auf zw&ouml;lf Lieder, auf die zw&ouml;lf besten Ideen, konzentriert. Es war wichtig, dass ich, wie ich das Album langsam fertig geschrieben hatte, angefangen habe, meinen Produzenten Peter Wagner und seinen Assistenten Alex Wende aus Berlin einzubeziehen. Ich hab sie zu mir nach Z&uuml;rich eingeladen: &bdquo;Kommt und h&ouml;rt die Lieder. Ich spiel euch das eine oder andere Lied mal so sch&ouml;n gem&uuml;tlich zwischen Abendessen und Morgengrauen vor. Und morgen die n&auml;chsten. Bleibt zwei Tage bei mir und wir gehen die Lieder mal durch.&ldquo; Mit den Texten in der Hand, die ich jedem gegeben habe: &bdquo;Lie&szlig; diesen Text. H&ouml;r mal zu, was ich mir dazu musikalisch gedacht habe.&ldquo; Ich habe so ein bisschen erkl&auml;rt, wie ich mir die Aufl&ouml;sung vorstelle, an welcher Stelle ich ein gro&szlig;es Orchester h&ouml;re, oder Popmusik, wie laut oder jazzig es werden soll. Wo ein Saxophonsolo reinpasst oder sonst irgendwas. Und wie die da sa&szlig;en und zugeh&ouml;rt haben, haben sie am Schluss gesagt: &bdquo;Udo, das wird ein unglaubliches Album, wenn es uns gelingt, das umzusetzen.&ldquo; Ich habe ihnen geantwortet: &bdquo;Ja, das muss uns noch gelingen. Es kommt noch eine riesige Arbeit auf uns zu. Wir m&uuml;ssen diese Gedanken umsetzten, so dass wir sie mit der Musik oder der Lautst&auml;rke nicht erschlagen und mit dem Orchester nicht st&ouml;ren, sondern nur unterst&uuml;tzen. Dort wo es aggressiv ist, kann auch die Musik aggressiv werden. Da wo es nachdenklich ist, kann die Musik ganz leise werden und das Klavierspiel nur aus drei T&ouml;nen bestehen.&ldquo; Ich habe versucht ganz sensibel zu gestalten, so gut wir es eben k&ouml;nnen. Ich habe sehr aufmerksame Ohren gehabt, wenn ich Ratschl&auml;ge bekommen habe von unserem Arrangeur J&ouml;rg Achim Keller. Ein wunderbarer Musiker, der die Arrangements geschrieben hat, die wir ganz genau besprochen haben. Und er hat nat&uuml;rlich auch seine eigenen Ideen eingebracht. Da verwirft man, greift auf, fixiert und versucht dann auf diesem Korsett an Ideen, die man auf kleinen Zetteln notiert hat, irgendwie nach einem Fahrplan abzuarbeiten. Und dann haben wir versucht, das umzusetzen und der Reihe nach in aller Ruhe aufzunehmen. Wir haben f&uuml;r die Umsetzung und die Aufnahmen sehr lange gebraucht. Wir haben drei Monate im Studio gesessen, um das Album zu produzieren. Aber ich hab mir die Zeit genommen, weil ich die Zeit ja habe. Ich mache es jetzt eben so und ich lasse mich von niemandem mehr dr&auml;ngen und in den Hintern treten. Ich habe das nat&uuml;rlich jahrelang erlebt, dass mir da in den Hintern getreten wurde: &bdquo;&Uuml;bermorgen m&uuml;ssen wir die B&auml;nder haben!&ldquo; und: &bdquo;Warum ist das noch nicht fertig? Wir haben schon beworben, das muss heraus auf den Markt!&ldquo; Und dann hat man nat&uuml;rlich oft noch Lieder mit hinein gebracht, die nicht n&ouml;tig gewesen w&auml;ren. Wie viele Platten nehmen wir in die Hand, auf denen ein gro&szlig;er Hit drauf ist und sonst nur warme Luft? Das ist Musik, die kein Mensch braucht. Lieder, die man nicht braucht, die sp&auml;ter kein Mensch h&ouml;ren will. Ich habe mit meinen Schallplatten den Goldstatus manchmal erst nach eineinhalb Jahren erreicht oder noch sp&auml;ter. Aber sie sind in ihrer Summe zu gro&szlig;en Auflagen gekommen. Nicht in kurzer Zeit, sondern &uuml;ber einen langen Zeitraum. Das ist mir wichtig, dass eine Musik sich so darstellt. Das mag eine etwas altmodische Sichtweise sein, aber f&uuml;r mich ist sie richtig. Ich bin nun mal kein 25-, 30-j&auml;hriger Musiker mehr. Ich bin ein &auml;lterer, ein alter Musiker und muss die Dinge anders sehen und anders einordnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>In den letzten Jahren gab es immer wieder Neuerungen bei Ihren Konzerten. M&uuml;ssen die Fans bef&uuml;rchten, dass dieses Jahr der Bademantel nicht zum Einsatz kommt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein! Den Bademantel habe ich im ersten gro&szlig;en Konzert meines Lebens angehabt, als ich noch jung war und der hat mir viel Gl&uuml;ck gebracht. Er sch&uuml;tzt mich auch vor Zugluft in den gro&szlig;en Hallen. Oft im Winter, wenn es kalt drau&szlig;en ist und es auf der B&uuml;hne besonders zieht, ist das wirklich ein gro&szlig;er Schutz. Ich bin es gew&ouml;hnt, dass ich am Ende Zugaben im Bademantel spiele und dann eben nicht in einem verschwitzen Hemd dasitzen muss. Das tut mir gut, deswegen behalte ich das bei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie verbringen Sie Ihren Geburtstag?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe keine genauen Pl&auml;ne. Die Fernsehsendung, die mit diesem Tag einher geht, wird nat&uuml;rlich aufgezeichnet. Und ich hoffe und versuche, dass diese Sendung frei von Peinlichkeiten sein wird. Ich empfinde solche Sendungen oft als peinlich, wenn sich da Leute feiern lassen. Alle kommen und gratulieren. Und Lobhudeleien werden da abgelassen. Mir ist das immer sehr unangenehm. Aber ich musste solche Sendungen schon einige Male machen und ich habe bisher das Gl&uuml;ck gehabt, immer sehr stark mitreden zu k&ouml;nnen und die Sendungen eigentlich immer so zu gestalten, dass sie gut waren. So werde ich es auch diesmal probieren. Den Abend selbst will ich im Kreise meiner Kinder und Enkel verbringen. Das ist nicht immer ganz einfach, weil sie nat&uuml;rlich alle ein eigenes Leben in anderen St&auml;dten und weit auseinander gerissen f&uuml;hren. Aber ich hoffe, dass es uns vielleicht mal gelingt, dass wir alle zusammen meinen Geburtstag feiern k&ouml;nnen. Das w&auml;re schon wunderbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Haben Sie Geburtstagsw&uuml;nsche?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass ich gesund bleibe. Das ist mein einziger Wunsch, den ich habe. Unberufen toi, toi, toi. Die Zeichen stehen auf tadellos. Ich werfe da immer ein sorgf&auml;ltiges Auge drauf und wenn das so bleibt, warte ich nicht darauf, dass der Gl&uuml;cksvogel sich auf meine Schulter setzt. Der hat sich schon so oft auf meine Schulter gesetzt, das w&auml;re unbescheiden, wenn ich den noch weiter strapaziere. Ich glaube auch, dass man f&uuml;r das Gl&uuml;ck viel tun kann. Wenn ich mit dem, was ich kann, Musik mache und das sorgf&auml;ltig und mit Liebe tue, wird sie dort ankommen, wo sie gew&uuml;nscht wird. Dann ist das eigentlich eine wunderbare Adresse. Dann verstehen wir uns ja bereits und es wird meine eigene Arbeit auch mir Gl&uuml;ck bringen. Ein Gl&uuml;ck, das mich wirklich zufrieden macht. Ich m&ouml;chte nichts geschenkt bekommen. Ich will geben mit dem, was ich habe. Und wenn ich dann sehe, dass ich damit Menschen gl&uuml;cklich machen kann, ist das f&uuml;r mich das gr&ouml;&szlig;te Geschenk.<\/p>\n<p>http:\/\/www.ariola.de<br \/>http:\/\/www.udojuergens.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Album ist seit heute (21.02.2014) im Handel &#8211; auch als &#8222;Limitierte Premium-Edition&#8220; (mit exklusiver Foto-Dokumentation: Udo J\u00fcrgens im Studio<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":106073,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_FSMCFIC_featured_image_caption":"","_FSMCFIC_featured_image_nocaption":"","_FSMCFIC_featured_image_hide":""},"categories":[29],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/106072"}],"collection":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=106072"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/106072\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media\/106073"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=106072"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=106072"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/smago.de\/ws2\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=106072"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}