„ZDF-HITPARADE“
Interview mit Thomas Gottschalk: „Mir war wichtig, dass die Hitparaden-Fans auch Hitparade bekommen!“!

Foto-Credit: Reini Zichy

Das ZDF feiert den runden Geburtstag des TV-Klassikers! Thomas Gottschalk moderiert und begrüßt zahlreiche Hitparaden-Lieblinge und Weggefährten …:

 

Herr Gottschalk, was erwartet die Zuschauer bei der Show „50 Jahre Hitparade“?

Mir war wichtig, dass die Hitparaden-Fans Hitparade bekommen, und Erinnerungen an die Hitparade haben einfach mit deutschen Schlagern zu tun. Ich kann nicht so tun, als würde ich da jetzt eine Rocksendung draus machen, nur weil ich sie moderiere. Ich habe natürlich erst gezuckt, als man mich gefragt hat, ob ich das machen will, weil ich bin ja nicht als Schlagerfan bekannt. Andererseits muss ich sagen, komme ich aus einer Generation, die sehr viel flexibler war. Natürlich bin ich mit Roy Black, Drafi Deutscher und so weiter groß geworden. Als Roy Black gesungen hat: ‚Irgendjemand liebt auch Dich‘ habe ich mir gedacht, das ist prima, da bin ich aber froh. Den Text von ‚Frag den Abendwind‘, den kann ich heute noch auswendig und den vom Erlkönig habe ich vergessen.

Sie sind begeisterter Musikfan, besonders Rockmusik mögen Sie, darf es auch Schlager sein?

Ich bin natürlich, wie alle, in meinen Teenagerjahren geformt worden. Ich kann mit Erinnerungen an gestern besser leben, weil sie einfach damals in mein Liebesleben gepasst haben. Also bei ‚Es fährt ein Zug nach Nirgendwo‘ habe ich schon den Eindruck gehabt, ich sitze auch im letzten Wagen. Mit 14, 15 ist man flexibler. Was aber überraschend ist: Früher war man als Schlagerfan immer ein bisschen provinziell. Heute gibt es – und da habe ich ein Beispiel in der eigenen Familie – mein Neffe, der Sohn von meiner Schwester, der studiert Jura, ist ein Typ, der steht auf Rap und Techno und alles Mögliche und der mag allen Ernstes Helene Fischer. Da hätte ich früher nicht gedacht, dass so etwas möglich ist, aber es geht.

Haben Sie früher dann überhaupt die Hitparade angeschaut?

Nicht freiwillig, aber es gab ja nichts anderes. Was konntest du denn machen? Du hattest den Beatclub. Dann gab es Rainer Holbe, das war ein gut gekämmter Mensch in einem Smoking mit Fliege, aber der hat eben dann auch richtige Popgruppen zu Gast gehabt. Mit 15, mit 16, mit 17 war man auf Musik scharf. Natürlich hat die Bravo auch von Bernd Clüver und so weiter gelebt, das war ja nicht so getrennt. Und ich habe es als Diskjockey ja erlebt: du konntest – wenn ich damals Platten aufgelegt habe – Jimmy Hendrix spielen und die Leute haben die Haare geschüttelt, und dann hast du bei den langsamen Runden Peter Maffay mit ‚Du‘ gespielt und die haben sich aneinander geklammert und geknutscht. Also da war eine gewisse Flexibilität vorhanden.

Wie haben Sie die Sendung dann über die Jahre wahrgenommen?

Ich habe die erste Phase noch mitgekriegt und war immer überrascht, dass Jürgen Markus in Herne wohnt. Da wurden von den Leuten immer die Adressen eingeblendet, das waren Autogrammadressen. Aber irgendwann habe ich mich dann mehr um die englischen Sachen gekümmert, und ich bin ja dann relativ zügig beim Radio gelandet und hab dann also keine Schlager gespielt.

Die Hitparade stand aber nicht nur für Schlager, sondern auch für schrille Modeerscheinungen, oder?

Die Mode war halt damals schrill. Alle waren sie schrill: Ich war schrill und die, die da rumgelaufen sind, waren auch schrill. Dass da Männer in so eigenartigen Hosenanzügen unterwegs waren, das war nichts Besonderes, aber es ist eben schon ein bisschen – sage ich einmal – ungerecht, dass Rex Gildo eine Witzfigur war und Conchita Wurst eine Kultfigur ist. Da hat sich in der Einschätzung der Leute ein bisschen etwas geändert. Aber die Spinner damals haben es schwerer gehabt als die Spinner heute.

Die Hitparade wurde von der Moderationslegende Dieter Thomas Heck maßgeblich geprägt. Ein Vorbild für Sie damals?

Er war für mich ein Radiovorbild. Er war bei Europawelle Saar und ich war ein Radio-Freak. Also Frank Elstner und Dieter Thomas Heck waren für mich Radiofiguren. Ich meine, ich war ja selber nicht am Fernsehen interessiert. Ich wollte nie Fernsehmoderator werden. Und er hat das also verkauft und ich fand das in Ordnung, und dieses etwas Marktschreierische hatte mit dieser Schlagersendung zu tun. Aber es war jetzt nicht so, dass ich gedacht habe: ‚Eines Tages werde ich die 50-Jahres-Geburtstagssendung für die Hitparade machen.“.

In der Show blicken Sie gemeinsam mit tollen Gästen zurück auf 32 Jahre Hitparade zurück. Auf wen freuen Sie sich besonders?

Es ist natürlich so, dass man mit gewissen Dingen mehr zu tun hat, als mit anderen. Also ‚Butterfly‘ mit Danyel Gérard das war ein Lied, das natürlich auch in meiner DNA dabei ist. Dann habe ich natürlich die Marianne Rosenberg. Die habe ich damals beim RIAS zum ersten Mal gehört, da hat die ‚Mister Paul McCartney‘ gesungen, das war ein Liebeslied auf Paul McCartney. Den alten David Hasselhoff, den kenne ich natürlich aus Amerika ganz gut. Seine Tochter hat einmal mit meinem Sohn possiert. Mit dem habe ich eine Fernseh-Serie gemacht – ‚Ring of the Musketeers‘, zurecht vergessen – also den kenne ich ganz gut und freue mich immer, wenn ich den wieder sehe.

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Textquelle: Lydia Bautze / all4radio

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