VICKY LEANDROS
smago! Konzertkritik "Veni, vidi, vici … VICKY": Umjubeltes Konzert in der Elbphilharmonie Hamburg!

„Das große Neujahrskonzert“ von Vicky Leandros & Band wird in die Geschichte eingehen!

Sie kam. sie sang und – siegte…  VICKY LEANDROS hat am 6. Januar 2018 in der Elbphilharmonie Hamburg eines der Konzerte ihres Lebens gegeben.

Als im September 2017 bekannt wurde, dass Vicky Leandros am 6. Januar 2018 im Großen Saal der Elbphilharmonie gastieren würde, gab es nicht wenige Stimmen, die besagten: Jetzt ist sie wohl völlig übergeschnappt! Zumal die Eintrittspreise für "Das große Neujahrskonzert" gut doppelt so teuer ausfielen wie bei "normalen" Konzerten von Vicky Leandros & Band. (Tatsächlich kosteten Karten der 1. Kategorie € 139,00. Wobei jeder einzelne Cent hiervon absolut berechtigt war!)

Mit diesem exklusiven Auftritt hat Vicky Leandros sich selbst einen Herzenswunsch erfüllt. "Ich freue mich so sehr auf dieses Konzert in der wundervollen Elbphilharmonie", hatte Vicky Leandros im Vorfeld verlautbaren lassen und auch keinen Hehl daraus gemacht, dass sie ziemlich aufgeregt sei vor ihrem Auftritt in Hamburgs neuem Wahrzeichen.

"Das Programm wird die große Bandbreite des musikalischen Potenzials dieser einzigartigen Künstlerin widerspiegeln", hieß es in der Vorankündigung. "Begleitet wird sie dabei von Ihrer Band – und neben besinnlichen und festlichen Liedern, dem Anlass entsprechend, werden natürlich auch die Welterfolge von Vicky in der Elbphilharmonie erklingen."

Tatsächlich hatte Vicky Leandros für diesen einen Abend ein ganz besonderes Konzertprogramm auf die Beine gestellt. Die 5-köpfige Band wird diesmal durch ein Streicherquartett unterstützt.  Während der zweite Teil im Wesentlichen – oder besser gesagt: weitestgehend – dem Programm ihrer "Das Leben und ich" Tournee entsprach, hatte sie speziell für den ersten Teil einige Schmankerl vorbereitet. So begann sie das Konzert mit einer Liebeserklärung an Hamburg;  "Omorfi Poli" – "Geliebte Stadt". Und das A capella vorgetragen!

"Was für eine Freude, heute Abend hier in dieser wundervollen Elbphilharmonie zu sein, In Hamburg. In meiner Heimatstadt Hamburg. Hier bin ich ja aufgewachsen – seit meinem 5. Lebensjahr. Ich bin hier zur Schule gegangen. habe hier meine Freunde, meine Familie und – hier habe ich auch die ersten Schritte meiner Karriere machen dürfen. Das war bei der allerersten 'Aktuellen Schaubude'. Und deswegen ist es etwas ganz  Besonderes, heute hier zu sein."

Für gewöhnlich kommt – ganz gleich, ob bei ihren Konzerttourneen oder bei ihren Kurzauftritten im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Die SchlagerNacht des Jahres" – stets "Ich bin" an zweiter Stelle. Auch in der Elbphilharmonie kündigt Vicky Leandros "Ein Lied, das immer dabei" ist an. Überraschenderweise ist es jedoch "Après toi", ihr Siegertitel beim Eurovision Song Contest 1972.

Mit "N’y pense plus… tout est bien" (im Original von Bob Dylan) präsentiert Vicky Leandros einen Song von ihrer ersten LP "Songs und Folklore"  aus dem Jahre 1966. . "Mit diesem Lied fing eigentlich die Karriere in Frankreich an", erinnert sich Vicky. "Es war besonders schön, die Schule zu schwänzen."

In Frankreich sei es auch zu ihrer ersten Begegnung mit dem belgischen Chansonnier und Schauspieler Jacques Brel gekommen. Vicky wird heute noch rot vor Scham, wenn sie daran zurückdenkt. Brel habe – bei einer Fernsehsendung – zu ihr gesagt: "Du bist eine dramatische Sängerin". "Ich verstand das damals gar nicht und dachte, das muss etwas ganz Schreckliches sein. Auf dem Absatz habe ich mich umgedreht und bin in meine Garderobe gerannt – vor Schreck! Ein Jahr darauf haben wir uns wieder gesehen, da kam er, umarmte mich und ich dachte, so schlimm kann es jetzt geht nicht gewesen sein. Das war das erste Erlebnis mit Jacques Brel."

Zu Ehren des bereits 1978 im Alter von nur 49 Jahren verstorbenen Jacques Brels sang Vicky "Ne me quitte pas", das man hierzulande auch als "Bitte geh' nicht fort" (u. a. von Marlene Dietrich) kennt.

Bereits 1967 hat Vicky Leandros beim "Eurovision Song Contest" teilgenommen – für Luxemburg. "Da ist so 'ne kleine Griechin, die in Deutschland lebt und auch irgendwie Französisch sprechen kann, die kann uns doch mal repräsentieren", habe es seinerzeit geheißen. "Ich wurde Vierte. Na ja, ich war nicht so ganz glücklich über diesen 4. Platz. Aber: Wir konnten dieses Lied in sehr vielen Sprachen aufnehmen. Und es gab danach über 500 Coverversionen. Angefangen von Al Martino bis hin zu Frank Sinatra." Kuriosum am Rande. 1968 konnte sich Paul Mauriat mit einer instrumentalen Orchesterversion (!) von "L'amour est bleu" (als "Love Is Blue") fünf Wochen auf Platz 1 der US-Billboard-Charts behaupten. Bis heute ist er der einzige Franzose, der es an die Spitze der amerkanischen Charts geschafft hat.

JETZT ist es an der Zeit für "Ich bin", bevor Vicky – augenzwinkernd – ihre ersten deutschsprachigen Titel ansingt, als sie noch "ein junger Backfisch" war: "Messer, Gabel, Schere, Licht" und "Am Abend muss ich schlafen geh'n". (Wahrscheinlich weiß Vicky gar nicht, welch große Freude sie ihren Fans damit macht! Überhaupt punktet Vicky durchweg mit ihrem Humor und mit der Fähigkeit, sich bisweilen selbst ein bisschen auf den Arm nehmen zu können. Freimütig berichtet sie nämlich auch von den Pleiten, Pech und Pannen ihrer nunmehr 51-jährigen Bühnenkarriere. Dem Weltstar gelingt es, ein Gefühl von Vertrautheit mit ihrem Publikum herzustellen, so dass man bisweilen meint, man würde bei Vicky in der Küche sitzen und dürfte ganz privat mit ihr sprechen).

Nach einem kurzen Abstecher ins Japanische ("Machi kutabireta nichiyobi") schenkt Vicky ihren Fans mit "Wie die wilden Schwäne zieh'n", "A Taste Of Honey" und "Noch einmal" (im Original "Without Her" von Herb Alpert & The Tijuana Brass) drei weitere ganz besondere (weil top-exklusive) Konzertmomente.

Auch den Simon & Garfunkel-Klassiker "Scarborough Fair" bewältigt Vicky spielend. Und mit "Wie sich Mühlen dreh'n im Wind" ("The Windmills of Your Mind") folgt sogleich ein weiterer Höhepunkt, für den es seinerzeit sogar den "Deutschen Dichterpreis" gab Michael Kunze hatte 1970 den deutschen Text geschrieben. (Der große Michele Legrand lebt im Übrigen auch noch. Im Februar feiert er seinen 86. Geburtstag.)

Mit "Le temps des fleurs" präsentiert Vicky die französische Version von "Those Were The Days", bevor sie sich einen Kaffee genehmigt. (Ein Ritual, das mittlerweile Kult ist bei ihren Live-Konzerten!)

"Möge der Himmel" wissen, warum sich einem das seinerzeit von Xavier Naidoo produzierte Album bis heute nicht so recht erschließen mag … Vicky Leandros steht nach wie vor dazu ("Xavier hat sehr erwachsene Texte für mich geschrieben").

Bevor Vicky's grandios guter Bandleader Bo Heart das Publikum mit dem Versprechen "Wir treffen uns in 20 Minuten wieder hier" in die Pause schickt, singt Vicky Leandros noch ein griechisches Medley, das u. a. die Titel "To fengari ine kokkino" und "Milisse mou" enthält. Und: Vicky überrascht mit der griechischen Version des Milva-Hits "Zusammenleben" von Mikis Theodorakis in der griechischen Originalversion.

Mit "Ich fange ohne dich neu an" kehrt Vicky Leandros – in neuem Outfit – aus der Pause zurück. Und wieder erinnert sie sich an einen peinlichen Moment in ihrer langjährigen langen Bühnenkarriere – diesmal in der Royal Albert Hall.

Bereits 1978 hat Vicky mit "Valentin" entgegen des Anratens ihrer Plattenfirma ("Darüber sollte man schweigen!") einen Song aufgenommen. der sich mit dem Thema Homosexualität beschäftigt ("eine so charmante und liebevolle Geschichte", so Vicky in der Elbphilharmonie). Und genau diesen brachte Vicky Leandros jetzt zu Gehör.

Mit "Aus der Ferne" trug sie die deutsche Version des Bette Midler-Klassikers "From A Distance" vor. Mit "Free Again" ließ sie dasjenige Lied folgen, "das ich besonders gerne auf der Bühne singe".

Humor und Schlagfertigkeit bewies Vicky Leandros bei der Entgegennahme ihrer zahlreichen Fan-Geschenke. Bereits in der ersten Programmhälfte hatte sie neben diversen Blumensträußen auch ein kleines Päckchen mit den Worten "Ist da Alkohol drin …? – Nein …? – Schade!" entgegengenommen. Im zweiten Teil kam Vicky dann aber voll auf ihre Kosten. "Das sind Pralinen, aber mit Alkohol. Gut so!". (Diesen Humor muss man erst einmal haben …)

Nach der Musikervorstellung ging dieser ganz besondere Abend mit "Er hat mir geschrieben" ("The Letter"), "Ich will alles" (von Vicky & Band A capella dargebracht) und dem "Tango d'amor" weiter.

Und bei "Ich liebe das Leben" gab es dann kein Halten mehr! Die ganze Elbphilharmonie stand Kopf und feierte Vicky und eines der schönsten Lieder der deutschen Musikgeschichte!

Der nächste Song sei "eigentlich gar nicht vorgesehen" gewesen. Vicky sang ihn trotzdem: "Die Bouzoki klang durch die Sommernacht" (griechisch / deutsch).

Als Vicky ein Lied ankündigte, ", das ich seit dem letzten Jahr besonders gerne singe", schallte ihr aus zweitausendeinhundert Kehlen "Theo !!!" entgegen, was Vicky nur kurz in Verlegenheit brachte. Denn natürlich hatte sie nicht "Theo", sondern Leonard Cohen's "Hallelujah" gemeint. ("Theo" hätte nun doch diesen ganz besonderen festlichen Rahmen gesprengt. Wobei nicht viel gefehlt hätte und Vicky hätte tatsächlich noch "Theo" angestimmt …).

Aber auch mit "Auf WIederseh'n, Ihr Freunde mein" ließ sie ein restlos begeistertes Publikum zurück, das diesen einmaligen Konzertabend unter Garantie nie vergessen wird. (Hierbei kommt es noch einmal zu einem ganz besonderen emotionalen Moment – nämlich, als Vicky vor Rührung nicht mehr weitersingen kann.)

Getreu dem Motto "Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben" ist Vicky Leandros an diesem Abend schier über sich selbst hinausgewachsen. Möglicherweise hat sie am 6. Januar 2018 in der Elbphilharmonie Hamburg sogar das Konzert ihres Lebens gegeben.

Danke, Vicky !!!

Foto-Credit: Christian Müller (www.vickyleandros.eu)

Andy Tichler, Chefredakteur www.smago.de

http://www.vickyleandros.eu/

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