CARMEN NEBEL
„Durchwachsen“: „Backup“ / TV-Kritik zur Sendung „Willkommen bei Carmen Nebel“ vom 11.05.2013 (Klagenfurt) – Muttertag im ZDF!

Lesen Sie HIER einen Artikel von Katharina Ullrich…: 

Sie wurde jahrelang als „Quoten-Queen“ gefeiert, durchaus zu Recht. Als die Quoten dies nicht mehr hergaben, wurde aus ihr mit zwei-drei Jahren Verspätung die „erfolgreichste Samstagabendmoderatorin im deutschen Fernsehen“ – auch dies zu Recht, weil die besseren Quoten am Samstag ausschließlich von Männern erzielt wurden. Seit 10 Jahren empfängt sie ihre Gäste beim ZDF in ihrer Sendung „Willkommen bei mir“ wie sie sich auszudrücken pflegt,weil es ihr wohl unangenehm ist, den eigenen Namen selbst aussprechen zu müssen ? – Carmen Nebel (56).
 

Vor kurzem, Mitte April wurde ihr Vertrag vom ZDF um zwei weitere Jahre verlängert, nachdem der „Spiegel“ und die „Bild am Sonntag“ schon vom internen „Aus“ der Sendereihe berichtet hatten. Das Aus konnte abgewendet werden, allerdings mit herben Verlusten: aus 6 Shows im Jahr „Willkommen bei Carmen Nebel“ wurden kurzerhand nur 3 pro Jahr gemacht. Ohne Begründung durch das ZDF, ohne Erklärung von Frau Nebel. Für eventl. weitere andere Shows sei man(n) im Gespräch…Der Zuschauer darf spekulieren. Für alle Fans dieser Sendereihe wurde nach dieser Entscheidung ein passender Veranstaltungsort für die nächste Show gefunden – Klagenfurt.

Die 59. Ausgabe der Sendung versprach wie immer Stars, Musik und Überraschungen und diesmal besonders viele Überraschungen am Vorabend des Muttertages, denn auch Mütter von Stars seien zu Gast, soweit der einzige inhaltliche Hinweis vor der Sendung. Sollte die Redaktion geglaubt haben, dass dieser Hinweis ausreichen würde, um die Zuschauer auf die Show besonders neugierig zu machen, so wurde sie spätestens am Morgen nach der Sendung eines besseren belehrt. Die inzwischen üblichen 4,0 Millionen Zuschauer hatten sich wieder eingefunden. Das reichte nur für Platz 3 der Primetime-Programme. (Donna Leon = 6,23 Mio.; Deutschland sucht den Superstar – das Finale = 4,63 Mio.)

Was hätte man aus dem Thema Muttertag alles machen können? Und was wurde aufgeboten? Von den vielen unbekannten Müttern im Publikum, wurden 8 mit kurzen Video-Grüßen ihrer zumeist erwachsenen Kinder überrascht. 7 weinten daraufhin, offensichtlich zur Freude von Frau Nebel, die immer wieder betonte: „Genau das wollte ich, dass alle weinen“. Die eigentlich schönen emotionale Situationen dieser Sendung wurden durch diese Bemerkungen entzaubert und verkamen zu einem Spiel: auf Knopfdruck weinen, kurz zeigen und weiter.
 

Die Mütter von Mireille Mathieu, Andy Borg, Francine Jordi, Andreas Gabalier und „ein paar Mütter“ (wörtlich) vom Nockalm Quintett durften im Publikum sitzen und sich die Auftritte ihrer Kinder ansehen. Al Bano Carrisi grüßte seine 90jährige Mutter überschwänglich via Bildschirm in Italien, natürlich in Italienisch, leider ohne Übersetzer.
 

Für keine dieser Mütter nahm man sich, nahm sich Carmen Nebel Zeit. Nicht eine lernte man ansatzweise kennen. So wurden sie nicht zum Mittelpunkt, sondern waren nur Mittel zum Zweck.
 

Von Carmen Nebel persönlich eingeladen wurde ein junges Ehepaar, das 5 kleine Kinder hat. Damit sie als Ehrengäste Zeit für die Sendung haben, wurde als Babysitter Andreas Gabalier verpflichtet. Mehrfach wurde in das Haus des jungen Ehepaares live geschaltet, um zu belegen wie überfordert Andreas Gabalier mit dieser Aufgabe wurde. Kurz vor 22 Uhr kam er dann als „Überraschung“ mit den Kleinen auf die Bühne um gemeinsam mit ihnen ein kurzes Stück seines Hits „I sing a Liedl für di“ für die Mama zu singen, die natürlich weinte.

Leider waren all die Überraschungen zu vorhersehbar und deshalb musste Carmen Nebel auch immer wieder betonen, dass sie froh ist, dass alle dicht gehalten haben, damit die Überraschungen auch glaubhaft blieben.

Von den 16 mitwirkenden Interpreten, Gruppen und Ensembles durften 10 ihre neuen Titel vorstellen. Die restlichen 6 per formten ausschließlich ihre teilweise seit Jahrzehnten bekannten Erfolgstitel. Was besonders auffiel, es waren nicht, wie sonst üblich, überwiegend dieselben Künstler zu Gast. Vom Publikum gefeiert wurde Christina Stürmer mit ihrem Titel „Millionen Lichter“, eine Zugabe wäre hier berechtigt gewesen, ein Gespräch mit der Künstlerin wünschenswert. Nach fast zwei Stunden Sendezeit glänzte auf einmal auch die Regie mit wirklich schönen Umsetzungsideen bei Christina Stürmer und Santiano.

Mal ganz anders, ungewöhnlich privat, verlief die Vorstellung des Duos H&N. Wenn Sie die Boulevardpresse verfolgen, dann wissen Sie es vielleicht, bemerkte Carmen Nebel, „diesem Teil des Duos wasche ich die Hemden und die Socken.“ Das klang glücklich.

Sehr schön die Idee auch zum Geburtstag des Lügenbarons Münchhausen am Sendetag. Nicole, Francine Jordi und Christina Stürmer erzählten sehr überzeugend private Lügengeschichten und die Zuschauer zu Hause, sollten herausfinden, welche dieser unglaublichen Geschichten wahr ist.
 

Der Parodist Jörg Knör war diesmal fürs Lachen zuständig. Mit seinen Paraderollen (Lagerfeld, Lindenberg, Peter Alexander) gelang ihm auch die Auftragserfüllung mit neuen Texten zu aktuellen Themen. Deshalb durfte er gleich zweimal für einen kurzen Moment auftreten und wirkte bei beiden Auftritten irgendwie gehetzt.
 

Emotionen brauchen Zeit, sowohl das Lachen wie das Weinen. So sind wir Menschen nun einmal. Ein Gefühl muss sich aufbauen können. Ein Lied muss auch die Chance haben, nachklingen zu können. In dieser Sendung wollte man einfach zu viel und wollte auch noch pünktlich enden. So machte zunehmend der Eindruck des „Kurzangebundenseins“ breit, des Jagens von Programmpunkt zu Programmpunkt – und trotzdem wurden 10 min überzogen.

 

 

 

Zum Schluss das Update zur Sendung:

 

  • Neuwert: Mehr als in den letzten Sendungen zu finden. +++

 

  • Überraschungen: Zu viele und zu vorhersehbar. +

 

  • Musikalische Aktualität/Besetzung: Ausgewogen. ++

 

  • Emotionalität: Viele Möglichkeiten, leider ohne nachhaltige Wirkungen. +

 

  • Humor: Vertreten als Programmpunkt, schüchterne Versuche bei Moderation und Einspielern +

 

  • Dramaturgie: Trotz roten Fadens ein Nummernprogramm geblieben. –

 

  • Moderation: Gelöster als in vielen Sendungen davor.
    Wirkungen verschenkt durch die Einforderung des Weinens bei den überraschten Müttern. +-

 

  • Ausstattung (Bühnenbild, Licht, Kostüme): Keine große Wandlungsfähigkeit.

 

  • Regie: Vereinzelte schöne Umsetzungsideen bei der Titelgestaltung, überwiegend professionell abfotografiert. +

 

 

Foto-Credit: ZDF – ORF / Max Kohr

Katharina Ullrich für www.smago.de

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