„50 JAHRE ZDF-HITPARADE“
Souveräne Fach-Kritik von Frank Ehrlacher („Die ultimative Chart Show)“!

ZDF

Warum er „derzeit nichts“ von einer Wiederbelebung der Kult-Show hält …:

 

Viele haben sich gewundert und gefragt, warum ich als einer der weltgrößten bekennenden ZDF-Hitparaden-Fans nichts zum 50-jährigen Jubiläum gesagt und geschrieben, nicht mal die Idee gehabt habe, zur Aufzeichnung zu fahren und was ich denn davon halte, die „Hitparade“ wiederzubeleben.

Die Antwort ist gleich: Derzeit nichts und alles hat seine Zeit.

Ja, ich habe die Hitparade geliebt und finde es toll, dass das ZDF ihr eine Prime Time-Show gewidmet hat. Dass es statt einer der Original-Moderatoren Thomas Gottschalk gemacht hat, darf man kritisch sehen, halte ich aber auch für eine Auszeichnung: Er ist definitiv einer der besten, die wir haben.

Aber „Wiederbeleben“?

Dafür muss man sich erst mal klar werden, was für uns in unserem Verständnis heute die „ZDF-Hitparade“ ist – und woran sie 2000 gescheitert und dann eingestellt worden ist.

Wenn wir heute von „der Hitparade“ sprechen, dann meinen wir ja eigentlich den Heile-Welt-Kultschlager der 1970er Jahre mit Rex Gildo, Andrea Jürgens, Michael Holm, Cindy + Bert, Chris Roberts, Jürgen Marcus… – das geht heute in vielen Fällen aus rein biologischen Gründen nicht mehr. Aber auch „70er Jahre Schlager“ gesunden von „2000er Jahre Interpreten“ würde keinen Sinn machen: Damals war diese Musik der Nabel der deutschen Musikwelt – man hat nicht unterschieden in verschiedene Sparten, ein erfolgreicher deutschsprachiger Song war ein „Schlager“ – auch wenn er eigentlich mehr Rock denn Pop denn Schnulze war. Heute würde man sich künstlich auf eine Teil-Gattung der Musikszene beschränken. Denn was bedeutet es „Die Hitparade“ wiederzubeleben? Das Konzept der Sendung – Stars treten auf und die Zuschauer bringen das ganze in eine Platzierungsreihenfolge – ist ja im Internetzeitalter nichts besonderes mehr, Hitparaden gibt es wie Sand am Meer. Das besondere DIESER Hitparade war ihr Alleinstellungsmerkmal und ihre Akzeptanz dadurch, dass „alle“ guckten und „alle“ auftraten. „Nach dem Bade – Hitparade“.

Vor allem muss man sich daher vergegenwärtigen, warum die Akzeptanz in den 1990er Jahren so nachließ, dass die Sendung schließlich mangels Quote eingestellt wurde. Dafür die damaligen Moderatoren, insbesondere Uwe Hübner, verantwortlich zu machen, ist absurd, im Gegenteil, von dort gab es Ideen, die Sendung vom „Mief der 70er Jahre“ zu entstauben. Es waren vielmehr die Plattenfirmen, die längst nicht mehr ihre „Besten“ schickten, sondern die Hitparade (ähnlich dem ESC-Vorentscheid bis heute) als quotenmäßig zunächst noch gut dastehende Plattform für den Nachwuchs (miss-)brauchten. In den 1970er Jahren war es noch fast undenkbar, eine Einladung zur Hitparade abzusagen – Peter Alexander war eigentlich so ziemlich der einzige, der sich regelmäßig wegen dringender Angel-Termine entschuldigen ließ, aber immer hin ein paar Mal da war. Und Mireille Mathieu, wenn sie gerade mal kein Visum aus Frankreich bekam. Aber das war es auch schon. Selbst Udo Jürgens merkte nach einer Pause, dass es sich für ihn „lohnte“, in der Hitparade präsent zu sein.

Das wäre Voraussetzung Nr. 1, dass eine Hitparade wieder eine Chance hätte. Auch Helene Fischer müsste ein dreistündiges Loch in ihrem Terminplan finden, um im Studio vorbeizuschneien und selbst dann, wenn gleichzeitig Andrea Berg im Raum ist. Und Michelle und Kristina Bach. Oder alle. Aber auch ein Peter Maffay, ein Udo Lindenberg, Vincent Weiss, Johannes Oerding – selbst Capital Bra oder KC Rebell – denn damit sind wir beim zweiten Punkt: In den 1970er Jahren war das, was wir heute „Schlager“ nennen, DIE beherrschende Musikrichtung im deutschsprachigen Bereich. Als 1982 die „Neue deutsche Welle“ aufkam, gab es elendig lange Diskussionen, ob diese Musik denn in der Hitparade stattfinden „dürfe“ – bis Dieter Thomas Heck himself ein Machtwort sprach und sagte „Natürlich“ und es sogar Indie-Bands wie „Foyer des Arts“ in die Hitparade verschlug. Und so müsste heute Capital Bra genau so in derselben Sendung stattfinden wie Helene Fischer, die Amigos, die Toten Hosen, Herbert Grönemeyer, Pietro Lombardi oder Roland Kaiser. NUR dann würde eine Neuauflage in meinen Augen Sinn machen.

Im Interesse der Musikindustrie müsste das gerade in der heutigen Zeit sein, wieder eine derartige Plattform zu bekommen – aber die hat die Zeichen der Zeit schon recht oft ignoriert. Und da ich mir ein solches Szenario derzeit nur schwer bis gar nicht vorstellen kann, eine Art „Selbstverpflichtung“ aller Labels und Künstler, einer Einladung in die „Hitparade“ zu folgen … bleibt es bei einem schönen Rückblick und einer tollen Erinnerung.

 

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Textquelle: Facebook-Seite von Frank Ehrlacher (Textvorlage)

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